(19)
(11) EP 0 011 789 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
11.06.1980  Patentblatt  1980/12

(21) Anmeldenummer: 79104557.8

(22) Anmeldetag:  19.11.1979
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)3A01N 53/00, D06M 13/20, C07C 69/743
(84) Benannte Vertragsstaaten:
BE CH DE FR GB IT NL

(30) Priorität: 01.12.1978 DE 2852028

(71) Anmelder: BAYER AG
51368 Leverkusen (DE)

(72) Erfinder:
  • Fuchs, Rainer, Dr.
    D-5600 Wuppertal 1 (DE)
  • Fuss, Arnold
    D-5090 Leverkusen 1 (DE)
  • Haas, Johannes
    D-4048 Grevenbroich (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren zur Behandlung von Wolle


    (57) Mittel zum Schutz von Wolle gegen Befall und Fraßscnäden durch Keratinschädlinge enthalten einen fluorsubstituierten 3-Vinyl-2, 2-dimethyl-cyclopropan-carbonsäure-(3-phenoxybenzyl)-ester; vorzugsweise 3-Vinyl-2, 2-dimethyl-cyclopropan-carbonsäure- (3-phenoxy-4-fluorbenzyl)-ester.
    Behandlung der Wolle mit diesen Mitteln.


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft Mittel, die flucrsubstituierte 3-Vinyl-2,2-dimethyl-cycloprcpancarbonsäure-(3-phencxy- benzyl)-ester-Derivate enthalten und zum Schutz ven Wolle gegen Befall und Fraßschäden durch keratinverdauende Schädlinge geeignet sind, sowie Verfahren zur Behandlung von Wolle mit diesen Mitteln.

    [0002] Es ist bekannt, daß fluersubstituierte Cyclopropancarbonsäurephenoxybenzylester, z.B. 3-(2,2-Dichlorcvinvl)-2, 2-dimethyl-cyclepropancarbonsäure-(4-fluoro-3-phenoxy- benzyl)-ester, starke insektizide und akariside Eigenschaften aufweisen (vgl. Deutsche Offenlegungssehriften 2 709 264 und 2 730 515S) 264 und 2 730 515).

    [0003] Weiter ist bereits bekannt, daß bestimmte Cyclopropan-carbonsäure-phenexybenzylester, z.B. 3-(2,2-Dichlere- vinyl)-2,2-dimethyl-cyclopropancarbonsäure-(3-phenoxy- benzyl)-ester ("Permethrin"), (vgl. Pestic., Sci. 1977, 8, 279-283) und z.B. 3-(2,2-Dimethylvinyl)-2,2-dimethyl- cyclopropancarbonsäure-(3-phenoxybenzyl)-ester (vgl. JP-058341) zur Bekämpfung von Textilschädlingen verwendet werden können.

    [0004] Die Wirkung von Permethrin gegen Textilschädlinge ist jedoch insbesondere bei niedrigen Aufwandmengen nicht zufriedenstellend und wird zudem durch Waschen oder chemische Reinigung der Textilien vermindert.

    [0005] Es wurde nun gefunden, daß fluorierte 2-Vinyl-2,2-dimethyl-cyclopropancarbonsäure-(3-phenoxyphenyl)-esterDerivate, insbesondere solche der Formel

    in welcher

    R1 für Wasserstoff, Alkyl oder Halogen,

    R2 für Alkyl, Halogen oder für gegebenenfalls durch Halogen substituiertes Phenyl,

    R3 für Wasserstoff, Cyano oder Äthinyl oder

    R4 für Wasserstoff oder Halogen stehen,

    sehr gut zur Behandlung von Wolle, Wolltextilien und wollhaltigen Textilien als Fraßschutz gegen Keratinschädlinge geeignet sind.



    [0006] Die Formel (I) schließt alle Stereoisomeren, optischen Isomeren und deren Mischungen ein.

    [0007] Überraschenderweise zeigen die Cyclopropancarbonsäurephenoxybenzylester der Formel (I) einerseits eine erheblich höhere Wirkung gegen Keratinschädlinge als die aus dem Stand der Technik bekannte Verbindungen analoger Konstitution und gleicher Wirkungsrichtung, und andererseits bleibt ihre Schutzwirkung auch bei wiederholtem Waschen oder Chemischreinigen praktisch unvermindert erhalten.

    [0008] In Formel (I) haben die Alkylreste vorzugsweise 1 bis 4 Kohlenstoffatome. Halogen'steht im Fall von R1 und R2 bevorzugt für Chlor oder Brom und im Fall von R4 bevorzugt für Fluor oder Chlor.

    [0009] Besonders hervorzuheben sind Verbindungen der Formel (I) in der

    R1 und R2 gleich sind und für Methyl, Chlor oder Brom stehen,

    R3 für Wasserstoff, Cyano oder Äthinyl und

    R4 für Wasserstoff oder Fluor stehen.



    [0010] Die Verbindungen der Formel (I) sind bereits bekannt (vgl. DE-OS 2.709 264 und deutsche Anmeldungen P 27 30 515 und P 27 39 854). Die Verbindungen können nach den dort beschriebenen Verfahren hergestellt werden. Als Beispiele für besonders bevorzugte Verbindungen seien genannt:

    3-(2-Methyl-propen(1)yl)-2,2-dimethyl-cyclopropancarbonsäure(4-fluoro-3-phenoxy-benzyl)-ester und -(4-fluoro-3-phenoxy-α -cyano-benzyl)-ester,

    3-(2,2-Dichloro-vinyl)-2,2-dimethyl-cyclopropancarbonsäure-(4-fluoro-3-phenoxy-benzyl)-ester, -(4-fluoro-3-phenoxy- α-cyano-benzyl)-ester und -(4-fluoro-3-phenoxy-α-äthinyl-benzyl)-ester sowie

    3-(2,2-Dibromo-vinyl)-2,2-dimethyl-cyclopropancarbonsäure-(4-fluoro-3-phenoxy-benzyl)-ester, -(4-fluoro-3-phenoxy-α-cyano-benzyl)-ester und -(4-fluoro-3-phenoxy-α-äthinyl-benzyl)-ester.



    [0011] Von Interesse sind ferner:

    3-(2-Methyl-propen(1)yl)-2,2-dimethyl-cyclopropancarbonsäure-(4-fluoro-3-(4-fluoro-phenoxy)-α-cyano-benzyl)-ester,

    3-(2,2-Dichloro-vinyl)-2,2-dimethyl-cyclopropancarbonsäure-(4-fluoro-3-(3-fluoro-phenoxy)-benzyl-ester, -(4-fluoro-3-(3-fluoro-phenoxy)- α-cyano-benzyl)-ester, -(4-fluoro-3-(4-fluoro-phenoxy)-benzyl)-ester und -(4-fluoro-3-(4-fluoro-phenoxy)-α -cyano-benzyl)-ester, 3-(2,2-Dibromo-vinyl)-2,2-dimethyl-cyclopropancarbonsäure-(4-fluoro-3-(3-fluoro-phenoxy)-benzyl)-ester, (4-fluoro-3-(3-fluoro-phenoxy)-α-cyano-benzyl)-ester und -(4-fluoro-3-(4-fluoro-phenoxy)- α-cyano-benzyl)-ester sowie 3-(2-Chloro-2-(4-chloro-phenyl)-vinyl)-2,2-dimethyl-cyclopropancarbonsäure-(4-fluoro-3-phenoxy-d-cyano-benzyl)-ester.



    [0012] Zu den Keratinschädlingen gehören

    aus der Ordnung der Tineidae (echte Motten)

    z.B. Tineola bisselliella (Kleidermotte), Tinea pellionella (Pelzmotte) und Hofmannophila pseudopretella (Samenmotte)


    und aus der Reihe der Käfer die Larven zweier Gattungen der Dermestidae (Speckkäfer),

    z.B. Anthrenus verbasci (Wollkraut-Blütenkäfer), Anthrenus pimpinellae (Bibernell-Blütenkäfer)i -Anthrenus scrophilariae (Gemeiner Teppichkäfer), Anthrenus fasciatus (Bebänderter Teppichkäfer), Attagenus Pellio (Gefleckter Pelzkäfer) und Attagenus piceus (Dunkler Pelzkäfer).



    [0013] Die Anwendung kann praktisch in allen Bearbeitungszuständen und allen in der Textilindustrie üblichen Naßprozessen an Wolle, Wolltextilien und wollhaltigen Textilien erfolgen. Das Wollschutzmittel kann beispielsweise dem Färbebad vor dem üblichen Färbeprozeß zugesetzt werden, es kann aber auch beim Waschen von Wolle appliziert werden. Bevorzugt wird die Behandlung in wäßrigem Medium durchgeführt.

    Beispiel 1



    [0014] 1000 kg Rohwolle werden nach dem Kontinue-Waschprozeß pro Stunde in einem Leviathan gewaschen und mottenecht ausgerüstet. Dazu wird im letzten Bottich des Leviathans die Flotte mit verdünnter Essigsäure auf einen pH-Wert unterhalb 7 eingestellt und mit 0,02 g/1 der Verbindung der DE-OS 2 709 264, Beispiel 6, versetzt. Die Behandlung erfolgt bei 40-45°C,

    [0015] Zur Aufrechterhaltung der Wirkstoffkonzentration im Behandlungsbad erfolgt ein Nachsatz von 0,02 % Wirkstoff, bezogen auf Warengewicht. Dieser Nachsatz wird als wäßrige Lösung während der gesamten Behandlungszeit dem Bad kontinuierlich zugegeben. Die so behandelte Rohwolle besitzt einen guten Schutz gegen Motten - und Käferfraß, der auch gegen wiederholte Wäschen beständig ist. Die Wolle kann so ohne Beeinträchtigung ihrer technologischen Eigenschaften allen in der Textilindustrie üblichen Weiterverarbeitungsprozessen zugeführt werden.

    Beispiel 2



    [0016] Wollgarn wird bei 40°C im Flottenverhältnis 1:10 in ein Behandlungsbad gebracht, das pro Liter Wasser

    enthält. Anschließend wird auf Siedetemperatur erhitzt und die Färbung auf übliche Weise fertiggestellt. Es wird eine gelbgefärbte Wolle erhalten, die einen guten Schutz gegen Motten- und Käferfraß besitzt, der auch gegen wiederholte Wäschen beständig ist.

    Beispiel 3



    [0017] Teppichgarn, das aus einer Wolle-Polyamid-Mischung im Verhältnis 80:20 besteht, wird bei 40°C im Flottenverhältnis 1:25 in ein Behandlungsbad gebracht, das pro Liter Wasser

    enthält. Anschließend wird auf Siederemperatur erhiazt und die Färbung auf übliche Weise fertiggeszellt. Der gelbgefärbte Wollanteil des so behandelten Tsppichgarnes besitzt einen guten Schutz gegen Motten- und Käferfraß, der gegen wiederholte Wäschen beständig ist.

    Beispiel 4



    [0018] Ein Wolle-Polyester-Mischgewebe (Verhältnis 45:55) wird bei 40°C im Flottenverhältnis 1:25 in ein Behandlungsbad gebracht, das pro Liter Wasser

    enthält. Anschließend wird auf Siedetemperatur erhitzt und die Färbung in üblicher Weise fertiggestellt. Der Wollanteil des Ton-in-Ton gefärbten Gewebes besitzt einen guten Schutz gegen Motten- und Käferfraß, der auch gegen wiederholte Wäschen beständig ist. Die Farbstoffangaben beziehen sich auf Colour-Index (1971) Band 1 und 2.


    Ansprüche

    1. Mittel zum Schutz von Wolle gegen Befall und Fraßschäden durch Keratinschädlinge, gekennzeichnet durch einen Gehalt an einem fluorsubstituierten 3-Vinyl-2,2-dimethyl-cyclopropan-carbonsäure-(3-phenoxybenzyl)-ester.
     
    2. Mittel nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch einen Gehalt an einem Ester der Formel

    in welcher

    R1 für Wasserstoff, Alkyl oder Halogen,

    R2 für Alkyl, Halogen oder für gegebenenfalls durch Halogen substituiertes Phenyl,

    R3 für Wasserstoff, Cyano oder Äthinyl und

    R4 für Wasserstoff oder Halogen stehen.


     
    3. Mittel Anspruch 2, gekennzeichnet durch eine Gehalt an einem Ester der Formel des Anspruchs 2, in der

    R1 und R gleich sind und für Methyl, Chlor oder Brom stehen,

    R3 für Wasserstoff, Cyano oder Äthinyl und

    R4 für Wasserstoff oder Fluor stehen.


     
    4. Verfahren zur Behandlung von Wolle zum Schutz gegen Befall und Fraßschäden durch Keratinschädlinge, dadurch gekennzeichnet, daß man die Wolle mit einem fluorsubstituierten 3-Vinyl-2,2-dimethyl-cyclopropan-carbonsäure-(3-phenoxybenzyl)-ester behandelt.
     
    5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß man die Wolle mit einem Ester des Anspruchs 2 behandelt.
     
    6. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß man die Behandlung in wäßrigem Medium vornimmt.
     





    Recherchenbericht