[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Aufarbeitung von Altöl, bei dem das zuvor
entwässerte Altöl einer Extraktion unter überkritischen Bedingungen unter Anwendung
eines bei Normalbedingungen gasförmigen Lösungsmittels unterworfen wird und anschließend
aus der abgetrennten überkritischen Gasphase die extrahierten Bestandteile durch
Druckerniedrigung und/oder Temperaturänderung abgeschieden werden.
[0002] Etwa 5o % aller technisch eingesetzten Schmieröle fallen als verunreinigte Altöle
an und können, soweit sie einer Sammlung zugänglich sind, einer weiteren Nutzung zugeführt
werden. Dies kann entweder durch Verbrennung zum Zwecke der Energiegewinnung geschehen
oder durch Raffination des Altöls zum Zwecke des erneuten Einsatzes als Schmiermittel.
Das aufzuarbeitende Altöl enthält hierbei Verunreinigungen der unterschiedlichsten
Art, wie z.B. als sogenannte Additive dienende Metallverbindungen, Verschleiß- und
Alterungsrückstände sowie Verunreinigungen, die aus der unsachgemäßen Lagerung des
Altöles herrühren. Diese Verunreinigungen unterschiedlichster Art erfordern einerseits
bei der Altölverbrennung besondere Maßnahmen zum Umweltschutz und müssen andererseits
bei einer Raffination des Altöls vollständig von dem zur Wiederverwendung anstehenden
Produkt abgetrennt werden.
[0003] Für die Altölraffination hat das Schwefelsäure/Bleicherde-Verfahren bisher eine
besonders weite Anwendung gefunden. Den Vorteilen einer einfachen Technik stehen hierbei
jedoch geringe Ausbeuten, unzureichende Selektivität und größere Mengen an problematischen
Abfallstoffen, im wesentlichen Säureharze und Bleicherderückstände, gegenüber.Außerdem
gewährleistet dieses Verfahren nicht die schadlose Entsorgung der besonders problematischen
Schadstoffe wie polychlorierte Biphenyle, polychlorierte Phenyle, Halogenalkane
und polykondensierte Aromaten.
[0004] Neuere Entwicklungen von Verfahren zur Altölraffination sind:
- das IFP-Verfahren (Ersatz der Schwefelsäure-Raffination durch eine unterkritische
Propan-Extraktion),
- das BERC-Verfahren (Lösungsmittelextraktion, Vakuumfraktionierung und Bleicherde-
bzw. H₂-Nachbehandlung),
- das KTI-Verfahren (Vakuum-Dünnschicht-Destillation als Reinigungsstufe),
- das PROP-Verfahren (Anwendung von Ammoniumphosphaten zur Reinigung und H₂-Behandlung)
und
- das Recyclon-Verfahren (Abrennung der Altölverunreinigungen durch Natrium).
[0005] Diese Verfahren haben bisher mit Ausnahme des KTI-Verfahrens den Nachweis ihrer
grundsätzlichen verfahrenstechnischen Eignung und wirtschaftlichen Technik im großtechnischen
Betrieb nicht erbringen können.
[0006] Das KTI-Verfahren mit einem Dünnschichtverdampfer als physikalischer Reinigungsstufe
wurde zwar großtechnisch eingesetzt. Die Probleme der Dünnschichtenverdampfung bestehen
jedoch im Fouling der Wärmetauscherflächen und in der vergleichsweise geringen Selektivität
des Verfahrens.
[0007] Aus der DE-OS 28 5o 54o und der DE-OS 3o 38 728 ist es ferner bereits bekannt, die
Aufarbeitung von Altöl durch Anwendung einer Extraktion unter überkritischen Bedingungen,
das heißt bei Temperaturen oberhalb T
K und Drücken oberhalb p
K , vorzunehmen. Die in diesen Veröffentlichungen beschriebene Arbeitsweise liefert
jedoch noch keine Lösung für die schadlose Entsorgung der in den Altölen enthaltenen
Halogenverbindungen. Unter Berücksichtigung der heutigen Anforderungen an den Umweltschutz
ist in der Praxis eine Anwendung der überkritischen Extraktion zur Altölaufbereitung
jedoch nur dann möglich, wenn dieses Problem in befriedigender Weise gelöst wird.
[0008] Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, das Verfahren zur Aufarbeitung
von Altöl unter Anwendung einer überkritischen Extraktion dahingehend weiterzuentwickeln,
daß das vorstehend geschilderte Entsorgungsproblem in befriegender Weise gelöst wird,
so daß die Aufarbeitung des Altöls ohne Anfall von die Umwelt in unvertretbarer Weise
belastenden Rückständen bzw. Nebenprodukten durchgeführt werden kann.
[0009] Das der Lösung dieser Aufgabe dienende Verfahren der eingangs genannten Art ist erfindungsgekennzeichnet
durch die Anwendung der Verfahrensschritte a) bis h) des Hauptanspruches.
[0010] Für die Entsorgung des anfallenden lösungsmittelfreien Extraktionsrückstandes sieht
das erfindungsgemäße Verfahren grundsätzlich zwei Möglichkeiten vor. Wenn es die
Verhältnisse erlauben, wird man aus Kostengründen bestrebt sein, den Extraktionsrückstand
durch Lagerung auf einer Deponie zu entsorgen. Wenn dies jedoch nicht möglich ist,
wird man den Extraktionsrückstand durch thermische Behandlung (Vergasung) entsorgen.
[0011] Weitere Einzelheiten des erfindungsgemäßen Verfahrens ergeben sich aus den vorliegenden
Unteransprüchen und sollen nachfolgend durch ein Ausführungsbeispiel an Hand des in
der Abbildung dargestellten Fließschemas erläutert werden. Das Fließschema zeigt dabei
nur die für die Verfahrenserläuterung unbedingt erforderlichen Anlagenteile, während
Nebeneinrichtungen, die in keinem Zusammenhang mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
stehen, nicht dargestellt sind.
[0012] Das aufzuarbeitende Altöl wird aus dem Sammelbehälter 1 über die Leitung 2 der Filteranlage
3 zugeführt, in der die Feststoffpartikel durch Filtration aus dem Altöl abgetrennt
und über die Leitung 4 abgezogen werden. Das von den Feststoffpartikeln befreite
Altöl gelangt über die Leitung 5 und die Pumpe 6 in die Destillationskolonne 7.
Hier wird das Altöl unter atmosphärischem Druck einer Destillation im Temperaturbereich
zwischen 12o°C und 25o°C unterworfen. Das hierbei über Kopf aus der Destillationskolonne
7 entweichende Gasöl-Wasser-Gemisch wird über die Leitung 8 in den Scheidebehälter
9 eingeleitet, in dem das Wasser durch Phasenscheidung vom Gasöl (sogenanntes Gasöl
I) abge trennt wird. Das Gasöl wird hierbei durch die Leitung 1o und das Wasser durch
die Leitung 11 aus dem Scheidebehälter 9 abgezogen. Das über die Leitung 12 aus der
Destillationskolonne 7 abgezogene vordestillierte und entwässerte Altöl wird in den
mittleren Teil der Extraktionskolonne 13 eingeleitet, die bei einem Druck zwischen
5o und 15o bar und einer Temperatur zwischen 2o°C und 8o°C arbeitet. Die Pumpe 14
bringt hierbei das Altöl auf den erforderlichen Betriebsdruck der Extraktionskolonne
13 und der Wärmetauscher 15 sorgt für die Erreichung der erforderlichen Betriebstemperatur
des Altöles. In Abweichung zur Darstellung im Fließschema kann die Einspeisung des
Altöles in die Extraktionskolonne 13 auch in deren oberen oder unteren Teil erfolgen.
Das erforderliche Lösungsmittel wird über die Leitung 16 in den Unterteil der Extraktionskolonne
13 eingeleitet. Im Gegenstrom nimmt das Lösungsmittel die unter den genannten Betriebsbedingungen
löslichen Bestandteile des Altöles auf, während sich die unlöslichen Bestandteile
zusammen mit den Verunreinigungen im Sumpf der Extraktionskolonne 13 sammeln und
von dort niveaugesteuert über die Leitung 17 abgezogen werden. Das Ventil 18 dient
dabei der Regelung des Abzuges des Extraktionsrückstandes aus der Extraktionskolonne
13. Die erforderliche Entspannung des Extraktionsrückstandes auf einen Druck von 1
bis o,o1 bar erfolgt im Entspannungsbehälter 19. Das hierbei freiwerdende gasförmige
Lösungsmittel wird über die Leitung 2o abgezogen. Zur Unterstützung der Entgasung
kann der Entspannungsbehälter 19 beheizt und mit einem Rührwerk versehen werden.
[0013] Der Oberteil der Extraktionskolonne 13 wirkt als Verstärkerteil. Das dort anfallende
Kopfprodukt wird über die Leitung 21 abgezogen und gelangt in den dampfbeheizten Wärmetauscher
22, in dem durch geringfügige Temperaturerhöhung der erforderliche Rückfluß erzeugt
wird, da bei Temperaturerhöhung die Löslichkeit des Öls im überkritischen Lösungsmittel
abnimmt. Im nachgeschalteten Abscheider 23 wird das auskondensierte Öl abgeschieden
und mit der Pumpe 24 über die Leitung 25 in die Extraktionskolonne 13 zurückgefördert
und dort als Rückfluß auf den Kopf der Kolonne aufgegeben.
[0014] Das beladene Lösungsmittel gelangt aus dem Abscheider 23 über die Leitung 26 in
den Hochdruckabscheider 27, in dem im vorliegenden Falle eine Totalabscheidung der
Ölphase aus dem Lösungsmittel erfolgt. Hierbei wird die abgeschiedene Ölphase, die
den Extrakt darstellt, niveaugesteuert aus dem Unterteil des Hochdruckabscheiders
27 abgezogen und gelangt über die Leitung 28 in den Niederdruckabscheider 29, in dem
die Abtrennung der noch in der Ölphase vorhandenen Lösungsmittelreste erfolgt. Die
Menge des über die Leitung 28 abgezogenen Extraktes wird durch das Ventil 3o geregelt.
Das lösungsmittelfreie Produktöl wird über die Leitung 31 aus dem Niederdruckabscheider
29 abgezogen und gelangt über die Leitung 31 in den Sammelbehälter 32. Von hier
aus wird das Produktöl über die in der Leitung 33 befindliche Pumpe 34 und den Wärmetauscher
35 in den Hydrierreaktor 36 gedrückt, in dem die katalytische Hydrierung des Produktöles
in Gegenwart von handelsüblichen Hydrierkatalysatoren, die beispielsweise Nickel
als aktive Komponente enthalten, erfolgt. Der hierfür erforderliche Wasserstoff wird
über die Leitung 37 in den Hydrierreaktor 36 eingeführt. Durch die Hydrierung des
Produktöles werden die in diesem enthaltenen Halogen- und Schwefelverbindungen in
Halogen- bzw.Schwefelwasserstoff überführt. Diese Produkte werden gasförmig über
die Leitung 38 aus dem Hydrierreaktor 36 abgezogen. Das hydrierte Produktöl gelangt
währenddessen über die Leitung 39 in den Zugabebehälter 4o, in den über die Leitung
41 Bleicherde eingeführt werden kann, die im Zugabebehälter 4o unter Rühren mit dem
hydrierten Produktöl vermischt wird. Das Bleicherde-Öl-Gemisch wird sodann über die
Pumpe 42 und die Leitung 43 in die Vakuumdestillationskolonne 44 eingeleitet, in
der es bei einem Vakuum von o,oo2 bis o,1 bar destilliert und damit in verschiedene
Fraktionen zerlegt wird. Sofern auf einen Bleicherdezusatz verzichtet werden kann,
gelangt das hydrierte Produktöl über die Leitung 39 unmittelbar in die Vakuumdestillationskolonne
44. Über die Leitung 45 wird hierbei das Gasöl II und über die Leitung 46 das Spindelöl
abgezogen. Der in der Vakuumdestillationskolonne 44 anfallende Destillationsrückstand
wird vermittels der Pumpe 48 in der Leitung 47 in die Filteranlage 49 gefördert, in
der die Bleicherde durch Filtration abgetrennt wird. Diese verölte Bleicherde gelangt
über die Leitung 51 in den Vergaser 52, während das bei der Filtration anfallende
Grundöl über die Leitung 5o aus der Filteranlage 49 abgezogen wird.
[0015] In den Vergaser 52 werden außer der verölten Bleicherde noch folgende Produkte eingeleitet:
Der Extraktionsrückstand aus dem Entspannungsbehälter 19 über die Leitung 53 und
die Pumpe 54, das Gasöl I aus dem Scheidebehälter 9 über die Leitung 1o sowie der
Klärschlamm aus der biologischen Abwasserreinigung 55 über die Leitung 56. Bei dem
Vergaser 52 kann es sich um einen Flugstromvergaser handeln, der nach dem bekannten
Koppers-Totzek-Verfahren arbeitet. Als Vergasungsmedium dienen hierbei Sauerstoff
und/oder Luft sowie ggf.geringe Mengen an Wasserdampf. Die Vergasung kann unter normalem
oder erhöhtem Druck durchgeführt werden. Sofern Flüssigkeiten oder Suspensionen vergast
werden sollen, wird der Vergaser mit sogenannten Verdüsungsbrennern ausgerüstet.
Den Brennern können ferner Wärmetauscher vorgeschaltet werden, in denen das zu vergasende
Produkt auf die für die Einstellung der erforderlichen Viskosität benötigte Temperatur
gebracht wird.
[0016] Die in den Vergaser 52 eingeleiteten Produkte werden in einer Flammenreaktion bei
Temperaturen zwischen 13oo°C und 2ooo°C vergast. Der hierfür gegebenenfalls erforderliche
Zusatzbrennstoff gelangt über die Leitung 57 und die erforderliche Luft bzw. Sauerstoff
über die Leitung 58 in den Vergaser 52. Das anfallende, im wesentlichen aus den Bestandteilen
CO, H₂, CO₂, H₂O und N₂ bestehende Gas wird über die Leitung 59 aus dem Vergaser 52
abgezogen und gelangt über den Abhitzekessel 6o in die Druckwasserwäsche 61. In diese
wird auch der Gasstrom aus der Leitung 38 eingeleitet, so daß beide Gasströme die
nachfolgende Gasbehandlung gemeinsam durchlaufen. Diese besteht aus der Druckwasserwäsche
61 und der Drucklaugewäsche 62, wobei die einzelnen Stufen über die Leitungen 63 und
64 miteinander verbunden sind. Durch diese Gasbehandlung werden sowohl Halogen- und
Schwefelwasserstoff als auch die aus den Öladditiven herrührenden Metallverbindungen
aus dem Gas entfernt. Da das Gas im Abhitzekessel 6o bereits im erforderlichen Umfang
vorgekühlt worden ist, kann das nach Passieren der beiden Waschstufen über die Leitung
65 abgezogene Gas problemlos als Heizgas verwendet werden. Der bei der Vergasung
anfallende Vergasungsrückstand (Schlacke) wird im schmelzflüssigen Zustand über
die Leitung 66 aus dem Vergaser abgezogen und in einem nicht dargestellten Wasserbad
granuliert und gekühlt.
[0017] Das über Kopf aus dem Hochdruckabscheider 27 entweichende Lösungsmittel wird über
die Leitung 67 abgezogen und gelangt über den Wärmetauscher 68 zurück in die Leitung
16, über die das Lösungsmittel wieder in die Extraktionskolonne 13 eingeleitet wird.
Da der Lösungsmittelkreislauf nahezu isobar ist, muß durch den Kreislaufkompressor
69 nur eine geringe Druckerhöhung bewirkt werden. Die Wärmetauscher 68 und 7o dienen
hierbei der erforderlichen Temperatureinstellung des Lösungsmittels.
[0018] Das aus dem Niederdruckabscheider 29 entweichende Lösungsmittel wird über die Leitung
71 abgezogen und gelangt, nachdem es im Kompressor 72 auf Kondensationsdruck komprimiert
worden ist, in den Kondensator 73, in dem es verflüssigt wird. Der Wärmetauscher 74
dient hierbei wiederum der erforderlichen Temperatureinstellung. In die Leitung 71
mündet vor dem Wärmetauscher 74 die Leitung 2o, über die das im Entspannungsbehälter
19 freigesetzte Lösungsmittel abgezogen wird. Das verflüssigte Lösungsmittel wird
in der Vorlage 75 gesammelt und von dort bei Bedarf durch den Kompressor 76 über
die Leitung 77 in die Leitung 16 eingespeist.
[0019] Das im Scheidebehälter 9 abgeschiedene Wasser gelangt über die Leitung 11 in die
biologische Abwasserreinigung 55, aus der das gereinigte Abwasser über die Leitung
78 in den Vorfluter eingeleitet wird. Der bei der Abwasserreinigung anfallende Klärschlamm
wird, wie bereits erwähnt wurde, über die Leitung 56 dem Vergaser 52 zugeführt.
[0020] Der vorstehend beschriebene Verfahrensgang zeigt, daß es durch eine komplexe Lösung
des Entsorgungsproblems möglich ist, die Altölaufarbeitung durch überkritische Extraktion
in einer Weise durchzuführen, bei der die Umwelt im Vergleich zu den bisher bekannten
Verfahren deutlich weniger belastet wird. Selbstverständlich sind in Abweichung
von dem im Fließschema dargestellten Ausführungsbeispiel auch gewisse Änderungen
des Verfahrensablaufes möglich.
[0021] So ist bereits weiter oben festgestellt worden, daß es unter Umständen auch möglich
ist, den Extraktionsrückstand durch Lagerung auf einer Deponie zu entsorgen. Da
in diesem Falle der Vergaser 52 in Fortfall kommt, müssen dann auch alle anderen Rückstände,
die im vorstehenden Verfahrensbeispiel mit in den Vergaser 52 eingeleitet wurden,
durch Lagerung auf einer Deponie oder auf andere Weise entsorgt werden. Im Interesse
eines möglichst umfassenden Umweltschutzes wird man deshalb der im vorstehenden Verfahrensbeispiel
beschriebenen Arbeitsweise den Vorzug geben.
[0022] Ferner kann beispielsweise anstelle der beschriebenen Totalabscheidung des Extraktes
in einem einzigen Hochdruck- 27 und Niederdruckabscheider 29 diese Abscheidung auch
in mehreren Stufen erfolgen. Wird eine derartige fraktionierte Abscheidung der Produkte
des Extraktes durchgeführt, dann sind die dabei anfallenden Fraktionen auch einzeln
zu hydrieren, wenn die in den einzelnen Fraktionen vorhandenen Halogenverbindungen
dies erforderlich machen.
[0023] Außerdem ist es möglich, statt der im Fließschema vorgesehenen getrennten Zufuhr
von Gasöl, Extraktionsrückstand und Bleicherde zum Vergaser 52 diese Produkte vor
dem Eintritt in den Vergaser zu vereinigen, so daß die Bleicherde im Extraktionsrückstand
und Gasöl I suspendiert wird. Der Zusatz des Gasöles zum Extraktionsrückstand vor
der Vergasung ist auch dann angebracht, wenn der Extraktionsrückstand eine zu hohe
Viskosität aufweist, da dadurch die Viskosität herabgesetzt werden kann.
[0024] Schließlich wird es in manchen Fällen möglich sein, auf eine Reinigung des aus dem
Scheidebehälter 9 ablaufenden Abwassers zu verzichten und das Wasser stattdessen
mit dem Extraktionsrückstand zu vergasen. Hierbei dürfte allerdings in den meisten
Fällen eine zusätzliche Zugabe von Brennstoff in den Vergaser 52 erforderlich sein.
Hierbei können gegebenenfalls flüssige, kohlenwasserstoffhaltige Abfallstoffe, wie
beispielsweise über die zulässigen Grenzen hinaus mit Schadstoffen belastetes Altöl,
verwendet werden.
[0025] Die Wirksamkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens wird durch das nachfolgende Anwendungsbeispiel
belegt.
[0026] Hierbei wurde nasses Altöl mit 15 % Wasser und 5 % Gasöl I (KP < 17o°C) in einer
Menge von 175 kg/h der Destillationskolonne 7 aufgegeben. Es wurden bei 16o°C und
1 bar 26 kg/h Wasser und 9 kg/h Gasöl I abdestilliert.
[0027] Das aus der Destillationskolonne 7 austretende Trokkenöl wurde über den Wärmetauscher
15 auf 43°C gekühlt, mit der Pumpe 14 auf 1oo bar kompriniert sowie danach der Extraktionskolonne
13 in halber Höhe aufgegeben. Am Fuß der Extraktionskolonne 13 wurde als Lösungsmittel
Äthan bei 43°C und 1oo bar zugeführt.
[0028] Im unteren Teil der Kolonne, die mit Raschigringen gefüllt war, wurden die löslichen
Bestandteile des Trockenöles durch Gegenstromextraktion vom Lösungsmittel aufgenommen.
Die beladene Lösungsmittelphase wurde dem Wärmetauscher 22 (Dephlegmator) zugeführt
und auf 48°C erwärmt. Hierbei ergab sich eine Teilabscheidung der schwerflüchtigen
Kohlenwasserstoffe (denaturierte Additive), die der aufsteigenden beladenen Lösungsmittelphase
entgegenströmten und einen Strippeffekt bewirkten, wodurch ein zusätzlicher Trenneffekt
erzielt wurde. Das aufgegebene Trockenöl konnte dabei in einen Extraktionsrückstand
von 14 kg/h und in eine Wertfraktion von 126 kg/h aufgetrennt werden. Der Extraktionsrückstand
wurde am Fuß der Extraktionskolonne 13 abgezogen, auf 1 bar entspannt und auf 15o°C
aufgeheizt. Das hierbei freiwerdende Lösungsmittel wurde rekomprimiert und dem Hauptlösungsmittelstrom
zugefuhrt.
[0029] Die gereinigte beladene Lösungsmittelphase (Extrakt) wurde im Anschluß an den Wärmetauscher
22 im nachgeschalteten Hochdruckabscheider 27 durch Erwärmung auf 15o°C bei 1oo bar
von den gelösten Produkten befreit. Das abgeschiedene Produkt in einer Menge von 126
kg/h wurde am Boden des Hochdruckabscheiders 27 abgezogen und zur Abtrennung des in
ihm noch gelösten Lösungsmittels im Niederdruckabscheider 29 auf 1 bar entspannt.
Das hierbei frei werdende Lösungsmittel wurde rekomprimiert und mit dem Hauptlösungsmittelstrom
vereinigt.
[0030] Das abgeschiedene Produkt wurde einer Hydrierung im Hydrierreaktor 36 zum Abbau der
in ihm vorhandenen Halogenkohlenwasserstoffe unterworfen und sodann in der Vakuumdestillationskolonne
44 in die Produkte Grundöl, Spindelöl und Gasöl II aufgetrennt. Das der Vakuumdestillation
aufgegebene Produkt wurde mit 2,8 kg/h Bleicherde versetzt. Die verölte Bleicherde
wurde vom Bodenprodukt der Vakuumdestillation in der Filteranlage 49 abfiltriert.
Es fielen 74 kg/h Grundöl, 35 kg/h Spindelöl und 14 kg/h Gasöl II sowie 5,6 kg/h
verölte Bleicherde an.
[0031] Der auf 15o°C vorgewärmte Extraktionsrückstand wurde auf den erforderlichen Vordruck
des Vergasers 52 komprimiert. Das Gasöl I wurde mit der ölbeladenen Bleicherde und
der in der biologischen Abwasserreinigung 55 anfallenden geringen Klärschlammenge
vermischt und das anfallende Gemisch ebenfalls auf den erforderlichen Vordruck des
Vergasers 52 komprimiert und zusammen mit dem Extraktionsrückstand bei ca. 15o°C dem
Vergaser 52 aufgegeben. Diese Mischung wurde im Vergaser 52 unter Zugabe von o,95
kg Sauerstoff je kg Mischung als Oxidationsmittel in einer Flammenreaktion bei Temperaturen
oberhalb von 15oo°C vergast. Als Produkt der Vergasung entstanden CO und H₂ im Verhältnis
2,1 : 1 sowie kleine Mengen an CO₂ und Wasserdampf sowie Spuren von H₂S und HCl.
Die Metallgehalte des Ruckstandes wurden oxidiert und aus dem Vergaser als Asche oder
Flugstaub abgezogen. Das noch mit geringen Mengen Flugstaub beladene heiße Rohgas
wurde der weiter oben beschriebenen Gasbehandlung unterzogen, wobei Heizgas, Abhitzedampf
und salzhaltige Lauge anfielen. Um eine getrennte Wäsche des bei der Hydrierung anfallenden
HCl-haltigen Abgases zu vermeiden, wurde dieses vor der Gasbehandlung dem Rohgas der
Vergasung zugemischt.
[0032] Zur Verdeutlichung der Ergebnisse des dargelegten Verfahrens im Hinblick auf den
Abbau der im Altöl enthaltenen Schadstoffe wie PCB, PCT, der Chloralkane und der
Metallgehalte dient nachfolgende Tabelle:

1. Verfahren zur Aufarbeitung von Altöl, bei dem das zuvor entwässerte Altöl einer
Extraktion unter überkritischen Bedingungen unter Anwendung eines bei Normalbedingungen
gasförmigen Lösungsmittels unterworfen wird und anschließend aus der abgetrennten
überkritischen Gasphase die extrahierten Bestandteile durch Druckerniedrigung und/oder
Temperaturänderung abgeschieden werden, gekennzeichnet durch die Anwendung folgender
Verfahrensschritte:
a) Die im Altöl vorhandenen festen Verunreinigungen werden durch Filtration entfernt;
b) das filtrierte Altöl wird einer atmosphärischen Destillation im Temperaturbereich
zwischen 12o°C und 25o°C unterworfen;
c) das vordestillierte Altöl wird einer überkritischen Extraktion bei Drücken von
5o bis 15o bar und Temperaturen von 2o°C bis 8o°C unterworfen, worauf aus der abgetrennten
überkritischen Gasphase die Bestandteile des Extraktes in einem Schritt oder fraktioniert
bei Drücken zwischen 5o und 15o bar und Temperaturen zwischen 4o°C und 2oo°C abgeschieden
werden;
d) der abgeschiedene Extrakt wird bei Temperaturen zwischen 4o°C und 2oo°C durch
ein- oder mehrstufige Entspannung bis auf einen Druck von 1 bis o,o1 bar von den in
ihm noch vorhandenen Lösungsmittelresten befreit;
e) der lösungsmittelfreie Extrakt wird bei einem Druck von 5o bis 15o bar und einer
Temperatur zwischen 25o°C und 4oo°C einer katalytischen Hydrierung unterworfen, wobei
der aus der Hydrierung austretende Gasstrom durch Druck-Wasserwäsche und/oder Druck-Laugenwäsche
gereinigt wird;
f) der in der Extraktionsstufe anfallende Extraktionsrückstand wird bei Temperaturen
zwischen 4o°C und 2oo°C durch ein- oder mehrstufige Entspannung auf einen Druck von
1 bis o,o1 bar von dem in ihm gelösten Lösungsmittel befreit;
g) der lösungsmittelfreie Extraktionsrückstand wird durch Deponierung oder thermische
Behandlung entsorgt,
und
h) das aus dem Extraktionsrückstand zurückgewonnene Lösungsmittel wird mit dem aus
dem Extrakt zurückgewonnenen Lösungsmittel vereinigt und nach entsprechender Verdichtung
dem Hauptlösungsmittelstrom zugesetzt, der in die Extraktionsstufe zurückgeführt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der hydrierte Extrakt,gegebenenfalls
unter Zusatz von Bleicherde in einer Menge von bis zu 5 Gew.-%, durch Vakuumdestillation
fraktioniert wird.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß der lösungsmittelfreie
Extraktionsrückstand in einer Flammenreaktion in Gegenwart von Sauerstoff und/oder
Luft bei Temperaturen zwischen 13oo°C und 2ooo°C vergast wird, wobei das anfallende,
im wesentlichen aus den Komponenten CO, H₂, CO₂, H₂O und N₂ bestehende Gas in einer
nachgeschalteten Gasreinigung von unerwünschten Bestandteilen, insbesondere von den
aus den Öladditiven herrührenden Metallverbindungen, befreit wird.
4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das bei der
atmosphärischen Destillation des Altöles anfallende Gasöl I gemeinsam mit dem Extraktionsrückstand
vergast wird.
5. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Gasöl I
dem Extraktionsrückstand zwecks Viskositätserniedrigung vor der Vergasung zugemischt
wird.
6. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die bei der
Vakuumdestillation des hydrierten Extraktes anfallende verölte Bleicherde im Extraktionsrückstand
und Gasöl I suspendiert und gemeinsam mit diesen vergast wird.
7. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß das bei der
atmosphärischen Destillation des Altöles anfallende Wasser mit dem Extraktionsrückstand
vergast wird.
8. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Vergasung
des bei der atmosphärischen Destillation des Altöles anfallenden Wassers unter Brennstoffzugabe
erfolgt.
9. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß dem bei der
atmosphärischen Destillation des Altöles anfallenden Wasser vor der Vergasung flüssige
kohlenwasserstoffhaltige Abfallstoffe zugesetzt werden.
1o. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß das bei der
atmosphärischen Destillation des Altöles anfallende Wasser einer biologischen Abwasserreinigung
aufgearbeitet und der dort anfallende Klärschlamm gemeinsam mit dem Extraktionsrückstand
vergast wird.
11. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 1o, dadurch gekennzeichnet, daß als Lösungsmittel
für die Extraktion Äthan oder Propan sowie Mischungen dieser Gase verwendet werden.
12. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß das verwendete
Lösungsmittel einen Zusatz von Butan enthält.