[0001] Die Erfindung betrifft ein elektrolytisches Silberraffinationsverfahren, bei dem
Rohsilber anodisch aufgelöst und Raffinatsilber kathodisch abgeschieden wird, wobei
gleichzeitig aus dem gebrauchten Elektrolyten Begleitmetalle selektiv extrahiert und
nach überführen in eine wässerige Phase gesondert kathodisch abgeschieden werden,
sowie der regenerierte, begleitmetallarme Elektrolyt in die Silberelektrolyse rückgeführt
wird.
[0002] Ein derartiges Verfahren mit Anlage ist beispielsweise in der CH-PS 614 238 beschrieben.
[0003] Bei der elektrolytischen Silberraffination, die üblicherweise nach dem Köbius- oder
Balbach/Thumverfahren durchgeführt wird, sind die im Anodenrohsilber vorhandenen unedleren
Begleitmetalle, insbesondere das Kupfer, eine wesentliche Belastung des Verfahrens,
da sie gelöst werden und sich im Elektrolyten anreichern. In üblichen Silbernitratbädern
wird ein Cu-Gehalt von etwa 60 g/1 als höchstzulässiger Wert angesehen; darüber kann
eine kathodische Kupferabscheidung eintreten, zumindest aber werden vom Raffinatsilber
Cu-Salze eingeschlossen, so daß die Feinheitsanforderungen nicht mehr erfüllt werden.
Der gebrauchte Elektrolyt muß daher regeneriert oder von Zeit zu Zeit ausgetauscht
werden.
[0004] Es wurde dabei bereits mit Elektrolytkreislauf gearbeitet, wobei gebrauchter Elektrolyt
aus der Raffinationszelle abgezogen, auf dem Extraktionsweg Cu daraus entfernt und
der so regenerierte, Cu-arme Elektrolyt wieder in die Raffinationszelle rückgeführt
wurde. Das extrahierte Cu wurde in eine wässerige Phase übergeführt und gesondert
kathodisch abgeschieden. Als selektive Extraktionsmittel für Cu ist eine große Zahl
organisches Reagenzien bekannt geworden; so arbeitet z.B. das oben beschriebene bekannte
Verfahren nach dem Prinzip der Lösungsmittelextraktion mit Chelatbildnern wie Phenonoximen
oder Chinolinen. Dabei wird der gebrauchte Elektrolyt in Mixer/Settleranlagen extrahiert
und aus der organischen Extraktphase das Cu mit einersauren Abstreiflösung abgestreift.
Die beladene Abstreiflösung wird elektrolysiert, wobei Cu sowie gegebenenfalls auch
Ni kathodisch abgeschieden werden können. Je nach dem Chelatbildner und den Arbeitsbedingungen
ist es möglich, Begleitmetalle mehr oder weniger selektiv zu extrahieren. Die organische
Phase (Lösungsmittel + Extraktionsmittel) wird gewaschen. Die organische Phase, die
durch Elektrolyse regenerierte Abstreiflösung sowie der regenerierte Elektrolyt werden
im Kreislauf geführt.
[0005] Infolge der gleichzeitigen Lösung von Cu und Ag an der Anode wird an der Kathode
mehr Ag abgeschieden, als an der Anode aufgelöst wird. Der Elektrolyt verarmt daher
an Silber und es ist nötig, dem regenerierten Elektrolyten zum Ausgleich reines Silbernitrat
(als Lösung) zuzusetzen. Dies stellt eine Belastung des Verfahrens dar, da reines
Silbernitrat ein teures Produkt darstellt.
[0006] Es bestand daher die Aufgabe, ein Verfahren der eingangs genannten Art zu schaffen,
bei dem eine kontinuierliche vollständige Regenerierung des Elektrolyten erfolgt,
bei der auch der Silbermangel ohne Zusatz von Silbernitratlösung ausgeglichen wird.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß vor allem dadurch gelöst, daß in einem gemeinsamen
Elektrolysevorgang der gebrauchte Elektrolyt anodisch mit Silber angereichert sowie
Begleitmetalle aus der wässerigen Phase kathodisch abgeschieden werden, wobei als
Extraktionsschritt(e) gegebenenfalls eine Flüssigmembranpermeation, vorzugsweise in
Kombination mit einer Lösungsmittelextraktion, vorgesehen ist.
[0008] Die erfindungsgemäße Anlage zur Durchführung dieses Verfahrens weist dementsprechend
neben mindestens einer Raffinationszelle, mindestens einer Elektrolysezelle zur kathodischen
Abscheidung der Begleitmetalle und mindestens einer Extraktionseinrichtung zur Extraktion
der Begleitmetalle aus dem gebrauchten Elektrolyten und zur überführung der extrahierten
Begleitmetalle in eine wässerige Phase mindestens eine gemeinsame Elektrolysezelle
zur Anreicherung des gebrauchten Elektrolyten mit Silber und zur kathodischen Abscheidung
der Begleitmetalle auf, die vorzugsweise als Diaphragmazelle mit einem anionischen
Diaphragma ausgebildet ist.
[0009] In der gemeinsamen Elektrolysezelle wird Ag anodisch aufgelöst, wobei vorteilhaft
eine Rohsilberanode eingesetzt wird, da der Begleitmetallgehalt nicht vollständig
eliminiert, sondern nur herabgesetzt zu werden braucht. Der bei der kathodischen Abscheidung
der Begleitmetalle an der Kathode freiwerdende Strom unterstützt die Auflösung der
Silberanoden.
[0010] Es hat sich gezeigt, daß der Vorschlag gemäß der CH-PS 614 238, die begleitmetallbeladene
organische Extraktphase mit einer schwefelsauren Abstreiflösung zu reextrahieren,
technologisch nachteilig ist, da die abgestreifte organische Lösungsmittel/Extraktionsmittelphase
vor der Rückführung in die Extraktionsstufe sulfationenfrei gewaschen werden muß,
um den Raffinationselektrolyten (salpetersaure Lösung) nicht zu verunreinigen.
[0011] Erfindungsgemäß wird vorteilhaft ausschließlich mit gleichionigen, insbesondere salpetersauren
Lösungen auch beim Abstreifen gearbeitet, so daß dieses Problem nicht auftritt, insbesondere
der Betrieb der gemeinsamen Elektrolysezelle zur kathodischen Begleitmetallabscheidung
und zur anionischen Silberanreicherung störungsfrei möglich ist.
[0012] Das anionische Diaphragma hat dabei die Aufgabe,zu verhindern, daß Silber in den
Kathodenraum gelangt, wo es zusammen mit den Begleitmetallen wieder ausgeschieden
würde, sowie das gewünschte starke Konzentrationsgefälle an Nitrationen zwischen Kathoden-
und Anodenraum aufrecht zu erhalten.
[0013] Durch geeignete Auswahl der Begleitmetallextraktionsmittel, von denen sich die Chelatbildner
am selektivsten erwiesen haben, ist es möglich, die Mitextraktion von Silber soweit
zu unterdrücken, daß die elektrolytische Wiederbeladung des gebrauchten Raffinationselektrolyten
mit Silber auch vor der Begleitmetallextraktion durchgeführt werden kann.
[0014] Zur Begleitmetallextraktion wird beim erfindungsgemäßen Verfahren üblicherweise eine
Lösungsmittelextraktion durchgeführt, wobei zuerst der gebrauchte Raffinationselektrolyt
mit einer Lösungsmittel/Extraktionsmittelphase behandelt und diese anschließend mit
einer gleichionigen (N0
3-) Abstreiflösung gestrippt wird.
[0015] Es wurde jedoch gefunden, daß bezüglich der Extraktion anderer Begleitmetalle als
Cu, von denen insbesondere Pb, Platinmetane wie Pd oder Pt, Ni, W, Zn und Cd in Frage
kommen, Vorteile erzielt werden können, wenn als Extraktionsverfahren die Flüssigmembran-Permeation
angewendet wird, wobei auch Kombinationen von Lösungsmittelextraktion und Flüssigmembranpermeation
angewendet werden können.
[0016] Hiebei dient die Lösungsmittel/Extraktionsmittelphase als Trennmembran zwischen dem
gebrauchten Raffinationselektrolyten und der sauren Abstreiflösung, die in der Trennmembran
emulgiert wird. Nach dem übertritt (Permeation) des Begleitmetalls oder der Begleitmetalle
aus dem Raffinationselektrolyten in die organische Emulsionsphase wird die Emulsionsphase
abgetrennt und in bekannter Weise in eine wässerige Phase (beladene Abstreiflösung)
und eine organische Phase (Lösungsmittel/Extraktionsmittel) desintegriert. Die beladene
Abstreiflösung wird durch anschließende Begleitmetallelektrolyse oder Wertstoffabtrennung
ohne Elektrolyse wieder regeneriert und erneut in der organischen Phase emulgiert.
Die organische Phase dient hier nur als selektives Trennmedium zwischen den wässerigen
Phasen (gebrauchter Raffinationselektrolyt und Abstreiflösung), so daß sie nicht,
wie bei der Flüssig/Flüssigextraktion, das Begleitmetall aufnehmen muß. Dies ergibt
einen deutlich verringerten Lösungsmittelaufwand sowie hohe Anreicherungsraten, z.B.
im Bereich von 1:100.
[0017] Das erfindungsgemäße Verfahren wird im folgenden an Hand von Beispielen unter Bezugnahme
auf die Zeichnung näher erläutert, in der Fig. 1 ein Fließbild einer erfindungsgemäßen
Anlage zu seiner Durchführung darstellt; Fig. 2 ist ein schematischer Aufriß einer
Diaphragmazelle im Schnitt und Fig. 3 ein entsprechender Grundriß.
[0018] Aus der Raffinationszelle 1 fließt der gebrauchte Elektrolyt E
1 in den Anodenraum 2 einer Diaphragmaelektrolysez
plle 2,8, wo er durch anodische Auflösung einer Silberanode mit Silber angereichert
wird. Anschließend gelangt der silberangereicherte Elektrolyt E2 in den Sammeltank
3, wo er durch überleiten über Cu/Ag-Schrott, durch Laugenzusatz od.dgl. auf einen
für die Extraktion geeigneten pH-Wert eingestellt wird. Der pH-justierte Elektrolyt
E3 gelangt sodann in eine zweistufige Extraktionsanlage 4,5, z.B. eine Mixer/Setteranlage,
wo er im Gegenstrom mit einer regenerierten Lösungsmittel/Extraktionsmittelphase (kurz
Solventphase) S
1 extrahiert wird. Dabei gelangt der pH-justierte Elektrolyt E
3 in den Mixer der ersten Extraktionsstufe 4, wird dort mit der in der zweiten Extraktionsstufe
5 bereits beladenen Solventphase S
2 extrahiert und gelangt aus dem Settler der ersten Extraktionsstufe 4 als vorextrahierter
Elektrolyt E
4 in den Mixer der zweiten Extraktionsstufe 5, wo mit der unbeladenen, regenerierten
Solventphase S
1 Begleitmetall extrahiert wird.
[0019] Aus dem Settler der zweiten Extraktionsstufe 5 wird der nunmehr regenerierte Elektrolyt
E
5 in die Raffinationszelle rückgeführt.
[0020] Die zweifach mit Begleitmetall beladene Solventphase S
3 gelangt aus dem Settler der zweiten Extraktionsstufe in den Mixer einer Waschanlage
6, wo der Silbergehalt durch Waschen mit einer kupferhaltigen Waschlösung W
1 herabgesetzt wird. Hiebei wird das Silber in der Solventphase S
3 durch Kupfer verdrängt und die silberbeladene Waschlösung W
2 wird in den Sammeltank 3 rückgeführt. Die Anordnung einer Waschanlage 6 ist nicht
unbedingt nötig.
[0021] Aus dem Settler der Waschanlage 6 gelangt die nunmehr silberarme Solventphase S
4 in den Mixer einer Abstreifanlage 7 und wird dort mit der regenerierten sauren Abstreiflösung
A
1 durch Reextraktion von Begleitmetall befreit oder der Begleitmetallgehalt im gewünschten
Maß herabgesetzt. Aus dem Settler der Abstreifanlage 7 wird die nunmehr regenerierte
Solventphase S
1 in den Mixer der zweiten Extraktionsstufe 5 rückgeführt.
[0022] Die begleitmetallbeladene Abstreiflösung A
2 gelangt aus dem Settler der Abstreifanlage in den Kathodenraum 8 der Diaphragmaelektrolysezelle
2,8, wo Begleitmetall kathodisch abgeschieden wird. Die dadurch regenerierte Abstreiflösung
A
1 wird in den Mixer der Abstreifanlage 7 rückgeführt. Man erkennt, daß beim erfindungsgemäßen
Verfahren eine elektrolytische Anreicherung des gebrauchten Elektrolyten mit Silber
und eine kathodische Abscheidung des extrahierten Begleitmetalls (insbesondere Kupfer)
gleichzeitig in einer gemeinsamen Elektrolysezelle durchgeführt wird.
[0023] Weiterhin ist ein geschlossener Kreislauf für Elektrolyt, Solventphase und Abstreiflösung
möglich.
[0024] Die Gesamtanordnung der Verfahrensstufen kann auch so erfolgen, daß der gebrauchte
Elektrolyt erst anschließend an die Begleitmetallextraktion durch anodische Auflösung
einer Silberelektrode mit Silber angereichert wird. Dabei wird der gebrauchte Elektrolyt
E
1 zuerst in die Extraktionsstufen 4,5 eingespeist und gelangt anschließend in den Anodenraum
2 der Diaphragmaelektrolysezelle, wo er mit Silber angereichert wird und dann in die
Elektrolysezelle 1 zurückgeht. Der Kreislauf der Solventphase und der Abstreifphase
bleibt unverändert. Diese Fahrweise hat den Vorteil, daß nicht soviel Ag in den Extrakt
S
3 mitgeschleppt wird.
[0025] Wenn beim erfindungsgemäßen Verfahren als Begleitmetalle Cu und z.B. W abgeschieden
werden sollen, kann beispielsweise vor der Einspeisung in den Anodenraum 2 der Diaphragmaelektrolysezelle
2,8 ein Teilstrom E
1' des gebrauchten Raffinationselektrolyten E
1 abgezweigt und einem Permeator P zugeführt werden, wo der Teilstrom E
1' durch selektiven Stoffaustausch mit einer Emulsion einer Abstreiflösung in einer
organischen Lösungsmittel/ Komplexbildnerphase von W befreit bzw. der W-Gehalt entsprechend
herabgesetzt wird. Der W-arme Elektrolyt E
1" wird in den Elektrolytstrom E
1 rückgeführt. Ähnliche Anordnungen können bezüglich der anderen Begleitmetalle getroffen
werden. Grundsätzlich können Extraktions- oder Permeationsstufen zur selektiven Abtrennung
verschiedener Begleitmetalle auch in Reihe geschaltet sein, mit oder ohne Fahrweise
mit Teilstrombetrieb. Die Aufbereitung der begleitmetallbeladenen Abstreiflösungen
zur Wertstoffgewinnung kann elektrolytisch, nach anderen bekannten Aufarbeitungsverfahren
oder durch eine Kombination der angegebenen Verfahren erfolgen.
[0026] In den Figuren 2 und 3 erkennt man schematisch die Diaphragmazelle mit einer anionischen
Membran M, der Cu-Kathode CA und der Rohsilberanode AN, den Elektrolyten, den Vorgängen
in der Zelle sowie mit der Führung von Elektrolyt E und Abstreiflösung A.
[0027] In den folgenden Beispielen wird auf die vorstehend beschriebene Verfahrensführung
und Anlage Bezug genommen:
Beispiel 1:
[0028] Aus dem Anodenraum 2 der Diaphragmazelle 2,8 gelangt ein Ag-angereicherter gebrauchter
Elektrolyt E
2 mit 37,7 g/1 Cu und 67 g/1 Ag in den Vorratstank 3 und wird von dort mit 1 1/h abgezogen
und in den beiden Extraktionsstufen 4,5 mit 2 1/h eines Extraktionsmittels S
1 extrahiert, das aus 20 Vol.-Teilen Acorga PT 5050 (Acorga Ltd.) als Komplexbildner
und 80 Vol.-Teilen Shellsol AB (aromatisches Lösungsmittel der Shell Intern.) als
Verdünnungsmittel besteht. Der Komplexbildner Acorga PT 5050 ist eine Mischung aus
2 Teilen 2-Hydroxy-5-nonylbenzaldoxim und 1 Teil Tridecanol. Der organische Extrakt
S
3 enthält 10,4 g/1 Cu und 10 ppm Ag und wird entweder direkt im Abstreifer 7 mit einer
wässerigen Abstreiflösung A
1 (30 g/1 Cu, 2 mol/1 HNO
3, 1 1/h) regeneriert oder vorher im Wäscher 6 mittels einer wässerigen 1 mol/1 Cu
(NO
3)
2-Lösung (1 1/h) Agfrei bzw. Ag-arm gewaschen. Die beladene Abstreiflösung A
2 enthält 59,5 g/1 Cu, das regenerierte Extraktionsmittel S
1 3,2 g/1 Cu. In der Diaphragmazelle 2,8 werden kathodisch 7,2 g/h Cu abgeschieden,
die äquivalente Silbermenge wird anodisch aufgelöst. Die verbrauchte Waschlösung W
2 wurde wie in Fig. 1 ersichtlich, dem Vorratstank 3, der Cu-arme Elektrolyt E
5 der Raffinationszelle 1 (Möbius) zugeführt.
Beispiel 2:
[0029] Es wurde wie in Beispiel 1 vorgegangen mit der Abänderung, daß das Extraktionsmittel
S
1 aus 20 Vol.-Teilen SME 529 (2-Hydroxy-5-nonylaceto- phenonoxim) als Komplexbildner
und 80 Vol.-Teilen MSB 529 (aromatisches Lösungsmittel der Shell Intern.) als Verdünnungsmittel
bestand. Der Extrakt S
3 enthielt 7,6 g/1 Cu und 750 ppm Ag und wurde im Wäscher 6 mit einer wässerigen 1,0
m Cu (N0
3)
2-Lösung gewaschen. Der Ag-arm gewaschene Extrakt S
4 (12 g/1 Cu, 10 ppm Ag) wurde im Abstreifer 7 mit einer wässerigen Abstreiflösung
A
1 (30 g/1 Cu, 2 mol/1 HN0
3, 1 1/h) behandelt. Das regenerierte Extraktionsmittel S
1 enthielt 1,9 g/1 Cu, die beladene Abstreiflösung A
2 gelangte in den Kathodenraum 8 der Diaphragmazelle, wo 20,2 g/1 Cu abgeschieden und
dafür anodisch die äquivalente Ag-Menge gelöst wurde.
Beispiel 3:
[0030] Es wurde wie in Beispiel 1 vorgegangen mit der Abänderung, daß das Extraktionsmittel
S
1 aus 20 Vol.-Teilen HS-LIX 64 als Komplexbildner und 80 Vol.-Teilen MSB 529 (aromatisches
Lösungsmittel der Shell Intern.) als Verdünnungsmittel bestand. Der Komplexbildner
HS-LIX 64 enthält als Wirkstoffe 20 Teile 3-Hydroxy-5-nonylbenzophenonoxim und 1 Teil
5,8-Diäthyl-7-hydroxy-6-dodecanonoxim. Der Extrakt S
3 enthielt 6,9 g/1 Cu und 1,5 g/1 Ag und wurde im Wäscher 6 mit wässeriger 2 mol/1 Cu
(N0
3)
2-Lösung auf einen Gehalt von 10,5 g/1 Cu und 230 ppm Ag gewaschen. Anschließend wurde
der gewaschene Extrakt S
4 im Abstreifer 7 im Phasenverhältnis Extrakt S
4 : Abstreiflösung A
1 von 2 : 1 mit einer wässerigen Abstreiflösung gestrippt, die 30 g/1 Cu und 2 mol/1
HNO
3 enthielt. Aus der beladenen Abstreiflösung A
2, wurden im Kathodenraum 8 der Diaphragmazelle 2,8 19,2 g/1 Cu abgeschieden sowie
im Anodenraum die äquivalente Menge Ag gelöst.
Beispiel 4:
[0031] Aus dem Anodenraum 2 der Diaphragmazelle 2,8 wurde ein Elektrolyt E2 abgezogen, der
90 g/1 Ag, 30 g/1 Cu, 5 g/1 Ni, 0,6 g/1 Cd, 0,4 g/1 W, 0,25 g/lPd/und 0,05 g/1 Pt
enthielt, und wie in Beispiel 1 mit der Abänderung weiterbehandelt, daß im Extraktionsmittel
S
1 der Komplexbildner Acorga PT 5050 nicht mit Shellsol AB, sondern mit Shell MSB 210
(vorwiegend aliphatisches Lösungsmittel der Shell Intern.) verdünnt war. Der Extrakt
S
3 enthielt 11,0 g/1 Cu, 2 ppm Ag und 300 ppm Pd und wurde im Abstreifer 7 mit einer
wässerigen Abstreiflösung A
1 (35 g/1 Cu, 2 mol/1 HN0
3) gestrippt. Das regenerierte Extraktionsmittel S
1 enthielt 3,2 g/1 Cu und 300 ppm Pd und wurde nicht zur Gänze in die Extraktionsstufe
5 rückgeführt, sondern ein Teilstrom in einer Menge von 1/10 seines Gesamtvolumens
abgezweigt und in einer gesonderten Extraktionsstufe mit dem gleichen Volumen 6 n
HCL extrahiert und so vollständig von Cu und Pd befreit. Nach anschließender Wäsche
mit Wasser zur Entfernung der Chlorionen wurde der regenerierte Teilstrom dem Extraktionsmittel
S
1 wieder zugefügt; aus der salzsauren Abstreiflösung wurde das Pd als Pd (NH
3)
2 C1
2 gefällt.
Beispiel 5:
[0032] Ein gebrauchter Möbiuszellenelektrolyt wurde in der eingangs beschriebenen Anlage
nach einem der Beispiele 1 bis 4 entkupfert, wobei so gefahren wurde, daß die Ag-Beladung
im Anodenraum 2 der Diaphragmazelle 2,8 als letzter Regenerierungsschritt vorgesehen
ist, und vor dem Eintritt in den Anodenraum 2 ein Teilstrom abgezogen und wie folgt
weiterbehandelt:
a) Der Elektrolyt wurde durch übliche Metallsalzextraktion von Cu und durch Fällung
(AgCl) von Ag befreit und enthielt anschließend 5 g/1 Ni und 0,6 g/1 Cd. Der Elektrolyt
wurde anschließend mit dem gleichen Volumen eines Extraktionsmittels, bestehend aus
20 Vol.-Teilen Bis-2- äthylhexylthiophosphorsäure und 5 Vol.-Teilen Tributylphosphat
als Komplexbildner und 75 Vol.-Teilen Shellsol T (aliphatisches Lösungsmittel der
Shell Intern.) als Verdünnungsmittel, extrahiert, wobei Ni und Cd in den Extrakt gehen,
und das wässerige Raffinat zur anodischen Ag-Anreicherung dem Hauptstrom des Elektrolyten
wieder zugemischt. Der Extrakt wurde zuerst mit m HNO3 und anschließend mit 2,5 n HN03 gestrippt; anschließend enthielt das Extraktionsmittel noch 30 ppm Cd. Die erste
Striplösung enthielt ausschließlich Ni, die zweite Striplösung Cd und Ni im Verhältnis
Cd/Ni = 20/1. Die Striplösungen wurden in üblicher Weise aufgearbeitet.
b) Der Elektrolyt wurde wie in Beispiel 5a) entkupfert und entsilbert; Pd wurde als
Pd (NH3)2 C12 entfernt. Der Elektrolyt enthielt anschließend 50 ppm Pt und wurde bei Raumtemperatur
mit dem gleichen Volumen eines Extraktionsmittels, bestehend aus 30 Vol.-Teilen Trioctylphosphinoxid
als Komplexbildner in 70 Vol.-Teilen Shellsol T (aliphatisches Lösungsmittel der Shell
Intern.) als Verdünnungsmittel extrahiert, wobei ein Extrakt mit 45 ppm Pt erhalten
wurde. Das wässerige Raffinat mit 4 ppm Pt wurde zur anodischen Ag-Anreicherung dem
Hauptstrom des Elektrolyten wieder zugemischt. Der Extrakt wurde in einer Extraktionskolonne
mit dem halben Volumen Wasser bei 80°C extrahiert, wobei im Extrakt 3 ppm Pt zurückbleiben
und die Wasserphase mit 91 ppm Pt als Nitrat in üblicher Weise aufgearbeitet wird.
c) Der Elektrolyt wurde wie in Beispiel 5b) von Cu, Ag und Pd befreit. Der Elektrolyt
enthielt anschließend 0,5 g/1 W und wurde einer Flüssigmembranpermeation unterworfen.
Zur Bildung der Flüssigmembran wurde eine Lösungsmittel/Extraktionsmittelphase, enthaltend
ein aliphatisches Lösungsmittel, 5 % M tertiäres Amin, und zwar Alamin 336 oder Hostarex
327, als Komplexbildner und 3 % M ECA 4360 (Tensid von Esso), im Volumsverhältnis
2:1 mit einer wässerigen Abstreiflösung, bestehend aus gesättigtem Ammonnitrat, emulgiert.
Alamin 336 (Henkel) ist ein Gemisch tertiärer n-Alkylamine mit Ca-C10 Alkylketten,
wobei C8-Ketten vorherrschen. Hostarex 327 (Hoechst) ist ein 1:1 Gemisch aus Tri-n-oktylamin
und Tri-n-decylamin.
[0033] Bei einem Permeatordurchsatz von 100 1/h Elektrolyt und 3 1/h der obigen Emulsion
konnte in der wässerigen Abstreifphase nach Emulsionsspaltung ein W-Gehalt von 49
g/1 erzielt werden. Der Elektrolyt, der einen W-Restgehalt von 10 ppm aufwies, wurde
zwecks Ag-Anreicherung wieder mit dem Hauptstrom des Elektrolyten vereinigt. Die W-angereicherte
Lösung wird nach üblichen Methoden aufgearbeitet. Dabei wird z.B. Ammonwolframat auskristallisiert,
thermisch zersetzt und das dabei erhaltene W-Oxid zum metallischen W reduziert. Es
kann auch das Ammonwolframat als solches gewonnen werden.
Beispiel 6:
[0034] Ein gebrauchter Möbiuselektrolyt wird in einer Anlage wie vorstehend beschrieben
regeneriert, in der die Extraktionsstufe 4,5 als übliche Flüssigmembranpermeationseinheit
ausgebildet ist: Dabei wurde zur Bildung einer Flüssigmembran eine Extraktionsmittelphase,
bestehend aus Kerosin als Lösungsmittel, 3 Vol.-% Acorga P 5100 (1 Teil 2-Hydroxy-5-nony1-
benzaldoxim + 1 Teil Nonylphenol) als Komplexbildner und 3 % ECA 4360 (Tensid auf
Polyaminbasis), im Volumsverhältnis 2:1 mit einer wässerigen Abstreiflösung emulgiert,
die 30 g/1 Cu und 2 mol/1 HNO
3 enthielt.
[0035] Der Permeator wurde mit einem Durchsatz von 10 1/h Ag-angereichertem gebrauchten
Elektrolyt E2 oder gebrauchtem Elektrolyt E
1 und 3 1/h Flüssigmembran gefahren. In beiden Fällen wurde in der nach Spaltung der
Emulsion erhaltenen wässerigen Abstreiflösung ein Cu-Gehalt von etwa 60 g/1 erzielt.
Die weitere Aufarbeitung kann analog zu den Beispielen 1-5 erfolgen.
[0036] Bei den Beispielen 1 bis 6 wurde eine Diaphragmazelle eingesetzt mit einer Anionenaustauschermembran
auf Kunststoffbasis mit der Handelsbezeichnung MA 3148 der IONAC Chemical Co., New
Jersey.
[0037] Das erfindungsgemäße Verfahren bietet folgende Vorteile:
1. Die Kosten der Herstellung großer Mengen an Silbernitratlösung aus gereinigtem
Wasser und Silbernitrat entfallen.
2. Die Kosten der Beseitigung des verschmutzten Elektrolyten entfallen.
3. Kupfer wird in einer.Form gewonnen, die für die Weiterverarbeitung ausgesprochen
günstig ist.
4. Die Aufarbeitung von Silberniederschlägen oder zementiertem Silber wird vermieden.
5. Die Raffinationszelle kann bei einem optimalen Kupfergehalt betrieben werden, so
daß Silber größter Feinheit gewonnen werden kann.
6. Begleitmetalle, insbesondere Kupfer, können aus dem Silberelektrolyten nach Bedarf
in größeren Mengen und Geschwindigkeiten abgeführt werden, so daß sehr unreines Ausgangsmaterial
ohne vorhergeschaltete Reinigungsschritte eingesetzt werden kann. Anoden mit Silbergehalten
unter 95 % können in der Diaphragmazelle aufgelöst werden, wobei gleichzeitig Kupfer
kathodisch gewonnen wird.
7. Der wässerige Elektrolyt ist eine gleichionige, vorzugsweise salpetersaure Lösung.
Es kommt zu keinen Verschmutzungen durch Fremdionen wie z.B. Sulfat oder Chlorid.
1. Elektrolytisches Silberraffinationsverfahren, bei dem Rohsilber anodisch aufgelöst
und Raffinatsilber kathodisch abgeschieden wird, wobei gleichzeitig aus dem gebrauchten
Elektrolyten Begleitmetalle selektiv extrahiert und nach überführen in eine wässerige
Phase gesondert kathodisch abgeschieden werden, sowie der regenerierte, begleitmetallarme
Elektrolyt in die Raffination rückgeführt wird, dadurch gekennzeichnet, daß in einem
gemeinsamen Elektrolysevorgang der gebrauchte Elektrolyt anodisch mit Silber angereichert
sowie Begleitmetalle aus der wässerigen Phase kathodisch abgeschieden werden, wobei
als Extraktionsschritt(e) gegebenenfalls eine Flüssigmembranpermeation, vorzugsweise
in Kombination mit einer Lösungsmittelextraktion, vorgesehen ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Elektrolysevorgänge
mit gleichionigen, insbesondere salpetersauren Lösungen durchgeführt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß Begleitmetalle, insbesondere
nicht- oder schwerelektrolysierbare Metalle, wie W, nach ihrer selektiven Extraktion
nach bekannten Verfahren unter Umgehung von Elektrolyse aufgearbeitet werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß aus dem
gebrauchten Elektrolyten Cu extrahiert und gleichzeitig mit der anodischen Silberanreicherung
kathodisch abgeschieden wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß aus dem gebrauchten Elektrolyten
zuerst Cu extrahiert wird und die Silberanreicherung erst vor der Rückführung in die
Raffination erfolgt.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß aus dem gebrauchten Elektrolyten
nach der Cu-Abtrennung aber vor der Silberanreicherung weitere Begleitmetalle, insbesondere
Cd, Ni, Pd, Pt und/oder W extrahiert werden.
7. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 6, mit
mindestens einer Raffinationszelle, mindestens einer Extraktionseinrichtung zur Extraktion
von Begleitmetallen aus dem gebrauchten Elektrolyten und zur Überführung der extrahierten
Begleitmetalle in eine wässerige Phase, und mindestens einer Elektrolysezelle zur
kathodischen Abscheidung von Begleitmetallen aus der wässerigen Phase, dadurch gekennzeichnet,
daß mindestens eine gemeinsame Elektrolysezelle zur Anreicherung des gebrauchten Elektrolyten
mit Silber und zur kathodischen Abscheidung von Begleitmetallen vorgesehen ist.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die gemeinsame Elektrolysezelle
als Diaphragmazelle ausgebildet ist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß ein anionisches Diaphragma
insbesondere in Form einer Anionentauschermembran auf Kunststoffbasis vorgesehen ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, daß die gemeinsame
Elektrolysezelle mit einer Rohsilberanode ausgerüstet ist.
11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß als
Extraktionseinrichtung eine Einrichtung zur Flüssigmembranpermeation vorgesehen ist.