[0001] Die Erfindung betrifft ein für die Metallbearbeitung geeignetes Additiv in Schmier-
und Kühlmitteln auf Phosphatbasis. Das erfindungsgemäße Additiv eignet sich besonders
für Metallbearbeitungsverfahren, bei denen extrem hohe Drücke und Temperaturen auftreten,
wie z.B. Fräsen, Extrudieren oder Zieh- und Walzvorgänge im kalten oder heißen Zustand.
[0002] Es ist bekannt, zur Verschleißverminderung und Produktionserhöhung Schmier- und Kühlmittel
zu verwenden, die den Reibungswiderstand zwischen dem Werkstück und Werkzeug verkleinern.
Diese Schmier- und Kühlmittel bestehen im allgemeinen aus Schmierölen, denen verschleiß-
und korrosionshemmende Additive zugesetzt sind.
[0003] So wird in der DE-OS 16 44 875 ein wäßriges Kühlmittel vorgeschlagen , welchem 0,1
- 20 Gew·% eines Polyoxialkylenglykolpolyesters einer dimeren Fettsäure zugesetzt
werden. Es hat sich herausgestellt, daß der organische Bestandteil durch die punktuell
auftretende große Hitzeentwicklung an dem Werkzeug oxidiert und/oder verdampft und
den Aufbau einer Gleitschicht verhindert.
[0004] In der DE-OS 16 44 9o8 werden Schmierstoffe mit einem Gehalt an Eisen- und/oder Zinkpyrophosphat
beschrieben.
[0005] In der DE-OS 2o 48 537 wird ein Hochtemperaturschmierstoff auf der Grundlage eines
Binders und eines Lösungsmittels vorgeschlagen, dem Salze der Ortho- und/oder Polyphosphorsäure
mit Natrium und/oder Kalium und/oder Zink und/oder Aluminium und/oder Bor zugemischt
sind.
[0006] Gemäß der AT-PS 278 223 wird ein Schmier- und Kühlmittel hergestellt durch Zusatz
von Ortho-oder kondensierten Phosphaten von Alkalimetallen und Metalloxiden.
[0007] Anorganische und organische Phosphorverbindungen als Additive in Schmierölen oder
Wasser gehören somit zum Stand der Technik. Bei der Verwendung von Ortho- bzw. Polyphosphorsäure
als Additiv in Schmierölen, aber auch insbesondere in Wasser, treten starke Korrosionen
ein, die durch eine Neutralisation mit Alkalihydroxid oder Aminen reduziert werden
können. Bei der Neutralisation der freien Säuren muß eine Reduzierung der Schmierung
in Kauf genommen werden und es kann durch die zugesetzten Basen zu einer unerwünschten
Eindickung kommen, wodurch die Kühlwirkung erheblich reduziert wird.
[0008] Durch die Zugabe von Phosphorsäureestern ist die Herstellung von neutralen, homogenen
Schmier- und Kühlmitteln möglich. Aus Erfahrung weiß man, daß ein Zusammenhang besteht
zwischen der Schmierwirkung und dem Phosphorgehalt des Schmier- und Kühlmittels. Je
höher der Phosphorgehalt ist, desto bessere Ergebnisse werden mit dem Schmier- und
Kühlmittel erzielt. Beim Zusatz von Phosphorsäureestern ist der Phosphorgehalt im
Schmier- und Kühlmittel begrenzt, da die verwendbaren Phosphorsäureester im P-Gehalt
höchstens 13,4 Gew/ betragen können, vgl. DE-OS 21 45 296.
[0009] Es hat sich gezeigt, daß die bisher vorgeschlagenen Schmierund Kühlmittel verbesserungsbedürftig
sind. Einerseits weisen die bisherigen Schmiermittel nur eine unzureichende Kühlwirkung
bei dem Werkzeug auf, andererseits müssen die auf dem Werkstück aufgesinterten Metalloxid-Phosphat-Gläser
in einer nachfolgenden Ätzstufe durch eine Säurebehandlung entfernt werden.
[0010] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Additiv für die Metallbearbeitung zu
schaffen, welches auf der Grundlage von Schmierölen oder Wasser verbesserte Hochdruckeigenschaften
und verschleißhemmende Eigenschaften aufweist.
[0011] Die Aufgabe wird gemäß der Erfindung dadurch gelöst, daß dem Schmier- und Kühlmittel
als Additiv ein langkettiges Ammoniumpolyphosphat zugesetzt wird.
[0012] Als Ammoniumpolyphosphat wird ein solches der allgemeinen Formel

verwendet, in der n einer ganzen Zahl von 50 bis 1000, insbesondere von 300 bis 800,
entspricht und R eine Ammoniumgruppe bedeutet.
[0013] Bei dem Ammoniumpolyphosphat können bis zu 20 %, insbesondere bis zu 5 %, der Ammoniumgruppen
durch Wasserstoff ersetzt sein.
[0014] Als Additiv kann das Ammoniumpolyphosphat in Schmierölen oder Wasser in Form einer
Flüssigkeit, Suspension oder Paste angewendet werden.
[0015] Das Ammoniumpolyphosphat wird dem Schmier- und Kühlmittel in einer Menge von 0,1
bis 30, vorzugsweise von 2 bis 10, Gew% zugesetzt.
[0016] Das Ammoniumpolyphosphat kann als Additiv verwendet werden in Kombination mit grenzflächenaktiven
Stoffen und/ oder Antischaummitteln und/oder Farbstoffen und/oder Rostinhibitoren
und/oder Phosphatestern.
[0017] Als Schmierölgrundlage können mineralische Schmieröle, wie paraffinbasische oder
naphtenbasische Destillatöle mit einer Viskosität zwischen z.B. 6 und 60cSt bei 60°C
und/oder synthetische Schmieröle, wie Polyolefine und/oder Esteröle und/oder Polyoxialkylene,
verwendet werden.
[0018] Als grenzflächenaktive Stoffe haben sich insbesondere nichtionische Detergentien,
wie Polyoxiäthylenstearat oder Polyoxiäthylenmonobutyläther in Mengen zwischen 1 bis
20 Gew% des Schmier- und Kühlmittels bewährt.
[0019] Als Antischaummittel können dem Schmier- und Kühlmittel Siloxane zugesetzt werden,
z.B. Polymethylsiloxan in einer Menge von 5 - 25 ppm.
[0020] Als Rostinhibitor können z.B. Benzotriazol oder Äthylbernsteinsäure in Mengen von
etwa 200 ppm zugemischt werden. Durch den Zusatz von Phosphatestern, z.B. Ammoniumsalz
des Gemisches der Mono- und Dioleylphosphorsäure oder der Di-n-propyldithiophosphorsäure
oder Trikresylphosphat in Mengen von 0,01 bis 10 Gew% des Schmier- und Kühlmittels,
kann die Wirkung von Ammoniumpolyphosphat auf Basis von Schmierölen synergistisch
verbessert werden.
[0021] Es hat sich gezeigt, daß bei der Heißbearbeitung von Metallen ein Ammoniumpolyphosphat
mit einer mittleren Kettenlänge von n = 500 bis 1000, insbesondere von n = 600 bis
800, eingesetzt werden kann, wie es z.B. hergestellt wird gemäß der DE-PS 23 3o 174.
[0022] Für die Kaltbearbeitung von Metallen, wo speziell großer Wert auf eine gute Kühlung
des Werkzeuges und Werkstückes gelegt wird, eignet sich als Additiv besonders ein
Ammoniumpolyphosphat mit einer mittleren Kettenlänge von n = 50 bis 400, insbesondere
von n = 300 - 400, wie es z.B. hergestellt wird gemäß der DE-PS 17 67 2o5.
[0023] Die folgenden Beispiele dienen der Erläuterung der Eigenschaften des Ammoniumpolyphosphats
als Additiv in Schmierund Kühlmitteln. Die Erfindung ist nicht auf diese Beispiele
beschränkt, das gilt insbesondere der Zumischung weiterer, das Schmier- und Kühlmittel
verbessernder Zusätze.
[0024] Die Prüfung der Schmier- und Kühlmittel erfolgte gemäß der DIN 51 350 im Shell-Vierkugel-Apparat
sowie mit der Reibverschleißwaage nach Reichert.
Beispiel 1
[0025] 2,5 Gewichtsteile Ammoniumpolyphosphat wurden in 97,5 Gewichtsteilen Wasser aufgeschlämmt.
Ammoniumpolyphosphat wurde gemäß DE-PS 17 67 2o5 bei 330 - 340°C getempert und hatte
eine mittlere Kettenlänge von n = 300 - 400 und eine Körnung von <63
/u.
Das T
estergebnis auf der Reibverschleißwaage ist in Tabelle 1 aufgeführt.
Vergleichsbeispiel 1 a
[0026] 3,0 Gewichtsteile Phosphatester eines Handelsproduktes auf Basis von Phenol mit 6
Äthylenoxid-Einheiten wurden mit
97,0 Gewichtsteilen Wasser gemischt. Das Testergebnis auf der Reibschleißwaage ist
in Tabelle 1 aufgeführt.
Vergleichsbeispiel 1 b
[0027] Die Schmierwirkung von reinem Wasser wurde bestimmt. Das Testergebnis auf der Reibverschleißwaage
ist in der Tabelle 1 aufgeführt.

Beispiel 2
[0028] 5 Gewichtsteile Ammoniumpolyphosphat wurden in 95 Gewichtsteilen naphtenbasischem
Öl (Coray 90 (R), Fa. Esso AG) suspendiert. Ammoniumpolyphosphat wurde gemäß DE-PS
17 67 2o5 hergestellt und hatte eine Kettenlänge von n = 300 - 400 und eine Korngröße
von < 63
/u.
Das Testergebnis mit dem Shell-Vierkugel-Apparat ist in Tabelle 2 aufgeführt.
Vergleichsbeispiel 2 a
[0029] Die Schmierwirkung von reinem naphtenbasischen Öl (Coray 90 (R)
) wurde bestimmt.
Das Testergebnis mit dem Shell-Vierkugel-Apparat.ist in Tabelle 2 aufgeführt.
Beispiel 3
[0030] 2,5 Gewichtsteile Ammoniumpolyphosphat(gemäß Beispiel 2) und 2,5 Gewichtsteile Phosphatester
auf Basis von Oleylalkohol mit 5 Äthylenoxid-Einheiten wurden in 95 Gewichtsteilen
naphtenbasischem Öl (Coray 90 (R)) gelöst.
Vergleichsbeispiel 3 a
[0031] 5 Gewichtsteile Phosphatester auf Basis von Oleylalkohol mit 5 Äthylenoxid-Einheiten
wurden in 95 Gewichtsteilen naphtenbasischem Öl (Coray 90 (R)) gelöst.
Das Testergebnis mit dem Shell-Vierkugel-Apparat ist in Tabelle 2 aufgeführt.

Beispiel 4
[0032] In der beigefügten Zeichnung sind die Tiefziehversuchsergebnisse nach Erichsen dargestellt.
Durch den Zusatz von Ammoniumpolyphosphat tritt eine deutliche Zunahme des Ziehweges
ein. Mit einer Suspension von 30 Gewichtsteilen Ammoniumpolyphosphat (Exolit 263 (R),
Fa. Hoechst AG) in 70 Gewichtsteilen naphtenbasischem Öl (Coray 90 (R)
) erhält man bei einem Ziehverhältnis von 2,27 (Rondendurchmesser 75 mm; Ziehstempel
33 mm 0) einen Näpfchenzug ohne Abriß. Nur mit Coray 90 (R) kommt es bei einem Ziehverhältnis
von 2,27 bereits zum Abriß bei einer Ziehung von 18,4 mm.
Beispiel 5
[0033] 10 Gewichtsteile Ammoniumpolyphosphat (Exolit 263 (R), Fa. Hoechst AG) werden unter
starkem Rühren in 80 Gewichtsteilen naphtenbasischem Öl (Coray 90 (R)
) suspendiert und auf 100°C erwärmt. In diese erwärmte Suspension werden 5 Gewichtsteile
eines Oxialkohols (Genapol - X - 05
0 (
R), Fa. Hoechst AG) und 5 Gewichtsteile eines Oxiparaffins (Wachs OP., Fa. Hoechst
AG) eingerührt. Nach Abkühlung erhält man ein Schmierfett. Das Testergebnis mit der
Reibverschleißwaage ergab einen Flächendruck von 3,266 bar bei 0 Geräuschmeter. Die
Messung wurde im flüssigen Zustand der Paste bei 65°C durchgeführt.
1. Additiv in Schmier- und Kühlmitteln für die Metallbearbeitung auf Phosphatbasis,
dadurch gekennzeichnet, daß die Phosphatbasis ein langkettiges Ammoniumpolyphosphat
ist.
2. Additiv nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein Ammoniumpolyphosphat der
chemischen Formel

verwendet wird, in der n einer ganzen Zahl von 50 bis 1000, insbesondere von 300 bis
800, entspricht und R eine Ammoniumgruppe bedeutet.
3. Additiv nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß in dem Ammoniumpolyphosphat
bis zu 20 %, insbesondere bis zu 5 % der Ammoniumgruppen durch Wasserstoff ersetzt
sind.
4. Additiv nach einem der Ansprüche 1 - 3, dadurch gekennzeichnet, daß es in Schmierölen
oder Wasser in Form einer Flüssigkeit, Suspension oder Paste angewendet wird.
5. Additiv nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß es dem Schmier- und Kühlmittel
in einer Menge von 0,1 bis 30 Gew%, vorzugsweise von 2 bis 10 Gew%, zugesetzt wird.
6. Additiv nach einem der Ansprüche 4 und 5, dadurch gekennzeichnet, daß es in Kombination
mit grenzflächenaktiven Stoffen und/oder Antischaummitteln und/oder Farbstoffen und/oder
Rostinhibitoren und/oder Phosphatestern angewendet wird.