[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Vinyloxiranen
aus Polyenen und Percarbonsäuren.
[0002] Vinyloxirane haben als Monomere aufgrund ihrer bifunktionellen Struktur eine besondere
Bedeutung. Sie finden deshalb sowohl auf dem Gebiet der Lacke und Kunststoffe als
auch als organische Zwischenprodukte Verwendung. Ein technischer Einsatz der Vinyloxirane
ist in größerem Maße bisher nicht erfolgt, da noch kein befriedigendes technisches
Verfahren zu ihrer Herstellung zur Verfügung gestanden hat.
[0003] Es sind bereits viele Methoden zur Umwandlung von Olefinen in Oxirane bekannt, und
es ist auch versucht worden, diese Methoden zur Herstellung von Vinyloxiranen anzuwenden.
So wird in der USA-PS 3 232 957 vorgeschlagen, Olefine mit molekularem Sauerstoff
in flüssiger Phase in die Epoxide umzuwandeln. In Spalte 10, Zeile 15, Beispiel 8
der genannten Patentschrift wird die Umsetzung von Butadien mit Sauerstoff bei 150°C
in Dicyclopropylketon als Lösungsmittel beschrieben. Die erreichte Ausbeute an Vinyloxiran
war jedoch niedrig; sie betrug nur 25 %. Auch die Verwendung von Acetophenon anstelle
von Dicyclopropylketon als Lösungsmittel erbrachte nur eine geringfügig höhere Ausbeute
an Vinyloxiran; sie betrug nur 28 % (USA-PS 3 232 957, Spalte 12, Zeile 15).
[0004] Die seit langem zur Herstellung von Oxiranen aus Olefinen bekannte Halogenhydrinmethode
wurde auch zur Herstellung von Vinyloxiranen angexandt. Beispielsweise wird in der
bekanntgemachten Japanischen Patentanmeldung 23 545/64 die Herstellung von Isoprenoxid
aus Isoprenmonochlorhydrin und Alkalihydroxid beschrieben. Diese Methode besitzt jedoch
den Nachteil der Bildung unerwünschter chlorierter Nebenprodukte und umweltbelastender
Salzabfälle (Ullmanns Encyklopädie d. techn. Chemie, Bd. 10, S. 565, linke Spalte,
Zeile ff.; DAS 1 543 174, Spalte 2, Zeile 15 ff.).
[0005] Eine andere Methode zur Herstellung von Epoxyverbindungen beruht auf der Umsetzung
von Olefinen mit Wasserstoffperoxid in Gegenwart von Katalysatoren. Die Anwendung
dieser Methode zur Erzeugung von Vinyloxiranen aus Polyenen und Wasserstoffperoxid
wird in der DAS 2 012 049, S. 15, Zeile 7, Beispiel 18, insbesondere Tabelle I (Fortsetzung)
beschrieben. Darin wird über die Umsetzung von Butadien mit 70 %-igem Wasserstoffperoxid
in Gegenwart von Trimethylzinnhydroxid und dem Molybdänsalz des Acetylacetons als
Katalysator berichtet. Als Lösungsnittel wurde Äthanol verwendet. Aber selbst nach
20-stündigem Rühren bei 40°C wurde Vinyloxiran nur in einer Ausbeute von 21,7 %, bezogen
auf eingesetstes Wasserstoffperoxid, erhalten.
[0006] Ein weiteres Sytheseprinzip beruht auf der Umsetzung von Olefinen mit organischen
Hydroperoxiden mit Hilfe von Katalysatoren. Die Anwendung dieses Syntheseprinzips
zur Herstellung von Vinyloxiranen aus Polyenen und tert.-Butylhydroperoxid oder Cumolhydroperoxid
in Gegenwart von Molybdänhexacarbonyl als Katalysator wird von M.N. Sheng und J.G.Zajacek
beschrieben (J.Org. Chem. 35, No. 6, (1970) S. 1840, Tabelle I; USA-PS 3 538 "24).
Obwohl für die Umwandlung von Butadien, Isopren und Piperylen in die Monoepoxide Ausbeuten
von 84-90 % erhalten werden, hat dieses Syntheseprinzip doch den entscheidenden Nachteil,
daß das organische Hydroperoxid ROOH, wobei R einen niedermolekularen organischen
Rest wie tert.-Butyl oder Cumyl bedeutet, gemäß nachstehender Gleichung während der
Reaktion in den entsprechenden Alkohol ROH umgewandelt wird:

[0007] Es fällt somit der dem eingesetzten Hydroperoxid (ROCH) entsprechende Alkohol als
Ko
ppelprodukt an, was eine Abhängigkeit der Wirtschaftlichkeit dieses Verfahrens von
der Verwertbarkeit dieses Alkohols (ROH) mit sich bringt. Falls dieser Alkohol nicht
verwertet werden kann, muß er über mehrere Verfahrensstufen in das entsprechende Hydroperoxid
(ROOH) zurückverwandelt werden.
[0008] Eine weitere Methode zur Herstellung von Vinyloxiran aus Butadien wird in der DAS
1 593 306 auf Seite 8 im Beispiel 3 beschrieben. Hierin wird Butadien mit Tri-(cyclohexylperoxy-)
boran bei einem Druck von 20 bar und einer Temperatur von 100°C umgesetzt. Die destillative
Aufarbeitung des Reaktionsgemisches ergab eine zwischen 70°C und 126°C siedende Fraktion,
die Vinyloxiran in einer Menge enthielt, die einer Ausbeute von 81,7 % entsprach.
Offensichtlich treten bei dieser Methode Probleme bei der Abtrennung des Vinyloxirans
aus dem Reaktionsgemisch auf. Auch die angegebene Ausbeute an Vinyloxiran ist unbefriedigend.
[0009] Die Umsetzung von Polyenen mit Percarbonsäuren beschreiben erstmals Pummerer und
Reindel 1933 (R. Pummerer und W. Reindel, Ber. dtsch. chem. Ger. 66, S. 334-339 (1933)).
Auf Seite 335, Zeile 16 ff. berichten sie über die Epoxidation von Isopren mit Perbenzoesäure
in Äthylchlorid als Lösungsmittel. Sie erhalten als einziges Produkt 2-Methyl-2-vinyloxiran
in einer Ausheute von 30 bis 42 %. Bei der Umsetzung von Butadien mit Perbenzoesäure
erreichen sie für Vinyloxiran eine Ausbeute von etwa 40 %.
[0010] Eine wesentliche Verbesserung konnte auch von F.C. Frostick et. al. (J.Am. Chem.Soc,
81, 3354, Tabelle IV) nicht erreicht werden. Bei der Umsetzung von Butadien mit Peressigsäure,
die durch Oxidation von Acetaldehyd hergestellt wurde, in Äthylacetat oder Aceton
als Lösungsmittel erzielte er eine Aus-beute an Vinyloxiran von 56 %.
[0011] Auch die Anwendung spezieller verfahrenstechnischer Maßnahmen wie sie in der Deutschen
PS 1 216 506 zur Durchführung von Epoxidationen vorgeschlagen werden, bringen keine
befriedigenden Ausbeuten. Im Beispiel 3, Spalte 8, Zeile 60 ff. dieser Patentschrift
wird die Umsetzung von Butadien mit Peressigsäure in Äthylacetat beschrieben. Vinyloxiran
wird dabei in 68 %iger Ausbeute erhalten.
[0012] Die Verwendung von Feressigsäure die ebenfalls durch Oxi -dation von Acetaldehyd
hergestellt wurde, in Essigsäure als Lösungsmittel wird in der Japanischen PS I 74
046-284, und die Verwendung von Perisobuttersäure, die durch Oxidation von Isobutyraldehyd
erhalten wurde, in Isobuttersäure als Lösungs- mittel wird in der Japanischen PS I
74 040-202 zur Epoxidation von Butadien vorgeschlagen. Die Verwendung von Carbonsäurer
als als Lösungsmittel bei der Herstellung von Oxiranen besitzt aber den Nachteil,
daß viele Oxirane mit Carbonsäuren unter Ringöffnung zu den Acylaten reagieren, (D.
Swern, "Organic Peroxides", Wiley Interscience, 1971, Vol. 2, S. 376, Zeile 10 ff.),
was zu erheblichen Ausbeuteverlusten führen kann.
[0013] In der DAS 1 190 926 wird die Percarbonsäure bei der Umsetzung mit Butadien "in situ"
erzeugt. Die erreichte Ausbeute ist jedoch auch hierbei nicht befriedigend. In Spalte
15, Zeile 5 ff., wird die Umsetzung von Butadien bei 73-76°C in Äthylacetat als Lösungsmittel
mit Sauerstoff in Gegenwart von n-Butyraldehyd und Kobaltnaphthenat als Katalysator
beschrieben. Die Ausbeute an Epoxid wird mit 55 % angegeben. Davon entfallen 45 %
auf Butadienmonoxid und 10 % auf Butadiendioxid.
[0014] Eine weitere Möglichkeit zur Herstellung von Vinyloxiranen wird in der Britischen
PS 735 974 beschrieben. Darin wird im Beispiel 13, Spalte 8, Zeile 31 ff., die Umsetzung
von Butadien mit durch Oxidation von Acetaldehyd hergestelltem Acetaldehydmonoperacetat
in Aceton als Lösungsmittel bei 70
0C beschrieben. Vinyloxiran wird jedoch nur in einer Ausbeute von 33 % erhalten.
[0015] Ein anderes Syntheseprinzip zur Epoxidation von Polyenen wird in der USA-PS 3 053
856 beschrieben. Hierbei wird die Umsetzung von Butadien mit Wasserstoffperoxid in
Gegenwart von Acetonitril durchgeführt, wobei Vinyloxiran als Hauptprodukt erhalten
wird (Beispiel XII). Allerdings muß bei diesem Verfahren in Kauf genommen werden,
daß man das aus dem Nitril während der Reaktion gebildete Carbonsäureamid als Koppelprodukt
erhält, das entweder einer geeigneten Verwendung zugeführt oder aber einer Dehydratisierung
unterworfen werden muß, um in den Prozeß zurückgeführt werden zu könnan.
[0016] Demgegenüber wurde nun gefunden, daß man Vinyloxiran und substituierte Vinyloxirane
aus Polyenen und Porcarbonsäuren in organischer Lösung in hohen Ausbeuten und großer
Reinheit herstellen kann, wenn man ein Polyen der Formel

worin R
1, R
2, R
3, R
4, R
5 und R
6 unabhängig voneinander Wasserstoff, C
1- bis C
4-Alkyl, Vinyl, C
3- bis C
7-Cycloalkyl oder Phenyl bedeuten und worin R
1 mit R
3, R
1 mit R
4, oder R
1 mit R
5 einen carbocyclischen Ring mit bis zu 12 Kohlenstoffatomen bilden können,
mit einer Lösung einer 3 bis 4 Kohlenstoffatome enthaltenden Percarbonsäure in einem
aromatischen Kohlenwasserstoff mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen oder in einem chlorierten,
1-8 Kohlenstoffatome enthaltenden Kohlenwasserstoff bei einem Molverhältnis von Polyen
zu Percarbonsäure wie 1,1:1 bis 10:1 und bei einer Temperatur von -20°C bis +100°C
umsetzt.
[0017] Im Rahmen der Verbindungen der Formel (I) kommen beispielsweise Verbindungen der
folgenden Formel (II-V) besonders in Betracht:

worin R
7, R
8, R
9 und R
10 unabhängig voneinander Wasserstoff, C
1- bis C
4-Alkyl, Vinyl, C
5- bis C
7-Cycloalkyl oder Phenyl bedeuten und worin R
7 mit R
8, R
7 mit R
9 oder R
7 mit R
10 einen carbocyclischen Ring mit bis zu 12 Kohlenstoffatomen bilden können.

worin R
11, R
12 und R
13 unabhängig voneinander Wasserstoff, C
1- bis C
4-Alkyl, Vinyl, C
1- bis C
5-Cycloalkyl oder Phenyl bedeuten und n für eine ganze Zahl von 3 bis 6 steht;

worin R
14, R
15, R
16 und R
17 unabhängig voneinander Wasserstoff, C
1- bis C
4-Alkyl, Vinyl, C
5- bis C
7-Cycloalkyl oder Phenyl bedeuten und n für eine ganze Zahl von 2 bis 5 steht;

wobei R
18, R
19, R
20 und R
21 unabhängig voneinander Wasserstoff, C
1- bis C
4-Alkyl, Vinyl, C
5- bis C
7-Cycloalkyl oder Phenyl bedeuten und n für eine ganze Zahl von 1 bis 4 steht.
[0018] Im einzelnen seien als Polyene genannt:
Butadien, Isopren, Piperylen, Cyclopentadien, Methyl-cyclopentadien, 2,4-Dimethyl-1,3-butadien,
1,3-Dimethyl-1,3-butadien, 2,4-Hexadien, 1,3-Hexadien, 1,3,5-Hexatrien, Dimethyl-cyclopentadien,
2-Methyl-1,3-pentadien, 3-Methyl-1,3-pentadien, 4-Xethyl-1,3-pentadien, 2-Äthyl-1,3-butadien,
1,3-Cyclohexadien, Methylen-2-cyclopenten, Methylen-2-cyclohexen, 3,4-Dimethyl-1,3-pentadien,
2,4-Dimethyl-1,3-pentadien, 2-Methyl-2,4-hexadien, 2-Methyl-1,3-hoxadien, 2-Methyl-1,3,5-hexatrien,
3-Methyl-1,3-hexadien, 4-Mehyl-1,3-hexadien, 3-Methyl-1,3,5-hexatrien, Methyl-1,3-cyclohexadien,
1,3-Cycloheptadien, 1,3,5-Cycloheptatrien, Dimethyl-1,3-cyclohexadien, 1-Vinyl-1-cyclohexen,
Methyl-1,3-cycloheptadien, 2,5-Dimethyl-1,3-hexadien, 2,5-Dimethyl-2,4-hexadien, 2,5-Dimethyl-1,3,5-hexatrien,
2-Äthyl-1,3-hexadien, 2-Äthyl-1,3,5-hexatrien, 1,3-Cyclooctadien, Cyclooctatetraen,
2,4-Dimethyl-1,3,5-hexatrien, 2,4-Dimethyl-1,3- hexadien, 5,5-Dimethyl-1,3-hexadien,
5,5-Dimethyl-1,3,5-hexatrien, 1,3,7-Octatrien, 2-Methyl-1,3,7-octatrien, 2-Methyl-1,5,7-octatrien,
Methyl-1,3-cyclooctadien, 1-Cyclopentyl-1,3-butadien, 2-Cyclopentyl-1,3-butadien,
1,2,3,4-Tetramethyl-cyclopentadien, 2,6-Dimethyl-1,3,7-octatrien, 3,7-Dimethyl-1,3,7-octatrien,
1-Cyclo- hexyl-1,3-outadien, 2-Cyclohexyl-1,3-butadien, 1-Phenyl-1,3- butacien, 2-Phenyl-1,3-butadien,
1,3,9,11-Dodecatetraen, 1,2,3,4-Tetramethyl-cyclooctatetraen.
[0019] Besonders geeignet zur Umsetzung mit Fercarbonsäuren gemäß dem erfindungsgemäßen
Verfahren sind Polyene der Formel

worin R
22 und R
23 unabhängig voneinander Wasserstoff, Methyl, Äthyl, Vinyl oder Phenyl bedeuten.
[0020] Im einzelnen seien als Verbindungen der Formel VI beispielsweise genannt:
Butadien, Isopren, Piperylen, 1,3-Hexadien, 1,3,5-Hexatrien, 2-Athyl-1,3-butadien,
1,3-Dimethyl-1,3-butadien, 2,4-Hexadien, 1-Phenyl-1,3-butadien, 2-Phenyl-1,3-butadien,
1-Methyl-1,3- hcxadien, 1-Methyl-1,3,5-hexadien, 2-Methyl-1,3-pentadien, 2-Methyl-1,3-hexadien,
2-Methyl-1,3,5-hexatrien, 2-Äthyl-1,3-hexadien, 2-Äthyl-1,3,5-hexatrien, 2-Phenyl-1,3,5-hexatrien,
2-Phenyl-1,3-hexadien, 2-Phenyl-1,3-pentadieng
[0021] Ganz besonders sind zur Umsetzung mit Percarbonsäuren nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren Butadien, Isopren, Piperylen, Cyclopentadien, 1,3,5-Hexatrien und 1,3,7-Octatrien
geeignet.
[0022] Als Lösungsmittel können die verschiedensten chlorierten Kohlenwasserstoff verwendet
werden, wie Methylenchlorid, Chloroform, Tetrachlorkorlenstoff, 1-Chloräthan, 1,2-Dichlcräthan,
1,1-Dichloräthan, 1,1,2,2-Tetrachloräthan, 1-Chlorpropan, 2-Chlorpropan, 1,2-Dichlorpropan,
1,3-Dichlorpropan 2,3-Dichlorpropan, 1,2,3-Trichlorpropan, 1,1,2,3-Tetrachlorpropan,
Butylchlorid, 1,2-Dichlorbutan, 1,4-Dichlorbutan, 2,3-Dichlorbutan 1,3-Dichlorbutan,
1,2,3,4-Tetrachlorbutan, tert.-Butylchlorid, Amylchlorid, 1,2-Dichlorpentan, 1,5-Dichlorpentan,
1,2,3,4-Tetrachlorpentan, Cyclopentylchlorid, 1,2-Dichlorcyclopentylchlorid, Hexylchlorid,
1,2-Dichlorhexan, 1,6-Dichlorhexan, 1,2,3,4-Tetrachlorhexan, 1,2,5,6-Tetrachlorhexan,
Cyclohexylchlorid, 1,2-Dichlorhexan, Chlorbenzol, Heptylchlorid, 1,2-Dichlorheptan,
1,2, 1,2,3,4-Tetrachlorheptan, Cycloheptylchlorid, 1,2-Dichlorheptan, Octylchlorid,
1.,2-Dichloroctan, 1,2,3,4-Tetrachloroctan, Cyclooctylchlorid oder 1,2-Dichloroctan,
sowie aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzol, Nitrobenzol, Toluol, Äthylbenzol,
Cumol, Diisopropylbenzol, Xylol oder Chlorbenzol.
[0023] Bevorzugte Lösungsmittel sind von den chlorierten Kohlenwasserstoffen Methylenchlorid,
Chloroform, Tetrachlorkohlenstoff und 1,2-Dichlorpropan, von den aromatischen Kohlenwasserstoffen
Benzol, Nitrobenzol. Toluol und Chlorbenzol.
[0024] Besonders bevorzugtes Lösungsmittel ist von den chlorierten Kohlenwasserstoffen 1,2-Dichlerpropan
und von den aromatischen Kohlenwasserstoffen Benrol und Chlorbenzol.
[0025] Verwendet werden können auch Lösungsmittelgemische chlorierter Kohlenwasserstoffe
und Lösungsmittelgemische aromatischer Kohlenwasserstoffe. Man kann auch Gemische
chlorierter und aromatischer Kohlenwasserstoffe als Lösungsmittel verwenden.
[0026] Erfindungsgemäß verwendbare Persäuren sind Perpropionsäure, Per-n-buttersäure und
Perisobuttersäure. Bevorzugt verwendet werden Perpropionsäure und Perisobuttersäure.
Besonders bevorzugt ist Perpropionsäure. Die Herstellung der mineralsäurefreien Persäuren
in einem der genannten organischen Lösungsmittel kann z.B. nach dem in der DOS 2 262
970 beschriebenen Verfahren erfolgen.
[0027] Im allgemeinen arbeitet man bei der praktischen Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens in einem Temperaturbereich von 20 - 100°C. Bevorzugt arbeitet man bei 0-60°C,
besonders bevorzugt bei 10 - 40°C. In Sonderfällen können auch die angegebenen Temperaturen
unter- oder überschritten werden.
[0028] Neben der Arbeitsweise unter isothermen Bedingungen, d.h. Einhaltung einer einheitlichen
Temperatur im gesamten Reaktionsgemisch, kann man die Umsetzung auch unter Ausbildung
eines sogenannten Temperaturgradienten durchführen, der im allgemeinen mit fortschreitender
Reaktion zunimmt. Man kann aber auch die Reaktion so führen, daß sich mit dem Fortschreiten
der Reaktion ein Gradient fallender Temperatur ausbildet.
[0029] Das Molverhältnis von Olefin zu Persäure beträgt erfindungsgemäß 1,1:1 bis 10:1.
Bevorzugt wird ein Molverhältnis von 1,5:1 bis 5:1 angewendet. Canz besonders vorteilhaft
ist es, ein Molverhältnis von 2,0 bis 3,0 Mol Polyen je Mol Persäure anzuwenden.
[0030] Das erfindungsgemäße Verfahren kann bei den verschiedensten Drücken durchgeführt
werden. Im allgemeinen arbeitet man bei Normaldruck; das Verfahren kann jedoch auch
bei Unter-oder Überdruck durchgeführt werden.
[0031] Der Wassergehalt der zur Epoxidation verwendeten Percarbonsäure soll im allgemeinen
möglichst niedrig sein. Geringe Wassermengen bis 5 Gew.-% sind im allgemeinen nicht
störend. Geeignet ist beispielsweise eine Percarbonsäure mit einem Wassergehalt von
bis zu 1 Gew.-%. Vorzugsweise verwendet man eine Percarbonsäurelösung, die weniger
als 0,5 Gew.-% Wasser enthält. Besonders bevorzugt ist ein Wassergehalt von weniger
als 0,1 Gew.-%, z.B. ein Wassergehalt von 0,01 - 0,1 Gew.-%
[0032] Der Wasserstoffperoxidgehalt der angewendeten Percarbonsäure soll im allgemeinen
möglischst niedrig sein. Er kann bis zu 2 Gew.-% betragen. Vorteilhaft arbeitet.man
bei einem Gehalt von weniger als 1 Gew.-%. Besonders vorteilhaft ist es, die Umsetzung
mit einer Percarbonsäurelösung durchzuführen, die einen Wasserstoffperoxidgehalt unterhalb
0,3 Gew.-% aufweist, z.B. einen Gehalt an H
2O
2 von 0,01 -.0,3 Gew.-%.
[0033] Der Mineralsäuregehalt der zur Umsetzung gelangenden Percarbonsäurelösung soll möglichst
niedrig sein. Vorteilhaft ist es, die Reaktion mit einer Percarbonsäurelösung durchzuführen,
die einen Mineralsäuregehalt unterhalb 50 ppm besitzt. Besonders vorteilhaft ist ein
Mineralsäuregehalt von weniger als 10 ppm.
[0034] Die Durchführung der Reaktion kann diskontinuierlich oder kontinuierlich in den für
Umsetzungen dieser Art üblichen Vorrichtungen wie Rührwerkskefsel, Siedereaktoren,
Röhrenreaktoren, Schlaufenreaktoren oder Schleifenreaktoren erfolgen.
[0035] Als Werkstoffe für die Durchführung der Verfahren können Glas, Edelstähle oder emailliertes
Material verwendet werden.
[0036] Schwermetallionen im Reaktionsgemisch katalysieren die Zersetzung der Percarbonsäure.
Man setzt deshalb der Percarbonsäurelösung im allgemeinen Substanzen zu, die die Schwermetallionen
durch Komplexbildung inaktivieren. Bekannte Substanzen solcher Art sind Sluconsäure,
Äthylendiamintetraessigsäure, Natriumsilicat, Natriumpyrophosphat, Natriumhexametaphosphat,
Dinatriumdimethylpyrophosphat oder Na
2 (2-äthylhexyl)
5(P
3O
10)
2 (DAS 1 056 596, Spalte 4, Zeile 60 ff.).
[0037] Das Polyen kann auf verschiedene Art in die für die Umsetzung verwendete Vorrichtung
eingebracht werden. Man kann es gemeinsam mit der Percarbonsäurelösung in den Reaktor
geben oder man führt die beiden Komponenten getrennt voneinander dem Reaktor zu. Weiterhin
ist es möglich, das Olefin und die Percarbonsäurelösung an verschiedenen Stellen in
die Reaktoreinheit zu leiten. Bei Verwendung mehrerer in Kaskade ge
- schalteter Reaktoren kann es zweckmäßig sein, das gesamte Olefin in den ersten Reaktor
einzubringen. Man kann aber das Olefin auch auf die verschiedenen Reaktoren aufteilen.
[0038] Die Reaktionswärme wird durch innen- oder außenliegende Kühler abgeführt. Zur Ableitung
der Reaktionswärme kann die Umsetzung auch unter Rückfluß, d.h. in Siedereaktoren,
durchgeführt werden.
[0039] Die Reaktion wird zweckmäßigerweise unter möglichst vollständiger Umsetzung der Percarbonsäure
vorgenommen. Im allgemeinen setzt man mehr als 95 Mol.-% der Percarbonsäure um. Zweckmäßig
ist es, mehr als 98 Mol.-% Persäure umzusetzen.
[0040] Bei der erfindungsgemäßen Durchführung der Reaktion zwischen dem Polyen und der Persäure
gelingt es, Oxiranausbeuten von 90 % der Theorie und darüber, bezogen auf eingesetzte
Percarbonsäure, zu erzielen.
[0041] Die Aufarbeitung des Reaktionsgemisches erfolgt in an sich bekannter Weise, z.B.
durch Destillation. Bei einer bevorzugten Durchführung des Verfahrens wird eine etwa
20 Gew.-%ige Perpropionsäurelösung in 1,2-Dichlorpropan bzw..Benzol unter Rühren zu
der zweifach-molaren Menge Polyen, das auf 30°C thermostatisiert ist, gegeben. Die
Perpropionsäurelösung enthält weniger als 10 ppm Mineralsäure; sie hat einen Wassergehalt,
der unterhalb von 0,1 % liegt und weist einen Wasserstoffperoxidgehalt von weniger
als 0,3 % auf. Zur Komplexierung von Schwermetallionen wurde der Perpropionsäure vor
der Umsetzung etwa 0,05 Gew.-% Na
5(
2-Äthylhexyl)
5(P
3O
10)
2 zugesetzt. Der Fortgang und das Ende der Reaktion werden kontrolliert indem man der
Reaktionslösung in zeitlichen Abständen Proben entnimmt und titrimetrisch den noch
vorhandenen Gehalt an Percarbonsäure bestimmt. Nach Beendigung der Reaktion wird das
Reaktionsgemisch fraktioniert.
[0042] Die folgenden Beispiele erläutern die Erfindung. Sämtliche Prozentangaben stellen,
soweit nicht anderes gesagt wird, Gewichtsprozente dar.
Beispiel
[0043] Umsetzung von Isopren mit Perpropionsäure in 1,2-Dichlorpropan.
[0044] Zu 85,15 g (1,25Mol) Isopren tropfte man bei 20°C unter Rühren innerhalb einer Stunde
eine Lösung von 235 g (0,5 Mol) Perpropionsäure als 20 %ige Lösung in 1,2-Dichlorpropan
zu. Nach Zutropfende wurde noch weitere 1,5 Stunden bei dieser Temperatur gerührt;
dann zeigte die titrimetrische Analyse einen Persäureumsatz von 99 %. Die gaschromatographische
Analyse zeigte, daß die beiden isomeren Oxirane 2-Methyl-2-vinyl-oxiran und 2-(1-Methyläthenyl-)-oxiran
im Verhältnis von 4:1 gebildet wurden. Die Gesamtselektivität der beiden Oxirane betrug
90,5 %, bezogen auf eingesetzte Perpropionsäure.
Beispiel 2
[0045] Herstellung von Vinyloxiran aus Butadien und Perpropionsäure.
[0046] Zu 145,8 g (2,7 Mol) Butadien in 730 g Benzol tropfte man bei 40°C unter Rühren innerhalb
einer Stunde 450 g (1 Mol) Perpropionsäure als 20 %ige Lösung in Benzol zu. Nach Zutropfende
wurde noch weitere 2 Stunden gerührt; dann betrug der Persäureumsatz 99 %. Die Selektivität
des gebildeten
Vinyloxirans betrug, bezogen auf eingesetzte Persäure, 95 % (GC-Analyse).
Beispiel 3
[0047] Kontinuierliche Herstellung von Vinyloxiran aus Butadien und Perpropionsäure.
[0048] 20,71 %ige benzolische Perpropionsäure wurde mit überschüssigem Butadien in einer
vierstufigen Kesselkaskade

umgesetzt. Die Reaktion warde bei Druck von 2 bar durchgeführt. Butadien wurde gasförmig
in den ersten Reaktor eingegeben. Der Überschuß an Butadien, bezogen auf in die Reaktion
eingesetzte Perpropionsäure, betrug insgesamt 170 Mol.-%. Die in das Reaktienssystem
stündlich eingegebenen Mengen betrugen 482 g Butadien und 1438 g benzolische Perpropionsäure.
Der erste Reaktor dieser vierstufigen Kaskade, der ebenso wie die drei nachfolgenden
Reaktionsgefäße mit einer Rührvorrichtung versehen ist und einen Inhalt von 1600 ml
besitzt, wird bei einer Temperatur von 35°C, der zweite, dritte und vierte Reaktor
bei einer Temperatur von jeweils 40°C betrieben. Die eingesetzte Perpropionsäure wird
unter diesen Reaktionsbedingungen zu 99,8 % umgesetzt. Hinter dem vierten Reaktor
wurde das Reaktionsgemisch, das mit einer Menge von 1920 g pro Stunde anfiel und im
Mittel die Zusammensetzung: 16,52 % Butadien, 11,67 % Vinyloxiran, 21,46 % Propionsäure
und 50,08 % Benzol sowie 0,13 % Wasser besaß, nach Abkühlen auf 30°C in einem Abschneider
auf Normaldruck entspannt, wobei ein geringer Teil des Butadiens (37 g/h) ausgaste
und wieder dem Reaktionssystem zugeführt wurde. Das nach dem Entspannen erhaltene
Gemisch wurde mit 2 g/h 4-tert.-Butyl-brenzkatechin versetzt und einer ersten Destillationskolonne
zugeführt. Dabei wurde das gesamte Vinyloxiran zusammen mit Butadien und einem Teil
des Benzols als Destillat erhalten. Dieses Destillat besaß im Mittel eine Zusammensetzung
von 32,6 % Butadien, 27,25 % Vinyloxiran, 39,9 % Benzol und geringen Mengen Wasser
Es fiel in einer Menge von

22 g pro Stunde an und wurde anschließend in einer zweiten Destillationskolonne vom
Butadien abgetrennt. Man erhielt als Destillat 268 g Butadien pro Stunde, das in das
Reaktionssystem zurückgeführt wurde.
[0049] Aus dem butadienfreien Sumpfprodukt wurden in einer dritten Kolonne 224 g Vinyloxiran
in einer Reinheit von 99, als Destillat erhalten. Das Suryfprodukt dieser. Kolonne
wurde mit dem Sumpfprodukt der ersten Kolonne vereinigt und in einer vierten Kolonne
aufgetrennt. Als Destillat erhielt man pro Stunde 361 g Benzol. Vom Sumpfprodukt erhielt
man in einer fünften Kolcnne 415 g/h Propionsäure als Destillat während am Sumpf dieser
Kolonne stündlich 15 g eines Gemisches von höhersiedenden Verbindungen anfielen. Diese
höhersiedenden Verbindungen bestanden im wesentlichen aus den Mono- und Dipropionaten
von 3,4-Dihydroxy-1-buten. Die Ausbeute an Vinyloxiran betrug, bezogen auf die in
das Reaktionsystem eingesetzte Perpropionsäure, 96,7 %.
1. Verfahren zur Herstellung von Vinyloxiran und substituierten Vinyloxiranen auf
Polyenen und Percanbonäumen dadurch gekennzeichnet, daß man ein Polyen der Formel

worin R
1, R
2, R
3, R
4, R
5 und R
6 unabhängig voneinander Wasserstoff, C
1- bis C
4-Alkyl, Vinyl, C
3- bis C
7-Cycloalkyl oder Phenyl bedeuten und worin R
1 mit R
3, R
1 mit R4 oder R
1 mit R
5 einen carbocyclischen Ring mit bis zu 12 Kohlenstoffatomen bilden können,
mit einer Lösung einer 3 bis 4 Kohlenstoffatome enthaltenden Percarbonsäure in einem
aromatischen Kohlenwasserstoff mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen oder in einem chlorierten,
1 bis 8 Kohlenstoffatome enthaltenden Kohlenwasserstoff bei einem Molverhältnis von
Polyen zur Percarbonsäure wie 1,1:1 bis 10:1 und bei einer Temperatur von -20°C bis
+100°C umsetzt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man als Polyen ein Olefin
der Formel

worin R
7, R
8, R
9 und R
10 unabhängig voneinander Wasserstoff, C
1- bis C
4-Alkyl, Vinyl, C
5- big- C
7-Cycloalkyl oder Phenyl bedeuten und worin R
7 mit R
8, R
7 mit R
9 oder R
7 mit R
10 einen carbocyclischen Ring mit bis zu 12 Kohlenstoffatomen bilden können, einsetrt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß man als Polyen ein
Olefin der Formel

worin R
11, R
12 und R
13 unabhängig voneinander Wasserstoff, C
1- bis C
4-Alkyl, Vinyl, C
1- bis C
5-Cycloalkyl oder Phenyl bedeuten und n für eine ganze Zahl von 3 bis 6 steht, einsetzt.
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß man als Polyen ein
Olefin der Formel

worin R
14, R
15, R
16 und R
17 unabhängig voneinander Wasserstoff, C
1- bis C
4-Alkyl, Vinyl, C
5- bis C
7-Cycloalkyl oder Phenyl bedeuten und n für eine ganze Zahl von 2 bis 5 steht, einsetzt.
5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß man als Polyen ein
Olefin der Formel

worin R
18, R
19, R
20 und R
21 unabhängig voneinander Wasserstoff, C
1- bis C
4-Alkyl, Vinyl, C
3- bis C
7-Cycloalkyl, oder Phenyl bedeuten und n für eine ganze Zahl von 1 bis 4 steht, einsetzt.
6. Verfahren nach Anspruch bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß man als Polyen ein olefin
der Formel

worin R
22 und R
23 unabhängig voneinander Wasserstoff, Methyl, Äthyl, Vinyl oder Phenyl bedeuten, einsetzt.
7. Verfahren nach Anspruch 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß man als Polyen Butadien,
Isopren, Piperylen, Cyclopentadien, 1,3,5-Hexatrien oder 1,3,7-Octatrien einsetzt.
8. Verfahren nach Anspruch 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß man als Percarbonsäure
Perpropionsäure oder Perisobuttersäure einsetzt.
9. Verfahren nach Anspruch 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß man als Lösungsmittel
Benzol, Chlorbenzol oder 1,2-Dichlorpropan einsetzt.
10.Verfahren nach Anspruch 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß man die Umsetzung
bei einem Molverhältnis von Olefin zur Persäure wie 1,5 bis 3 : 1 durchführt.