(57) Es bestand die Aufgabe, für die Oberflächenbearbeitung von Werkstücken unter einem
Strahl beschleunigter Partikel eines Bearbeitungsmittels, wie z. B. Sandstrahlen ein
Verfahren zu finden, bei dem alle Oberflächenbereiche der zu bearbeitenden Werkstücke
während der Bearbeitung von den Partikeln im statistischen Mittel unter allen denkbaren
Winkeln gleichmässig getroffen werden.
Zur Lösung dieser Aufgabe wurde erfindungsgemäß vorgeschlagen, eine Schüttung von
Werkstücken allein oder zusammen mit Hilfskörpern durch Impulse in ständiger Vibrations-
und Umwälzbewegung zu halten und den Bearbeitungsstrahl gegen die Oberfläche der in
quasi-flüssigem Zustand befindlichen Schüttung zu richten.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Werkstücken unter
einem Strahl beschleunigter Partikel eines Bearbeitungsmittels, wie z.B. Sandstrahlen.
[0002] Die Oberflächenbearbeitung durch Bestrahlen von Werkstücken mittels beschleunigter
Partikel, wird zum Entgraten, Entzundern oder zur Erzeugung bestimmter Oberflächenstrukturen
oder dergleichen angewendet. Es sind eine Vielzahl von Verfahren bekanntgeworden,
die sich beispielsweise nach der Art der verwendeten Bearbeitungsmittel unterscheiden
lassen. Ferner lassen sich die Strahlverfahren zur Oberflächenbearbeitung danach unterscheiden,
ob das Werkstück ruht und der Bearbeitungsstrahl um das Werkstück geführt wird oder
ob mit einem stationären Strahl gearbeitet wird, dem alle zu bearbeitenden Flächen
des Werkstücks nacheinander durch Bewegung desselben ausgesetzt werden.
[0003] Den Bestrahlungsverfahren der letztgenannten Gruppe haftet ein prinzipieller Nachteil
an. Wird eine allseitig gleichmäßige Oberflächenbearbeitung des Werkstücks verlangt,
so müssen alle Oberflächenbereiche diesem hinsichtlich Dauer, Richtung, Intensität
usw. völlig gleichmäßig ausgesetzt werden. Diese Bedingungen werden bei den gebräuchlichen
Verfahren nur mehr oder weniger unvollkommen erfüllt. Am einfachsten läßt sich eine
gleichmäßige Oberflächenbearbeitung durch Strahlen noch bei rotationssymmetrischen
Werkstücken durchführen, wenn diese in eine Drehvorrichtung eingespannt und im Bearbeitungsstrahl
gedreht werden. Will man dabei die Drehvorrichtung nicht unnötig komplizieren, so
steht die Drehachse mit der Richtung des Bearbeitungsstrahls in einer festen geometrischen
Zuordnung, so daß die Partikel des Bearbeitungsmittels stets auch nur unter einem
bestimmten Winkel auf das Werkstück auftreffen. Dadurch ist am fertigen Werkstück
in der Regel eine bevorzugte Bearbeitungsrichtung erkennbar, die aus optischen Gründen
unerwünscht sein kann oder aber keinen befriedigenden Bearbeitungserfolg ergibt.
[0004] Bis zu einem gewissen Grade können diese Nachteile durch eine entsprechend kompliziertere
Drehvorrichtung ausgeglichen werden, wobei dem hierfür erforderlichen Aufwand meist
enge wirtschaftliche Grenzen gesetzt sind. Daneben haben alle Verfahren, bei denen
das zu bearbeitende Werkstück in eine Vorrichtung eingespannt und relativ zum Bearbeitungsstrahl
bewegt wird, den Nachteil, daß die Einspannstellen unbearbeitet bleiben und daß zwei-
oder mehrfaches Einspannen des gleichen Werkstücks erforderlich ist.
[0005] Es ist daher auch schon vorgeschlagen worden, die zu bearbeitenden Werkstücke nicht
einzuspannen, sondern sie in einer Trommel oder auf einem Transportband einer Umwälzbewegung
zu unterwerfen und dabei dem Bearbeitungsstrahl auszusetzen. Diese Verfahren arbeiten
jedoch nur dann befriedigend, wenn die Werkstücke in allen drei Dimensionen etwa gleiche
Abmessungen aufweisen, da sich anderenfalls zwangsläufig eine bevorzugte Umwälzrichtung
der Werkstücke einstellt, was wiederum zu einer bevorzugten Bearbeitungsrichtung durch
den Strahl führt. Dieser Nachteil läßt sich auch nicht dadurch ausgleichen, daß die
Werkstücke zusammen mit Hilfskörpern umgewälzt werden, denn die bevorzugte Umwälzrichtung
der Werkstücke ist in erster Linie von deren Form abhängig und kann durch mitumgewälzte
Hilfskörper nur in sehr engen Grenzen beeinflußt werden.
[0006] Es besteht somit die Aufgabe, für die Oberflächenbearbeitung von Werkstücken unter
einem Strahl beschleunigter Partikel eines Bearbeitungsmittels, wie z.B. Sandstrahlen,
ein Verfahren zu finden, bei dem alle Oberflächenbereiche der zu bearbeitenden Werkstücke
während der Bearbeitung von den Partikeln im statistischen Mittel unter allen denkbaren
Winkeln gleichmäßig getroffen werden. Es muß also mit anderen Worten das Werkstück
dem Bearbeitungsstrahl nacheinander derartig präsentiert werden, daß auf seiner gesanten
Oberfläche eine gleichmäßige Bearbeitung stattfinden kann, ohne daß irgendeine Bearbeitungsrichtung
bevorzugt in Erscheinung tritt, wodurch zwangsläufig Teile der Werkstückoberfläche
entweder zu stark oder zu schwach bearbeitet werden.
[0007] Zur Lösung dieser Aufgabe wird erfindungsgemäß vorgeschlagen, eine Schüttung von
Werkstücken allein oder zusammen mit Hilfskörpern durch Impulse in ständiger Vibrations-
und Umwälzbewegung zu halten und den Bearbeitungsstrahl gegen die Oberfläche der in
quasi-flüssigem Zustand befindlichen Schüttung zu richten.
[0008] Es hat sich herausgestellt, daß bei einer derartigen Behandlungsweise die Werkstücke
unter ständig wechselnder Richtung und mit jeweils anderen Oberflächenbereiche an
die freie Oberfläche der Schüttung gespült werden, so daß sie hier in gewünschter
Weise dem Bearbeitungsstrahl mit fester Richtung unter ständig wechselnden Winkeln
ausgesetzt werden. Sind die Werkstücke unempfindlich, so daß deren gegenseitige Berührung
während der Vibrations- und Umwälzbewegung unschädlich ist, kann die Schüttung allein
aus Werkstücken bestehen. Meist wird jedoch der "Bearbeitungseffekt" durch die gegenseitige
Berührung der Werkstücke unerwünscht sein, so daß diese zweckmäßigerweise mit Hilfskörpern
zu einer Schüttung gemischt werden.
[0009] Dabei ist es möglich, die Hilfskörper nach Größe, Gewicht und Menge in der Weise
auf die zu bearbeitenden Werkstücke abzustimmen, daß letztere sich in der Schüttung
gegenseitig nicht berühren. Vorzugsweise werden als Hilfskörper die aus der Gleitschleiftechnik
bekannten Chips verwendet. Der Schüttung kann außerdem ein flüssiges Bearbeitungs-
oder Spülmittel zugesetzt werden.
[0010] Die Oberflächenbehandlung nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erfolgt zweckmäßigerweise
in einem für die Vibrationsgleitschleiftechnik geeigneten Arbeitsbehälter, wobei die
Oberfläche der Schüttung vollständig mit einer Mehrzahl von Bearbeitungsstrahlen beaufschlagt
wird. Derartige Behälter sind mit einem Schwingantrieb ausgerüstet, dessen Impulse
die Schüttung in ständiger Vibrations- und Umwälzbewegung halten.
[0011] Der Bearbeitungsstrahl kann in an sich bekannter Weise aus Festkörperpartikel bestehen.
Es kann aber auch ein Gemisch aus flüssigen und festen Partikeln verwendet werden.
Die Auftreffgeschwindigkeit der Partikel auf die Schüttungsoberfläche liegt vorzugsweise
zwischen 100 und 200 m/sec.
[0012] Besonders vorteilhaft bei dem erfindungsgemäßen Verfahren ist, daß Art und Umfang
der Oberflächenbehandlung durch den Bearbeitungsstrahl einerseits und durch die Relativbewegung
zwischen Werkstücken und Hilfskörpern in der Schüttung andererseits, je für sich einstellbar
und aufeinander abstimmbar sind. Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ist es möglich,
daß alle Oberflächenbereiche der zu bearbeitenden Werkstücke während der Behandlung
dem Bearbeitungsstrahl nach Richtung und Intensität entsprechend dem Prinzip der idealen
Unordnung, völlig gleichmäßig ausgesetzt werden.
[0013] Das erfindungsgemäße Verfahren kann ferner so ausgeführt werden, daß die gegen die
Schüttgutoberfläche gerichteten Bearbeitungsstrahlen von Düsen ausgehen, deren Abstand
und/oder Winkelstellung zur Schüttgutoberfläche periodisch veränderbar ist.
[0014] Weitere Einzelheiten und Vorteile des Verfahrens, werden anhand der folgenden Ausführungsbeispiele
näher erläutert:
1. Abgesägte Rohrstücke mit einer Länge von etwa 5 cm und einem Durchmesser von etwa
2,5 cm sollen entgratet, von Oberflächenoxiden befreit und aufgerauht werden. Dazu
werden sie als Schüttung in einen Bearbeitungsbehälter gegeben, der durch einen Schwingantrieb
in vibrierende Bewegung versetzt wird. Die Schüttung der Werkstücke unterliegt dadurch
einer Umwälz- und Förderbewegung und verhält sich praktisch wie eine Flüssigkeitsmenge,
wobei stets andere Rohrstücke in wechselnder Ausrichtung an die Oberfläche gespült
werden. Die Oberfläche des Behälterinhalts wird aus drei über dem Behälter angeordneten
Strahldüsen etwa 10 Minuten mit einem Korundgemisch (Partikeldurchmesser 0,1 bis 1,2mm)
bestrahlt. Danach sind die Rohrstücke fertig bearbeitet und können der Maschine entnommen
werden.
2. Warmgepreßte Messingteile mit einem Stückgewicht von etwa 100 g müssen gereinigt
und von Oberflächenoxiden befreit werden. Sie sollen nach der Bearbeitung einen feinen,
gelben Seidenglanz besitzen. Etwa 50 Liter dieser Messingteile werden zusammen mit
etwa 150 Liter Porzellankugeln in einen Bearbeitunssbehälter mit eines. Fassungsvermögen
von 250 Litern eingebracht. Die Porzellankugeln besitzen keine Schleif- oder Polierwirkung,
sondern dienen lediglich als Hilfskörper in der Schüttung, um ein Gegeneinanderschlagen
der Messingteile während der Bearbeitung zu vermeiden. Wie in Beispiel 1 wird die
Schüttung aus Werkstücken und Hilfskörpern einer vibrierenden Umwälzbewegung ausgesetzt
und von fünf über dem Bearbeitungsbehälter angeordneten Strahldüsen mit Glasperlen
von 0,05 bis 1,0 mm Durchmesser bestrahlt. Die Strahldüsen sind beweglich angeordnet
und werden periodisch parallel und quer zur Förderrichtung des Behälterinhalts geführt.
Nach etwa 12 Minuten ist der Bearbeitungsvorgang beendet. Die Messingteile sind gereinigt,
von Oberflächenoxiden befreit und weisen den gewünschten feinen, gelben Seidenglanz
auf.
3. Aluminiumdruckgußteile mit einer Größe von etwa 10 x 10'x 10 cm sollen ent-gratet
und mattiert werden, wobei sich herausgestellt hatte, daß ein Teil der Grate mit der
üblichen mechanisch-chemischen Oberflächenbearbeitung nicht entfernt werden konnte,
da diese sich im Inneren der Werkstücke und daher nicht erreichbar für die Schleifkörper
im reinen Vibrationsgleitschleifverfahren befinden. In diesem Fall werden 100 Liter
Werkstücke mit etwa 400 Liter Schleifmittel, die aus keramisch gebundenen pyramidenförmigen
Schleifkörpern geringer Schleifwirkung mit einer Kantenlänge von 15 mm bestehen, in
einen Vibrationsbehälter mit einem Fassungsvermögen von 650 Litern eingesetzt. Der
in vibrierende Umwälzbewegung versetzte Behälterinhalt wird mit acht Strahldüsen beaufschlagt,
die Glasperlen mit einem Durchmesser von 0,07 bis 0,11 mm Durchmesser mit einer Auftreffgeschwindigkeit
zwischen 150 und 200 m/sec. gegen die Oberfläche der Schüttung strahlen. Auf diese
Weise werden die sonst nicht erreichbaren Innengrate einwandfrei entfernt. Demgegenüber
erfolgt die Entgratung und Bearbeitung der äußeren Konturen der Werkstücke hauptsächlich
durch die als Hilfskörper beigegebenen Schleifkörper, deren Wirkung durch in die Schüttung
eingebrachte Reinigungs- oder Spülmittel verstärkt werden kann. Nach einer Bearbeitungsdauer
von etwa 20 Minuten sind alle äußeren und inneren Grate entfernt und das Werkstück
zeigt eine gleichmäßige mattierte Oberfläche.
4. Stark verzunderte Stanzteile mit einem Stückgewicht von etwa 200 g sollen in kurzer
Zeit entgratet und entzundert werden, ohne daß scharfe, abwasserunfreudliche Säuren
verwendet werden. 100 Liter dieser Stanzteile werden mit 100 Liter 20 x 20 mm großen
zylindrischen, keramisch gebundenen Schleifkörpern starker Schleifwirkung in einen
250 Liter fassenden ringförmigen Vibrationsbehälter gegeben. Der Schwingantrieb ist
so eingestellt, daß die Schüttung im Behälter einen Umlauf in etwa 5 Minuten zurücklegt.
Aus acht beweglich angeord-neten Strahldüsen wird die einer vibrierenden Umwälzbewegung
unterworfene Schüttung mit Korund der Korngröße 0,5 bis 1 mm bestrahlt. Die Auftreffgeschwindigkeit
liegt in diesem Fall zwischen 100 und 150 m/sec. Die Bearbeitung der Werkstücke ist
in einem Behälterumlauf beendet, so daß kontinuierlich gearbeitet werden kann. Die
Werkstücke werden am unteren Ende des ringförmigen, schraubenförmig ansteigenden Bearbeitungsbehälters
eingegeben und während der Bearbeitung zum höher liegenden Behälterende transportiert,
wo sie über ein Sieb ausgetragen werden, während die Schleifkörper durch das Sieb
in den darunter liegenden Behälteranfang zurückfallen und für die Bearbeitung weiterer
Werkstücke zur Verfügung stehen.
1. Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Werkstücken unter einem Strahl beschleunigter
Partikel eines Bearbeitungsmittels, wie z.B. Sandstrahlen, dadurch gekennzeichnet,
daß eine Schüttung von Werkstücken allein oder zusammen mit Hilfskörpern durch Impulse
in ständiger Vibrations- und Umwälzbewegung gehalten werden und daß der Bearbeitungsstrahl
gegen die Oberfläche der in quasi-flüssigem Zustand befindlichen Schüttung gerichtet
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Hilfskörper nach Größe,
Gewicht und Menge in der Weise auf die zu bearbeitenden Werkstücke abgestimmt sind,
daß letztere sich in der Schüttung gegenseitig nicht berühren.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß als Hilfskörper aus
der Gleitschleiftechnik bekannte Chips verwendet werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, der Schüttung
außerdem ein flüssiges Bearbeitungs- oder Spülmittel zugesetzt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Oberflächenbehandlung
in einem für die Vibrationsgleitschleiftechnik geeigneten Arbeitsbehälter erfolgt
und daß die Oberfläche der Schüttung vollständig mit einer Mehrzahl von Bearbeitungsstrahlen
beaufschlagt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Bearbeitungsstrahl
aus Festkörperpartikeln besteht.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Bearbeitungsstrahl
aus einem Gemisch aus flüssigen und festen Partikeln besteht.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Auftreffgeschwindigkeit
der Partikel auf die Schüttungsoberfläche zwischen 100 und 200 m/sec. liegt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß Art und
Umfang der Oberflächenbehandlung durch den Bearbeitungsstrahl einerseits und durch
die Relativbewegung zwischen Werkstücken und Hilfskörpern in der Schüttung andererseits
je für sich einstellbar und aufeinander abstimmbar sind.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß alle Oberflächenbereiche
der zu bearbeitenden Werkstücke während der Behandlung dem Bearbeitungsstrahl nach
Richtung und Intensität entsprechend dem Prinzip der idealen Unordnung völlig gleichmäßig
ausgesetzt werden.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß die gegen
die Schüttgutoberfläche gerichteten Bearbeitungsstrahlen von Düsen ausgehen, deren
Abstand und/oder Winkelstellung zur Schüttgutoberfläche periodisch geändert wird.