[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Stranggiessen von Metall in Ein- oder Mehrstranganlagen,
wobei das Metall, insbesondere Stahl, durch ein Giessrohr aus einem Giessgefäss in
eine oszillierende Kokille mit einem, oberhalb des Kokillenbadspiegels liegenden,
abgeschlossenen, unter Druck stehenden, gasgefüllten Raum gegossen wird sowie eine
Vorrichtung dazu.
[0002] Zum gleichzeitigen Stranggiessen mehrerer Einzelstränge ist eine Gemeinschaftskokille
mit mehreren, nebeneinander angeordneten Einzelkokillen bekannt. Diese Einzelkokillen
weisen in ihrem oberen Abschnitt gasgefüllte Hohlräume auf, die untereinander verbunden
sind. Dadurch wird eine gleiche Gaszusammensetzung und ein gleichmässiger Druck aufrecht
erhalten. Oberhalb der Einzelkokillen ist ein gemeinsamer, mit der Kokille mit-oszillierender
Aufsatz zur Aufnahme von Schmelze vorgesehen, der die Einzelkokillen kommunizierend
verbindet. Dadurch ergibt sich der Vorteil, dass die, die Einzelstränge bewegenden
Vorrichtungen mit gleicher Geschwindigkeit antreibbar sind.
[0003] Zum gleichzeitigen Giessen mehrerer Stränge ist es ferner bekannt, eine gasdicht
abgeschlossene Stranggiesskokille mit mehreren Giessformen vorzusehen und Metall aus
einer gemeinsamen, mit der Kokille verbundenen Wanne über Zufuhrleitungen unter den
Badspiegel der einzelnen Stränge in die Giessformen zuzuleiten. Dabei wird in einem,
nach aussen abgeschlossenen Raum zwischen den Giessformen und der Wanne ein gemeinsames,
abgeschlossenes Gaspolster erzeugt, wodurch der Badspiegel der einzelnen Stränge untereinander
in gleicher Höhe gehalten werden kann. Die Höhe des Gasdruckes wird durch die flüssige
Metallsäule zwischen den Badspiegeln in den Giessformen und der Wanne bestimmt. Falls
Gas zwischen Strang und Giessform austritt, kann der notwendige Gasdruck durch Zupumpen
neuer Luft aufrechterhalten werden.
[0004] Es ist ferner eine gasdichte Verbindung einer ortsfesten Zwischenpfanne mit einer
oszillierenden Kokille einer
Einstranganlage bekannt, bei der durch eine Ausgleichskammer die durch die oszillierende
Kokille entstehende Druckänderung kompensiert wird.
[0005] Nachteilig bei diesen bekannten Lösungen ist, dass die Regulierung der Badspiegelhöhe
in der Kokille durch die Regulierung des Gasdruckes in den darüber liegenden Hohlräumen
geschieht, wodurch unvermeidliche Badspiegelschwankungen auftreten, die zu einer Verschlechterung
- des Gussproduktes führen. Ferner müssen dazu aufwendige Einrichtungen zur Bestimmung
des Badspiegels in dem der Kokille vorgeordneten Giessbehälter und Einrichtungen zur
Drucküberwachung in den Hohlräumen sowie eine entsprechende Regelvorrichtung vorgesehen
werden. Bei den bisher bekannten Stranggiessverfahren zum Giessen kleiner Formate,
wie Knüppel, bei denen ohne Drosselorgane am Zwischenbehälter, wie z.B. Schieber oder
Stopfen, gearbeitet wird, ist die Giessgeschwindigkeit im wesentlichen abhängig von
der ferrostatischen Höhe über dem Ausguss.
[0006] Diese Höhe ändert sich im laufenden Giessbetrieb häufig, wodurch dann auch die Kühlbedingungen
geändert werden müssen. Dies ist einerseits umständlich und führt anderseits zu einer
Verschlechterung des Gussproduktes. Beim
Giessen grösserer Formate, wie z.B. Vorblöcke, sind üblicherweise Stopfen oder Schieber
am oder im Zwischenbehälter vorgesehen, mit denen der Metallzufluss in die Kokille
geregelt wird. Dies bringt oft wirtschaftliche Nachteile mit sich, da diese Drosselorgane
nur eine beschränkte Lebensdauer haben und Störungen verursachen können.
[0007] Es ist Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren und eine Vorrichtung zu schaffen, die
es gestatten, mit einer vom jeweiligen Badspiegel im Zwischenbehälter unabhängigen
Giessgeschwindigkeit und ohne die bisher zur Regelung der Zuflussrate des Metalls
in die Kokille notwendigen Reguliereinrichtungen zu giessen. Ferner sollte die Qualität
des Gussproduktes und die Sicherheit des Giessvorganges erhöht werden. Weiter sollte
auch ein Wegfall der bisher üblichen Messeinrichtung des Kokillenbadspiegels ermöglicht
werden. Zum Giessen der Stränge auf einer Mehrstranganlage sollte deren konstruktiver
Aufwand gesenkt und wirtschaftlicher gegossen werden.
[0008] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, dass während des Giessens kontinuierlich inertes
Gas in den Raum zugeführt wird und das Gas blasenförmig im Gegenstrom zum im Giessrohr
strömenden Metall nach oben in die Atmosphäre abgeschieden wird.
[0009] Durch die kontinuierliche Zuführung des Gases während des Giessens wird bei diesem
sog. geschlossenen Giess-System erreicht, dass sich der Badspiegel in der Kokille
von selbst auf ein bestimmtes Niveau einstellt und während des gesamten Giessverlaufes
mit nur geringsten Abweichungen auf diesem Niveau bleibt. Dieses Niveau ist bestimmt
bzw. kann eingestellt werden durch die entsprechende Höhenlage der Austrittsöffnung
des eingetauchten Giessrohres im Formhohlraum der Kokille. Dadurch sind die bisher
üblichen Einrichtungen zur Bestimmung des Kokillenbadspiegels nicht mehr notwendig.
Durch den Wegfall von nennenswerten Badspiegelschwankungen wird eine erhebliche Verbesserung
des Gussproduktes erzielt. Durch die drosselfreie Zuführung des Metalls, d.h. der
Metalldurchfluss wird nicht vom Giessrohr bestimmt, ist die Giessgeschwindigkeit unabhängig
von der ferrostatischen Höhe bzw. vom Badspiegel im Zwischenbehälter. Sie wird nur
noch von der leicht einstellbaren Auszugsgeschwindigkeit bestimmt. Dadurch werden
ebenfalls schädliche Badspiegelschwankungen vermieden und gegebenenfalls können die
üblichen Regelorgane, wie z.B. Stopfen oder Schieber, die zum Erreichen einer konstanten
Giessgeschwindigkeit sonst nötig waren, im oder am der Kokille vorgeordneten Giessgefäss
entfallen.
[0010] Es ist wesentlich, dass die Strömungsgeschwindigkeit des Metalls im Giessrohr kleiner
gehalten wird als die mögliche Aufstiegsgeschwindigkeit der Gasblasen. Die Strömungsgeschwindigkeit
des Metalls im Giessrohr wird eingestellt durch die gewählte Ausziehgeschwindigkeit
bei vorgegebenen Durchflussquerschnitt des Giessrohres.
[0011] Durch die relativ niedrige Einströmgeschwindigkeit des ungedrosselten Metalls im
Giessrohr wird der Vorteil erzielt, dass Auswaschungen des Giessrohres mit der damit
verbundenen Gefahr des Abreissens desselben und Störungen, verursacht durch ein Zuschmieren
des Durchflusskanals im Giessrohr durch Anlagerungen vermieden werden. Dies erhöht
die Sicherheit des Giessvorganges und führt zu einer Qualitätsverbesserung des Gussproduktes.
[0012] Eine weitere Verbesserung des Gussproduktes entsteht dadurch, dass bei diesem geschlossenen
Giess-System keine Schlacke in den primären Erstarrungsbereich des Stranges innerhalb
der Kokille gelangt, da eine Reoxydation infolge der inerten Atmosphäre nicht möglich
ist. Ebenfalls günstig auf die Gussqualität wirkt sich die, durch das aufsteigende
Gas erzielte Reinigungswirkung aus.
[0013] Die Schmierung kann in bekannter Weise mit Oel erfolgen. Infolge des fehlenden Sauerstoffes
kann die Oelmenge jedoch beträchtlich reduziert werden.
[0014] Bei Anwendung der Erfindung auf Mehrstranganlagen ergibt sich der Vorteil, dass verschiedene
Baueinheiten, wie z.B. Strangführung, Treib- und/oder Richtaggregat, Oszillationsvorrichtung,
Kokillenwassermantel, Sprüh-System etc. für mehrere, nebeneinander liegende Stränge
gemeinsam verwendet werden können. Ferner können die Strangabstände wesentlich verkleinert
werden, wodurch sich insgesamt günstige Bedingungen sowohl konstruktiver als auch
metallurgischer Art ergeben.
[0015] Beim Stranggiessen von Stahl ist es vorteilhaft, die Strömungsgeschwindigkeit im
Giessrohr kleiner als 0,6 m/sec zu halten, um ein sicheres Aufsteigen der Gasblasen
entgegen dem einfliessenden Metall im Giessrohr zu - gewährleisten. Das inerte Gas,
beispielsweise Argon oder Stickstoff, wird in einer Menge bis zu 0,5 1/sec zugeführt.
[0016] Für einen ruhigen Giessablauf ist es günstig, den Gasfluss während eines möglichst
langen Giesszeitabschnittes konstant und so klein wie möglich zu halten, so dass gerade
noch Gas zum Badspiegel im Zwischenbehälter aufsteigt. Beim Auffüllen der Kokille
zu Giessbeginn sollte auch der Durchflussquerschnitt des Giessrohres nicht zur Gänze
mit Metall ausgefüllt werden, d.h. die ins Giessrohr einströmende Metallmenge sollte
kleiner als das Schluckvermögen des Giessrohres sein. Dadurch wird ermöglicht, dass
das im Hohlraum sich ausdehnende Gas nach oben entweichen kann.
[0017] Um eine gleichmässige Gasblasenentfernung aus dem unteren Bereich des Giessrohres
zu erzielen, ist es vorteilhaft, das flüssige, sich im Badspiegelbereich befindliche
Metall kontinuierlich zu bewegen. Dies geschieht durch die Einwirkung eines elektromagnetischen
Feldes, und zwar vorteilhaft derart, dass das Metall rotationssymmetrisch um die Stranglängsachse
bewegt wird. Ein derartiges Rühren mit einer Bewegung der Schmelze um die Stranglängsachse
ist z.B. aus der US-PS 3,905,417 bekannt. Dabei wird nicht nur die Ablösung von kleineren
Gasblasen gefördert und deren Aufstieg durch das Giessrohr eingeleitet, sondern auch
das Ansetzen von kaltem, erstarrtem Metall in Badspiegelbereich an das Giessrohr und/oder
an die Kokillenwand weitgehend verhindert. Ebenso werden dabei die an sich bekannten
günstigen metallurgischen Effekte, wie verbesserte Oberflächenqualität, bewirkt.
[0018] Die erfindungsgemässe Vorrichtung ist dadurch gekennzeichnet, dass der Durchflussquerschnitt
Q des Giessrohres grösser oder gleich Q
k V ist, wobei Q den Durch-V g flussquerschnitt des Giessrohres, Q
k den Kokillenquerschnitt, V die Giessgeschwindigkeit und V
g die Geschwindigkeit des strömenden Metalls im Giessrohr bedeuten und in der Gaszuleitung
eine Dosiereinrichtung vorgesehen ist.
[0019] Da die Lage des unteren Giessrohrendes auch die Höhenlage des Kokillenbadspiegels
bestimmt, sollte aus Sicherheitsgründen, insbesondere beim Giessen kleinerer Knüppelformate,
das untere Giessrohrende in einem Abstand von 2-15 cm vom oberen Kokillenrand angeordnet
sein.
[0020] Zur leichteren Ablösung der gebildeten Gasblasen soll das untere Ende des Giessrohres
abgeschrägt sein.
[0021] Um beim Angiessen, d.h. Füllen der Kokille zu Giessbeginn den Giessrohrdurchmesser
nicht zur Gänze mit Metall auszufüllen, soll im Giessgefäss beispielsweise eine Zwischenwand
mit einer in Bodennähe liegenden Durchtrittsöffnung vorgesehen sein, wobei der Querschnitt
der Oeffnung kleiner als der Durchflussquerschnitt des Giessrohres ist.
[0022] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Figuren, die Ausführungsbeispiele darstellen,
näher erläutert.
[0023] Es zeigen:
Fig. 1 die erfindungsgemässe Vorrichtung, teilweise geschnitten, mit zugehöriger Gasdosiereinrichtung
und
Fig. 2 die erfindungsgemässe Vorrichtung bei einer Mehrstranganlage.
[0024] Gemäss Fig. 1 ist zwischen einer oszillierenden Kokille -1 und einem stationären
Giessgefäss 2, z.B..einem Zwischenbehälter, eine bewegliche Hülle 3 vorgesehen, die
die Oszillationsbewegungen der Kokille kompensieren kann. Diese Hülle, im dargestellten
Beispiel als flexibler Metallbalg dargestellt, begrenzt gemeinsam mit einem unter
dem Giessgefäss 2 angebrachten Giessrohr 4 einen Hohlraum 5. Zu Giessbeginn wird flüssiges
Metall, beispielsweise Stahl, aus dem Zwischenbehälter durch das Giessrohr in die
Kokille geleitet und bildet dort einen Badspiegel 6 aus. Gleichzeitig wird Argon als
Inertgas aus einem Gasbehälter 7 über Leitungen 8 dem Hohlraum 5 zugeführt. Um beim
Angiessen, d.h. beim Füllen der Kokille mit Stahl den Durchflussquerschnitt 14 des
Giessrohres 4 nicht vollständig mit einfliessendem Stahl auszufüllen, ist im Zwischenbehälter
eine Zwischenwand 11 vorgesehen, die eine Durchtrittsöffnung 13 besitzt, deren Querschnitt
kleiner als der Durchflussquerschnitt 14 des Giessrohres 4 ist. Daher kann das im
Hohlraum 5 befindliche Gas, das sich durch die Erwärmung ausdehnt, ungehindert nach
oben entweichen. Die Zwischenwand 11 ist so hoch, dass nach dem Angiessvorgang bei
gewünschter Badspiegelhöhe 15 im Zwischenbehälter der Stahl darüber fliesst.
[0025] Im weiteren ist zur Sicherheit ein Ueberdruckventil 12 in der Gaszuleitung eingebaut,
das sich bei einem Druck, der etwa dem zweifachen möglichen ferrostatischen Druck
entspricht, selbsttätig öffnet. Durch das kontinuierlich in den Hohlraum 5 eingebrachte
Inertgas stellt sich der Badspiegel 6 genau auf die Höhe des unteren Endes des Giessrohres
4 ein. Dieses liegt ca. 10 cm vom oberen Kokillenrand 17 entfernt. Der mit einer erstarrten
Schale gebildete Strang 9 wird durch angetriebene Rollen, z.B. eines nichtgezeichneten
Treib- und/oder Richtaggregates aus der Kokille 1 ausgefördert. Das mit einem höheren
als der ferrostatischen Säule entsprechenden Druck eingebrachte Gas steigt in Form
von Blasen 16 im Gegenstrom - durch den im Giessrohr nach abwärts strömenden Stahl
nach oben und tritt durch den Badspiegel 15 im Zwischengefäss 2 in die freie Atmosphäre
aus. Dazu ist es wesentlich, dass die Strömungsgeschwindigkeit des Stahls im Giessrohr
kleiner gehalten wird als die mögliche Aufstiegsgeschwindigkeit der Gasblasen. Durch
eine Abschrägung 18 des unteren Endes des Giessrohres 4 wird das Ablösen der Gasblasen
erleichtert. Im weiteren wird eine gleichmässige Entfernung der Gasblasen aus dem
unteren Bereich des Giessrohres 4 dadurch erreicht, dass der flüssige Stahl vorteilhaft
rotationssymmetrisch um die Stranglängsachse 25 bewegt wird. Zur Erzeugung des dazu
benötigten elektromagnetischen Feldes sind um die Formhohlwand der Kokille 1 Induktionsspulen
26 angeordnet, mit denen eine kontinuierliche oder, falls erwünscht, auch stossweise
Bewegung des flüssigen Stahlkernes verursacht werden kann. Der Stahl wird drosselfrei
zugeführt und demzufolge ist die Strömungsgeschwindigkeit des Stahles im Giessrohr
durch die gewählte Ausziehgeschwindigkeit bei vorgegebenem Durchflussquerschnitt des
Giessrohres leicht einstellbar. Bei bekannter Aufstiegsgeschwindigkeit der Gasblasen,
die unter anderem von der jeweiligen Zähigkeit der Metallschmelze abhängt, kann auch
aus der Kontinuitätsgleichung, gemäss der das Produkt aus Giessgeschwindigkeit V (cm/min)
mal dem Kokillenquerschnitt Q
k (cm
2) gleich sein muss dem Produkt aus Strömungsgeschwindigkeit V
g (cm/min) im Giessrohr mal dem Durchflussquerschnitt Q g (cm ) des Giessrohres der
erforderliche Durchflussquerschnitt für vorgewählte Giessgeschwindigkeiten und Kokillenformate
berechnet werden.
[0026] Beim vorliegenden Beispiel zum kontinuierlichen Giessen von Stahlknüppeln mit einem
Querschnitt von 115 mm x 115 mm beträgt der Durchmesser des Durchflusskanals des Giessrohres
55 mm. Die zugeführte Gasmenge beträgt zu Giessbeginn 0,005 1/sec und wird nach etwa
3 Min. auf - eine Menge von 0,002 1/sec reduziert. Um einen kontinuierlichen und kontrollierten
Gasfluss zu ermöglichen, ist in der Gaszuleitung 8 eine Dosiereinrichtung 10 vorgesehen,
welche bei einer bestimmten Einstellung unabhängig vom Vor- und Gegendruck immer die
gleiche Gasmenge liefert.
[0027] Es wird jedoch festgestellt, dass gemäss der Erfindung nicht der Druck des Gases
im Hohlraum 5 reguliert wird, wie bei den bekannten Verfahren, sondern nur die Menge
des kontinuierlich zugeführten Inertgases. Da das Inertgas nach oben entweichen kann,
stellt sich im Hohlraum 5 selbsttätig ein Druck ein, der gleich ist, als es der ferrostatischen
Höhe vom unteren Ende des Giessrohres 4 bis zum Badspiegel 15 im Zwischenbehälter
2 entspricht.
[0028] Es liegt daher ein wesentlich anderes System vor als bei den, zum Stande der Technik
gehörenden Verfahren, bei denen die Höhe des Badspiegels in der Kokille mittels des
Druckes eines Gaspolsters eingeregelt werden muss. Dabei werden wegen des, während
des Giessverlaufes praktisch ständig schwankenden Badspiegels im Zwischenbehälter
aufwendige Regeleinrichtungen benötigt. Auch ist z.B. für die Druckregelung des Gases
im Hohlraum je nach ferrostatischer Höhe eine Badspiegelanzeige für den Zwischenbehälter
unbedingt erforderlich. Eine derartige kontinuierlich arbeitende Anzeige ist jedoch
derzeit noch nicht in Betrieb.
[0029] Im Gegensatz dazu stellt sich bei der Erfindung der Kokillenbadspiegel genau auf
die Höhe des unteren Endes des eintauchenden Giessrohres ein und bleibt dort während
des gesamten Giessvorganges. Das wirkungsvolle Arbeiten des Systems kann durch Beobachten
der durch den Badspiegel im Zwischenbehälter austretenden Gasblasen kontrolliert werden.
Die obgenannte Badspiegelanzeige für den Zwischenbehälter ist nicht erforderlich.
Ferner sind keine Einrichtungen zur Regelung der Zuflussrate des Stahles in die Kokille
vorhanden.
[0030] Die Giessgeschwindigkeit, die ausschliesslich durch die Geschwindigkeit der Treib-
und/oder Richtrollen bestimmt wird, ist nur begrenzt durch die Forderung, dass die
Strömungsgeschwindigkeit des Stahles im Giessrohr kleiner sein muss als die Aufstiegsgeschwindigkeit
der Gasblasen. Im vorliegenden Beispiel zum Giessen von Stahlknüppeln im Format 115
mm x 115 mm beträgt die Giessgeschwindigkeit über einen grossen Bereich der Giesszeit
mehr als 1,5 m/min.
[0031] Bei der Anwendung der Erfindung auf Mehrstranganlagen ergeben sich weitere Vorteile.
Wie in Fig. 2 dargestellt, können 3 Kokillen zu einer Einheit im gleichen Wassermantel
19 mit nur einem Kühlwasser-Zu- und Abfluss, wie durch die Bezugszeichen 20 und 21
dargestellt ist, zusammengefasst werden. Eine derartige Einheit benötigt damit auch
nur einen, nichtgezeichneten Oszillationsantrieb. Die drei gegossenen Stränge 9 werden
durch die gleichen Rollen 22 gestützt und geführt und auch mit dem gleichen, nichtgezeichneten
Auszieh-Aggregat ausgezogen. Das bringt den Vorteil, dass alle Stränge der Mehrstranganlage
einen gleich hohen Badspiegel haben und mit gleicher Geschwindigkeit gefördert werden.
Ferner wird für die Stränge 9 nur ein einfaches Wasser-System 23 mit Steuerung benötigt.
Durch die Zusammenfassung von mehreren Kokillen zu einer Einheit mit einheitlichem
Wassermantel, können die bisher bei Mehrstranganlagen üblichen Strangabstände wesentlich
verkleinert werden. Beim dargestellten Beispiel einer Dreistrang-Anlage sind die Strangabstände
24 etwa um den Faktor 3 kleiner als bei konventionellen Mehrstranganlagen. Weitere
Vorteile ergeben sich beispielsweise bei der Ausgestaltung des Zwischenbehälters,
der wesentlich kürzer gebaut werden kann. Dies bringt neben der einfacheren konstruktiven
Lösung auch metallurgische Vorteile. Beispielsweise kann der Stahl mit niedrigerer
Giesstemperatur vergossen werden. Auch wegen der kürzeren Abstände zwischen dem Auftreffort
des Giessstrahles zu den Zwischenbehälterausgüssen ist die Gefahr des Zugehens geringer.
1. Verfahren zum Stranggiessen von Metall in Ein- oder Mehrstranganlagen, wobei das
Metall, insbesondere Stahl, durch ein Giessrohr aus einem Giessgefäss in mindestens
eine oszillierende Kokille mit einem, oberhalb des Kokillenbadspiegels liegenden,
abgeschlossenen, unter Druck stehenden, gasgefüllten Raum gegossen wird, dadurch gekennzeichnet.,
dass während des Giessens kontinuierlich inertes Gas in diesen Raum zugeführt und
das Gas blasenförmig im Gegenstrom zum im Giessrohr strömenden Metall nach oben in
die Atmosphäre abgeschieden wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1 zum Stranggiessen von Stahl, dadurch gekennzeichnet,
dass die Strömungsgeschwindig- keit des Stahles im Giessrohr kleiner als 0,6 m/sec gehalten wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Inertgas in einer Menge
bis zu 0,5 1/sec zugeführt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als inertes Gas Argon verwendet
wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass während der Giesszeit der
Gasfluss konstant gehalten wird.
6. Verfahren nach Anspruch 1; dadurch gekennzeichnet, dass während des Auffüllens der Kokille zu Giessbeginn der
Durchflussquerschnitt des Giessrohres nicht zur Gänze mit Metall ausgefüllt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das im Badspiegelbereich
befindliche flüssige Metall durch Einwirkung eines elektromagnetischen Feldes bewegt
wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Metall rotationssymmetrisch
um die Stranglängsachse bewegt wird.
9. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1 mit Giessgefäss, mindestens
einer oszillierenden Kokille und einem in diese reichendes Giessrohr, wobei sich zwischen
der Kokille und dem Giessgefäss ein von einer beweglichen Hülle umgebener, gasgefüllter
Raum mit einer Gaszuleitung befindet, dadurch gekennzeichnet, dass der Durchflussquerschnitt
Qg (14) des Giessrohres (4) grösser oder gleich Qk . V ist, wobei V 9 Q9 den Durchflussquerschnitt des Giessrohres, Qk den Kokillenquerschnitt, V die Giessgeschwindigkeit, Vg die Geschwindigkeit des strömenden Metalls im Giessrohr bedeuten und in der Gaszuleitung
(8) eine Dosiereinrichtung (10) vorgesehen ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das untere Ende des
Giessrohres (4) in einem Abstand von 2-15 cm vom oberen Kokillenrand (17) angeordnet
ist.
11. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das untere Ende des
Giessrohres (4) abgeschrägt ist.
12. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Giessgefäss (2)
stationär angeordnet ist und eine Zwischenwand (11) mit einer Durchtrittsöffnung (13)
aufweist, deren Querschnitt kleiner als der Durchflussquerschnitt (14) des Giessrohres
(4) ist.
13. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass in der Gaszuleitung
(8) ein Ueberdruckventil (12) vorgesehen ist.