(19)
(11) EP 0 271 727 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
22.06.1988  Patentblatt  1988/25

(21) Anmeldenummer: 87116941.3

(22) Anmeldetag:  17.11.1987
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4E04D 5/12, E04D 5/10
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE FR GB IT LI NL

(30) Priorität: 17.12.1986 DE 3643041

(71) Anmelder: Paul Bauder GmbH & Co.
D-7000 Stuttgart 31 (DE)

(72) Erfinder:
  • Bauder, Gerhard
    D-7000 Stuttgart 31 (DE)
  • Mauk, Hanns-Jörg
    D-7121 Mundelsheim (DE)
  • Dipper, Michael
    D-7000 Stuttgart 30 (DE)

(74) Vertreter: Hoeger, Stellrecht & Partner 
Uhlandstrasse 14 c
70182 Stuttgart
70182 Stuttgart (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Bituminöse Dachbahn und Verfahren zur Herstellung derselben


    (57) Um bei einer bituminösen Dachbahn mit einer beidseitig mit Bitumen beschichteten Trägereinlage (1) und einem auf der Ober­seite aufgebrachten Kunststoffvlies (5) die Rutschfestigkeit dauerhaft zu erhöhen, wird vorgeschlagen, daß die Bitumen­beschichtung (3) auf der Oberseite unter Ausbildung wulst- oder noppenförmiger Vorsprünge (4) strukturiert ist und daß das auf­gebrachte Kunststoffvlies (5) im Bereich der Vorsprünge (4) in die Bitumenbeschichtung (3) eingebettet ist, während es im Bereich zwischen den Vorsprüngen (4) im wesentlichen auf der Bitumen­schicht (3) aufliegt. Es wird ein Verfahren zur Herstellung ei­ner solchen Dachbahn angegeben.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft eine bituminöse Dachbahn mit einer beidseitig mit Bitumen beschichteten Trägereinlage und ei­nem auf der Oberseite aufgebrachten Kunststoff-Vlies.

    [0002] Bituminöse Dachabdichtungsbahnen, im folgenden kurz als Dachbahnen bezeichnet, bestehen üblicherweise aus einer beidseitig mit Bitumen beschichteten Trägereinlage, die auf der Oberseite und auf der Unterseite mit einer minerali­schen Abstreuung versehen ist. Auf geneigten Dächern mit ei­ner Holzschalung sind derartige Dachbahnen jedoch nur be­dingt rutschsicher und stellen bei der notwendigen Begehung der Dachfläche ein Sicherheitsrisiko dar.

    [0003] Es sind Dachbahnen bekannt, die einseitig mit einm relativ dicken und schweren Kunststoff-Vlies als mechanischer Schutz­schicht kaschiert sind; die Kunststoff-Vliese weisen dabei Flächengewichte in der Größenordnung von 200 bis 500 g/m² auf.

    [0004] Es ist weiterhin bekannt, bituminöse Abdichtungsbahnen auf ihrer Ober- oder Unterseite mit Erhebungen oder Vertiefungen zu versehen. Es hat sich jedoch als nachteilig herausge­stellt, daß das Bitumen, welches als Deckschicht für die Abdichtungsbahn Verwendung findet, einem sehr starken kal­ten Fluß unterworfen ist. Bei den auf einem Dach vorkommen­den Temperaturen fließen die in die Oberfläche bitu­minösen Dachbahn eingeprägten Vertiefungen oder Erhöhungen innerhalb weniger Monate zusammen und gleichen sich aus.

    [0005] Es ist weiterhin auch bekannt, hochstandfeste Bitumenmassen herzustellen, die bei den auf dem Dach vorkommenden Tempera­turen, zum Beispiel bei Temperaturen bis 80°C, auch über längere Zeit keinen Fluß aufweisen; diese Massen sind Mi­schungen aus Bitumen, Füllstoffen, Kunstoff-Zusätzen und insbesondere Faserstoffen. Solche hocharmierten Bitumen­massen lassen sich jedoch auf konventionellen Anlagen zur Dachbahnenerzeugung nicht herstellen, da die Viskosität die­ser Massen für die Verarbeitung auf diesen Dachbahnenanla­gen zu hoch ist.

    [0006] Es ist Aufgabe der Erfindung, eine rutschsichere bituminö­se Dachbahn vorzuschlagen, die auf herkömmlichen Anlagen hergestellt werden kann und die ihre Rutschfestigkeit auch über längere Zeit beibehält.

    [0007] Diese Aufgabe wird bei einer bituminösen Dachbahn der ein­gangs beschriebenen Art erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die Bitumenbeschichtung auf der Oberseite unter Ausbildung wulst- oder noppenförmiger Vorsprünge strukturiert ist und daß das aufgebrachte Kunststoff-Vlies im Bereich der Vor­sprünge in die Bitumenbeschichtung eingebettet ist, während es im Bereich zwischen den Vorsprüngen im wesentlichen auf der Bitumenschicht aufliegt.

    [0008] Es hat sich überraschenderweise herausgestellt, daß eine solche Einbettung eines Kunststoff-Vlieses nur im Bereich der wulst- oder noppenförmigen Vorsprünge der Bitumenschicht diese Vorsprünge soweit stabilisiert, daß sie dauerhaft er­halten bleiben, auch bei den hohen auf Dachoberflächen auf­tretenden Temperaturen. Die Rutschfestigkeit einer solchen Dachbahn wird erheblich dadurch erhöht, daß auf der Ober­seite der Dachbahn nebeneinander Bereiche vorliegen, in de­nen das Kunststoff-Vlies mehr oder weniger frei auf der Oberfläche des Bitumens aufliegt beziehungsweise in denen das Bitumen in das Vlies soweit eindringt, daß das Bitumen bis zur Oberseite des Vlieses gelangt. Diese abwechselnde Strukturierung erhöht die Rutschfestigkeit besonders, wobei die wellige Struktur der Bitumenoberseite durch das Vlies auch über eine sehr lange Zeit stabilisiert und fixiert wird.

    [0009] Günstig ist es, wenn das Kunststoff-Vlies ein Polypropylen- oder Polyester-Vlies mit einem Flächengewicht von 10 bis 50 g/m² ist. Es handelt sich somit um ein sehr dünnes Vlies, welches der Struktur der Bitumenoberfläche folgen kann, so daß sich die Struktur der Bitumenoberseite auch durch das dünne Kunststoff-Vlies hindurch zeigt.

    [0010] Die Vorsprünge können vorzugsweise eine Höhne von 0,1 bis 1 mm und eine Breite von 1 bis 5 mm aufweisen. Es ist dabei vorteilhaft, wenn die Vorsprünge sich rippen- oder wulst­ förmig im wesentlichen in Bahnlängsrichtung erstrecken.

    [0011] Beispielsweise können auf eine Bahnbreite von 10 cm min­destens 10 Vorsprünge vorgesehen sein.

    [0012] Bei einer bevorzugten Ausführungsform ist vorgesehen, daß die Dicke des Kunststoff-Vlieses geringer ist als die Höhe der Vorsprünge.

    [0013] Der Erfindung liegt weiterhin die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung einer rutschsicheren Dachbahn an­zugeben, bei dem man die Trägereinlage beidseitig mit er­hitztem und dadurch fließfähigem Bitumen beschichtet und die Dachbahn abkühlt.

    [0014] Diese Aufgabe wird bei dem genannten Verfahren erfindungs­gemäß dadurch gelöst, daß man vor dem Abkühlen die Obersei­te der oberen Bitumenschicht zur Erzeugung der Vorsprünge strukturiert, auf die strukturierte Oberseite des noch fließfähigen Bitumens einen Kunststoff-Vlies auflegt und daß man die Dachbahn abkühlt, sobald das Kunststoff-Vlies im Bereich der Vorsprünge, aber noch nicht dazwischen ins Bitumen eingetaucht ist.

    [0015] Obwohl ein Hauptproblem der Strukturierung einer Bitumen­oberseite darin liegt, daß die Struktur verfließt, wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren trotzdem die Struktur in einem Augenblick in die Oberseite der Bitumenschicht einge­bracht, in dem das Bitumen noch fließfähig ist. Dadurch, daß unmittelbar nach dem Aufbringen der Struktur, also der Ausbildung der wulst- oder rippenförmigen Vorsprünge, ein dünnes Kunststoff-Vlies auf die strukturierte Oberfläche des noch fließfähigen Bitumens aufgelegt wird, ergibt sich eine Stabilisierung der Struktur der Bitumenoberfläche, die wahrscheinlich hauptsächlich darauf beruht, daß das Kunst­stoff-Vlies zunächst im Bereich der Vorsprünge in die Bitu­menmasse eintaucht und damit die Vorsprünge im Bereich ih­rer Außenfläche armiert. Dadurch wird die Außenhaut gerade der Vorsprünge stabilisert, so daß beim nachfolgenden Ab­kühlen die Außenstruktur des Bitumens erhalten bleibt. Die­ses Verfahren ermöglicht es, zur Herstellung der Dachbahn relativ fließfähiges Bitumen zu verwenden, wie es üblicher­weise auf Dachbahnenanlagen eingesetzt wird, es ist also nicht notwendig, zur Erhaltung der Oberflächenstruktur be­sonders vorarmierte Bitumenmassens zu verwenden, die auf den herkömmlichen Dachbahnenlagen nicht mehr verarbeitet wer­den könnten.

    [0016] Die nachfolgende Beschreibung einer bevorzugten Ausführungs­form der Erfindung dient im Zusammenhang mit der Zeichnung der näheren Erläuterung. Die Zeichnung zeigt eine schemati­sche Schnittansicht durch eine Dachbahn mit strukturierter Oberseite und mit einem auf der Oberseite aufgebrachten Kunststoff-Vlies zur Stabilisierung der Oberflächenstruktur.

    [0017] Die in der Zeichnung dargestellte Dachbahn umfaßt eine Trä­gereinlage 1, die beispielsweise als Glasvlies, Glasgewebe, Kunststoff-Vlies, Kunststoff-Gewebe oder Kunststoff-Folie ausgebildet ist, wie dies bei Dachbahnen an sich üblich ist. Diese Trägereinlage 1 ist beidseitig mit einer Bitumenbe­schichtung 2 beziehungsweise 3 versehen. Die dafür verwen­deten Beschichtungsmassen entsprechen denen, die herkömm­ lich für Dachbahnen verwendet werden, beispielsweise kann eine der nachfolgend angegebenen Bitumenmassen verwendet werden:

    Rezeptur 1:



    [0018] 80 Gewichtsprozent Bitumen 100/40
    20 Gewichtsprozent Schiefermehl

    Rezeptur 2 :



    [0019] 88 Gewichtsprozent Bitumen B 200
    12 Gewichtsprozent Styrolbutadien/Styrolkautschuk

    Rezeptur 3 :



    [0020] 65 Gewichtsprozent Bitumen B 200
    15 Gewichtsprozent ataktisches Polypropylen
    20 Gewichtsprozent Kalksteinmehl.

    [0021] Die Trägereinlage 1 wird auf einer herkömmlichen Anlage zur Herstellung von Dachbahnen beidseitig mit der Bitumen­masse beschichtet, wobei die Bitumenmasse zu diesem Zweck soweit erwärmt wird, daß sie gut fließfähig ist.

    [0022] Unmittelbar nach der Beschichtung der Trägereinlage wird die Oberseite der Bitumenbeschichtung 3 profiliert, bei­spielsweise durch geeignete Profilwalzen. Dadurch werden in der Oberfläche wulst- oder noppenförmige Vorsprünge 4 ausge­bildet, die sich beispielsweise 0,1 bis 1 mm über die Ober­seite der Bitumenbeschichtung 3 erheben. Diese Vorsprünge können bei wulst- oder rippenförmiger Ausbildung im wesent­lichen parallel zur Bahnrichtung verlaufen, es ist vorteil­ haft, wenn mindestens 10 derartige Wülste auf 10 cm Bahn­breite kommen.

    [0023] Unmittelbar nach der Profilierung der Oberseite der Bitumen­beschichtung 3 und der Ausbildung der Vorsprünge 4 wird auf diese strukturierte Oberfläche ein dünnes Kunststoff-Vlies 5 aufgelegt, beispielsweise ein Polypropylen-Vlies oder ein Polyester-Vlies mit Flächengewichten von 10 bis 50 g/m². Dieses Vlies hat eine Dicke, die vorzugsweise unter der Dicke der Vorsprünge liegt. Das Kunststoff-Vlies 5 sinkt zunächst im Bereich der Vorsprünge 4 in die noch fließfä­hige Bitumenmasse der Bitumenbeschichtung 3 ein, während es durch die Vorsprünge 4 noch im Abstand von der Oberseite der Bitumenbeschichtung 2 zwischen den Vorsprüngen 4 gehalten wird. Durch das Einsinken des Kunststoff-Vlieses 5 in die Vorsprünge 4 werden diese insbesondere in ihrem oberflä­chennahen Bereich armiert und damit stabilisiert, so daß die Neigung des Bitumens zum Zusammenfließen und damit zur Nivellierung der Strukturierung ganz erheblich herabgesetzt wird.

    [0024] Sobald das Kunststoff-Vlies 5 im Bereich der Vorsprünge 4 zumindest teilweise eingebettet ist, wird die Dachbahn in herkömmlicher Weise abgekühlt, wobei die durch das Kunst­stoff-Vlies 5 stabilisierte Profilierung der Oberfläche "eingefroren" wird, so daß sie erhalten bleibt. Das Kunst­stoff-Vlies ist nach dem Abkühlen im Bereich der Vorsprünge 4 in die Bitumenmasse eingebettet, und zwar vorzugsweise im Oberfächenbereich, während das Kunststoff-Vlies in den da­zwischenliegenden, tieferen Bereichen im wesentlichen auf der Bitumenschicht aufliegt oder allenfalls geringfügig in diese eintaucht. In der Zeichnung ist die Anordnung des Kunststoff-Vlieses 5 sehr schematisch dargestellt, tatsäch­lich wird sich das Vlies nicht so genau an die profilierte Oberfläche der Bitumenmasse halten, wie dies in der Zeich­nung wiedergegeben ist.

    [0025] Nach Abschluß des Herstellungsverfahrens zeigt die Ober­fläche der Dachbahn nebeneinander Bereiche, die im wesent­lichen aus kunststoffarmiertem Bitumen beziehungsweise aus einem nur leicht an die darunterliegende Bitumenschicht ge­bundenen, sonst völlig freiliegenden Kunststoff-Vlies be­stehen. Dadurch wird insgesamt die Rutschfestigkeit einer solchen Bahn erheblich erhölt. Besonders vorteilhaft ist bei diesem Aufbau, daß die Profilstruktur der Oberfläche auch dann erhalten bleibt, wenn die Bitumenmasse durch Er­höhung der Temperatur aufgeweicht wird, da die Kunststoff­armierung im Bereich der Vorsprünge insgesamt zu einer Vis­kositätserhöhung führt und damit einem Zerfließen der Vor­sprünge entgegenwirkt.

    [0026] Im Gegensatz zu Dachbahnen, die mit relativ dicken Kunst­stoff-Vliesen kaschiert sind, ist für die beschreibene Dachbahn wesentlich, daß das Kunststoff-Vlies so dünn aus­gebildet ist, daß es sich an die Struktur der profilierten Bitumenoberfläche anpaßt und es dem Bitumen ermöglicht, im Bereich der Vorsprünge das Vlies soweit zu durchdringen, daß and der Oberfläche faserarmierte Bitumenbereiche her­vortreten, die durch die nicht in das Bitumen entauchende Zwischenbereiche des Kunststoff-Vlieses voneinander ge­trennt sind.


    Ansprüche

    1. Bituminöse Dachbahn mit einer beidseitig mit Bitumen beschichteten Trägereinlage und einem auf der Obersei­te aufgebrachten Kunststoffvlies,
    dadurch gekennzeichnet, daß die Bitumenbeschichtung (3) auf der Oberseite unter Ausbil­dung wulst- oder noppenförmiger Vorsprünge (4) struktu­riert ist und daß das aufgebrachte Kunststoffvlies (5) im Bereich der Vorsprünge (4) in die Bitumenbeschich­tung (3) eingebettet ist, während es im Bereich zwi­schen den Vorsprüngen (4) im wesentlichen auf der Bitu­menbeschichtung (3) aufliegt.
     
    2. Dachbahn nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Kunststoffvlies (5) ein Polypropylen-Vlies oder ein Polyester-Vlies mit einem Flächengewicht von 10 bis 50 g/m² ist.
     
    3. Dachbahn nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch ge­kennzeichnet, daß die Vorsprünge (4) eine Höhe von 0,1 bis 1 mm und eine Breite von 1 bis 5 mm aufweisen.
     
    4. Dachbahn nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Vorsprünge (4) sich rippen- oder wulstförmig im wesentlichen in Bahnlängsrichtung erstrecken.
     
    5. Dachbahn nach einem voranstehenden Ansprüche, da­durch gekennzeichnet, daß mindestens 10 Vorsprünge (4) auf 10 cm Bahnbreite vorgesehen sind.
     
    6. Dachbahn nach einem der voranstehenden Ansprüche, da­durch gekennzeichnet, daß die Dicke des Kunststoff-­Vlieses (5) geringer ist als die Höhe der Vorsprünge (4).
     
    7. Verfahren zur Herstellung einer Dachbahn gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6, bei dem man die Trägereinlage beidseitig mit erhitztem und dadurch fließfähigem Bi­tumen beschichtet und die Dachbahn abkühlt, dadurch ge­kennzeichnet, daß man vor dem Abkühlen die Oberseite der oberen Bitumenbeschichtung zur Erzeugung der Vor­sprünge strukturiert, auf die strukturierte Oberseite des noch fließfähigen Bitumens ein Kunststoff-Vlies auflegt und daß man die Dachbahn abkühlt, sobald das Kunststoff-Vlies im Bereich der Vorsprünge, aber noch nicht dazwischen in das Bitumen eingetaucht ist.
     




    Zeichnung







    Recherchenbericht