[0001] Die Erfindung betrifft die Verwendung einfach herzustellender acylierter Phosphor-
oder Schwefelsäure als Kaltbleichaktivator für Wasch- und Reinigungsmittel, die Aktivsauerstoff
abgebende Verbindungen als Bleichmittel enthalten.
[0002] Bekanntlich zerfallen Aktivsauerstoff abgebende Verbindungen, wie Natriumperborat,
erst bei Temperaturen über ca. 70°C mit der für einen Waschprozeß notwendigen Geschwindigkeit.
[0003] Deshalb setzt man sogenannte "Aktivatoren" ein, die den Prozeß beschleunigen, d.g.
ihn auch bei Waschprozessen, die zwischen ca. 30 und 70°C ablaufen, ermöglichen. Diese
Aktivatoren werden daher, wenn auch nicht ganz zutreffend "Kaltbleichaktivatoren"
genannt.
[0004] Die Aktivatoren sind solche organische Verbindungen, die in alkalischer Lösung mit
den anorganischen Perverbindungen organische Perverbindungen bilden, die selbst wieder
wie die anorganischen zerfallen und dies aber bereits bei Raumtemperatur. Es ist schon
lange bekannt, daß Percarbonsäuren diese Eigenschaft besitzen. Man wählte daher Acylverbindungen,
die in Wechselwirkung mit beispielsweise Perboraten Percarbonsäuren bilden, als solche
Aktivatoren.
[0005] Als Acylverbindungen sind für diesen Zweck bereits eine große Zahl bekannt geworden,
und zwar hauptsächlich N- und 0-Acylverbindungen, aber auch Säurehalogenide, speziell
acylierte Amine, Säurechloride, Säureanhydride, Ester etc.
[0006] Aus der DE-AS 11 62 967 kennt man N-acylierte Verbindungen, wie Tetraacetyläthylendiamin,
die als derartige Aktivatoren wirken. Eine nicht einfache technische Herstellungsweise
sowie das Ausgangsmaterial Äthylendiamin machen dieses Produkt jedoch sehr kostspielig.
[0007] Aus der DE-AS 11 07 632 sind acylierte Phosphorsäureester bekannt, die ebenfalls
als Aktivatoren wirksam sind.
[0008] Sie sind flüssige Substanzen und destillativ nicht zu reinigen und dadurch schlecht
anwendbar, obwohl sie an sich, wie wir zeigen konnten, im Durchschnitt gute Bleichergebnisse
zeigen.
[0009] Ziel der Erfindung war es, solche Acylverbindungen zu finden, die leichter zugänglich
und damit billiger sind, und die trotzdem hinsichtlich ihrer Aktivität nicht hinter
den bisherigen Produkten zurückstehen.
[0010] Dieses Ziel wurde mit der Verwendung acylierter Phosphor-oder Schwefelsäure erreicht,
wie sie aus den Patentansprüchen ersichtlich ist.
[0011] Solche Umsetzungsprodukte stellen gemischte Anhydride dar, die mindestens eine

und mindestens eine OH-Gruppe mit einem zur Salzbildung befähigten beweglichen Wasserstoffatom
enthalten.
[0012] Vorzugsweise werden sie in Form ihrer Alkali- oder Erdalkalimetallsalze eingesetzt.
[0013] Die Verbindungen selbst sind zum Teil bekannt. So werden in der Monographie von Kosolapoff
"Organic Phosphorus Compounds", Vol. 6, S. 294-96 und in J. Amer. Chem. Soc. 70, 2183
Mono-Diacetylphosphorsäure und in J. Amer. Soc. 92, 4971 die Monoacetylschwefelsäure
bzw. deren Salze beschrieben. Über eine mögliche Verwendung wird aber in den genannten
Literaturstellen nichts referiert.
[0014] Die Herstellung der erfindungsgemäß zu verwendenden Verbindungen kann in an sich
bekannter Weise erfolgen:
Nach Kosolapoff (s.o.) setzt man z.B. ein sekundäres Silberphosphat mit Keten um.
[0015] Man kann auch ein solches Phosphat z.B. mit Acetylchlorid acylieren und schließlich
führt auch die Umsetzung von Essigsäure (Alkali- oder Erdalkaliacetat) mit Phosphoroxychlorid
zu den gewünschten Produkten.
[0016] Für die erfindungsgemäße Verwendung wird primäres Alkali- oder Erdalkaliphosphat,
z.B. primäres Lithiumphosphat bei 30 bis 70°C mit der ca. 2-fachen Molmenge an Alkancarbonsäureanhydrid
mit 1 bis 4 C-Atomen pro Alkangruppe, vorzugsweise Acetanhydrid oder Propionsäureanhydrid,
umgesetzt, wobei das Alkali- (bzw. Erdalkali-)salz der Diacylphosphorsäure unter Freisetzung
von Essigsäure direkt entsteht.
[0017] Man kann (als Variante) auch NaOH mit Essigsäureanhydrid und Phosphorsäure direkt
umsetzen oder Natriumacetat, Phosphorsäure und Acetanhydrid zusammen reagieren lassen.
[0018] Die acylierten Schwefelsäuren (bzw. deren Salze) werden zweckmäßigerweise aus molaren
Mengen Natriumhydrogensulfat und Essigsäureanhydrid unter Freisetzung von Essigsäure
erhalten.
[0019] Ausgangsverbindungen sind somit z.B. Essigsäure-, Propionsäure- oder Buttersäureanhydrid
einerseits und Phosphorsäure oder Dihydrogenphosphat bzw. Hydrogensulfat andererseits.
[0020] Ebenso kann man auch von Polyphosphorsäuren ausgehen (R
z = Rest der Formel 11) und diese entsprechend umsetzen. Bevorzugt wählt man in diesem
Fall Diphosphorsäure, Triphosphorsäure oder Metaphosphorsäure.
[0021] Es wurden folgende Verbindungen geprüft:

1. Bestimmung der Aktivierungswerte
[0022] Als Maß für die aktivierende Wirkung, d.h. die Freisetzung von bleichwirksamer Persäure,
wird ein sogenannter Aktivierungswert gewählt. Die Bestimmungsmethode ist prinzipiell
in der DT-OS 21 38 584 beschrieben. Hierbei werden Aktivsauerstoff liefernde Verbindung
mit definierten Mengen des Aktivators vermischt, gelöst, temperiert, die Lösung mit
Kaliumjodid und Stärke versetzt und sofort mit Thiosulfat titriert.
[0023] Im einzelnen geht man folgendermaßen vor:
Lösungen, die 0,615 g/I NaBO2.H2O2.3H2O (4 mMol/l) und 2,5 g/I Na4P2O7.1 OH2O2 enthielten, wurden nach Erwärmen auf 60°C mit 4 mMol/I Aktivator versetzt und 5 Minuten
unter Rühren bei der angegebenen Temperatur gehalten. Dann gibt man 100 ml dieser
Flüssigkeit auf ein Gemisch von 250 g Eis und 15 ml Eisessig und titriert sofort nach
Zugabe von 0,35 g Kaliumjodid mit 0,1 g Natriumthiosulfatlösung und Stärke als Indikator;
die dabei verbrauchte Menge an Thiosulfat in ml ist der Aktivierungswert, bei 100%iger
Aktivierung des Peroxids würde sie 8,0 ml ausmachen.
[0024] Die Werte in der Tabelle 1 sind auf 1 g Aktivator bezogen.
[0025] Aktivierungswerte:

[0026] Tabelle 2 gibt die Ergebnisse der praxisnahen Bleichversuche wieder. Die Versuchsbedingungen
sind der Legende zu entnehmen.
[0027] Die Bleichwirkung wurde über die Weißgradmessung mit einem Elrepho-Photometer ermittelt.
Die Ausgangswerte der Prüfgewebe Rohnessel, Baumwolle/Teeanschmutzung und Baumwolle/Rotweinanschmutzung
wurden dabei jeweils gleich 100% gesetzt. Als Kontrollversuch diente ein Waschmittel,
in welchem anstelle des Kaltbleichaktivators Natriumsulfat verwendet wurde. Die Differenz
zwischen den Werten ohne Kaltbleichaktivator und dem Ausgangswert von 100% kann als
auswaschbarer Anteil gewertet werden. Dies gilt jedoch nicht für den Waschversuch
bei 95°C.
[0028] Bei dieser Temperatur wirkt dann das Natriumperborat für sich bleichend. Die Werte
der Tabelle 2 zeigen deutlich, daß die neuen Kaltbleichaktivatoren den Standard TAED
erreichen. Die besten Produkte übertreffen es sogar.
1. Verwendung von mittels C1- bis C4-Alkancarbonsäuren oder deren Derivaten acylierter Orthophosphorsäure, acylierter Metaphosphorsäure
und acylierter Schwefelsäure, die mindestens eine Acylgruppe und mindestens eine freie
zur Salzbildung befähigtes Wasserstoffatom enthaltende Hydroxylgruppe gebunden enthalten,
bzw. deren Alkali-, Erdalkalimetall- oder Ammoniumsalze als Kaltbleichaktivatoren
in Wasch- und Reinigungsmitteln, die aktiven Sauerstoff abgebende Verbindungen als
Bleichmittel enthalten.
2. Verwendung von Acylierungsprodukten gemäß Anspruch 1, die der Formel I

gehorchen, in der
R1 den Acylrest einer C1- bis C4-Alkancarbonsäure bedeutet,
R2 für R1, Wasserstoff oder ein Alkali- oder Erdalkalimetall steht,
R3 für Wasserstoff oder ein Alkali- oder Erdalkalimetall und darüber hinaus
R1 oder R2 für die Gruppierung der Formel II

stehen, in der
R4 für den Acylrest einer C1- bis C4-Alkancarbonsäure und
R5 für R4 oder Wasserstoff, Alkali- oder Erdalkalimetall stehen, und
n für 1 bis 90 steht.
3. Verwendung von Acylierungsprodukten gemäß Anspruch 1, die der Formel III

gehorchen, in der
R6 den Acylrest einer C,- bis C4-Alkancarbonsäure und
R7 für Wasserstoff, Alkäli- oder Erdalkalimetall steht.
1. Utilisation, comme activateurs de blanchîment à froid dans des agents de lavage
et de nettoyage qui contiennent, comme agent de blanchîment, des composés actifs libérant
de l'oxygène, d'acide orthophosphonique acylé au moyen d'acides alcanecarboxyliques
en C1 à C4, ou leurs dérivés, d'acide métaphosphorique acylé et d'acide sulfurique acylé, qui
contiennent liés à eux au moins un groupe acyle et au moins un groupe hydroxyle contenant
un atome d'hydrogène libre susceptible de former un sel, ou leurs sels alcalins, alcalinoterreux
ou d'ammonium.
2. Utilisation de produits d'acylation selon la revendication 1 de formule l

dans laquelle
R1 représente le reste acyle d'un acide alcanecarboxylique en C1 à C4
R2 représente R1, l'hydrogène ou un métal alcalin ou alcalinoterreux
R3 est l'hydrogène ou un métal alcalin ou alcalinoterreux, et en outre
R1 ou R2 représente le groupement de formula II

dans laquelle
R4 est le reste acyle d'un acide alcanecarboxylique en C1 à C4
R5 représente R4 ou l'hydrogène, un métal alcalin ou alcalinoterreux, et
n est un nombre entier de 1 à 90.
3. Utilisation de produits d'acylation selon la revendication 1 représentés par la
formule III

dans laquelle
R6 est le reste acyle d'un acide alcanecarboxylique en C, à C4 et
R7 est de l'hydrogène ou un métal alcalin ou alcalinoterreux.
1. The use of orthophosphoric, metaphosphoric or sulfuric acid acylated with a C,
to C4-alkanecarboxylic acid or a derivative thereof and containing at least one free hydroxyl
group having a hydrogen atom capable of salt formation, or an alkali metal, alkaline
earth metal or ammonium salt thereof, as a cold-bleach activator in cleaning agents
and detergents containing as a bleach a compound which releases active oxygen.
2. The use of an acylation product as claimed in claim 1 which satisfies formula I

where
R1 is the acyl radical of a C1 to C4-alkanecarboxylic acid,
R2 stands for R1, hydrogen or an alkali or alkaline earth metal,
R3 is hydrogen or an alkali or alkaline earth metal, and moreover
R1 or R2 may stand for a group of the formula II

where
R4 is the acyl radical of a C1 to C4 alkanecarboxylic acid,
R5 is R4, hydrogen or an alkali or alkaline earth metal, and
n is an integer from 1 to 90.
3. The use of an acylation product as claimed in claim 1 which satisfies formula III

where
R6 is the acyl radical of a C1 to C4-alkanecarboxylic acid and
R7 is hydrogen or an alkali or alkaline earth metal.