[0001] Vorrichtung zur Nutzung der Zyklizität der Belastung nicht atmender Transformatoren
zum Zweck der Trockenhaltung des Isoliersystems durch Anordnung eines Gaspolsters,
die das hin- und herströmende Gas zwingt, die darin enthaltene Feuchte an eine geeignete
Trockenvorrichtung abzugeben, wodurch sich ein Feuchtekonzentrationsgefälle (Feuchteuntersättigungsgefälle)
ergibt, das der Feuchteansammlung im Isoliersystem entgegenwirkt.
Stand der Technik
[0002] Nichtatmende elektrische Transformatoren werden häufig mit einem Gaspolster beaufschlagt.
Dies geschieht, um die Komprimierbarkeit von Gasen zum Zweck der Druckaufnahme bei
der Ausdehnung der Flüssigkeit durch Erwärmung und der Vermeidung starker Unterdrücke
bei auskühlungsbedingter Volumerminderung zu nutzen. Gewöhnlich kommt als Gas Stickstoff
zur Anwendung. Es hat sich jedoch gezeigt, daß starke tageszeitenzyklische Wechselbelastung
des Transformators oft dazu führt, daß über kurz oder lang das Stickstoffpolster zum
Luftpolster wird. Daraus wurden gegensätzliche Folgerungen gezogen: Teils kehrte man
zum Transformator mit Ausdehnungsgefäß zurück, teils entschloß man sich, unter Verwendung
von Stahlblechen, die sich durch hohe elastische Verformbarkeit auszeichnen, für integral
befüllte Transformatoren ohne Gaspolster, obwohl bei dieser Bauart die bei Abkühlung
entstehenden Unterdrücke notwendigerweise größer sind. Da auf dem Verteiltransformatorenbereich
aufgrund der relativ niedrigen Oberspannungen die Beeinträchtigung der Durchschlagfestigkeit
als weniger kritisch angesehen wird, hat man sich mit einer der beiden alternativen
Kompromißlösungen abgefunden, zumal konstruktive Überlegungen dagegen sprachen, das
Stickstoffpolster so großzügig zu bemessen, daß bei Flüssigkeitsabkühlung kein Unterdruck
entsteht.
[0003] Neben den erwähnten Alternativen sind auch Hybridlösungen mit verschiedenen Anordnungen
von Membranen eingesetzt worden. Die verschiedenen Spielarten haben gemeinsam, daß
sie den Sauerstoff-Zugang auszuschließen oder zumindest zu reduzieren versuchen. Gegenwart
von Sauerstoff im dielektrischen System ist immer nachteilig; auch wenn die verwendete
Flüssigkeit nur wenig von der Gegenwart von Sauerstoff beeinflußt wird, steht die
schnellere Alterung der Zellulose außer Frage. (IEEE Trans. Electr. Insul., Vol E1-13
No 5, October 1978)
[0004] Bei der Beaufschlagung mit Stickstoff nimmt man in Kauf, daß die Flüssigkeit mit
Stickstoff gesättigt ist. Außer im Höchstspannungsbereich neigt man dazu, die Frage
zu verneinen, ob die Sättigung der Flüssigkeit mit Stickstoff die Durchschlagfestigkeit
dadurch beeinträchtigen könnte, daß Mikrobläschenbildung bei Abkühlung auftritt.
[0005] Die thermische Belastung des Transformators, insbesondere des Aktivteils, bewirkt
Alterung der Zellulose, wobei neben anderen Zersetzungsprodukten auch Wasser gebildet
wird. Dieses ist im dielektrischen System grundsätzlich unerwünscht, da es sich nachteilig
auf die dielektrischen Eigenschaften des Gesamtsystems auswirkt. Das jeweilige Gleichgewicht
zwischen Isolierflüssigkeit und flächigem Isolierstoff wird von der Hygroskopizität
der Flüssigkeit mitbestimmt. Die nach IEC 1100 als K-Flüssigkeiten mit einem Brennpunkt
von >300°C eingestuften Flüssigkeiten Polydimethylsiloxan 50mm
2·sec
-1 und Pentaerythrit-Tetraester zeichnen sich gegenüber herkömmlichen Ölen durch höhere
Hygroskopizität einerseits, andererseits jedoch sehr geringe Beeinträchtigung der
Durchschlagfestigkeit bei Wasseraufnahme aus. Gegenüber Mineralöl ist diese Unempfindlichkeit
sehr viel höher. Auch unter der Annahme, Zellulosealterungsfeuchte könne nicht zu
Schäden führen, besteht kein Anlaß, sie nicht aus dem Isoliersystem zu entfernen.
Gegenstand der Erfindung
[0006] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist die Nutzung der Möglichkeit der Wasserabführung
und -bindung - gleichgültig ob dieses Wasser aus der Atmosphäre stammt und seinen
Ursprung in starken Unterdrücken und gegen Gas undichten Dichtungen hat oder zwangsweise
bei der Zellulosealterung anfällt - durch konstruktive Nutzung der Schaffung eines
Untersättigungsgefälles vom extrem trockenen Stickstoffpolster zur Flüssigkeit bzw.
zum flächigen Isolierstoff und die Nutzung der Tatsache, daß sich die meisten Transformatoren
durch zyklische - gewöhnlich tageszeitenzyklische - Lastspiele auszeichnen.
[0007] Das Konstruktionsziel verfolgt bei Transformatoren, die Zellulose enthalten, also
den Zweck, die Belastungszyklizität für die Trocknung nicht nur ausnahmsweise angesaugter
atmosphärischer Feuchte einzusetzen sondern auch für die Unschädlichmachung der Feuchte,
die ihren Ursprung in der Zellulosealterung hat.
[0008] Das Konstruktionsziel wird durch bisher nicht realisierte gleichzeitige Nutzung mehrerer
Umstände verwirklicht.
[0009] Die meisten Verteiltransformatoren, aber auch viele Leistungstransformatoren, weisen
eine ausgeprägte Zyklizität der Belastung auf. Die Dimensionierung des Stickstoffpolsters
bestimmt die Höhe der dabei entstehenden Über- und Unterdrücke. Dabei geht das Gas,
temperaturabhängig, bei Druckerhöhung langsam in Lösung und tritt bei Druckminderung
wieder aus. Letzterer Vorgang verläuft rascher als ersterer.
[0010] Wird bei Unterdruck wiederholt Luft angesaugt, kommt es zur Aufnahme von Luftfeuchte
bis zum Sättigungsgrad der Flüssigkeit, die insbesondere bei Abkühlung die Feuchte
teilweise auf dem flächigen Isolierstoff ablädt. Die jeweils herrschende Wasseraufnahmefähigkeit
des Gases, der Isolierflüssigkeit und der Zellulose hängt von der Hygroskopizität
dieser drei Elemente bei den jeweiligen Bedingungen ab.
[0011] Die Tatsache, daß das Gas in der beschriebenen Anordnung, wie in der Schemazeichnung
dargestellt, über einen Gastrockner, z.B. mit Silicagel als Feuchtefalle, hin- und
hergeleitet wird, je nachdem, ob sich die Flüssigkeit ausdehnt oder zusammenzieht,
wird dazu ausgenutzt, das Gas in einem extrem trockenen Zustand zu halten, um dadurch
die mit dem extrem trockenen Gas in Berührung stehende Flüssigkeit ebenfalls trocken
zu halten und damit wiederum die Feststoffisolierung zu trocknen bzw. die thermisch
bedingte Alterung der Zellulose und/oder deren Folgen abzuschwächen, und insbesondere,
durch mangelnde Dichtigkeit eingedrungene, atmosphärische Feuchte frühzeitig und fortwährend
der Flüssigkeit zu entziehen.
[0012] Bei Anordnung einer Kapillare als Durchflußminderer in der Verbindungsleitung zwischen
Transformator und Zwischengefäß (in der Schemazeichnung als V1 gekennzeichnet) ist
die Öffnung der Kapillare so zu bemessen, daß weder Verstopfungen, noch Druckaufbau
entstehen können. Dies geschieht durch Wahl eines Mindestdurchmessers von 1mm und
durch proportionale Anpassung des Kapillarendurchmessers an das Flüssigkeitsvolumen
des Transformators.
[0013] Wenn der Gastrockner so gestaltet wird, daß, bei Verwendung von Silicagel als Feuchtefalle,
der Silicagelinhalt sichtbar ist, ist dieser durchaus geeignet, Undichtigkeiten des
Systems sichtbar zu machen. Die sehr geringe Feuchtemenge aus der Zellulosealterung
ist, bei entsprechender Silicagel-Füllmenge, nicht in der Lage, eine merkliche Verfärbung
von bläulich nach rosa zu bewirken. Eine solche Verfärbung wird jedoch bei starker
Luftfeuchteaufnahme bald eintreten.
[0014] Um zu vermeiden, daß sich ein signifikanter Teil des in den Behältern V1 und V2 befindlichen
Stickstoffs in der Flüssigkeit, die zur Erzielung einer hohen Imprägniergute hochentgast
sein muß, löst, was spätere Stickstoffzugaben oder, zur weitgehenden Kompensation
des Druckabfalls, kostspieliges Überdimensionieren erfordern würde, und um das beschriebene
Wirkungsprinzip nicht einzuschränken, wird beim Befüllen des beschriebenen Transformatorentyps
und beliebiger anderer mit Stickstoff beaufschlagter Transformatoren so verfahren,
daß zunächst der Transformator bei der Erstbefüllung mit einer zur Erzielung einer
hohen Imprägniergüte hochentgasen Isolierflüssigkeit befüllt wird und diese dann,
nach Befüllung des Transformators mit trockenem Stickstoff, von einer von anderen
Gasen befreiten aber mit Stickstoff gesättigten Isolierflüssigkeit ersetzt wird. Die
Dimensionierung von V1 und V2 wird mitbestimmt von der Flexibilität des Transformators
selbst und davon, wie weit man diese Flexibilität in Anspruch nehmen will.
1. Vorrichtung zur Trockenhaltung eines elektrischen Isoliersystems aus Isolierflüssigkeit
und imprägnierfähigem Feststoff in einem elektrischen Gerät, das sich durch Gasbeaufschlagung
und durch Zyklizität der Belastung auszeichnet, und dessen Belastungsspiele zu einer
Vergrößerung und Verkleinerung des Flüssigkeitsvolumens bei entsprechender Verkleinerung
und Vergrößerung des Gasvolumens und einer dadurch verursachten Druckbelastung und
Druckentlastung führen, wobei die Vorrichtung die zyklischen Bewegungen von Gas und
Flüssigkeit zur Trockenhaltung des gesamten Systems nutzbar macht.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß durch die Anordnung und Aufstellung
des Stickstoff-Druckkompensationsgefäßes (in der Schemazeichnung als V2 gekennzeichnet)
gewährleistet wird, daß nicht, etwa durch Sonneneinstrahlung, gleichzeitig zur Ausdehnung
der Flüssigkeit, eine Ausdehnung des Gases stattfindet.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Gasausgleichsgefäß, bzw.
Druckkompensationsgefäß (V2), an einem Ort angeordnet wird, der seiner Funktion besser
entspricht als eine Anordnung in unmittelbarer Nähe des elektrischen Geräts, z.B.
unter dem Dach einer Werkhalle, unter einer Hochbühne usw.
4. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß in der Verbindungsleitung
zwischen Transformator und Zwischengefäß (V1) eine Durchflußdrosselung vorgesehen
wird, die zwar die Flüssigkeit in beiden Fließrichtungen fließen läßt, jedoch das
in einer Zeiteinheit durchfließende Volumen drosseln kann, so daß bei plötzlicher
Spaltgasentstehung im Transformator der dadurch bewirkte Druckanstieg leichter gemessen
und ein Fehler leichter detektiert werden kann.
5. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Gastrockner so gestaltet
wird, daß, bei Verwendung von Silicagel als Feuchtefalle, der Silicagelinhalt sichtbar
ist und seine Farbveränderung Luftfeuchteaufnahme und damit eine Undichtigkeit im
System anzeigt.
6. Verfahren der Befüllung von mit Stickstoff zu beaufschlagenden Transformatoren, dadurch
gekennzeichnet, daß der Transformator nach imprägnierender, mit einer entgasten Isolierflüssigkeit
erfolgten Erstbefüllung entleert und mit einer mit Stickstoff gesättigten Flüssigkeit
neu befüllt wird.