[0001] Die Erfindung betrifft Bremsflüssigkeiten mit einem Gehalt an Fettsäuren.
[0002] Handelsüblichen Bremsflüssigkeiten, die den US-Mormen des Federal Motor Vehicle Safety
Standard FMVSS 116, DOT 3 bzw. des Handbook of the Society of Automotive Engineers
SAE J 1703 entsprechen, bestehen im wesentlichen aus: Glkyol- äthern als Basiskomponenten,
Polyglykolen als Schmiermittelkomponenten und enthalten Inhibitoren zwecks Korrosionsschutz
und Antioxidationsmittel.
[0003] Diese DOT-3-Bremsflüssigkeiten weisen im allgemeinen guten Korrosionsschutz gegenüber
Weißblech, Stahl, Grauguß, Messing, Kupfer und Aluminium auf. Der Korrosionsschutz
ist jedoch nur dann gewährleistet, wenn die Metalle vollständig in die Flüssigkeit
eingetaucht werden oder sonst von ihr gut benetzt werden.
[0004] Um Bremsteile, insbesondere Radbremszylinder aus Grauguß, nach der Herstellung und
Funktionsprüfung rostfrei lagern zu können, ist die Imprägnierung mit speziellen Bremspasten
üblich.
[0005] Ein wesentlicher Nachteil dieser Bremspasten besteht darin, daß sie bei Wiederbefüllung
des Bremssystems mit Bremsflüss- igkeit die Viskosität erheblich erhöhen, so daß die
Viskosität der eingefüllten Bremsflüssigkeit unter Unständen die maximalen Viskositäten
von 1500 cSt bei -40°C wesentlich übersteigt. Derartige Mischungen erfüllen dann nicht
mehr die Anforderungen der FMVSS 116, DOT 3.
[0006] Es bestand daher die Aufgabe, Bremsflüssigkeiten vorzuschlagen, die gleichzeitig
zur Imprägnierung verwendet werden können und die die Lagerung der Bauteile über längere
Perioden ohne Korrosion ermöglichen.
[0007] Allein die Erhöhung der Inhibitorkonzentration bzw. die Verwendung anderer Inhibitoren,
z.B. von Fettsäuren kann zwar die korrosionsschützende Wirkung auf den benetzten Teil
erhöhen. Man erhält aber nicht Flüssigkeiten die den Anforderungen, die an Bremsenschutzflüssigkeiten,
gestellt werden, entsprechen. Außerdem kann man die Konzentration der Fettsäuren oder
Fettsäurederivate nur geringfügig steigern, weil diese Komponenten bei tiefer Temperatur
zur Ausfällung neigen bzw. erhöhte Gummiquellung der SBR-Manschetten verursachen.
[0008] Es wurde nun überraschenderweise gefunden, daß Bremsflüssigkeiten auf der Grundlage
von Polyglykoläthern als Basiskomponenten, Polyglykolen als Schmiermittelkomponenten,
Inhibitoren und Antioxydationsmittel der genannten Forderung genügen, wenn sie einen
Gehalt von
A) 10 bis 40 Gew.%, bezogen auf die Bremsflüssigkeit von Polyalkylenglykolen in Form
von einheitlichen Verbindungen oder Gemischen von Verbindungen der Formel I

in der R einen 1,2-Äthylen- und/oder 1,2-Propylenrest, wobei, bezogen auf die einzelne
Verbindung oder das Gemisch, die Zahl der Propylenreste überwiegt und n eine Zahl
von 10 oder mehr bedeutet, und wobei das durchschnittliche Molekulargewicht 500 bis
3 000 beträgt, und
B) 0,1 bis 3 Gew.% einer an sich als Korrosionsinhibitor bekannten Fettsäure
aufweisen.
[0009] Die hochmolekularen Polyalkylenglykole sind dabei Trägersubstanzen, die geringe Wasserlöslichkeit
aufweisen und durch hohe Lipophilität gekennzeichnet sind. Dadurch können sie die
Fettsäuren vermehrt lösen, so daß die Konzentration der Fettsäuren bis zu 3 % in der
Bremsflüssigkeit betragen kann.
[0010] Die erfindungsgemäß in den Bremsflüssigkeiten enthaltenen Polyalkylenglykole der
Formel I können durch allein aus Polypropylenglykolen bestehen, durch Mischen von
vorwiegend Polypropylenglykolen mit Polyäthylenglykolen oder durch Umsetzen von Gemischen
von Äthylenoxid und (in Überschuß) Propylenoxid hergestellt werden, wobei statistische
Gemische von Verbindungen entstehen, die im Mittel mehr Propylenoxid als Äthylenoxidreste
enthalten und Molekulargewichte in dem angegebenen Bereich aufweisen.
[0011] Man kann aber auch Polyäthylenglykole mit Propylenoxid oder Polypropylenglykole mit
Äthylenoxid umsetzen, wobei die Ausgangspolyglykole die Menge der Alkylenoxide und
die Polymerisationsbedingungen so gewählt werden, daß Polyalkylenglykole gemäß Formel
I mit den dort spezifizierten Molgewichten von 300 bis 3000, vorzugsweise 1800 bis
2200 entstehen.
[0012] Zweckmäßig geht man zur Herstellung der Polyalkylenglykole der Formel I im einzelnen
so vor, daß ein Epoxid-Gemisch, bestehend aus den jeweils gewünschten Molverhältnissen
Äthylenoxid und Propylenoxid nach an sich bekannten Methoden polynerisiert wird.
[0013] Als Korrosionsinhibitoren zuzusetzende Fettsäuren kommen vor allem C
12- bis C
24-Monocarbornsäuren oder deren Derivate in Betracht.
[0014] Im einzelnen kommen Fettsäuren mit und ohne olefinische Doppelbindungen insbesondere
C
13-Fettsäuren in betracht. Geeignete Fettsäuren sind z.B. Ölsäure, Ricinolsäure, Stearinsäure,
Linolsäure oder Linolensäure.
[0015] Als Basiskomponenten kommen die in Bremsflüssigkeiten üblichen Polyglykoläther der
Formel II

in Betracht, in der R
1 einen niedermolekularen Alkylrest, vorzugsweise Methyl, R
2 Wasserstoff oder Methyl und n die Zahlen 2 bis 4 bedeutet. Im einzelnen seien genannt:

[0016] Als weitere Inhibitoren und als Antioxydationsmittel kommen ebenfalls an sich bekannte
Verbindungen in Betracht, wie sie z.B. in der US-Patentschrift 3 711 410, Spalten
9 bis 11 im einzelnen aufgeführt sind. Insbesondere sind zu nennen:
Benzotriazol, Imidazol, Imidazolin, prim., sek. Amine, Äthanolamine, Bisphenol A,
Triphenylphosphit oder 2,4-Di-tert.--butyl-kresol.
[0017] Die erfindungsgemäßen Bremsflüssigkeiten können auch Borsäureester von Glykoläthern
der Formel II enthalten, z.B. in Mengen von 20 bis 50 Gew.%. Geeignete Borsäureester
sind z.B. Methyl-tri-glykol-ortho-borat, Äthyl-tri-glykol-ortho--borat, Methyl-/Äthyl-di/tri-ortho-borat.
[0018] Weitere Boresterverbindungen sind in der US-Patentschrift 3 711 410 im einzelnen
beschrieben.
[0019] Zur Untersuchung der imprägnierenden Wirkung der erfindungsgemäßen Bremsflüssigkeiten
werden Radbremszylinder aus Grauguß längsseitig halbiert, mit Isopropanol gereinigt
und gut getrocknet. Man taucht dann den halbierten Bremszylinder jeweils 5 Sekunden
in die handelsübliche Bremsflüssigkeit bzw. in die Bremsflüssigkeiten mit verbessertem
Korrosionsschutz ein, läßt 5 Sekunden abtropfen und lagert sie in einem geschlossenen
Gefäß über einer wasserdampfgesättigten Atmosphäre. Hierbei zeigt sich, daß bei Verwendung
handelsüblicher Bremsflüssigkeiten bereits nach wenigen Stunden ein starkes Rosten
der Graugußteile beobachtet werden kann. Bei den erfindungsgemäßen Flüssigkeiten wird
hingegen der Ansatz von Rost, selbst nach einer Lagerung von 30 Tagen über der wasserdampfgesättigten
Atmosphäre bei Raumtemperatur vermieden.

[0020] Zum Vergleich mit üblichen Bremsflüssigkeiten wurden folgende Versuche durchgeführt:
1. Feuchtigkeitskorrosionstest mit der SAE RM 1 Reference--Fluid: Bereits nach wenigen
Tagen war starke Korrosion der Graugußbremszylinder festzustellen.
2. Verwendung einer handelsüblichen Bremsflüssigkeit gemäß DOT 3 der folgenden Zusammensetzung:
20 % Polyglykol, Mol.-Verh. EO/PO 2:4, Mol.-Gew. 300 20 % Triäthylenglykol, 5 % Butyltriglykol,
25 % Äthyltriglykol, 29,4 % Äthyldiglykol, 0,25 % Dibutylamin, 0,30 % Bisphenol A,
0,05 % Benzotriazol. Nach wenigen Stunden bis zwei Tagen war starker Rostansatz auf
den Graugußteilen zu beobachten.
3. Verwendung von einer Bremsflüssigkeit bestehend aus ca. 70 Gewichtsteilen Glykoläther,
25 % eines handelsüblichen Schmiermittels auf EO/PO-Basis, (Molverhältnis 2:1, Molgewicht
1100) 3 % einer Mischung von Korrosionsinhibitoren aus Benzotriazol, Dodecylamin,
Triäthanolamin und 2 % ölsäure. (Die Ölsäure scheidet sich beim Abkühlen teilweise
aus; es tritt eine Trübung ein.) Nach ca. 8 Stunden konnte Rostansatz beobachtet werden.
4. Es wurde die gleiche Mischung wie unter 3. angegeben verwendet, nur wurden anstelle
der 25 % Schmiermittel nur 15 % Schmiermittel verwendet und 10 % eines PO-Adduktes
in Kombination mit einem PO/EO-Addukt. (Zusammensetzung 90 % PO/10 % EO, mittlerer
MG 2000) Im Korrosionsversuch zeigte sich nach 30 Tagen keinerlei Rostansatz.
5. 25 % Polypropylenglykol mit Molgewicht 900, 20 % Äthyltriglykol, 30 % Äthyldiglykol,
2 % Ölsäure, 1,5 % Dibutylamin, 4 % eines Glycerin-Borsäureadduktes, 0,05 % Benzotriazol
und 17,45 % Methyltriglykol. Die Viskosität bei -40°C betrug 1276 cSt, der Kochpunkt
215°C, pH-Wert 9,3. Die Flüssigkeit entspricht SAE J 1703. Im Feuchtigkeitskorrosionstest
nach 30 Tagen kein Rostansatz.
6. Im Feuchtigkeitskorrosionstest ergab eine Bremsflüssigkeit bestehend aus: 10 %
eines Polypropylenglykols vom Molgewicht ca. 1000, 7,5 % eines Polypropylenglykols,
ca. Molgewicht 2000; 7,5 % eines Schmiermittels bestehend aus ca. 3 Molen Äthylenoxid
und 3 Molen Propylenoxid, 20 % Äthyltriglykol, 30 % Äthyldiglykol, 0,5 % Rizinolsäure,
0,05 % Benzotriazol, 4,3 % Korrosionsinhibitor (Umsetzungsprodukt aus Glycerin mit
Borsäureester) 1 % Dibutylamin, ca. 20 % Methyltrilglykol. Das Produkt weist eine
Viskosität von 1175 cSt bei -40°C auf, einen Kochpunkt von 213°C, pH-Wert 9,7; nach
30 Tagen keinen Rostansatz. Wird anstelle des Polypropylenglykols mit Molgewicht ca.
1000 + Polypropylenglykol mit Molgewicht ca. 2000 und dem EO/PO-Addukt ein handelsübliches
Schmiermittel eingesetzt, so tritt bereits nach wenigen Tagen starker Korrosionsansatz
ein.