[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur elektrolytischen Färbung von mittels Gleichstrom
in saurer Lösung auf Aluminium erzeugten anodischen Oxidschichten mittels Wechselstrom
unter Verwendung eines Zinn(II)-salze und Eisen(II)-salze enthaltenden sauren Elektrolyten.
[0002] Bei der zweistufigen elektrolytischen Einfärbung, der sogenannten elektrolytischen
Mettallsalzeinfärbung, wird im ersten Verfahrensschritt unter Verwendung von Gleichstrom
mit Schwefelsäure oder Schwefelsäure und Oxalsäure als Elektrolytflüssigkeit eine
definierte Oxidschicht erzeugt. Das so eloxierte Aluminium wird dann in einem zweiten
Verfahrensschritt unter Anwendung von Wechselstrom und Einsatz von Lösungen bestimmter
Mettalsalze, bzw. Metallsalzmischungen, elektrolytisch eingefärbt, wobei hierbei bevorzugt
zinn(II)- und eisen(II)-sulfathaltige Lösungen verwendet werden.
[0003] So ist aus « CHEMICAL ABSTRACTS », Vol. 88, Nr. 6, 2 Juni 1978, Seite 360-361, Nr.
43155p ein Verfahren bekannt, bei dem zur elektrolytischen Mettalsalzeinfärbung von
Aluminium mittels Gleichstrom in schwefelsaurer Lösung eine definierte Oxidschicht
erzeugt, und diese anschließend unter Verwendung eines Zinn(II)-salzes mittels Wechselstrom
in einem schwefelsauren Elektrolyten eingefärbt wird, wobei der Zinn(11)-salz enthaltende
Elektrolyt 5 g/I FeS0
4 enthält. Dabei werden olivfarbene Einfärbungen erhalten.
[0004] Bei Verwendung von zinn(II)- und eisen(II)-sulfathaltigen Lösungen können, je nach
Wahl der Arbeitsbedingungen, Farbtöne zwischen silberhell, hell-, mittel- und dunkelbronze
bis schwarz erzeugt werden, die beständig gegen Licht und normale atmösphärische Einflüsse
sind.
[0005] Schwefelsaure zinn(II)-sulfathaltige Lösungen scheiden jedoch bei ihrer Verwendung
durch Hydrolyse und/oder Oxidation entsprechend der Standzeit in zunehmendem Maße
schwerlösliche Zinnverbindungen ab, die für die Einfärbung von Aluminium unwirksam
sind.
[0006] Man hat bisher versucht, die Abscheidung solcher schwerlöslicher Zinnverbindungen
durch Zusätze geeigneter Verbindungen, wie z.B. Phenolsulfonsäure, Kresolsulfonsäure,
Phenol oder dessen Derivate zu verringern. Aus « CHEMICAL ABSTRACTS », Vol. 89, Nr.
8, 21. August 1978, Seite 499, Nr. 67510x ist die Zugabe von Kresolsulfonsäure, Phenolsulfonsäure
und auch von Sulfosalicylsäure als Komplexbildner zu einem Zinn(II)-sulfat und einem
Eisen(II)-salz, insbesondere Eisen(II)-sulfat enthaltenden Elektrolyten bekannt. Hierdurch
wird die Bildung von Niederschlägen jedoch nur verringert, aber nicht beseitigt. Die
erhaltenen Einfärbungen sind olivfarben. Diese Verbindungen, die laut Beispiel bis
zu 30 g/I zugesetzt werden können, sind aufgrund ihrer hohen Abwasserschädlichkeit,
ihrer Giftigkeit sowie der durch sie hervorgerufenen Geruchsbelästigung in erheblichem
Umfang umweltbelastend geworden. Hinzu kommt als besonderer Nachteil, daß solche Verbindungen
die Bildung von schwerlöslichen Zinnverbindungen nicht ausreichend unterdrücken.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, in den für die Einfärbung verwendeten Elektrolyten,
welche Zinn(II)-salze enthalten, die Bildung von Niederschlägen beim Stehen möglichst
vollständig zu verhindern und gleichzeitig Elektrolyte aufzufinden, welche Einfärbungen
möglichst hoher Farbintensität zu erhalten ermöglichen.
[0008] Überraschenderweise wurde gefunden, daß diese Aufgabe in einfacher Weise dadurch
gelöst werden kann, daß ein 1 bis 10 g/I eines oder mehrerer Eisen(II)-salze(s) einer
Sulfonsäure mit höchstens 8 Kohlenstoffatomen oder der Amidosulfonsäure enthaltender
Elektrolyt verwendet wird.
[0009] Dieser Effekt war für den Fachmann überraschend, da die freien Säuren, wie z.B. Schwefelsäure,
Phenolsulfonsäure und Amidosulfonsäure, nicht in der Lage sind, die Bildung von Niederschlägen
zu verhindern.
[0010] Im Falle der Verwendung von Eisen(II)-salzen einer Sulfonsäure spielt der mit dem
Schwefelatom verbundene Kohlenwasserstoffrest, der bis zu 8 Kohlenstoffatome einschließlich
enthalten darf, keine entscheidende Rolle. Der Kohlenwasserstoffrest kann ein gegebenenfalls
substituierter Alkyl-, Aryl- oder Alkarylrest sein.
[0011] Eine besonders bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahren besteht
im Hinblick sowohl auf den farbverstärkenden Effekt als auch auf die Unterdrückung
von schwerlöslichen zinnhaltigen Niederschlägen darin, daß ein Eisen(II)-sulfosalicylat
und/oder Eisen(II)-sulfophthalat enthaltender Elektrolyt verwendet wird. Vorzugsweise
wird ein Elektrolyt verwendet, der zusätzlich 1 bis 10 g/I Sulfosalicylsäure und/oder
Sulfophthalsäure enthält.
[0012] Die für die Einfärbung verwendeten, die erfindungssgemäßen Zusätze enthaltenden Elektrolyten
können weitere Verbindungen enthalten, wie sie aus dem Stand der Technik bekannt sind.
So ist es beispielsweise möglich, diesen Lösungen in an sich bekannter Weise Amine
oder Phenole bzw. Phenolderivate zuzusetzen.
[0013] Die Wirksamkeit der erfindungsgemäß im Elektrolyten enthaltenen Verbindungen wurde
dadurch ermittelt, daß 200 ml einer schwefelsauren Zinnsulfatlösung, die sie zur elektrolytischen
Einfärbung von Aluminium zum Einsatz kommt, mit 14 g Zinn(II)-sulfat und 16 g konz.
Schwefelsäure/I als solche bzw. mit den jeweils zusätzlich in der folgenden Tabelle
genannten Verbindungen 1 Woche lang stehengelassen wurden. Die sich bildenden Niederschläge
wurden abfiltriert und gewichtsanalytisch ermittelt.
[0014] Ferner wurde mit den einzelnen Lösungen die elektrolytische Einfärbung von zuvor
eloxiertem Aluminium vorgenommen. Die Helligkeiten (L) der hierbei erhaltenen eingefärbten
Aluminiumbleche wurden nach Verdichten und Trocknen mit einem Farb- und Farbdifferenz-Meßgerät
ermittelt, wobei das Meßgerät von 0-100 skaliert ist und 100 weiß und 0 schwarz bedeutet.
Somit konnten in objektiver Weise Helligkeitsunterschiede einwandfrei ermittelt werden.
[0015] Als Elektrolyt wurde eine schwefelsaure Zinn(II)-sulfat-Lösung (14 g Zinn(II)-sulfat
und 16 g H
2S0
4/I) verwendet.

[0016] In der Gruppe sind freie Säuren und Amine genannt, wobei Phenolsulfonsäure und Amidosulfonsäure
entsprechend dem Stand der Technik schwefelsauren Zinnsulfatlösungen zugesetzt werden.
Die Unterdrückung der Bildung von zinnhaltigem Niederschlag ist dabei völlig ungenügend.
Bei Zusatz von Eisen(II)-sulfat wird zwar die Bildung von Schlamm stark verringert,
jedoch nicht die Farbintensität erhöht.
[0017] Die Ergebnisse der Gruppe II zeigen, daß bei Zusatz erfindungsgemäß zu verwendender
Verbindungen der sich bildende zinnhaltige Niederschlag praktisch vernachlässigbar
ist. Die Farbtiefe des eingefärbten Aluminiums wird verbessert, insbesondere, wenn
man Eisen(II)-sulfosalicylat und Eisen(II)-sulfophthalat verwendet.
[0018] Die Zusätze gemäß Gruppe III bewirken, daß sich praktisch keine nennenswerten Niederschläge
bilden, während die Farbintensität des eingefärbten Aluminiums in allen Fällen erheblich
gesteigert ist.
[0019] Das erfindungsgemäße Verfahren soll anhand der folgenden Beispiele noch näher erläutert
werden :
Beispiel 1
[0020] Es wurden Aluminiumbleche (100 mm. 50 mm. 2 mm) in bekannter Weise entfettet, alkalisch
und sauer gebeizt, wobei zwischen den einzelnen Arbeitsgängen jeweils ein Spülen mit
Wasser vorgenommen wurde, und unter Verwendung von Gleichstrom mit wäßriger Schwefelsäure
(200 g konz. H
2S0
4/1) als . Elektrolytflüssigkeit derart eloxiert, daß eine Eloxalschicht von 20
Km Dicke erzeugt wurde. (Kathodenmaterial : Edelstahl ; Stromdichte : 1,3-1,5 A/dm
2).
[0021] So eloxiertes Aluminiumblech wurde nach dem Spülen mit Wasser in 300 ml einer Efektrolytflüssigkeit,
die 14 g Zinn(II)-sulfat, 16 g konz. Schwefelsäure 5 g Eisen(II)-sulfosalicylat/I
enthielt, eingetaucht, wobei die Flüssigkeit sich in einer rechteckig gehaltenen Glaszelle
befand.
[0022] Die elektrolytische Metallsalzeinfärbung wurde unter Verwendung von zwei Edelstahlelektroden
nach Anlegen von Wechselspannung und einer Elektrolyttemperatur von 18-20 °C innerhalb
5 Minuten vorgenommen. Hierbei wurde die Spannung innerhalb der ersten Minute kontinuierlich
auf 15 Volt hochgeregelt und 4 Minuten konstant gehalten. Das eingefärbte Aluminiumblech
wurde nach dem Einfärbeprozeß in bekannter Weise verdichtet. Der mit dem Farbmeßgerät
ermittelte Helligkeitswert betrug 12,7. Die Niederschlagsmenge von 200 ml der gleichen
Elektrolytflüssigkeit betrug nach 1- wöchiger Standzeit 4 mg.
Vergleichsversuch
[0023] Es wurde analog Beispiel gearbeitet, wobei als Elektrolytflüssigkeit lediglich eine
schwefelsaure Zinn(II)-sulfat-Lösung, die 14 g Zinn(II)-sulfat und 16 g konz. Schwefelsäure/I
enthielt, anstelle der in Beispiel 1 genannten Elektrolytflüssigkeit, eingesetzt wurde.
[0024] Die mit dem Farbmeßgerät ermittelte Helligkeit betrug 22,0, die Niederschlagsmenge
von 200 ml dieser Lösung nach 1-wöchiger Standzeit betrug 1000 mg.
Beispiel 2
[0025] Es wurde analog Beispiel 1 gearbeitet, wobei als Elektrolytflüssigkeit eine Lösung,
die 14 g Zinn(II)-sulfat, 16 g konz. Schwefelsaüre und 5 g Eisen(II)-sulfamat/I enthielt,
eingesetzt wurde.
[0026] Die mit dem Farbmeßgerät ermittelte Helligkeit betrug 18,8. Die Niederschlagsmenge
von 200 ml dieser Lösung nach 1-wöchiger Standzeit betrug 6 mg.
Beispiel 3
[0027] Es wurde analog Beispiel 1 gearbeitet, wobei als Elektrolytflüssigkeit eine Lösung,
die 14 g Zinn(II)-sulfat, 16 g konz. Schwefelsäure und 5 g Eisen(II)-sulfamat sowie
10 g Aminoäthyläthanolamin/I enthielt, eingesetzt wurde.
[0028] Die mit dem Farbmeßgerät ermittelte Helligkeit betrug 18,1. Die Niederschlagsmenge
von 200 ml dieser Lösung betrug nach 1-wöchiger Standzeit 46 mg.
Vergleichsversuch
[0029] Es wurde analog Beispiel 1 gearbeitet, wobei als Elektrolytflüssigkeit eine Lösung,
die 14 g Zinn(II)-sutfat, 16 g konz. Schwefelsäure und 10 g Aminoäthyläthanolamin/I
enthielt, eingesetzt wurde.
[0030] Die mit dem Farbmeßgerät ermittelte Helligkeit betrug 19,0. Die Niederschlagsmenge
von 200 ml dieser Lösung nach 1-wöchiger Standzeit 820 mg.
Beispiel 4
[0031] Es wurde analog Beispiel 1 gearbeitet, wobei als Elektrolytflüssigkeit eine Lösung,
die 14 g Zinn(II)-sulfat, 16 g konz. Schwefelsäure, 10 g Phenolsulfonsäure und 5 g
Eisen(II)-sulfamat/I enthielt, eingesetzt wurde.
[0032] Die mit dem Farbmeßgerät ermittelte Helligkeit betrug 15,8. Die Niederschlagsmenge
von 200 ml dieser Lösung betrug nach 1-wöchiger Standzeit 66 mg.
Vergleichsversuch
[0033] Es wurde analog Beispiel 1 gearbeitet, wobei als Elektrolytflüssigkeit eine Lösung,
die 14 g Zinn(II)-sulfat, 16 g konz. Schwefelsäure und 10 g Phenolsulfonsäure/I enthielt,
eingesetzt wurde.
[0034] Die mit dem Farbmeßgerät ermittelte Helligkeit betrug 16,5. Die Niederschlagsmenge
von 200 ml dieser Lösung betrug nach 1-wöchiger Standzeit 420 mg.
Beispiel 5
[0035] Es wurde analog Beispiel 1 gearbeitet, wobei als Elektrolytflüssigkeit eine Lösung,
die 14 g Zinn(II)-sulfat, 16 g konz. Schwefelsäure, 10 g Kresolsulfonsäure und 5 g
Eisen(II)-sulfamat/I enthielt, eingesetzt wurde.
[0036] Die mit dem Farbmeßgerät ermittelte Helligkeit betrug 13,8. Die Niederschlagsmenge
von 200 ml dieser Lösung betrug nach 1-wöchiger Standzeit 8 mg.
Vergleichsversuch
[0037] Es wurde analog Beispiel 1 gearbeitet, wobei als Elektrolytflüssigkeit eine Lösung,
die 14 g Zinn(11)-sulfat, 16 g konz. Schwefelsäure und 10 g Kresolsulfonsäure/I enthielt,
eingesetzt wurde.
[0038] Die mit dem Farbmeßgerät ermittelte Helligkeit betrug 14,5. Die Niederschlagsmenge
von 200 ml dieser Lösung betrug nach 1-wöchiger Standzeit 18 mg.