[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Belastungsbestimmung
bei Ergometern mit den Merkmalen im Oberbegriff des Hauptanspruches.
[0002] Derartige Ergometer bestehen aus einem fahrradähnlichen Gestell, einer Tretkurbel,
einer Bremse, insbesondere einer Wirbelstrombremse, und einer Übertragungseinrichtung,
die die Muskelkräfte von der Tretkurbel auf die Bremse überträgt. Die Übertragungseinrichtung
ist üblicherweise ein Getriebe. Zur Belastungsbestimmung wird die vom Probanden über
die Tretkurbel aufgebrachte Kraft üblicherweise als Bremskraft oder Bremsmoment an
der Bremse selbst gemessen. Außerdem kann noch die Drehzahl oder Geschwindigkeit gemessen
und hieraus die Leistung anhand von Bremskraft oder Bremsmoment ermittelt werden.
Bei diesen Messungen bleiben Kraft- und Wegverluste durch Reibung, Schlupf etc., die
zwischen Tretkurbel und Bremse auftreten, unberücksichtigt. Solche Ergometer werden
häufig für medizinische Zwecke eingesetzt, bei denen die genaue Ermittlung der Patientenbelastung
wichtig ist.
[0003] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein besseres Verfahren nebst Vorrichtung
zur Belastungsbestimmung bei Ergometern oder anderen derartigen Geräten aufzuzeigen.
[0004] Die Erfindung löst diese Aufgabe mit den Merkmalen im Verfahrens- und Vorrichtungshauptanspruch.
Das beanspruchte Verfahren und die zugehörige Vorrichtung haben den Vorteil, dass
sie über die Messung der Reaktionskraft oder des Reaktionsmoments der zusammengefassten
Antriebseinheit die vom Probanden aufgebrachten Kräfte sehr viel besser und genauer
ermitteln können. Insbesondere werden hierbei auch die innerhalb der Antriebseinheit
auftretenden Verluste vollständig erfasst. Dies ist vor allem für medizinische Ergometer
von Vorteil, bei denen es auf eine genaue Erfassung der körperlichen Belastung und
Leistung von Probanden ankommt.
[0005] In Verbindung mit einer geeigneten Drehzahlmessung kann die vom Probanden aufgebrachte
körperliche Leistung wesentlich besser und genauer als bisher ermittelt werden. Dies
ist vor allem auch mit Hinblick auf eine Steuerung oder Regelung der Leistung bzw.
der Bremskraft von Vorteil. Die Drehzahlmessung kann auf beliebige Art und an beliebiger
Stelle erfolgen. Mit Hinblick auf die Genauigkeit der Leistungsermittlung ist eine
Drehzahlerfassung in einem nicht von Schlupf belasteten Bereich der Antriebseinheit
günstig.
[0006] Ferner ergibt sich der Vorteil, dass die Antriebseinheit sehr klein baut und wenig
Gewicht hat. Die Antriebseinheit bildet außerdem eine in sich geschlossene Komponente,
die zudem in ihrem Gehäuse bei Bedarf vollständig gekapselt sein kann. Diese Komponente
lässt sich standardisieren und bei beliebigen Ergometern bzw. Gestellen unterbringen.
Günstig ist zudem die Geräuscharmut, für die z.B. eine besondere Getriebeausbildung
mit einer Kombination von Zahnriemen und Reibriemen nützlich ist.
[0007] Für die Messung der Reaktionskraft bzw. des Reaktionsmoments können unterschiedlichste
Vorrichtungen und Messtechniken eingesetzt werden. Die Variante mit dem Biegestab
und dem Messstreifen hat den Vorteil, dass sie besonders einfach, betriebssicher und
präzise ist. Der Einsatz eines Kraft- oder Drucksensors bietet den Vorteil einer gekapselten
Anordnung und der Verwendungsmöglichkeit von standardisierter Sensorik nebst Software
und weiterer Hardware. Außerdem lässt sich das Eigengewicht der Antriebseinheit durch
eine federnde Aufhängung kompensieren.
[0008] In den Unteransprüchen sind weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung angegeben.
[0009] Die Erfindung ist in den Zeichnungen beispielsweise und schematisch dargestellt.
Im einzelnen zeigen:
- Figur 1:
- einen Ergometer mit einer Antriebseinheit und einer Vorrichtung zur Belastungsbestimmung
in Seitenansicht,
- Figur 2:
- eine vergrößerte Seitenansicht der Antriebseinheit und der Messeinrichtung von Figur
1,
- Figur 3:
- eine teilweise abgebrochene und reduzierte Draufsicht auf die Antriebseinheit gemäß
Pfeil III von Figur 2,
- Figur 4:
- eine Variante des Ergometers in Seitenansicht,
- Figur 5:
- eine teilweise abgebrochene Draufsicht auf die Antriebseinheit gemäß Pfeil V von Figur
4 und
- Figur 6:
- eine vergrößerte Seitenansicht der Antriebseinheit und der Messeinrichtung von Figur
4.
[0010] Figur 1 und 4 zeigen in der Seitenansicht einen Ergometer (1), der ein fahrradähnliches
Gestell (2) mit einer Vorrichtung zur Belastungsbestimmung des Probanden (nicht dargestellt)
aufweist. Vorzugsweise handelt es sich um einen medizinischen Ergometer. Das Gestell
(2) hat einen Sitz, einen Lenker und Füße zur Aufstellung am Boden. Abweichend von
der gezeigten Ausführungsform kann das Gestell (2) eine beliebige andere Gestaltung
haben. Statt eines Fahrradsattels kann ein anderer Sitz oder auch eine Liegefläche
vorhanden sein.
[0011] Der Ergometer (1) verfügt über ein Betätigungselement (7), z.B. eine Tretkurbel (7),
die um eine Betätigungsachse (8), z.B. eine Tretkurbelachse drehbar ist und die über
eine Übertragungseinrichtung (12), vorzugsweise ein mehrstufiges Getriebe, mit einer
Bremse (3), vorzugsweise einer Wirbelstrombremse, verbunden ist. Der Proband muss
beim Treten der Kurbel (7) gegen die Kraft der vorzugsweise einstellbaren Bremse (3)
arbeiten. In der gezeigten Ausführungsform ist die Kurbel (7) als Tretkurbel ausgebildet,
die per Fuß betätigt wird. Im Sinne der vorliegenden Erfindung wird unter einer Tretkurbel
(7) auch eine Handkurbel oder ein beliebiges anderes mit einem menschlichen Körperteil
zu betätigendes Antriebselement verstanden.
[0012] Die Vorrichtung zur Bestimmung der körperlichen Belastung des Probanden beinhaltet
eine um die Betätigungsachse (8) drehbar gelagerte Antriebseinheit (4) und eine Messeinrichtung
(5), mit der in der nachfolgend näher geschilderten Weise die Reaktionskraft F oder
das Reaktionsmoment M der ebenfalls nachfolgend näher beschriebenen Antriebseinheit
(4) gemessen wird. Die Reaktionskraft F repräsentiert die an der Tretkurbel (7) aufgebrachte
Fußkraft. Außerdem kann die Betätigungs-Drehzahl oder Drehgeschwindigkeit in beliebig
geeigneter Weise gemessen werden, z.B. durch einen Drehzahlmesser (27). Aus dem Produkt
von Reaktionsmoment M und Drehzahl kann die vom Probanden aufgebrachte körperliche
Leistung berechnet werden. Die Vorrichtung zur Belastungsbestimmung kann ferner eine
mit der Messeinrichtung (5) und ggf. auch mit der Antriebseinheit (4) verbundene Steuerung
(6) mit Anzeige-, Eingabe- und Bedienelementen aufweisen.
[0013] Die Steuerung (6) ist an geeigneter Stelle am Gestell (2) oder an der Antriebseinheit
(4) plaziert und über Leitungen (28) mit der Messeinrichtung (5) und dem Drehzahlmesser
(27) verbunden. In der Steuerung (6) können die Messergebnisse ausgewertet und die
Leistung berechnet und über geeignete Anzeigemittel, z.B. einen Monitor, LCD-Displays
oder dgl. dem Probanden zur Anzeige gebracht werden. Außer der Leistung können auch
andere relevante Parameter, wie die Reaktionskraft oder das Reaktionsmoment, die Drehzahl
oder dergleichen angezeigt werden.
[0014] Ferner kann die Steuerung (6) über Leitungen (28) mit der verstellbar ausgebildeten
Bremse (3) verbunden sein. Die Verstellung der Bremskraft kann über geeignete Eingabemittel,
z.B. eine Tastatur am Steuerungsgehäuse, vom Probanden selbst vorgenommen werden.
Die Bremskraft kann alternativ auch automatisch von der Steuerung (6) im Rahmen eines
Steuer- oder Regelprozesses oder -programms eingestellt werden. Insbesondere kann
die Bremskraft geregelt werden, um in Abhängigkeit von der aktuellen Drehzahl eine
konstante Probandenbelastung oder -leistung zu erreichen.
[0015] Die Tretkurbel (7), die Übertragungseinrichtung (12) und die Bremse (3) sind zu einer
gemeinsamen Antriebseinheit (4) zusammengefasst und besitzen ein gemeinsames Antriebsgehäuse
(9). Im Antriebsgehäuse (9) ist die Tretkurbel (7) über geeignete leichtgängige Kurbellager
(11) drehbar gelagert. Im Antriebsgehäuse (9) sind auch die Komponenten der Übertragungseinrichtung
(12) und die Bremse (3) gelagert. Die Tretkurbel (7) ist über ihre Kurbelachse (8)
an den beidseits vom Antriebsgehäuse (9) nach außen vortretenden Wellenzapfen in zwei
seitlichen Lagerschilden des Gestells (2) über beidseitige leichtgängige Kurbellager
(10) drehbar und relativ ortsfest gelagert. Auf Grund dieser Tretkurbellagerung kann
die Antriebseinheit (4) mit ihrem Antriebsgehäuse (9) in der Art einer Schwinge um
die Tretkurbelachse (8) schwenken.
[0016] Die Übertragungseinrichtung (12) ist in der bevorzugten Ausführungsform als mehrstufiges
Getriebe, z.B. als Riemengetriebe mit drei Getriebestufen (12',12'',12''') ausgebildet.
Alternativ kann es sich um ein Planetenradgetriebe, Stirnradgetriebe, Kettengetriebe
oder um ein beliebiges anderes Getriebe handeln. In weiterer Variante ist eine andere
einfache und direkte Übertragung zwischen der Tretkurbel (7) und der Bremse (3) möglich.
[0017] In der gezeigten Ausführungsform besitzt das Riemengetriebe drei Getriebestufen (12',12",12''')
mit im Durchmesser abgestuften Antriebsscheiben (13), z.B. Riemenscheiben (13',13'',13'''),
zugehörigen jeweils kleineren Abtriebsscheiben und Antriebselementen (15), z.B. Riemen
(15', 15", 15"') in Form von Reibriemen oder Zahnriemen. Diese Übersetzung ins Schnelle
ist vor allem für eine Wirbelstrombremse (3) von Vorteil, weil deren Bremskräfte geschwindigkeitsabhängig
sind und mit der Geschwindigkeit steigen.
[0018] In der gezeigten Ausführungsform ist die erste große Antriebs-Riemenscheibe (13')
auf der Tretkurbelachse (8) drehschlüssig montiert und wird direkt von der Tretkurbel
(7) angetrieben. Die Scheibenachse (14) fällt hierbei mit der Tretkurbelachse (8)
zusammen. Die beiden nachfolgenden Antriebs-Riemenscheiben (13'',13''') sind mit ihren
zugeordneten Abtriebsscheiben über eigene Riemenachsen (14) im Antriebsgehäuse (9)
frei drehbar gelagert. Bei der letzten Antriebs-Riemenscheibe (13''') kann hierbei
eine Verstelleinrichtung zum Nachstellen und Spannen der Riemen (15', 15", 15''')
vorhanden sein. Diese kann gegebenenfalls auch bei der mittleren Antriebs-Riemenscheibe
(13'') vorhanden sein. Ferner kann die Bremse (3) verstellbar gelagert sein.
[0019] Die Bremse (3) ist vorzugsweise als Wirbelstrombremse ausgebildet und ebenfalls im
Antriebsgehäuse (9) gelagert. Die Wirbelstrombremse (3) kann von beliebig geeigneter
Bauart sein. Beispielsweise besteht sie aus einem Stator (18) mit einer umfangseitigen
elektrischen Wicklung (19), die über eine Stromversorgung (20) und eine Signalleitung
(28) mit der Steuerung (6) bzw. einer externen Stromversorgung verbunden ist. Der
Stator (18) ist von einem Rotor (16) umgeben, der vom letzten Riemen (15) drehend
um eine Rotorachse (17) angetrieben wird. Der Rotor (16) besteht aus einem elektrisch
und magnetisch leitenden Material. Er umgibt umfangseitig den Stator (18) mit der
Wicklung (19) mit Abstand bzw. einem Luftspalt. In der elektrischen Wicklung werden
mittels Gleichstrom magnetische Felder erzeugt, die im Rotor (16) bei Relativdrehzahl
Wirbelströme induzieren, die wiederum entgegengerichtete magnetische Felder zur Generierung
der magnetischen Bremskraft verursachen. Eine Veränderung der Bremskraft ist über
eine veränderliche Ansteuerung der Wicklung (19) mit variierenden Stromstärken bzw.
Spannungen möglich.
[0020] In Abwandlung der gezeigten Ausführungsform kann die Wirbelstrombremse (3) mit Dauermagneten
arbeiten, wobei die Bremskraft über eine Änderung des Abstands zwischen den Magneten
und dem Rotor variiert werden kann. In weiterer Abwandlung kann die Bremse (3) in
beliebig anderer Weise ausgebildet sein, z.B. als Reibbremse oder dgl.. In diesen
Varianten sind zur Veränderung der Bremskraft entsprechende mechanische oder elektrische
Stellmittel vorhanden. In einer besonders einfachen Ausführungsform kann auf die Bremskraftverstellung
auch verzichtet werden.
[0021] Das Antriebsgehäuse (9) kann in der einfachsten und in Figur 3 gezeigten Ausführungsform
aus zwei plan parallelen Gehäuseplatten bestehen, an denen die Komponenten der Antriebseinheit
(4) mit geeigneten Lagern starr oder beweglich befestigt sind. Bei dieser Gestaltung
kann das Antriebsgehäuse (9) an den Seiten offen sein. Alternativ kann das Antriebsgehäuse
(9) auch allseitig oder zumindest an mehreren Seiten geschlossen sein.
[0022] Die Messeinrichtung (5) besteht in der in Figur 1 bis 3 gezeigten Ausführungsform
aus einem Biegestab (21) mit einem daran angebrachten Kraftmesser (23), z.B. einer
Anordnung von mehreren elektrischen Dehnmessstreifen, die über die Leitung (28) mit
der Steuerung (6) verbunden sind. Der Biegestab (21) ist mittels einer Abstützung
(22) ortsfest am Gestell (2) gelagert und hat einen definierten bzw. bekannten Abstand
zur Tretkurbelachse (8). In der gezeigten Ausführungsform ist der Biegestab (21) am
rückwärtigen Endbereich und unterhalb des Antriebsgehäuses (9) positioniert. Am rückwärtigen
Ende des Antriebsgehäuses (9) befindet sich ein nach unten ragender Gehäuseansatz
(24), der mit einem Vorsprung an der Unterseite des freien Endes des Biegestabs (21)
anliegt. Zur genauen Lagedefinition kann der Biegestab (21) an dieser Stelle eine
Schneide tragen.
[0023] Das Antriebsgehäuse (9) ist von der aus Freiganggründen relativ hoch liegende Tretkurbelachse
(8) vorzugsweise etwas schräg abwärts gerichtet und ist am rückwärtigen Ende über
eine Feder (25) und eine Aufhängung (26) am Gestell (2) bzw. dessen Lagerschilden
hängend abgestützt. Die Feder (25) kompensiert das Eigengewicht der Antriebseinheit
(4) und ihrer um die Tretkurbelachse (8) schwenkbaren Massen. Über die Feder (25),
die vorzugsweise als Zugfeder ausgebildet ist, wird der Gehäuseansatz (24) außerdem
in Kontakt mit dem Biegestab (21) gehalten.
[0024] Wenn der Proband die Tretkurbel (7) in den gezeigten Darstellungen entgegen des Uhrzeigersinns
bewegt, wird durch die drehschlüssige Verbindung der ersten Getriebestufe (12') bzw.
Antriebs-Riemenscheibe (13') die gesamte Antriebseinheit (4) mit Antriebsgehäuse (9),
Getriebe (12) und Bremse (3) in Tretrichtung gegen den Uhrzeigersinn mitgenommen und
um die Tretkurbelachse (8) geschwenkt. Bei der gezeigten Anordnung entsteht hierdurch
an der Kontaktstelle oder Schneide zwischen dem Gehäuseansatz (24) und dem vorzugsweise
biegesteifen Biegestab (21) eine im wesentlichen senkrechte Reaktionskraft F bzw.
ein aus der Reaktionskraft F und dem gegebenen Abstand zur Tretkurbelachse (8) resultierendes
Reaktionsmoment M. Das Reaktionsmoment M repräsentiert im wesentlichen das gesamte
vom Probanden an der Tretkurbel (7) aufgebrachte Tretmoment. Hierbei sind außer der
Bremskraft der Bremse (3) auch alle im Getriebe (12) auftretenden Verluste durch Reibung
oder sonstige Einflüsse im Reaktionsmoment enthalten. Lediglich das sehr kleine Reibmoment
in den leichtgängigen gestellseitigen Kurbellagern (10) ist nicht erfasst.
[0025] In der Steuerung (6) kann aus der gemessenen Reaktionskraft F und dem bekannten Abstand
das Reaktionsmoment M berechnet und zur Leistungsbestimmung herangezogen werden. Aus
dem Produkt von Drehzahl und Reaktionsmoment kann die tatsächliche Tretleistung des
Probanden direkt und sehr genau berechnet werden.
[0026] Der Drehzahlmesser (27) sitzt an einer beliebig geeigneten Stelle der Antriebseinheit
(4). In der Ausführungsform von Figur 1 bis 3 ist er z.B. am schnell drehenden Rotor
(16) der Wirbelstrombremse (3) positioniert. Die hohe Rotordrehzahl ist für die Messwertauflösung
günstig. Die für die Leistungsbestimmung erforderliche Betätigungs-Drehzahl ergibt
sich aus der gemessenen höheren Rotordrehzahl geteilt durch die Getriebeübersetzung.
[0027] Figur 4 bis 5 zeigen eine Variante des Ergometers (1), die sich vom ersten Ausführungsbeispiel
der Figuren 1 bis 3 in der Ausbildung des Getriebes (12), der Anordnung des Drehzahlmessers
(27) sowie der Art und Anordnung der Messeinrichtung (5) unterscheidet.
[0028] Im Ausführungsbeispiel von Figur 1 bis 3 sind die Riemen (15',15'',15"') des mehrstufigen
Getriebes (12) untereinander gleich ausgebildet und bestehen z.B. aus glatten, breiten
Reibriemen. In der Variante von Figur 4 bis 6 unterscheiden sich die Riemen (15',15'',15''')
untereinander und sind außerdem in anderer konstruktiver Weise ausgebildet. Der erste
Riemen (15') ist hierbei als Zahnriemen (29) ausgebildet, wobei die Antriebs-Riemenscheibe
(13') und die zugehörige kleinere Abtriebsscheibe der ersten Getriebestufe (12') als
Zahnriemenscheiben ausgebildet sind. In Abwandlung dieser Ausführungsform kann statt
eines Zahnriemens (29) auch ein beliebiges anderes formschlüssiges Antriebselement,
z.B. eine Kette oder dergleichen eingesetzt werden. Der Zahnriemen (29) oder das andere
formschlüssige Antriebselement haben den Vorteil, dass die Antriebskräfte von der
Tretkurbel (7) ohne Schlupf in der ersten Getriebestufe (12') übertragen werden können.
Hierbei sind die Drehzahlen noch relativ niedrig, weshalb hier noch keine unerwünschten
Antriebsgeräusche auftreten.
[0029] In den nachfolgenden Getriebestufen (12", 12"') werden andere Riemen (15'',15''')
eingesetzt, die im gezeigten Ausführungsbeispiel als Keilriemen, insbesondere als
mehrteilige Keilriemen und sog. Poly-V-Riemen (30) ausgebildet sind. Entsprechend
der Riemengestaltung mit mehreren nebeneinander liegenden Keilabschnitten haben auch
die zugehörigen Antriebs-Riemenscheiben (13",13"') und die zugehörigen kleineren Abtriebsscheiben
eine Nutenkontur am Außenumfang. Die Keilriemen haben den Vorteil einer geringen Geräuschentwicklung,
was für die gesteigerten Geschwindigkeiten in den späteren Getriebestufen (12", 12"')
günstig ist. Durch die Keilform besteht außerdem eine Seitenführung der Riemen. Alternativ
können andere Reibriemen, z.B. einfache glatte Flachriemen oder dergleichen eingesetzt
werden. Bei Inkaufnahme einer etwas höheren Geräuschentwicklung können hier aber auch
Zahnriemen Verwendung finden.
[0030] Im Ausführungsbeispiel von Figur 4 bis 6 ist der Drehzahlmesser (27) in einem Bereich
der Antriebseinheit (4) angeordnet, wo noch kein Schlupf besteht. Dies ermöglicht
eine besonders genaue Messung. In der gezeigten Ausführungsform ist der Drehzahlmesser
(27) über einen Beschlag mit dem Antriebsgehäuse (9) verbunden und wirkt mit der ersten
Antriebs-Riemenscheibe (13') zusammen. Er erfasst deren Drehzahl in beliebig geeigneter
Weise, z.B. anhand eines zur Tretkurbelachse (8) konzentrischen Inkrementringes, der
vorzugsweise berührungslos, z.B. optisch oder auf andere Weise auf Inkrementwechsel
abgetastet werden kann. Die gemessene Drehzahl ist durch diese Messanordnung die benötige
Betätigungs-Drehzahl.
[0031] Alternativ kann der Drehzahlmesser (27) auch an der zweiten Antriebs-Riemenscheibe
(13") angeordnet sein. Ferner ist es möglich, bei Einsatz eines Zahnriemens (29) oder
eines anderen formschlüssigen Antriebselementes dessen Bewegung und Geschwindigkeit
mit einem entsprechenden Messinstrument abzutasten und hierüber eine Drehzahlmessung
zu bewirken. Wenn außer der ersten Getriebestufe (12') auch ein oder mehrere nachfolgende
Getriebestufen (12'',12''') ohne Schlupf ausgeführt sind, kann der Drehzahlmesser
(27) auch in deren Bereich in geeigneter Weise angeordnet sein. Zur Ermittlung der
Betätigungs-Drehzahl ist ggf. die Getriebeübersetzung zu berücksichtigen.
[0032] Die Messeinrichtung (5) ist in der Ausführungsform von Figur 4 bis 6 mit einem Kraftmesser
(23) in Form eines Kraftsensors oder Drucksensors, z.B. einer Druckmessdose, ausgestattet.
Der Kraftmesser (23) befindet sich in diesem Fall am oberen Bereich der Antriebseinheit
(4) und ist z.B. am oberen Rand des Antriebsgehäuses (9) angeordnet. Er wirkt mit
einer entsprechenden Abstützung (22) am Gestell (2) zusammen. Bei einer Betätigung
der Tretkurbel (7) entgegen dem Uhrzeigersinn in der in Figur 4 dargestellten Weise,
wird die Antriebseinheit (4) in der Reaktion ebenfalls entgegen des Uhrzeigersinns
bewegt, wodurch das Antriebsgehäuse (9) mit einer im Wesentlichen vertikal nach oben
gerichteten Reaktionskraft F gegen die Abstützung (22) drückt und dort gestellfest
abgestützt wird. Über den bekannten Abstand zwischen dem Kraftmesser (23) und der
Tretkurbelachse (8) kann auch in diesem Fall das Reaktionsmoment M berechnet werden.
Die hierfür erforderlichen Einrichtungen, wie die Steuerung (6), die Leitungen (28),
etc. sind die gleichen wie im ersten Ausführungsbeispiel von Figur 1 bis 3 und sind
in der zweiten Variante von Figur 4 bis 6 nur der Übersichtlichkeit wegen nicht dargestellt.
[0033] Auch in dieser zweiten Variante ist die Antriebseinheit (4) mit dem Antriebsgehäuse
(9) frei drehbar auf der Tretkurbelachse (8) gelagert. Die Abstützung und Halterung
gegenüber dem Gestell (2) erfolgt auch hier durch eine Feder (25), die am oberen Ende
an einem Lagerbock des Gestells (2) aufgehängt ist und mit ihrem unteren Ende über
einen Zapfen und eine Langlochführung am Antriebsgehäuse (9) angreift.
[0034] Im Ausführungsbeispiel von Figur 4 bis 6 ist außerdem das Antriebsgehäuse (9) anders
gestaltet. Wie Figur 5 in geschnittener Darstellung verdeutlicht, ist das Antriebsgehäuse
(9) als abgekantete Blechplatte ausgebildet, die über zwei Kurbellager (11) mit einer
distanzierenden Lagerhülse auf der Tretkurbel (7) bzw. deren Achse (8) und auch frei
drehbar gegenüber der ersten Antriebs-Riemenscheibe (13') gelagert ist. Die nachfolgenden
Antriebs-Riemenscheiben (13'',13''') und ihre zugehörigen kleineren Abtriebsscheiben
sind mit ihren Lagerachsen (14) ebenfalls in entsprechenden verbreiterten Lagerbuchsen
der Gehäuseplatte (9) angeordnet. Die Antriebs-Riemenscheibe (13'',13''') und die
jeweils zugehörige Abtriebsscheibe sind hierbei auf gegenüber liegenden Seiten der
Gehäuseplatte (9) angeordnet. Die Bremse (3) ist in Figur 5 der Übersicht halber nicht
dargestellt.
[0035] Abwandlungen der gezeigten Ausführungsbeispiele sind in verschiedener Weise möglich.
Dies betrifft zum einen die konstruktive Ausgestaltung der Übertragungseinrichtung
(12) bzw. des Getriebes. Hier können z.B. weniger oder mehr als die gezeigten drei
Getriebestufen vorhanden sein. Grundsätzlich kann die Übertragungseinrichtung (12)
in jeder beliebigen geeigneten Weise ausgestaltet sein.
[0036] Die Messeinrichtung (5) lässt sich ebenfalls in unterschiedlichster Weise abwandeln.
Zum einen kann ein anderer Montageort gewählt werden. Ferner können statt Dehnmessstreifen
andere geeignete Kraft oder Druck messende Sensoren eingesetzt werden. Z.B. kann ein
Drucksensor direkt an der entsprechend abgewandelten und platzierten Abstützung (22)
angebracht sein, gegen den der Gehäuseansatz (24) bei Auftreten des Reaktionsmomentes
M drückt. Ansonsten sind beliebige andere Messeinrichtungen und Messtechniken einsetzbar,
mit denen sich die Reaktionskraft F oder das Reaktionsmoment M direkt oder mittelbar
messen lassen.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0037]
- 1
- Ergometer
- 2
- Gestell
- 3
- Bremse, Wirbelstrombremse
- 4
- Antriebseinheit
- 5
- Messeinrichtung
- 6
- Steuerung
- 7
- Betätigungselement, Tretkurbel
- 8
- Betätigungsachse, Kurbelachse
- 9
- Antriebsgehäuse
- 10
- Kurbellager im Gestell
- 11
- Kurbellager im Antriebsgehäuse
- 12
- Übertragungseinrichtung, Getriebe
- 12'
- erste Getriebestufe
- 12''
- zweite Getriebestufe
- 12'''
- dritte Getriebestufe
- 13
- Antriebsscheibe, Riemenscheibe
- 13'
- erste Antriebsscheibe
- 13"
- zweite Antriebsscheibe
- 13"'
- dritte Antriebsscheibe
- 14
- Scheibenachse
- 15
- Antriebselement, Riemen
- 15'
- erster Riemen
- 15''
- zweiter Riemen
- 15'''
- dritter Riemen
- 16
- Rotor
- 17
- Rotorachse
- 18
- Stator
- 19
- Wicklung
- 20
- Stromversorgung
- 21
- Biegestab
- 22
- Abstützung
- 23
- Kraftmesser, Dehnmessstreifen, Kraftsensor
- 24
- Gehäuseansatz
- 25
- Zugfeder
- 26
- Aufhängung
- 27
- Drehzahlmesser
- 28
- Leitung
- 29
- Zahnriemen
- 30
- Poly-V-Riemen
- F
- Reaktionskraft
- M
- Reaktionsmoment
1. Verfahren zur Belastungsbestimmung bei Ergometern (1), die ein Gestell (2), ein um
eine Betätigungsachse (8) drehbares Betätigungselement (7), eine Übertragungseinrichtung
(12) und eine Bremse (3), insbesondere eine Wirbelstrombremse, aufweisen, dadurch gekennzeichnet, dass das Betätigungselement (7), die Übertragungseinrichtung (12) und die Bremse (3) zu
einer beweglich am Gestell (2) lagerbaren Antriebseinheit (4) verbunden werden, wobei
zur Belastungsbestimmung die Reaktionskraft F oder das Reaktionsmoment M der Antriebseinheit
(4) gemessen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Betätigungs-Drehzahl in der Antriebseinheit (4) an einer von Schlupf unbelasteten
Stelle gemessen wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass aus der Reaktionskraft F oder dem Reaktionsmoment M um die Betätigungsachse (8) und
der Drehzahl die körperliche Leistung des Probanden ermittelt wird.
4. Vorrichtung zur Belastungsbestimmung bei Ergometern (1), die ein Gestell (2), ein
drehbares Betätigungselement (7), eine Übertragungseinrichtung (12) und eine Bremse
(3), insbesondere eine Wirbelstrombremse, aufweisen, dadurch gekennzeichnet, dass das Betätigungselement (7), die Übertragungseinrichtung (12) und die Bremse (3) zu
einer beweglich am Gestell (2) lagerbaren Antriebseinheit (4) verbunden sind, wobei
eine Messeinrichtung (5) für die Messung der Reaktionskraft oder des Reaktionsmoments
der Antriebseinheit (4) vorgesehen ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebseinheit (4) um die Betätigungsachse (8) drehbar am Gestell (2) gelagert
ist, wobei die Messeinrichtung (5) zwischen dem Antriebsgehäuse (9) und dem Gestell
(2) angeordnet ist.
6. Vorrichtung nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass das vorzugsweise als Tretkurbel ausgebildete Betätigungselement (7), die Übertragungseinrichtung
(12) und die Bremse (3) in einem Antriebsgehäuse (9) angeordnet sind, das um die im
Gestell (2) gelagerte (10) Tretkurbelachse (8) schwenkbar ist.
7. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Messeinrichtung (5) einen mit Distanz zur Tretkurbelachse (8) zwischen dem Gestell
(2) und dem Antriebsgehäuse (9) angeordneten Kraftmesser (23) aufweist.
8. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Messeinrichtung (5) mit einer Steuerung (6) zur Berechnung und Anzeige der Leistung
verbunden ist.
9. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebseinheit (4) durch eine mit Distanz zur Tretkurbelachse (8) angeordnete
Feder (25) mit dem Gestell (2) verbunden ist.
10. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Übertragungseinrichtung (12) als Getriebe, vorzugsweise als mehrstufiges Riemengetriebe,
ausgebildet und im Antriebsgehäuse (9) gelagert ist.
11. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Riemengetriebe (12) mehrere Getriebestufen (12', 12", 12"') mit unterschiedlichen
Riemen (15',15'',15''') und unterschiedlichem Schlupfverhalten aufweist.
12. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Wirbelstrombremse (3) drehbar im Antriebsgehäuse (9) gelagert ist, verstellbar
ausgebildet und mit der Steuerung (6) verbunden ist.
13. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Wirbelstrombremse (3) einen Rotor (16), einen Stator (18) und eine elektrische
Wicklung (19) aufweist.
14. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebseinheit (4) einen mit der Steuerung (6) verbundenen Drehzahlmesser (27)
an einem ihrer rotierenden Teile aufweist.
15. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Drehzahlmesser (27) in der Antriebseinheit (4) an einer von Schlupf unbelasteten
Stelle, vorzugsweise in der ersten schlupfarmen Getriebestufe (12') angeordnet ist.