[0001] Gegenstand der Erfindung ist eine bipolare Elektrode aus Graphit oder glasartigem
Kohlenstoff für die Melhoxylierung organischer Verbindungen.
[0002] Es ist bekannt, daß man anodische Oxydationen und Methoxylierungen in ungeteilten
Zellen an Kohlenstoffelektroden durchführen kann [vgl. z.B. DE-OS 25 02 167; DE-OS
25 47 386; s. auch Acta Chem. Scand., B 29, 617-21 (1975) BE-PS 836 949_7. Benutzt
man hierbei die Korlenstofielel:- troden in bipolarer Schaltung, um größere Substanzmengen
mit technisch interessanten Raum/Zeit-Ausbeuten herzustellen, so tritt bei Verwendung
von Graphit an den Kathoden durch den gebildeten Wasserstoff Erosion auf. Infolge
dieser Erosion können durch von den Kathoden abgesprengte Graphitpartikel elektrische
Kurzschlüsse in den engen Elektrodenspalten auftreten, wodurch neben Stromausbeuteverlusten
erhebliche Störungen beim Zellenbetrieb verursacht werden. Verwendet man anstelle
von Graphit glasartigen Kohlenstoff als Elektrodenmaterial so treten zwar keine Erosionen
dafür jedoch während der Elektrolyse zunehmende Stromausbeuteverluste auf.
[0003] Der Erfindung liegt demnach die Aufgabe zu Grunde, die bipolare Elektrode aus Kohlenstoff
so zu verbessern, daß einerseits eine Zerstörung der Elektrode an der Kathode durch
Wasserstoffentwicklung vermieden wird und andererseits die Stromausbeute während des
Elektrolysevorgangs erhalten bleibt.
[0004] Gegenstand der Erfindung ist somit eine bipolare Elektrode aus Kohlenstoff, insbesondere
aus Graphit oder glasartigem Kohlenstoff für anodische Prozesse in ungeteilten Zellen,
die dadurch gekennzeichnet ist, daß sich auf der Kathodenseite Mietali-Nstze aus wasserstoffüberspannungsherabsetzenden
Materialien befinden. Gegenstand der Erfindung ist weiterhin die Verwendung solcher
Elektroden zur Durchführung anodischer Reaktionen der Organoelektrochemie in ungeteilten
Elektrolysezellen, insbesondere für Methoxylierungsreaktionen.
[0005] Als die Wasserstoffüberspannung herabsetzende Materialien für die Metall-Netze der
erfindungsgemäßen Elektrode kommen hauptsächlich die Metalle der I. IV. V. VI. und
VIII. Nebengruppe des Periodensystems der Elemente in Frage. Aus wirtschaftlichen
Gesichtspunkten sind darunter jedoch die Nichtedelmetalle bevorzugt wie z.B. Stahl,
Nickel, Kupfer, Messing und Titan, insbesondere VA-Stahl und Nickel.
[0006] Unter dem Begriff Metall-Netz sollen Netze oder Gewebe oder Streckmetalle verstanden
werden. Materialquerschnitte von 0,002 mm2 bis 9 mm2 haben sich als brauchbar erwiesen.
Bevorzugt werden jedoch Querschnitte von 0,008 mm2 bis 9 mm
2. Die erfindungsgemäße Elektrode kann je nach den Erfordernissen der jeweiligen Elektrolyse
Netze in einer oder mehreren Lagen aufweisen, dabei muß lediglich sichergestellt werden,
daß das elektrische Feld nicht bis zur Kohlenstoffplatte durchgreifen kann. Bei Verwendung
mehrerer Lagen können die Lagen aus der gleichen Sorte oder aus verschiedenen Sorten
bestehen. Die Maschenweiten und Drahtstärken der Metallnetze oder Metallgewebe sind
in weiten Grenzen variabel, beispielsweise liegen die Drahtstärken zwischen 0,05 mm
und 1 mm, bevorzugt zwischen 0,1 und 0,4 mm Durchmesser und die Maschenweiten zwischen
0,1 und 5 mm, vorzugsweise zwischen 0,2 und 0,7 mm. Die Streckmetalle können aus 0,3
bis 3 mm dicken Blechen hergestellt sein. Bei Stegbreiten von 0,5 bis 3 mm betragen
die Maschenweiten 0,5 bis 4 mm und die Maschenlängen 1 bis 6 mm. In einer besonders
bevorzugten Ausführungsform der erfindungsgemäßen Elektroden werden 2 bis 3 Lagen
aus VA-Stahlnetz der Maschenweite 0,5 mm und der Drahtstärke 0,3 mm zusammengefaßt,
mit einer Lage feinem Metallnetz der Maschenweite 0,19 mm und der Drahtstärke 0,1
mm umhüllt und auf die Kathodenseiten der Platten aus glasartigem Kohlenstoff oder
Graphit aufgelegt. Die Figur gibt schematisch den Aufbau der erfindungsgemäßen Elektrode
wieder mit der Kohlenstoffplatte 1, den kathodenseitigen Metallnetzen 2 und dem Abstandshalter
aus isolierendem Material 3.
[0007] Die erfindungsgemäße Elektrode zeichnet sich besonders durch eine hohe Lebensdauer
aus. Sie erlaubt weiterhin hohe, technisch interessante Elektrolyse-Stromdichten von
bis zu 1 A/cm
2. Die bei diesen Stromdichten entwickelten beträchtlichen Wärmemengen lassen sich
bei Verwendung der erfindungsgemäßen Elektrode dann leicht abführen, wenn sich entsprechend
dicke Lagen an Metallnetzen, Metallgeweben und/oder Streckmetallen auf den Kohlenstoffplatten
befinden und ausreichende Elektrolytvolumina zwischen den Elektrodenspalten hindurchgeführt
werden. Hierdurch wird auch der Gefahr der Bildung von Wärmenestern in den Elektrodenspalten
begegnet, so daß bei minimiertem Elektrodenabstand gearbeitet werden kann, um nennenswerte
Energieverluste im Elektrolyten zu vermeiden.
[0008] Im Folgenden wird die Wirkungsweise der erfindungsgemäßen Elektrode anhand von Beispielen
näher erläutert:
Beispiel 1:
[0009] In eine Durchflußapparatur mit Umwälzpumpe, Wärmeaustauscher und Entgasungsgefäß
wurde eine ungeteilte Zelle mit einer Anode aus glasartigem Kohlenstoff, einerKathode
aus Nickel und dazwischen zwei bipolar geschalteten Elektroden aus glasartigem Kohlenstoff
eingebaut. Zwischen die Platten wurde jeweils ein Stapel aus Nickelgewebe (2 Lagen
der Maschenweite 0.19 mm und 0.1 mm Drahtstärke und dazwischen 2 Lagen der Maschenweite
0,5 mm und der Drahtstärke 0,3 mm) und Polyäthylengewebe (1 Lage der Maschenweite
0,9 mm und der Fadenstärke 0,3 mm) so eingeschoben, daß das Nickelgewebe auf die Kathodenseiten
der Kohleplatten und die Nickelelektrode zu liegen kam. Dann wurde der Stapel zusammengepreßt
in die Zelle eingebaut. Alle Elektrodenplatten waren in einen Polyäthylenrahmen eingefaßt,
der senkrecht zur Strömungsrichtung des Elektrolyten 22 mm breit, parallel zur Strömungsrichtung
12 mm breit und wie die Platten ca. 2,5 mm dick war. Die wirksame Elektrodenfläche
jeder Anode betrug 255 cm
2.
[0010] In dieser Zelle wurde die Mischung aus 3 220 g Benzol, 391 g Tetramethylammoniumfluorid,
49 g Fluorwasserstoff und 10 340 g Methanol bei 51 A, 17.5 V bis 18.9 V Zellspannung
und 35°C 17 Stunden und 45 Minuten (entsprechend 2 120 Ah) elektrolysiert. Danach
enthielt der Elektrolyt 7.42 Mol p-Benzochinontetramethylketal entsprechend einer
Stromausbeute von 43.9 % d. Th.
Vergleichsbeispiel
[0011] In der in Beispiel 1 beschriebenen Anlage wurde die ungeteilte Zelle mit einem Elektrodenstapel
bestückt, der aus einer Anode aus glasartigem Kohlenstoff, einer Nickelkathode, sowie
zwei zwischen diese Außenelektroden geschobenen bipolar geschalteten Elektroden aus
glasartigem Kohlenstoff bestand. Die bipolar geschalteten Elektroden waren wie die
Außenelektroden in die in Beispiel 1 beschriebenen Polyäthylenrahmen eingefaßt. Polyäthylennetze
(Maschenweite 3 x 5 mm, Fadenstärke 0,5 mm) dienten zwischen den Platten als Abstandshalter;
und zwar wurden dickere Netze mit größerer Maschenweite verwendet, die die freien
Volumina zwischen den Platten mit denen in Beispiel 1 vergleichbar machten. Der daraus
entstehende größere Elektrodenabstand wurde durch eine höhere Leitsalzkonzentration
und damit bessere Leitfähigkeit des Elektrolyten ausgeglichen. In der beschriebenen
Zelle wurde die Mischung aus 1 050 g Benzol, 380 g Tetramethylammoniumfluorid, 10
g Fluorwasserstoff und 4 340 g Methanol 12 Stunden bei 50 A (entsprechend 1 800 Ah)
und 19 bis 22 V elektrolysiert. Danach enthielt der Elektrolyt 0,40 Mol p-Benzochinontetramethylketal
entsprechend einer Stromausbeute von 3,6 % d. Th.
Beispiel 2
[0012] In ein Glasrohr mit 50 mm Innendurchmesser und 138 mm Länge wurde ein Stapel aus
6 runden, bipolar geschalteten Graphitscheiben (Typ Diabon (
R) N der Fa. Sigri in Meitingen; Durchmesser 50 mm; Dicke 21 mm) eingebaut, zwischen
die jeweils ein Nickelnetz (Maschenweite 0,5 mm Drahtstärke 0,3 mm) und ein Polyäthylennetz
(Maschenweite 1,8 mm, Fadenstärke 0,6 mm) so eingeschoben waren, daß die Nickelnetze
die Kathodenseiten bildeten. Die Graphitscheiben trugen 56 Bohrungen von 1.5 mm Durchmesser,
durch die der Elektrolyt strömen konnte. Das Glasrohr war durch gleichartig durchbohrte
Graphitplatten verschlossen, die als Kontaktelektroden fungierten. Diese Zelle war
in eine Umlaufapparatur mit Umwälzpumpe, Wärmetauscher und Entgasungsgefäß eingebaut.
In dieser Anlage wurde die Mischung aus 350 g o-Chloranisol, 139 g Tetramethylammoniumfluorid,
3,17 g Fluorwasserstoff und 2 900 g Methanol 4 Stunden und 50 Minuten bei 5 A (entsprechend
169 Ah), 37 bis 43,4 V und 34-35°C elektrolysiert. Danach enthielt der Elektrolyt
181 g Chlor-p-benzochinontetramethylketal, 71,1 g Chlorhydrochinondimethyläther und
124 g an nicht umgesetztem Ausgangsprodukt.
V&rgleichsbeispiel
[0013] In der in Beispiel 2 beschriebenen Zelle wurden die Metall- netze entfernt und zweimal
nacheinander die dort beschriebene Mischung elektrolysiert. Dabei trat nach insgesamt
223 Ah ein Abfall der Zellspannung von 38 V auf 27 V ein. Die Elektrolyse wurde abgebrochen
und die Zelle geöffnet. Zwischen zwei der Platten hatten sich Graphitpartikel angesammelt
und zu Kurzschlüssen geführt.
Beispiel 3
[0014] In der in Beispiel 1 beschriebenen Zelle und Durchflußapparatur wurde die Mischung
aus 4 800 g 1-Formylpiperidin, 13 600 g Methanol und 68 g Tetramethylammoniumtetrafluoroborat
bei 27,5 A, 42 V Zellspannung und 25°C 27 Stunden und 33 Minuten (entsprechend 2 273
Ah) elektrolysiert. Nach destillativer Aufarbeitung wurden 5 720 g 1-Formyl-2-meth-
oxypiperidin entsprechend einer Stromausbeute von 89,6 % isoliert.
Vergleichsbeispiel
[0015] In der in Beispiel 1 beschriebenen Anlage wurde die ungeteilte Zelle mit einem Elektrodenstapel
bestückt, der aus einer Anode aus glasartigem Kohlenstoff, einer Nickelkathode sowie
zwei zwischen diese Außenelektroden geschobenen bipolar geschalteten Elektroden aus
glasartigem Kohlenstoff bestand. Alle vier Elektroden waren in die in Beispiel 1 beschriebenen
Polyäthylenrahmen eingefaßt. Polyäthylennetze (Maschenweite 3 x 5 mm, Fadenstärke
0,5 mm) dienten zwischen den Platten als Abstandshalter. In der beschriebenen Zelle
wurde die Mischung aus 4 800 g 1-Formylpiperidin, 13 600 g Methanol und 68 g Tetramethylammoniumtetrafluorborat
bei 27,5 A, 45 V Zellspannung und 25°C 27 Stunden und 33 Minuten (entsprechend 2 273
Ah) elektrolysiert. Nach destillativer Aufarbeitung wurden 5 120 g 1-Formyl-2-methoxypiperidin
entsprechend einer Stromausbeute von 80,3 % isoliert.
Beispiel 4
[0016] In der in Beispiel 2 beschriebenen Zelle und Anlage wurde die Mischung aus 480 g
1-Formylpiperidin, 1 360 g Methanol, und 6.80 g Tetramethylammoniumtetrafluoroborat
34 Stunden und 15 Minuten bei 1 A (entsprechend 240 Ah), 98 V Zellspannung und 25°C
elektrolysiert. Aus dem klaren Elektrolyt konnten durch destillative Aufarbeitung
577 g 1-Formyl-2-methoxypiperidin entsprechend einer Stromausbeute von 90.2 % d.Th.
isoliert werden.
Vergleichsbeispiel
[0017] In der in Beispiel 2 beschriebenen Zelle wurden die Metall- netze entfernt und dann
die Mischung aus 480 g 1-Formylpiperidin, 1 360 g Methanol und 6.80 g Tetramethylammoniumtetrafluorborat
40 Stunden und 40 Minuten bei 1 A (entsprechend 285 Ah), 105 V Zellspannung und 25°C
elektrolysiert.
[0018] Der anfangs wasserklare Elektrolyt nahm bereits nach kurzer Zeit eine im Laufe der
Elektrolyse zunehmende Trübung an, die von feinem Graphitabrieb herrührte. Nach destillativer
Aufarbeitung ließen sich 476 g 1-Formyl-2-methoxy- piperidin entsprechend einer Stromausbeute
von 62.7 % isolieren.
1. Bipolare Elektrode aus Kohlenstoff, insbesondere aus Graphit oder glasartigem Kohlenstoff,
dadurch gekennzeichnet, daß sich auf der Kathodenseite Metall-Netze aus wasserstoffüberspannungsherabsetzenden
Materialien befinden.
2. Bipolare Elektrode nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als wasserstoffüberspannungsreduzierende
Metalle Stahl, Nickel, Kupfer, Messing und Titan, insbesondere VA-Stahl und Nickel
verwendet werden.
3. Verwendung der bipolaren Elektrode nach Ansprüchen 1 und 2 für anodische Reaktionen
der Organoelektrochemie in ungeteilten Elektrolysezellen.