[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine unbrennoare, außen auf Gebäude und industrielle
Einrichtungen, wie zum Beispiel Öltanks, aufzubringende Wärmedämmschicht aus Mineralfasern,
die gleichzeitig als Träger einer Putzschicht oder einer anderen Oberflächen-Beschichtung
wirksam ist.
[0002] Es ist bekannt, Gebäude und andere Objekte von außen mit Mineral- Faser-Platten oder
-Matten gegen Wärmeverluste zu schützen. Dies wird meist in der Weise durchgeführt,
daß Platten oder rollbare Matten aus Glas- oder Mineralwolle durch Ankleben, Annageln
oder Anschrauben an dem zu isolierenden Objekt befestigt werden, während zusätzlich
eine Verkleidung auf einem dafür geeigneten Unterbau (zum Beispiel Zementasbest-Platten
auf Lattenrost) zum Schutz von Wärmedämmung und Baukörper gegen Witterungseinflüsse
angebracht wird. Fachlich wird ein solches System als vorgehängte Fassade bezeichnet.
Eine solche Konstruktion ist jedoch sehr aufwendig. Es lag daher nahe, die Mineralfaser-Platten
ohne die aufwendige Konstruktion einer vorgehängten Fassade unmittelbar mit einer
schützenden Deckschicht zu versehen, die aus Putz oder aufgeklebten Platten bestehen
kann. Solche Deckschichten haben jedoch nicht gehalten, weil sich die Mineralfaser-Platten
infolge ihrer losen Bindung und der parallel zur Oberfläche verlaufenden Faserrichtung
sehr leicht spalten lassen. Die Verankerung der Deckschichten am Baukörper ist daher
völlig unzureichend.
[0003] Man hat daher versucht, anstelle der Mineralfaser-Platten Wärmedämmplatten aus organischem
Schaum, wie Styrolschaum, Polyurethanschaum und anderen an das zu isolierende Objekt
anzukleben oder auch mechanisch zu oefestigen und dann mit geeigneten Deckschichten
zu versehen. Wärmedämmschichteh aus solchen Schäumen sind sehr steif und hart und
können die Zugbeanspruchung der Deckschicht leicht auf den Baukörper übertragen.
[0004] Es hat sich jedoch bald gezeigt, daß die hohe Festigkeit der Wärmedämmschichten aus
organischem Schaum gleichzeitig erhebliche Nachteile brachte. Auf der Oberfläche eines
Baukörpers können durch Sonneneinstrahlung einerseits und durch Frost andererseits
Temperatur-Differenzen von 70°C und mehr auftreten. Normaler Weise wird diese Temperatur
vom Baukörper aufgenommen und ausgeglichen, sodaß zwischen Baukörper und Deckschichten
keine so wesentlichen Temperaturdifferenzen entstehen, daß dadurch erhebliche mechanische
Spannungen auftreten, die zur Ablösung des Putzes oder Platten-Materials führen können.
[0005] Anders ist die Situation jedoch, wenn zwischen Baukörper und Deckschicht eine Wärmedämmschicht
vorhanden ist. In diesem Fall bleibt die Baukörpertemperatur konstant, während die
Temperatur der Deckschicht erheblich schwankt, weil der Wärmeübergang und damit der
Temperaturausgleich durch die Wärmedämmschicht verhindert wird. Das hat zur Folge,
daß die Deckschicht aus Putz oder Plattenmaterial je nach Temperatureinwirkung erheblichen
Längenänderungen unterworfen ist, sodaß Spannungen entstehen können, die bei unnachgiebigem
Untergrund zur Ablösung der Deckschicht führen.
[0006] Auch das Armieren der Deckschicht aus Putzmörtel mit Glasfasergewebe und das Überdecken
der Fugen der Wärmedämmplatten mit Gewebestreifen oder Faservlies konnte diesem Übelstand
nicht abhelfen.
[0007] Aus dem gleichen Grunde kam es auch zu Schäden bei der Verwendung der an sich weichen
Mineralfaser-Platten oder -matten, weil hier zwar nicht die Deckschicht von den Platten
abriß, jedoch die Platten selber aufspalteten und damit die Haftung der Deckschicht
am Gebäude unterbrochen wurde.
[0008] Weiterhin versagen Dämmplatten aus organischem Schaum bei Hitzeeinwirkung im Brandfall.
Selbst wenn solche Schaumstoff-Platten schwerentflammbar eingestellt sind, so führt
eine Temperatur von nur 200°C bereits zur Erweichung, zum Abschmelzen oder Verkohlung
des Materials: die aufgebrachte Deckschicht löst sich ab und gefährdet die Löschmannschaft
und andere Personen.
[0009] Die Erfindung hat sich nun die Aufgabe gestellt, eine Wärmedämmschicht zu entwickeln,
die den geschilderten Beanspruchungen gerecht wird, die im Brandfall nicht versagt
und die Anwendung normaler Putzmethoden sowie die Anbringung von Plattenmaterial mit
Bindemitteln beziehungsweise mit Klebstoffen gestattet, ohne daß irgendwelche Schäden
zu befürchten sind.
[0010] Erfindungsgemäß besteht die Wärmedämmschicht aus Mineralfaser-Lamellen. Als Mineralfaser-Lamellen
werden aus Mineralwolle-Platten geschnittene gleichmäßig breite Streifen bezeichnet,
die um 90 gedreht und wieder zu einer gschlossenen Platte zusammengefügt werden. Solche
Platten weisen eine Faserrichtung senkrecht zur Oberfläche auf, sie haben eine bürstenartige
Struktur.
[0011] Nun ist bekannt, daß Dämmschichten aus Mineralfasern, bei denen die Faserrichtung
senkrecht zur Oberfläche wie bei einer Bürste eingestellt ist, eine sehr hohe Eigenfestigkeit
aufweisen. Bereits 1937 wurde in den USA das Patent Nr. 2 160 001 angemeldet, das
eine belastbare Dämmschicht aus quer zur Plattenebene eingestellten Fasern beschreibt.
Da man jedoch solche Faserstreifen nicht einzeln am Bau ankleben kann, sondern bei
fast allen Anwendungsformen, wie zum Beispiel auch bei der Herstellung von Sandwich-Elementen
mit einem Faserkern, Feuerschutztüren usw. eine leicht hantierbare Platte braucht,
sind eine Reihe von Vorschlägen gemacht worden, solche Bahnen oder Platten mit einseitiger
oder zweiseitiger Kaschierung oder Beschichtung herzustellen. Solche Faserlamellen-Platten
oder -Bahnen sind in den folgenden Patentschriften oder -Anmeldungen näher beschrieben:
US-Patente Nr. ; 373 500, 2 546 230, 2 949 953, 3 012 923, 3 048 513, 3 230 995, 3
345 341, 3 736 215; deutsche Patente Nr. 1 047 702, 1 459 973, 1955 624, 2 223 101,
2 307 577, 2 307 873, 2 327 428 sowie das deutsche Gebrauchsmuster 73 19 376, sowie
weitere Patentschriften mit ähnlichem Inhalt.
[0012] Allen diesen Vorschlägen ist eigen, daß die Beschichtung zum Zusammenhalten der Faserlamellen-Streifen
vollflächig erfolgt, sodaß sie immer als Trennschicht zwischen der eigentlichen Faser-
Lamellen-Platte und dem zu isolierenden Objekt wirkt, auf dem die Lamellen-Platte
oder Lamellen-Rollbahn mit Hilfe eines Bindemittels aufgebracht werden soll. In gleicher
Weise wirkt eine solche Beschichtung bei dem Auforingen der Putzschichten. Weiterhin
wird in einigen der genannten Schriften die Verwendung einer Papierbahn als Beschichtung
vorgeschlagen. Damit fällt aber im Brandfall das System auseinander.
[0013] Hier setzt nun der erfindungsgemäße Gedanke ein. Um eine dauerhafte, brandsichere
Sefestigung von Untergrund + Faser-Lamellen- Platte + Putzschicht zu erreichen, muß
das Bindemittel und der. Putz unmittelbar ohne störende Zwischenschicht mit den Faser-
Lamellen in Berührung kommen.
[0014] Erfindungsgemäß wird das dadurch erreicht, daß als einseitige oder zweiseitige Beschichtung
der Faser-Lamellen-Platte ein weitmaschiges Glasfaser-Gitternetz verwendet wird, das
möglichst nur entlang der Fäden mit den Lamellenstreifen verbunden wird. Damit bleibt
der Zwischenraum zwischen den Fäden des Glasfasergewebes frei und ermöglicht Bindemittel
und Putz ungehinderten Zutritt zu der Oberfläche der Faser-Lamellen.
[0015] Zur Erläuterung des erfindungsgemäBen Gegenstandes sind die Zeichnungen Fig. 1 -
4 beigefügt. Fig. 1 zeigt schematisch den Herstellungsvorgang von Lamellen und deren
Verbindung mit einem Glasfaser- Gitternetz. Aus den Schraffuren ist die Faserrichtung
ersichtlich. Die handelsübliche Mineralfaser-Platte (1) wir durch die Vorrichtung
(2) in gleichmäßig breite Streifen (3), die Lamellen geschnitten. Sie werden um 90
gedrehtund zu einer Lamellenbahn (4) aneinander gereiht.
[0016] Die Anordnung dieser Faserrichtung hat die folgenden Effekte: Die Wärmedämmschicht
(4) kann senkrecht zur Oberfläche erhebliche Zugkräfte aufnehmen. Es wurden Werte
bis zu 40 N/cm
2 gemessen. Mit solchen Festigkeiten ist die Verankerung einer Deckschicht auf dem
Mauerwerk mit Hilfe einer flächigen Verbindung mehr als gewährleistet.
[0017] Andererseits ist eine solche Lamellenschicht (4) bei Beanspruchuncen parallel zur
Oberfläche sehr nachgiebig. Die Fasern wirken gleich kleinen Pendelstützen. Daher
können Längenänderungen der Deckschicht aufgenommen werden, ohne daß Spannungen gegenüber
dem Untergrund oder Mauerwerk entstehen. Somit ist bei einer solchen erfindungsgemäßen
Wärmedämmung gewährleistet, daß eine beliebige steife Beschichtung, sei es als Putz
oder als aufgeklebte Platte, nach Einwirkung von Temperaturänderungen sich nicht von
der Wärmedämmschicht lösen kann.
[0018] Fig. 4 zeigt schematisch den Ausschnitt eines mit dem erfindungsgemäßen Wärmedämmsystem
versehenen Wandstücks in schichtweisem Aufoau. Auf dem Mauerwerk (10) ist die Wärmedämmschicht
(4) mit Hilfe des Sindemittels (11) befestigt. Auf der Wärmedämmschicht (4) ist wiederum
eine Bindemittelschicht (12) aufgeoracht, die wiederum die Deckschicht (13) sicher
festhält. Die Schichten (12 + 13) können ebenfalls aus einem zweischichtigen Außenputz
bestehen.
[0019] Die Wärmedämmschicht (4) ist hier beispielsweise als rollbare Lamellen-Matte gezeigt.
Um das zu erreichen, wird erfindungsgemäß, wie in Fig. 1 dargestellt, ein weitmaschiges
Gitternetz (5) mit Klebstoff (6) versehen und durch geeignete Vorrichtungen (7) auf
die Lamellenbahn (4) aufgebracht, sodaß die mit Gewebe (5) verbundene rollbare Lamellenbahn
(8) entsteht, die dann in Rollenform angeliefert wird.
[0020] Durch den erfindungsgemäßen Kunstgriff, nur das weitmaschige Gewebe (5) mit Klebstoff
(6) zu versehen, wird die in Fig. 2a vergrößert dargestellte Situation erreicht. Auf
der Lamellenbahn (4) ist das weitmaschige Gitternetz (5) nur entlang der Fäden (5)
mit Klebstoff (6) versehen, sodaß die Fasern der Lamellenplatte (4) zwischen den Fäden
(5) zur Benetzung mit anderen Bindemitteln offen liegen. Fig. 2b zeigt nocheinmal
vergrößert die Einbindung der Faser (5) mit Klebstoff (6) auf der Lamelle (4). Für
die praktische Ausführung gemäß Fig. 4 bedeutet das, daß die Bindemittelschichten
(11 + 12) unmittelbar an den Faserlamellen haften, obgleich das Gewebe (5) auf der
Lamellenbahn (4) aufgekleot ist. Das weitmaschige Gitternetz (5) kann aus Kunststoffasern,
Glasfasern oder Mineralfasern bestehen, jedoch nicht aus Fasern, die verrotten Können,
wie Hanf, Baumwolle oder ähnlichem.
[0021] Erfindungsgemäß kann dieses weitmaschige Gitternetz (5) nicht nur die Faserlamellen
(4) zu veraroeitungsgerechten Einheiten zusammenhalten, sondern auch als Armierung
für eine aufgebrachte Binder- oder Putzschicht (12) wirken. Das ist dadurch möglich,
weil die Binderschicht (12) das weitmaschige Gewebe (5) durchdringt und teilweise
sogar völlig umschließt, sodaß Spannungen innerhelb der Binderschicht (12) von dem
Gewebe (5) übernommen werden können und somit einer Rißbildung in der Deckschicht
(12 + 13) entgegengewirkt wird.
[0022] Vorteilhafter Weise wird, wie in Fig. 3a - c dargestellt, das Gewebe (5) etwas breiter
als die Lamellenbahn (8) zugeschnitten, damit ein einseitiger Überstand (9) entsteht,
der die Stoßkanten der Lamellenbahnen (8) überdeckt, wie in Fig. 4 dargestellt, so
daß eine lückenlose Putzarmierung sichergestellt ist. Fig. 3a zeigt die Aufsicht auf
eine solche Lamellenbahn (8).
[0023] Wird eine Faserlamellenbahn (4) einseitig erfindungsgemäß mit einem mit Klebstoff
(6) versehenen weitmaschigen Gitternetz (5) wie in Fig. 1 und Fig. 3c verbunden, entsteht
eine rollbare Lamellenbahn (8).
[0024] Wird jedoch die andere Seite der Lamellenbahn (4) ebenfalls auf erfindungsgemäße
Weise mit einem weitmaschigen mit Klebstoff (6) versehenen Gitternetz (5) verbunden,
so entsteht eine steife Lamellenplatte nach Fig. 3b.
[0025] Eine solche Platte kann in gleicher Weise verlegt und befestigt werden, wie die bisher
üblicher Weise verwendeten Dämmplatten aus brennbarem Hartschaum.
[0026] Die Beschichtung mit Glasfasergewebe ist zwar schon in der deutschen Patentanmeldung
Nr. 2 307 577 und in dem deutschen Gebrauchsmuster Nr. 73 19 376 erwähnt, wooei jedoch
eine vollfläcnige Versletung der Beschichtung mit der Faserlamellenschicht vorgesehen
ist. Der Klebstoff wirkt als Trennschicht. Es fehlt die wesentliche Erkenntnis, daß
nur ein weitmaschiges nur entlang der Fäden verklebtes Glasfasergitternetz den Zutritt
des Bindemittels und der Putzschichten zum eigentlichen tragenden Lamellenkern ermöglicht.
[0027] Da nun erfindungsgemäß nach Fig. 4 die Verankerung (11) der Wärmedämmschicht aus
Faserlamellen (4) nit dem Untergrund (10) und die der Deckschichten (12 + 13) mit
den Faserlamellen (4) unmittelbar mit der Faser (4) erfolgt, können die Klebstoffe
(6) zur Verbindung des weitmaschigen Gewebes (5) und der Faserlamellen (4) beliebiger
Art sein, da sie auf den Zusammenhalt des gesamten Systems keinen Einfluß haben.
[0028] Es können daher als Kleber (6) zur Verbindung des weitmaschigen Gitternetzes (5)
mit den Faserlamellen (4) sowohl organische als auch anorganische Substanzen verwendet
werden. Danr ist auch die Anwendung von Schmelzklebern, Heißklebern, lösungsmittelhaltigen
Klebern, Schweißbahnen, ferner Dispersionsklebern, sowie anorganischen hydraulisch
abbindenden Klebern möglich. Die in Fig. 1 gezeigte Klebstoffapplikation (6) durch
Eintauchen ist nur beispielhaft. Ebenso kann der Kleber durch Aufspritzen, Aufwalzen,
Einlegen einer Schweißfolie oder andere zum Stand der Technik gehörende Vorrichtungen
auf das Gewebe aufgetragen werden. Je nach Temperaturbeständigkeit der verwendeten
Gewebefasern (5) kann der Abbinde- oder Erhärtungsprozess des Klebers (6) mit Hitzeeinwirkung
beschleunigt werden oder der Auftrag im HeiBverfahren erfolgen, wobei die Erhärtung
durch Abkühlung erfolgt. Ebenso können anorganische Binder, wie Phosphatbinder durch
höhere Temperaturen zur Reaktion gebracht werden. Der in Fig. 1 gezeigte Andrückvorgang
(7) kann mit Hilfe zum Stand der Technik gehörender Einrichtungen mit einer solchen
Hitzebehandlung kombiniert werden.
[0029] Bei der Auswahl des Binders zwischen Untergrund und Faserlamellen sowie des Binders
zur Befestigung der Deckschicht beziehungsweise des Putzes auf den Wärmedämmbahnen
aus Faserlamellen sind wesentlich Fakten zu berücksichtigen, um die Beständigkeit
solche Verbindungen sicherzustellen.
[0030] Die Erfahrung hat gezeigt, daß alkalische Stoffe wie Portlandzement und Weißkalkhydrat
Mineralfasern, insbesondere Glasfasern erheblich angreifen können. Das geschieht bei
Anwesenheit von Feuchtigkeit und kann solange andauern, bis der Kalk im Zement oder
Putzmörtel vollständig karbonisiert ist. Dieser Angriff kann zur vollständigen Auflösung
der Fasern führen, sodaß es nach Fig. 4 an der Berührungsstelle zwischen Faser (4)
und Bindemittel (11) beziehungsweise Putz (12) zur Auflösung der Verbindung kommen
kann, soda3 der Putz (12 + 13) oder die Faser-Lamellenbahn (4) abfällt.
[0031] Erfindungsgemäß wird dieser Gefahr wie folgt begegnet. Umfangreiche Versuchsreihen
haben gezeigt, daß die Intensität einer Alkalireaktion mit Mineralfasern aus verschiedenen
Rohstoffen sehr verschieden ist. Am wenigsten resistent sind Glasfasern, wesentlich
besser ist das Verhalten von Mineralfasern aus kalkarmen Basalt oder aus Rohstoffen,
die nach der Schmelze ein Puzzolan bilden.
[0032] Daher werden erfindungsgemäß für ein solches Wärmedämmsystem vorzugsweise Mineral-Faser-Lamellen
aus 8asaltfasern, Puzzolanfasern oder Tonerdefasern eingesetzt. Auch läßt sich ein
speziell als alkaliresistent entwickeltes Zirkonglas als Faserrohstoff verwenden.
Fasern aus diesen Rohstoffen können in Verbindung mit alkalihaltigen Bindemitteln
wie Portlandzement oder Weißkalkhydrat erfindungsgemäß verarbeitet werden, wenn diesen
Bindern soviel kalkbindende Stoffe beigegeben werden, daß austretender freier Kalk
zuverlässig gebunden wird. Solche kalkbindenden Stoffe sind Puzzolane oder aktive
Kieselsäure. Als Puzzolane sind bekannt Trass, Flugasche und andere, als Kieselsäure
können Quarzmehl oder Si0
2-Stäube sowie andere Si0
2-Verbindungen verwendet werden.
[0033] Soll eine mögliche Reaktion zwischen Faser-Lamellen-Schichten (4) und Binder (11
+ 12) grundsätzlich vermieden werden, insbesondere dann, wenn die Faser-Lamellen-Schicht
aus handelsüblicher Glasfaser besteht, so wird als Binder (11 + 12) und als Putzschicht
(13) erfindungsgemäß ein Dispersionsbinder verwendet auf der Basis verschiedener bekannter
geeigneter Kunstharze. Solche Binder und Putze greifen Glasfasern nicht an und sind
witterungsbeständig. Andererseits jedoch bestehen diese Binder und Putze aus organischen
Stoffen und zerfallen bei Brandeinwirkung relativ rasch.
[0034] Soll nun eine besonders temperaturbeständige Befestigung und Seschichtung der Wärmedämmschicht
aus Faser-Lamellen (4) erfolgen, so kann erfindungsgemäß als Bindemittel Tonerdeschmelzzement
verwendet werden, um geeignete Verbindungsschichten (11 + 12) und Oberflächen-Beschichtungen
(13) herzustellen. Tonerdeschmelzzement enthält keinen freien Kalk und greift daher
auch Glasfasern nicht an.
[0035] Ergänzend soll erwähnt werden, daß mit einer Faserlamellen-Platte jede gewünschte
Dämmschichtdicke einstellbar ist. Normale Dämmplatten aus Mineralwolle können nur
bis 100 mm Dicke gefertigt werden. Aus beliebig dünnen Rohplatten können die Lamellenstreifen
in der gewünschten Breite geschnitten werden, die Breite (zum Beispiel 200 mm) ergibt
dann die Dicke der Dämmschicht aus Faserlamellen.
[0036] Das erfindungsgmäße Wärmedämmsystem stellt einen erheblichen technischen Fortschritt
dar, weil es folgende Eigenschaften in sich vereint:
- Beliebig einstellbare Schichtdicke
- Zugfeste Verbindung zwischen Untergrund und Oberfläche
- Spannungsfreie Kompensation temperaturbedingter Längenänderungen der Oberfläche
- Armierung der Oberflächenschicht ohne zusätzlichen Aufwand
- hohe Wärmedämmung
- unbrennbar
- unverrrottbare Bestandteile
- offene Porosität = keine Feuchtigkeitsspeicherung
- einfache Befestigung mit bekannten Bindemitteln und handelsüblichem Gerät
- Reaktionssichere Verbindung von Fasern und Bindemittel
1. Auf Gebäude oder industrielle Einrichtungen aufzubringende äußere Wärmedämmschicht
mit Oberflächenbeschichtung dadurch gekennzeichnet, daß
a) als Wärmedämmschicht Glasfaser- oder Mineralfaser-Lamellen- Bahnen (4) verwendet
werden, bei denen die Faserrichtung senkrecht zur Oberfläche eingestellt ist,
b) diese Faser-Lamellen (3) durch ein weitmaschiges Gewebe (5) auf der Oberfläche
verbunden werden, sodaß sie als Rollbahnen (Fig. 3c) oder Platten (Fig. 3b) montiert
werden können, wobei die Verbindung des Gewebes (5) mit den Lamellen (4) durch Klebstoff
(6) erfolgt, der nur entlang der Gewebefäden (Fig. 2, 5 + 6) aufgetragen wird, sodaß
die Zwischenräume zwischen den Gewebefäden (5) nicht vom Klebstoff (6) überdeckt sind.
2. Wärmedämmschicht nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß die Mineralfaser-Lamellen
(4) vorzugsweise aus einer weitgehend alkaliresistenten Faser wie Basaltfaser, Puzzolanfaser,
Tonerdefaser oder Zirkonglasfaser bestehen.
3. Wärmedämmschicht nach Anspruch 1 + 2 dadurch gekennzeichnet, daß das weitmaschige
Gewebe (5) auf den Lamellen-Bahnen (B) aus fäulnisbeständigem Material wie Kunstharzfäden,
Glasseide oder Mineralfasern besteht.
4. Wärmedämmschicht nach Anspruch 1 - 3 dadurch gekennzeichnet, daß das weitmaschige
Gewebe (5) nur einseitig auf die Lamellenbahnen (8) aufgebracht wird, sodaß eine rollbare
Matte (Fig6. 3c) entsteht, wobei diese Matte (8) so montiert wird, daß das weitmaschige
Gewebe sich an der Außenseite befindet.
5. Wärmedämmschicht nach Anspruch 1 - 3 dadurch gekennzeichnet, daß das weitmaschige
Gewebe (5) von zwei Seiten auf die Lamellenbahn (8) aufgebracht wird, sodaß eine steife
Platte (Fig. 3b) aus Lamellenstreifen entsteht.
5. Wärmedämmschicht nach Anspruch 1 - 5 dadurch gekennzeichnet, daß die außenliegende
Geweoeschicht (5) breiter als die Lamellenbahn (4) zugeschnitten wird, sodaß die Stoßkanten
der Lamellenbannen oder -platten (8) von der überstehenden Gewebekante (9) überdeckt
werden.
7. Wärmedämmschicht nach Anspruch 1 - 6 dadurch gekennzeicnnet, daß zur Befestigung
der Faserlamellen (4) am Baukörper (Fig. 4, 10) und/oder von Oberflächenplatten (13)
auf den Faserlamellen (4) und/oder zur Herstellung eines Außenputzes (12 + 13), der
direkt auf die Wärmedämmschicht (4) aufgeoracht wird, Bindemittel (11 + 12) verwendet
werden, die alkalifrei sind und/ oder keine freie Alkalität aufweisen, wie zum Beispiel
Kunstharz-Dispersions-Binder oder -Putze.
8. Wärmedämmschicht nach Anspruch 1 - 6 dadurch gekennzeichnet, daß der Binder oder
Putz (Fig. 4, 11 - 13) aus einem alkalisch reagierenden Grundstoff wie Portland-Zement,
Weißkalkhydrat oder einer Mischung aus beiden zusammengesetzt ist, dem jedoch in ausreichender
Menge kalkbindende Stoffe, wie Puzzolane und/oder Silikate beigegeben werden, sodaß
austretender oder sich lösender freier Kalk zuverlässig gebunden wird.
9. Wärmedämmschicht nach Anspruch 1 - 6 dadurch gekennzeichnet, daß der Binder oder
Putz (Fig. 4, 11 - 13) mit Hilfe eines hydraulisch abbindenden jedoch alkalifreien
Zementes, wie Tonerde-Schmelz-Zement, hergestellt wird.