[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Behandlung von borhaltigem Stahl zum Stranggiessen,
insbesondere zum Abgiessen in kleinen Formaten mit ungeregeltem Ausguss, wobei einem,
mit Mangan, Silizium und gegebenenfalls Aluminium vordesoxydierten Stahl Elemente
wie Calcium und Bor mittels eines Trägergases zugegeben werden.
[0002] Bekanntlich erhöht Bor die Härtbarkeit des Stahles; es ist dafür etwa 10 - 100 mal
wirksamer als andere Elemente. Für manche Verwendungszwecke ist es von Vorteil, dass
Borstähle in ungehärtetem Zustand besser verformbar sind als Stähle, bei denen gleiche
Härte und Festigkeitseigenschaften durch andere Legierungselemente erreicht werden.
Durch zu grosse Mengen von Bor wird der Stahl jedoch spröde, weshalb enge Grenzen,
etwa 0,0008 - 0,0030% eingehalten werden müssen. Für eine optimale Wirkung müssen
aber innerhalb dieser Grenzen, je nach Analyse und insbesondere je nach Kohlenstoffgehalt
noch engere Bereiche sicher und vorherbestimmbar eingehalten werden können. Damit
die gewünschte Wirkung auch erzielt wird, ist wesentlich, dass dieses Bor metallisch
im Stahl vorliegt und nicht als Oxyd oder Nitrid gebunden ist. Es ist daher notwendig,
dass der überschüssige Sauerstoff und Stickstoff durch andere Elemente stabil abgebunden
werden. Die im Stahl üblicherweise enthaltenen Mengen an Silizium und Mangan reichen
dafür nicht aus.
[0003] Im Blockguss wird die benötigte Desoxydation des Stahles durch grosse Mengen an Aluminium
erreicht, wobei sichergestellt werden muss, dass auch dann noch genügend Aluminium
im Stahl verbleibt, wenn der Sauerstoffgehalt vor der Desoxydation besonders hoch
war. Gleichzeitig wird dabei durch Zugabe von Titan, Zirkon oder dergleichen der im
Stahl gelöste Stickstoff so stabil abgebunden, dass er nicht mehr mit zugeführtem
Bor reagieren kann. Ausserdem werden für diese Stähle in Normen häufig Gehalte an
metallischem Aluminium von 0,020 - 0,040% vorgeschrieben, wodurch z.B. eine Unempfindlichkeit
gegen unfreiwillige Ueberhitzung bei der Wärmebehandlung, insbesondere beim Härten,
angestrebt wird.
[0004] Da beim Stranggiessen von Stählen mit einem Aluminiumgehalt von über 0,007% die Gefahr
besteht, dass während des Giessvorganges Ausgüsse durch Anlagerungen von Aluminium-Oxyden
zuschmieren, können solche Stähle nur mit Stopfenregulierten, überdimensionierten
Ausgüssen vergossen wer-den. Zur Bündelung des bei der Drosselung durch den Zwischenbehälter-Stopfen
zum Flattern neigenden Strahles müssen Tauchrohre verwendet werden; diese müssen ebenfalls
überdimensioniert sein, um dadurch das Ansetzen von Tonerde zu kompensieren. Daher
können solche Stähle beim Stranggiessen nur in grossen Formaten, z.B. zu Brammen oder
Vorblöcken, gegossen werden.
[0005] Beim'Stranggiessen von kleinen Formaten, wie z.B. von Knüppeln, treten jedoch Schwierigkeiten
wegen der Empfindlichkeit der Zufuhrregelung, der für diese Formate typischen, relativ
hohen Giessgeschwindigkeiten und vor allem wegen der Grösse der in die Kokille einzuführenden
Tauchrohre auf. Diese Schwierigkeiten können zu Störungen des Giessverlaufes führen.
Daher werden kleine Formate üblicherweise mit sogenannten freilaufenden, ungeregelten
Ausgüssen gegossen, bei denen die Durchflussmenge und damit die Abzugsgeschwindigkeit
durch den Innendurchmesser der Ausgüsse bestimmt wird. Dieser darf sich daher während
des Gusses nicht ändern, insbesondere darf der Ausguss nicht zuschmieren. Mit dem
herkömmlichen Verfahren muss deswegen der Aluminium-Gehalt des Stahles je nach Analyse
und Temperatur auf max. 0,004 - 0,007% beschränkt werden. Mit diesen niedrigen Gehalten
an Aluminium kann der niedrige Gehalt an löslichem Sauerstoff nicht erreicht werden,
der nötig ist, wenn man Bor in der Pfanne zulegieren will und dabei den erforderlichen
engen Bereich an im Stahl gelösten, metallischen Bor gewährleisten muss.
[0006] Es ist aus der Praxis bekannt, beim Stranggiessen von borlegiertem Stahl zu Knüppeln,
das Bor in Form von Draht in die Kokille, z.B. über den Giessstrahl des Zwischenbehälters,
zuzuführen. Dies hat jedoch den Nachteil, dass die Zugabe weitgehend und in einem
nicht eindeutig vorherbestimmbaren Ausmass unwirksam wird, weil das Bor mit dem im
Stahl noch gelösten Sauerstoff und Stickstoff reagiert, und somit für die Verbesserung
der Härtbarkeit unwirksam wird. Werden aber die Zugabemengen an Bor erhöht, um diesen
zusätzlichen Abbrand zu kompensieren, besteht die Gefahr, dass unfreiwillig zu hohe
Borgehal-te erreicht werden. Bei der bekannten Zugabe von Bor in Drahtform besteht
weiter die Schwierigkeit, dass, um genügend Bor in die Schmelze einzuführen, die Drahtstärke
und/oder die Drahteinführgeschwindigkeit sehr hoch gehalten werden muss. Ersteres
bringt jedoch eine schwierige Handhabung wegen erhöhter Steifigkeit des Drahtes mit
sich, und die hohe Einführgeschwindigkeit führt zu schwer beherrschbaren Ungenauigkeiten
im Bor-Gehalt.
[0007] Es ist ebenfalls aus der Praxis bekannt, einen Stahl durch Einblasen von pulverförmigen
Calcium in Form von CaSi oder CaC
2 oder Aehnlichem mittels eines inerten Trägergases (Stickstoff oder Argon) zu desoxydieren.
Neue Erkenntnisse haben gezeigt, dass es möglich ist, einen derart vorbehandelten
Stahl auch dann noch mit freilaufendem Ausguss zu giessen, wenn er gleichzeitig noch
erhöhte Mengen an metallischem Aluminium, z.B. 0,040% enthält. Bei diesen bekannten
und bis jetzt vorzugsweise für den Blockguss ver- i wendeten Verfahren wird üblicherweise
die grösste Menge des im Stahl gelösten Sauerstoffes zuerst durch Zugabe von Aluminium
abgebunden, und erst danach der kleinere Teil durch Einblasen von Calcium. Einerseits
ist Aluminium billiger als Calcium, und anderseits wurde erkannt, dass Einschlüsse
aus Calcium-Aluminat leichter aus dem Stahl entfernt werden als Aluminium-freie Calcium-Oxyd-Einschlüsse.
[0008] Es ist weiterhin ein Verfahren zum Stranggiessen bekannt, bei dem verschiedene Elemente
zum Desoxydieren, Legieren, Kühlen etc. als Zusatzstoffe in Pulverform mittels eines
Transportgases (Oxydations-, Reduktions- oder neutrales Gas) in eine Giesspfanne und/oder
einem Zwischenbehälter zugeführt werden. Dadurch sollte ein
gleichmässiges Verteilen des Zusatzstoffes in der Schmelze zwecks Erzielung eines homogenen
Gussstückes möglich sein. Bei diesem bekannten Verfahren wird jedoch auf die Problematik
des Behandelns von borhaltigen Stählen, die insbesondere zum Abgiessen in kleinen
Formaten geeignet sein sollten, nicht eingegangen.
[0009] Es ist Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur Behandlung von borhaltigen Stählen
zum Stranggiessen zu schaffen, das es gestattet, das Bor ohne Beeinträchtigung der
Giessbarkeit in genau dosierten Mengen in die Schmelze einzubringen und ein bestimmtes
Ausbringen von Bor sicher zu gewährleisten. Insbesondere soll ermöglicht werden, den
borhaltigen Stahl in kleinen Formaten auf einfache Art
giessbar zu machen.
[0010] Die Lösung dieser Aufgabe ist dadurch gekennzeichnet, dest in die Stahlschmelze in
der Pfanne vor dem Abgiessen in die Kokille durch ein inertes Trägergas und in Pulverform
das Calcium oder eine Verbindung desselben, mindestens ein, bei Stahlschmelztemperatur
stabile Nitride bildendes Element und Bor bzw. eine Bor-Verbindung eingebracht und
die Giessstrahlen aus der Pfanne in den Zwischenbehälter und vom Zwischenbehälter
in die Kokille vor Kontakt mit der Luft geschützt werden.
[0011] Der Stahl wird in bekannter Weise mit Desoxydationsmitteln, wie Mangan, Silizium
und Aluminium vordesoxydiert. Dabei wird ein Gehalt der Schmelze an metallischem Aluminium
von ungefähr 0,010 - 0,020% angestrebt. Hernach wird Calcium in Form von CaSi oder
CaC
2 zur weiteren Desoxydation als Pulver in die Pfanne eingeblasen und dadurch der im
Stahl gelöste Sauerstoff soweit abgesenkt, dass eine Oxydation des anschliessend zugegebenen
Bors im wesentlichen verhindert wird. Durch das Calcium wird auch eine Reduktion des
Schwefelgehaltes sowie eine günstige Beeinflussung der Sulfide hervorgerufen.
[0012] Hierauf wird in die Stahlschmelze in der Pfanne mindestens ein, bei der Stahlschmelztemperatur
stabile.Nitride bildendes Element ebenfalls mittels eines Trägergases, vorzugsweise
Argon, eingeblasen. Dadurch wird die Bildung des unerwünschten Bor-Nitrides verhindert,
da der Stickstoff damit als Nitrid wirksam abgebunden ist. Nach erfolgter Abbindung
des Sauerstoffes und des Stickstoffes wird ebenfalls mittels eines Trägergases Bor
bzw. eine Bor-Verbindung, wie beispielsweise Borax, Ferro-Bor, Nickel-Bor oder Ferro-Silizium-Bor
in genau dosierten Mengen und ebenfalls in Pulverform zugeführt.
[0013] Durch das Einblasen des, Nitride bildenden Elementes und des Bors bzw. der Bor-Verbindung
in Pulverform in die, in die Pfanne befindlichen Stahlschmelze, wird eine gleichmässige
Verteilung sichergestellt.
[0014] Zum gleichzeitigen Schutz des Bors während des Giessens vor einer Reaktion mit Sauerstoff
und Stickstoff werden die • Giessstrahlen aus der Pfanne zum Zwischenbehälter und
vom Zwischenbehälter in die Stranggiesskokille vor einem Kontakt mit der Luft geschützt.
Dieser Schutz vor direktem Kontakt mit der Luft kann beispielsweise durch bekannte
keramische Schutzrohre oder Anwendung von Schutzgas in flüssigem oder gasförmigen
Zustand geschehen. Damit wird ein Abbrand des metallisch gelösten Bors verhindert.
[0015] Der so in der beschriebenen Reihenfolge behandelte Stahl enthält nunmehr die in sehr
engen Grenzen benötigten, geringen Mengen an wirksamen, d.h. metallischem oder säurelöslichem
Bor. Ein vorbestimmbares Ausbringen an Bor innerhalb enger Grenzen ist dabei gegeben.
Vor allem jedoch ist der so behandelte Stahl nun zum Stranggiessen kleiner Formate,
wie z.B. Knüppel, geeignet, d.h. er kann über frei laufende, nicht Stopfen-regulierte
und nicht überdimensionierte Ausgüsse, z.B. eines Zwischenbehälters, in die Stranggiesskokille
eingebracht werden. Dies auch dann, wenn erhöhte Aluminium-Gehalte, z.B. 0,020 - 0,040%
an metallischem Aluminium vorgeschrieben sind.
[0016] Als Nitrid bildendes Element wird vorteilhaft Zirkon und/ oder Titan bzw. deren Legierungen
in Pulverform eingebracht. Deren hohe Affinität sichert eine wirksame Abbin- dun
g des Stickstoffes als Nitrid. Calcium und Zirkon oder Titan können auch gleichzeitig
zugegeben werden, beispielsweise als eine Calcium-Silizium-Zirkon-Legierung und/oder
eine Calcium-Silizium-Titan-Legierung.
[0017] Es kann aber auch angebracht sein, in die Schmelze ein Gemisch oder eine Legierung
aus dem, Nitride bildenden Element und Bor bzw. einer Bor-Verbindung einzublasen.
[0018] Ein wirtschaftliches Einbringen und eine gute Verteilung wird vorteilhaft dadurch
erreicht, dass die Zugabe des Calciums, des Nitride bildenden Elementes und des Bors
bzw. der Bor-Verbindung über eine, mit axialem Zuleitungsrohr versehene Lanze erfolgt.
Vorteilhaft kann die Zugabe auch über einen, an der Pfanne angebrachten Schieber erfolgen,
wodurch eine besonders wirksame Vermischung erzielt wird.
1. Verfahren zur Behandlung von borhaltigem Stahl zum Stranggiessen, insbesondere
zum Abgiessen in kleinen Formaten mit ungeregeltem Ausguss, wobei einem, mit Mangan,
Silizium und Aluminium vordesoxydierten Stahl Elemente wie Calcium und Bor mittels
eines Trägergases zugegeben werden, dadurch gekennzeichnet, dass in die Stahlschmelze
in der Pfanne vor dem Abgiessen in die Kokille durch ein inertes Trägergas und in
Pulverform das Calcium oder eine Verbindung derselben, mindestens ein, bei Stahlschmelztemperatur
stabile Nitride bildendes Element und Bor bzw. eine Bor-Verbindung eingebracht und
die Giessstrahlen aus der Pfanne in den Zwischenbehälter und vom Zwischenbehälter
in die Kokille vor Kontakt mit der Luft geschützt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als Nitride bildendes Element
Zirkon und/oder Titan bzw. eine Legierung derselben eingebracht wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass in die Stahlschmelze
ein Gemisch oder eine Legierung aus dem, Nitride bildenden Element und Bor bzw. einer
Bor-Verbindung eingebracht wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das, Nitride
bildende Element und Bor bzw. die Bor-Verbindung über eine Lanze zugegeben werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Zugabe
über einen Schieber erfolgt.