(19)
(11)EP 0 000 064 A1

(12)EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43)Veröffentlichungstag:
20.12.1978  Patentblatt  1978/01

(21)Anmeldenummer: 78100112.8

(22)Anmeldetag:  06.06.1978
(51)Internationale Patentklassifikation (IPC)2G03D 15/00
(84)Benannte Vertragsstaaten:
BE CH FR GB

(30)Priorität: 10.06.1977 DE 2726251

(71)Anmelder: Theilemann, Horst
D-8000 München 1 (DE)

(72)Erfinder:
  • Theilemann, Horst
    D-8000 München 1 (DE)

(74)Vertreter: Tetzner, Volkmar, Dr.-Ing. Dr. jur. 
Van-Gogh-Strasse 3
81479 München
81479 München (DE)


(56)Entgegenhaltungen: : 
  
      


    (54)Verfahren und Vorrichtung zur Reinigung von Filmen


    (57) Verfahren und Vorrichtung zur Reinigung von Filmen. Zur kontinuierlichen Reinigung von Filmen von an der Filmoberfläche anhaftenden Schmutzteilchen, insbesondere Staubteilchen, wird der Film (3) in Berührung mit einem bewegten Klebeband (1,2) gebracht, das die Schmutzteilchen aufnimmt und abführt.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren sowie eine Vorrichtung zur kontinuierlichen Reinigung von Filmen von an der Filmoberfläche anhaftenden Schmutz-, insbesondere Staubteilchen, wobei der Film in Berührung mit einem bewegten Reinigungsband gebracht wird, das die Schmutzteilchen aufnimmt und abführt.

    [0002] Filme müssen immer wieder von anhaftendem Schmutz, insbesondere Staubteilchen, gereinigt werden. Insbesondere vor der Vervielfältigung, dem Regenerationsprozeß (zwecks Beseitigung von Kratzern und dergleichen) sowie zur Vorführung ist eine sorgfältige Reinigung erforderlich. Eine solche Regenerierung erfolgt beispielsweise mittels eines hochglanzpolierten Glaswalzenmantels, der die Oberfläche der zu behandelnden Folie durch Abdruck nach Anlösen mittels eines zugefügten Lösungsmittels glätten soll. Befindet sich nun an einer Stelle der Folie ein Fremdkörper, beispielsweise ein Staubteilchen, so liegt die Folie hier nicht am Glaswalzenmantel an und der Fremdkörper wird - noch verstärkt durch die Einwirkung des Lösungsmittels - in oder an der Filmfolie fest verankert.

    [0003] Zur Reinigung von Filmen sind bereits verschiedene Verfahren bekannt, die teils eine Trockehreinigung, teils eine Naßreinigung des Filmes bewirken.

    [0004] So ist durch die DT-PS 659 999 ein Verfahren zur Entstaubung von Filmen bekannt, das auf elektrostatischer Grundlage arbeitet. Der laufende Film wird hierbei gegen elektrisch leitende Rollen gedrückt, die auf ein bestimmtest, vom Erdpotential abweichendes Potential gebracht sind, wobei hinter diesen Rollen Absaugdüsen mit einem Potential entgegengesetzten Vorzeichens vorgesehen sind. Der mit der Durchführung dieses Verfahrens verbundene Aufwand ist beträchtlich, sein Wirkungsgrad jedoch verhältnismäßig gering..

    [0005] Es ist weiterhin ein Verfahren bekannt (DT-OS 2. 154 460), bei dem eine Reinigungswalze Verwendung findet, die eine Hochglanzoberfläche aus hochplastifiziertem Polyvinylchlorid aufweist (d.h. aus einem Plastisol, das verfestigt und zur Erzielung einer hochglänzenden Oberfläche geschliffen ist). Der zu reinigende Film umschlingt hierbei die plastisolgeschichtete Walze, wobei das Ablösen von an der Filmoberfläche anhaftenden Fremdteilchen teils auf elektrostatische Erscheinungen, teils auf eine mechanische Saugwirkung zurückzuführen sein dürfte. Die genannte Reinigungswalze muß bei diesem bekannten Verfahren in einer verhältnismäßig umständlichen Weise laufend gereinigt werden, wozu sie ein mit einem Detergens gefülltes Bad durchläuft, in welchem eine gegenläufige Walzenbürste ihre Oberfläche bestreicht, woraufhin die Reinigungswalze ein weiteres, mit reinem Wasser gefülltes Bad durchsetzt und hier der Wirkung einerzweiten Bürste ausgesetzt ist. Dann noch an der Oberfläche der Reinigungswalze anhaftendes Reinigungsmittel wird mittels einer Quetschwalze entfernt, wonach schließlich die Oberfläche der Walze mit Hilfe eines Luftstrahles getrocknet wird. Auch dieses bekannte Verfahren bedingt daher einen ungewöhnlich großen Aufwand, der seine Benutzung für zahlreiche Anwendungsfälle (wie etwa die Reinigung von Amateurfilmen) von vornherein ausschließt.

    [0006] Durch die DT-AS 1 267 978 ist schließlich ein Verfahren zum Reinigen von Filmen bekannt, bei dem der Film in Berührung mit einem bewegten Reinigungsband gebracht wird, das aus einem Absorbens besteht und zunächst eine bestimmte Menge eines Lösungsmittels aufnimmt, ehe es dann. in Berührung mit dem Film gebracht wird. Die in den Fasern des Reinigungsbandes enthaltene Flüssigkeit dient hierbei zum Lösen der am Film haftenden Substanzen und zum Festhalten durch Absorption. Feste Stoffe, die in der Flüssigkeit unlöslich sind, werden durch Reibung am Reinigungsband festgehalten. Dieses Verfahren ist nicht zuletzt durch die benötigte Reinigungsflüssigkeit im Gebrauch umständlich und aufwendig.

    [0007] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, unter Vermeidung der Mängel der bekannten Verfahren ein neuartiges Verfahren zur kontinuierlichen Reinigung von Filmen zu entwickeln, das sich zugleich durch besondere Einfachheit und höchste Reinigungswirkung auszeichnet.

    [0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß als Reinigungsband ein mit dem Film gleichlaufendes Klebeband Verwendung findet.

    [0009] Zur Reinigung von Textilien von lose anhaftenden Fasern sind sog. "Fusselrollen" bekannt, die an ihrem Umfang einen Klebstoffauftrag aufweisen und beim Rollen über das zu reinigende Textilmaterial die daran anhaftenden Fusseln und sonstigen kleineren Verunreinigungen mitnehmen. Bei dieser vom Haushalt her bekannten Anwendung einer bewegten Klebschicht zur Entfernung von Verunreinigungen liegen jedoch in verschiedener Hinsicht andere Verhältnisse als bei einer Filmreinigung vor. So haften insbesondere die von Filmen zu entfernenden Schmutzteilchen oft sehr fest an der Filmoberfläche, was die Ausübung einer verhältnismäßig intensiven Klebwirkung zur Entfernung dieser Schmutzteilchen erforderlich macht. Es war daher zu befürchten, daß bei einer. Filmreinigung mittels eines Klebebandes wegen der notwendigen intensiven Berührung zwischen Klebeband und Film eine Beschädigung der auf dem Filmträgermaterial befindlichen lichtempfindlich. bzw. magnetischen Schichten erfolgen könnte.

    [0010] Bei den der Erfindung zugrundeliegenden umfangreichen Versuchen und praktischen Erprobungen zeigte sich demgegenüber ein überraschender Erfolg der erfindungsgemäßen Maßnahme. Bringt man einen Film in Berührung mit einem Klebeband (beispielsweise mit einem mit einem Polyvinyläther-Klebstoff beschichteten Klebeband), so bleiben an diesem Klebeband an der Filmoberfläche vorhandene Schmutz-, insbesondere Staubteilchen, einwandfrei haften und werden auf diese Weise zuverlässig von der Filmoberfläche abgeführt. Unter keinen Umständen trat bei den umfangreichen Versuchen 'durch das Klebeband irgendeine Beschädigung der Filmoberfläche auf. So wurden beispielsweise in einer Versuchsreihe über 200 000 m Filmmaterial (35 und 16 mm-Filme, Farbfilm und Schwarz-Weiß-Material, Positiv-und Negativ-Material) nach dem erfindungsgemäßen Verfahren gereinigt; das Resultat war in jeder Beziehung hervorragend und übertraf trotz der außerordentlichen Einfachheit der Arbeitsweise alle bisher gebräuchlichen Reinigungsverfahren.

    [0011] Zur praktischen Durchführung des erfindungsgemäßen Reinigungsverfahrens genügt in einfachster Ausführung eine Reinigungsrolle, die an ihrem Umfang mehrere übereinanderliegende Klebeband-Lagen aufweist, deren Klebschicht nach außen weist und die nach einer bestimmten Gebrauchszeit einzeln abgenommen werden (so daß die darunter befindliche nächste Klebebandlage zum Vorschein kommt).

    [0012] Diese besondere Einfachheit einer Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens ermöglicht es erstmalig, das Reinigungsverfahren nicht nur im professionellen Bereich (etwa für die Reinigung von zu regenerierenden, zu kopierenden oder vorzuführenden Filmen) einzusetzen, sondern auch im Amateurbereich. Bemerkenswert sind auch die weiteren Vorzüge, daß durch die Vermeidung von Reinigungsflüssigkeiten, Auftragseinrichtungen, Trocknungsstrecken und dgl. nicht nur der apparative Aufwand außerordentlich klein ist, sondern auch keine Feuergefahr besteht und die Notwendigkeit des Absaugens toxischer Gase entfällt.

    [0013] Zweckmäßige Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen Verfahrens sowie einer Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens sind Gegenstand der Unteransprüche.

    [0014] Einige Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Fig.1 bis 3 der Zeichnung ganz schematisch veranschaulicht.

    [0015] Die Reinigungsvorrichtung gemäß Fig.1 enthält zwei Reinigungsrollen 1 und 2, die vom Film 3 nacheinander umschlungen werden, wobei der Umfang der Reinigungsrolle 1 mit der einen Seite des Filmes und der Umfang der Reinigungsrolle 2 mit der anderen Seite des Filmes in Berührung steht. Rollen 4 und 5 dienen zum Antrieb bzw. zur Umlenkung des Filmes 3.

    [0016] Die beiden Reinigungsrollen 1 und 2 weisen an ihrem Umfang eine Vielzahl übereinander liegender Klebebandlagen 6 bzw. 7 auf, deren Klebschicht nach außen weist. Die jeweils äußerste Klebebandlage nimmt die am Film 3 anhaftenden Schmutz-und Staubteilchen auf und befreit damit die Filmoberfläche zuverlässig von allen Fremdteilchen. Ist die äußere Klebebandlage nach einer gewissen Betriebszeit verschmutzt, so wird sie durch einfaches Auftrennen entfernt, so daß die darunterliegende nächste Klebebandlage zur Wirkung kommt.

    [0017] Bei dem Ausführungsbeispiel gemäß Fig.2 passiert der zu reinigende Film 3 nacheinander die Reinigungsrollen 1, 2, 11, 12, wobei die Reinigungsrollen 1 und 11 die eine Filmseite und die Reinigungsrollen 2 und 12 die andere Filmseite von anhaftenden Fremdkörpern befreien. Es liegt auf der Hand, daß auch noch weitere Reinigungsrollen nachgeschaltet werden können, doch ist dies im Hinblick auf die hohe Wirksamkeit des erfindungsgemäßen Reinigungsverfahrens im allgemeinen nicht erforderlich.

    [0018] Während bei den Ausführungsbeispielen der Fig.1 und 2 der Film die Reinigungsrolle längs eines gewissen Umfangswinkels (im allgemeinen zwischen 90 und 180°) umschlingt, zeigt Fig.3 ein weiteres Ausführungsbeispiel, bei dem der Film 3 zwischen einer mit Klebebandlagen 6 am Umfang versehenen Reinigungsrolle 1 und einer Gegendruckrolle 13 hindurchgeführt ist, so daß sich näherungsweise eine linienförmige Berührung mit der äußersten Klebebandlage 6 ergibt. Die Gegendruckrolle 13 wird mit einem zweckmäßig einstellbaren Anpreßdruck an die Reinigungsrolle 1 bzw. den Film 3 angedrückt; vorteilhaft kann die Gegendruckrolle 13 federnd gelagert sein; sie kann ferner gleichfalls Klebebandlagen tragen.

    [0019] Das erfindungsgemäße Verfahren ist auf Veränderungen zahlreicher Parameter, wie Anpreßdruck, Berührungszeit zwischen Film und Klebeband, Transportgeschwindigkeit usw., wenig empfindlich, was die praktische Verwendung außerordentlich erleichtert. So wurde beispielsweise der Anpreßdruck bei einer Folie von 120 µm Dicke zwischen 10 und 1000 g/cm2 variiert, die Berührungszeit wurde zwischen 1/20 s und 10 s geändert, Geschwindigkeiten wurden bis zu 10 000 m/h angewandt. In all diesen Fällen wurden einwandfreie Reinigungsergebnisse erzielt.

    [0020] Zur Erläuterung des notwendigen Klebebandbedarfes diene folgendes Beispiel: Bei einem sehr stark verunreinigten Film wurde eine Filmlänge von 1000 m mit zwei hintereinander angeordneten Reinigungsrollen unter Benutzung von insgesamt 50 cm Klebebandlänge sauber gereinigt.

    [0021] Die Erfindung sei weiterhin anhand folgenden Beispieles erläutert:

    Gereinigt wurde belichteter Kodak-Umkehrfilm 16 mm mit einer Geschwindigkeit von etwa 1 m/s und einer Film-Zugkraft von ca. 100 g, wobei die Filmrolle einen Durchmesser vom 50 mm besaß und der Umschlingungswinkel ca. 90° betrug.



    [0022] Zur Reinigung wurde ein von der Fima Beiersdorf (Hamburg) hergestelltes und unter der Bezeichnung "Tesa-Krepp 432" vertriebenes Klebeband benutzt, das etwa folgende Zusammensetzung aufweist:

    Klebstoff: bestehend aus Naturkautschuk, versetzt mit Naturharzen, wobei als Lösungsmittel vorzugsweise Aromate vorgesehen sind, ferner mit einem Füllmittelzusatz von Zinkoxyd sowie einem Alterungsschutz; Auftragsstärke: 110 µ bei einer Toleranz von + 6%.

    Papierunterlage: Imprägnieres Papier mit einer Stärke von 200 µ, rückseitig mit einer'Lackierung versehen.




    Ansprüche

    1. Verfahren zur kontinuierlichen Reinigung von Filmen von an der Filmoberfläche anhaftenden Schmutz-, insbesondere Staubteilchen, wobei der Film in Berührung mit einem bewegten Reinigungsband gebracht wird, das die Schmutzteilchen aufnimmt und abführt, dadurch gekennzeichnet , daß als Reinigungsband ein mit dem Film gleichlaufendes Klebeband Verwendung findet.
     
    2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein handelsübliches Klebeband Verwendung findet.
     
    3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Film nacheinander mit mehreren Klebebändern in Berührung gebracht wird.
     
    4. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß wenigstens eine Reinigungsrolle (1) vorgesehen ist,-die an ihrem Umfang mehrere übereinanderliegende, nach einer bestimmten Gebrauchszeit einzeln abnehmbare Klebebandlagen (6) mit nach außen weisender Klebeschicht aufweist.
     
    5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß zwei mit Klebeband versehene Reinigungsrollen (1, 2) in Bewegungsrichtung des Filmes (3) hintereinander so angeordnet sind, daß das Klebeband der beiden Reinigungsrollen mit je einer Seite des Filmes in Berührung kommt.
     
    6. Vorrichtung nach Anspruch 4, gekennzeichnet durch eine derartige Führung des Filmes, daß der Film die Reinigungsrolle eines Umfangswinkels umschlingt.

    Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Reinigungsrolle (1) eine Gegendruckrolle (13) zugeordnet und der Film (3) zwischen der Reinigungsrolle und der Gegendruckrolle, vorzugsweise in einer annähernd linienförmigen Berührung mit dem Klebeband, hindurchgeführt ist.


     
    8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Anpreßdruck der vorzugsweise federnd gelagerten Gegendruckrolle einstellbar ist.
     
    9. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß auch die Gegendruckrolle (13) als eine mit Klebebandlagen versehene Reinigungsrolle ausgebildet ist.
     




    Zeichnung










    Recherchenbericht