[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Diazotypiematerial mit einer Diazokomponente und
einer ein schwarzes Farbbild liefernden Kupplungskomponente in der lichtempfindlichen
Schicht.
[0002] Diazotypiematerialien bestehen aus einem Schichtträger und einer darauf aufgebrachten
lichtempfindlichen Schicht enthaltend im wesentlichen eine Diazokonponente und eine
Kupplungskatponente, die zusammen zu einem Azofarbstoff kuppelbar sind. Wird ein solches
Material durch eine Vorlage belichtet, so wird die Diazokomponente an den von der
Strahlung getroffenen Stellen zerstört. Durch anschließende Behandlung der erhaltenen
latenten Kopie mit einem basischen Medium wie feuchtem Ammoniakgas, trockenem Ammoniakgas
oder alkalischer Lösung erfolgt die Kupplungsreaktion der unzerstörten Diazo-mit der
Kupplungskomponente, wobei der Azofarbstoff in den nicht belichteten Bezirken entsprechend
der Vorlage erzeugt wird.
[0003] Während man bisher hauptsächlich Diazotypiematerialien verwendete, welche nach bildmäßiger
Belichtung und anschließender Entwicklung Kopien mit blauen oder purpurroten Farbtönen
lieferten, geht die Forderung nunmehr dahin, Diazotypiematerialien zu schaffen, mit
welchen Kopien mit schwarzen Farbtönen hergestellt werden können, welche möglichst
den aus der Photographie her bekannten vergleichbar sind.
[0004] So ist aus DT-AS 19 23 115 ein Zweikomponenten-Diazotypiematerial bekannt, das bei
der Naßentwicklung ein schwarzes Farbbild liefert. Das Material enthält in der lichtempfindlichen
Schicht zwei Kupplungskomponenten, von denen die eine, wenn sie allein verwendet wird,-zu
einem blauen und die andere, wenn sie allein verwendet wird, zu einem gelben Farbstoff
kuppelt. Als Diazokomponente wird 4-Diazo-2,5-dialkoxy-phenylmorpholin und als blau
kuppelnde Komponente ein substituiertes 2-Hydroxy-3-naphthoesäure-N(ω-aminoalkyl)-amid
in Verbindung mit einem 1-Biguanidino-naphthol eingesetzt. Als Gelb-Kuppler wird ein
Acetoacetamid verwendet.
[0005] Weiter ist aus DT-AS 17 72 980 bekannt, zur Herstellung 'schwarzer Kopien ein Mehrkomponenten-Diazotypiematerial
zu verwenden, das als Diazokomponente ein 4-Morpholinobenzol- oder ein 2,5-Dialkoxy-4-morpholinobenzoldiazonium-
salz neben Blau- und Gelb-Kuppler als Kupplungskomponente. enthält.
[0006] Mit den bekannten, schwarz kopierenden Diazotypiematerialien lassen.sich im allgemeinen
Kopien mit zufriedenstellenden sensitometrischen und anwendungstechnischen Eigenschaften
herstellen. Jedoch treten bei der Entwicklung dieser Materialien nach den heute in
der Lichtpaustechnik angewendeten unterschiedlichen Verfahren, wie Entwicklung mit
feuchtem Ammoniakgas, Entwicklung mit trockenem Ammoniakgas unter Druck und Entwicklung
mit alkalischen Lösungen. bei den verschiedensten Temperaturen, bei Entwicklung des
gleichen Materials zum Teil erhebliche Farbtonunterschiede auf. So erhält man z. B..bei
der konventionellen Entwicklung mit feuchtem Ammoniakgas bei erhöhter Tem
pera- tur Kopien mit schwarzen Farbtönen, während man bei der Entwicklung mit trockenem
Ammoniakgas unter Druck Kopien mit Sepiatönen erhält. Ähnliche Farbtonunterschiede
können auftreten, wenn ein solches Diazotypiematerial mit feuchtem Ammoniakgas bei
verschiedenen Temperaturen entwickelt wird. Dies ist in der Lichtpauspraxis vielfach
dann der Fall, wenn ein Diazotypiematerial im gleichen Entwicklungsgerät oder in verschiedenen
Entwicklungsgeräten bei unterschiedlichen Entwicklungstemperaturen verarbeitet werden
soll. Man erhält so Kopien mit unterschiedlichen Farbtönen und damit Unterschiede
in der Generationsfähigkeit, der Gradation und in der visuellen und aktinischen Dichte.
Kopien dieser Art sind anwendungstechnisch nur bedingt geeignet.
[0007] Ein weiterer Nachteil dieser schwarzlinig kopierenden Diazotypiematerialien besteht
darin, daß von Vorlagen unterschiedlicher Dichte, insbesondere von Halbtonvorlageri,
vielfach Kopien mit unterschiedlichen Farbtönen erhalten werden. Derartige zwietönige
Kopien sind für viele Anwendungsgebiete aufgrund ihrer unterschiedlichen spektralen
Eigenschaften ungeeignet. Dies ist besonders dann der Fall, wenn von einer transparenten
Diazokopie, d. h. von einem Diazozwischenoriginal, eine oder mehrere Generationskopien
mit dem gleichen Diazotypiematerial angefertigt werden sollen. Ist die Information
auf der Diazozwischenkopie sehr klein, wie beispielsweise bei einer Diazomikrofilmkopie,
dann kann es bereits bei der ersten Diazogeneration, meist aber bestimmt bei der folgenden
zweiten und dritten Diazogeneration entweder durch Verstärkung oder durch Abschwächung
zu deutlichen Detailverlusten kommen.
[0008] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Diazotypiematerial zu schaffen, mit dem sich Kopien
mit schwarzem Farbton herstellen lassen, welches bei unterschiedlichen Entwicklungsbedingungen
Kopien mit möglichst gleichen, schwarzen Farbtönen und mit guter Farbstabilität liefert.
[0009] Diese Aufgabe wird durch ein Diazotypiematerial mit einer Diazokomponente und einer
ein schwarzes Farbbild liefernden Kupplungskomponente in der lichtempfindlichen Schicht
gelöst, welches dadurch gekennzeichnet ist, daß als Diazokomponente ein 2,5-Dialkoxy-4-morpholino-benzoldiazonium-
salz und als Kupplungskomponente eine Kombination aus a) 6-Methoxy-2-hydroxy-3-naphthoesäure-N(ω-aminoalkyl)-,
amid als Blau-Kuppler, b) ein 2-Alkyl- oder 2-Aryl-l,3-dihydroxybenzol oder ein Cyanoacetamid
als Gelb-Kuppler und c) eine Verbindung der allgemeinen Formel

mit X - N
ull', =S, =SO oder =SO
2 als Rotbraunkuppler vorhanden sind, wobei die Molverhältnisse von Blau- zu Gelb-Kuppler
im Bereich von etwa (0,7 bis 0,9) : 1 und von Blau- zu Rotbraun-Kuppler im Bereich
von etwa (6 bis 12) : 1 liegen. Die Molverhältnisse von Blauzu Gelb-Kuppler bzw. von
Blau- zu Rotbraun-Kuppler liegen vorzugsweise bei etwa 0,8 : 1 bzw. 8 : 1.
[0010] Das Molverhältnis von Diazokomponente zu Kupplungskomponente liegt vorzugsweise im
Bereich von etwa l : (1,1 bis 1,4) Ein Molverhältnis von l : 1,3 hat sich dabei als
besonders günstig erwiesen.
[0011] Hierdurch wird erreicht, daß ein in seinen Komponenten ausgewogenes Diazotypiematerial
zur Verfügung gestellt werden kann, das unabhängig von seiner Entwicklungsart durch
feuchtes oder trockenes Ammoniakgas oder mit Hilfe alkalischer Lösung bei unterschiedlichen
Druck- und Temperaturbedingungen Kopien mit dunkelvioletten bis blaustichig schwarzen,
d. h. im ganzen schwarzen Farbtönen liefert. Die Kopien weisen außerdem hohen visuellen
Kontrast, eine mittlere bis flache Gradation und eine gute Generationsfähigkeit auf.
Schließlich besitzt das erfindungsgemäße Diazotypiematerial eine ausgezeichnete Lagerfähigkeit
und ist universell verwendbar.
[0012] In bevorzugter Ausführungsform enthält die Diazokomponente zusätzlich ein 4-(Dialkylamino)-benzoldiazoniumsalz,
wobei das Molverhältnis von 2,5-Dialkoxy-4-morpholinobenzoldia- zoniumsalz zu 4-(Dialkylamino)-benzoldiazoniumsalz
im Bereich von etwa (5 bis 7) : 1 liegt. Ein Molverhältnis von etwa 6,5 : 1 ist ganz
besonders günstig.
[0013] Hierdurch wird erreicht, daß der dunkelviolette bis blaustichige schwarze Farbton
der Kopien sich einem neutralen Schwarz nähert, einem Farbton, der dem aus der Silberphotographie
bekannten ähnlich ist.
[0014] Zur Herstellung von Diazoty
piematerialien, die bei unterschiedlichen Entwicklungsbedingungen zu fast gleichen
Farbtönen führen, ist zu beachten, daß das Molverhältnis von Blau- zu Gelb-Kuppler
eingehalten wird. Andernfalls wird bei einer wesentlichen Erhöhung ein blaustichiger
Farbton erhalten. Wird das Molverhältnis von Blau- zu Gelb-Kuppler unter die angegebene
Grenze erniedrigt, so erhält man bei der Kupplung einen mehr gelb-grünstichig dunklen
Farbton. Ähnliches gilt auch, wenn das Molverhältnis von Blau- zu Rotbraun-Kuppler
außerhalb des angegebenen Grenzbereichs liegt. Eine Überschreitung führt bei der Kupplung
zu grünstichig blauen, ein Unterschreiten zu violettstichig blauen Farbtönen. Höhere
Kupplerkonzentra-. tionen führen z. B. zu einem unnötigen Überschuß an nicht umgesetzter
Kupplungskomponente und sind deshalb nicht zweckmäßig. Das Molverhältnis von Diazokomponente
zu Kupplungskomponente liegt deshalb vorzugsweise in dem oben angegebenen Bereich.
[0015] Die zur Herstellung des erfindungsgemäßen lichtempfindlichen Diazotypiematerials
geeigneten 2,5-Dialkoxy-4-morpholinobenzoldiazoniumsalze können durch Strukturformel
(I) wiedergegeben werden

worin
R einen Alkoxyrest mit 1 bis 6, insbesondere mit 2 bis 4 Kohlenstoffatomen, und
X das Anion, z. B. ein Chlorozinkat.-, Fluoborat- oder Hexafluophosphatanion
bedeuten.
[0016] Besonders vorteilhaft einsetzbar ist eine Verbindung der angegebenen Strukturformel,
mit R gleich n-Butoxy- und X als Fluoboratanion.
[0017] Die 4-(Dialkylamino)-benzoldiazoniumverbindung wird durch Strukturformel (II)

wiedergegeben, worin
R einen Alkylrest mit 1 bis 6, insbesondere mit 1 bis 3 Kohlenstoffatomen und
X ein Anion der oben genannten Art
bedeuten.
[0018] Ganz besonders vorteilhaft ist eine Verbindung mit R gleich n-Propyl- und X als Fluoboratanion.
[0019] Der zur Herstellung des erfindungsgemäßen Diazotypiematerials verwendete Blau-Kuppler
wird durch die Strukturformel (III) wiedergegeben

wobei
R und R1 gleich oder verschieden sind und Wasserstoff, einen kurzkettigen Alkylrest oder Hydroxyalkylrest
mit 1 bis 8, vorzugsweise 1 bis 4, Kohlenstoffatomen, oder gemeinsam mit dem Stickstoffatom,
an das sie gebunden sind, einen heterocyclischen Rest mit 5 bis 8 Ringgliedern bilden
und
n eine ganze Zahl zwischen 2 bis 5, vorzugsweise 3,
bedeuten.
[0020] Die verwendeten Gelb-Kuppler lassen sich durch folgende Strukturformeln (IV) und
(IVa) darstellen

worin
R2 Alkyl- mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen, insbesondere Methyl- oder Aryl-, das substituiert
sein kann, insbesondere Phenylbedeutet und worin
R3 und R4 gleich oder verschieden sein können und einen Alkylrest mit 1 bis 6, insbesondere
1 bis 3 Kohlenstoffatomen, gegebenenfalls substituiertes Aryl-, insbesondere Methoxyphenyl-
oder Benzyl-, oder Aralkylreste, die substituiert sein können, oder gemeinsam mit
dem Stickstoffatom, an das sie gebunden sind, einen heterocyclischen Rest mit 5 bis
8 Ringgliedern, insbesondere einen Morpholinrest, bilden,
darstellen.
[0021] Als Rotbraun-Kuppler sind beispielsweise geeignet:
Tetrahydroxy-diphenyl
Tetrahydroxy-diphenylsulfid
Tetrahydroxy-diphenylsulfoxid
Tetrahydroxy-diphenylsulfon.
[0022] In besonderer Ausführungsform enthält das erfindungsgemäße Diazotypiematerial in
der lichtempfindlichen Schicht 2,5-Di-butoxy-4-morpholino-benzoldiazoniumfluoborat
und 4-(Di-propylamino)-benzoldiazoniumfluoborat, 6-Methoxy-2-hydroxy-3-naphthoesäure-N(3-morpholinopropyl)-amid,
2-Methyl-l,3-dihydroxy-benzol und 2,2',4,4'-Tetrahydroxy-diphenylsulfid.
[0023] Indem man ein Diazoniumsalzgemisch verwendet, besteht die Möglichkeit, den Farbton
auch von der Diazokomponente her zu steuern. Neben einer fast gleichen Lichtempfindlichkeit
zeichnet sich ein solches Diazotypiematerial durch seine Unempfindlichkeit gegenüber
unterschiedlichen Entwicklungsverfahren und Entwicklungsbedingungen aus. Kopien, die
mit diesem Material angefertigt werden, entwickeln zu praktisch gleichfarbigen völlig
neutralschwarzen Farbtönen.
[0024] Bei den verwendeten Diazoniumsalzen und Kupplungskomponenten handelt es sich im einzelnen
um bekannte, gebräuchliche Verbindungen. Das Auftragen der Diazotypiekomposition auf
den Schichtträger erfolgt üblicherweise in Form einer Lösung der einzelnen Bestandteile-in
einem Lösungsmittel oder einem Lösungsmittelgemisch. Nach dem Trocknen kann dann die
erhaltene lichtempfindliche Schicht in bekannter Weise bildmäßig belichtet und entwickelt
werden.
[0025] Als geeignete Lösungsmittel dienen Wasser, Isopropanol, Butanol, Aceton, Methanol,
2-Methoxyäthylacetat, Glycolmonomethyläther und Glycolmonoäthyläther.
[0026] Vorzugsweise werden die Diazotypiebestandteile aus organischem Medium, das ein filmbildendes
Bindemittel enthält, auf den Schichtträger aufgebracht. Die Konzentration der Azofarbstoff
bildenden Bestandteile im Bindemittel kann variieren zwischen etwa 15 und 30 Gewichtsteilen
pro 100 Gewichtsteile Bindemittel.
[0027] Beispiele für geeignete Bindemittel sind Celluloseäther, wie Äthylcellulose, Celluloseester,
wie Celluloseacetat, -triacetat, -acetopropionat, -butyrat und -acetobutyrat, Vinylpolymerisate,
wie Polyvinylacetat, Polyvinylidenchlorid, Vinylchlorid/Vinylacetat-Mischpolymerisate,
Poly-(methylmethacrylat)-Mischpolymerisate von Alkylacrylaten und Acrylsäüre oder
Polyphenylenoxide oder Äthylenglykol/Isophthalsäure/Terephthalsäure-Terpolymerisate.
[0028] Die lichtempfindliche Schicht kann außer den Farbstoff bildenden Bestandteilen zusätzlich
noch saure Stabilisatoren und andere Diazotypiehilfsstoffe enthalten.
[0029] Geeignete saure Stabilisatoren, die ein zu frühes Kuppeln der Diazoniumsalze mit
den Kupplungskomponenten verhindern, sind organische Säuren wie 5-Sulfosalicylsäure.
Vorzugsweise werden solche zur Stabilisierung verwendeten organischen Säuren in Konzentrationen
von etwa 4 - 8 Gewichtsteilen auf 100 Gewichtsteile Bindemittel angewendet. Außerdem
können Metallsalze, z. B. Zinkchlorid, anwesend sein, die neben ihrer stabilisierenden
Wirkung insbesondere zur Kontrastverbesserung der entwickelten Kopie beitragen. Der
lichtempfindlichen Schicht werden zusätzlich Stoffe zugesetzt, die die Entwicklung
beschleunigen. Solche Stoffe sind z. B. Carbonsäureester aus aliphatischen und aromatischen
Mono- bzw. Dicarbonsäuren und einwertigen niedrig aliphatischen Alkoholen sowie Ester
aus Carbonsäuren und mehrwertigen aliphatischen Alkoholen. Vorzugsweise werden die
Glycerinester niedriger aliphatischer Säuren, z. B. Glycerindi- und Glycerintriacetat
verwendet. Weiterhin können zur Regulierung des Feuchtigkeitshaushaltes in der lichtempfindlichen
Schicht hygroskopische Mittel wie Glykol, Glycerin etc. und zur Verbesserung der ausbelichteten
Bereiche der Kopie geeignete Farbstoffe in geringer Konzentration, z. B. Methylviolett,
zugesetzt werden. Außerdem können der lichtempfindlichen Schicht zur Verhinderung
des Vergilbens der ausbelichteten Bezirke der Kopie sogenannte "Antigilbmittel", z.
B. Thioharnstoff oder Thioharnstoffderivate zugesetzt werden. Zur Verbesserung der
Gleitfähigkeit übereinanderliegender unbelichteter oder entwickelter Kopiermaterialien
werden anorganische feinteilige Pigmente als sogenannte "Schlupfmittel", z. B. Kieselsäure,
Aluminiumoxid etc., zugegeben.
[0030] Als Träger für die lichtempfindlichen Schichten eignen sich alle übliche Trägermaterialien,
z. B. beschichtetes oder unbeschichtetes opakes und transparentes Papier, Textilien,
Celluloseester wie Cellulose-2 1/2- und Cellulosetriacetat, Polyester wie Polyäthylenterephthalat,
Vinylpolymere wie Polyvinylacetat oder Polystyrol. Gegebenenfalls kann die lichtempfindliche
Schicht jedoch auch eine selbsttragende Schicht sein, d. h. es ist nicht unbedingt
erforderlich, daß die Beschichtungsmasse auf einen Schichtträger haftend aufgetragen
wird.
[0031] Als zweckmäßig hat es sich erwiesen, die Beschichtung derart auf den Träger aufzutragen,
daß nach der Entwicklung der lichtempfindlichen Schicht eine visuelle optische Dichte
von etwa 1 - 2,5 erzielt wird. Ist die visuelle optische Dichte kleiner als 1,0, liefert
das so hergestellte Diazotypiematerial in der Regel Kopien mit nur geringem, für die
praktische Anwendung ungenügendem Kontrast. Liegt die visuelle optische Dichte andererseits
über 2,5, so ist-ein solches Diazotypiematerial meistens zu lichtunempfindlich und
liefert außerdem nach der bildmäßigen Belichtung und Entwicklung Kopien mit zu starkem
Kontrast, so daß, wenn der Schichtträger transparent ist, die'Generationsfähigkeit
dieser Diazokopien sehr stark eingeschränkt ist.
[0032] Die folgenden Beispiele sollen die Erfindung näher erläutern.
Beispiele
Anmerkung:
[0033] A. Für die in den Beispielen hergestellten Diazotypiematerialien wird ein Basislack
(BL) aus 7,5 % Celluloseacetopropionat in einem Gemisch von Aceton, Methanol, Butanol
und Glykolmonomethyläther verwendet.
[0034] B. Die nach den Beispielen hergestellten Diazotypiematerialien werden nach drei verschiedenen
Entwicklungsverfahren (EV 1 - EV 3) entwickelt und die hierbei erzielten Farbtöne
visuell vergleichend beurteilt. Als EV 1 gilt die Entwicklung mit feuchtem Ammoniakgas
bei 60 - 70°C, unter EV 2 wird die Entwicklung mit trockenem Ammoniakgas unter Druck
bei 20 - 25°C verstanden und unter EV 3 ist die Entwicklung mit einer alkalischen
Entwicklerlösung bei 40 - 45°C (Badentwicklung) angezeigt. Die alkalische Entwicklerlösung
(EL) setzt sich aus Äthanolamin, Wasser und einem Alkylphenolpolyglykoläther als Netzmittel
zusammen.
Beispiel 1
[0035] Es werden 6 verschiedene Beschichtungslösungen der folgenden Zusammensetzung hergestellt:
100 ml Basislack BL
372 mg Sulfosalicylsäure
153 mg Zinkchlorid
168 mg Thioharnstoff
600 mg Glycerintriacetat
75 mg 2,5-Dibutoxy-4-morpholinobenzoldiazonium- fluoborat
153 mg 2-Methylresorcin
30 mg 2,2',4,4'-Tetrahydroxy-diphenylsulfid und 0,975 x 10-3 Mol Blau-Kuppler (BK).
[0036] Als Blau-Kuppler werden in den Lösungen als solche bekannte Substanzen verwendet:
6-Methoxy-2-hydroxy-3-naphthoesäure-N(3-morpholino- propyl)-amid (BK 1)
2-Hydroxy-3-naphthoesäure-N(3-morpholinopropyl)-amid (BK 2)
2-Hydroxy-3-naphthoesäure-N(2-methylphenyl)-amid (BK 3)
2-Hydroxy-3-naphthoesäure-N(2-methoxyphenyl)-amid (BK 4)
2-Hydroxy-3-naphthoesäure-N(2,4-dimethoxy-5- chlorphenyl)-amid (BK 5)
6-Brom-2-hydroxy-3-naphthoesäure-N(3-morpholino- propyl)-amid (BK 6)
[0037] Jede der Lösungen wird dann auf einem mit einer Haftschicht versehenen Polyäthylenterephthalatträger
derart aufgetragen, daß nach der Trocknung die erhaltenen Diazotypiematerialien sich
zu einer optischen Volltondichte von ca. 1,8 - 2,0, gemessen mit einem Grünfilter
(Kodak Wratten NR 93) entwickeln lassen.
[0038] Der Feststoffgehalt der einzelnen Lösungen liegt zwischen 8,5 und 9,0 Gewichtsprozent.
[0039] Von den auf diese Weise hergestellten Diazotypiematerialien werden jeweils ein erster
Abschnitt nach dem Entwicklungsverfahren EV 1, ein zweiter Abschnitt nach dem Entwicklungsverfahren
EV 2 und ein dritter Abschnitt nach dem Entwicklungsverfahren EV 3 entwickelt. Die
erzielten Farbtöne werden im Durchlicht visuell beurteilt.
[0040] Aus den in der Tabelle zusammengestellten Daten ergibt sich, daß nur bei Anwendung
der erfindungsgemäßen Kombination aus Diazoniumsalz, Blau-, Gelb- und Rotbraun-Kuppler
das Diazotypiematerial nach Lösung 1 bei den 3 verschiedenen Entwicklungsverfahren
zu gleichen blaustichig schwarzen Farbstoffen entwickelt.

[0041] Ähnliche·gute Ergebnisse erzielt man, wenn man den Blau- Kuppler vom Typ BK 1 verwendet,
bei dem der basische Morpholinopropylrest ersetzt ist durch Reste wie
- morpholinoäthyl,
- morpholinopentyl,
- pyrrolidinoäthyl,
- diäthylaminoäthyl,
- hydroxyäthylaminoäthyl und
- aminoäthyl.
[0042] Bei entsprechender Substitution an den Blau-Kupplern BK 2 und BK 6 werden keine einheitlich
schwarzen Farbtöne erhalten. Auch wenn Blau-Kuppler vom Typ BK 3, 4 und 5 verwendet
werden, bei denen der aromatische Rest der Carbonamidgruppe außer durch Methyl-, Methoxy
und Chlor durch Äthoxy, Trifluormethyl, . Carbonamid, Sulfamid, Nitro, Dimethyl, Diäthylamino,
Hydroxy oder Fluor bzw. Brom, besetzt ist, wobei im aromatischen Carbonamidrest ein
Substituent oder mehrere gleiche oder verschiedene Substituenten anwesend sein können,
werden keine schwarzen Farbtöne erhalten.
[0043] Die Blaukuppler vom Typ BK 1, 2 oder 6 erhält man in bekannter Weise durch Aminolyse
von 2-Hydroxy-3-naphthoe- säuremethylester bzw. 6-Methoxy- oder 6-Brom-2-hydroxy-3-naphthoesäuremethylester
mit den entsprechenden N,N-disubstituierten Alkylendiamninen.
[0044] Die Blau-Kuppler vom Typ BK 3, 4 oder 5 erhält man nach bekannten Verfahren durch
Aminolyse von 2-Hydroxy-3-naphthoesäurechlorid mit den entsprechenden kernsubstituierten
Anilinderivaten.
Beispiel 2
[0045] In 100 ml Basislack BL werden

gelöst.
[0046] Der Feststoffgehalt beträgt 10 Gewichtsprozent.
[0047] Die Lösung wird, wie im Beispiel 1 beschrieben, auf eine mit einer Haftschicht versehene
Polyäthylenterephthalatfolie aufgetragen und getrocknet. Anschließend werden von dem
so erhaltenen Diazotypiematerial 3 gleichgroße Stücke von ca. 10 cm
2 abgeschnitten und jeder Abschnitt unter einer Silberbildvorlage solange belichtet,
bis der ausbelichtete Hintergrund eine visuelle optische Dichte von 0,07 aufweist.
Die jeweils bildmäßig belichteten Abschnitte 1, 2 und 3 werden nach den jeweiligen
Entwicklungsverfahren EV1, EV 2 und EV 3 entwickelt.
[0048] Die hergestellten Diazofilmkopien werden zur visuellen Beurteilung des Farbtons im
Durchlicht betrachtet. Man erkennt, daß die unbelichteten Bezirke der drei Diazofilmabschnitte
zu neutralschwarzen Farbstoffen von nur sehr geringen Farbtonschwankungen entwickelt
wurden.
[0049] Ändert man das Molverhältnis von 2,5-Dibutoxy-4-morpholino-benzoldiazoniumfluoborat
und.4-(Dipropyl- amino)-benzoldiazoniumfluoborat auf etwa 1 : 1, indem man 380 mg
2,5-Dibutoxy-4-morpholino-benzoldiazonium- fluoborat und 260 mg 4-(Dipropylamino)-benzoldiazonium-
fluoborat verwendet, so erhält man Diazokopien mit braunen Farbtönen. Erhöht man dagegen
das Molverhältnis von 2,5-Dibutoxy-4-morpholino-benzoldiazoniumfluoborat und 4-(Diaropylamion)-benzoldiazoniumfluoborat
auf etwa 15 : 1, so erhält man Diazokopien mit blauen Farbtönen.
[0050] Neutralschwarze Farbtöne werden im Ergebnis auch erzielt, wenn man anstelle von 2,5-Dibutoxy-4-morpholino-benzol-
diazoniumfluoborat 2,5-Diäthoxy-4-morpholino-benzol- diazoniumfluoborat und anstelle
von 4-(Dipropylamino)-benzoldiazoniumfluoborat 4-(Diäthylamino)-benzoldiazonium- fluoborat
einsetzt.
Beispiel 3
[0051] In 100 ml Basislack BL werden gelöst:

[0052] Der Feststoffgehalt der Lösung beträgt 10 Gewichtsprozent.
[0053] Das Molverhältnis von Blau-Kuppler 6-Methoxy-2-hydroxy-3-naphthoesäure-N(3-morpholinopropyl)-amid
und Gelb-Kuppler 2-Methylresorcin ist 0,8 : 1.
[0054] Die Lösung wird auf eine mit einer Haftschicht versehenen Polyäthylenterephthalatfolie
aufgetragen und getrocknet.
[0055] Zur Herstellung, Entwicklung und Beurteilung der Diazofilmkopien wird wie bei Beispiel
2 verfahren. Man erhält Diazofilmkopien mit neutralschwarzen Farbstoffbildern, deren
Farbtöne nur geringfügig voneinander abweichen.
[0056] Wird das Molverhältnis von Blau-Kuppler und Gelb-Kuppler auf 1,75 : 1 erhöht, erhält
man Diazokopien mit rotstichig blauen Farbstoffbildern.
[0057] Wird das Molverhältnis von Blau-Kuppler und Gelb-Kuppler auf 0,5 : 1 reduziert, erhält
man Diazokopien mit grünstichig braunen Farbstoffbildern.
[0058] Ähnliche Ergebnisse mit neutralschwarzen Farbstoffbildern werden erzielt, wenn der
Blau-Kuppler durch die im Beispiel 1 genannten Verbindungen vom Typ BK 1 und der Gelb-Kuppler
durch 2-Phenylresorcin oder Cyanessigsäure-N(4-methoxyphenyl)-amid ersetzt wird.
Beispiel 4
[0059] In 100 ml Basislack BL werden gelöst: .
[0060]

Der Feststoffgehalt der Lösung beträgt 10 Gewichtsprozent.
[0061] Das Molverhältnis von 6-Methoxy-2-hydroxy-3-naphthoesäure-N(3-morpholinopropyl)-amid
und 2,2',4,4'-Tetrahydroxydiphenylsulfid ist 8 : 1.
[0062] Die Lösung wird, wie im Beispiel 1 beschrieben,auf eine mit einer Haftschicht versehenen
Polyäthylenterephthalatfolie aufgetragen, anschließend getrocknet und dann, wie im
Beispiel 2 beschrieben, bildmäßig belichtet und entwickelt.
[0063] Man erhält nach den unterschiedlichen Entwicklungsverfahren Diazofilmkopien mit neutralschwarzen
Farbstoffbildern, deren Farbtöne nur geringfügig voneinander abweichen.
[0064] Wird das Molverhältnis von Blau-Kuppler und Rotbraun- Kuppler auf 4 : 1 reduziert,
erhält man nach EV 1 grünstichig schwarze und nach EV 2 und EV 3 violettstichig schwarze
Farbstoffbilder.
[0065] Wird das Molverhältnis von Blau-Kuppler und Rotbraun- Kuppler auf 25 : 1 erhöht,
so erhält man nach EV 1 violettstichig schwarze und nach EV 2 und EV 3 grünstichig
schwarze Farbstoffbilder.
[0066] Ähnliche, gute Ergebnisse werden erzielt, wenn der Blau- Kuppler durch die im Beispiel
1 genannten Verbindungen vom Typ BK 1 und der Rotbraun-Kuppler durch 2,2',4,4'-Tetrahydroxy-diphenyl,
2,2',4,4'-Tetrahydroxy-diphenylsulfoxid oder 2,2',4,4'-Tetrahydroxy-diphenylsulfon
ersetzt werden.
Beispiel 5
[0067] Ein in der Diazotypie gebräuchliches natürliches Transparentpapier wird mit folgender
Lösung einseitig beschichtet und getrocknet:

[0068] Der Feststoffgehalt der Lösung beträgt 10 Gewichtsprozent.
[0069] Die Lösung wird so auf den transparenten Papierträger aufgebracht, daß nach Trocknung
und Entwicklung der Diazotypieschicht mit feuchtem Ammoniakgas eine maximale visuelle
optische Dichte von 1,70 erreicht wird.
[0070] Das auf diese Weise hergestellte Diazotypiematerial wird in einem handelsüblichen
Lichtpausgerät unter einer Vorlage bildmäßig belichtet und entwickelt.
[0071] Man erhält eine außerordentlich kontrastreiche Diazokopie mit neutralschwarzen Farbstoffbildern.
Da die Farbstoffe die aktinische Strahlung üblicher Lichtpauslampen sehr gut absorbieren,
eignet sich die erhaltene Diazokopie hervorragend als Zwischenoriginal zur Anfertigung
weiterer Diazokopien.
Beispiel 6
[0072] Ein in der Diazotypie übliches Lichtpausrohpapier mit einem Vorstrich aus kolloidaler
Kieselsäure und Polyvinylacetat wurde auf der vorbehandelten Oberfläche mit einer
filtrierten Lösung folgender Zusammensetzung bestrichen:
[0073]

Nach dem Trocknen wurde das sensibilisierte Papier unter einer transparenten Vorlage
bildmäßig belichtet und in einem handelsüblichen Lichtpausgerät mit feuchtem Ammoniakgas
entwickelt. Es wurden neutralschwarze Farbstoffbilder erhalten.