(19)
(11)EP 3 576 246 A1

(12)EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43)Veröffentlichungstag:
04.12.2019  Patentblatt  2019/49

(21)Anmeldenummer: 19171592.9

(22)Anmeldetag:  29.04.2019
(51)Int. Kl.: 
H02J 7/00  (2006.01)
B60L 53/63  (2019.01)
H02J 3/26  (2006.01)
(84)Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME
Benannte Validierungsstaaten:
KH MA MD TN

(30)Priorität: 28.05.2018 DE 102018208396

(71)Anmelder: Mahle International GmbH
70376 Stuttgart (DE)

(72)Erfinder:
  • BEEZ, Steve
    98666 Masserberg (DE)
  • EWERT, Sebastian
    70180 Stuttgart (DE)
  • HEINRICH, Nicole
    71691 Freiberg (DE)
  • KREPULAT, Walter
    70563 Stuttgart (DE)

(74)Vertreter: BRP Renaud & Partner mbB Rechtsanwälte Patentanwälte Steuerberater 
Königstraße 28
70173 Stuttgart
70173 Stuttgart (DE)

  


(54)VERFAHREN ZUM BETREIBEN EINES LADESYSTEMS MIT MEHREREN LADEPUNKTEN


(57) Verfahren zum Betreiben eines Ladesystems (10) mit mehreren Ladepunkten (19) zum Laden von elektrischen Verbrauchern (16), beispielsweise von Elektrofahrzeugen, wobei das Ladesystem (10) an einem Stromnetz (15) mit mehreren Phasen (11, 12, 13, 14) angeschlossen ist, wobei an einem Bilanzpunkt (24) Phasenströme der Phasen (11, 12, 13, 14) des Stromnetzes (15) gemessen werden, wobei Leistungsvorgaben an elektrische Verbraucher (16), die an einem der Ladepunkte (19) angeschlossen sind, übermittelt werden.
Um zu hohe Schieflasten zu vermeiden, wird vorgeschlagen, dass regelmäßig für jeden Ladepunkt (19) einzeln die Leistungsvorgabe für ein vorgegebenes Testzeitintervall geändert wird und die resultierende Änderung der Phasenströme am Bilanzpunkt (24) gemessen wird, und dass aus der resultierenden Änderung der Phasenströme ermittelt wird, ob an dem Ladepunkt (19) noch ein solcher Verbraucher (16) angeschlossen ist, ob der Verbraucher (16) mit signifikantem Strom lädt und/oder ob der Verbraucher (16) mit einem höherem Strom laden könnte.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben eines Ladesystems mit mehreren Ladepunkten zum Laden von elektrischen Verbrauchern, bspw. von Elektrofahrzeugen, wobei das Ladesystem an einem Stromnetz mit mehreren Phasen angeschlossen ist.

[0002] Elektrofahrzeuge laden heutzutage ein- oder mehrphasig mit Wechselstrom oder mit Gleichstrom. Die Ladung mit Wechselstrom ist dabei nach Norm im Betrieb von 6 bis 63 Ampere auf einer oder mehreren Phasen möglich. Viele Energieversorgungsunternehmen und Verteilernetzbetreiber fordern eine Vermeidung von Schieflast über 20 Ampere durch einzelne Verbraucher. Es sind jedoch Elektrofahrzeuge auf dem Markt, welche einphasig über 20 Ampere laden. Dadurch kann allerdings eine Schieflast entstehen, die über der von den Energieversorgungsunternehmen und Verteilnetzbetreibern vorgegebenen maximalen Schieflast liegt.

[0003] Um eine Schieflast zu vermeiden, können den Verbrauchern Leistungsvorgaben übermittelt werden, die angeben, wie hoch der maximale verfügbare Ladestrom für den jeweiligen Verbraucher ist, um die Last möglichst gleichmäßig auf die Phasen zu verteilen. Allerdings kann das Problem auftreten, dass ein Verbraucher nicht den gesamten verfügbaren Ladestrom abruft, beispielsweise, wenn dies durch den Laderegler des Verbrauchers grundsätzlich begrenzt ist, durch Nutzervorgabe reduziert ist oder wenn der Akku voll ist. Dies kann die Regelung der Schieflast beeinflussen.

[0004] Problematisch ist dies insbesondere, wenn die Übermittlung der Leistungsvorgaben nur in eine Richtung funktioniert, so dass die Verbraucher keine Rückmeldung über den tatsächlichen Ladestrom geben können.

[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde eine verbesserte oder zumindest andere Ausführungsform eines Verfahrens zum Betreiben eines Ladesystems mit mehreren Ladepunkten bereit zu stellen, die sich insbesondere durch die Vermeidung von zu hohen Schieflasten auszeichnet.

[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch den Gegenstand des unabhängigen Anspruchs gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.

[0007] Die Erfindung basiert auf der Grundidee, durch Änderung der Leistungsvorgabe an einzelnen Ladepunkten darauf zu schließen, wie hoch der Ladestrom des Verbrauchers an diesem Ladepunkt ist und wie hoch er sein könnte. Erfindungsgemäß ist daher vorgesehen, dass regelmäßig für jeden Ladepunkt einzeln die Leistungsvorgabe für ein vorgegebenes Testzeitintervall geändert wird und die resultierende Änderung der Phasenströme am Bilanzpunkt gemessen wird, und dass aus der resultierenden Änderung der Phasenströme ermittelt wird, ob an dem Ladepunkt noch ein solcher Verbraucher angeschlossen ist, ob der Verbraucher mit signifikantem Strom lädt und/oder oder der Verbraucher mit einem höherem Strom laden könnte. Dadurch kann eine Steuerung des Ladesystems erkennen, ob durch den Verbraucher an diesem Ladepunkt ein Regelpotential zur Vermeidung von Schieflast vorliegt oder nicht. Nur wenn ein signifikanter Ladestrom vorhanden ist und/oder wenn der Ladestrom erhöht werden kann, folgt der Ladestrom des Verbrauchers den Leistungsvorgaben. Daher ist es nur dann möglich durch die Änderung der Leistungsvorgabe die Schieflast zu beeinflussen. Daher ist diese Information wertvoll für die Regelung der Schieflast.

[0008] Das Testzeitintervall ist vorzugsweise ein kurzer Zeitraum, beispielsweise 5 bis 30 Sekunden.

[0009] Eine zweckmäßige Lösung sieht vor, dass an jedem Ladepunkt die Änderung der Leistungsvorgabe nach einem vorgegebenen Wiederholungszeitintervall wiederholt wird. Dadurch bleibt die Bewertung des Regelpotentials der einzelnen Verbraucher aktuell. Eine vorteilhafte Zeitspanne für die Wiederholung der Messung sind zum Beispiel 120 - 600 Sekunden.

[0010] Eine zweckmäßige Möglichkeit sieht vor, dass die Leistungsvorgabe für das vorgegebene Testzeitintervall verringert wird. Dadurch kann insbesondere erkannt werden, ob der Verbraucher mit einem signifikanten Ladestrom lädt oder nicht. Eine solche Änderung der Leistungsvorgabe kann beispielsweise eine Reduktion des Ladestroms vom 20A auf 10A sein. Reduziert sich dadurch der entsprechende Phasenstrom ebenfalls um 10A, heißt das, dass der Verbraucher mit 20A geladen hat und potentiell auch wieder laden wird, sobald die Leistungsvorgabe auf den alten Wert zurückgesetzt wird. Wenn allerdings keine oder nur eine kleine Änderung des Phasenstroms auftritt, heißt das, dass der Verbraucher nicht mit den vollen 20A geladen hat. Daher kann dieser Verbraucher nicht oder nur in geringerem Maße zur Regelung der Schieflast genutzt werden.

[0011] Eine weitere zweckmäßige Lösung sieht vor, dass die Leistungsvorgabe für das vorgegebene Testzeitintervall erhöht wird. Durch eine Erhöhung der Leistungsvorgabe kann entsprechend erkannt werden, ob der Verbraucher auch einen größeren Ladestrom nutzen würde. Somit kann das Regelpotential der einzelnen Verbraucher bestimmt werden.

[0012] Eine weitere zweckmäßige Möglichkeit sieht vor, dass eine Schieflast der Phasen unterhalb eines Schieflastgrenzwertes gehalten wird, indem jedem zum Laden angeschlossenen elektrischen Verbraucher eine Leistungsvorgabe übermittelt wird. Dadurch besteht eine Regelungsmöglichkeit für die Phasenströme, sodass die Schieflast unterhalb des Schieflastgrenzwertes gehalten werden kann. Gleichzeitig kann, wenn an allen Phasen ein elektrischer Verbraucher zum Laden angeschlossen ist, ein höherer individueller Ladestrom erreicht werden, als bei einem Verfahren, in welchem die maximalen Ladeströme auf einen Grenzwert gedrosselt werden, bei welchem die Schieflastgrenze nicht überschritten werden kann. Der Schieflastgrenzwert ist üblicherweise durch das Energieversorgungsunternehmen oder den Verteilernetzbetreiber vorgegeben. Der Schieflastgrenzwert liegt bspw. bei 20 Ampere.

[0013] In der Beschreibung und den beigefügten Ansprüchen wird unter der Schieflast die aktuell größte auftretende Differenz der Lasten zwischen jeweils zwei beliebigen Phasen des Stromnetzes an dem Bilanzpunkt verstanden.

[0014] Eine günstige Möglichkeit sieht vor, dass die Leistungsvorgaben für die elektrischen Verbraucher derart eingestellt werden, dass jede Lastdifferenz zwischen jedem möglichen Paar der Phasen des Stromnetzes am Bilanzpunkt kleiner als der Schieflastgrenzwert ist. Dadurch kann erreicht werden, dass die Schieflast unterhalb des Schieflastgrenzwertes bleibt.

[0015] In der Beschreibung und den beigefügten Ansprüchen wird unter einem Bilanzpunkt ein Punkt des Stromnetzes verstanden, an welchen die Schieflastgrenze eingehalten werden soll. Ein solcher Bilanzpunkt kann bspw. ein elektrischer Hausanschluss, der Ausgang eines Mittelspannungstransformators oder ein virtuelles Energieversorgungsnetz sein.

[0016] Eine weitere günstige Möglichkeit sieht vor, dass die Leistungsvorgabe umfasst, wie viel Ladeleistung aktuell zusätzlich entnommen werden darf, oder um wie viel die Ladeleistung reduziert werden muss. Dadurch können über die Leistungsvorgabe die Phasenströme geregelt werden, sodass angeschlossenen elektrischen Verbrauchern die größtmögliche elektrische Ladeleistung zur Verfügung gestellt werden kann, ohne dass die Schieflast den Schieflastgrenzwert überschreitet.

[0017] Eine weitere besonders günstige Möglichkeit sieht vor, dass, wenn der Phasenstrom einer Phase unterhalb eines Lastgrenzwertes liegt und der Phasenstrom dieser Phase kleiner ist als der geringste gemessene Phasenstrom einer anderen Phase zuzüglich des Schieflastgrenzwertes, wird über die Leistungsvorgabe signalisiert, dass zusätzliche Ladeleistung entnommen werden darf. Dadurch kann erreicht werden, dass wenn Leistungsreserven vorhanden sind, diese Leistungsreserven durch den angeschlossenen elektrischen Verbraucher auch ausgenutzt werden können. Die Höhe der zusätzlichen Leistung ergibt sich durch den Abstand zu den jeweiligen Grenzwerten, wobei der kleinere der beiden Abstände zu den Grenzwerten relevant ist für die mögliche Leistungserhöhung.

[0018] Ferner sieht die besonders günstige Möglichkeit vor, dass, wenn der Phasenstrom einer Phase oberhalb eines Lastgrenzwertes liegt oder der Phasenstrom dieser Phase größer ist als der geringste gemessene Phasenstrom einer der anderen Phasen zuzüglich des Schieflastgrenzwertes, wird über die Leistungsvorgabe signalisiert, dass die Ladeleistung reduziert werden muss. Dadurch kann auf Laständerungen an dem Stromnetz reagiert werden, um eine Überlastung oder ein Überschreiten des Schieflastgrenzwertes zu verhindern. Die Höhe der zu reduzierenden Leistung ergibt sich durch die jeweilige Überschreitung des Lastgrenzwertes bzw. des Schieflastgrenzwertes, wobei bei Überschreitung beider Grenzwerte der höhere Wert relevant ist, sodass nach der durchgeführten Reduktion der Ladeleistung beide Grenzwerte eingehalten werden.

[0019] Eine vorteilhafte Lösung sieht vor, dass die Leistungsvorgabe eine aktuell maximale verfügbare Ladeleistung umfasst. Die Leistungsvorgabe kann dem angeschlossenen elektrischen Verbraucher damit signalisieren, wie viel maximal verfügbare Ladeleistung bereit steht, bspw. wenn der elektrische Verbraucher gerade angeschlossen wurde. Dadurch kann die Regelzeit, bis die optimale Ladeleistung eingestellt ist, verkürzt werden.

[0020] Eine weitere vorteilhafte Lösung sieht vor, dass die aktuell maximale verfügbare Ladeleistung der Phase unter Berücksichtigung zumindest der aktuellen Phasenströme, einer maximalen zulässigen Leistung der jeweiligen Phase und einer maximal zulässigen Schieflast zwischen den Phasen ermittelt wird. Dadurch kann bei der Bestimmung der maximal verfügbaren Ladeleistung sichergestellt werden, dass die Phase des Stromnetzes nicht überlastet wird und dass die Schieflast den Schieflastgrenzwert nicht überschreitet.

[0021] Eine zweckmäßige Variante sieht vor, dass, wenn ein elektrischer Verbraucher zum Laden angeschlossen wird, ermittelt wird, an welcher Phase der elektrische Verbraucher angeschlossen ist, und eine aktuell maximal verfügbare Ladeleistung der Phase, an der der elektrische Verbraucher angeschlossen ist, ermittelt wird, und dem elektrischen Verbraucher die aktuell maximale verfügbare Ladeleistung übermittelt wird. Wenn also der elektrische Verbraucher angeschlossen wird, erhält dieser die Information, wie viel Leistung er zum Laden über die Phase entnehmen darf. Dadurch wird in besonders kurzer Zeit die optimale Ausnutzung des Stromnetzes erreicht.

[0022] Eine weitere zweckmäßige Variante sieht vor, dass die Leistungsvorgaben derart gewählt werden, dass zusätzlich eine individuelle Last der einzelnen Phasen jeweils unterhalb eines Lastgrenzwertes gehalten wird. Dadurch wird die Überlastung der einzelnen Phasen des Stromnetzes verhindert, sodass ein sicherer und stabiler Betrieb ermöglicht wird. Vorteilhaft ist der Lastgrenzwert durch eine maximal zulässige Last am Bilanzpunkt gegeben.

[0023] Eine vorteilhafte Möglichkeit sieht vor, dass die Phasenströme am Bilanzpunkt fortlaufend ermittelt werden, und daraus fortlaufend die Leistungsvorgabe für die zum Laden angeschlossenen elektrischen Verbraucher angepasst und dem jeweiligen elektrischen Verbraucher übermittelt werden. Dadurch kann auf Änderungen der Lastbedingungen an den einzelnen Phasen reagiert werden. Insbesondere kann, wenn bspw. an der ersten Phase die Ladung des elektrischen Verbrauchers beendet wird und keine Leistung mehr entnommen wird, es zu einer Schieflast führen, wenn an den anderen Phasen elektrische Verbraucher hängen. Durch die fortlaufende Überwachung kann dies erkannt werden und somit die übrigen elektrischen Verbraucher in ihrer Ladeleistung gedrosselt werden, sodass der Schieflastgrenzwert nicht überschritten wird.

[0024] Eine weitere vorteilhafte Möglichkeit sieht vor, dass das Stromnetz ein dreiphasiges Drehstromnetz ist. Solche dreiphasigen Drehstromnetze werden üblicherweise von den Energieversorgungsunternehmen bereitgestellt.

[0025] Eine günstige Variante sieht vor, dass die elektrischen Verbraucher anhand der übermittelten Leistungsvorgaben die abgerufene Ladeleistung einstellen. Dadurch wird erreicht, dass tatsächlich eine Regelung der Ladeleistung erfolgt, sodass die Leistungsgrenzwerte und die Schieflastgrenzwerte eingehalten werden können. Es versteht sich, dass die elektrischen Verbraucher nicht zwingend die maximal zur Verfügung stehende Ladeleistung abrufen müssen.

[0026] Eine weitere günstige Variante sieht vor, dass die Leistungsvorgaben durch ein PWM-Signal übermittelt werden. Solche PWM-Signale sind leicht zu erzeugen und leicht zu interpretieren, so dass dadurch eine sehr einfache Übermittlung der Leistungsvorgaben möglich ist.

[0027] Eine besonders vorteilhafte Lösung sieht vor, dass die zum Laden angeschlossenen elektrischen Verbraucher Elektrofahrzeuge sind. Gerade bei Elektrofahrzeugen treten sehr hohe Ladeleistungen auf, um die Ladezeit der Elektrofahrzeuge zu verkürzen, sodass die Problematik der Schieflast und der Überlastung einzelner Phasen besonders relevant ist.

[0028] In der Beschreibung und den beigefügten Ansprüchen werden unter Elektrofahrzeuge Kraftfahrzeuge verstanden, die zumindest teilweise durch einen Elektroantrieb angetrieben sind und einen elektrischen Energiespeicher aufweisen.

[0029] Weitere wichtige Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen, aus der Zeichnung und aus der zugehörigen Figurenbeschreibung anhand der Zeichnung.

[0030] Es versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nachstehend noch zu erläuternden Merkmale nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern auch in anderen Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar sind, ohne den Rahmen der vorliegenden Erfindung zu verlassen.

[0031] Bevorzugte Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in der Zeichnung dargestellt und werden in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert.

[0032] Die einzige Figur 1 zeigt ein Blockschaltbild eines Ladesystems, an welchem das erfindungsgemäße Verfahren durchgeführt werden kann.

[0033] Ein in Figur 1 dargestelltes System 10 umfasst einen Stromnetzanschluss 15 mit mehreren Phasen 14, beispielsweise einer ersten Phase 11, einer zweiten Phase 12 und einer dritten Phase 13, an welche elektrische Verbraucher, bspw. Elektrofahrzeuge 16, im folgenden Elektrofahrzeug 16 genannt, zum Laden der Elektrofahrzeuge 16 angeschlossen werden können. Die Elektrofahrzeuge 16 sind dabei jeweils über einen Ladepunkt 19 eine Unterverteilung 17 angeschlossen. Ferner ist eine Steuerungseinrichtung 18 vorgesehen, welche das System 10 überwacht. Dazu ist je Phase 11,12,13, 14 eine Phasenstrommesseinrichtung 20 vorgesehen, welche die Werte der gemessenen Phasenströme an die Steuereinrichtung 18 übermittelt. Für die Übermittlung der Werte der gemessenen Phasenströme sind vorzugsweise Datenverbindungen 22 vorgesehen. Ferner sind Datenverbindungen 22 zwischen der Steuereinrichtung 18 und den Elektrofahrzeugen 16 vorgesehen, über welche eine Leistungsvorgabe von der Steuereinrichtung 18 aus an die Elektrofahrzeuge 16 übermittelt werden kann.

[0034] Alternativ zur Phasenstrommesseinrichtung 20 können auch Daten eines vernetzten Stromzählers ausgewertet werden, um auf die Phasenströme zu schließen.

[0035] Die Steuereinrichtung 18 steuert die Elektrofahrzeuge 16 derart an, dass die von den Elektrofahrzeugen 16 über die einzelnen Phasen 11, 12, 13, 14 entnommenen Ströme derart sind, dass die einzelnen Phasen 11, 12, 13, 14 innerhalb vorgegebener Betriebsparameter belastet werden.

[0036] Diese Betriebsparameter umfassen insbesondere eine maximale Leistung bzw. einen maximalen Phasenstrom der Phasen 11, 12, 13, 14. Des Weiteren können die Betriebsparameter auch eine maximale Schieflast zwischen den Phasen 11, 12, 13, 14 umfassen. Die Schieflast definiert sich durch den größten Unterschied der Leistungen, die über die Phasen 11, 12, 13, 14 abgerufen werden. Insbesondere ist die Schieflast die Lastdifferenz zwischen der Last der Phase 11, 12, 13, 14, über welche die größte Leistung abgegeben wird zu der Last der Phase 11, 12, 13, 14 über die die geringste Leistung abgegeben wird. Die Last bzw. die Schieflast kann dabei beispielsweise über die elektrische Leistung oder den elektrischen Strom definiert werden.

[0037] Wird nun ein Kraftfahrzeug 16 zum Laden an eine der Phasen 11, 12, 13, 14 angeschlossen, ermittelt die Steuerungseinrichtung, wie hoch die maximal verfügbare Ladeleistung für das Kraftfahrzeug 16 ist und übermittelt diese aktuell maximale verfügbare Ladeleistung an dieses Kraftfahrzeug 16. Das Kraftfahrzeug 16 wird dann maximal diese Ladeleistung über die Phase 11, 12, 13, 14 beziehen. Im weiteren Ladevorgang wird die Steuereinrichtung 18 fortlaufend die Phasenströme der einzelnen Phasen 11, 12, 13, 14 überwachen und ggf. Leistungsvorgaben an die Kraftfahrzeuge 16 übermitteln, welche den Kraftfahrzeugen 16 signalisieren, dass entweder mehr Ladeleistung abgerufen werden darf, oder dass die Ladeleistung reduziert werden muss.

[0038] Wenn bspw. nur ein einzelnes Elektrofahrzeug 16 an einer der Phasen 11, 12, 13, 14 angeschlossen ist, ist die maximal verfügbare Ladeleistung durch die maximale Schieflast gegeben. Die maximale erlaubte Schieflast beträgt üblicherweise 20 Ampere. Daraus ergibt sich, dass das Elektrofahrzeug 16 lediglich mit 20 Ampere laden kann.

[0039] Falls ein zweites Elektrofahrzeug 16 an eine weitere Phase 11, 12, 13, 14 angeschlossen wird, kann dieses ebenfalls mit 20 Ampere geladen werden. Wenn schließlich auch an einer dritten Phase 11, 12, 13, 14 ein Elektrofahrzeug 16 angeschlossen wird, ergibt sich somit ein Lastausgleich, wodurch die maximale Ladeleistung nicht mehr durch die Schieflast begrenzt wird, sondern durch die individuelle maximale Last an den einzelnen Phasen 11, 12, 13, 14.

[0040] Da die Ladeleistung der Elektrofahrzeuge 16 nicht notwendiger Weise immer die maximal verfügbare Ladeleistung ist, erfolgt auch bei drei angeschlossenen Elektrofahrzeugen 16 eine fortlaufende Überwachung der Phasenströme, um ggf. Ladeströme einzelner Elektrofahrzeuge 16 drosseln zu können, um eine Überschreitung der maximal zulässigen Schieflast zu verhindern.

[0041] Es versteht sich, dass auch mehr als ein Elektrofahrzeug 16 zum Laden an einer einzelnen Phase 11, 12,13, 14 angeschlossen sein kann. Somit können mehr Elektrofahrzeuge 16 gleichzeitig geladen werden, als Phasen 11, 12, 13, 14 am Stromnetz zur Verfügung stehen.

[0042] Um zu ermitteln, wie hoch der von den jeweiligen angeschlossenen Elektrofahrzeuge 16 bezogene Ladestrom oder Ladeleistung ist, wird regelmäßig die Leistungsvorgabe an einem Ladepunkt 19 geändert. Dabei werden die Phasenströme am Bilanzpunkt 24 beobachtet. Wenn die Änderung des Phasenstroms der Änderung der Leistungsvorgabe entspricht, hat das Elektrofahrzeug 16 mit dem vollen Ladestrom nach der Leistungsvorgabe geladen.

[0043] Wenn allerdings die Änderung des Phasenstroms nicht der Änderung der Leistungsvorgabe entspricht, hat das Elektrofahrzeug 16 mit einem kleineren Ladestrom geladen. Das bedeutet, dass die Steuereinrichtung 18 berücksichtigen muss, dass das an diesem Ladepunkt 19 angeschlossene Elektrofahrzeug 16 nicht den maximalen Ladestrom abrufen wird. Entsprechend müssen die Leistungsvorgaben für die anderen Ladepunkte 19 geändert werden, um die Schieflast innerhalb der zulässigen Grenzen zu halten.

[0044] Durch eine Reduktion der Leistungsvorgabe kann also erkannt werden, wie hoch der Ladestrom des Elektrofahrzeugs 16 ist, bzw. ob das Elektrofahrzeug 16 seinen Ladevorgang beendet hat. Durch eine Erhöhung der Leistungsvorgabe kann erkannt werden, ob das jeweilige angeschlossene Elektrofahrzeug 16 einen größeren Ladestrom beziehen würde und somit eine weitere Regelung der Schieflast ermöglicht. Somit kann das Regelungspotential für die Schieflast der einzelnen Elektrofahrzeuge 16 ermittelt werden.

[0045] Die Änderung der Leistungsvorgabe wird für jeden Ladepunkt 19 nach einem Wiederholungszeitintervall wiederholt. Dadurch bleibt die Beurteilung der Regelungspotentiale aktuell.


Ansprüche

1. Verfahren zum Betreiben eines Ladesystems (10) mit mehreren Ladepunkten (19) zum Laden von elektrischen Verbrauchern (16), beispielsweise von Elektrofahrzeugen,

- wobei das Ladesystem (10) an einem Stromnetz (15) mit mehreren Phasen (11, 12, 13, 14) angeschlossen ist,

- wobei an einem Bilanzpunkt (24) Phasenströme der Phasen (11, 12, 13, 14) des Stromnetzes (15) gemessen werden,

- wobei Leistungsvorgaben an elektrische Verbraucher (16), die an einem der Ladepunkte (19) angeschlossen sind, übermittelt werden,

dadurch gekennzeichnet,

- dass regelmäßig für jeden Ladepunkt (19) einzeln die Leistungsvorgabe für ein vorgegebenes Testzeitintervall geändert wird und die resultierende Änderung der Phasenströme am Bilanzpunkt (24) gemessen wird, und

- dass aus der resultierenden Änderung der Phasenströme ermittelt wird, ob an dem Ladepunkt (19) noch ein solcher Verbraucher (16) angeschlossen ist, ob der Verbraucher (16) mit signifikantem Strom lädt und/oder ob der Verbraucher (16) mit einem höherem Strom laden könnte.


 
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass an jedem Ladepunkt (19) die Änderung der Leistungsvorgabe nach einem vorgegebenen Wiederholungszeitintervall wiederholt wird.
 
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Leistungsvorgabe für das Testzeitintervall erhöht oder verringert wird.
 
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,

- dass eine Schieflast der Phasen (11, 12, 13, 14) unterhalb eines Schieflastgrenzwertes gehalten wird, indem jedem zum Laden angeschlossenen elektrischen Verbraucher (16) eine angepasste Leistungsvorgabe übermittelt wird.


 
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Leistungsvorgabe umfasst, wie viel Ladeleistung aktuell zusätzlich entnommen werden darf oder um wie viel die Ladeleistung reduziert werden muss.
 
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,

- dass, wenn der Phasenstrom einer Phase (11, 12, 13, 14) unterhalb eines Lastgrenzwertes liegt und der Phasenstrom dieser Phase (11, 12, 13, 14) kleiner ist als der geringste gemessene Phasenstrom einer der anderen Phasen (11, 12, 13, 14) zuzüglich des Schieflastgrenzwertes, wird über die Leistungsvorgabe signalisiert, dass zusätzliche Ladeleistung entnommen werden darf,

- dass, wenn der Phasenstrom einer Phase (11, 12, 13, 14) oberhalb eines Lastgrenzwertes liegt oder der Phasenstrom dieser Phase (11, 12, 13, 14) größer ist als der geringste gemessene Phasenstrom einer der anderen Phasen (11, 12, 13, 14) zuzüglich des Schieflastgrenzwertes, wird über die Leistungsvorgabe signalisiert, dass die Ladeleistung reduziert werden muss.


 
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Leistungsvorgabe eine aktuell maximale verfügbare Ladeleistung umfasst.
 
8. Verfahren nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass die aktuell maximale verfügbare Ladeleistung der Phase (11, 12, 13, 14) unter Berücksichtigung zumindest der aktuellen Phasenströme, einer maximalen zulässigen Leistung der jeweiligen Phase (11, 12, 13, 14) und einer maximal zulässigen Schieflast zwischen den Phasen (11, 12, 13, 14) ermittelt wird.
 
9. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass wenn ein elektrischer Verbraucher (16) zum Laden angeschlossen wird, ermittelt wird, an welcher Phase (11, 12, 13, 14) der elektrische Verbraucher (16) angeschlossen ist, und eine aktuell maximale verfügbare Ladeleistung der Phase (11, 12, 13, 14), an der der elektrischer Verbraucher angeschlossen ist, ermittelt wird, und dem elektrischen Verbraucher (16) die aktuell maximale verfügbare Ladeleistung übermittelt wird.
 
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Leistungsvorgaben derart gewählt werden, dass zusätzlich eine individuelle Last der einzelnen Phasen (11, 12, 13, 14) jeweils unterhalb eines Lastgrenzwertes gehalten wird.
 
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Phasenströme am Bilanzpunkt (24) fortlaufend ermittelt werden, und daraus fortlaufend die Leistungsvorgaben für die zum Laden angeschlossenen elektrischen Verbraucher (16) angepasst und dem jeweiligen elektrischen Verbraucher (16) übermittelt werden.
 
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass die elektrischen Verbraucher (16) anhand der übermittelten Leistungsvorgaben die abgerufene Ladeleistung einstellen.
 
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Leistungsvorgaben durch ein PWM-Signal übermittelt werden.
 
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13
dadurch gekennzeichnet,
dass die zum Laden angeschlossene, elektrische Verbraucher (16) Elektrofahrzeuge sind.
 




Zeichnung