(19)
(11)EP 3 640 754 A1

(12)EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43)Veröffentlichungstag:
22.04.2020  Patentblatt  2020/17

(21)Anmeldenummer: 19202965.0

(22)Anmeldetag:  14.10.2019
(51)Internationale Patentklassifikation (IPC): 
G05B 19/416(2006.01)
(84)Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME
Benannte Validierungsstaaten:
KH MA MD TN

(30)Priorität: 15.10.2018 DE 102018125418

(71)Anmelder: HOMAG GmbH
72296 Schopfloch (DE)

(72)Erfinder:
  • Gan, Yimin
    72108 Rottenburg am Neckar (DE)
  • Fritz, Marcus
    72280 Dornstetten (DE)

(74)Vertreter: Hoffmann Eitle 
Patent- und Rechtsanwälte PartmbB Arabellastraße 30
81925 München
81925 München (DE)

  


(54)VORRICHTUNG UND VERFAHREN ZUM SPANENDEN BEARBEITEN VON WERKSTÜCKEN


(57) Vorrichtung (1) zum spanenden Bearbeiten von Werkstücken (2), die zumindest abschnittsweise aus Holz, Holzwerkstoffen, Kunststoff oder dergleichen bestehen, umfassend ein Bearbeitungswerkzeug (4), das eingerichtet ist, die Werkstücke (2) spanend zu bearbeiten, eine Drehantriebseinrichtung (10), die eine Aufnahme (12) für das Bearbeitungswerkzeug (4) und einen Drehantrieb (14) für die Aufnahme (12) aufweist, und eine Fördereinrichtung (6) zum Herbeiführen einer Relativbewegung zwischen dem Bearbeitungswerkzeug (4) und dem Werkstück (2), dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung eine Steuereinrichtung (20) aufweist, die eingerichtet ist, die Drehzahl der Drehantriebseinrichtung (10) in Abhängigkeit von mindestens einem Betriebsparameter zu steuern.




Beschreibung

Technisches Gebiet



[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zum spanenden Bearbeiten von Werkstücken, die zumindest abschnittsweise aus Holz, Holzwerkstoffen, Kunststoff oder dergleichen bestehen, nach dem Oberbegriff von Anspruch 1, sowie ein entsprechendes Verfahren.

Stand der Technik



[0002] Bearbeitungsvorrichtungen der eingangs genannten Art werden im Bereich der Möbel- und Bauelementeindustrie verwendet, um Werkstücke spanend zu bearbeiten, beispielsweise zu sägen, zu fräsen, zu bohren oder dergleichen. Aufgrund des auf Holz basierten Werkstoffs unterscheiden sich die dabei angewendeten Techniken und Herangehensweisen grundlegend von anderen technischen Gebieten, wie beispielsweise der Metallbearbeitung.

[0003] So offenbart beispielsweise die EP 1 995 559 A1 eine gattungsgemäße Bearbeitungsvorrichtung, die sich in der Praxis bewährt hat. Allerdings besteht zunehmend die Anforderung, Bearbeitungsvorrichtungen sowohl im Hinblick auf den Arbeitsschutz als auch im Hinblick auf den Umweltschutz weiter zu verbessern.

Darstellung der Erfindung



[0004] Vor diesem Hintergrund liegt der Erfindung das mit technischen Mitteln zu lösende Problem zugrunde, eine gattungsgemäße Vorrichtung und ein gattungsgemäßes Verfahren bereitzustellen, die eine geringere Beeinträchtigung von Bedienpersonen und verbesserte ökologische Eigenschaften besitzen.

[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine Bearbeitungsvorrichtung nach Anspruch 1 sowie ein Bearbeitungsverfahren nach Anspruch 10 gelöst. Besonders bevorzugte Weiterbildungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.

[0006] Der Erfindung liegt der Gedanke zugrunde, den Betrieb der Bearbeitungsvorrichtung präziser als bisher auf die jeweiligen Anforderungen des Bearbeitungsprozesses abzustimmen. Zu diesem Zweck ist erfindungsgemäß vorgesehen, dass die gattungsgemäße Bearbeitungsvorrichtung eine Steuereinrichtung aufweist, die eingerichtet ist, die Drehzahl der Drehantriebseinrichtung in Abhängigkeit von mindestens einem Betriebsparameter zu steuern.

[0007] Durch die erfindungsgemäße Ausgestaltung wird es möglich, den im Bereich der Holzbearbeitung seit jeher beschrittenen Pfad zu verlassen, bei welchem die Drehzahl der Drehantriebseinrichtung standardmäßig auf die maximale Drehzahl eingestellt wurde, sofern überhaupt eine Einstellung der Drehzahl möglich war. Erfindungsgemäß können mittels der Steuereinrichtung nunmehr deutlich geringere Drehzahlen der Drehantriebseinrichtung eingestellt werden, und zwar in Abhängigkeit von den jeweiligen Betriebsparametern. Dies führt zu einer drastischen Verminderung der Lärmbelastung am Arbeitsplatz, was für die im Umfeld der Bearbeitungsmaschinen tätigen Personen ein deutliches Plus an Arbeitssicherheit, aber auch Wohlbefinden bedeutet. Gleichzeitig ergibt sich durch die Absenkung der Drehzahl eine erhebliche Energieeinsparung, wodurch der Betrieb umweltfreundlicher wird. Nicht zuletzt leistet die Absenkung der Drehzahl der Drehantriebseinrichtung auch einen Beitrag zur Erhöhung der Standzeit der Werkzeuge mit entsprechenden Vorteilen für den Betrieb der Vorrichtung und dem hiermit verbundenen Wartungsaufwand.

[0008] Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Betriebsparameter ausgewählt sind aus Vorschubgeschwindigkeit der Fördereinrichtung, Schnitttiefe des Bearbeitungswerkzeugs, Schnittbreite des Bearbeitungswerkzeugs, Schneidstoff des Bearbeitungswerkzeugs und Werkstoff des Werkstücks. Durch Berücksichtigung zumindest dieser Parameter lässt sich auf effektive Weise eine optimale Drehzahl der Drehantriebseinrichtung ableiten, sodass die oben genannten Vorteile wirksam erzielt werden können.

[0009] Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist ferner vorgesehen, dass die Vorrichtung eine Eingabeeinrichtung für Betriebsparameter aufweist, insbesondere für die Vorschubgeschwindigkeit der Fördereinrichtung und/oder die Schnitttiefe des Bearbeitungswerkzeugs. Auf diese Weise kann eine Bedienperson auf Anforderung die jeweiligen Betriebsparameter eingeben, sofern diese nicht anderweitig zugeführt werden, beispielsweise über eine Datenschnittstelle. Hierdurch lässt sich der Prozess besonders effektiv steuern und stets die jeweils optimale Drehzahl der Drehantriebseinrichtung erreichen.

[0010] Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung weist die Steuereinrichtung einen Datenspeicher auf, der eingerichtet ist, eine Datenbank zu speichern, in welcher Daten über Kombinationen von Betriebsparametern gespeichert sind. Hierdurch kann sichergestellt werden, dass für jede praktisch auftretende Parameterkombination ausreichende Daten und Informationen vorliegen, um auf dieser Grundlage eine effiziente Einstellung der Drehzahl der Drehantriebsvorrichtung vorzunehmen.

[0011] Im Hinblick hierauf weist die Steuereinrichtung gemäß einer Weiterbildung der Erfindung einen Prozessor auf, der eingerichtet ist, anhand ausgewählter Betriebsparameter eine minimale Drehzahl der Drehantriebseinrichtung zu berechnen. Auf diese Weise kann die Bearbeitungsvorrichtung zügig und präzise auf unterschiedlichste Parameterkombinationen und Benutzereingaben reagieren. Dabei ist es besonders bevorzugt, dass der Prozessor auf in dem Datenspeicher gespeicherte und/oder mittels der Eingabeeinrichtung eingegebene Betriebsparameter zurückgreift, um eine präzise Steuerung der Drehantriebseinrichtung zu ermöglichen.

[0012] Die Steuereinrichtung weist gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ferner ein Drehzahlsteuermodul auf, das eingerichtet ist, die Drehzahl der Drehantriebseinrichtung zu steuern, und zwar bevorzugt unter Berücksichtigung der vom Prozessor berechneten minimalen Drehzahl. Hierdurch kann das vom Prozessor berechnete Ergebnis zügig und präzise an das Drehzahlsteuermodul weitergegeben werden, sodass Verzögerungen oder Störungen des Bearbeitungsbetriebs vermieden werden können, während sich gleichzeitig mit hoher Effektivität die Betriebsdrehzahl optimieren lässt.

[0013] Im Rahmen der Erfindung ist es prinzipiell möglich, für Drehzahländerungen stets die Bearbeitungsvorrichtung anzuhalten. Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist jedoch vorgesehen, dass das Drehzahlsteuermodul eingerichtet ist, die Drehzahl auch während des Betriebes der Drehantriebseinrichtung zu verändern, bevorzugt auch während eines Bearbeitungsbetriebs des Bearbeitungswerkzeugs. Hierdurch lässt sich auf effektive und durchgängige Weise sicherstellen, die oben genannten Vorteile zu erreichen, insbesondere im Hinblick auf Arbeitsschutz und Energieeinsparung.

[0014] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren gemäß Patentanspruch 9 wird, im Unterschied zum Stand der Technik, die Drehzahl der Drehantriebseinrichtung in Abhängigkeit von mindestens einem Betriebsparameter auf eine Solldrehzahl eingestellt, die unterhalb der Höchstdrehzahl der Drehantriebseinrichtung liegt. Hieraus ergeben sich ebenfalls die oben genannten Vorteile, insbesondere einer geringeren Geräuschbelastung und eines verminderten Energieverbrauchs.

[0015] Ferner haben die Erfinder festgestellt, dass das Maß, um welches die Drehzahl der Drehantriebsvorrichtung gegenüber der Maximaldrehzahl abgesenkt werden kann, primär davon abhängt, welche Bearbeitungsqualität bzw. Schnittqualität erreicht werden soll. Vor diesem Hintergrund ist gemäß einer Weiterbildung der Erfindung vorgesehen, dass mittels des Prozessors unter Berücksichtigung der Betriebsparameter eine Minimaldrehzahl ermittelt wird, bei welcher eine vorbestimmte minimale Schnittqualität erreicht wird. Hierdurch lässt sich sicherstellen, dass die oben genannten Vorteile erreicht werden, ohne das Gesamtarbeitsergebnis des Prozesses zu beeinträchtigen.

[0016] Ferner kann es gemäß einer Weiterbildung von Vorteil sein, dass die Solldrehzahl mindestens 10%, bevorzugt mindestens 20% oberhalb der Minimaldrehzahl liegt. Alternativ oder zusätzlich kann es auch vorteilhaft sein, dass die Solldrehzahl mindestens 10%, bevorzugt mindestens 20% unterhalb der Maximaldrehzahl liegt. Hierdurch ergibt sich ein Betriebskorridor, bei dem das Lärmniveau und der Energieverbrauch auf ein akzeptables Maß gesenkt werden können, während gleichzeitig bei geringem Ausschuss eine hohe Bearbeitungsqualität erzielt werden kann.

[0017] Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist ferner vorgesehen, dass als Grundlage für die Bestimmung der Minimaldrehzahl vorab mehrere Werkstücke mit unterschiedlichen Parameterkombinationen bearbeitet werden, um den Zusammenhang zumindest einiger Parameter empirisch zu bestimmen. Hierdurch ergibt sich eine präzise Grundlage für die Einstellung der Minimaldrehzahl bzw. Solldrehzahl.

[0018] Dabei ist es besonders bevorzugt, dass der empirisch ermittelte Zusammenhang zumindest einiger Parameter im Datenspeicher gespeichert wird, insbesondere in Form einer Gleichung. Auf diese Weise kann jederzeit und zügig auf die ermittelten Zusammenhänge zugegriffen werden, sodass diese unmittelbar in den Bearbeitungsprozess einfließen können, um jederzeit die grundlegenden Vorteile der verminderten Geräuschbelastung und des verminderten Energieverbrauchs zu erzielen.

Kurze Beschreibung der Zeichnung



[0019] Fig. 1 zeigt schematisch den grundlegenden Aufbau einer Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung.

Ausführliche Beschreibung bevorzugter Ausführungsformen



[0020] Bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung werden nachfolgend ausführlich unter Bezugnahme auf Fig. 1 beschrieben.

[0021] Eine Bearbeitungsvorrichtung 1 zum spanenden Bearbeiten von Werkstücken 2 ist in Fig. 1 schematisch in einer teilweisen Seitenansicht dargestellt. Die Bearbeitungsvorrichtung 1 dient in der vorliegenden Ausführungsform zum Bearbeiten von Werkstücken 2, die zumindest abschnittsweise aus Holz, Holzwerkstoffen oder Kunststoff bestehen, wie sie im Bereich der Möbel- und Bauelementeindustrie verbreitet zum Einsatz kommen. So kann es sich beispielsweise um Fronten oder Korpusteile für Möbel, aber auch um Bauelemente wie Türen etc. handeln. Die Erfindung ist in dieser Hinsicht nicht besonders beschränkt, zielt jedoch primär auf die spanende Bearbeitung von Holz-basierten oder ähnlichen Materialien ab.

[0022] Zu diesem Zweck weist die Bearbeitungsvorrichtung 1 mindestens ein Bearbeitungswerkzeug 4 auf, das eingerichtet ist, die Werkstücke 2 spanend zu bearbeiten. Dementsprechend kann es sich bei dem Bearbeitungswerkzeug 4 beispielsweise um einen Bohrer, Fräser, eine Säge oder sonstige drehend angetriebene, spanabhebende Werkzeuge handeln.

[0023] Das Bearbeitungswerkzeug 4 ist in Fig. 1 in einer Aufnahme 12 einer Drehantriebseinrichtung 10 aufgenommen, die einen Drehantrieb 14 für die Aufnahme 12 aufweist. Bei der Drehantriebseinrichtung 10 kann es sich dementsprechend um eine sogenannte Spindeleinheit handeln.

[0024] Unterhalb der Drehantriebseinrichtung 10 erstreckt sich in der vorliegenden Ausführungsform eine Durchlauffördereinrichtung 6, die beispielsweise ein angetriebenes Endlosumlaufelement wie etwa eine Förderkette oder einen Förderriemen aufweist. Es ist jedoch zu beachten, dass die vorliegende Erfindung nicht auf Durchlauffördereinrichtungen beschränkt ist, sondern dass alternativ oder zusätzlich zu einer Durchlauffördereinrichtung auch andere Fördereinrichtungen zum Einsatz kommen können. So kann es sich beispielsweise auch um eine sogenannte Stationärmaschine handeln, bei welcher die Werkstücke während der Bearbeitung stationär sind und das Bearbeitungswerkzeug 4 in Bezug auf die Werkstücke 2 bewegt wird. Auch Kombinationen dieser Konzepte sind im Rahmen der vorliegenden Erfindung möglich.

[0025] Wie in Fig. 1 zu erkennen ist, weist die Bearbeitungsvorrichtung 1 ferner eine Steuereinrichtung 20 auf, die dazu dienen kann, den Betrieb der Bearbeitungsvorrichtung 1 insgesamt zu steuern. In jedem Falle ist die Steuereinrichtung 20 eingerichtet, die Drehzahl der Drehantriebseinrichtung 10 in Abhängigkeit von einem oder mehreren Betriebsparametern zu steuern.

[0026] Obwohl im Rahmen der vorliegenden Erfindung vielfältige Größen als Betriebsparameter infrage kommen, erfolgt die Einstellung der Drehzahl in der vorliegenden Ausführungsform primär anhand der Vorschubgeschwindigkeit der Fördereinrichtung, der Schnitttiefe des Bearbeitungswerkzeugs, der Schnittbreite des Bearbeitungswerkzeugs, dem Schneidstoff des Bearbeitungswerkzeugs und dem Werkstoff des Werkstücks. Bei manchen dieser Parameter handelt es sich um Größen, auf die maschinenseitig bzw. durch eine Bedienperson kein Einfluss genommen werden kann, wie beispielsweise der Werkstoff des Werkstücks.

[0027] Andere Betriebsparameter sind einer Einflussnahme durch Bedienpersonen zugänglich, sodass die Steuereinrichtung 20 zu diesem Zweck eine Eingabeeinrichtung 22 für Betriebsparameter aufweist, mittels der beispielsweise die Vorschubgeschwindigkeit der Fördereinrichtung und/oder die Schnitttiefe des Bearbeitungswerkzeugs eingestellt werden können. Sofern die für den jeweiligen Bearbeitungsvorgang benötigten Betriebsparameter nicht in der Steuereinrichtung 20 hinterlegt oder mittels der Eingabeeinrichtung 22 eingegeben werden, können diese auch über eine in Fig. 1 nicht gezeigte Schnittstelle zugeführt werden, beispielsweise im Wege einer Datenübergabe aus der Produktionsplanung.

[0028] Um für die in der Praxis auftretenden Kombinationen von Betriebsparametern jeweils die optimale bzw. minimale Drehzahl der Drehantriebseinrichtung 10 ermitteln zu können, weist die Steuereinrichtung 20 ferner einen Datenspeicher 24 auf, der eingerichtet ist, eine Datenbank zu speichern, in welcher Daten über Kombinationen von Betriebsparametern gespeichert sind. Diese Daten können beispielsweise in Form einer Tabelle (look-up-table - LUT) gespeichert sein.

[0029] Ferner umfasst die Steuereinrichtung 20, wie in Fig. 1 gezeigt, einen Prozessor 26, der eingerichtet ist, anhand ausgewählter Betriebsparameter eine minimale Drehzahl der Drehantriebseinrichtung 10 zu berechnen. Dabei greift der Prozessor 26 auf in dem Datenspeicher 24 gespeicherte und/oder mittels der Eingabeeinrichtung 22 eingegebene Betriebsparameter zurück. In dem Datenspeicher 24 sind zu diesem Zweck einerseits tatsächlich zugrunde zu legende Betriebsparameter gespeichert, andererseits aber auch (mathematische) Zusammenhänge zwischen den zugrundeliegenden Betriebsparametern einerseits und der sich hieraus ergebenden, minimalen oder sinnvollen Drehzahl der Drehantriebseinrichtung 10 andererseits.

[0030] Diese Zusammenhänge können im Rahmen der vorliegenden Erfindung vorab bestimmt werden, indem mehrere Werkstücke mit unterschiedlichen Parameterkombinationen bearbeitet werden und der sich hieraus ergebende Parameterzusammenhang empirisch bestimmt wird. Dieses Ergebnis kann dann beispielsweise in Form einer Gleichung oder auch lediglich als Zuordnungstabelle in dem Datenspeicher 24 gespeichert werden. Bei dieser Vorgehensweise kann zunächst im Zuge der Vorabversuche eine Minimaldrehzahl ermittelt werden, die sich üblicherweise dadurch ergibt, dass eine bestimmte, gewünschte Bearbeitungsqualität nicht unterschritten werden soll. Man erhält somit einen zulässigen Drehzahlbereich zwischen Minimaldrehzahl, die durch die zulässige Bearbeitungsqualität bestimmt wird, und Maximaldrehzahl, die aggregateabhängig sein kann oder ebenfalls unter Berücksichtigung der Bearbeitungsqualität abgeleitet werden kann. Innerhalb dieses zulässigen Drehzahlbereichs können dann je nach Anwendungsfall sinnvolle Bearbeitungsbereiche definiert werden, die einen stabilen, zuverlässigen und zügigen Betrieb gewährleisten. So kann beispielsweise als Solldrehzahl der logarithmische Mittelwert zwischen Minimaldrehzahl und Maximaldrehzahl gewählt werden. Auch können für die Solldrehzahl bestimmte Bereiche definiert werden, die sich als stabil und vorteilhaft bewährt haben, beispielsweise Drehzahlen, die mindestens 20 % oberhalb der Minimaldrehzahl und mindestens 20 % unterhalb der Maximaldrehzahl liegen.

[0031] Zur Weitergabe der jeweiligen Solldrehzahl an die Drehantriebseinrichtung 10 weist die Steuereinrichtung 20 ein Drehzahlsteuermodul 28 auf, das eingerichtet ist, die Drehzahl der Drehantriebseinrichtung 10 zu steuern. Zu diesem Zweck ist das Drehzahlsteuermodul 28 mit dem Prozessor 26 verbunden und erhält von diesem die berechnete minimale Drehzahl bzw. die ermittelte Solldrehzahl.

[0032] Dabei ist das Drehzahlsteuermodul 28 eingerichtet, die Drehzahl auch während des Betriebs der Drehantriebseinrichtung 10 zu verändern, und zwar bevorzugt auch während eines Bearbeitungsbetriebs des Bearbeitungswerkzeugs 4. Hierdurch kann zu jedem Zeitpunkt auf Veränderungen von Betriebsparametern reagiert werden, beispielsweise falls die Schnitttiefe aufgrund der gewünschten Werkstückkontur während des Bearbeitungsvorgangs verändert werden muss, falls die Fördergeschwindigkeit der Fördereinrichtung verändert werden soll bzw. kann, falls die Werkstückeigenschaften sich verändern (beispielsweise Übergang von Hartholzbereich zu Weichholzbereich), etc.

[0033] Somit vollzieht sich der Betrieb der erfindungsgemäßen Bearbeitungsvorrichtung 1 beispielsweise wie folgt. Sobald ein Werkstück 2 mittels der Fördereinrichtung 6 zugeführt wird, fragt der Prozessor 26 die jeweils vorliegenden bzw. gewünschten Betriebsparameter von der Eingabeeinrichtung 22 und dem Datenspeicher 24 ab. Ferner fragt der Prozessor 26 vom Datenspeicher 24 die hinterlegten Zusammenhänge ab, die für die aktuellen Parameterkombinationen gespeichert sind.

[0034] Auf dieser Grundlage ermittelt der Prozessor 26 unter Berücksichtigung der gewünschten Bearbeitungsqualität die minimale Drehzahl der Drehantriebseinrichtung 10 sowie gegebenenfalls eine Solldrehzahl, die etwas oberhalb der minimalen Drehzahl liegt.

[0035] Diesen Drehzahlwert gibt der Prozessor 26 an das Drehzahlsteuermodul 28 weiter, das auf dieser Grundlage die Drehzahl der Drehantriebseinrichtung 10 steuert. Bei dieser Drehzahl erfolgt nun die spanende Bearbeitung des Werkstücks 2 mittels des Bearbeitungswerkzeugs 4, wobei während des Bearbeitungsbetriebs auf notwendige oder gewünschte Veränderungen der Betriebsparameter reagiert und die Drehzahl der Drehantriebseinrichtung 10 durch den Prozessor 26 über das Drehzahlsteuermodul 28 jeweils angepasst werden kann.


Ansprüche

1. Vorrichtung (1) zum spanenden Bearbeiten von Werkstücken (2), die zumindest abschnittsweise aus Holz, Holzwerkstoffen, Kunststoff oder dergleichen bestehen, umfassend:

ein Bearbeitungswerkzeug (4), das eingerichtet ist, die Werkstücke (2) spanend zu bearbeiten,

eine Drehantriebseinrichtung (10), die eine Aufnahme (12) für das Bearbeitungswerkzeug (4) und einen Drehantrieb (14) für die Aufnahme (12) aufweist, und

eine Fördereinrichtung (6) zum Herbeiführen einer Relativbewegung zwischen dem Bearbeitungswerkzeug (4) und dem Werkstück (2),

dadurch gekennzeichnet, dass

die Vorrichtung eine Steuereinrichtung (20) aufweist, die eingerichtet ist, die Drehzahl der Drehantriebseinrichtung (10) in Abhängigkeit von mindestens einem Betriebsparameter zu steuern.


 
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Betriebsparameter ausgewählt sind aus Vorschubgeschwindigkeit der Fördereinrichtung, Schnitttiefe des Bearbeitungswerkzeugs, Schnittbreite des Bearbeitungswerkzeugs, Schneidstoff des Bearbeitungswerkzeugs und Werkstoff des Werkstücks.
 
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine Eingabeeinrichtung (22) für Betriebsparameter, insbesondere für die Vorschubgeschwindigkeit der Fördereinrichtung und/oder die Schnitttiefe des Bearbeitungswerkzeugs, aufweist.
 
4. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (20) einen Datenspeicher (24) aufweist, der eingerichtet ist, eine Datenbank zu speichern, in welcher Daten über Kombinationen von Betriebsparametern gespeichert sind.
 
5. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (20) einen Prozessor (26) aufweist, der eingerichtet ist, anhand ausgewählter Betriebsparameter eine minimale Drehzahl der Drehantriebseinrichtung (10) zu berechnen und dabei bevorzugt auf in dem Datenspeicher (24) gespeicherte und/oder mittels der Eingabeeinrichtung (22) eingegebene Betriebsparameter zurückzugreifen.
 
6. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (20) ein Drehzahlsteuermodul (28) aufweist, das eingerichtet ist, die Drehzahl der Drehantriebseinrichtung (10) zu steuern, und zwar bevorzugt unter Berücksichtigung der vom Prozessor (26) berechneten minimalen Drehzahl.
 
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Drehzahlsteuermodul (28) eingerichtet ist, die Drehzahl auch während des Betriebes der Drehantriebseinrichtung (10) zu verändern, bevorzugt auch während eines Bearbeitungsbetriebes des Bearbeitungswerkzeugs (4).
 
8. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Fördereinrichtung (6) eine Durchlauffördereinrichtung für die Werkstücke (2) aufweist.
 
9. Verfahren zum spanenden Bearbeiten von Werkstücken (2), die zumindest abschnittsweise aus Holz, Holzwerkstoffen, Kunststoff oder dergleichen bestehen, unter Einsatz einer Vorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, mit den Schritten:

Einstellen der Drehzahl der Drehantriebseinrichtung (10) in Abhängigkeit von mindestens einem Betriebsparameter auf eine Solldrehzahl, die unterhalb der Höchstdrehzahl der Drehantriebseinrichtung (10) liegt,

spanendes Bearbeiten eines Werkstücks (2) mittels des Bearbeitungswerkzeugs (4).


 
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass mittels des Prozessors (26) unter Berücksichtigung der Betriebsparameter eine Minimaldrehzahl ermittelt wird, bei welcher eine vorbestimmte minimale Schnittqualität erreicht wird.
 
11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Solldrehzahl mindestens 10 %, bevorzugt mindestens 20 % oberhalb der Minimaldrehzahl und/oder mindestens 10 %, bevorzugt mindestens 20 % unterhalb der Maximaldrehzahl liegt.
 
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass als Grundlage für die Bestimmung der Minimaldrehzahl vorab mehrere Werkstücke mit unterschiedlichen Parameterkombinationen bearbeitet werden, um den Zusammenhang zumindest einiger Parameter empirisch zu bestimmen.
 
13. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass der empirisch ermittelte Zusammenhang zumindest einiger Parameter im Datenspeicher (24) gespeichert wird, insbesondere in Form einer Gleichung.
 
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Solldrehzahl während des Betriebes der Drehantriebseinrichtung (10) verändert wird, bevorzugt auch während eines Bearbeitungsbetriebes des Bearbeitungswerkzeugs (2).
 




Zeichnung







Recherchenbericht









Recherchenbericht




Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde ausschließlich zur Information des Lesers aufgenommen und ist nicht Bestandteil des europäischen Patentdokumentes. Sie wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt; das EPA übernimmt jedoch keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.

In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente