[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Magnetwicklung mit Windungen aus stabilisierten
Supraleitern, die jeweils mehrere unisolierte supraleitende Leiterteile und normalleitendes
Material zur Stabilisierung enthalten, in der zwischen Supraleitern benachbarter Windungen
jeweils mindestens ein Isolationselement angeordnet ist.
[0002] Eine entsprechende Magnetwicklung ist beispielsweise aus "Proc. of the 6th Int. Conf.
on Magn. Techn." (MT-6), Bratislava, CSSR, 29.8. - 2.9.1977, Seiten 996 bis 1001 bekannt.
[0003] Das supraleitende Material der Leiter dieser bekannten Magnetwicklung kann insbesondere
eine intermetallische Verbindung vom Typ A
3B mit A15-Kristallstruktur wie beispielsweise Nb
3Sn oder V
3Ga sein. Solche Leiter haben gute Supraleitungseigenschaften, zeichnen sich durch
hohe kritische Werte aus und sind deshalb besonders für Supraleitungsmagnetwicklungen
zum Erzeugen starker Magnetfelder geeignet. Neben den genannten Binärverbindungen
sind auch Ternärverbindungen wie beispielsweise Niob-Aluminium-Germanium Nb
3Al
0,8Ge
0,2 für Leiter solcher Magnetwicklungen besonders interessant.
[0004] Diese intermetallischen Verbindungen sind jedoch im allgemeinen sehr spröde, so daß
ihre Herstellung in einer beispielsweise für Magnetspulen geeigneten Form mit Schwierigkeiten
verbunden ist.Es sind deshalb besondere Verfahren entwickelt worden, mit denen Supraleiter
mit dieser A15-Kristallstruktur in Form langer Drähte oder Bänder hergestellt werden
können. Bei diesen Verfahren, die insbesondere eine Herstellung von sogenannten Vielkernleitern
ermöglichen, wird beispielsweise eine erste Komponente, die ein drahtförmiges ,duktiles
Element der herzustellenden intermetallischen Verbindung ist, mit einer Hülle umgeben,
die aus einem duktilen Trägermetall und einer die übrigen Elemente der Verbindung
enthaltenden Legierung besteht. Beispielsweise wird ein Niob- oder Vanadium-Draht
mit einer Hülle aus einer Kupfer-Zinn-Bronze bzw. einer Kupfer-Gallium-Bronze umgeben.
Man kann auch eine Vielzahl solcher Drähte in eine Matrix aus der Legierung einlagern.
Der so gewonnene Aufbau aus diesen beiden Komponenten wird dann einer querschnittsverringernden
Bearbeitung unterzogen. Dadurch erhält man ein langes drahtförmiges Gebilde, wie es
für Spulen benötigt wird, ohne daß Reaktionen auftreten, die den Leiter verspröden
würden. Nach der Querschnittsverringerung wird dann das aus einem oder mehreren Drahtkernen
und dem umgebenden Matrixmaterial bestehende Leitervorprodukt eines Supraleiters einer
Glühbehandlung derart unterzogen, daß die gewünschte supraleitende Verbindung mit
A15-Kristallstruktur durch eine Reaktion des Kernmaterials mit dem in der umgebenden
Matrix enthaltenen weiteren Element der Verbindung gebildet wird. Das in der Matrix
enthaltene Element diffundiert dabei in das aus dem anderen Element der Verbindung
bestehende Kernmaterial ein (vgl. deutsche Offenlegungsschrift 20 44 660).
[0005] Supraleitende Magnetwicklungen aus solchen Supraleitern werden im allgemeinen nach
zwei verschiedenen Verfahren hergestellt. Bei dem ersten Verfahren, das auch als "react
first-wind then-Verfahren" bezeichnet wird, wickelt man auf einen provisorischen Wickelkörper
ein Leitervorprodukt des herzustellenden Supraleiters auf und setzt es dann der erforderlichen
Glühbehandlung zur Bildung der gewünschten supraleitenden Verbindung aus. Daran anschließend
wird der so hergestellte Supraleiter wieder von dem provisorischen Wickelkörper abgewickelt
und kann weiterverarbeitet werden. Dabei besteht, insbesondere beim Wickeln vom Magnetwicklungen,
allgemein die Gefahr, daß die sprödem intermetallischen Verbindungen des Leiters aufgrumd
unzulässiger Verformung des Leiters beschädigt und ihre supraleitenden Eigenschaften
dementsprechend beeinträchtigt werden.
[0006] Diese Gefahren bestehen bei dem zweiten Verfahren zur Herstellung der supraleitenden
Verbindung aus dem Leitervorprodukt nicht. Bei diesem Verfahren, das auch als "wind-and-react-Technik"
bezeichnet wird, bewickelt man zunächst den Spulenkörper des mit der Wicklung zu versehenden
Magneten mit dem noch nicht durchreagierten Leitervorprodukt des Supraleiters und
setzt dann den gesamten so bewickelten Magneten der Diffusionsglühung aus. Diese Glühung
wird auch als "in-situ"-Glühung bezeichnet. Bei dieser Verfahrensweise werden alle
Schwierigkeiten der Verarbeitung eines spröden Leitermaterials vermieden. Auch ist
es so möglich, Spulen mit kleinen Innendurchmessern mit noch verhältnismäßig dicken
Leitern zu fertigen. Bei diesem Verfahren müssen jedoch alle zum Bau der Spule verwendeten
Materialien die für die Diffusionsglühung erforderlichen hohen Temperaturen, die beispielsweise
im Falle von Niob-Zinn bei 700°C liegen können, mehrere Stunden lang aushalten.
[0007] Eine supraleitende Magnetwicklung muß außerdem gegen eine irreversible Schädigung
im Falle eines unbeabsichtigten Überganges vom supraleitenden in den normalleitenden
Zustand geschützt werden. Hierzu wird im allgemeinen die in der Wicklung gespeicherte
Feldenergie in einen außerhalb der Wicklung liegenden ohmschen Widerstand ausgekoppelt,
in dem dann die Energie verbraucht wird (vgl. "Cryogenics", Juni 1964, Seiten 153
bis 165). Als Schutzmaßnahme bei einem solchen, auch als "Quench" bezeichneten Übergang
wird im allgemeinen normalleitendes Material hoher elektrischer Leitfähigkeit wie
z.B. aus Kupfer oder Aluminium in die Wicklung eingebracht. Mit diesem als Stabilisierung
bezeichneten normalleitenden Material kann gewährleistet werden, daß die Energiefreisetzung
bei einem Quench verlangsamt wird, wodurch der in der Wicklung umgesetzte Energiebetrag
vermindert und schließlich durch ohmsche Erwärmung und Wärmeleitung der Übergang in
den normalleitenden Zustand schnell auf die gesamte Wicklung ausgedehnt wird.
[0008] Es kann so die Energiefreisetzung in einem einzigen Punkt verhindert werden.
[0009] Die Stabilisierung kann z.B. bei monolithischen Supraleitern in den Leiter integriert
sein oder bei Leiterseilen bzw. Flechtleitern aus besonderen Stabilisierungssträngen
bestehen, die in entsprechender Anzahl gemeinsam mit supraleitenden Einzelleitern
verseilt bzw. verflochten sind (vgl. "Kerntechnik", 20. Jahrgang, 1978, Heft 6, Seiten
253 bis 261).
[0010] Der zur Stromleitung is Betriebszustand der Magnetwicklung erforderliche supraleitende
Leiterquerschnitt des Leiters, der auch als "aktiver" Leiterquerschnitt bezeichnet
wird, ist durch den Querschnitt des normalleitenden Stabilisierungsmaterials entsprechend
begrenzt. Außerdem sind in einer Magnetwicklung zwischen Leitern in benachbarten Windungen
und Lagen Isolationsteile erforderlich, die das Querschnittsverhältnis zwischen supraleitendem
Material in der Wicklung zu nichtsupraleitendem Material weiter vermindern. Dieses
als Packungsfaktor bezeichnetes Verhältnis ist somit entsprechend klein.
[0011] Dieser Packungsfaktor einer supraleitenden Magnetwicklung wird noch verkleinert,
falls Supraleiter vorge
- sehen werden sollen, die noch sogenannte Diffusionsbarrieren in Form von Schichten
aus geeigneten Materialien wie z.B. Tantal enthalten. Mit diesen Diffusionsbarrieren,soll
verhindert werden, daß bei der Reaktionsglühung von Leitervorprodukten zur Ausbildung
der supraleitenden Eigenschaften eine Reaktionskomponente wie beispielsweise Zinn
in das Stabilisierungsmaterial diffundiert und so die elektrische Leitfähigkeit dieses
Materials beeinträchtigt und außerdem zur Bildung der supraleitenden Verbindung des
Leiters fehlt. Durch den für die Diffusionsbarrieren erforderlichen Materialquerschnitt
wird somit der "aktive" Leiterquerschnitt weiter verringert.
[0012] Der sogenannte "passive" Leiterquerschnitt ist außerdem noch durch Kupferschichten,
die unter Umständen auf den Tantalschichten als Ziehhilfen aufgetragen werden müssen
und die bei der Reaktionsglühung durch Eindiffundieren einer Reaktionskomponente wie
beispielsweise des Zinn beeinträchtigt werden, sowie durch alle nicht unbedingt erforderlichen
Isolationsmaterialien vergrößert.
[0013] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es deshalb, eine supraleitende Magnetwicklung
anzugeben, die einen verhältnismäßig großen Packungsfaktor hat. Insbesondere soll
die Magnetwicklung auch Supraleiter enthalten können, deren supraleitende Eigenschaften
nach der wind-and-react-Technik erst in der Wicklung gebildet werden.
[0014] Diese Aufgabe wird für die Magnetwicklung der eingangs genannten Art erfindungsgemäß
dadurch gelost, daß das Isolationselement zumindest einen Teil des Stabilisierungsmaterials
für einen benachbarten Supraleiter enthält.
[0015] Die Stabilisierung des Leiters, der beispielsweise ein monolithischer Leiter mit
in einem Matrixmaterial eingebetteten supraleitenden Filamenten oder ein Leiterseil
aus mehreren Einzelleitern, die jeweils ein oder mehrere supraleitende Adern enthalten.,
sein kann, ist somit teilweise oder vollständig aus dem eigentlichen Leiterquerschnitt
in die Windungsisolation verlegt. Die damit verbundenen Vorteile bestehen insbesondere
darin, daß der von dem normalleitenden Material bisher ausgefüllte Leiterquerschnitt
nunmehr auch für supraleitende Leiterteile zur Verfügung steht, d.h. daB der "aktive"
Leiterquerschnitt entsprechend vergrößert ist. Außerdem ist auch der Stabilisierungsgrad
der Magnetwicklung gegenüber einer entsprechend aufgebauten Magnetwicklung, bei der
die Windungsisolation kein Stabilisierungsmaterial enthält, erhöht.
[0016] Das Stabilisierungsmaterial ist somit innerhalb des Isolationselementes angeordnet.
Der an die Dimensionen der benachbarten Supraleiter angepaßte Querschnitt des Isolationselementes
ist nämlich im allgemeinen für eine betriebssichere Isolation zwischen Leitern benachbarter
Windungen nicht vollständig erforderlich. Somit kann der Anteil des "passiven" Leiterquerschnitts
an Isoliermaterial entsprechend verringert sein.
[0017] Das in die Isolationsteile integrierte Stabilisierungsmaterial kann außerdem vorteilhaft
für eine induktive Energieauskopplung aus der Magnetwicklung herangezogen werden.
[0018] Außerdem wird im Falle einer Imprägnierung der Magnetwicklung das Trainingsverhalten
der Wicklung günstig beeinflußt, da bei einem hohen Packungsfaktor entsprechend geringe
Anteile an Imprägniermittel zur Fixierung der Leiter der Magnetwicklung erforderlich
sind.
[0019] Gemäß einer Weiterbildung der Magnetwicklung nach der Erfindung können vorteilhaft
die supraleitenden Eigenschaften ihrer Supraleiter durch eine in-situ-Glühung entsprechender
Leitervorprodukte in der Magnetwicklung gebildet sein. Für solche Leiter sind nämlich
keine Diffusionsbarrieren und zusätzlichen Kupferschichten als Ziehhilfe erforderlich,
da das Stabilisierungsmaterial keinen direkten Kontakt mit dem Material des Leiters
hat. Damit ergibt sich neben einer Einsparung von Material- und Fertigungskosten vor
allem eine Reduzierung des passiven Leiterquerschnitts und somit eine Erhöhung der
effektiven Stromdichte im Leiter und in der Wicklung.
[0020] Die Isolationsteile für solche in-situ zu glühenden Magnetwicklungen können insbesondere
aus Glas, Quarz oder Keramik sein. Diese Materialien halten nämlich die zur Ausbildung
der supraleitenden Eigenschaften der Supraleiter erforderlichen Wärmebehandlung ohne
weiteres aus.
[0021] Bei einem Verfahren zur Herstellung einer solchen Magnetwicklung wird vorteilhaft
eine auf ihren Isolationsteilen aufgebrachte Schlichte unmittelbar vor der in-situ-Glühung
vollständig aus der Wicklung entfernt. Es kann so bei der Glühung die Entstehung graphithaltiger
RückstäDde, die zu einer Isolationsverschlechterung führen, vermieden werden.
[0022] Weitere Ausbildungen der Magnetwicklung nach der Erfindung sind in den übrigen Unteransprüchen
gekennzeichnet.
[0023] Anhand der schematischen Zeichnung wird nachfolgend die Erfindung noch weiter erläutert.
Dabei ist in Figur 1 ein Teil einer Magnetwicklung mit einem bekannten Supraleiter
angedeutet, während in Fig. 2 ein entsprechender Supraleiter für eine Magnetwicklung
gemäß der Erfindung dargestellt ist.
[0024] In dem in Fig. 1 als Querschnitt dargestellten Ausschnitt aus einer Magnetwicklung
ist ein Supraleiter 2 mit annähernd rechteckigem Querschnitt ersichtlich, der beispielsweise
dem aus der Veröffentlichung "Kerntechnik", 1978, Seite 260 bekannten Leiter entspricht.
Dieser Leiter enthält zwei Lagen aus jeweils sechs nebeneinanderliegenden Leitersträngen,
die jeweils etwa gleiche, beispielsweise kreisförmige Querschnittsflächen haben. Acht
der mit 4 bezeichneten Leiterstränge sind supraleitende Einzelleiter, deren supraleitende
Eigenschaften erst nach dem Aufbau der Magnetwicklung mit einem entsprechenden Leitervorprodukt
in-situ in der Magnetwicklung durch eine Wärmebehandlung erzeugt werden. Jeder Einzelleiter
enthält eine Vielzahl von in einer Matrix eingebetteten supraleitenden Adern, die
miteinander verdrillt sein können. Die vier übrigen, mit 5 be:-. zeichneten Leiterstränge
des Supraleiters 2 enthalten jeweils einen sich entlang des Stranges erstreckenden
inneren Bereich 6 aus einem Stabilisierungsmetall, beispielsweise aus Kupfer, der
von einer diffusionshemmenden Schicht 7, beispielsweise aus Tantal, umschlossen ist.
Diese Schicht 7 ist ihrerseits von einer Außenschicht 8 aus dem Stabilisierungsmetall
umgeben. Die acht supraleitenden Einzelleiter 4 sind mit den Stabilisierungsleitern
5 derart zu einem Flachleiter verseilt, daß jeder Strang 4 mit einem Strang 5 in Berührung
steht. Das Flachseil ist im allgemeinen zur Kalibrierung auf einen kompakten Rechteckquerschnitt
warmgewalzt (vgl. DE-OS 27 36 157). Die damit verbundenen Deformationen der einzelnen
Leiterstränge 4 und 5 wurden jedoch in der Figur der Übersichtlichkeit halber weggelassen.
[0025] Dieser Flachseil-Supraleiter 2 ist innerhalb der Magnetwicklung gegenüber entsprechenden,
in der Figur nur angedeuteten Supraleitern 2 und 10 von benachbarten Wicklungslagen
jeweils durch eine Lagenisolation 11 bzw. 12 getrennt. Diese Lagenisolationen können
für in-situ zu glühende Magnetwicklungen vorteilhaft aus Quarzgeweben bestehen.
[0026] Außerdem ist der Supraleiter 2 in derselben Wicklungslage von dem Supraleiter 13
einer benachbarten Windung durch ein Isolationselement 14, beispielsweise einen Glasfaden,
getrennt. Entsprechende Isolationselemente sind deshalb jeweils zwischen den einander
zugewandten Längsseiten benachbarter Supraleiter angeordnet. Ihr Durchmesser ist dabei
zweckmäßig gleich dem gegenseitigen Abstand der Lagenisolationen 11 und 12.
[0027] Eine aus solchen Supraleitern 2 und Glasfäden 14 aufgebaute Magnetwicklung hat jedoch
einen verhältnismäßig begrenzten Packungsfaktor. Sowohl der Querschnitt des Isolationselementes
14 als auch im Betriebsfalle der Querschnitt der Stabilisierungsleiter 5 sind nämlich
als passive Leiterquerschnitte anzusehen.
[0028] Gemäß der Erfindung ist deshalb vorgesehen, daß das ganze Stabilisierungsmaterial
des Supraleiters nicht in dem Flachseil geführt wird, sondern zumindest teilweise
in das Isolationselement verlegt ist, das zur Isolation zwischen Supraleitern in benachbarten
Windungen einer gemeinsamen Wicklungslage dient. Eine entsprechende Ausführungsform
eines solchen Leiters und Isolationselementes ist in Fig. 2 als Querschnitt veranschaulicht.
Der mit 16 bezeichnete Flachseil-Leiter soll die gleichen Leiterdimensionen wie der
Leiter 2 gemäß Fig. 1 haben. Er enthält nunmehr zwölf in zwei Lagen angeordnete supraleitende
Einzelleiter 4; d.h.
die Stabilisierungsstränge 5 des Leiters 2 gemäß Fig. 1 sind durch entsprechende supraleitende
Einzelleiterstränge 4 ersetzt. Das mit 17 bezeichnete Isolationselement enthält bei
gleichen Dimensionen wie der Glasfaden 14 nach Fig. 1 einen zentralen Kern 18 aus
dem Stabilisierungsmaterial, der von einer Isolierschicht 19 umgeben ist. Diese Isolierschicht
kann beispielsweise aus einem Quarzfaden gewickelt sein. Zur Beabstandung zwischen
Supraleitern 16 und Isolierelementen 17 von entsprechenden Bauteilen in benachbarten
Wicklungslagen dienen die Lagenisolationen 11 und 12 nach Fig. 1.
[0029] Diese Isolationsteile 11, 12, 19 für in-situ zu glühende Magnetwicklungen bestehen
vorteilhaft aus Glas, Quarz oder Keramik und werden im allgemeinen als Vlies oder
Gewebe zur Lagenisolation oder als Umspinnung bzw. Umflechtung oder als parallel zur
Windung gelegter Faden zur Isolation benachbarter Windungen vorgesehen. Um diese im
allgemeinen sehr spröden Materialien überhaupt handhaben zu können, sind auf ihnen
schon bei der Herstellung sogenannte Schlichten aufgetragen, welche die Kerbempfindlichkeit
herabsetzen und den Zusammenhalt dieser Isolationsteile verbessern sollen. Die Schlichten
bestehen im allgemeinen aus besonderen Fetten und Stärke. Werden sie vor der Reaktionsglühung
des Leitermaterials nicht beseitigt, so zersetzen sie sich bei der Glühung zu Graphit
und verschlechtern somit die Isolationseigenschaften der Isolationsteile 11, 12, 19.
Die aufgebrachten Schlichten werden deshalb vorteilhaft unmittelbar vor der Reaktionsglühung
der Leiter in der mit entsprechenden Leitervorprodukten aufgebauten Magnetwicklung
aus der Wicklung entfernt. Hierzu kann beispielsweise ein enzymatisches Verfahren
vorgesehen sein, bei dem die in der Schlichte enthaltene Stärke mit Hilfe von Enzymen
abgebaut und die Abbauprodukte z. B. mit Wasser ausgewaschen werden. Nach dieser prinzipiell
bekannten Verfahrenstechnik wird beispielsweise nach dem Wickeln der Spule und Abdichten
des Spulenmantels die Wicklung zunächst bei erhöhter Temperatur, beispielsweise 80°C,
mit einem geeigneten fettlösenden Mittel, z.B. einem chlorierten Kohlenwasserstoff
wie Tri- oder Perchloräthylen oder Detergentien enthaltenden wäßrigen Lösungen einige
Stunden lang ausgewaschen. Danach werden Lösungsmittelreste durch Ausheizen oder Evakuieren
der Wicklung entfernt und die Wicklung auf die Entschlichtungstemperatur aufgeheizt.
Bei Verwendung von Hochtemperatur-Entschlichtungsmitteln sind Temperaturen zwischen
95 und 120°C geeignet (Entschlichtungsmittel "Enzylase HT", Firma Diamalt AG; D-8000
München). Nach dem Erreichen dieser Temperatur wird die ebenfalls aufgeheizte Entschlichtungslösung
(beispielsweise 1 bis 5 g Enzylase ET pro Liter Wasser) unter Druck durch die Wicklung
gepreßt, wobei zweckmäßigerweise der Dampfdruck der siedenden Lösung (z.B. etwa 1,4
bar bei 110°C) ausgenutzt wird. Nach dem Entschlichtungsvorgang während einer Zeit
von unter 1 Stunde wird die Entschlichtungslösung abgelassen und die Wicklung daran
anschließend mit einem leichtflüchtigen, mit Wasser gut mischbaren Lösungsmittel wie
z.B. Aceton oder Alkoholen gründlich ausgewaschen. Nach dem Trocknen und Entfernen
der die Wicklung ab- 'dichtenden Bandage kann die Spule in bekannter Weise reaktionsgeglüht
werden. Da durch die geschilderte Verfahrensweise sowohl Fette als auch Stärke restlos
entfernt werden, kann sich hierbei kein Graphit bilden, und die Isolationsfähigkeit
der Isolationsteile bleibt erhalten.
[0030] Im Ausführungsbeispiel gemäß den Figuren wurde angenommen, daß die Magnetspulenwicklung
gemäß der Erfindung zunächst aus noch unreagierten Leitervorprodukten eines Supraleiters
gewickelt und dann die gesamte Magnetspulenwicklung in-situ geglüht wird, um so die
erwünschten supraleitenden Materialien durch einem Diffusionsvorgang zu erhalten.
Eine Magnetspulenwicklung gemäß der Erfindung kann jedoch ebensogut auch aus bereits
durchreagierten Leitern hergestellt werden. In diesem Falle bietet die Verwendung
von Aluminium als Stabilisierungsmaterial insbesondere den Vorteil eines kleinen ohmschen
Widerstandes, eines verhältnismäßig geringen Magnetowiderstandes und die Möglichkeit,
durch Aufbringen einer nichtleitenden Schicht, beispielsweise durch Bildung einer
Aluminiumoxidschicht, eine besonders dünne Isolierschicht zu erhalten.
[0031] -Die supraleitenden Leiterteile des Supraleiters für die Magnetwicklung gemäß der
Erfindung brauchen außerdem nicht supraleitende Adern von Einzelleitern zu sein. Vielmehr
können sie auch supraleitende, in ein Matrixmaterial eingebettete Filamente eines
monolithischen Supraleiters sein.
[0032] Gemäß der Figuren wurde ferner angenommen, daß die Isolation zwischen Supraleitern
in benachbarten Windungen einer Wicklungslage durch strangförmige Isolationselemente
17 entsprechender Dicke erfolgt. Sowohl aus Einzelleitern verseilte Leiter als auch
monolithische Leiter können jedoch zur gegenseitigen Isolation auch von Isolationsteilen
umgeben, beispielsweise umwickelt sein, wobei in diese Isolationsteile die Stabilisierung
zumindest teilweise integriert ist.
1. Magnetwicklung mit Windungen aus stabilisierten Supraleitern, die jeweils mehrere
unisolierte supraleitende Leiterteile und normalleitendes Material zur Stabilisierung
enthalten, in der zwischen den Supraleitern benachbarter Windungen jeweils mindestens
ein Isolationselement angeordnet ist, dadurch gekennzeichnet , daß das Isolationselement
(17) zumindest einen Teil des Stabilisierungsmaterials (18) für einen benachbarten
Supraleiter (16) enthält.
2. Magnetwicklung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daB das Isolationselement
(17) einen zentralen Kern (18) aus dem Stabilisierungsmaterial enthält, der von einer
Isolierschicht (19) umgeben ist.
3. Magnetwicklung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet , daß das Isolationselement
(17) einen zentralen Aluminium-Kern (18) und eine dünne Isolierschicht (19) aus Aluminiumoxid
enthält.
4. Magnetwicklung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet , daß das
Isolationselement (17) mit dem Supraleiter (16) verbunden ist.
5. Magnetwicklung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet , daß die
Dicke des Isolationselementes (17) an die entsprechende Dicke des benachbarten Supraleiters
(16) angepaßt ist.
6. Magnetwicklung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet , daß die
supraleitenden Eigenschaften der Supraleiter (16) durch eine in-situ-GlUhung entsprechender
Leitervorprodukte in der Magnetwicklung gebildet sind.
7. Magnetwicklung nach Anspruch 6, gekennzeichnet durch Isolationsteile (11, 12, 19)
aus Glas, Quarz oder Keramik.
8. Verfahren zur Herstellung einer Magnetwicklung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet
, daß eine auf den Isolationsteilen (11, 12, 19) aufgebrachte Schlichte unmittelbar
vor der in-situ-Glühung vollständig aus der Wicklung entfernt wird.