(19)
(11)EP 0 004 623 A1

(12)EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43)Veröffentlichungstag:
17.10.1979  Patentblatt  1979/21

(21)Anmeldenummer: 79100904.6

(22)Anmeldetag:  24.03.1979
(51)Int. Kl.2C07C 85/04
(84)Benannte Vertragsstaaten:
CH DE FR GB

(30)Priorität: 06.04.1978 DE 2814860

(71)Anmelder: BAYER AG
51368 Leverkusen (DE)

(72)Erfinder:
  • Marhold, Albrecht, Dr.
    D-5090 Leverkusen (DE)
  • Lantzsch, Reinhard, Dr.
    D-5090 Leverkusen (DE)
  • Klauke, Erich, Dr.
    D-5068 Odenthal (DE)
  • Kysela, Ernst, Dr.
    D-5060 Bergisch-Gladbach 3 (DE)


(56)Entgegenhaltungen: : 
  
      


    (54)Verfahren zur Herstellung von aromatischen Aminen


    (57) Aromatische Amine, insbesonder solche der Formel

    worin Z1/Z2 = H, NO2 oder CF3, aber nicht gleichzeitig H;

    R,/R2 = H, Alkyl, Alkoxy oder Halogen und

    R3 = R, bzw. R2 oder CF3,


    lassen sich unter milden Bedingungen durch Umsetzung entsprechender Halogenverbindungen mit wäßrigem Ammoniak herstellen, wenn man die Umsetzung in Gegenwart von Phasentransferkatalysatoren, insbesondere Ammonium- und Phosphoniumsalzen durchführt.


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein neues Verfahren zur Herstellung von aromatisch-carbocyclischen oder aromatisch-heterocyclischen Aminen durch Umsetzung entsprechender aktivierter Halogenverbindungen mit wäßriger Ammoniaklösung bei erhöhter Temperatur.

    [0002] Das Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, daß man die Umsetzung in Gegenwart von Phasentransfer-Katalysatoren, insbesondere solchen aus der Reihe der quartären Ammonium- oder Phosphoniumsalze, vornimmt.

    [0003] Geeignete Phasentransferkatalysatoren zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens sind Verbindungen der Formel (I)

    worin X1-X4 unabhängig voneinander für einen nieder-oder hochmolekularen organischen Rest, insbesondere einen gegebenenfalls substituierten Alkyl-, Cycloalkyl- oder Arylrest oder einen gegebenenfalls durch Divinylbenzol vernetzen Polystyrolrest,

    Y für Stickstoff oder Phosphor und

    A(-) für ein Anion stehen.



    [0004] Besonders bewährt haben sich quartäre Ammoniumsalze der angegebenen Formel (Y = N), in der X1, X2 und X3 unabhängig voneinander für C1-C18-Alkyl und X4 für C1-C4-Alkyl, Benzyl oder Phenyl stehen.

    [0005] Ganz besonders bevorzugt sind symmetrische quartäre Ammoniumsalze der angegebenen Formel, in der X1 - X4 für C1-C6-Alkyl steht.

    [0006] Geeignete Alkylreste X, - X4 sind z.B. C1-C18-Alkylreste wie der Methyl, Äthyl, Propyl"n-Butyl-, Hexyl-, Dodecyl und Octadecylrest und vor allem durch einen Hydroxy-, Cyan- oder Phenylrest substituierte C1-C18-Alkylreste, wie der 2-Hydroxyäthyl-, 2-Hydroxypropyl-, 2-Cyanäthyl-oder 2-Phenyläthylrest.

    [0007] Als Cycloalkylreste X1 - X4 kommen vor allem CS-C6-Cycloalkylreste, wie der Cyclopentyl und der Cyclohexylrest und die durch C1-C4-Alkylgruppen substituierten Cyclopentyl- und Cyclohexylreste, in Betracht.

    [0008] Als geeignete Arylreste seien vor allem die durch C1-C4-Alkylreste substituierten Phenylreste genannt.

    [0009] Als quartäre Ammoniumsalze, bei denen einer der Reste R bis R ein polymerer Rest ist, seien beispielsweise Ionenaustauscher auf der Basis von Styrol genannt, die im allgemeinen 2 Mol-% Divinylbenzol als Vernetzer, die quartäre Ammoniumgruppen tragen.

    [0010] Als Anion X- kommen vor allem Halogenidionen (insbesondere Cl-) sowie das Hydrogensulfation in Betracht.

    [0011] Als Vertreter der erfindungsgemäß zu verwendenden Ammoniumsalze seien beispielsweise genannt: Tetramethylammoniumchlorid, Tetramethylammoniumjodid, Tetraäthylammoniumchlorid, Tetrabutylammoniumbromid, Tri- äthylbenzylammoniumchlorid, Trioctylmethylammoniumchlorid, Benzyldodecyldimethylammoniumchlorid, Tetrabutylammoniumhydrogenaulfat.

    [0012] Geeignete aktivierte Halogenverbindungen als Ausgangsmaterialien für das erfindungsgemäße Verfahren sind insbesondere solche der Benzolreihe, vorzugsweise solche der Formel

    worin für Halogen, vorzugsweise Cl oder Br,

    Z1 und Z2 unabhängig voneinander für H, N02 oder CF3, jedoch nicht gleichzeitig für H,

    R1 und R2 unabhängig voneinander für H, C1-C4-Alkyl, C1-C4-Alkoxy, Halogen (insbesondere Cl oder Br) und

    R3 für R1 bzw. R2 oder CF3 stehen.



    [0013] Diese Verbindungen sind bekannt bzw. in an sich bekannter Weise zugänglich.

    [0014] Beispielhaft seien die folgenden Halogenverbindungen genannt:

    2-Nitrochlorbenzol, 4-Nitrochlorbenzol, 2,4-Dinitrochlorbenzol, 4-Nitrofluorbenzol, 2,4-Di-trifluormethylchlorbenzol, 2-Nitro-4-trifluormethyl-chlorbenzol, 2-Trifluormethyl-4-nitro-chlorbenzol, 2-Chlor-3-nitro-5-trifluormethyl-toluol, 2-Chlor-5-nitro-3-trifluormethyl-toluol, 3-Nitro-5-trifluormethyl-1,2-dichlorbenzol, 3-Nitro-2-chlor-5-trifluormethyl-brombenzol, 2-Chlor-6-nitro-benzthiazol, 2,4-Dinitro-1-bromnaphthalin, 3-Phenyl-5-chlor-thiadiazol-(1,2,4).



    [0015] Die für die Umsetzung erforderliche Menge an Phasentransferkatalysatoren kann in weiten Grenzen schwanken. Im allgemeinen haben sich Mengen von 0,1 bis 50 Gew.-%, vorzugsweise 1,0 bis 20 Gew.-%, bezogen auf das Gewicht des umzusetzenden Halogenids, bewährt.

    [0016] In dem erfindungsgemäßen Verfahren wird ein Ammoniak- überschuß eingesetzt, üblicherweise die 5 bis 25-fache Menge. Die Ammoniakkonzentration beträgt in etwa zwischen 15 und 60 %, vorzugsweise zwischen 25 und 50 %.

    [0017] Die ideale Reaktionstemperatur kann für jedes eingesetzte Halogenid je nach Reaktivität, Reaktionszeit und Katalysatormenge durch wenige Versuche leicht ermittelt werden. Sie liegt im allgemeinen zwischen 80 und 200°C, vorzugsweise zwischen 110 und 160°C.

    [0018] Die Durchführung der Reaktion erfolgt in üblicher Weise (vgl. z.B. Methoden d. Org. Chem. Houben-Weyl, Band XI, 1 Seite 63 f).

    [0019] Gegenüber den bekannten, ohne Transferkatalysatoren arbeitenden Aminolysemethoden weist das erfindungsgemäße Verfahren eine Reihe wichtiger Vorteile auf.

    [0020] In erster Linie ist dabei die Herabsetzung der Reaktionstemperaturen zu nennen, wodurch häufig erstmals die Durchführung derartiger Reaktionen im großtechnischen Maßstab ermöglicht wird.

    [0021] Auf jeden Fall wird das Sicherheitsrisiko erheblich vermindert, da der Abstand zwischen Reaktionstemperatur und Zersetzungstemperatur der Reaktionsprodukte oftmals wesentlich vergrößert wird.

    [0022] Ein weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens ist eine sehr starke Verminderung der Korrosion, die durch das Arbeiten bei niedrigerer Temperatur erreicht wird.

    [0023] Die Verfahrensprodukte sind wertvolle Ausgangsmaterialien zur Herstellung von Farbstoffen, Pflanzenschutz- und Arzneimitteln.

    [0024] So lassen sich die diazotierbaren Amine in bekannter Weise in anwendungstechnisch hochwertige Azofarbstoffe überführen.

    [0025] o-Nitranilin kann darüber hinaus z.B. zu o-Phenylendiamin reduziert werden, das seinerseits ein Ausgangsstoff zur Synthese von bekannten Benzimidazolgruppenhaltigen Fungiziden oder Cumarinfarbstoffen ist.

    Deiseiel 1



    [0026] In einem 1,3-1-Rührautoklaven werden 79 g o-Nitrochlorbenzol, 630 g 25 %iges wäßriges Ammoniak und 12,5 g Tetraithylammoniumchlorid 10 h auf 1850° erhitzt. Nach dem Abkülilen wird entspannt und mit verciünnter H2SO4 auf pH 8 gestellt. Dann wird dreimal mi t insgesamt 400 ml CH2Cl2 extrahiert, die organische Phase abegtrennt und das Lösungsmittel abdestilliert. Das zuriickbleihende o-Nitranilin wird getrocknet, Der Gehalt an o-Nitranilin betragt 98,2 %, die Ausbeute ist nahezu quantitativ.

    Beispiel 2 Vergleichsbeispiel



    [0027] Beispiel 1 wird ohne Zusatz von Tetraathylammoniumchlorid wiederholt. Das entstehende Produkt besteht lt. gaschromatographischer Analyse zu 67 % aus unumgesetzten o-Nitrochlorbenzol und nur zu 33 % aus o-Nitranilin.

    Beispiel 3



    [0028] Beispiel 1 wird mit 14 g Tetrabutylammoniumchlorid statt mit Tetraäthylammoniumchlorid wiederholt. Das zurückbleibende o-Nitranilin ist 97 %ig, die Ausbeute beträgt 96 % d.Th.

    Beispiel 4



    [0029] In einem 0,3-1-RührautoMav werden 68 g 2-Trifluormethyl-4-nitro-chlorbenzol, 40 g Wasser und 4 g Tetraäthylammoniumchlorid vorgelegt und anschließend 50 g flüssiger Ammoniak aufgedrückt. Man erhitzt auf 130°C und rührt für 5 h bei dieser Temperatur. Nach dem Abkühlen wird entspannt und das Material auf eine Filternutsche ausgetragen. Nach dem Absaugen verbleibt ein kristallines Produkt, das mit je 30 ml Wasser zweimal gewaschen wird. Nach Ablauf des Waschwassers wird mit 20 ml 10 %iger Salzsäure gewaschen. Es verbleibt ein gelbgrünes Produkt, das nach dem Trocknen 62 g wiegt. Das entstandene 2-Trifluor-4-nitro-anilin ist ca. 98 %ig (97 - 98 % d.Th.) und schmilzt bei 88 - 89°C.

    Beispiel 5



    [0030] In einem Autoklaven werden 30 g (0,1 Mol) 2-Chlor-5-nitro-1,3-bistrifluormethylbenzol, 20 ml Wasser und 1,5 g Tetra- äthylanunoniumchlorid vorgelegt und anschließend 25 ml flüssiger Ammoniak aufgedrückt. Unter Rühren wird für 6 Stunden auf 130°C unter einem Eigendruck von 15 bar erhitzt. Nach dem Abkühlen und Entspannen wird das kristalline Rohprodukt abfiltriert und mit Wasser gewaschen. Nach Umkristallisieren aus wäßrigem Isopropanol erhält man 17 g 4-Nitro-2,6- bistrifluormethylanilid mit einem Schmelzpunkt von 147 - 148°C.

    Beispiel 6



    [0031] In einem 100 ml-Autoklaven werden 26 g (0,1 Mol) 2,3-Dichlor-5-nitro-benzotrifluorid zusammen mit 20 ml Wasser und 1,5 g Tetraäthylammoniumchlorid vorgelegt und 25 ml NH3 flüssig aufgedrückt. Während der 6 Stunden Reaktionszeit bei 125°C fällt der Druck von 12 auf 10 bar. Nach Abkühlen und Entspannen wird der Ansatz zweimal mit je 50 ml Chloroform extrahiert. Die GC-Analyse zeigt an, daß sich das Ausgangsmaterial zu 91 % zum gewünschten 2-Chlor-4-nitro-4-trifluormethylanilin umgesetzt hat. Durch Abdampfen des Lösungsmittel und Kristallisation aus wäßrigem Isopropancl erhält man 15 g Amin (F: 109-11°C).

    Beispiel 7



    [0032] Zu 4 g Tetraäthylammoniumchlorid in 40 ml Wasser gibt man 78 g (0,3 Mol) 2,4-Dichlor-5-nitro-benzotrifluorid in einen Autoklaven und drückt 50 g flüssiges Ammoniak auf. Unter einem Eigendruck von anfangs 23 bar wird der Ansatz für 5 Stunden bei 130°C gerührt, abgekühlt und entspannt. Das kristalline Reaktionsprodukt wird abfiltriert und mit Wasser gewaschen. Das Reaktionsprodukt wird durch Destillation gereinigt. Man erhält bei Kp 140 - 45°C 44 g 2-Nitro-4-trifluormethyl-5-chloranilin mit einem Schmelzpunkt von 108 - 110°C.

    Beispiel 8



    [0033] Man legt in einem Autoklaven 4 g Tetramethylammoniumchlorid, 40 ml Wasser und 68 g 2-Trifluormethyl-4-nitrochlorbenzol vor, drückt 50 g flüssiges Ammoniak auf und erhitzt für 5 Stunden auf 130°C. Die Reaktionsmischung wird in Chloroform aufgenommen, von der wäßrigen Phase getrennt und nach dem Trocknen über Natriumsulfat einer GC-Analyse unterworfen. Danach ist 2-Trifluormethyl-4-nitro-anilin zu 95 % entstanden.

    Beispiel 9



    [0034] 68 g 2-Trifluormethyl-4-nitro-chlorbenzol werden zusammen mit 46 g 20 %iges wäßriges Ammoniak im Autoklaven vorgelegt und dann 19 g flüssiges Ammoniak aufgedrückt. Man erhitzt für 5 Stunden auf 130°C. Der Anfangsdruck von 15 bar fällt auf 10 bar ab. Nach vorgennanter Aufarbeitung zeigt die GC-Analyse einen Umsatz von 34,8 % an.

    Beispiel 10



    [0035] Man wiederholt den Versuch aus Beispiel 9 und setzt zur Reaktionsmischung noch 4 g Tetraäthylammoniumchlorid zu. Nach gleicher Aufarbeitung zeigt die GC-Analyse einen Umsatz von 91,2 % an.


    Ansprüche

    1. Verfahren zur Herstellung von aromatischen Aminen durch Umsetzung entsprechender aktivierter Halogenverbindungen mit wäßriger Ammoniaklösung bei erhöhter Temperatur, dadurch gekennzeichnet, daß man die Umsetzung in Gegenwart von Phasentransfer-Katalysatoren, vornimmt.
     
    2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man als Transferkatalysatoren quartäre Ammonium-oder Phosphoniumsalze verwendet.
     
    3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man als Phabentransferkatalysatoren Verbindungen der Formel

    worin X1-X4 unabhängig voneinander für einen nieder-oder hochmolekularen organischen Rest, insbesondere einen gegebenenfalls substituierten Alkyl-, Cycloalkyl- oder Arylrest oder einen gegebenenfalls durch Divinylbenzol vernetzten Polystyrolrest,

    Y für Stickstoff oder Phosphor und A(-) für ein Anion stehen.


     
    4. Verfahren nach Anspruch 1 bzw. 3, dadurch gekennzeichnet, daß man als Transferkatalysatoren solche der in Anspruch 3 angegebenen Formel verwendet, worin Y = N X1-X4 = C1-C6-Alkyl und A(-) = Cl(-) oder HSO4 bedeuten.
     
    5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man als Phasentransferkatalyaator einen Ionenaustauscher auf der Basis von vernetzem Polystyrol, welches quartäre Ammoniumgruppen enthält, verwendet.
     
    6. Verfahren nach Ansprüchen 1 - 5, dadurch gekennzeichnet, daß man als aktivierte Halogenverbindungen solche der Formel

    worin Hal für Halogen, vorzugsweise Cl oder Br,

    Z1 und Z2 unabhängig voneinander für H, N02 oder CF3, jedoch nicht gleichzeitig für H,

    R1 und R2 unabhängig voneinander für H, C1-C4-Alkyl, C1-C4-Alkoxy, Halogen (insbesondere Cl oder Br) und

    R3 für R1 bzw. R2 oder CF3 stehen, verwendet.


     
    7. Verfahren nach Ansprüchen 1 - 6, dadurch gekennzeichnet, daß man als Halogenverbindung 2-Trifluormethyl-4-nitro-chlorbenzol einsetzt.