[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Herstellung
von Koks, insbesondere Hochofenkoks, unter Verwendung größerer Anteile von schwach
backender oder im Vergleich zu normal backender schwächer backender Steinkohle, bei
dem Kohle-Aufgabematerial einer Kompaktierungsbehandlung zur Bildung von Preßkörpern
unterzogen wird und aus dieser Behandlung hervorgehende Produkte als Füllgut für den
Koksofen zur Verkokung in diesem verwendet werden.
[0002] Während die Anforderungen an die Festigkeit von Hochofenkoks mit der Vergrößerung
der Hochöfen und ihrer spezifischen Durchsatzleistung steigen, nimmt in den wichtigsten
Kohle fördernden Ländern die Menge der verfügbaren erstklassigen Kokskohle ab. In
wachsendem Umfang müssen daher schwächer backende Steinkohlen, oft auch solche mit
hohem Gehalt an flüchtigen Bestandteilen, an der Herstellung einer das Füllgut für
den Koksofen bildenden Kokskohleneinsatzmischung beteiligt werden, so daß weitere
technische Maßnahmen angewendet werden müssen, um auch unter diesen Bedingungen einen
hochwertigen und stückfesten Hochofenkoks herstellen zu können.
[0003] Ein seit langem im Großbetrieb benutztes Verfahren zur Herstellung von hochwertigem
Koks aus Kokskohlenmischungen, die zu einem erheblichen Teil oder auch überwiegend
aus schwächer backender Kohle bestehen, ist der sog. Stampfbetrieb, bei dem durch
Stampfen der Kokskohle außerhalb des Koksofens auf mechanischem Wege ein "Stampfkuchen"
hergestellt wird, der in die Ofenkammer geschoben wird. Durch das "Stampfen" läßt
sich die Koksofenfüllung gewichtsmäßig enhöhen, weil der Stampfkuchen ein Volumengewicht
von etwa 1000 kg/m
3 erreicht, während das Schüttgewicht von normal in die Kammer eingefüllter feuchter
Kohle je nach Wassergehalt und Körnung nur 650 bis 750 kg/m
3 beträgt. Diese beträchtliche Erhöhung des Schüttgewichtes beim Stampfbetrieb hat
eine entscheidende Verbesserung der Koksqualität zur Folge.
[0004] Da der Stampfbetrieb hohe Anlage- und Betriebskosten bedingt, wurde vorgeschlagen,
stattdessen die Kokskohle vor dem Einfüllen in den Koksofen durch Brikettierung in
Doppel-Walzen-Pressen zu verdichten und die entstandenen Briketts unmittelbar in den
Koksofen zu füllen. Dabei findet jedoch infolge der nur geringen Festigkeit.der durch
Walzenpressen bei Normaltemperatur erzeugten Briketts ein so starker Zer--fall der
letzteren statt, daß die Kammerfüllung lediglich 20 bis 30 % an Briketts, aber 70
bis 80 % an Feinkohle enthält. Daher erhöht sich die Verdichtung der Kammerfüllung
nur um 10 bis 15 % gegenüber normalem Schüttbetrieb.
[0005] Um die Festigkeit der Briketts und damit ihren Erhaltungsgrad nach dem Füllen des
Koksofens zu erhöhen, kann daran gedacht werden, die Kokskohle oder einen angemessenen
Teil derselben mit Bindemittel wie Teer, Teerpech, Erdölrückständen u.dgl. in üblicher
Weise bei 80 bis 90
0 C zu brikettieren. Nachteilig ist dabei aber, daß hierdurch nicht nur erheblich höhere
Kosten für das Bindemittel und für die Brikettierung bei entsprechend höheren Betriebstemperaturen
entstehen, sondern daß auch Erschwernisse und Gefährdungen am Arbeitsplatz sowie Umweltbelästigungen
infolge unvermeidbarer Emission von Teer- und Öldämpfen verursacht werden.
[0006] Es sind auch Verfahren zur Vorerhitzung von Kokskohle entwickelt worden, bei denen
etwa 200° C heiße Kokskohle in die Koksöfen gefüllt werden kann. Hierdurch wird eine
Erhöhung des Schüttgewichts der Kohle gegenüber der Verkokung feuchter Kokskohle im
Schüttbetrieb um 10 bis 15 % und eine entsprechende Verbesserung der Koksfestigkeit
erzielt. Jedoch sind die Anlage- und Betriebskosten einer Kokerei mit Vererhitzung
der Kokskohle erheblich höher als die des normalen Schüttbetriebes. Sie dürften in
der Größenordnung des "Stampfbetriebes" sogar noch höher liegen.
[0007] Arfgabe der Erfindung ist es, bestehende Schwierigkeiten und Nachteile bei der Herstellung
von Koks, insbesondere Hochofenkoks, zu überwinden und dabei einen Weg zu eröffnen
um mit vertretbarem Aufwand bei Verwendung schwächer backen. der Steinkohle ein Einsatzgut
für Koksöfen zu erhalten, be. dem durch einen Kompaktierungsvorgang gebildete Preßkörper
so beschaffen sind, daß sich ein günstiger Füllgrad bzw. ein günstiges Füllgewicht
bei der Beschickung des Koksofen
3 und damit eine hohe Koksfestigkeit erreichen läßt. Mit die ser Aufgabe zusammenhängende
weitere Probleme, mit denen sich die Erfindung befaßt, ergeben sich aus der jeweiligen
Echauterung der aufgezeigten Lösung.
[0008] Die Erfandung berücksichtigt die Erkenntnis, daß eine opti- maie Erhöhung der Kammerfüllung
bzw. des Schüttgewichts un 20 bis 40 % erreicht werden könnte, wenn 60 bis 70 % der
Baketts unzerstört in die Kammer gelangen würden und der Zwschenraum entsprechend
ausgefüllt wird. Bei einem Ver- fahren der eingangs genannten Art sieht die Erfindung
vor, daß das Aufgabematerial bei der Kompaktierung sowohl einen eine gaführte Vorschubbewegung
des Materials in einer Haup pcebrichtung erzeugenden Druck als auch einer den Zusammeit"
schluß der Materialpartikel zusätzlich verstärkenden Kraft wirdung in von der Hauptpreßrichtung
abweichender Richtung im Sinne einer Schub- bzw. Scherbeanspruchung und/oder einer
drehenden Beanspruchung unterworfen wird.
[0009] Bei einer solchen Behandlung des Aufgabematerials sind nicht nur in einer Richtung
oder, wie bei einer Doppelwalzenpresse, in einander entgegengesetzten Richtungen wirkende
Kräfte vorhanden, sondern es werden auf das Material gleichzeitig Kräfte zur Einwirkung
gebracht, welche die Teile des Materials schiebend und/oder drehend beanspruchen.
Hierdurch wird ein besonderer Mechanismus der gegenseitigen Anlagerung und Verbindung
der verschiedenen und unterschiedlich großen Kohlekörner erreicht, etwa im Sinne einer
"Verzahnung" derselben. Es ergeben sich dabei Preßkörper mit einer hohen Festigkeit,
so daß ein sehr guter Erhaltungsgrad der Preßkörper im Füllbetrieb erzielt wird, auch
wenn dieselben bei der Beschickung der Koksöfen mittels Füllwagen, ggfs. nach einer
Zwischenbunkerung, mehrfach aus mehr oder weniger großer Höhe herabfallen.
[0010] Bei der erläuterten Art der Kompaktierung läßt sich durch die Beanspruchung des Aufgabematerials
auch eine Erwärmung des letzteren wie mit ihm in Berührung kommender Elemente bewirken.
Dies fördert die Entstehung einer harten Außenhaut der Preßkörper.
[0011] Je nach den Gegebenheiten können die nach dem erläuterten Verfahren hergestellten
Preßkörper allein das Füllgut.für der koksofen ausmachen oder denselben kann auch
noch nicht konpaktiertes Material, z.B. Feinkohle, zugegeben werden. Ob man die Preßkörper
allein als Füllgut verwendet oder ob man sie mit Feinkohle mischt, hängt von den Eigenschaften
der komponenten ab. Die Zumischung von starkbackenden Kohlen zu den aus schwächer
backenden Kohlen nach dem beschrie- beaen Verfahren hergestellten Preßkörpern kann
sich auf die kokafestigkeit günstiger auswirken, als wenn man die Mischung beicer
Kohlen vollständig kompaktiert.
[0012] Das erfindungsgemäße Verfahren wird besonders günstig in der Weise durchgeführt,
daß das Material bei der Vorschubbewegung in der Hauptpreßrichtung strangartig geformt
und an- schließend einer zur Unterteilung in Stücke führenden Einwirkung ausgesetzt
wird. Diese Einwirkung kann eine schneidende, zerteilende oder brechende sein, der
der gebildete Strang unterworfen wird, oder es kann insbesondere so sein, daß der
sid bildende Strang der Einwirkung der Schwerkraft ausge- satzt wird, so daß unter
deren Einfluß jeweils ein Abbrechen einzelner Stücke stattfindet. Dazu wird die Hauptpreßrichtur.g
zweckmabing im wesentlichen vertikal nach unten gewählt und den Strang ein ausreichender
freier Weg belassen, auf dem er nicht unterstützt oder sonstwie gehalten ist.
[0013] In weiterer Ausgestaltung des Verfahrens sieht die Erfindung vor, daß dem Material
während des Kompaktierungsvorganges Wärme zugeführt wird. Dies kann z.B. durch Strahlung
oder durch Verwendung von mit dem Aufgabematerial in Berührung kommenden Elementen
als Wärmequelle durchgeführt werden. Die Wärmezufuhr trägt weiterhin zur Erhöhung
der Festigkeit bei und ergibt insbesondere eine harte Außenschale der Preßkörper.
[0014] Das erfindungsgemäße Verfahren läßt sich mit Kohle in dem Zustand durchführen, wie
sie anfällt, d.h. mit etwa 6 bis 12 % Feuchtigkeit. Es kann aber auch von Vorteil
sein, getrocknete und auf über 100° C vorgewärmte Kohle enthaltendes oder durch diese
gebildetes Aufgabematerial zu verwenden, obwohl sich dann die Kompaktierung nur bei
Zusatz von Stoffen durchführen läßt, die als Gleitmittel wirken. So wurde gefunden,
daß es zweckmäßig ist, dem Aufgabematerial vorgetrocknete Braunkohle zuzusetzen, wobei
der Anteir der letzteren an der Mischung des Aufgabematerials 4 bis 8 Gewichtsprozent
betragen kann. So läßt sich beispielsweise bei einer getrockneten und auf über 100°
C vorgewärmten Kokskohlen-Mischung mit einem größeren Anteil harter, hochflüchtiger
Kohle durch einen geringen Zusatz von vorgetrockneter Braunkohle ebenfalls die benötigte
Festigkeit der Preßkörper erzielen.
[0015] Die Erfindung sieht weiterhin vor, daß dem Aufgabematerial, insbesondere wenn es
sich dabei um getrocknete und auf über 100° C vorgewärmte Kohle handelt, ein Zusatz
von zerkleinerten hochschmelzenden Kohlenwasserstoffen zugegeben wird, z.B. von gemahlenem
Hartpech, Hartbitumen oder Kohleextrakt. Ein solcher Zusatz, der insbesondere etwa
2 bis 6 % des Aufgabematererials betragen kann, wirkt sich besonders günstig auf die
Koksfestigkeit aus, da diese festen Kohlenwasserstoffe als "Backbitumen" wirken.
[0016] Der Zusatz von zerkleinerten festen Kohlenwasserstoffen kommt aber zum Zwecke der
Koksverbesserung auch bei der Kompaktierung schwachbackender Kohle ohne vorherige
Trocknung und Erwärmung in Betracht, sowohl wenn die Preßkörper allein als auch wenn
sie in Mischung mit besser backender Feinkohle als Füllgut für Koksöfen verwendet
werden.
[0017] In besonders vorteilhafterweise wird für den KompaktierungsVorgang eine nach Art
einer Kollerpresse ausgebildete Vorrichtung verwendet, die eine Matrize mit Kanälen
und wenigstens ein relativ zur Matrize im Bereich der Kanäle der Ietzteren drehbares
Preßrad od.dgl. aufweist. Es kann sich cabei insbesondere um eine Vorrichtung mit
einer horizontal angeordneten, feststehenden, vertikale Kanäle aufweisenden Matrize
handeln, auf der ein als Kollergang ausgebildetes Walzenpaar umläuft. Es ist aber
auch möglich, eine Vorrichtung zu verwenden, bei der eine Matrize mit Kanälen unter
einem sich auf der Stelle drehenden Walzenpaar in Umdrehung versetzt wird.
[0018] In jedem Fall werden bei Verwendung einer solchen Vorrichtung für das Kompaktieren
des Aufgabematerials die in den verschiedenen Richtungen wirkenden Kräfte innerhalb
desselben erzielt, die ein Einsatzgut für Koksöfen mit den gewünschten Eigenschaften
in der weiter oben erläuterten Weise ergeben.
[0019] Um dem Material im gewünschten Fall Wärme zuzuführen, kann bei Verwendung einer Vorrichtung
der angegebenen Art wenigstens einer der beiden relativ zueinander drehbaren Teile
(Matrize, Preßrad) während des Arbeitens derselben beheizt werden, insbesondere mit
Hilfe elektrischer Heizelemente od.dgl.
[0020] Eine zur Erzielung eines möglichst hohen Schüttgewichts in der Kokeofenkammer günstige
Ausführungsweise des Verfahrens besteht darin, daß Preßkörper unterschiedlichen Stückgewichts
und/oder unterschiedlicher Größe gleichzeitig hergestellt werden.
[0021] Eine vorteilhafte Vorrichtung zur Bildung von Preßkörpern, die eine mit Kanälen versehene
Matrize und wenigstens ein das Aufgabematerial durch die Kanäle drückendes Element
aufweist, insbesondere eine als Kollerpresse ausgebildete Vorrichtung, kennzeichnet
sich gemäß der Erfindung dadurch, daß die Matrize Kanäle unterschiedlichen Durchmessers
aufweist. Dabei haben die Kanäle insbesondere auch unterschiedliche Längen.
[0022] Eine solche Vorrichtung eignet sich insbesondere zur Durchführung des erläuterten
Verfahrens. Mit ihr lassen sich in einem Arbeitsgang unterschiedliche Preßkörper zwecks
Erzielung eines hohen Schüttgewichts in der Koksofenkammer erzeugen. Darüber hinaus
kommt der Vorrichtung aber auch Bedeutung zur Herstellung von Preßkörpern unterschiedlichen
Gewichts oder unterschiedlicher Größe aus anderem Aufgabematerial und für andere Verwendungszweoke
zu.
[0023] Die Erfindung wird nachstehend anhand der Zeichnung mit darin wiedergegebenen Ausführungsbeispielen
weiter erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 schematisch das Prinzip des erfindungsgemäßen Verfahrens bei einer Ausführungsmöglichkeit,
Fig. 2 eine weitere Ausführungsmöglichkeit des Verfahrens,
Fig. 3 eine Draufsicht zu Fig. 2
Fig. 4 eine Ausführung einer bei dem Verfahren zu verwendenden Vorrichtung, größtenteils
im Schnitt,
Fig. 5 eine vorteilhafte Ausbildung einer Matrize in Draufsicht und
Fig, 6 einen Schnitt nach der Linie VI - VI in Fig. 5 in etwas anderem Maßstab.
[0024] Wie Fig. 1 veranschaulicht, wird dem Aufgabematerial A bei der Kompaktierung durch
in einer Hauptpreßrichtung P wirkende Druckkräfte D eine Vorschubbewegung in der Hauptpreßrichtung
erteilt, und es werden auf das Aufgabematerial außerdem Kräfte zur Einwirkung gebracht,
deren Richtung von der Hauptpreßrichtung P abweicht bzw. quer dazu verläuft, wie durch
den Pfeil S angedeutet ist, so daß das Aufgabematerial bei der Pressung zugleich eine
Schub- oder Scherbeanspruchung erfährt. Solche Vorschub- und Querkräfte lassen sich
auf verschiedene Weise erzeugen.
[0025] Fig. 1 zeigt einen auf der Oberseite eines Formzeuges M, etwa einer Platte, verschiebbaren
Körper G mit keilförmig geneigter Vorderseite, der bei einer Bewegung in Richtung
des Pfeiles Z durch sein Eigengewicht oder sonstige Belastung in der erläuterten Weise
auf das Aufgabematerial A einwirkt und dieses dabei durch eine Öffnung K in dem Formzeug
M hindurchdrückt. Vorteilhaft hat diese öffnung einen runden, namentlich kreisförmigen
Querschnitt. Dadurch lassen sich außer linearen Schub- oder Scherwirkungen auch drehende
Beanspruchungen im Aufgabematerial erzielen. Der Körper G kann auch an beiden Enden
abgeschrägt sein, wie gezeigt ist, und kann dann im Sinne des Doppelpfeiles Z' hin
und her verschiebbar sein.
[0026] Die Fig. 2 und 3 veranschaulichen eine Ausführungsweise des Verfahrens, bei der die
dem Aufgabematerial A mitzuteilender Beanspruchungen durch einen radartigen Körper
R aufgebracht werden, der auf einer horizontalen Achse C drehbar ist, die um eine
vertikale Achse E (Fig. 3) schwenkbar bzw. mittels einer solchen Achse im Sinne des
Pfeiles U drehbar ist, so daß der Radkörper R über eine wiederum in einem Formzeug
M vorgeschene Öffnung K hinwegbewegt werden kann. Die vertikale Achse E hat einen
Abstand von der Öffnung K. Die Breite des Radkörpers R ist größer als der Durchmesser
der im Quer- schnitt kreisförmigen Öffnung K. Mit Bezug auf diese Öffnung und das
Aufgabematerial ist also keine einfache Abrollbewegang vorhanden, sondern es tritt
eine kombinierte Bewegung mit einem schiebenden Anteil ein, wie aus Fig. 3 ersichtlich
ist, in der strichpunktiert zwei weitere Stellungen des Radkörpers R wiedergegeben
sind. Somit ergeben sich auch bei einer' solchen Ausführungsweise außer kompaktierenden
Druckkräften D (Fig. 2), die dem Aufgabematerial zugleich eine Vorschubbewegung in
einer Hauptpreßrichtung P erteilen, zusätzliche, in von der Hauptpreßrichtung abweichenden
Richtungen wirkence Kräfte, wie solche z.B. schematisch bei dem Pfeil angedeutet sind,
die das Aufgabematerial einer Scherung bzw. Schubbeanspruchung und hier auch einer
drehenden Beanspruchung anterwerfen.
[0027] Der aus der Öffnung K austretende kompaktierte Strang bricht jeweils nach einer gewissen
Länge von selbst ab oder kann durch einen kurzen Schlag zum Abbrechen gebracht werden,
so daß einzelne Preßkörper entstehen.
[0028] Fig. 4 zeigt eine für das erfindungsgemäße Verfahren geeignete Vorrichtung in ihrer
Gesamtheit. Diese enthält ein Gehäuse mit einem z.B. einen geschlossenen Mantel 2
oder mehrere Beine aufweisenden Untersatz 1 und einen Oberteil 3. Beide Teile sind
durch eine Flanschverbindung 4 lösbar miteinander verbunden. In eine Aufnahme 5 des
Unterteils 1 ist eine z.B. aus Stahl bestehende Matrize 6 eingesetzt, die in einem
kreisringförmigen Bereich B eine Vielzahl von Kanälen 7 enthält, deren Gestalt im
wesentlichen zylindrisch ist. Auf der Oberseite der Matrize 6 laufen bei der gezeigten
Ausführung zwei Preßräder 8, deren Breite jeweils etwas größer als die Breite des
die Kanäle 7 enthaltenden Ringbereiches B ist, so daß letzterer beim Umlauf der Preßräder
8 voll überdeckt und dabei mit dem vom Gewicht der Preßräder und dem sich aufbauenden
Preßdruck beaufschlagt wird.
[0029] Die Preßräder 8 sind drehbar auf einer horizontalen Achse gelagert, die vom unteren
Teil 9 einer vertikalen Welle 10 gehalten ist. Die Welle 10 läuft in Axial- und Radiallagern
11, 12 und trägt ein drehfest mit ihr verbundenes Zahnrad 13, das über weitere lediglich
durch strichpunktierte Linien 14 angedeutete Getriebeglieder, z.B. Zahnräder, von
einem Elektromotor 16 drehend antreibbar ist, wobei ein auf der Ausgangswelle des
letzteren sitzendes Ritzel mit der Ziffer 15 bezeichnet ist.
[0030] In den im übrigen geschlossenen Arbeitsraum der Preßräder 8 kann durch einen Einlaß
17 Aufgabematerial, etwa schwächer backende Steinkohle in körniger Form und mit normaler
Feuchtigkeit, eingeführt werden. Die Größe des Einlasses kann mittels eines nicht
dargestellten Schieber od.dgl. verändert oder abgesperrt werden. Das Aufgabematerial
wird von den Preßrädern 8 bei deren Umlauf in die Kanäle 7 der Matrize 6 gepreßt,
wie dies weiter oben prinzipiell in Verbindung mit den Fig. 2 und 3 erläutert worden
ist, und verläßt dieselben in Form von festen Preßsträngen. Diese brechen nach Erreichen
einer gewissen Länge unter der Wirkung der Schwerkraft und/oder unter der Einwirkung
anderer Einflüsse ab, so daß sich einzelne Stücke ergeben, die in Richtung der Pfeile
F in einen sich anschließenden Raum 20 fallen, z.B. einen Schacht, der sich oberhalb
des Füllwagens einer Koksbatterie befindet oder durch den Preßkörper unmittelbar oder
über eine Transporteinrichtung zu einem Bunker gelangen können.
[0031] 3ei der dargestellten Ausführung der nach Art einer Kollerpresse ausgebildeten Vorrichtung
ist die Matrize 6 außerdem ncch mit einer Heizeinrichtung versehen, die weitgehend
schematisch mit dem Buchstaben H angedeutet ist, wobei Energiezuleitungen mit der
Ziff. 18 bezeichnet sind. Es kann sich dabei um eine Widerstandsheizung, um eine induktive
Heizeinrichtung oder um eine sonstige geeignete Ausführung handeln, wobei weiterhin
die Möglichkeit besteht, die gesamte Matrize oder aber nur die Umgebung der Kanäle
7 zu beheizen.
[0032] Durch die auf diese Weise ermöglichte zusätzliche Wärmezufuhr zum Aufgabematerial
während des Kompaktierungsvorganges kann dieser je nach den Gegebenheiten noch intensiviert
werden, wobei sich die Temperatur entsprechend der Art des jeweiligen Aufgabematerials
wählen läßt, namentlich so, daß der Erweichungspunkt des Materials oder eines Bestandteiles
desselben erreicht oder überschritten wird. Dies führt während der Preßformung zu
Schmelz- und Verschweißerscheinungen, namentlich im Bereich der Randzone.
[0033] Im Sinne der Erzielung eines möglichst hohen Schüttgewichts in den Koksofenkammern
kann es von Vorteil sein, wenn eine Matrize für die Herstellung der Preßkörper Kanäle
mit unterschiedlichem Durchmesser aufweist, so daß unterschiedlich große bzw. schwere
Preßkörper gleichzeitig in ein und demselben Herstellungsgang erhalten werden.
[0034] Als Beispiel hierfür zeigen die Fig. 5 und 6 jeweils einen Teil einer Matrize 21,
namentlich einer Matrize für eine Kollerpresse der in Fig. 4 gezeigten oder ähnlichen
Art, die zwei Gruppen von Kanälen 22 und 23 mit verschiedenen Durchmessern D1 und
D2 aufweist. Mit dem Ausdruck Kanal ist dabei jeweils ein zylindrischer, den eigentlichen
Kompaktierungsraum darstellender Teil des gesamten Durchlasses in der Matrize 21 gemeint.
Bei der gezeigten Ausführung schließen sich daran konische Bereiche 24, 25 und zylindrische
Endbereiche 26, 27 an. Die Kanäle 23 mit dem größeren Durchmesser D2 sind länger als
die Kanäle 22 mit dem kleineren Durchmesser D1. Statt zwei Gruppen von Kanälen mit
verschiedenen Durchmessern kann die Matrize auch mehr Gruppen mit weiteren unterschiedlichen
Abmessungen aufweisen.
[0035] Alle in der vorstehenden Beschreibung erwähnten bzw. in der Zeichnung dargestellten
Merkmale sollen, sofern der bekannte Stand der Technik es zuläßt, für sich allein
oder auch in Kombinationen als unter die Erfindung fallend angesehen werden.
1. Verfahren zur Herstellung von Koks, insbesondere Hochofenkoks, unter Verwendung
größerer Anteile von schwach backender oder im Vergleich zu normal backender schwächer
backender Steinkohle, bei dem Kohle-Aufgabematerial einer Kompaktierungsbehandlung
zur Bildung von Preßkörpern unterzogen wird und aus dieser Behandlung hervorgehende
Produkte als Füllgut für den Koksofen zur Verkokung in diesem verwendet werden, dadurch
gekennzeichnet, daß das Aufgabematerial bei der Kompaktierung sowohl einem eine geführte
Vorschubbewegung des Materials in einer Hauptpreßrichtung erzeugenden Druck als auch
einer den Zusammenschluß der Materialpartikel zusätzlich verstärkenden Kraftwirkung
in von der Hauptpreßrichtung abweichender Richtung im Sinne einer Schub- bzw. Scherbeanspruchung
und/oder einer drehenden Beanspruchung unterworfen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ausschließlich das aus der
Kompaktierungsbehandlung hervorgehende Produkt als Füllgut für den Koksofen verwendet
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Füllgut für den Koksofen
das aus der Kompaktierungsbehandlung der schwächer backenden Kohle hervorgehende Produkt
in Mischung mit unkompaktierter besser backender Kohle verwendet wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Material
bei der Vorschubbewegung in der Hauptpreßrichtung strangartig geformt und anschließend
einer zur Unterteilung in Stücke führenden Einwirkung ausgesetzt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß dem Material
während des Kompaktierungsvorganges Wärme zugeführt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, gekennzeichnet durch die Verwendung
von vorgetrockneterund auf über 100° C vorgewärmter.Kohle enthaltendem oder durch
diese gebildetem Aufgabematerial.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß dem Aufgabematerial
Braunkohle zugesetzt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Anteil der Braunkohle
an der Mischung des Aufgabematerials 4 bis 8 %, auf Trockensubstanz bezogen, beträgt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß dem Aufgabematerial,
insbesondere der schwach backenden Kohle, ein Zusatz von zerkleinerten, hochschmelzenden
Kohlenwasserstoffen zugegeben wird..
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß der Zusatz etwa 2.bis 6
% (Gewichtsprozent) des Aufgabematerials beträgt.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß für den
Kompaktierungsvorgang eine nach Art einer Kollerpresse ausgebildete Vorrichtung verwendet
wird, die eine Matrize mit Kanälen und wenigstens ein relativ zur Matrize im Bereich
der Kanäle der letzteren drehbares Preßrad od.dgl. aufweist.
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß wenigstens einer der beiden
relativ zueinander drehbaren Teile (Matrize, Preßrad) der Vorrichtung während des
Arbeitena derselben beheizt wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß Preßkörper
unterschiedlichen Stückgewichts und/oder unterschiedlicher Größe gleichzeitig hergestellt
werden.
14. Vorrichtung zur Bildung von Preßkörpern, insbesondere zur Durchführung des Verfahrens
nach Anspruch 13, die eine mit Kanälen versehene Matrize und wenigstens ein das Aufgabematerial
durch die Kanäle der Matrize drückendes Element enthält, dadurch gekennzeichnet, daß
die Matrize (21) Kanäle (22, 23) unterschiedlichen Durchmessers (D1, D2) aufweist.
15. Vorrichtung nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, daß die Kanäle (22, 23)
unterschiedliche Länge haben.