(19)
(11)EP 3 705 443 A1

(12)EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43)Veröffentlichungstag:
09.09.2020  Patentblatt  2020/37

(21)Anmeldenummer: 19160848.8

(22)Anmeldetag:  05.03.2019
(51)Internationale Patentklassifikation (IPC): 
B66B 11/00(2006.01)
B66B 7/10(2006.01)
B66B 9/00(2006.01)
(84)Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME
Benannte Validierungsstaaten:
KH MA MD TN

(71)Anmelder: Inventio AG
6052 Hergiswil (CH)

(72)Erfinder:
  • BÜTLER, Erich
    6030 Ebikon (CH)
  • LO JACONO, Romeo
    6929 Gravesano (CH)

  


(54)AUFZUGANLAGE MIT AUSBALANCIERTEN TRAKTIONSMITTELN


(57) Es wird eine Aufzuganlage (1) beschrieben, welche eine Aufzugkabine (5), zwei Gegengewichte (3), eine Antriebseinrichtung (23) und wenigstens zwei seilartige Traktionsmittel (27) aufweist. Jedes der Traktionsmittel (27) ist dabei von der Antriebseinrichtung (23) verlagerbar. Die Aufzugkabine (5) und die Gegengewichte (3) sind innerhalb eines Aufzugschachts (11) durch Verlagern der Traktionsmittel (27) verlagerbar. Jeweils ein erstes Ende (45) jedes der Traktionsmittel (27) wirkt mit je einem der Gegengewichte (3) auf Zug belastbar zusammen und jeweils ein entgegengesetztes zweites Ende (47) jedes der Traktionsmittel (27) wirkt mit der Aufzugkabine (5) auf Zug belastbar zusammen. Die zweiten Enden (47) beider Traktionsmittel (27) sind hierbei relativ zueinander verlagerbar und über ein elastisches Element (37) miteinander verbunden.
Das mit beiden Traktionsmitteln (27) zusammenwirkende elastische Element (37) kann somit auf die beiden Traktionsmittel (27) eine angeglichene mechanische Vorspannung bewirken. Auf die Aufzugkabine (5) aufgrund unterschiedlich stark ziehender Traktionsmittel (27) bewirkte zusätzliche Drehmomente können auf diese Weise vermieden werden.




Beschreibung


[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Aufzuganlage.

[0002] Aufzuganlagen werden als Transportanlagen dazu eingesetzt, Personen und/oder Waren innerhalb eines Gebäudes zwischen verschiedenen Höhenniveaus zu transportieren. Hierzu verfügt eine Aufzuganlage über wenigstens eine Aufzugkabine, welche meist vertikal innerhalb eines Aufzugschachts in dem Gebäude verlagert werden kann. Insbesondere bei hohen Aufzugschächten wird dabei eine Aufzugtechnologie eingesetzt, bei der das Gewicht der Aufzugkabine mithilfe von seilartigen Haltemitteln getragen wird. Um das Gewicht der Aufzugkabine zumindest teilweise zu kompensieren und somit die Aufzugkabine mit geringerem Kraftaufwand bewegen zu können, sind in dem Aufzugschacht meist ein oder mehrere Gegengewichte vorgesehen, welche mit der Aufzugkabine über die z.B. über Umlenkrollen umgelenkten Haltemittel verbunden sind. Die Aufzugkabine und das Gegengewicht bzw. die Gegengewichte bewegen sich somit stets in entgegengesetzte Richtungen. Um die Aufzugkabine verlagern zu können, ist ferner in der Aufzuganlage eine Antriebseinrichtung vorgesehen, welche seilartige Traktionsmittel, die an ihren entgegengesetzten Enden mit der Aufzugkabine einerseits und mit einem der Gegengewichte andererseits verbunden sind, antreiben kann. Bei den seilartigen Traktionsmitteln kann es sich um die seilartigen Haltemittel handeln, sodass diesen eine Doppelfunktion zukommt. Alternativ können die seilartigen Traktionsmittel aber auch als separate Komponenten vorgesehen sein. Die Traktionsmittel können beispielsweise mithilfe einer von einem Motor drehbaren Traktionsscheibe, um deren Außenumfang die Traktionsmittel verlaufen, verlagert werden.

[0003] Bei einer Konzeption einer neuen Aufzuganlage werden meist mehrere Ziele verfolgt. Einerseits soll die Aufzuganlage z.B. mit möglichst geringen Kosten hergestellt, installiert und/oder betrieben werden können. Andererseits soll ein für die Aufzuganlage benötigter Bauraum innerhalb eines Gebäudes möglichst gering sein.

[0004] Von der Anmelderin der vorliegenden Patentanmeldung werden Aufzuganlagen entwickelt, die besonders kostengünstig und platzsparend eingesetzt werden können. Die Aufzuganlagen sind dabei als sogenannte Front-Sack-Systeme konzipiert. Eine Aufzuganlage verfügt hierbei über eine Aufzugkabine und meist zwei gegenläufig zu der Aufzugkabine zu bewegende Gegengewichte. Um Bauraum einsparen zu können und/oder um während eines Betriebs der Aufzuganlage deren Komponenten einfacher warten zu können, kann dabei vorgesehen sein, die Antriebseinrichtung der Aufzuganlage in einem unteren Bereich des Aufzugschachts, insbesondere in einer Aufzugschachtgrube, anzuordnen.

[0005] In der WO 2012/156583 A1 wird eine ähnliche Aufzuganordnung beschrieben.

[0006] Bei einer solchen Ausgestaltung werden die Aufzugkabine und die beiden Gegengewichte im Regelfall von oben her mithilfe von seilartigen Haltemitteln gehalten. Um die Aufzugkabine und die Gegengewichte relativ zueinander verlagern zu können, sind ferner unterhalb der Aufzugkabine zwei entsprechende seilartige Traktionsmittel vorgesehen, die zwischen der Aufzugkabine und jeweils einem der Gegengewichte verlaufen und von der Antriebseinrichtung verlagert werden können. Damit die Antriebseinrichtung geeignet Kräfte auf die Traktionsmittel ausüben kann, sollten diese im Regelfall unter einer geeigneten mechanischen Vorspannung gehalten werden. Die Traktionsmittel können ergänzend auch eine Funktion als Kompensationsgewichte bieten.

[0007] Ein solches Aufzuganlagenkonzept kann sehr schlank und einfach gehalten sein und somit geringe Kosten bei geringem Bauraum ermöglichen. Allerdings kann ein Risiko bestehen, dass von den zwei an der Aufzugkabine angebrachten Traktionsmitteln ungleichmäßig starke Kräfte auf die Aufzugkabine ausgeübt werden. Derart ungleichmäßig stark wirkende Kräfte können beispielsweise auftreten, wenn die beiden Traktionsmittel nicht gleich stark mechanisch vorgespannt sind. Ferner können auch ungleichmäßig stark wirkende Kräfte auf die Aufzugkabine wirken, wenn die beiden Traktionsmittel nicht gleichmäßig und synchronisiert miteinander von der Antriebseinrichtung angetrieben werden. Außerdem können Herstellungstoleranzen bei den Traktionsmitteln, bei Umlenkrollen oder ähnlichem auch zu ungleichmäßig stark wirkenden Kräften auf die Aufzugkabine führen. Aufgrund der ungleichmäßig stark wirkenden Kräfte kann die Aufzugkabine einem zusätzlichen Drehmoment ausgesetzt sein. Dies kann beispielsweise dazu führen, dass auf Führungselemente, die die Aufzugkabine während ihrer vertikalen Bewegung beispielsweise entlang von Führungsschienen führen sollen, zusätzliche Kräfte ausgeübt werden. Diese zusätzlichen Kräfte können die Fahrqualität der Aufzugkabine verschlechtern, beispielsweise indem Geräusche oder Vibrationen provoziert werden. Außerdem müssen solche zusätzlichen Kräfte in den Führungselementen und/oder den Führungsschienen absorbiert werden, sodass diese entsprechend verstärkt ausgestaltet werden müssen.

[0008] Es kann unter anderem ein Bedarf an einer Aufzuganlage bestehen, welche einerseits kostengünstig und/oder platzsparend einsetzbar ist und bei welcher andererseits zumindest einige der oben genannten Probleme überwunden sind. Insbesondere kann ein Bedarf an einer Aufzuganlage bestehen, bei der keine zusätzlichen Drehmomente auf eine Aufzugkabine bewirkt werden.

[0009] Einem solchen Bedarf kann durch die Aufzuganlage gemäß dem unabhängigen Anspruch entsprochen werden. Vorteilhafte Ausführungsformen sind in den abhängigen Ansprüchen sowie der nachfolgenden Beschreibung definiert.

[0010] Gemäß einem Aspekt der Erfindung wird eine Aufzuganlage vorgeschlagen, welche eine Aufzugkabine, zwei Gegengewichte, eine Antriebseinrichtung und wenigstens zwei seilartige Traktionsmittel aufweist. Jedes der Traktionsmittel ist dabei von der Antriebseinrichtung verlagerbar. Die Aufzugkabine und die Gegengewichte sind innerhalb eines Aufzugschachts durch Verlagern der Traktionsmittel verlagerbar. Jeweils ein erstes Ende jedes der Traktionsmittel wirkt mit je einem der Gegengewichte auf Zug belastbar zusammen und jeweils ein entgegengesetztes zweites Ende jedes der Traktionsmittel wirkt mit der Aufzugkabine auf Zug belastbar zusammen. Die zweiten Enden beider Traktionsmittel sind relativ zueinander verlagerbar und über ein elastisches Element miteinander verbunden.

[0011] Mögliche Merkmale und Vorteile von Ausführungsformen der Erfindung können unter anderem und ohne die Erfindung einzuschränken als auf nachfolgend beschriebenen Ideen und Erkenntnissen beruhend angesehen werden.

[0012] Ausführungsformen der hierin vorgeschlagenen Aufzuganlage können einerseits einfach aufgebaut und somit kostengünstig hergestellt, montiert und gewartet werden. Andererseits benötigt die Aufzuganlage nur wenig Bauraum, sodass Sie platzsparend in einem Gebäude untergebracht werden kann. Insbesondere können die Aufzugkabine, die Gegengewichte sowie andere Komponenten der Aufzuganlage wie die Antriebseinrichtung, die Traktionsmittel, Haltemittel, Führungsschienen und ähnliches derart konzipiert sein, dass eine Grundfläche des Aufzugschachts im Wesentlichen, d.h. vorzugweise zu mehr als 90 % oder sogar zu mehr als 95 %, einer summierten Grundfläche der Aufzugkabine und der beiden Gegengewichte entspricht und eine Höhe des Aufzugschachts im Wesentlichen, d.h. vorzugsweise zu mehr als 90 % oder sogar zu mehr als 95 %, einem Verfahrweg der Aufzugkabine plus der Höhe der Aufzugkabine entspricht. Die genannten anderen Komponenten der Aufzuganlage können dabei platzsparend zwischen der Aufzugkabine und den Gegengewichten bzw. knapp oberhalb oder knapp unterhalb von deren Verfahrwegen in dem Aufzugschacht aufgenommen sein.

[0013] Typischerweise sollen in einer Aufzuganlage ein bzw. mehrere Gegengewichte vorgesehen werden, deren Gesamtgewicht in etwa dem Eigengewicht der Aufzugkabine plus etwa der Hälfte der geplanten Nutzlast entspricht. Herkömmlich ist hierfür ein Gegengewicht notwendig, dass eine verhältnismäßig große Grundfläche und/oder eine große Höhe, die meist höher ist als die Höhe der Aufzugkabine, aufweist. Hierdurch vergrößert sich jedoch der Bauraum der Aufzuganlage.

[0014] Um den Bauraum zu minimieren, wird vorgeschlagen statt eines einzelnen großen Gegengewichts zwei kleinere Gegengewichte vorzusehen. Jedes der Gegengewichte sollte vorzugsweise eine Höhe aufweisen, die in etwa der Höhe der Aufzugkabine entspricht oder kleiner als diese ist. Die beiden Gegengewichte können gleiche Massen bzw. gleiche Gewichte aufweisen. Insbesondere kann ein Gegengewicht in etwa so schwer sein wie die Hälfte des Gewichts der Aufzugkabine plus die Hälfte der geplanten Nutzlast. Auf diese Weise kann ein für die Gegengewichte vorzuhaltender Bauraum gering gehalten werden.

[0015] Verfahrwege der beiden Gegengewichte können an gegenüberliegenden Seiten der Aufzugkabine verlaufen. Anders ausgedrückt können die beiden Gegengewichte eng benachbart links und rechts der Aufzugkabine hoch und runter verfahren werden. Hierdurch lässt sich eine günstige Gewichtsverteilung und somit eine vorteilhafte Kräfteverteilung innerhalb der Aufzuganlage erreichen.

[0016] Bei herkömmlichen Aufzuganlagen werden die Aufzugkabine und das Gegengewicht bzw. die Gegengewichte meist von den gleichen seilartigen Mitteln gehalten und vertikal verlagert. Solche seilartige Halte-Traktion-Mittel (STM - suspension traction means) sind meist über einen Außenumfang einer Traktionsscheibe einer oben im Aufzugschacht angebrachten Antriebseinrichtung geführt. Die an den gegenüberliegenden Enden der STM angebrachte Aufzugkabine bzw. Gegengewicht sind somit durch die STM sowohl gehalten als auch durch Drehen der Traktionsscheibe verlagerbar. Allerdings muss bei einem solchen Aufzuganlagen-Konzept die Antriebseinrichtung aufwendig im oberen Bereich des Aufzugschachts installiert werden und ist auch bei späteren Wartungsarbeiten dort nur schwierig erreichbar. Außerdem ist für die typischerweise recht große Antriebseinrichtung erheblicher Bauraum oberhalb des Verfahrwegs der Aufzugkabine vonnöten, was eine Gesamthöhe des benötigten Aufzugschachts vergrößert. Ferner benötigen die STM eine hohe Traglastfähigkeit, da sie nicht nur das Gewicht der Aufzugkabine und des Gegengewichts halten müssen, sondern auch die durch die Antriebseinrichtung bewirkten Beschleunigungskräfte übertragen müssen.

[0017] Bei dem hierin vorgeschlagenen Aufzuganlagen-Konzept können die Funktionen des Haltens der Aufzugkabine und des Gegengewichts einerseits und des Verlagerns dieser Komponenten andererseits mithilfe separater seilartiger Mittel implementiert werden. Insbesondere können die Aufzugkabine und die Gegengewichte von oben her mithilfe von seilartigen Haltemitteln gehalten sein und von unten her mithilfe seilartiger Traktionsmittel verlagert werden. Die seilartigen Haltemittel und die seilartigen Traktionsmittel können hierbei gleich oder ähnlich aufgebaut sein. Insbesondere können die Haltemittel und die Traktionsmittel eine gleiche Lasttragfähigkeit aufweisen. Alternativ können die Traktionsmittel eine geringere Lasttragfähigkeit als die Haltemittel aufweisen und/oder in anderer Weise bzw. mit anderen Materialien aufgebaut sein.

[0018] Der Begriff "seilartig" kann in diesem Zusammenhang dahingehend interpretiert werden, dass die länglichen Traktionsmittel in ihrer Längsrichtung auf Zug hoch belastet werden können und sich dabei allenfalls vernachlässigbar dehnen, quer zu ihrer Längserstreckungsrichtung jedoch problemlos und mit geringen Kräften gebogen werden können. Die seilartigen Traktionsmittel können als Seile, Riemen, Gurte oder Ähnliches ausgebildet sein. Dabei können die seilartigen Traktionsmittel mit hochbelastbaren Materialien bzw. Strukturen ausgebildet sein, beispielsweise als Stahlseile oder als Riemen, bei denen hochbelastbare Litzen beispielsweise in einer Kunststoffmatrix aufgenommen sind.

[0019] Es wird daraufhingewiesen, dass im Rahmen dieser Beschreibung meist von einem ersten und einem zweiten Traktionsmittel die Rede ist, dass jedoch jedes der Traktionsmittel aus mehreren Seilen, Riemen, Gurten oder Ähnlichem zusammengesetzt sein kann, die gemeinsam die zum Verlagern der Aufzugkabine und der Gegengewichte notwendigen Kräfte übertragen können.

[0020] Ein erstes Ende eines der Traktionsmittel ist dabei an einem der beiden Gegengewichte derart angebracht, dass es mit diesem auf Zug belastbar zusammenwirken kann. Beispielsweise kann dieses erste Ende direkt an dem jeweiligen Gegengewicht fixiert sein. Alternativ kann das Traktionsmittel im Bereich an oder in der Nähe seines ersten Endes beispielsweise mit einer Umlenkrolle oder einer Feder, die an dem Gegengewicht befestigt ist, zusammenwirken und über diese eine Zuglast auf das Gegengewicht übertragen können.

[0021] Der Bereich an oder in der Nähe des ersten Endes des Traktionsmittels ist breit auszulegen. Der Bereich an oder in der Nähe des ersten Endes umfasst im Wesentlichen denjenigen Teil des Traktionsmittels, der sich gegengewichtsseitig des Antriebes befindet. Insbesondere umfasst der Bereich an oder in der Nähe des ersten Endes die letzten 2 m des Traktionsmittels, welche benötigt werden, um, falls notwendig, das Traktionsmittel an einer Umlenkrolle oder einem ähnlichen Hilfsmittel umzulenken und sicher an einer Verankerungsvorrichtung zu verankern. Insbesondere umfasst der Bereich an oder in der Nähe des ersten Endes den Bereich, der benötigt wird, um das Traktionsmittel sicher an einer Verankerungsvorrichtung zu verankern.

[0022] Ein dem ersten Ende entgegengesetztes zweites Ende des jeweiligen Traktionsmittels ist dann derart an der Aufzugkabine angebracht, dass es mit dieser auf Zug belastbar zusammenwirken kann. Dabei ist das zweite Ende des Traktionsmittels vorzugsweise nicht direkt mit der Aufzugkabine verbunden, sondern wirkt mit dieser über an der Aufzugkabine angebundene Hilfsmittel wie Umlenkrollen oder Umlenkhebel zusammen. Die Hilfsmittel dienen dabei dazu, die im Wesentlichen vertikale Zuglast von dem Traktionsmittel auf die Aufzugkabine zu übertragen, können sich jedoch relativ zu der Aufzugkabine beispielsweise rotierend oder schwenkend bewegen, sodass das mit dem jeweiligen Hilfsmittel zusammenwirkende Traktionsmittel sich zumindest geringfügig relativ zu der Aufzugkabine verlagern lässt. Anders ausgedrückt soll das zweite Ende jedes der Tragmittel relativ zu der Aufzugkabine verlagerbar sein und dabei dennoch eine Zuglast vorzugsweise in vertikaler Richtung auf die Aufzugkabine ausüben können.

[0023] Insbesondere umfasst das zweite Ende nicht nur den Endpunkt des Traktionsmittels, sondern einen Endbereich des Traktionsmittels. Insbesondere umfasst dieser Endbereich den Bereich des Traktionsmittels, der benötigt wird um das Traktionsmittel sicher an einer Verankerungsvorrichtung zu verankern und zusätzlich, falls notwendig, einen Bereich des Seiles der über ein oder mehrere Hilfsmittel verläuft.

[0024] Als besonderes Merkmal von Ausführungsformen der hierin vorgestellten Aufzuganlage sollen die beiden zweiten Enden der zwei Traktionsmittel daher relativ zueinander verlagerbar sein. Außerdem sollen die beiden zweiten Enden der Traktionsmittel über ein elastisches Element miteinander verbunden sein. Dieses elastische Element soll sich einerseits elastisch deformieren lassen. Andererseits soll das elastische Element erhebliche Zugkräfte von einem der Traktionsmittel auf das andere der Traktionsmittel übertragen können. Anders ausgedrückt soll das elastische Element die beiden Enden der zwei Traktionsmittel derart mechanisch miteinander verbinden, dass die Kräfte, insbesondere die Zuglast, in den beiden Traktionsmitteln angeglichen werden. Zudem wird der Betrag dieser Zuglast durch den Grad der Deformation des elastischen Elementes definiert, wodurch die Zuglast auf beiden Traktionsmitteln im Wesentlichen gleich gross ist.

[0025] D.h., wenn beispielsweise eines der beiden Traktionsmittel aufgrund von unterschiedlichen mechanischen Vorspannungen, nicht synchronisierten Antriebswirkungen, Herstellungstoleranzen oder ähnlichen Gründen eine andere Verlagerung aufweist, als das andere Traktionsmittel, können diese unterschiedlichen Verlagerungen zumindest in gewissem Maße mithilfe einer Verlagerung des elastischen Elementes ausgeglichen werden. Aufgrund einer solchen Verlagerung des elastischen Elementes kann somit erreicht werden, dass die beiden Traktionsmittel im Wesentlichen gleiche Zuglasten aufweisen und daher gleiche Zugkräfte auf die Aufzugkabine ausüben. Mit anderen Worten können die von den beiden Traktionsmitteln erzeugten Zugkräfte mithilfe des dazwischen verlaufenden elastischen Elements angeglichen werden. Dementsprechend kann vermieden werden, dass durch unterschiedlich stark bewirkte Zugkräfte ein zusätzliches Drehmoment auf die Aufzugkabine ausgeübt würde und dies zu zusätzlichen mechanischen Belastungen anderer Komponenten wie beispielsweise Führungsschienen, Führungsschuhen oder ähnlichem führen würde.

[0026] Gemäß einer Ausführungsform kann die Antriebseinrichtung an einem unteren Ende des Aufzugschachts angeordnet sein.

[0027] Anders ausgedrückt kann die Antriebseinrichtung, mithilfe derer die zwei seilartigen Traktionsmittel angetrieben und verlagert werden sollen, unterhalb eines Verfahrwegs der Aufzugkabine und/oder der Gegengewichte bzw. am unteren Ende solcher Verfahrwege angeordnet sein. Insbesondere kann die Antriebseinrichtung in einer Aufzugschachtgrube angeordnet sein. Da die Antriebseinrichtung eine geringe Höhe aufweisen kann, braucht die Aufzugschachtgrube hierbei keine große Höhe haben, sondern kann beispielsweise weniger als 30 cm, vorzugsweise sogar weniger als 15 cm hoch sein. Durch ein Anordnen der Antriebseinrichtung an dem unteren Ende des Aufzugschachts kann diese beispielsweise für Wartungszwecke einfach zugänglich sein. Außerdem braucht die meist verhältnismäßig schwere Antriebseinrichtung bei der Installation der Aufzuganlage nicht auf große Höhen beispielsweise im Bereich einer Aufzugschachtdecke gehoben werden.

[0028] Gemäß einer Ausführungsform können die Traktionsmittel jeweils mit ihrem ersten Ende an einem unteren Ende des jeweiligen Gegengewichts auf Zug belastbar angebracht sein und jeweils mit ihrem zweiten Ende an der Aufzugkabine mit einem unteren Bereich der Aufzugkabine auf Zug belastbar zusammenwirkend angebracht sein.

[0029] Mit anderen Worten kann jedes der Traktionsmittel an oder im Bereich seines ersten Endes unten an dem von ihm zu verlagernden Gegengewicht angebracht sein. Beispielsweise kann das erste Ende direkt an einer nach unten gerichteten Oberfläche des Gegengewichts befestigt sein oder mit dem Gegengewicht über Hilfsmittel wie Umlenkrollen, Federn oder Ähnliches zusammenwirken, um auf das Gegengewicht nach unten gerichtete Zugkräfte übertragen zu können. Das Traktionsmittel kann ferner an oder im Bereich seines zweiten Endes an einem unteren Ende der Aufzugkabine derart angebracht sein, dass es nach unten gerichtete Zugkräfte auf die Aufzugkabine übertragen kann. Das Traktionsmittel kann dabei von seinen beiden Enden aus jeweils nach unten beispielsweise hin zu einer in der Aufzugschachtgrube befindlichen Antriebseinrichtung verlaufen. Hierdurch kann sich eine besonders effiziente bzw. platzsparende Anordnung des Traktionsmittels ergeben.

[0030] Gemäß einer Ausführungsform können die zwei Traktionsmittel an zueinander lateral beabstandeten Positionen auf Zug belastbar an der Aufzugkabine angebracht sein.

[0031] Anders ausgedrückt können die beiden Traktionsmittel mit der Aufzugkabine nicht an einer gemeinsamen Position zusammenwirken, sondern die von Ihnen bewirkten Zugkräfte werden an voneinander horizontal beabstandeten Positionen auf die Aufzugkabine übertragen. Die beiden Traktionsmittel können beispielsweise an Positionen an die Aufzugkabine angebunden sein, die wenigstens 0,5 m, vorzugsweise wenigstens 1 m, lateral voneinander beabstandet sind. Damit in einer solchen Konfiguration keine zusätzlichen Drehmomente auf die Aufzugkabine bewirkt werden, sollten die Traktionsmittel im Wesentlichen gleich starke Zugkräfte auf die Aufzugkabine ausüben. Dies ist bei der hier vorgeschlagenen Aufzuganlage dadurch gewährleistet, dass die beiden Traktionsmittel sich relativ zueinander so verlagern können, dass die Zuglasten beider Traktionsmittel der durch das verbindende elastische Element definierten Kraft gleich sind und die übertragenen Kräfte somit angeglichen sind.

[0032] Gemäß einer weiter konkretisierten Ausführungsform können die zwei Traktionsmittel an einander gegenüberliegenden Rändern der Aufzugkabine auf Zug belastbar angebracht sein.

[0033] Mit anderen Worten können die beiden Traktionsmittel beispielsweise derart angeordnet sein und an die Aufzugkabine angekoppelt sein, dass sie in etwa mit Seitenwänden der Aufzugkabine fluchtend verlaufen und die von ihnen übertragenen Zugkräfte jeweils auf einen der Ränder der Aufzugkabine beispielsweise an eine unten an der Kabine angebrachte Tragekonstruktionder Aufzugkabine übertragen. In einer solchen Anordnung können die Traktionsmittel besonders platzsparend in der Aufzuganlage aufgenommen werden. Außerdem können die Zugkräfte besonders effizient auf die Aufzugkabine übertragen werden.

[0034] Gemäß einer Ausführungsform können an der Aufzugkabine zwei um jeweils eine Drehachse drehbare Umlenkelemente angebracht sein und die Umlenkelemente derart konfiguriert sein und mit den Traktionsmitteln zusammenwirken, dass eine von einem der Traktionsmittel bewirkte, in nicht-horizontaler Richtung wirkende Kraft umgelenkt wird und dann auf das elastische Element wirkt.

[0035] Anders ausgedrückt kann an der Aufzugkabine für jedes der Traktionsmittel jeweils ein Umlenkelement vorgesehen sein, an dem das jeweilige Traktionsmittel angreifen bzw. mit dem das Traktionsmittel zusammenwirken kann. Das Umlenkelement soll hierbei um eine Drehachse drehbar sein. Die Drehachse soll dabei radial beabstandet zu der Position sein, an der das Traktionsmittel an dem Umlenkelement angreift.

[0036] Mithilfe des Umlenkelements kann somit eine von dem Traktionsmittel in einer ersten Richtung ausgeübte Zugkraft derart umgelenkt werden, dass sie in eine zweite Richtung wirkt. Dementsprechend kann beispielsweise die Zugkraft, die von einem nichthorizontal, vorzugsweise vertikal verlaufenden Traktionsmittel ausgeübt wird, über das zugehörige Umlenkelement umgelenkt werden, sodass sie anschließend in eine andere Richtung, insbesondere eine horizontale Richtung, wirkt. Das Umlenkelement kann eine Umlenkung, d.h. einen Winkel zwischen der ersten und der zweiten Richtung, von vorzugsweise 90° ± 5° bewirken, es kann jedoch auch für kleinere oder größere Umlenkungen, beispielsweise in einem Bereich von 10° bis 170°, ausgelegt sein. Mithilfe solcher Umlenkelemente können somit die von den Traktionsmitteln bewirkten Kräfte in solcher Weise umgelenkt werden, dass sie auf ein zwischen den Traktionsmitteln verlaufendes elastisches Element vorteilhaft wirken können.

[0037] Insbesondere können gemäß einer Ausführungsform an der Aufzugkabine zwei um jeweils eine Drehachse drehbare Umlenkelemente angebracht sein und die Umlenkelemente derart konfiguriert sein und mit den Traktionsmitteln zusammenwirken, dass eine von einem der Traktionsmittel bewirkte, in nicht-horizontaler Richtung wirkende Kraft in eine in horizontaler Richtung wirkende Kraft umgelenkt wird. In diesem Fall kann das elastische Element in horizontaler Richtung ausgerichtet sein und jeweils eine der umgelenkten Kräfte in horizontaler Richtung an einem von entgegengesetzten Enden des elastischen Elements angreifen.

[0038] Mit anderen Worten können die Traktionsmittel vorteilhafterweise in einer nichthorizontalen Richtung, insbesondere vertikal, verlaufen und somit auch die von Ihnen bewirkten Zugkräfte in dieser Erstreckungsrichtung auf das jeweils zugehörige Umlenkelement einleiten. Mithilfe der Umlenkelemente können die von den beiden Traktionsmitteln bewirkten Zugkräfte dann derart umgelenkt werden, dass sie in horizontaler Richtung auf ein zwischen den Umlenkelementen verlaufendes elastisches Element wirken können. Das elastische Element kann sich hierbei in horizontaler Richtung erstrecken. Beispielsweise kann sich das elastische Element parallel zu dem Boden der Aufzugkabine erstrecken. In einer solchen Ausgestaltung können die Traktionsmittel über die Umlenkelemente die zwischen den beiden Traktionsmitteln auszubalancierenden Kräfte in effizienter Weise und/oder sehr platzsparend übertragen.

[0039] Bei den zuvor beschriebenen Ausführungsformen können die Umlenkelemente auf verschiedene Weise ausgestaltet sein.

[0040] Beispielsweise kann ein Umlenkelement als um eine Drehachse drehbare Rolle oder Scheibe ausgebildet sein. Die Rolle bzw. Scheibe kann einen kreisförmigen Querschnitt aufweisen. Die Drehachse kann dabei zentral in der Rolle bzw. Scheibe angeordnet sein. Das zugehörige Traktionsmittel kann über einen Außenumfang bzw. Teile eines solchen Außenumfangs einer solchen Rolle bzw. Scheibe verlaufen. Hierdurch kann das Traktionsmittel aus einer ersten Richtung kommend in eine zweite Richtung umgelenkt werden und dabei zumindest einen Teil seiner Zugkräfte in die zweite Richtung umlenken. Gegebenenfalls kann es genügen, dass Umlenkelement mit einem teilkreisförmigen Querschnitt auszubilden und das Traktionsmittel lediglich über den dadurch gebildeten Teil-Außenumfang verlaufen zu lassen, um seine Erstreckungsrichtung umzulenken. In diesem Fall kann das elastische Element mit den jeweils zweiten Enden der beiden von den Umlenkelementen umgelenkten Traktionsmittel zusammenwirken bzw. zwischen diesen fixiert sein.

[0041] Alternativ können die Umlenkelemente auch als Hebel ausgebildet sein. Ein solcher Hebel kann einen ersten, sich in einer ersten Richtung erstreckenden Hebelarm und einen zweiten, sich in einer anderen zweiten Richtung erstreckenden Hebelarm aufweisen. Die beiden Hebelarme können vorzugsweise rechtwinklig zueinander angeordnet sein. Zwischen den beiden Hebelarmen kann sich die Drehachse des Hebels befinden. Das zugehörige Traktionsmittel kann dann beispielsweise an dem ersten Hebelarm angreifen. Die von dem Traktionsmittel übertragenen Zugkräfte können auf den zweiten Hebelarm weitergegeben werden und aufgrund von dessen anderer Ausrichtung in eine zweite Richtung umgelenkt werden. An dem zweiten Hebelarm kann dann beispielsweise das elastische Element angreifen bzw. mit diesem zusammenwirken.

[0042] Gemäß einer Ausführungsform kann das elastische Element eine Feder, insbesondere eine Spiralfeder, sein.

[0043] Anders ausgedrückt kann das elastische Element als eine mechanisch auslenkbare Feder ausgebildet sein. Eine solche Feder kann in ihrer Erstreckungsrichtung durch Anlegen von Zugkräften ihre Länge ändern. Vorzugsweise ist hierbei eine Längenänderung proportional zu den angelegten Zugkräften. Eine Federkonstante der Feder kann derart gewählt sein, dass die zwischen den beiden Traktionsmitteln auszubalancierenden Zugkräfte effizient über die Feder übertragen bzw. durch eine Längenänderung der Feder ausgeglichen werden können. Die Federkonstante der Feder sollte ausreichend groß sein, sodass die zu übertragenden Zugkräfte nicht zu einer übermäßigen Längenveränderung der Feder und somit nicht zu einer plastischen Verformung der Feder führen.

[0044] Insbesondere kann als elastisches Element eine Spiralfeder eingesetzt werden. Eine solche Spiralfeder erlangt ihre Federeigenschaft hauptsächlich aufgrund ihrer Geometrie. Somit können für eine solche Spiralfeder auch Materialien wie beispielsweise Metalle, insbesondere Stahl, eingesetzt werden, die selbst nur relativ geringfügig elastisch zu verformen sind. Mithilfe solcher Spiralfedern können die hohen Kräfte, die innerhalb einer Aufzuganlage zwischen den beiden Traktionsmitteln auszubalancieren sind, effizient und zuverlässig übertragen werden. Außerdem sind Federn, insbesondere Spiralfedern, relativ kostengünstig bereitzustellen und/oder platzsparend in der Aufzuganlage vorzusehen.

[0045] Gemäß einer Ausführungsform können jeweils eines der Gegengewichte und eine Seite der Aufzugkabine an einer gemeinsamen Führungsschiene geführt sein.

[0046] Mit anderen Worten kann beispielsweise an entgegengesetzten Seiten der Aufzugkabine jeweils eine Führungsschiene vorgesehen sein. An den beiden Führungsschienen kann sich die Aufzugkabine beispielsweise mit Führungselementen wie Führungsschuhen während ihrer vertikalen Bewegung entlang des Aufzugschachts abstützen. Die Aufzugkabine ist hierbei an zwei entgegengesetzten Seiten geführt und kann somit effizient davon abgehalten werden, beispielsweise in lateraler Richtung zu schwingen. Um sowohl Bauraum und Aufzugkomponenten als auch Aufwand bei der Installation einsparen zu können, können an den gleichen Führungsschienen auch die Gegengewichte geführt werden. Die Führungsschienen sowie die an der Aufzugkabine und den Gegengewichten vorzusehenden Führungselemente können dabei derart ausgestaltet sein, dass sie miteinander zusammenwirken und dabei an der einen Seite die Aufzugkabine an der Führungsschiene führen und an der anderen Seite das der Aufzugkabine gegenüberliegende Gegengewicht an der Führungsschiene führen. Hierdurch kann mit wenigen Baukomponenten und somit mit besonders einfachem Aufbau eine besonders raumsparende Aufzuganlage geschaffen werden.

[0047] Gemäß einer Ausführungsform kann die Antriebseinrichtung zwei Antriebsmotoren aufweisen, wobei jeder der Antriebsmotoren dazu konfiguriert sein kann, jeweils eines der Traktionsmittel zu verlagern.

[0048] Anders ausgedrückt kann die Antriebseinrichtung nicht nur über lediglich einen Antriebsmotor, sondern vorzugsweise über zwei separate Antriebsmotoren verfügen. Die Antriebsmotoren können separat voneinander gesteuert bzw. mit Leistung versorgt werden. Dabei kann jeder der Antriebsmotoren jeweils eines der Traktionsmittel antreiben. Ein erster Antriebsmotor kann das zugehörige Traktionsmittel dabei in eine erste Richtung bewegen, wohingegen der zweite Antriebsmotor sein zugehöriges Traktionsmittel in eine andere, zweite Richtung bewegen kann. Die beiden Richtungen können entgegengesetzt sein. Beispielsweise können beide Antriebsmotoren jeweils eine Traktionsscheibe antreiben, über deren Umfang das jeweils zugehörige Traktionsmittel verläuft. Indem die Antriebsmotoren ihre jeweilige Traktionsscheibe in entgegengesetzte Richtungen rotierend antreiben, können die beiden Traktionsmittel in entgegengesetzte Richtungen gezogen werden. Die Antriebsmotoren können Elektromotoren sein. Ein Betrieb der Antriebsmotoren kann durch eine elektrische Steuerung gesteuert sein. Die Antriebsmotoren können synchronisiert miteinander betrieben werden. Durch das Vorsehen zweier Antriebsmotoren statt lediglich eines einzelnen Antriebsmotors kann jeder einzelne Antriebsmotor kleiner dimensioniert sein. Bei geschickter Anordnung der Antriebsmotoren innerhalb der Aufzuganlage kann somit ein Platzbedarf für die Antriebseinrichtung reduziert werden.

[0049] Beispielsweise kann gemäß einer Ausführungsform für den Fall, dass in der Aufzuganlage gemeinsame Führungsschienen für die Aufzugkabine und die Gegengewichte vorgesehen sind, unter jeder der Führungsschienen einer der Antriebsmotoren angeordnet sein. Hierdurch lässt sich eine besonders Bauraum-sparende Aufzuganlage schaffen.

[0050] Es wird darauf hingewiesen, dass einige der möglichen Merkmale und Vorteile der Erfindung hierin mit Bezug auf unterschiedliche Ausführungsformen einer Aufzuganlage beschrieben sind. Ein Fachmann erkennt, dass die Merkmale in geeigneter Weise kombiniert, angepasst oder ausgetauscht werden können, um zu weiteren Ausführungsformen der Erfindung zu gelangen.

[0051] Nachfolgend werden Ausführungsformen der Erfindung unter Bezugnahme auf die beigefügten Zeichnungen beschrieben, wobei weder die Zeichnungen noch die Beschreibung als die Erfindung einschränkend auszulegen sind.

Fig. 1 zeigt eine perspektivische Ansicht einer erfindungsgemäßen Aufzuganlage.

Fig. 2 zeigt eine stark schematisierte Seitenansicht einer erfindungsgemäßen Aufzuganlage.

Fig. 3 zeigt eine Variante eines Umlenkelements für eine erfindungsgemäße Aufzuganlage.

Fig. 4 zeigt eine weitere Variante eines Umlenkelements für eine erfindungsgemäße Aufzuganlage.



[0052] Die Figuren sind lediglich schematisch und nicht maßstabsgetreu. Gleiche Bezugszeichen bezeichnen in den verschiedenen Figuren gleiche oder gleichwirkende Merkmale

[0053] Fig. 1 zeigt eine Aufzuganlage 1 gemäß einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung. Die Aufzuganlage 1 umfasst als wesentliche Komponenten zwei Gegengewichte 3 und eine Aufzugkabine 5 (aus Übersichtlichkeitsgründen ist lediglich der Rahmen 7 dargestellt, der die Aufzugkabine 5 in der Art eines Front-Sackes hält) sowie zwei Führungsschienen 9. Die Führungsschienen 9 erstrecken sich vertikal entlang eines Aufzugschachts 11 zwischen einer Schachtdecke 17 und einem Schachtboden 21 im Bereich einer Schachtgrube 19 und sind mit horizontal verlaufenden Streben 13 an einer Aufzugschachtwand 15 des Aufzugschachts 11 verankert. Jedes der beiden Gegengewichte 3 ist an lediglich einer der Führungsschienen 9 gehalten und wird durch diese bei einer Verlagerungsbewegung vertikal durch den Aufzugschacht 11 geführt. Eine Anzahl von Gegengewichten 3 und eine Anzahl von Führungsschienen 9 sind somit bei der vorgestellten Aufzuganlage 1 gleich. Die Aufzugkabine 5 ist in einem Bereich zwischen den beiden Führungsschienen 9 aufgenommen und wird von beiden Führungsschienen 9 gehalten und geführt. Die Aufzugkabine 5 und die Gegengewichte 3 werden von oben her mit seilartigen Haltemitteln gehalten und von unten über seilartige Traktionsmittel verlagert (aus Übersichtlichkeitsgründen in Fig. 1 nicht dargestellt). Hierzu bewegt eine in der Schachtgrube 19 angeordnete Antriebseinrichtung 23 die Traktionsmittel.

[0054] Zur einfacheren Veranschaulichung ist die Aufzuganlage 1 in Fig. 2 stark schematisiert dargestellt.

[0055] Die Aufzugkabine 5 ist zentral zwischen den beiden Gegengewichten 3 aufgenommen. An ihren entgegengesetzten Seiten wirkt die Aufzugkabine 5 über Führungsschuhe 41 jeweils mit einer der Führungsschienen 9 zusammen und ist somit bei ihrer vertikalen Bewegung durch den Aufzugschacht 11 seitlich geführt. Auch jedes der Gegengewichte 3 wirkt über Führungsschuhe 41 mit einer dieser Führungsschienen 9 zusammen, sodass auch die Gegengewichte 3 in ihrer vertikalen Bewegung geführt sind.

[0056] Das Gewicht der Aufzugkabine 5 sowie der Gegengewichte 3 wird von oben her durch seilartige Haltemittel 25 gehalten. Die Haltemittel 25 sind über Umlenkrollen 43 geführt, welche an der Schachtdecke 17 drehbar befestigt sind. Die Haltemittel 25 sind somit passiv, d.h. sie dienen nicht zum Antreiben der Aufzugkabine 5 bzw. der Gegengewichte 3.

[0057] Um die Aufzugkabine 5 und die Gegengewichte 3 vertikal verlagern zu können, ist jeweils ein seilartiges Traktionsmittel 27 mit einem ersten Ende 45 an einem der Gegengewichte 3 angebracht und wirkt mit einem zweiten Ende 47 auf Zug belastbar mit der Aufzugkabine 5 zusammen. Dabei ist jedes der zwei Traktionsmittel 27 nach unten hin zu einem Antriebsmotor 29, der Teil der Antriebseinrichtung 23 ist, geführt und verläuft um einen Außenumfang einer von dem jeweiligen Antriebsmotor 29 angetriebenen Traktionsscheibe 31. Um die Aufzugkabine 5 und die Gegengewichte 3 in dem Aufzugschacht 11 zu verlagern, können die Traktionsscheiben 31 in entgegengesetzten Drehrichtungen 59 gedreht werden. Jeder der zwei Antriebsmotoren 29 ist dabei vertikal unterhalb einer der Führungsschienen 9 angeordnet. Hierdurch kann erreicht werden, dass jedes Traktionsmittel 27 zwischen der Unterseite des Gegengewichts 3 einerseits und der Unterseite der Aufzugkabine 5 andererseits jeweils im Wesentlichen vertikal hin zu der Traktionsscheibe 31 verlaufen kann. Dies ermöglicht einen platzsparenden Aufbau und eine effiziente Kraftübertragung.

[0058] Mit der Aufzugkabine 5 wirkt jedes der Traktionsmittel 27 dabei derart zusammen, dass es im Bereich seines zweiten Endes 47 jeweils über ein Umlenkelement 35 beispielsweise in Form einer an einem unteren Bereich der Aufzugkabine 5 rotierbar angebrachten Umlenkrolle 33 umgelenkt wird. Dabei kann sich das Traktionsmittel 27 zwischen der Traktionsscheibe 31 und der Umlenkrolle 33 im Wesentlichen vertikal erstrecken und dann von der Umlenkrolle 33 um etwa 90° in eine horizontale Richtung umgelenkt werden. Die beiden Umlenkrollen 33 sind dabei an der Aufzugkabine 5 im Bereich gegenüberliegender Ränder der Aufzugkabine 5 angebracht und somit lateral, d.h. in horizontaler Richtung, voneinander beabstandet. Der laterale Abstand zwischen den Umlenkelementen 35 entspricht somit in etwa der Breite der Aufzugkabine 5.

[0059] Die zweiten Enden 47 der Traktionsmittel 27 sind dabei jedoch nicht fest mit der Aufzugkabine 5 verbunden. Stattdessen bewirken die Traktionsmittel 27 die auf die Aufzugkabine 5 zu erzielende, vertikal nach unten gerichtete Zugkraft indirekt über das Umlenkelement 35. Das Umlenkelement 35 kann sich dabei um eine Drehachse 49 drehen. Bei einer Drehbewegung eines der Umlenkelemente 35 kann sich somit das zweite Ende 47 des über dieses Umlenkelement 35 verlaufenden Traktionsmittel 27 relativ zu dem zweiten Ende 47 des anderen Traktionsmittel 27 verlagern.

[0060] Eine mechanische Vorspannung auf die beiden Traktionsmittel 27 wird hierbei über ein elastisches Element 37 bewirkt. Im dargestellten Beispiel ist das elastische Element 37 als Spiralfeder 39 ausgebildet und erstreckt sich horizontal unterhalb der Aufzugkabine 5. Die beiden zweiten Enden 47 beider Traktionsmittel 27 sind an entgegengesetzten Enden mit dem elastischen Element 37 verbunden.

[0061] Bei einer Montage der Aufzuganlage 1 wird das elastische Element 37 derart installiert, dass es die mechanische Vorspannung auf beide Traktionsmittel 27 bewirkt. Da beide Traktionsmittel 27 gemeinsam an dem elastischen Element 37 an entgegengesetzten Enden desselben angreifen, kann über das elastische Element 37 bewirkt werden, dass auf die beiden relativ zueinander bewegbaren zweiten Enden 47 der beiden Traktionsmittel 27 gleiche Kräfte wirken. Die auf die Aufzugkabine 5 und die beiden Gegengewichte 3 wirkenden Zugkräfte können somit angeglichen werden. Auf die Aufzugkabine 5 wirkende zusätzliche Drehmomente können auf diese Weise zuverlässig verhindert werden.

[0062] Anders ausgedrückt kann das mit beiden Traktionsmitteln 27 zusammenwirkende elastische Element 37 somit auf die beiden Traktionsmittel 27 eine angeglichene, also im Wesentlichen gleiche, mechanische Vorspannung bewirken. Auf die Aufzugkabine 5 aufgrund unterschiedlich stark ziehender Traktionsmittel 27 bewirkte zusätzliche Drehmomente können auf diese Weise vermieden werden. Die beiden Traktionsmittel sind also ausbalanciert.

[0063] In Fig. 3 ist eine Alternative eines Umlenkelements 33 dargestellt. Im dargestellten Beispiel ist das Umlenkelement 35 als im Querschnitt teilkreisförmige Rolle 51 ausgebildet, die sich um eine Drehachse 49 verschwenken kann und über deren teilkreisförmige Außenoberfläche das Traktionsmittel 27 verlaufen kann und dabei umgelenkt wird.

[0064] In Fig. 4 ist eine weitere Alternative eines Umlenkelements 35 dargestellt. In diesem Beispiel ist das Umlenkelement 35 als Hebel 53 mit zwei zueinander rechtwinklig angeordneten Hebelarmen 55, 57 ausgebildet. Das zweite Ende 47 des Traktionsmittels 27 greift dabei an einem horizontal angeordneten Hebelarm 55 an und überträgt über diesen die von ihm bewirkte Zugkraft auf den Hebel 53. Der Hebel 53 kann um eine Drehachse 49 drehen. Das elastische Element 37 wirkt mit dem anderen, vertikal angeordneten Hebelarm 57 zusammen. Über den Hebel 53 kann somit die von dem elastischen Element 37 bewirkte Vorspannung auf das Traktionsmittel 27 umgelenkt werden.

[0065] Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass Begriffe wie "aufweisend", "umfassend", etc. keine anderen Elemente oder Schritte ausschließen und Begriffe wie "eine" oder "ein" keine Vielzahl ausschließen. Ferner sei daraufhingewiesen, dass Merkmale oder Schritte, die mit Verweis auf eines der obigen Ausführungsbeispiele beschrieben worden sind, auch in Kombination mit anderen Merkmalen oder Schritten anderer oben beschriebener Ausführungsbeispiele verwendet werden können. Bezugszeichen in den Ansprüchen sind nicht als Einschränkung anzusehen.


Ansprüche

1. Aufzuganlage (1), aufweisend:

eine Aufzugkabine (5),

zwei Gegengewichte (3),

eine Antriebseinrichtung (23),

wenigstens zwei seilartige Traktionsmittel (27),

wobei jedes der Traktionsmittel (27) von der Antriebseinrichtung (23) verlagerbar ist und wobei die Aufzugkabine (5) und die Gegengewichte (3) innerhalb eines Aufzugschachts (11) durch Verlagern der Traktionsmittel (27) verlagerbar sind,

wobei jeweils ein erstes Ende (45) jedes der Traktionsmittel (27) mit je einem der Gegengewichte (3) auf Zug belastbar zusammenwirkt und jeweils ein entgegengesetztes zweites Ende (47) jedes der Traktionsmittel (27) mit der Aufzugkabine (5) auf Zug belastbar zusammenwirkt,

wobei die zweiten Enden (47) beider Traktionsmittel (27) relativ zueinander verlagerbar sind und über ein elastisches Element (37) miteinander verbunden sind.


 
2. Aufzuganlage nach Anspruch 1, wobei die Antriebseinrichtung (23) an einem unteren Ende des Aufzugschachts (11) angeordnet ist.
 
3. Aufzuganlage nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Traktionsmittel (27) jeweils mit ihrem ersten Ende (45) an einem unteren Ende des jeweiligen Gegengewichts (3) auf Zug belastbar angebracht sind und jeweils mit ihrem zweiten Ende (45) an der Aufzugkabine (5) mit einem unteren Bereich der Aufzugkabine (5) auf Zug belastbar zusammenwirkend angebracht sind.
 
4. Aufzuganlage nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die zwei Traktionsmittel (27) an zueinander lateral beabstandeten Positionen auf Zug belastbar an der Aufzugkabine (5) angebracht sind.
 
5. Aufzuganlage nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die zwei Traktionsmittel (27) an einander gegenüberliegenden Rändern der Aufzugkabine (5) auf Zug belastbar angebracht sind.
 
6. Aufzuganlage nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei an der Aufzugkabine (5) zwei um jeweils eine Drehachse (49) drehbare Umlenkelemente (35) angebracht sind und wobei die Umlenkelemente (35) derart konfiguriert sind und mit den Traktionsmitteln (27) zusammenwirken, dass eine von einem der Traktionsmittel (27) bewirkte, in nicht-horizontaler Richtung wirkende Kraft umgelenkt wird und dann auf das elastische Element (37) wirkt.
 
7. Aufzuganlage nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei an der Aufzugkabine (5) zwei um jeweils eine Drehachse (49) drehbare Umlenkelemente (35) angebracht sind und wobei die Umlenkelemente (35) derart konfiguriert sind und mit den Traktionsmitteln (27) zusammenwirken, dass eine von einem der Traktionsmittel (27) bewirkte, in nicht-horizontaler Richtung wirkende Kraft in eine in horizontaler Richtung wirkende Kraft umgelenkt wird,
wobei das elastische Element (37) in horizontaler Richtung ausgerichtet ist und jeweils eine der umgelenkten Kräfte in horizontaler Richtung an einem von entgegengesetzten Enden des elastischen Elements (37) angreift.
 
8. Aufzuganlage nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei das elastische Element (37) eine Feder, insbesondere eine Spiralfeder (39), ist.
 
9. Aufzuganlage nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei jeweils eines der Gegengewichte (3) und eine Seite der Aufzugkabine (5) an einer gemeinsamen Führungsschiene (9) geführt sind.
 
10. Aufzuganlage nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Antriebseinrichtung (23) zwei Antriebsmotoren (29) aufweist, wobei jeder der Antriebsmotoren (29) dazu konfiguriert ist, jeweils eines der Traktionsmittel (27) zu verlagern.
 
11. Aufzuganlage nach Anspruch 10 unter Rückbezug auf Anspruch 9, wobei unter jeder der Führungsschienen (9) einer der Antriebsmotoren (29) angeordnet ist.
 




Zeichnung













Recherchenbericht









Recherchenbericht




Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente