(19)
(11)EP 3 764 064 A1

(12)EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43)Veröffentlichungstag:
13.01.2021  Patentblatt  2021/02

(21)Anmeldenummer: 20165218.7

(22)Anmeldetag:  24.03.2020
(51)Internationale Patentklassifikation (IPC): 
G01D 5/244(2006.01)
H03M 1/30(2006.01)
G01D 5/347(2006.01)
(84)Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME
Benannte Validierungsstaaten:
KH MA MD TN

(30)Priorität: 11.07.2019 DE 102019210274

(71)Anmelder: Dr. Johannes Heidenhain GmbH
83301 Traunreut (DE)

(72)Erfinder:
  • HOLZAPFEL, Wolfgang
    83119 Obing (DE)
  • FRESE, Daniel
    83278 Traunstein (DE)
  • LINGK, Christoph
    83278 Traunstein (DE)

  


(54)OPTISCHE POSITIONSMESSEINRICHTUNG


(57) Die vorliegende Erfindung betrifft eine optische Positionsmesseinrichtung zur Erfassung des Drehwinkels zwischen zwei zueinander rotatorisch beweglichen Objekten. Eine um eine Drehachse rotierende Gitter-Maßverkörperung ist als Reflexionsgitter ausgebildet; aus deren Abtastung sind sowohl Positionsinformationen bezüglich einer azimutalen Drehbewegung um die Drehachse als auch bezüglich einer radialen Verschiebung der Gitter-Maßverkörperung zu gewinnen. Mindestens eine Detektionseinheit dient zur Abtastung der rotierenden Gitter-Maßverkörperung, um den azimutalen Drehwinkel sowie eine radiale Verschiebung der Gitter-Maßverkörperung zu bestimmen. Die neutralen Drehpunkte der Abtastungen der Gitter-Maßverkörperung zur Drehwinkel- und Verschiebungsbestimmung liegen in der gleichen Ebene, die parallel zur Gitter-Maßverkörperung liegt. Der neutrale Drehpunkt bezeichnet denjenigen Ort, um den die Gitter-Maßverkörperung oder die Detektionseinheit ohne Positionsversatz verkippbar ist (Fig. 10B).




Beschreibung

GEBIET DER TECHNIK



[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine optische Positionsmesseinrichtung zur Erfassung des Drehwinkels zwischen zwei zueinander rotatorisch beweglichen Objekten.

STAND DER TECHNIK



[0002] Derartige Positionsmesseinrichtungen besitzen in der Regel eine um eine Rotationsachse rotierende Gitter-Maßverkörperung, angeordnet auf einer sogenannten Teilscheibe. Die Gitter-Maßverkörperung ist üblicherweise als Radialteilung ausgebildet, aus deren Abtastung mittels einer geeigneten Abtasteinheit Positionssignale bzgl. der Rotationsbewegung der Teilscheibe erzeugbar sind; die derart erzeugten Positionssignale charakterisieren den azimutalen Drehwinkel zwischen den beiden zueinander rotatorisch beweglichen Objekten. Die erforderliche Abtasteinheit umfasst hierzu u.a. mindestens eine geeignet ausgebildete optoelektronische Detektoranordnung. Mit der rotierenden Teilscheibe einerseits und dem demgegenüber stationären Teil der Positionsmesseinrichtung andererseits, d.h. der Abtasteinheit, sind die beiden Objekte verbunden, deren Position bzw. winkelmäßige Relativorientierung zueinander zu bestimmen ist. In einer typischen Anwendung wird über eine solche Positionsmesseinrichtung z.B. die Drehbewegung einer rotierenden Antriebswelle gegenüber dem hierzu stationären Antriebsgehäuse bestimmt. Die darüber erfassten Positionssignale bzw. Drehwinkel können in bekannter Art und Weise zur Antriebsregelung herangezogen werden.

[0003] Probleme ergeben sich nunmehr insbesondere, wenn die rotierende Teilscheibe und die demgegenüber stationären Komponenten der Positionsmesseinrichtung nicht bereits werksseitig zueinander montiert werden, sondern beispielsweise eine Montage der separat gelieferten Teilscheibe und der Abtasteinheit(en) kundenseitig erfolgt. Es ist in diesem Fall dann nicht ohne weiteres gewährleistet, dass die Teilscheibe und damit die abgetastete Gitter-Maßverkörperung exakt zentriert zur tatsächlichen Drehachse montiert wird. Dies stellt aber eine maßgebliche Voraussetzung bei der Auswertung der erzeugten Positionssignale dar. In der Praxis resultieren demzufolge oftmals Positionssignale, die mit sogenannten Exzentrizitätsfehlern behaftet sind; diese sind auf das Nicht-Zusammenfallen der tatsächlichen Drehachse mit der Achse der rotierenden Teilscheibe bzw. Gitter-Maßverkörperung zurückzuführen und bewegen sich in der Größenordnung der Exzentrizität. Die durch eine exzentrische Lagerung der Teilscheibe verursachten Fehler sind bei kundenseitiger Montage erheblich und beeinflussen maßgeblich die maximale Messgenauigkeit der entsprechenden Positionsmesseinrichtungen.

[0004] Anhand der Darstellungen in den Figuren 1A - 1D werden die entsprechenden Zusammenhänge nachfolgend im Detail erläutert. Die Figuren zeigen jeweils eine um die Drehachse MD rotierende Teilscheibe TS in verschiedenen Rotationsstellungen A - D, wobei die Achse MTS der Gitter-Maßverkörperung bzw. Teilscheibe TS eine Exzentrizität e gegenüber der Drehachse MD aufweist. Ferner ist in den Figuren jeweils der exzentrizitätsbedingte Drehwinkel-Fehler Δϕexz (Θ) bei der entsprechenden Rotationsstellung A - D der Teilscheibe TS angegeben. Nicht dargestellt ist in den Figuren die Gitter-Maßverkörperung auf der Teilscheibe TS, die als Radialteilung ausgebildet und als kreisringförmige Teilungsspur im mittleren Abtastradius R um die Achse MTS der Gitter-Maßverkörperung bzw. Teilscheibe TS angeordnet ist.

[0005] Am Abtastort der Gitter-Maßverkörperung ergibt sich in einem solchen Fall die tangentiale Verschiebung Δt (Θ) der Teilscheibe TS folgendermaßen:

mit:

Δt (Θ) := tangentiale Verschiebung der Teilscheibe

θ := Drehwinkel der Teilscheibe

e := Exzentrizität

ΔΘ1:= Phasenlage des exzentrizitätsbedingten Drehwinkel-Fehlers



[0006] Die azimutale Abtastung der Gitter-Maßverkörperung auf der Teilscheibe TS liefert einen Drehwinkel-Wert ϕmess (Θ), der einen Drehwinkel-Fehler Δϕexz(Θ) aufgrund der vorliegenden Exzentrizität e gemäß folgender Beziehung aufweist:

wobei

mit:

ϕmess(Θ) := Drehwinkel-Wert der azimutalen Abtastung

Δϕexz(Θ) := exzentrizitätsbedingter Drehwinkel-Fehler

θ := Drehwinkel der Teilscheibe

e := Exzentrizität

ΔΘ1 := Phasenlage des exzentrizitätsbedingten Drehwinkel-Fehlers

R := Abtastradius



[0007] Wie aus den Figuren 1A - 1D sowie Gleichung 3) ersichtlich, ist der exzentrizitätsbedingte Drehwinkel-Fehler Δϕexz(Θ) periodisch und wiederholt sich mit der Periodizität einer vollen Umdrehung der Teilscheibe TS. In den Rotations-Stellungen A und C der Teilscheibe TS gemäß den Figuren 1A und 1C ist der exzentrizitätsbedingte Drehwinkel-Fehler Δϕexz(Θ) maximal, in den Rotations-Stellungen B und D der Teilscheibe TS verschwindet gemäß den Figuren 1B und 1D der exzentrizitätsbedingte Drehwinkel-Fehler Δϕexz(Θ).

[0008] Zur Eliminierung von Exzentrizitätsfehlern in rotatorischen Positionsmesseinrichtungen sind bereits eine Vielzahl von Lösungen vorgeschlagen worden. Einer der hierzu bekannt gewordenen Lösungsansätze gemäß der DE 11 2005 002 253 T5 sieht etwa vor, dass auf der rotierenden Teilscheibe neben der zur Erfassung der Rotationsbewegung genutzten kreisringförmigen Teilungsspur mit einer Radialteilung und einer zugehörigen Detektionseinheit bzw. Abtaststelle parallel eine weitere kreisringförmige Teilungsspur angeordnet wird, die aus konzentrisch und kreisringförmig angeordneten Teilungs- bzw. Gitterlinien besteht. Über eine, der zusätzlichen Teilungsspur zugeordneten weiteren Detektionseinheit an der gleichen Azimut-Position wie die erste Detektionseinheit kann eine eventuell vorliegende Auslenkung der Teilscheibe in radialer Richtung quantitativ erfasst und zur Korrektur der eigentlich interessierenden Positionssignale bzw. Drehwinkel genutzt werden, die die Rotation der Teilscheibe um die Rotationsachse beschreiben.

[0009] Nachfolgend sei mit Hilfe der Figuren 2A - 2D das der DE 11 2005 002 253 T5 zugrundeliegende Prinzip zur Korrektur von Exzentrizitätsfehlern erläutert. Die entsprechenden Figuren zeigen jeweils die verwendete Teilscheibe TS mit zwei genutzten Teilungsspuren S1, S2 und den zugehörigen Detektionseinheiten D1, D2 in verschiedenen Rotations-Stellungen A - D, wobei die Achse MTS der Gitter-Maßverkörperung bzw. Teilscheibe TS eine Exzentrizität e gegenüber der Drehachse MD aufweist. Zur jeweiligen Rotations-Stellung A - D sind in den Figuren 2A - 2D noch jeweils die exzentrizitätsbedingten Auslenkungen Δrexz(Θ) der Teilscheibe TS in radialer Richtung (obere Darstellung) und die exzentrizitätsbedingten Drehwinkel-Fehler Δϕexz(Θ) (untere Darstellung) angegeben.

[0010] Im Fall einer exzentrischen Bewegung der Teilscheibe TS ist deren radiale Auslenkung Δrexz(Θ) mit der tangentialen Verschiebung Δt(Θ) durch folgende Beziehung verknüpft:

mit:

Δrexz(Θ) := radiale Auslenkung der Teilscheibe

Δt(Θ) := tangentiale Verschiebung der Teilscheibe

θ := Drehwinkel der Teilscheibe



[0011] Für den exzentrizitätsbedingten Drehwinkel-Fehler Δϕexz(Θ) gilt daher

mit:

Δϕexz(Θ) := exzentrizitätsbedingter Drehwinkel-Fehler

Δrexz(Θ) := radiale Auslenkung der Teilscheibe

R := Abtastradius

θ := Drehwinkel der Teilscheibe



[0012] Aus den Figuren 2A - 2D ist ersichtlich, dass der über die Abtastung der kreisringförmig angeordneten Teilungslinien in der Teilungsspur S2 erhaltene Messwert der radialen Teilscheiben-Auslenkung Δrexz(Θ) zum exzentrizitätsbedingten Drehwinkel-Fehler Δϕexz(Θ) genau um 90° phasenverschoben ist. Diesen Zusammenhang kann man für eine Korrektur nutzen, indem man in einem Kalibrierbetrieb nach der Montage der Teilscheibe TS den Messwert der radialen Teilscheiben-Auslenkung Δrexz(Θ) für eine volle Umdrehung der Teilscheibe TS aufnimmt, diesen weiterverarbeitet und dabei mit dem Faktor 1/R skaliert und als drehwinkelabhängigen Korrekturwert ϕkorr(Θ) z.B. in einer Tabelle abspeichert:

mit:

ϕkorr(Θ) := drehwinkelabhängiger Korrekturwert

Δrexz(Θ) := radiale Auslenkung der Teilscheibe

R := Abtastradius

θ := Drehwinkel der Teilscheibe



[0013] Der tatsächlich ausgegebene und korrigierte Winkelposition ϕout wird im Messbetrieb dann mit einem um 90° versetzten Korrekturwert ϕkorr(Θ) aus der Tabelle korrigiert.

[0014] Diese Vorgehen ist insofern vorteilhaft, da hierbei kein externes Referenzsystem für die Kalibrierung des azimutalen Drehwinkel-Werts benötigt wird, sondern die Positionsmesseinrichtung alle nötigen Korrektur-Informationen selber ermittelt.

[0015] Für optische Positionsmesseinrichtungen, die im Durchlicht arbeiten, können auf diese Art und Weise die durch eine eventuelle Exzentrizität der Teilscheibe bzw. Gitter-Maßverkörperung verursachten Messfehler auf einfache Art und Weise korrigiert werden. Insbesondere im Fall rotatorischer, optischer Positionsmesseinrichtungen mit einer Auflichtabtastung resultieren jedoch noch weitere Fehler, die die Messgenauigkeit erheblich beeinträchtigen können. Derartige Fehler werden durch eine eventuelle Taumelbewegung der Teilscheibe verursacht, wenn diese nicht ideal angeordnet bzw. gelagert ist. Im Hinblick auf die Korrektur derartiger Fehler, enthält die DE 11 2005 002 253 T5 keine Lösungsansätze.

ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG



[0016] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine optische Positionsmesseinrichtung zur Erfassung rotatorischer Relativbewegungen anzugeben, in der neben exzentrizitätsbedingten Fehlern bei der Drehwinkel-Bestimmung auch Fehler kompensierbar sind, die durch einen Taumel der abgetasteten Gitter-Maßverkörperung bzw. Teilscheibe verursacht werden.

[0017] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine optische Positionsmesseinrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.

[0018] Vorteilhafte Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung ergeben sich aus den Maßnahmen, die in den abhängigen Ansprüchen aufgeführt sind.

[0019] Die erfindungsgemäße optische Positionsmesseinrichtung zur Erfassung des Drehwinkels zwischen zwei zueinander rotatorisch beweglichen Objekten umfasst eine um eine Drehachse rotierende Gitter-Maßverkörperung, die als Reflexionsgitter ausgebildet ist und aus deren Abtastung sowohl Positionsinformationen bezüglich einer azimutalen Drehbewegung um die Drehachse als auch bezüglich einer radialen Verschiebung der Gitter-Maßverkörperung erzeugbar sind. Ferner ist mindestens eine Detektionseinheit zur Abtastung der rotierenden Gitter-Maßverkörperung vorgesehen, um den azimutalen Drehwinkel sowie eine radiale Verschiebung der Gitter-Maßverkörperung zu bestimmen. Hierbei liegen die neutralen Drehpunkte der Abtastungen der Gitter-Maßverkörperung zur Drehwinkel- und Verschiebungsbestimmung in der gleichen Ebene, wobei diese Ebene parallel zur Gitter-Maßverkörperung liegt und der neutrale Drehpunkt denjenigen Ort bezeichnet, um den die Gitter-Maßverkörperung oder die Detektionseinheit ohne Positionsversatz verkippbar ist.

[0020] Es ist möglich, dass die Gitter-Maßverkörperung eine Radial-Teilung sowie eine hierzu benachbart angeordnete Kreisring-Teilung umfasst.

[0021] Dabei kann eine erste Detektionseinheit zur Abtastung der Radial-Teilung und eine zweite Detektionseinheit zur Abtastung der Kreisring-Teilung dienen.

[0022] Desweiteren ist möglich, dass die Gitter-Maßverkörperung aus kreisringförmig und periodisch mit einer ersten Maßverkörperungs-Periodizität angeordneten Streifenelementen besteht, deren Längserstreckungsrichtung radial orientiert ist und wobei die Streifenelemente zur Absolutpositionscodierung entlang ihrer Längserstreckungsrichtung eine periodische Struktur mit einer zweiten Maßverkörperungs-Periodizität besitzen.

[0023] Hierbei umfasst die Detektionseinheit vorzugsweise eine einzige Lichtquelle sowie eine einzige Detektoranordnung.

[0024] Die Detektoranordnung kann als zweidimensionale Detektoranordnung mit einer Mehrzahl von Detektorelementen ausgebildet sein und mehrere Detektorspalten mit jeweils mehreren Detektorelementen aufweisen, wobei die Detektorspalten entlang der kreisringförmigen Anordnungsrichtung mit einer ersten Detektions-Periodizität periodisch angeordnet sind und die Detektorelemente in den Detektorspalten mit einer zweiten Detektions-Periodizität periodisch angeordnet sind.

[0025] Mit Vorteil ist die optische Abtastung der Gittermaßverkörperung als Zentralprojektions-Abtastung mit dem Abbildungsmaßstab β = 2 ausgebildet und umfasst eine divergente Lichtquelle sowie eine Detektoranordnung, welche entlang mindestens einer Richtung periodisch ausgebildet ist.

[0026] Desweiteren ist möglich, dass die optische Positionsmesseinrichtung eine Signalverarbeitungseinheit aufweist, die derart eingerichtet und ausgebildet ist,
  • dass die in einem Kalibrierbetrieb über mindestens eine vollständige Umdrehung der Gitter-Maßverkörperung gewonnenen, drehwinkelabhängigen Messwerte zu einer radialen Verschiebung der Gitter-Maßverkörperung weiterverarbeitet und als drehwinkelabhängige Korrekturwerte in einem Speicher der Signalverarbeitungseinheit ablegbar sind, und
  • dass im Messbetrieb die im Speicher abgelegten drehwinkelabhängigen Korrekturwerte von der Signalverarbeitungseinheit herangezogen werden, um den gemessenen azimutalen Drehwinkel bezüglich vorliegender Exzentrizitäts- und Taumelfehler zu korrigieren.


[0027] Hierbei kann die die Signalverarbeitungseinheit derart eingerichtet und ausgebildet sein, um die im Kalibrierbetrieb gewonnenen, drehwinkelabhängigen Messwerte zu einer radialen Verschiebung der Gitter-Maßverkörperung von der Signalverarbeitungseinheit im Messbetrieb zur Korrektur eines um 90° versetzten Drehwinkels bezüglich vorliegender Exzentrizitäts- und Taumelfehler zu nutzen.

[0028] Vorzugsweise korrigiert die Signalverarbeitungseinheit den Drehwinkel bezüglich vorliegender Exzentrizitäts- und Taumelfehler folgendermaßen:

mit:

ϕout := ausgegebene, korrigierte Winkelposition

ϕmess(Θ) := Drehwinkel-Wert der azimutalen Abtastung

ϕkorr(Θ) := drehwinkelabhängiger Korrekturwert



[0029] Über die erfindungsgemäßen Maßnahmen kann der von der Positionsmesseinrichtung gemessene Drehwinkel sowohl bezüglich eventuell vorliegender Exzentrizitäts- als auch gleichzeitig bezüglich eventueller Taumelfehler der Gitter-Maßverkörperung bzw. Teilscheibe korrigiert werden. Letztere stellen insbesondere bei optischen Positionsmesseinrichtungen mit Auflichtabtastung eine nicht zu vernachlässigende Fehlerquelle dar.

[0030] In einer besonders vorteilhaften Ausführungsform mit einer speziell ausgebildeten Gitter-Maßverkörperung können die hierzu erforderlichen Informationen aus einer einzigen Abtaststelle gewonnen werden. Es resultiert eine sehr kompakte Bauform der entsprechenden Positionsmesseinrichtung.

[0031] Weitere Einzelheiten und Vorteile der vorliegenden Erfindung seien anhand der nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen der erfindungsgemäßen Vorrichtung in Verbindung mit den Figuren erläutert.

KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN



[0032] Es zeigt
Figur 1A - 1D
jeweils eine Darstellung einer exzentrisch angeordneten Teilscheibe in verschiedenen Rotationsstellungen sowie die jeweils zugehörigen, exzentrizitätsbedingten Winkelabweichungen;
Figur 2A - 2D
jeweils eine Darstellung einer exzentrisch angeordneten Teilscheibe mit einer zusätzlichen Teilungsspur in verschiedenen Rotationsstellungen gemäß dem Stand der Technik sowie die jeweils zugehörigen radiale Teilscheiben-Auslenkungen und Drehwinkel-Fehler;
Figur 3
eine Darstellung zur Erläuterung der Verhältnisse im Fall einer taumelnden Teilscheibe bei einer Auflicht-Abtastung;
Figur 4A - 4D
jeweils eine Darstellung zur Erläuterung des Einflusses einer taumelnden Teilscheibe auf den gemessenen Drehwinkel, angelehnt an die Darstellungen in den Figuren 1A - 1D;
Figur 5
eine Darstellung zu den durch Exzentrizität und Taumel verursachten Fehlern im gemessenen Drehwinkel;
Figur 6A - 6C
jeweils eine Darstellung zur Erläuterung des neutralen Drehpunkts bei einer ersten Abtastungsvariante;
Figur 7A - 7C
jeweils eine Darstellung zur Erläuterung des neutralen Drehpunkts bei einer zweiten Abtastungsvariante;
Figur 8A, 8B
jeweils schematische Darstellungen zur Erläuterung des Vorgehens im Kalibrier- und Messbetrieb der erfindungsgemäßen Positionsmesseinrichtung;
Figur 9A
eine Draufsicht auf die Teilscheibe eines ersten Ausführungsbeispiels einer erfindungsgemäßen Positionsmesseinrichtung;
Figur 9B
eine Schnittansicht des ersten Ausführungsbeispiels einer erfindungsgemäßen Positionsmesseinrichtung;
Figur 10A
eine Draufsicht auf die Teilscheibe eines zweiten Ausführungsbeispiels einer erfindungsgemäßen Positionsmesseinrichtung;
Figur 10B
eine Schnittansicht des zweiten Ausführungsbeispiels einer erfindungsgemäßen Positionsmesseinrichtung.

BESCHREIBUNG DER AUSFÜHRUNGSFORMEN



[0033] Bevor konkrete Ausführungsbeispiele der erfindungsgemäßen optischen Positionsmesseinrichtung anhand der Figuren 8A, 8B, 9A, 9B, 10A und 10B beschrieben werden, seien zunächst verschiedene theoretische Überlegungen im Zusammenhang mit der vorliegenden Erfindung erläutert.

[0034] Rotatorische optische Positionsmesseinrichtungen, deren Gitter-Maßverkörperungen im Durchlicht abgetastet werden, weisen gemäß der oben diskutierten DE 11 2005 002 253 T5 als Fehlerbeitrag zur Positionsbestimmung i.w. nur Exzentrizitätsfehler auf. Bei rotatorischen, optischen Positionsmesseinrichtungen mit Auflicht-Abtastung liegt darüber hinausgehend ein weiterer Fehlerbeitrag vor, der durch eine eventuelle Taumelbewegung der Gitter-Maßverkörperung bzw. Teilscheibe hervorgerufen wird. Eine derartige Taumelbewegung kann auftreten, wenn die Teilscheibe in der jeweiligen Messanordnung nicht korrekt gelagert oder montiert ist.

[0035] Den Einfluss einer im Auflicht abgetasteten taumelnden Teilscheibe auf die Positionsmessung sei zunächst anhand der schematischen Darstellungen in Figur 3 erläutert; die obere Darstellung zeigt hierbei eine Draufsicht auf die Teilscheibe TS, die untere Darstellung eine Seitenansicht der Positionsmesseinrichtung. Strichliniert ist im unteren Teil der Figur dabei die korrekt montierte Teilscheibe TS ohne Taumelbewegung dargestellt, durchgezogen die um den Drehpunkt D verkippte und damit taumelnde Teilscheibe TS'.

[0036] In der Seitenansicht ist in Figur 3 die taumelnde Teilscheibe TS' durch einen in dieser Projektion schief stehenden Normalenvektor N verdeutlicht. Die lichtempfindliche Fläche der Detektionseinheit DET befindet sich in der Abtastebene AE, wobei die nur schematisch angedeuteten Abtastungs-Strahlenbündel AS, die von einer - nicht gezeigten - Lichtquelle in der Detektionseinheit DET emittiert werden, von der im dargestellten Zustand schief stehenden Teilscheibe TS' reflektiert werden und ein über die Abtastung erzeugtes Lichtmuster versetzt auf die Detektionseinheit DET auftrifft. Dies bewirkt, dass die Detektionseinheit DET eine von der wahren Position versetzte, also eine abweichende Position erfasst. Dreht sich nun die Teilscheibe TS, so beschreibt die Spitze des Normalenvektors N der Teilscheibe TS eine Kreisbahn um den Drehpunkt D, wie dies im oberen Teil der Figur 3 gezeigt ist.

[0037] Analog zur obigen Diskussion der Figuren 1A - 1D lässt sich auch der Einfluss einer eventuellen Taumelbewegung der Teilscheibe TS auf den resultierenden Messfehler darstellen. Dies ist in den Figuren 4A - 4D veranschaulicht.

[0038] In den Rotations-Stellungen A und C der Teilscheibe TS ist wie aus den Figuren ersichtlich der taumelbedingte Drehwinkel-Fehler Δϕtilt maximal; in den Rotations-Stellungen B und D hingegen, in denen nur eine radiale Verschiebung des Lichtmusters vorliegt, verschwindet der taumelbedingte Drehwinkel-Fehler Δϕtilt.

[0039] Der Drehwinkel-Fehler Δϕtilt, verursacht durch die Taumelbewegung der Teilscheibe TS, ist bei einer Auflichtabtastung gegeben durch:

mit:

Δϕtilt := taumelbedingter Drehwinkel-Fehler

b := Amplitude des taumelbedingten Drehwinkel-Fehlers

θ := Drehwinkel der Teilscheibe

ΔΘ2 := Phasenlage des taumelbedingten Drehwinkel-Fehlers



[0040] Insgesamt ergibt sich der Gesamt-Messfehler Δϕtotal bei der Positionsbestimmung dann aus der Summe der exzentrizitäts- und taumelbedingten Anteile am Drehwinkel-Fehler Δϕexz, Δϕtilt gemäß den Beziehungen 3) und 7) folgendermaßen:

mit:

Δϕtotal := Gesamt-Messfehler

Δϕexz := exzentrizitätsbedingter Drehwinkel-Fehler

Δϕtilt := taumelbedingter Drehwinkel-Fehler

a := e/R := Amplitude des exzentrizitätsbedingten Drehwinkel-Fehlers

b := Amplitude des taumelbedingten Drehwinkel-Fehlers

θ := Drehwinkel der Teilscheibe

ΔΘ1:= Phasenlage des exzentrizitätsbedingten Drehwinkel-Fehlers

ΔΘ2 := Phasenlage des taumelbedingten Drehwinkel-Fehlers



[0041] In Figur 5 sind die verschiedenen Anteile am Drehwinkel-Fehler Δϕexz, Δϕtilt sowie der resultierende Gesamt-Messfehler Δϕtotal gemäß der Beziehung 8) über eine vollständige Teilscheiben-Umdrehung dargestellt. Dabei wurden die Phasenlagen und Amplituden der exzentrizitätsbedingten Drehwinkel-Fehler Δϕexz und der taumelbedingten Drehwinkel-Fehler Δϕtilt so gewählt, dass diese nicht übereinstimmen und dadurch auch die Phasenlage des Gesamt-Messfehlers Δϕtotal unterschiedlich von den Phasenlagen der verschiedenen Fehleranteile ist. Wie aus Figur 5 erkennbar, besitzt auch der resultierende Gesamt-Messfehler Δϕtotal eine Periodizität von 360°.

[0042] Um gleichzeitig die exzentrizitäts- und taumelbedingten Drehwinkel-Fehler Δϕexz, Δϕtilt bei der Auflichtabtastung einer rotierenden Gitter-Maßverkörperung zuverlässig korrigieren zu können, sind bestimmte Maßnahmen in Bezug auf die vorgesehenen Abtastungen erforderlich, insbesondere wenn das Korrektur-Konzept gemäß der eingangs diskutierten DE 11 2005 002 253 T5 genutzt werden soll. Maßgeblich hierbei ist dabei die Lage des sogenannten neutralen Drehpunkts der Abtastungen zur Drehwinkel- und Verschiebungsbestimmung. Im folgenden sei zur besseren Verständlichkeit in Verbindung mit zwei unterschiedlichen optischen Abtastungsvarianten erläutert, was unter dem neutralen Drehpunkt einer Abtastung zu verstehen ist.

[0043] Die Figuren 6A - 6C stellen hierbei den Fall einer ersten optischen Abtastung dar, für das nachfolgend beispielhaft das Konzept des neutralen Drehpunkts einer Abtastung erläutert wird.

[0044] Figur 6A zeigt in schematischer Form die optische Abtastung einer reflektierenden Gitter-Maßverkörperung auf einem Maßstab T mittels einer Abtasteinheit AEH. In der Abtasteinheit AEH befindet sich eine Lichtquelle LQ, deren Licht durch eine Kollimator-Linse KL kollimiert wird und dann auf die Gitter-Maßverkörperung auf dem Maßstab T auftrifft. Die vom Maßstab T reflektierten Strahlen gelangen dann auf einen Sensor S in der Abtasteinheit AEH, der im Abtastabstand d oberhalb des Maßstabs T angeordnet ist. Beispielhaft für den Abtastungs-Strahlverlauf seien hier der Zentralstrahl der Kollimatorlinse KL und die beiden Randstrahlen betrachtet, die auf dem Maßstab T auf die Punkte P, Q und R einfallen. Die von den Punkten P, Q und R auf dem Maßstab T reflektierten Strahlen treffen wie gezeigt auf dem Sensor S jeweils auf die Punkte P', Q' und R'.

[0045] Im Fall einer Verkippung des Maßstabs T hängt der resultierende Strahlverlauf der jeweiligen Abtastung nunmehr davon ab, um welchen Punkt bzw. um welche Drehachse DA die Abtasteinheit AEH gedreht respektive verkippt wird. Im Fall der Figur 6B befindet sich die Drehachse DA, um die eine Verkippung um einen Winkel Ry resultiert, im Punkt Q und damit auf dem Maßstab T. Da bei der gewählten Abtastung der Einfallswinkel identisch zum Ausfallswinkel ist, trifft bei einer verkippten Anordnung der vom Punkt Q reflektierte Strahl auf dem Sensor S nicht mehr auf den Punkt Q' wie im unverkippten Zustand, sondern um einen Betrag Δx versetzt auf den Punkt Q" in der Detektionsebene des Sensors S. Analog hierzu treffen die von den Punkten P und R auf dem Maßstab T reflektierten Strahlen im verkippten Zustand im Sensor S auf die Punkte P" bzw. R". Die Größe des verkippungsbedingten Versatzes Δx lässt sich grundsätzlich formelmäßig exakt angeben, spielt aber für die folgenden Betrachtungen keine Rolle. Letztlich bewirkt die Verkippung um die Drehachse DA also, dass der Sensor S einen Positionsversatz detektiert, da das Lichtmuster auf dem Sensor S verkippungsbedingt weitergewandert ist, obwohl sich die Abtasteinheit AEH positionsmäßig unverändert immer noch an der gleichen x-Position befindet.

[0046] Um die Bedeutung der jeweiligen Lage der Drehachse DA zu veranschaulichen, um die eine Verkippung resultiert, ist in Figur 6C der Fall dargestellt, wenn sich die Drehachse DA im Abstand 2d von der Oberfläche des Maßstabs T entfernt befindet. Verdreht man die Abtasteinheit AEH nun um einen Winkel Ry um die dort befindliche Drehachse DA, so treffen die an den Punkten P, Q und R auf dem Maßstab T reflektierten Strahlen wie im unverkippten Zustand gemäß Figur 6A auf die Punkte P', Q' und R' auf dem Sensor S. Es wird bei dieser Lage der Drehachse DA also trotz einer Verkippung der Abtasteinheit AEH kein Positionsversatz detektiert.

[0047] Es ist demzufolge ersichtlich, dass bei der in den Figuren 6A - 6C gezeigten Abtastung eine Drehachse DA bzw. ein Punkt im System existiert, um die bzw. um den eine Verkippung der Abtasteinheit AEH erfolgen kann, ohne dass dabei eine Positionsänderung bewirkt wird. Die entsprechende Drehachse DA sei nachfolgend als neutrale Drehachse und der entsprechende Punkt als neutraler Drehpunkt bezeichnet. Im erläuterten Beispiel der Figuren 6A - 6C liegt der neutrale Drehpunkt um den doppelten Abtastabstand 2d entfernt von der Oberfläche des Maßstabs T.

[0048] Mit Hilfe der Figuren 7A - 7C wird das Konzept des neutralen Drehpunkts nachfolgend noch beispielhaft in Verbindung mit einer weiteren Abtastung in einer optischen Positionsmesseinrichtung erläutert. Hierbei ist nunmehr keine Schattenwurf-Abtastung vorgesehen, der Maßstab T wird im Unterschied zum vorhergehenden Beispiel durch eine Abbildungslinse AL auf den Sensor S abgebildet. Im dargestellten Beispiel der Figuren 7A - 7C liegt dabei eine 1:-1-Abbildung bzw. eine Bildumkehr vor, so dass die auf dem Maßstab T befindlichen Punkte P, Q und R in umgekehrter Reihenfolge R', Q', P' auf dem Sensor S abgebildet werden. Aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit ist in den Figuren nur der Strahlverlauf für den zentralen Punkt Q gezeigt.

[0049] In Figur 7B ist dabei der Fall veranschaulicht, in dem die Drehachse DA durch den Punkt Q auf dem Maßstab T verläuft und die Abtasteinheit AEH um den Winkel Ry um die Drehachse DA verkippt wird. Da es sich hier um ein abbildendes System handelt, wird der Punkt Q wieder auf den Punkt Q' im Sensor S abgebildet, ungeachtet der veränderten Beleuchtungsrichtung.

[0050] Unterschiedlich hierzu sieht die Situation aus, wenn die Drehachse DA durch den im Sensor S befindlichen Punkt Q' verläuft; in Figur 7C ist eine Verkippung um den Winkel Ry um diese Drehachse DA gezeigt. Da sich das abzubildende Objekt, d.h. der Punkt Q auf dem Maßstab T bei der Verkippung von der optischen Achse der Abbildungslinse AL wegbewegt, wird dieser Punkt Q auf dem Sensor S auch um einen Betrag Δx in den Punkt Q' versetzt abgebildet.

[0051] Im Beispiel der Abtastung gemäß den Figuren 7A - 7C resultiert also eine andere Lage des neutralen Drehpunkts; hier liegt der neutrale Drehpunkt im Unterschied zum vorhergehenden Beispiel der Figuren 6A - 6C auf dem Maßstab T. Eine Verdrehung oder Verkippung der Abtasteinheit AEH um einen dort befindlichen Punkt verursacht keinen Positionsversatz.

[0052] Die beiden erläuterten Beispiele aus den Figuren 6A - 6C und 7A - 7C veranschaulichen, dass der neutrale Drehpunkt in einer optischen Positionsmesseinrichtung eine für jede Abtastungsvariante wichtige geometrische Größe darstellt. Insbesondere zeigen diese beiden Beispiele, dass die neutralen Drehpunkte bei beliebigen Abtastungen nicht notwendigerweise zusammenfallen müssen.

[0053] Grundsätzlich lässt sich also festhalten:
  • Verkippt man in einer optischen Positionsmesseinrichtung das System um den neutralen Drehpunkt, so bleibt die gemessene Position unverändert.
  • Verkippt man das System um einen anderen Punkt, so verändert sich die gemessene Position, ohne dass eine tatsächliche Positionsänderung vorliegt. Eine Verkippung kann hierbei entweder aus einer Verkippung der Abtast- bzw. Detektionseinheit bestehen oder aber aus einer Verkippung der Gitter-Maßverkörperung.


[0054] Gemäß der vorliegenden Erfindung soll das aus der DE 11 2005 002 253 T3 bekannte Vorgehen zur Korrektur exzentrizitätsbedingter Fehler in rotatorischen Positionsmesseinrichtungen, basierend auf der in einem Kalibrierbetrieb erfolgenden Messung des drehwinkelabhängigen Radialversatzes der Gitter-Maßverkörperung und die im Messbetrieb erfolgende Korrektur des um 90° versetzten Positionswertes mit dem Radialversatz-Wert auf die Korrektur des Taumelfehlers in einer Auflicht-Abtastung erweitert werden. Die im Kalibrierbetrieb erfolgende radiale Abtastung der Gitter-Maßverkörperung muss dazu sowohl die Exzentrizitätsabweichungen als auch in korrekter Weise die Taumelabweichungen der rotierenden Teilscheibe erfassen.

[0055] In diesem Zusammenhang wurde erkannt, dass zur korrekten Erfassung der Taumelbewegung die Positionsverschiebung der azimutalen Abtastung (Messrichtung entlang der x-Achse) durch eine Ry-Kippung gleich groß sein muss wie die Positionsverschiebung der radialen Abtastung (Messrichtung entlang der y-Achse) durch eine Rx-Kippung. Diese Bedingung folgt aus dem vorgesehenen 90°-Versatz der Korrektur und bedeutet letztlich, dass sich die neutralen Drehpunkte der azimutalen Abtastung und der radialen Abtastung im gleichen Abstand zur Teilscheibe bzw. Gitter-Maßverkörperung befinden müssen. In anderen Worten: Die neutralen Drehpunkte der Abtastungen der Gitter-Maßverkörperung zur Drehwinkel- und Verschiebungsbestimmung müssen in der gleichen Ebene liegen, wobei diese Ebene parallel zur Gitter-Maßverkörperung liegt.

[0056] Diese Zusammenhänge lassen sich wie folgt formelmäßig beschreiben:
Zunächst gilt für den gemessenen Drehwinkel-Wert der azimutalen Auflicht-Abtastung in Erweiterung von Beziehung 2):

mit:

θ := Drehwinkel der Teilscheibe

ϕmess(Θ) := Drehwinkel-Wert der azimutalen Abtastung

Δϕexz(Θ) := exzentrizitätsbedingter Drehwinkel-Fehler

Δϕtilt(Θ) := taumelbedingter Drehwinkel-Fehler



[0057] Im Fall der Auflichtabtastung einer reflektierenden Gitter-Maßverkörperung addiert sich zum exzentrizitätsbedingten Drehwinkel-Fehler Δϕexz(Θ) somit der Fehlerbeitrag durch den taumelbedingten Drehwinkel-Fehler Δϕtilt(Θ), der sich folgendermaßen beschreiben lässt:

mit:

θ := Drehwinkel der Teilscheibe

Δϕtilt (Θ) := taumelbedingter Drehwinkel-Fehler

R := Abtastradius

Δza := Abstand des neutralen Drehpunkts der Azimut-Abtastung von der Teilscheibe

Ry (Θ) := Kippung der Teilscheibe um die y-Achse am Abtastort



[0058] Aus den Beziehungen 9) und 10) folgt dann:

mit:

θ := Drehwinkel der Teilscheibe

ϕmess (Θ) := Drehwinkel-Wert der azimutalen Abtastung

Δϕexz (Θ) := exzentrizitätsbedingter Drehwinkel-Fehler

R := Abtastradius

Δza := Abstand des neutralen Drehpunkts der Azimut-Abtastung von der Teilscheibe

Ry(Θ) := Kippung der Teilscheibe um die y-Achse am Abtastort



[0059] Das Koordinatensystem wird hier so gewählt, dass der Mittelpunkt der Teilscheibe im Koordinatenursprung und die azimutale Abtaststelle am Ort mit den Koordinaten x = 0, y = R liegt.

[0060] Analog zu Beziehung 9) gilt für den Messwert Δrmess(Θ) der radialen Auflicht-Abtastung:

mit:

θ := Drehwinkel der Teilscheibe

Δrmess(Θ) := Messwert der radialen Auflicht-Abtastung

Δrexz(Θ) := exzentrizitätsbedingter radialer Messwert



[0061] Für die Größe Δrtilt(Θ), d.h. für den taumelbedingten radialen Messwert, gilt dabei:

mit:

θ := Drehwinkel der Teilscheibe

Δrtilt(Θ) := taumelbedingter radialer Messwert

ΔzR := Abstand des neutralen Drehpunkts der radialen Abtastung von der Teilscheibe

Rx(Θ) := Kippung der Teilscheibe um die x-Achse am Abtastort



[0062] Zu beachten ist, dass der Messwert der radialen Auflicht-Abtastung Δrmess(Θ) gemäß Beziehung 12) sowohl die tatsächlich exzentrizitätsbedingte radiale Auslenkung der Teilscheibe Δrexz(Θ) beinhaltet als auch die taumelbedingte radiale Verschiebung des Lichtmusters , die hier Δrtilt(Θ) genannt und im Folgenden als taumelbedingter radialer Messwert bezeichnet wird.

[0063] Aus den Beziehungen 12) und 13) folgt dann:

mit:

θ := Drehwinkel der Teilscheibe

Δrmess(Θ) := Messwert der radialen Auflicht-Abtastung

Δrexz(Θ) := exzentrizitätsbedingter radialer Messwert

ΔzR := Abstand des neutralen Drehpunkts der radialen Abtastung von der Teilscheibe

Rx(Θ) := Kippung der Teilscheibe um die x-Achse am Abtastort



[0064] Die Taumelbewegung der Teilscheibe wird durch die nachfolgende Beziehung beschrieben:

mit:

θ := Drehwinkel der Teilscheibe

Rx(Θ) := Kippung der Teilscheibe um die x-Achse am Abtastort

Ry(Θ) := Kippung der Teilscheibe um die y-Achse am Abtastort



[0065] Teilt man Beziehung 14) durch R und setzt Beziehung 5) und Beziehung 15) in Beziehung 14) ein, so ergibt sich



[0066] Eine Exzentrizitäts- und Taumelkorrektur gemäß dem vorstehend beschriebenen Verfahren setzt grundsätzlich voraus, dass bei der Azimut-Abtastung (Beziehung 11) und bei der Radialabtastung (Beziehung 16) die Taumel-Beiträge identisch sind, also:

mit:

Δza := Abstand des neutralen Drehpunkts der Azimut-Abtastung von der Teilscheibe

ΔzR := Abstand des neutralen Drehpunkts der radialen Abtastung von der Teilscheibe



[0067] Eine vollständige Winkel-Korrektur von Exzentrizitäts- und Taumelabweichungen kann dann analog zu Beziehung 6) gemäß der Beziehung

erfolgen, mit:

θ := Drehwinkel der Teilscheibe

ϕkorr(Θ) := drehwinkelabhängiger Korrekturwert

R := Abtastradius

Δrmess(Θ) := Messwert der radialen Auflicht-Abtastung



[0068] In der Praxis kann der Winkel θ näherungsweise wieder durch den gemessenen (fehlerhaften) Winkelwert ϕmess(Θ) ersetzt werden. Für die ausgegebene, korrigierte Winkelposition ϕout ergibt sich damit:

mit:

ϕout := ausgegebene, korrigierte Winkelposition

ϕmess(Θ) := Drehwinkel-Wert der azimutalen Abtastung

ϕkorr(Θ) := drehwinkelabhängiger Korrekturwert



[0069] Wird die obige Beziehung 17) bezüglich gleicher Abstände der neutralen Drehpunkte beider Abtastungen von der Teilscheibe bzw. Gitter-Maßverkörperung nicht eingehalten, so wird durch die beschriebene Korrektur zwar der exzentrizitätsbedingte Drehwinkel-Fehler Δϕexz(Θ) kompensiert, nicht aber der taumelbedingte Drehwinkel-Fehler Δϕtilt(Θ); vgl. Figur 5. Der verbleibende Restfehler ist insbesondere dann groß, wenn eine kostengünstige Fertigung der Welle und/oder der Teilscheiben-Nabe mit entsprechend großen Toleranzen gewünscht ist und damit große Taumelbewegungen auftreten.

[0070] Zusammengefasst lässt sich die erfindungsgemäße optische Positionsmesseinrichtung zur Erfassung des Drehwinkels zwischen zwei zueinander rotatorisch beweglichen Objekten folgendermaßen charakterisieren:
So weist die entsprechende Positionsmesseinrichtung eine rotierende Teilscheibe mit einer Gitter-Maßverkörperung auf, die als Reflexionsgitter ausgebildet ist. Aus deren Abtastung sind sowohl Positionsinformationen bezüglich einer azimutalen Drehbewegung um die Drehachse als auch bezüglich einer radialen Verschiebung der Gitter-Maßverkörperung zu gewinnen. Mindestens eine Detektionseinheit dient zur Abtastung der rotierenden Gitter-Maßverkörperung, um den azimutalen Drehwinkel sowie eine radiale Verschiebung der Gitter-Maßverkörperung zu bestimmen. Hierbei wird in einem Kalibrierbetrieb mit Hilfe einer geeignet soft- und/oder hardwaremäßig ausgebildeten Signalverarbeitungseinheit drehwinkelabhängig die radiale Verschiebung der Teilscheibe über eine Umdrehung ermittelt, nachdem die Teilscheibe sowie die Detektionseinheiten in der jeweiligen Anwendung montiert wurden. Die hierbei gewonnenen Messwerte zur Radialverschiebung der Teilscheibe werden dann in einem Speicher der Signalverarbeitungseinheit in Tabellenform abgespeichert; dabei kann eine entsprechende Korrekturkurve beispielsweise auch in Form von Stützstellen abgespeichert werden. Im Messbetrieb wird der gemessene Drehwinkel-Wert der azimutalen Abtastung über die Signalverarbeitungseinheit mit dem um 90° versetzten Korrekturwert aus dem Speicher z.B. gemäß Beziehung 19) um exzentrizitäts- und taumelbedingte Fehler korrigiert und eine korrigierte Winkelposition ϕout ausgegeben. Die Korrektur kann hierbei auch durch eine lineare Interpolation zwischen den im Speicher abgelegten Stützstellen erfolgen. Statt einer Korrektur über Stützstellen kann eine Korrektur alternativ auch über eine sinus- oder cosinusförmige Korrekturfunktion erfolgen, wobei deren Amplitude und Phasenlage aus den Messwerten Δrmess und einen entsprechenden Fit bestimmt werden müsste. Zu diesem Vorgehen und insbesondere der gewünschten Taumel-Kompensation bei Auflichtabtastungen ist erforderlich, dass die neutralen Drehpunkte der Abtastungen der Gitter-Maßverkörperung zur Drehwinkel- und Verschiebungsbestimmung in der gleichen Ebene und parallel zur Gitter-Maßverkörperung liegen. Ist dies nicht gewährleistet, würde die ausgegebene Winkelposition ϕout ansonsten zu wenig oder zu viel korrigiert.

[0071] In den Figuren 8A und 8B ist das Vorgehen im Kalibrierbetrieb (Figur 8A) sowie im Messbetrieb (Figur 8B) für ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen optischen Positionsmesseinrichtung stark schematisiert dargestellt.

[0072] Gemäß Figur 8A werden im Kalibrierbetrieb, während sich die Teilscheibe bzw. Gitter-Maßverkörperung um eine vollständige Umdrehung dreht, in den Verfahrensschritten S10a, S10b, über die entsprechenden Abtastungen die Signale zur radialen Verschiebung und zum Drehwinkel der Teilscheibe erzeugt; die entsprechenden Signale seien nachfolgend mit Sr (radiale Verschiebung) und Sϕ (azimutaler Drehwinkel) bezeichnet. Daraufhin werden in den Verfahrensschritten S11a, S11b die erzeugten Signale Sr, Sϕ in einer geeignet ausgebildeten Signalverarbeitungseinheit interpoliert und in entsprechende Positionssignale Δrmess, ϕmess umgeformt, wobei Δrmess den Positionswert der Radialmessung und ϕmess den Positionswert der Azimutalmessung bezeichnet. Im anschließenden Verfahrensschritt S12 wird dann in einem Speicher der Signalverarbeitungseinheit eine Korrektur-Tabelle befüllt, wozu ein Korrekturwert ϕkorr(θ) für jeden Winkel θ berechnet wird, der zur Korrektur der exzentrizitäts- und taumelbedingten Drehwinkel-Fehler dient. Selbstverständlich können die Korrekturwerte ϕkorr(θ) dabei auch nur an bestimmten Stützpunkten über den Umfang der Teilscheibe aufgenommen werden.

[0073] Im Verfahrensschritt S12 können auch aus den an bestimmten Stützstellen aufgenommenen Positionssignalen Δrmess, ϕmess durch einen Fit Parameter einer (beispielsweise sinusförmigen) Korrekturfunktion wie Amplitude und Phase gewonnen werden.

[0074] In Figur 8B ist der Messbetrieb einer erfindungsgemäßen Positionsmesseinrichtung stark schematisiert dargestellt. Wie daraus ersichtlich, erfolgt im Messbetrieb keine Erfassung der Radialverschiebung der Teilscheibe mehr, gemäß dem Verfahrensschritt S20 ist lediglich die Erzeugung von Signalen Sϕ bezüglich des azimutalen Drehwinkels der Teilscheibe vorgesehen. Die Signale Sϕ werden im Verfahrensschritt S21 über die Signalverarbeitungseinheit interpoliert und in Positionssignale ϕmess umgeformt. Im Verfahrensschritt S22 wird über die Signalverarbeitungseinheit unter Zuhilfenahme der Korrekturwerte ϕkorr(θ) gemäß der angegeben Beziehung aus dem Verfahrensschritt S12 des Kalibrierbetriebs bzw. einer Korrekturfunktion dann der Korrekturwert ϕkorr für den jeweiligen Drehwinkel Θ ermittelt und im Verfahrensschritt S23 zusammen mit dem Messwert ϕmess zur ausgegebenen korrigierten Winkelposition ϕout gemäß der angegebenen Beziehung verrechnet. Da die Korrekturtabelle natürlich nur an endlich vielen Stützstellen befüllt wird, ist für die Ermittlung des Korrekturwerts im Verfahrensschritt S22 im allgemeinen eine Interpolation in üblicher Art und Weise nötig.

[0075] Abschließend werden anhand der stark vereinfachten Figuren 9A, 9B sowie 10A, 10B zwei Ausführungsbeispiele entsprechender optischer Positionsmesseinrichtungen im Detail beschrieben. Die beiden Ausführungsbeispiele unterscheiden sich hierbei zum einen in der jeweils verwendeten Gitter-Maßverkörperung sowie zum anderen in der Abtastung zur Erfassung des azimutalen Drehwinkels und der radialen Verschiebung der Gitter-Maßverkörperung bzw. Teilscheibe.

[0076] Das erste Ausführungsbeispiel gemäß den Figuren 9A, 9B nutzt eine Teilscheibe 10 mit einer Gitter-Maßverkörperung, wie sie z.B. aus der DE 11 2005 002 253 T5 bereits bekannt ist. Gemäß der Draufsicht auf die Teilscheibe in Figur A umfasst die als Reflexionsgitter ausgebildete Gitter-Maßverkörperung 11 eine innenliegende Radial-Teilung 11.1 sowie eine außenliegend benachbart hierzu angeordnete Kreisring-Teilung 11.2; die beiden Teilungen 11.1, 11.2 sind hier in zwei separaten, kreisringförmigen Spuren auf der Teilscheibe 10 angeordnet. Die Radial-Teilung 11.1 besteht aus radial orientierten Gitterbereichen mit unterschiedlichen Reflexionseigenschaften für das darauf einfallende Licht, die Kreisring-Teilung 11.2 aus kreisringförmigen Gitterbereichen. Die in der Figur hell dargestellten Gitterbereiche in den verschiedenen Teilungen 11.1, 11.2 sind dabei hochreflektierend ausgebildet, die dunklen Gitterbereiche geringreflektierend. Mit dem Bezugszeichen 13 wird in Figur 9A die Abtaststelle einer ersten Detektionseinheit auf der Radialteilung 11.1 bezeichnet; die erste Detektionseinheit dient im Kalibrier- und Messbetrieb zur Abtastung der Radialteilung 11.1 und zur Messung des azimutalen Drehwinkels θ der Teilscheibe 10. Das Bezugszeichen 14 bezeichnet in Figur 9A die Abtaststelle einer zweiten Detektionseinheit auf der Kreisringteilung 11.2; die zweite Detektionseinheit dient zur Abtastung der Kreisring-Teilung 11.2 und damit zur Messung der radialen Auslenkung der Teilscheibe 10 im Kalibrierbetrieb.

[0077] In Figur 9B ist das erste Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen Positionsmesseinrichtung in einer schematisierten Seitenansicht gezeigt. Wie daraus ersichtlich, ist die Teilscheibe 10 mit der darauf angeordneten Gitter-Maßverkörperung 11 in Form der Radial- und Kreisringteilung 11.1, 11.2 um den Drehpunkt D verkippt, was bei der Rotation um die Drehachse eine Taumelbewegung der Teilscheibe 10 zur Folge hat. Strichliniert ist in Figur 9B die unverkippte Teilscheibe 10' im Fall der idealen Anordnung angedeutet. Ebenfalls in Figur 9B erkennbar, ist die einer Abtasteinheit 20 zugeordnete erste Detektionseinheit 22, die zur Abtastung der Radialteilung 11.1 dient; mit dem Bezugszeichen 23 wird eine zweite Detektionseinheit bezeichnet, die zur Abtastung der Kreisring-Teilung 11.2 dient. Die beiden Detektionseinheiten 22, 23 umfassen jeweils optoelektronische Detektoren, beispielsweise ausgebildet als strukturierte Fotodetektoren. Im vorliegenden Ausführungsbeispiel teilen sich beide Detektionseinheiten 22, 23 eine mittig in der Abtasteinheit 20 auf einer Platine 26 angeordnete Lichtquelle 21, die Strahlenbündel divergent in Richtung der Teilscheibe 10 emittiert, wo die Strahlenbündel von den beiden Spuren der Gitter-Maßverkörperung 11 dann auf die beiden Detektionseinheiten 22, 23 zurückreflektiert werden.

[0078] Desweiteren ist in Figur 9B eine der Positionsmesseinrichtung zugeordnete Signalverarbeitungseinheit 30 schematisiert angedeutet, die u.a. die Weiterverarbeitung der über die Detektionseinheiten 22, 23 erfassten Signale Sr, Sϕ bezüglich der radialen Teilscheibenverschiebung und bezüglich des azimutalen Drehwinkels übernimmt. Über die beiden Interpolationseinheiten 31, 32 können in der Signalverarbeitungseinheit 30 der Messwert Δrmess der Radialauslenkung sowie der Messwert ϕmess bezüglich des Drehwinkels der Teilscheibe 10 im Kalibrier- und Messbetrieb bestimmt und gemäß dem oben erläuterten Vorgehen über die Einheit 33 zu einer ausgegebenen Winkelposition ϕout weiterverarbeitet werden, die bezüglich Exzentrizität und Taumel korrigiert ist.

[0079] Der neutrale Drehpunkt der Abtastung zur Erfassung des azimutalen Drehwinkels über die erste Detektionseinheit 22 liegt in diesem Ausführungsbeispiel erfindungsgemäß in der gleichen Ebene wie der neutrale Drehpunkt der Abtastung zur Erfassung der radialen Auslenkung der Teilscheibe 10 über die zweite Detektionseinheit 23. Konkret liegen beide neutrale Drehpunkte in der Detektionsebene 25 der beiden Detektionseinheiten 22, 23 und damit parallel zur Gitter-Maßverkörperung 11.

[0080] Zu erwähnen ist im Zusammenhang mit diesem Ausführungsbeispiel noch, dass die radiale Abtastung durch die in radialer Messrichtung geneigte Beleuchtungsrichtung keinen zusätzlichen Messfehler durch die mit dem Taumel der Teilscheibe 10 einhergehenden Abstandsänderungen erfährt. Dies ist durch die in der Detektionsebene 25 angeordnete, divergente Lichtquelle 21 sichergestellt.

[0081] Ein weiteres Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen optischen Positionsmesseinrichtung sei abschließend anhand der Figuren 10A und 10B erläutert, die analog zum vorhergehenden Beispiel wiederum die Draufsicht auf die Teilscheibe 110 sowie eine Seitenansicht einer erfindungsgemäßen Positionsmesseinrichtung in Verbindung mit weiteren Komponenten derselbigen zeigen. Nachfolgend werden lediglich die maßgeblichen Unterschiede zum ersten Ausführungsbeispiel erläutert, ansonsten sei auf die Beschreibung des ersten Ausführungsbeispiels und die Figuren 9A und 9B verwiesen.

[0082] Im Hinblick auf die in diesem Ausführungsbeispiel verwendete Gitter-Maßverkörperung 111 und die zugehörige Abtast- bzw. Detektionseinheit wird an dieser Stelle auf den Offenbarungsgehalt der deutschen Patentanmeldung Nr. 102018200449.8 Bezug genommen.

[0083] Gemäß Figur 10A ist im zweiten Ausführungsbeispiel eine gegenüber der vorher erläuterten Variante unterschiedlich ausgebildete Gitter-Maßverkörperung 111 vorgesehen, die in einer kreisringförmigen Spur auf der Teilscheibe 110 angeordnet ist. Mit dem Bezugszeichen 14 wird in Figur 10A die einzig vorgesehene Abtaststelle dieses Ausführungsbeispiels bezeichnet. Die wiederum als Reflexionsgitter ausgebildete Gitter-Maßverkörperung 111 besteht hierbei aus kreisringförmig und periodisch mit einer ersten Maßverkörperungs-Periodizität MVP1 angeordneten Streifenelementen 111.1, 111.2, 111.3,...., deren Längserstreckungsrichtung radial orientiert ist. Die Streifenelemente 111.1, 111.2, 111.3,... besitzen zur Absolutpositionscodierung entlang ihrer Längserstreckungsrichtung ferner eine periodische Struktur mit Strukturelementen 112, die eine zweite Maßverkörperungs-Periodizität MVP2 aufweisen. Zur Absolutpositionscodierung der Streifenelemente 111.1, 111.2, 111.3,... kann beispielsweise die Phasenlage der Strukturelemente 112 dienen, um auf diese Art und Weise jedem Streifenelement 111.1, 111.2, 111.3,... einen bestimmten Codewert zuordnen zu können Über die Umfangsrichtung können so Codesequenzen ausgebildet werden, die eine Winkelposition innerhalb von 360° eindeutig charakterisieren.

[0084] Die in Figur 10A dunkel dargestellten Gitterbereiche der Gitter-Maßverkörperung 111 sind im Unterschied zum vorhergehenden Ausführungsbeispiel hochreflektierend ausgebildet, die hellen Gitterbereiche geringreflektierend.

[0085] Analog zum vorherigen Ausführungsbeispiel ist in Figur 10B das zweite Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen Positionsmesseinrichtung in einer schematisierten Seitenansicht gezeigt. Wie aus der Figur ersichtlich, ist nunmehr abtastseitig lediglich eine Detektionseinheit in der Abtasteinheit 120 zur Abtastung der in einer Spur angeordneten Gitter-Maßverkörperung 111 vorgesehen. Die Detektionseinheit umfasst dabei lediglich eine divergente Lichtquelle 121, z.B. eine LED, sowie eine einzige Detektoranordnung 122, welche entlang mindestens einer Richtung periodisch ausgebildet ist. Die Lichtquelle 121 ist in der Abtasteinheit 120 benachbart zur Detektoranordnung 122 auf einer Leiterplatte 126 angeordnet.

[0086] Zur optischen Abtastung der Gitter-Maßverkörperung 111 ist vorliegend eine Zentralprojektions-Abtastung mit dem Abbildungsmaßstab β = 2 vorgesehen. Hierbei wird das von der Lichtquelle 121 emittierte Licht von der Gitter-Maßverkörperung 111 in die Detektionsebene der Detektoranordnung 122 zurückreflektiert. Der Abbildungsmaßstab β = 2 ist dann gegeben, wenn der Abstand von der Lichtquelle 121 zur Gitter-Maßverkörperung 111 genau gleich dem Abstand von der Ebene der Gitter-Maßverkörperung 111 zur Detektionsebene ist. In diesem Fall werden die Strukturen auf der Gitter-Maßverkörperung 111 genau doppelt so groß auf die Detektoranordnung 122 projiziert. Diesbezüglich sei ergänzend auf die Beschreibung der Figuren 6 und 7 der vorstehend erwähnten deutsche Patentanmeldung Nr. 102018200449.8 verwiesen.

[0087] Natürlich kann in einer abgewandelten Variante auch ein anderer Abbildungsmaßstab β ≠ 2 gewählt werden, nämlich dann, wenn die Emissionsebene der Lichtquelle sich nicht genau in der Detektionsebene befindet.

[0088] Wie im ersten Ausführungsbeispiel gewährleistet die in der Detektionsebene angeordnete, divergente Lichtquelle, dass die Abstandsänderungen durch die Taumelbewegung der Teilscheibe keine zusätzlichen Messfehler ergeben.

[0089] In einer bevorzugten Ausführungsform ist die Detektoranordnung 122 als zweidimensionale Detektoranordnung mit einer Mehrzahl von Detektorelementen ausgebildet, die mehrere Detektorspalten mit jeweils mehreren Detektorelementen aufweist. Die Detektorspalten sind hierbei entlang der kreisringförmigen Anordnungsrichtung mit einer ersten Detektions-Periodizität periodisch angeordnet, während die Detektorelemente in den Detektorspalten mit einer zweiten Detektions-Periodizität periodisch angeordnet sind. Auch hierzu sei ergänzend ausdrücklich auf die o.g. deutsche Patentanmeldung Nr. 102018200449.8 verwiesen.

[0090] In diesem Ausführungsbeispiel ermöglicht die vorgesehene Abtastung die Erfassung des azimutalen Drehwinkels der Teilscheibe 110 sowie die Erfassung der radialen Auslenkung der Teilscheibe 110 aus einer einzigen Spur der Gitter-Maßverkörperung 111 auf der Teilscheibe. Diesbezüglich sei ebenfalls ausdrücklich auf die Beschreibung der Figuren 8a und 8b aus der Erläuterung der deutschen Patentanmeldung Nr. 102018200449.8 verwiesen, wo die Gewinnung von Informationen bezüglich eines tangentialen bzw. radialen Versatzes von Teilscheibe und Abtasteinheit mittels einer derartigen Abtastung beschrieben wird.

[0091] Die neutralen Drehpunkte im Zusammenhang mit der Drehwinkel-Erfassung und der Verschiebungs-Erfassung der Teilscheibe 110 fallen damit zusammen; konkret liegt der neutrale Drehpunkt hier in der Detektionsebene 125 der Detektoranordnung 122.

[0092] Das Vorgehen zur Korrektur der exzentrizitäts- und taumelbedingten Drehwinkel-Fehler aus den erfassten Signalen Sr, Sϕ bezüglich der radialen Teilscheibenverschiebung und bezüglich des azimutalen Drehwinkels erfolgt ansonsten wie im vorher erläuterten Beispiel.

[0093] Neben den konkret beschriebenen Ausführungsbeispielen existieren im Rahmen der vorliegenden Erfindung selbstverständlich noch weitere Ausgestaltungsmöglichkeiten.

[0094] So ist es auch möglich, dass die Korrekturwerte nicht nur während des Kalibrierbetriebs aufgenommen werden, sondern auch während des Messbetriebs ständig aktualisiert werden. Dazu müssen auch während des Messbetriebs die radialen Messwerte bestimmt und die Korrekturwerte entsprechend angepasst werden. Diese Anpassung kann entweder unmittelbar in voller Größe oder abgedämpft durch Mittelung mit zurückliegenden Korrekturwerten erfolgen.

[0095] Es ist weiterhin möglich, dass die radiale Abtastung und die azimutale Abtastung nicht an der selben azimutalen Position erfolgt. In einem solchen Fall findet die durch die Beziehung 19) beschriebene Korrektur dann nicht um 90° versetzt statt, sondern um einen entsprechenden anderen Wert usw..


Ansprüche

1. Optische Positionsmesseinrichtung zur Erfassung des Drehwinkels zwischen zwei zueinander rotatorisch beweglichen Objekten, mit

- einer um eine Drehachse rotierenden Gitter-Maßverkörperung (11; 111), die als Reflexionsgitter ausgebildet ist und aus deren Abtastung sowohl Positionsinformationen bezüglich einer azimutalen Drehbewegung um die Drehachse als auch bezüglich einer radialen Verschiebung der Gitter-Maßverkörperung (11; 111) erzeugbar sind,

- mindestens einer Detektionseinheit zur Abtastung der rotierenden Gitter-Maßverkörperung (11; 111), um den azimutalen Drehwinkel (ϕmess(Θ)) sowie eine radiale Verschiebung (Δrmess(Θ)) der Gitter-Maßverkörperung (11; 111) zu bestimmen,

- wobei die neutralen Drehpunkte der Abtastungen der Gitter-Maßverkörperung (11; 111) zur Drehwinkel- und Verschiebungsbestimmung in der gleichen Ebene liegen, wobei diese Ebene parallel zur Gitter-Maßverkörperung (11; 111) liegt und der neutrale Drehpunkt denjenigen Ort bezeichnet, um den die Gitter-Maßverkörperung (11; 111) oder die Detektionseinheit ohne Positionsversatz verkippbar ist.


 
2. Optische Positionsmesseinrichtung nach Anspruch 1, wobei die Gitter-Maßverkörperung (11) eine Radial-Teilung (11.1) sowie eine hierzu benachbart angeordnete Kreisring-Teilung (11.2) umfasst.
 
3. Optische Positionsmesseinrichtung nach Anspruch 2, mit einer ersten Detektionseinheit (22) zur Abtastung der Radial-Teilung (11.1) und einer zweiten Detektionseinheit (23) zur Abtastung der Kreisring-Teilung (11.2).
 
4. Optische Positionsmesseinrichtung nach Anspruch 1, wobei die Gitter-Maßverkörperung (111) aus kreisringförmig und periodisch mit einer ersten Maßverkörperungs-Periodizität (MVP1) angeordneten Streifenelementen (111.1, 111.2, 111.3,....) besteht, deren Längserstreckungsrichtung radial orientiert ist und wobei die Streifenelemente (111.1, 111.2, 111.3,....) zur Absolutpositionscodierung entlang ihrer Längserstreckungsrichtung eine periodische Struktur mit einer zweiten Maßverkörperungs-Periodizität (MVP2) besitzen.
 
5. Optische Positionsmesseinrichtung nach Anspruch 4, wobei die Detektionseinheit eine einzige Lichtquelle (121) sowie eine einzige Detektoranordnung (122) umfasst.
 
6. Optische Positionsmesseinrichtung nach Anspruch 5, wobei die Detektoranordnung (122) als zweidimensionale Detektoranordnung mit einer Mehrzahl von Detektorelementen ausgebildet ist und mehrere Detektorspalten mit jeweils mehreren Detektorelementen aufweist, wobei die Detektorspalten entlang der kreisringförmigen Anordnungsrichtung mit einer ersten Detektions-Periodizität periodisch angeordnet sind und die Detektorelemente in den Detektorspalten mit einer zweiten Detektions-Periodizität periodisch angeordnet sind.
 
7. Optische Positionsmesseinrichtung nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die optische Abtastung der Gittermaßverkörperung (111) als Zentralprojektions-Abtastung mit dem Abbildungsmaßstab β = 2 ausgebildet ist und eine divergente Lichtquelle (121) sowie eine Detektoranordnung (122) umfasst, welche entlang mindestens einer Richtung periodisch ausgebildet ist.
 
8. Optische Positionsmesseinrichtung nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche, mit einer Signalverarbeitungseinheit (30; 130), die derart eingerichtet und ausgebildet ist,

- dass die in einem Kalibrierbetrieb über mindestens eine vollständige Umdrehung der Gitter-Maßverkörperung (11; 111) gewonnenen, drehwinkelabhängigen Messwerte zu einer radialen Verschiebung (Δrmess(Θ)) der Gitter-Maßverkörperung (11; 111) weiterverarbeitet und als drehwinkelabhängige Korrekturwerte (ϕkorr) in einem Speicher der Signalverarbeitungseinheit (30; 130) ablegbar sind, und

- dass im Messbetrieb die im Speicher abgelegten drehwinkelabhängigen Korrekturwerte (ϕkorr) von der Signalverarbeitungseinheit (30; 130) herangezogen werden, um den gemessenen azimutalen Drehwinkel (ϕmess(Θ)) bezüglich vorliegender Exzentrizitäts- und Taumelfehler zu korrigieren.


 
9. Optische Positionsmesseinrichtung nach Anspruch 8, wobei die Signalverarbeitungseinheit (30; 130) derart eingerichtet und ausgebildet ist, um die im Kalibrierbetrieb gewonnenen, drehwinkelabhängigen Messwerte zu einer radialen Verschiebung (Δrmess(Θ)) der Gitter-Maßverkörperung (11; 111) von der Signalverarbeitungseinheit (30; 130) im Messbetrieb zur Korrektur eines um 90° versetzten Drehwinkels bezüglich vorliegender Exzentrizitäts- und Taumelfehler zu nutzen.
 
10. Optische Positionsmesseinrichtung nach Anspruch 8, wobei die Signalverarbeitungseinheit (30; 130) den Drehwinkel bezüglich vorliegender Exzentrizitäts- und Taumelfehler folgendermaßen korrigiert:

mit:

ϕout := ausgegebene, korrigierte Winkelposition

ϕmess(Θ) := Drehwinkel-Wert der azimutalen Abtastung

ϕkorr(Θ) := drehwinkelabhängiger Korrekturwert


 




Zeichnung











































Recherchenbericht









Recherchenbericht




Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente