(19)
(11)EP 3 502 633 A1

(12)EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43)Veröffentlichungstag:
26.06.2019  Patentblatt  2019/26

(21)Anmeldenummer: 17209294.2

(22)Anmeldetag:  21.12.2017
(51)Internationale Patentklassifikation (IPC): 
G01G 7/02(2006.01)
G01G 21/24(2006.01)
G01G 21/07(2006.01)
(84)Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME
Benannte Validierungsstaaten:
MA MD TN

(71)Anmelder: Mettler-Toledo GmbH
8606 Greifensee (CH)

(72)Erfinder:
  • Burisch, Arne
    8050 Zürich (CH)
  • Burkhard, Hans-Rudolf
    8492 Wila (CH)
  • Baltisberger, Stephan
    8625 Gossau (CH)
  • Loher, Urs
    5512 Wohlenschwil (CH)
  • Metzger, Andreas
    8708 Männedorf (CH)

(74)Vertreter: Mettler-Toledo 
IP Department Im Langacher 44
8606 Greifensee
8606 Greifensee (CH)

  


(54)MONOLITHISCHE WÄGEZELLE


(57) Kraftübertragungsvorrichtung mit einer Parallelführung aufweisend einen beweglichen Parallelschenkel, einen feststehenden Parallelschenkel, einen ersten Parallellenker und einen zweiten Parallellenker, wobei die Parallelschenkel und die Parallellenker durch Dünnstellenbiegelager miteinander verbunden sind, wobei der bewegliche Parallelschenkel durch die Parallellenker am feststehenden Parallelschenkel geführt ist, weiter mit einem am feststehenden Parallelschenkel angeordneten Kraftübertragungshebel aufweisend ein Hebellager, und einem ersten Hebelarm, wobei der Kraftübertragungshebel am Hebellager schwenkbar gelagert ist und dessen erster Hebelarm mit dem beweglichen Parallelschenkel in kraftübertragender Weise mit verbunden ist, wobei die kraftübertragende Verbindung mittels eines Koppelelements mit mindestens einem weiteren Dünnstellenbiegelager erfolgt, wobei die Kraftübertragungsvorrichtung oder zumindest ein Funktionsbereich der Kraftübertragungsvorrichtung monolithisch ausgebildet ist, und wobei ein Funktionsbereich der Kraftübertragungsvorrichtung jeweils aus dem ersten Parallellenker, und/oder dem zweiten Parallellenker, und/oder dem Kraftübertragungshebel und/oder dem Koppelelement, und aus den jeweils angrenzenden Lagerstellen besteht. Die Erfindung zeichnet sich dadurch aus, dass die Kraftübertragungsvorrichtung oder zumindest einer der Funktionsbereiche aus mindestens einem ersten Werkstoff besteht, und dass mindestens eine der Lagerstellen der Kraftübertragungsvorrichtung oder des zumindest einen Funktionsbereichs aus einem zweiten Werkstoff besteht.










Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft eine zumindest teilweise monolithisch aufgebaute Kraftübertragungsvorrichtung mit einer Parallelführung und ein Verfahren zur Herstellung einer zumindest teilweise monolithisch aufgebauten Kraftübertragungsvorrichtung mit einer Parallelführung für eine Kraftmessvorrichtung, beispielsweise eine Waage.

[0002] Bekannte Vorrichtungen, zum Beispiel aus EP 0 518 202 A1, der eingangs genannten Art, die einstückig mit einer Parallelführung für ein der Krafteinleitung der zu messenden Kraft in den Koppel des Kraftübertragungshebels dienendes Krafteinleitungsteil ausgebildet sind, sind vor allem deswegen vorteilhaft, weil durch die einstückige Ausbildung alle Montagevorgänge für die gegenseitige Verbindung der einzelnen Teile untereinander mittels getrennt ausgebildeter Biegestellen entfallen. Ebenso entfallen dadurch auch das Vorspannungsaltern der Verschraubungen und die damit verbundenen Probleme. Ferner sind wegen der einstückigen Ausbildung die Materialeigenschaften an allen Stellen der Vorrichtung gleich, so dass durch unterschiedliche Materialeigenschaften hervorgerufene Fehler entfallen.

[0003] Das Material der einstückig (monolithisch) ausgebildeten Kraftübertragungsvorrichtung bestimmt mit Eigenschaften wie der Federsteifigkeit, der Zug- und Druckfestigkeit, dem Elastizitätsmodul, dem Temperaturkoeffizient des Elastizitätsmoduls, der Anelastizität (auch als Kriechen bekannt) und der Linearität das Verhalten der Dünnstellenbiegelager - auch Biegelager oder Lagerstellen genannt - der Parallelführung, der Koppel und des Kraftübertragungshebels. Ebenso ist die Ausgestaltung der Lagerstellen in Dicke und Form (Querschnitt) und in der Breite (rechtwinklig zum Querschnitt) abhängig vom verwendeten Material der Kraftübertragungsvorrichtung. Demnach bestimmen die Lagerstellen wesentlich die Leistungskenndaten einer analytischen Waage.

[0004] Hochauflösende niederlastige Analysen- und Mikrowaagen benötigen Dünnstellenbiegelager mit einer möglichst geringen Federsteifigkeit, da das Übersetzungsverhältnis klein ist, und so die Rückstellkräfte der Dünnstellenbiegelager grösseren Einfluss auf die Kraftmessung haben. Anders gesagt führt eine geringere Federsteifigkeit der Dünnstellenbiegelager zu einer besseren Auflösung der Zelle. Die Federsteifigkeit eines Dünnstellenbiegelagers wird durch den Querschnitt und den Elastizitätsmodul des Materials bestimmt. Die Grenzen der prozesssicheren Serienproduktion von heutigen Dünnstellenbiegelager unter Verwendung einer speziellen Aluminiumlegierung liegen etwa bei 0.07 mm. In nachteiliger Weise erfordert dies bei der Handhabung bei Herstellung und Montage einen Schutz vor Beschädigung. Auch während dem Transport der fertigen Waage zum Kunden ist die Kraftübertragungsvorrichtung durch eine grosse Verpackung der Waage und eine Transportsicherung zu schützen.

[0005] Anders als bei mehrstückigen Kraftübertragungsvorrichtungen kann das Material nicht optimal den Anforderungen an die funktionelle Aufgabe eines Bereichs der Kraftübertragungsvorrichtung angepasst werden. Es muss also immer ein Kompromiss gefunden werden zwischen dem optimalen Material für den eigentlichen Block, der die starren Teile bildet, und den Dünnstellen, die die jeweiligen Teile beweglich verbinden. Als ideales Material für den Block wird ein kostengünstiges Material angesehen, welches sich maschinell gut bearbeiten lässt und somit die Herstellung verkürzt und vereinfacht, und welches minimal korrosionsbeständig, das heisst kein hochwertig vergüteter Werkstoff ist. Für Dünnstellen sind wiederum andere Eigenschaften notwendig, die ein ideales Material in sich vereinen muss. Zum einen soll ein tiefer Elastizitätsmodul dafür sorgen, dass bei gleicher Beanspruchungsobergrenze der Querschnitt eines Dünnstellenbiegelagers möglichst klein gehalten werden kann (hohe Zugfestigkeit). Ebenso wichtig ist, dass der Temperaturkoeffizient des Elastizitätsmoduls gleich null oder beinahe null ist, was bedeutet, dass der Elastizitätsmodul sich durch eine Temperaturunabhängigkeit kennzeichnet. Gängige Materialien für die Lagerstellen bei mehrstückigen Kraftübertragungsvorrichtungen sind Kupfer-Beryllium-Legierungen oder das unter dem Handelsnamen bekannte Thermelast 4002 der Vacuumschmelze GmbH & Co. KG.

[0006] Ein interessantes Material für die Dünnstellenbiegelager sind Bulk Metallic Glasses - kurz BMGs - oder auch amorphe Metalle genannt, eine Klasse von Metalllegierungen deren Mikrostruktur amorph und nicht kristallin ist. Durch schnelles Abkühlen der Legierungsschmelzen, wird die kristalline Keimbildung und das Keimwachstum unterbunden und somit die amorphe Mikrostruktur im festen Zustand quasi eingefroren. BMGs weisen typischerweise eine höhere Härte, Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit auf als gewöhnliche Metalle, bei zugleich relativ tiefem Elastizitätsmodul.

[0007] Pioniere für die kommerzielle Nutzung von amorphen Metallen ist die Firma Liquidmetal Technologies, die hauptsächlich Zirkonium-basierte Gläser anbietet. Weitere kommerzielle Anbieter sind YKK und Advanced Metal Technology. Aktuell werden amorphe Metalle nur in einigen wenigen Nischen angewendet, in denen hohe (Verschleiss-)Festigkeit und gute Korrosionseigenschaften gefordert sind. Beispiele von aktuellen Anwendungen sind: Gehäuseteile für Mobiltelefone, Skalpelle, Sportgeräte wie Golfschläger und Tennisrackets, Schmuckgegenstände und Uhrengehäuse.

[0008] Die jüngsten Entwicklungen im Bereich der Verarbeitungstechnologien für amorphe Metalle, insbesondere bei den Verfahren zur thermoplastischen Formgebung von amorphen Metallen, lassen es als realistisch erscheinen, dass diese Materialien vorteilhalft für die Verwendung als elastisches Lager für mehrteilige Lastzellen in Analyse- und Mikrowaagen eingesetzt werden können. Durch den Einsatz dieser Materialien bei Wägezellen ist eine verbesserte Schlag- und Überlast-Unempfindlichkeit, sowie verbesserte Linearität und geringeres Lastdriftverhalten zu erwarten. Diese Lager können die bisher verwendeten Biegelagerelemente an mehrteilig zusammengebauten Kraftübertragungsvorrichtungen ersetzen, wie sie zum Beispiel in DE 198 45 023 A1 gezeigt ist. Eine mehrteilige Lastzelle mit elastischen Lagern aus amorphem Metall wurde bisher noch nicht auf den Markt gebracht.

[0009] Als ein Ziel dieser Erfindung ist es die Materialeigenschaften der amorphen Metalle auch für monolithische Kraftübertragungsvorrichtungen nutzbar zu machen. Generell ist es das Ziel dieser Erfindung das Material an den Lagerstellen sowie am "Block" gezielt unabhängig voneinander anzupassen und dabei die monolithische Bauart beizubehalten, sei es indem die ganze Kraftübertragungsvorrichtung oder zumindest Funktionsbereiche der Kraftübertragungsvorrichtung monolithisch ausgestaltet sind.

[0010] Gelöst wird das Problem mittels einer Kraftübertragungsvorrichtung mit einer Parallelführung aufweisend einen beweglichen Parallelschenkel, einen feststehenden Parallelschenkel, einen ersten Parallellenker und einen zweiten Parallellenker, wobei die Parallelschenkel und die Parallellenker durch Dünnstellenbiegelager miteinander verbunden sind, wobei der bewegliche Parallelschenkel durch die Parallellenker am feststehenden Parallelschenkel geführt ist, weiter mit einem am feststehenden Parallelschenkel angeordneten Kraftübertragungshebel aufweisend ein Hebellager, und einem ersten Hebelarm, wobei der Kraftübertragungshebel am Hebellager schwenkbar gelagert ist und dessen erster Hebelarm mit dem beweglichen Parallelschenkel in kraftübertragender Weise mit verbunden ist, wobei die kraftübertragende Verbindung mittels eines Koppelelements mit weiteren Dünnstellenbiegelager erfolgt, wobei die Kraftübertragungsvorrichtung oder zumindest ein Funktionsbereich der Kraftübertragungsvorrichtung monolithisch ausgebildet ist, und wobei ein Funktionsbereich der Kraftübertragungsvorrichtung jeweils aus dem ersten Parallellenker, und/oder dem zweiten Parallellenker, und/oder dem Kraftübertragungshebel und/oder dem Koppelelement, und aus den jeweils angrenzenden Lagerstellen besteht.

[0011] Die Erfindung zeichnet sich dadurch aus, dass die Kraftübertragungsvorrichtung oder zumindest einer der Funktionsbereiche aus mindestens einem ersten Werkstoff besteht, und dass mindestens eine der Lagerstellen der Kraftübertragungsvorrichtung oder des zumindest einen Funktionsbereichs aus einem zweiten Werkstoff besteht.

[0012] Wie oben schon beschrieben besteht ein Funktionsbereich aus einem Funktionselement der Kraftübertragungsvorrichtung, welches eine bestimmte Funktion hat, wie zum Beispiel der obere Parallellenker, der den beweglichen Parallelschenkel in einer bestimmten Distanz vom feststehenden Parallelschenkel beweglich führt. Zusammen mit dem unteren Parallellenker bilden diese vier Elemente das Parallelogramm der Kraftübertragungsvorrichtung. Jeder Funktionsbereich besteht weiter aus den an das Funktionselement angrenzenden Lagerstellen, welche die Verbindung zu einem nächsten Funktionselement herstellen.

[0013] Unter Lagerstellen sind die verschiedenen treffender bezeichneten Drehpunkte zu verstehen, welche an einer Kraftübertragungsvorrichtung vorhanden sind. Als Dünnstellenbiegelager werden häufig die Drehpunkte bezeichnet, die das Parallelogramm definieren, und als Hebellager jener Drehpunkt an welchem der Kraftübertragungshebel das Übersetzungsverhältnis bestimmt. Weitere Biegelager sind jene Dünnstellen bei der Kraftübertragung zwischen dem beweglichen Parallelschenkel und dem ersten Hebelarm des Kraftübertragungshebels. In einer Variante ist das hier dazwischenliegende Element - auch Koppel genannt - über zwei der besagten Biegelager mit dem beweglichen Parallelschenkel einerseits und dem ersten Hebelarm des Kraftübertragungshebels andererseits verbunden. In einer anderen Variante ist der bewegliche Parallelschenkel direkt über ein solches Biegelager mit dem ersten Hebelarm des Kraftübertragungshebels verbunden.

[0014] Eine Kraftübertragungsvorrichtung kann gänzlich monolithisch oder zumindest teilweise an ihren Funktionsbereichen monolithisch ausgebildet sein. Es entstehen dabei verschiedenste Kombinationsmöglichkeiten unter den Funktionsbereichen, so dass zum Beispiel ein Parallellenker zusammen mit den Lagerstellen monolithisch ausgebildet sein kann, welcher dann jeweils durch z.B. Schraubverbindungen an den Parallelschenkeln angebracht wird. Eine andere Kombination bestünde darin das ganze Parallelogramm inklusive den Dünnstellenbiegelagern monolithisch auszubilden und, den Funktionsbereich des Kraftübertragungshebels wie in einer mehrstückigen Kraftübertragungsvorrichtung einzubauen. Umgekehrt liesse sich auch der Funktionsbereich des Kraftübertragungshebels monolithisch aufbauen, um dann in einem Parallelogramm einer mehrstückigen Kraftübertragungsvorrichtung eingebaut zu werden.

[0015] Die Erfindung führt zu einer Reihe von Vorteilen. Zu einen kann, um die gleichen Anforderungen zu erfüllen, der Querschnitt der Lagerstelle angepasst bzw. verringert werden, was zu einer Verringerung der Federsteifigkeit führt. Eine geringere Federsteifigkeit der Lager führt zu besserer Auflösung der Zelle.

[0016] Im Gegenzug würde aber ein gleichbleibender Querschnitt die Robustheit erhöhen. Eine verbesserte Robustheit oder Schlagempfindlichkeit der Zelle durch stabilere Gelenkstellen, bei gleichem Querschnitt bietet mehr Sicherheit beim Transport und vermindert den dazu erforderlichen Verpackungsaufwand. Einfacher gesagt verbreitert sich das Auslegungsspektrum für die Entwicklung neuer Wägezellentypen.

[0017] In einer Weiterbildung der Erfindung ist der zweite Werkstoff in der aus dem ersten Werkstoff ausgebildeten Kraftübertragungsvorrichtung oder dem Funktionsbereich zumindest teilweise eingebettet.

[0018] In einer weiteren Weiterbildung besteht zumindest eine weitere Lagerstelle aus einem weiteren Werkstoff. Wie oben schon erwähnt, ist es das Ziel der Erfindung die Materialien an den Lagerstellen sowie am Grossteil der Kraftübertragungsvorrichtung gezielt an die Anforderungen anzupassen. An jeder Lagerstelle kann somit das bestgeeignetste Material verwendet werden.

[0019] Eine Ausgestaltung ist dadurch gekennzeichnet, dass der erste Parallellenker und/oder der zweite Parallellenker aus dem ersten Werkstoff bestehen, und dass die Dünnstellenbiegelager aus dem zweiten oder dem weiteren Werkstoff bestehen.

[0020] Eine weitere Ausgestaltung ist dadurch gekennzeichnet, dass der Kraftübertragungshebel und/oder das Koppelelement aus dem ersten Werkstoff bestehen, und dass das Hebellager und/oder die weiteren Dünnstellenbiegelager des Koppelelements aus dem zweiten oder dem weiteren Werkstoff bestehen.

[0021] In einer Weiterbildung ist der zweite Werkstoff und/oder der weitere Werkstoff ein amorphes Metall. Vorteilhafterweise ist das amorphe Metall eine Verbindung auf Zirkonium-Titan Basis. Eine Verbindung auf Zirkonium-Titan Basis ist z.B. Zr-Ti-Cu-Ni-Be, Zr-Ti-Cu-Ni-Al, oder Zr-Cu-Ni-Al-Nb. Auch gibt es amorphe Metalle auf Basis von Mangan, von Kupfer (Cu-Ni-Co), auf Basis von Eisen (Fe-Co-Zr-Nb-B) oder Edelmetallen wie Platin (Pt-Cu-Ni-P). Es gibt also sehr viele spezielle Legierungen mit jeweils unterschiedlichen Eigenschaften. Ebenso kann man davon ausgehen, dass mit der Zeit weitere Legierungen entwickelt werden, die sich aufgrund ihrer Eigenschaften als zweiten oder weiteren Werkstoff eignen würden. Generell eignen sich amorphe Metalle besonders gut wegen ihrem grossen Linearitätsbereich, ihrer hohen Anelastizität und ihrer geringen Hysterese.

[0022] In einer Weiterbildung ist die Kontur der Ausnehmung derart gestaltet, dass die Lagerstelle aus dem zweiten oder dem weiteren Material durch Formschluss in dem das zweite oder das weitere Material umgebenden ersten Material befestigt angeordnet ist. Ein solcher Formschluss kann durch die Gestaltung der Ausnehmung erreicht werden, indem zum Beispiel speziell ausgebildete Taschen in das erste Material eingelassen werden, sei es durch z.B. Fräsen, Giessen oder Senkerodieren.

[0023] In einer weiteren Weiterbildung entspricht die Form mindestens einer Ausnehmung mindestens drei parallel verlaufenden, sich überschneidenden Bohrungen.

[0024] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung verläuft die Flucht der Bohrungen parallel oder rechtwinklig zu dem entsprechend auszubildenden Dünnstellenbiegelager der Parallelführung; dem Hebellager des Kraftübertragungshebels; und/oder dem Koppelelement; und/oder dem Dünnstellenbiegelager des Koppelelements. Weiter sind auch Bohrungen möglich, deren Flucht in einem Winkel abweichend zur Ausrichtung oder rechtwinklig zur Ausrichtung des auszubildenden Dünnstellenbiegelagers verläuft, also schräg ist.

[0025] Hergestellt wird die Kraftübertragungsvorrichtung mittels des erfinderischen Verfahren zur Herstellung einer monolithisch ausgebildeten Kraftübertragungsvorrichtung oder zumindest eines monolithisch ausgebildeten Funktionsbereichs einer Kraftübertragungsvorrichtung, wobei die Kraftübertragungsvorrichtung eine Parallelführung mit einem beweglichen Parallelschenkel, einem feststehenden Parallelschenkel, einem ersten Parallellenker und einem zweiten Parallellenker aufweist, wobei die Parallelschenkel und die Parallellenker durch Dünnstellenbiegelager miteinander verbunden sind, wobei der bewegliche Parallelschenkel durch die Parallellenker am feststehenden Parallelschenkel geführt ist, weiter aufweisend einen am feststehenden Parallelschenkel angeordneten Kraftübertragungshebel mit einem Hebellager, und einem ersten Hebelarm, wobei der Kraftübertragungshebel am Hebellager schwenkbar gelagert ist und dessen erster Hebelarm mit dem beweglichen Parallelschenkel in kraftübertragender Weise mit verbunden ist, wobei die kraftübertragende Verbindung mittels eines Koppelelements mit mindestens einem weiteren Dünnstellenbiegelager erfolgt, und wobei ein Funktionsbereich der Kraftübertragungsvorrichtung jeweils aus dem ersten Parallellenker, oder dem zweiten Parallellenker, oder dem Kraftübertragungshebel und/oder dem Koppelelement, und jeweils aus den angrenzenden Lagerstellen besteht, aufweisend die folgenden Schritte: A) Bereitstellen eines Rohlings aus einem ersten Werkstoff; B) Erstellen von Ausnehmungen am bereitgestellten Rohling zumindest an den Stellen an denen eine Lagerstelle zu liegen kommt; C) Ausfüllen der erstellten Ausnehmungen aus Schritt B mit einem zweiten Werkstoff; D) Nachbearbeitung des mit ausgefüllten Ausnehmungen versehenen Rohlings aus Schritt C durch maschinelles Abtragen des ersten und/oder zweiten Werkstoffs; und E) Freilegen der mindestens einen Lagerstelle an den Stellen der ausgefüllten Ausnehmungen so, dass die Kraftübertragungsvorrichtung oder zumindest der mindestens eine Funktionsbereich aus dem ersten Werkstoff gebildet wird und so, dass die mindestens eine Lagerstelle der Kraftübertragungsvorrichtung oder des zumindest einen Funktionsbereichs aus dem zweiten Werkstoff ausgebildet wird.

[0026] Das erfinderische Verfahren begünstigt den Produktionsprozess für eine Kraftmessvorrichtung dahingehend, dass durch die Wahl des idealen Materials für den "Block" dieser schneller bearbeitbar ist. Ebenso kann beim Handling in der Montage dank den robusteren Lagerstellen weniger kaputt gehen, was die Anzahl an Ausschusswaren verringert.

[0027] Das Bereitstellen des Rohlings kann auch durch Giessen oder Strangpressen erfolgen. Die Schritte A und B und/oder C können auch kombiniert erfolgen, wie zum Beispiel beim Giessen die Ausnehmungen bereits erstellt werden oder beim Strangpressen das zweite Material gleichzeitig eingebracht wird (Zweikomponenten-Strangpressen).

[0028] Eine Weiterbildung des Verfahrens gekennzeichnet sich dadurch, dass zwischen Schritt B und C zusätzlich eine Oberflächenbehandlung im Bereich der Ausnehmungen erfolgt. Zum Beispiel können dies eine Nachbearbeitung des Giessrohlings, und/oder eine An- Abätzung (Beizen) oder Beschichten der Oberfläche, und/oder eine Aufbringung einer Mikrostruktur sein. Generell wird hierdurch die mechanische Verbundenheit des ersten Werkstoffes mit dem zweiten und/oder weiteren Werkstoff verbessert.

[0029] Eine weitere Weiterbildung des Verfahrens gekennzeichnet sich dadurch, dass zwischen Schritt C und D zusätzlich eine Nachbehandlung der Übergangszone zwischen zweien der mindestens zwei Werkstoffen erfolgt. Diese kann beispielsweise durch lokalen Wärmeeintrag (bspw. mittels eines Lasers) erfolgen, der dafür sorgt, dass sich eine stoffschlüssige Materialverbindung in der Überganszone einstellt, oder mittels eines niedrigviskosen Klebstoffes (z.B. auf Zyanid-Basis, oder unter UV-Licht aushärtend), der in mögliche Zwischenräume zwischen dem ersten Material und dem zweiten oder weiteren Material kriecht. Die Vorteile ergeben sich aus einer stabilen Verbindung bei gleichzeitiger Beibehaltung der speziellen Eigenschaften der Werkstoffe ausserhalb der Übergangszone, d.h. die Glastemperatur vom BMG wird im Material nicht überschritten und Eigenschaften erhalten bleiben.

[0030] In einer weiteren Weiterbildung des Verfahrens erfolgt das Ausfüllen der Ausnehmungen (210, 310, 410) durch Giessen, Umformen, oder Einkneten.

[0031] Die erfinderische Kraftübertragungsvorrichtung wird anhand der folgenden Figuren näher beschrieben, wobei gleiche Elemente mit denselben Bezugszeichen versehen sind. Es zeigen:
Fig. 1a
eine monolithische Kraftübertragungsvorrichtung in der Seitenansicht;
Fig. 1 b
ein monolithischen ausgebildeter Parallellenker in einer räumlichen Darstellung;
Fig. 1 c
ein monolithisch ausgebildetes Parallelogramm in der Aufsicht;
Fig. 2a - 2c
Ausschnitte im Bereich eines Parallelogramm-Dünnstellenbiegelagers der Kraftübertragungsvorrichtung aus Fig.1, mit parallel zum Dünnstellenbiegelager verlaufender Flucht der Bohrungen;
Fig. 2d - 2f
Ausschnitte im Bereich eines Parallelogramm-Dünnstellenbiegelager der Kraftübertragungsvorrichtung aus Fig.1, mit rechtwinklig zum Dünnstellenbiegelager verlaufender Flucht der Bohrungen;
Fig. 2g
den monolithisch ausgebildeten Parallellenker auf Fig. 1b, mit an den Lagerstellen ersetztem Material;
Fig. 3a - 3f
Ausschnitte im Bereich des Koppelelementes der Kraftübertragungsvorrichtung aus Fig.1;
Fig. 4a - 4i
Ausschnitte im Bereich des Hebellagers der Kraftübertragungsvorrichtung aus Fig.1;
Fig. 5a - 5b
Ausschnitte im Bereich Hebellager/Koppelelement/Dünnstellenbiegelager der Kraftübertragungsvorrichtung aus Fig.1;
Fig. 6a - 6b
eine Einspritzvorrichtung zum Ausfüllen von Ausnehmungen;
Fig. 7a - 7b
einen Querschnitt durch eine ausgefüllte Ausnehmung.


[0032] Figur 1a zeigt eine bekannte Kraftübertragungsvorrichtung 100 mit einem beweglichen Parallelschenkel 101 und einem feststehenden Parallelschenkel 102. Die beiden Parallelschenkel 101, 102 sind durch einen ersten Parallellenker 103 und einen zweiten Parallellenker 104 miteinander verbunden und durch Dünnstellenbiegelager 200 beweglich geführt. Die so ausgebildete Parallelführung 105 (oder auch Parallelogramm genannt) der Kraftübertragungsvorrichtung 100 aus einem Stück gleichen Materials ist auch bekannt als monolithische Bauart.

[0033] Weitere Elemente der Kraftübertragungsvorrichtung 100 sind ebenso monolithisch in demselben Materialblock ausgebildet, wie z.B. das Koppelelement 301 und dessen Dünnstellenbiegelager 300 sowie das Hebellager 400 und der Kraftübertragungshebel 401. Alle diese Elemente sind hier in der Figur 1a durch ein Drahterodierverfahren gebildet worden indem die Drahtführung entsprechend gewählt wird. Die Ausbildung dieser Elemente kann auch durch Fräsen oder Senkerodieren erfolgen. Zusätzliche Formgebungen 106 bewirken, wie hier im Bereich des Koppelelements 300, eine Verschmälerung in der Breite der Kraftübertragungsvorrichtung 100. Solche Formgebungen sind auch im Bereich des Hebellagers 400 und der Dünnstellenbiegelager 200 der Parallelführung 105 bekannt um gewisse mechanische Vorteile zu erzielen, welche vorgegebener Massen allein durch die Dimensionierung der Formgebung selbst abhängig sind.

[0034] Um auch im Hinblick auf das Material mechanische Vorteile zu erzielen wird vorgeschlagen, dass das Material an diesen Stellen aus einem zweiten Werkstoff, welcher dem ersten Werkstoff der Kraftübertragungsvorrichtung 100 verschieden ist, besteht.

[0035] Wie einleitend beschrieben, eignen sich amorphe Metalle aufgrund ihrer Materialeigenschaften sehr gut für diesen Zweck. Bei mehrstückigen Kraftübertragungsvorrichtungen ist es relativ einfach das bis anhin verwendete Material der Dünnstellenbiegelager durch ein amorphes Metall zu ersetzen, da es sich um ein separates Bauteil handelt. Die einstückige Bauart - oder eben monolithische Bauart - ist in dieser Hinsicht um Grössenordnungen komplexer und umso aufwändiger ist die Realisierung einer erfinderischen Kraftübertragungsvorrichtung 100 aus mindestens zwei verschiedenen Werkstoffen in der Herstellung.

[0036] Figur 1b zeigt einen Parallellenker 103 (könnte auch der Parallellenker 104 sein) als monolithisch ausgestalteter Funktionsbereich. An den oberen und unteren Enden ist am Parallellenker 103 jeweils ein Dünnstellenbiegelager 200 angeordnet. Mittels der Befestigungslöcher 107 wird der Funktionsbereich an jeweils einer Seite mit dem beweglichen Parallelschenkel 101 und dem feststehenden Parallelschenkel 102 verbunden (Umrisse gestrichelt dargestellt).

[0037] In Figur 1c ist eine monolithisch ausgestaltete Parallelführung 105 als Funktionsbereich gezeigt, gebildet durch die Parallelschenkel 101 und 102, die Parallellenker 103 und 104, und durch die Dünnstellenbiegelager 200.

[0038] Ein Verfahren zur Herstellung einer monolithischen Kraftübertragungsvorrichtung 100 soll anhand der Figuren 2a bis 2c aufgezeigt werden. Ein Rohling, aus welchem zu allerletzt die fertige Kraftübertragungsvorrichtung 100 hervorgehen wird, wird bereitgestellt, das heisst auf seine Aussenmasse mit allenfalls erforderlichem Aufmass zugeschnitten, gefräst oder gegossen. Die oben erwähnten Formgebungen 106 können auch bereits in diesem Schritt schon fertig oder mit Aufmass erstellt werden, wie z.B. bei einem Rohling hergestellt mittels Druckgussverfahren.

[0039] Wie in Figur 2a dargestellt wird zunächst eine Ausnehmungen 210 erstellt und zwar hier zumindest an den Stellen an denen ein Dünnstellenbiegelager 200 der Parallelführung 105 zu liegen kommt. In Figur 2a ist diese Ausnehmung 210 durch drei sich in gleicher Flucht befindlichen und sich überschneidenden Bohrungen 211, 212, 213 ausgebildet.

[0040] Die zuvor erstellte Ausnehmung 210 wird daraufhin mit dem zweiten Werkstoff ausgefüllt. Ein mögliches Verfahren zum Ausfüllen der Ausnehmung 210 wird weiter unten zu den Figuren 6a und 6b beschrieben. Der fertig eingebrachte zweite Werkstoff in der Ausnehmung 210 ist in Figur 2b durch die Schraffierung hervorgehoben dargestellt.

[0041] Die für die einstückige Bauart charakteristische Verbindungsstellen, oder auch Materialbrücken - hier im Bereich der Dünnstellenbiegelager 200 der Parallelführung 105 - werden nach erfolgtem Ausfüllen bearbeitet. Die Ausbildung der Gelenkstelle des Dünnstellenbiegelager 200, oder auch Freilegen genannt, kann durch Drahterodieren, Senkerodieren, ECM (Electro Chemical Machining) oder Fräsen beziehungsweise Hochgeschwindigkeitsfräsen geschehen. In Figur 2c ist das Dünnstellenbiegelager 200 durch Drahterodieren ausgebildet worden, erkennbar an den Trennschnitten 221, 222. In den Figuren 2a und 2b sind diese Trennschnitte als gestrichelte Linien gezeigt. Das für Erstellung einer Ausnehmung 210 nötige Material um die Ausnehmung 210 selbst herum kann ebenfalls entfernt werden

[0042] Die Ausnehmung 210 kann in unterschiedlichen Formen ausgebildet sein, solange diese geeignet ist den während der Verwendung der Kraftübertragungsvorrichtung auftretenden Einwirkungen standzuhalten, das heisst dass der zweite Werkstoff mit ausreichender Festigkeit an Ort gehalten wird.

[0043] Eine andere Möglichkeit bzw. Positionierung einer Ausnehmung für die Dünnstellenbiegelager 200 zu erstellen ist in den Figuren 2d bis 2f gezeigt. Während in den Figuren 2a bis 2c die drei Bohrungen 211, 212, 213 parallel zu den Trennschnitten 221 und 222 verlaufen, verlaufen die Bohrungen 211', 212', 213' in den Figuren 2c bis 2f senkrecht zu den Trennschnitten 221, 222. Jede der drei Figuren 2d bis 2f ist bestehend aus je zwei Teilfiguren - einer Auf- und einer Seitenansicht. Gut zu sehen ist bei dieser Möglichkeit, dass die Stelle des Dünnstellenbiegelagers 200 ein Aufmass 230 benötigt, damit die Ausnehmung 210' rundum vom ersten Werkstoff der Kraftübertragungsvorrichtung 100 umgeben ist. Nach dem Ausfüllen wird dieses Aufmass 230 beim Freilegen entfernt und das Dünnstellenbiegelager 200 erhält seine finale Form.

[0044] Bei Materialpaarungen zwischen den Werkstoffen besteht die Möglichkeit, dass an den Werkstoffgrenzen keine Verschmelzung, Durchmischung oder Verbindung, das heisst kein Materialschluss (Stoffschluss) entsteht, so dass es sehr schnell zur Ablösung des einen ausfüllenden Werkstoffes kommen kann. In diesem Fall ist die Form der Ausnehmung 210, 210' entscheidend, damit ein Formschluss entsteht. Je nach Wirkungsrichtung der auftretenden Kräfte in dem Bereich, welcher durch den zweiten oder den weiteren Werkstoff ersetzt wurde, ist die Ausrichtung der Ausnehmung entscheidend. Nicht nur die Richtung der Bohrungen 211, 212, 213, 211', 212', 213' haben Einfluss auf die Eignung, sondern auch weitere Ausführungen mit Gewindebohrungen sind teils vorteilhaft, da diese eine vergrösserte Kontaktfläche schaffen. Hier ist noch anzumerken, dass auch Mikrostrukturen auf der Oberfläche selbst geeignet sind um die Kontaktfläche zu vergrössern.

[0045] In der Figur 2g ist der monolithisch ausgebildete Parallellenker 103 aus Fig. 1b, mit an den Lagerstellen 200 ersetztem Material (schraffiert) gezeigt. Durch spezielle Kontur an den Materialgrenzen zwischen dem ersten Material des Parallellenkers 103 und dem zweiten oder weiteren Material der Lagerstellen 200 entsteht ein Formschluss. Dieser Funktionsbereich kann zum Beispiel so hergestellt werden, indem in einem ersten Schritt eine der Dicke des Parallellenkers 103 entsprechende Platte als Rohling zur Verfügung gestellt wird. Als nächstes werden Ausnehmungen in der Platte erstellt, welche, nach etwaigen Vorbehandlungen, mit dem zweiten oder dem weiteren Material ausgefüllt werden. Schlussendlich kann dann die endgültige Form des Parallellenkers 103 ausgeschnitten, gestanzt oder gefräst werden.

[0046] In den Figuren 3a bis 3c und 3d bis 3f sind die oben beschriebenen Schritte zur Herstellung einer monolithischen Kraftübertragungsvorrichtung 100 an der Stelle des Koppelelements 301 und den weiteren Dünnstellenbiegelager 300 des Koppelelements 301 dargestellt. Wiederum ist die Positionierung einer Ausnehmung 310 in zwei Möglichkeiten gezeigt; einmal indem die Flucht der Bohrungen 311, 312, 313 senkrecht zu den Trennschnitten 321 und 322 in den Figuren 3a bis 3c verläuft, und einmal indem die Flucht der Bohrungen 311, 312, 313 parallel zu den Trennschnitten 321, 322 in den Figuren 3d bis 3f verläuft.

[0047] In den Figuren 4a bis 4c, 4d bis 4f und 4g bis 4i sind die oben beschriebenen Schritte zur Herstellung einer monolithischen Kraftübertragungsvorrichtung 100 an der Stelle des Hebellagers 400 dargestellt. Auf eine Darstellung von weiteren Positionierungen relativ zu den Trennschnitten 421, 422 wird hierbei verzichtet und auf die vorangehende Beschreibung zu den Figuren 2a bis 2f und 3a bis f verwiesen, da diese ebenso auf die Stelle des Hebellagers 400 angewendet werden kann. Zusätzlich wird an dem Beispiel des Hebellagers 400 eine Ausbildung der Ausnehmung 410 mit vier Bohrungen 411, 412, 413, 414 gezeigt. Die Position der Bohrungen ist so gewählt, dass ein möglichst optimaler Formschluss resultiert.

[0048] Es liegt auf der Hand das erste Material nicht nur an einer Stelle zu ersetzen, sondern mehrere Lagerstellen 200, 300, 400 zusammenzufassen, wodurch sich eine Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten ergibt. Je nach Anforderungsprofil an die monolithische Kraftübertragungsvorrichtung 100 wird z.B. nur das erste Material für die Dünnstellenbiegelager 200 der Parallelführung 105 ersetzt, oder nur das erste Material des Hebellagers 400 des Kraftübertragungshebels 401 etc. oder aber das erste Material aller Lagerstellen 200, 300, 400 wird ersetzt.

[0049] In den Figuren 5a und 5b ist je eine Ausnehmung 510 gezeigt, die gleich mehrere Stellen für den Ersatz des ersten Materials miteinander in einer Ausnehmung verbindet. Im Bereich des Hebellagers 400, der Biegestellen 300 des Koppelelements 301 und des Biegestellenlagers 200 des oberen Parallellenkers 103 sind die Distanzen untereinander relativ kurz und eine einzige Ausnehmung 510 für die Lagerstellen 200, 300, 400 benötigt am wenigsten des zweiten Materials zum Ausfüllen. Eine umrissoptimierte Form bzw. Kontur der Ausnehmung 510 bietet eine verbesserte Verankerung, d.h. einen besseren Formschluss.

[0050] Bei grösseren Untersetzungen der zu messenden Gewichtskraft sind das Hebellager 400 und das Dünnstellenbiegelager 300 des Koppelelements 301 näher zusammen oder es wird ein Mehrhebelsystem eingesetzt, d.h. am zweiten Hebelarm 403 (in Figur 1a gezeigt) ist ein weiterer Kraftübertragungshebel angesetzt. Es bietet sich daher an auch an jenen Stellen das das erste Material zu ersetzen, und womöglich mit anderen Stellen zu kombinieren.

[0051] Die Figuren 6a und 6b zeigen ein mögliches Verfahren zum Ausfüllen der Ausnehmungen 210, 310, 410, 510 mittels einer Induktionsspritze 601. Nachdem eine Ausnehmung 610 erstellt wurde, hier als eine Bohrung 611, wird die Kanüle 602 der Induktionsspritze 601 in die Ausnehmung 610 eingeführt. Der ausfüllende Werkstoff 604 wird durch eine Induktionsspule 603 auf Induktionstemperatur gehalten. Wie in Figur 6b gezeigt erfolgt dann das Ausfüllen durch Einspritzen des zweiten Werkstoffs unter gleichzeitigem Rückziehen der Kanüle 602. Um eine Reaktion des ausfüllenden Werkstoffes 604 mit der Umgebung zu vermeiden kann zusätzlich ein Schutzgas zum Beispiel durch eine Ringöffnung 605 eingeblasen werden. Unter Umständen kann es empfehlenswert sein den ganzen Vorgang unter Schutzgasatmosphäre oder im Teil oder Voll-Vakuum stattfinden zu lassen.

[0052] Die weiteren Figuren 7a und 7b veranschaulichen, dass durch gezielte Massnahmen die feste Verbindung zwischen dem ersten Werkstoff und dem zweiten bzw. dem weiteren Werkstoff verbessert werden kann. Zum einen besteht die Möglichkeit die Kontaktfläche zwischen den beiden Werkstoffen vorgängig zum Ausfüllen zu behandeln, zum Beispiel durch An- Abätzen (Beizen) oder einer Aufbringung einer Beschichtung oder einer Mikrostruktur. Das Resultat ist eine Übergangszone 606 zwischen den beiden Werkstoffen. Zum anderen kann die Kontaktfläche auch durch gezielte Formgebung erhöht werden, zum Beispiel durch Gewindegänge 607 in der Bohrung 611.

[0053] Ein weiteres mögliches Verfahren zum Ausfüllen der Ausnehmungen 210 wie sie zum Beispiel in Fig. 2g gezeigt sind beinhaltet ein Umformen des zweiten oder des weiteren Werkstoffes durch Einkneten. Dabei wird ein Rohling zunächst auf eine Temperatur erwärmt, so dass die speziellen Materialeigenschaften nicht zerstört werden, aber eine Verformung durch Krafteinleitung möglich wird. Der erwärmte Rohling wird auf eine Kavität, beispielsweise eine Ausnehmen im Rohling aus dem ersten Werkstoff, aufgelegt und mittels eines Stempels welcher taumelnde Bewegungen ausführt und sich auf die Kavität zu bewegt in diese hineingedrückt. Üblicherweise wird dazu eine Taumelpresse eingesetzt. Derartige Umformprozesse sind unter Umständen deswegen vorteilhaft, da das Material als Rohling einfach zur Verfügung gestellt werden kann, ein Arbeiten bei amorphen Metallen unterhalb der Glasübergangstemperatur möglich ist und hohe Prozesskräfte für eine gute formschlüssige Verbindung zwischen zwei Werkstoffen sorgen.

[0054] Obwohl die hier im Zusammenhang mit der Erfindung gezeigten Figuren mehrheitlich MFR Kraftübertragungsvorrichtungen zeigen, ist natürlich auch die Anwendbarkeit für Kraftübertragungsvorrichtungen, welche sich der Dehnmessstreifentechnologie bedient gegeben. Ebenso beschränkt sich die Erfindung nicht auf Kraftübertragungsvorrichtungen mit nur einem Kraftübertragungshebel, auch jene Vorrichtungen mit zwei oder mehreren Kraftübertragungshebeln zur weiteren Untersetzung der zu wiegenden Gewichtskraft sind Ausgestaltungsvarianten dieser Erfindung.

Liste der Bezugszeichen



[0055] 
100
Kraftübertragungsvorrichtung
101
beweglicher Parallelschenkel
102
feststehender Parallelschenkel
103
erster Parallellenker
104
zweiter Parallellenker
105
Parallelführung
106
zusätzliche Formgebung
107
Befestigungslöcher
200, 300, 400
Lagerstellen
200
Dünnstellenbiegelager
210,310,410,510,610
Ausnehmung
211,212,213,311,312, 313,411,412,413,414,611
Bohrung
221, 222, 321, 322, 421, 422
Trennschnitt
230
Aufmass
300
Dünnstellenbiegelager des Koppelelements
301
Koppelelement
400
Hebellager
401
Kraftübertragungshebel
402
erster Hebelarm
403
zweiter Hebelarm
601
Induktionsspritze
602
Kanüle
603
Induktionsspule
604
ausfüllender Werkstoff
605
Ringöffnung
606
Übergangszone
607
Gewindegänge



Ansprüche

1. Kraftübertragungsvorrichtung (100) mit einer Parallelführung (105) aufweisend

- einen beweglichen Parallelschenkel (101),

- einen feststehenden Parallelschenkel (102),

- einen ersten Parallellenker (103) und

- einen zweiten Parallellenker (104),

wobei die Parallelschenkel (101, 102) und die Parallellenker (103, 104) durch Dünnstellenbiegelager (200) miteinander verbunden sind,
wobei der bewegliche Parallelschenkel (101) durch die Parallellenker (103, 104) am feststehenden Parallelschenkel (102) geführt ist,
weiter mit einem am feststehenden Parallelschenkel (102) angeordneten Kraftübertragungshebel (401) aufweisend

- ein Hebellager (400), und

- einem ersten Hebelarm (402),

wobei der Kraftübertragungshebel (401) am Hebellager (400) schwenkbar gelagert ist und dessen erster Hebelarm (402) mit dem beweglichen Parallelschenkel (101) in kraftübertragender Weise mit verbunden ist,
wobei die kraftübertragende Verbindung mittels eines Koppelelements (301) mit mindestens einem weiteren Dünnstellenbiegelager (300) erfolgt,
wobei die Kraftübertragungsvorrichtung (100) oder zumindest ein Funktionsbereich der Kraftübertragungsvorrichtung (100) monolithisch ausgebildet ist, und
wobei ein Funktionsbereich der Kraftübertragungsvorrichtung (100) jeweils aus

dem ersten Parallellenker (103), und/oder

dem zweiten Parallellenker (104), und/oder

dem Kraftübertragungshebel (401) und/oder dem Koppelelement (301),

und aus den jeweils angrenzenden Lagerstellen (200, 300, 400) besteht,

dadurch gekennzeichnet, dass
die Kraftübertragungsvorrichtung (100) oder zumindest einer der Funktionsbereiche aus mindestens einem ersten Werkstoff besteht, und dass mindestens eine der Lagerstellen (200, 300, 400) der Kraftübertragungsvorrichtung (100) oder des zumindest einen Funktionsbereichs aus einem zweiten Werkstoff besteht.
 
2. Kraftübertragungsvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Werkstoff in der aus dem ersten Werkstoff ausgebildeten Kraftübertragungsvorrichtung (100) oder dem Funktionsbereich zumindest teilweise eingebettet ist.
 
3. Kraftübertragungsvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eine weitere Lagerstelle (200, 300, 400) aus einem weiteren Werkstoff besteht.
 
4. Kraftübertragungsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Parallellenker (103) und/oder der zweite Parallellenker (104) aus dem ersten Werkstoff bestehen, und dass die Dünnstellenbiegelager (200) aus dem zweiten oder dem weiteren Werkstoff bestehen.
 
5. Kraftübertragungsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Kraftübertragungshebel (401) und/oder das Koppelelement (301) aus dem ersten Werkstoff bestehen, und dass das Hebellager (400) und/oder die weiteren Dünnstellenbiegelager des Koppelelements (301) aus dem zweiten oder dem weiteren Werkstoff bestehen.
 
6. Kraftübertragungsvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Werkstoff und/oder der weitere Werkstoff ein amorphes Metall ist, vorteilhafterweise ein amorphes Metall einer Verbindung auf Zirkonium-Titan Basis ist.
 
7. Kraftübertragungsvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kontur der Ausnehmung (210, 310, 410) derart gestaltet ist, dass die Lagerstelle (200, 300, 400) aus dem zweiten oder dem weiteren Material durch Formschluss in dem ersten Material befestigt angeordnet ist.
 
8. Kraftübertragungsvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Form mindestens einer Ausnehmung (210, 310, 410) mindestens drei parallel verlaufenden, sich überschneidenden Bohrungen (211, 212, 213, 311, 312, 313, 411, 412, 413, 414) entspricht.
 
9. Kraftübertragungsvorrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Flucht der Bohrungen (211, 212, 213, 311, 312, 313, 411, 412, 413, 414) parallel oder rechtwinklig zu dem entsprechend auszubildenden

Dünnstellenbiegelager (200) der Parallelführung (105); dem

Hebellager (400) des Kraftübertragungshebels (401); und/oder dem

Koppelelement (300); und/oder dem

Dünnstellenbiegelager (301) des Koppelelements (300)

verlaufen.
 
10. Verfahren zur Herstellung einer monolithisch ausgebildeten Kraftübertragungsvorrichtung (100) oder zumindest eines monolithisch ausgebildeten Funktionsbereichs einer Kraftübertragungsvorrichtung (100),
wobei die Kraftübertragungsvorrichtung (100) eine Parallelführung (105) mit

- einem beweglichen Parallelschenkel (101),

- einem feststehenden Parallelschenkel (102),

- einem ersten Parallellenker (103) und

- einem zweiten Parallellenker (103) aufweist,

wobei die Parallelschenkel (101, 102) und die Parallellenker (103, 104) durch Dünnstellenbiegelager (200) miteinander verbunden sind,
wobei der bewegliche Parallelschenkel (101) durch die Parallellenker (103, 104) am feststehenden Parallelschenkel (102) geführt ist,
weiter aufweisend einen am feststehenden Parallelschenkel (102) angeordneten Kraftübertragungshebel (401) mit

- einem Hebellager (400), und

- einem ersten Hebelarm (402),

wobei der Kraftübertragungshebel (401) am Hebellager (400) schwenkbar gelagert ist und dessen erster Hebelarm (402) mit dem beweglichen Parallelschenkel (101) in kraftübertragender Weise mit verbunden ist,
wobei die kraftübertragende Verbindung mittels eines Koppelelements (301) mit mindestens einem weiteren Dünnstellenbiegelager (300) erfolgt, und
wobei ein Funktionsbereich der Kraftübertragungsvorrichtung (100) jeweils aus

dem ersten Parallellenker (103), und/oder

dem zweiten Parallellenker (104), und/oder

dem Kraftübertragungshebel (401) und/oder dem Koppelelement (301),

und jeweils aus den angrenzenden Lagerstellen (200, 300, 400) besteht,
aufweisend die folgenden Schritte:

A) Bereitstellen eines Rohlings aus einem ersten Werkstoff;

B) Erstellen von Ausnehmungen (210, 310, 410) am bereitgestellten Rohling zumindest an den Stellen an denen eine Lagerstelle (200, 300, 400) zu liegen kommt;

C) Ausfüllen der erstellten Ausnehmungen (210, 310, 410) aus Schritt B mit einem zweiten Werkstoff;

D) Nachbearbeitung des mit ausgefüllten Ausnehmungen (210, 310, 410) versehenen Rohlings aus Schritt C durch maschinelles Abtragen des ersten und/oder zweiten Werkstoffs; und

E) Freilegen der mindestens einen Lagerstelle (200, 300, 400) an den Stellen der ausgefüllten Ausnehmungen (210, 310, 410) so, dass die Kraftübertragungsvorrichtung (100) oder zumindest der mindestens eine Funktionsbereich aus dem ersten Werkstoff gebildet wird und so, dass die mindestens eine Lagerstelle (200, 300, 400) der Kraftübertragungsvorrichtung (100) oder des zumindest einen Funktionsbereichs aus dem zweiten Werkstoff ausgebildet wird.


 
11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen Schritt B und C zusätzlich eine Oberflächenbehandlung im Bereich der Ausnehmungen (210, 310, 410) erfolgt.
 
12. Verfahren nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen Schritt C und D zusätzlich eine Nachbehandlung der Übergangszone zwischen zweien der mindestens zwei Werkstoffen erfolgt.
 
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass das Ausfüllen der Ausnehmungen (210, 310, 410) in Schritt C durch Giessen, Umformen, oder Einkneten erfolgt.
 
14. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberflächenbehandlung ein An- Abätzung (Beizen) und/oder Beschichten der Oberfläche, und/oder eine Aufbringung einer Mikrostruktur ist.
 
15. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Nachbehandlung der Übergangszone ein lokaler Wärmeeintrag ist, beispielsweise mittels eines Lasers, der dafür sorgt, dass sich eine stoffschlüssige Materialverbindung in der Überganszone einstellt, oder dass die Nachbehandlung ein Anbringen eines niedrigviskosen Klebstoffes ist, der in mögliche Zwischenräume zwischen dem ersten Material und dem zweiten oder weiteren Material eindringt.
 




Zeichnung




























Recherchenbericht









Recherchenbericht




Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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