(19)
(11) EP 0 017 190 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
15.10.1980  Patentblatt  1980/21

(21) Anmeldenummer: 80101673.4

(22) Anmeldetag:  28.03.1980
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)3D06L 1/14
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT CH DE FR GB IT

(30) Priorität: 02.04.1979 DE 2913177

(71) Anmelder: HOECHST AKTIENGESELLSCHAFT
65926 Frankfurt am Main (DE)

(72) Erfinder:
  • Adrian, Klaus
    D-6000 Frankfurt am Main 71 (DE)
  • Rösch, Günter
    D-6232 Bad Soden am Taunus (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren zum oxidativen Entschlichten


    (57) Neues oxidatives Entschlichtungsmittel, bestehend aus 10 - 80, vorzugsweise 50 - 80 Gew.% eines Tensids und 20 - 90, vorzugsweise 20 - 50 Gew.% Kaliumpersulfat. Gegebenenfalls kann dieses Entschlichtungsmittel weiterhin noch 5 - 25 Gew.% eines Lösungsvermittlers enthalten bei gleichzeitiger Reduzierung der Anteile von Tensid und Persulfat.


    Beschreibung


    [0001] Es ist bekannt, Persulfate zur oxidativen Entschlichtung von Geweben aus Cellulosefasern und deren Mischungen mit Synthesefasern zu verwenden, da Persulfat Stärken wie z.B. Kartoffelstärke, Reis-, Maisstärke und Tapioca, die zur Beschlichtung von Geweben verwendet werden, in Gegenwart von Alkali hervorragend abbaut . Als Nachteil der Entschlichtung mit Persulfaten ist zu werten, daß leicht eine Schädigung der cellulosischen Fasern eintreten kann, die sich in einem starken Abfall des DP-Grades ausdrückt. Eine solche Faserschädigung tritt vor allem dann auf, wenn in der Behandlungsflotte nicht ausreichend Alkali vorhanden ist und wenn mit der zu einer restlosen Entschlichtung erforderlichen Menge von 3 - 5 g/1 des Persulfates gearbeitet wird.

    [0002] Es wurde nun gefunden,daß es durch eine geeignete Persulfat-Tensid-Kombination möglich ist, den gleichen Entschlichtungseffekt mit einer wesentlich niedrigeren Persulfatkonzentration zu erreichen. Durch diese Reduzierung der Konzentration des oxidativ wirkenden Entschlichtungsmittels ist es möglich, den Faserabbau wesentlich zu vermindern.

    [0003] Gegenstand der Erfindung ist ein neues oxidatives Entschlichtungsmittel, bestehend aus 10-80, vorzugsweise 50-80 Gew.% eines Tensids und 20-90, vorzugsweise 20-50 Gew.% Kaliumpersulfat. Gegebenenfalls kann dieses Entschlichtungsmittel weiterhin noch 5-25 Gew.% eines Lösungsvermittlers enthalten bei gleichzeitiger Reduzierung der Anteile von Tensid und Persulfat.

    [0004] Als Tenside kommen anionische und nichtionische Tenside infrage, hauptsächlich aus folgenden Verbindungsklassen: Alkansulfonate mit 8-20 C-Atomen, insbesondere sek. Alkansulfonate, C8 -,C20-Alkylbenzolsulfonate, C8 - C2O-Olefinsulfonate, C10 - C18-Fettalkoholsulfonate, Polyäthylenglykolemit 6 - 20 Einheiten Äthylenoxid, C10 - C18-Fett- alkohol-oxäthylate mit 6 - 24 Einheiten Äthylenoxid, C4 - C12-Alkylphenol-oxäthylate mit 6 - 20 Einheiten Äthylenoxid. Besonders bevorzugt sind die sek. Alkansulfonate, Fettalkoholoxäthylate und Alkylphenoloxäthylate. Diese Tenside können in dem erfindungsgemäßen Entschlichtungsmittel allein oder in Kombination miteinander vorliegen. Bevorzugt sind Mischungen im Verhältnis 1:9 bis 9:1 aus einem anionischen und einem nichtionischen Tensid , so insbesondere Mischungen von sek. Alkansulfonat mit Fettalkoholoxäthylaten und/oder Alkylphenoloxäthylaten.

    [0005] Diese Tenside sind in dem erfindungsgemäßen Entschlichtungsmittel in der oben angegebenen Menge enthalten,wobei der an 100 % fehlende Rest Kaliumpersulfat ist. Es kann von Vorteil sein, zusätzlich noch einen Lösungsvermittler mitzuverwenden, wie beispielsweise iso-Propanol, Glykolsäurebutylester, Cyclohexanol oder Butyldiglykol. Die Mitverwendung solcher Lösungsvermittler empfiehlt sich besonders, wenn das Entschlichtungsmittel hohe Konzentrationen an anionischem Tensid enthält. Die Lösungsvermittler können 5 - 25 Gew. % des Entschlichtungsmittels ausmachen bei entsprechender Reduzierung der oben angegebenen Grenzwerte für die Tenside und das Kaliumpersulfat.

    [0006] Diese Tensid-Persulfat-Mischung ist zur oxidativen Entschlichtung von Geweben, die Cellulosefasern alleine oder in Mischung mit Synthesefasern enthalten, geeignet. Man imprägniert das Gewebe mit einer wässrigen Lösung dieses Entschlichtungsmittels bei gleichzeitigem Zusatz von Alkali, vorzugsweise Natronlauge. Das so imprägnierte Material wird durch Abquetschen auf einen Feuchtigkeitsgehalt von ca. 100 % gebracht und nachfolgend bei 20-160°C über einen Zeitraum zwischen 30 Sekunden und 24 Stunden behandelt. Die Länge der Behandlungszeit richtet sich nach der jeweiligen verfahrensspezifischen Temperatur und Art des Verweilaggregates. Der Gehalt des oben beschriebenen Entschlichtungsmittels in der wässrigen Flotte beträgt 2 bis 20, vorzugsweise 3-8 g/l. Die Menge an zuzugebendem Alkali wird wie üblich so gewählt, daß der pH-Wert der Flotte immer über 10 liegt. Hierzu sind im allgemeinen 1 bis 100 g, vorzugsweise 3 - 40 g/1 an festem Natriumhydroxid erforderlich.

    [0007] Nach der Behandlung wird das Gewebe zweckmäßig mit heißem Wasser von ca. 85 - 950C während 10 - 60 Sekunden ausgewaschen und nachfolgend kalt gespült. Dem Waschwasser wird zur Erhöhung des Auswaschgrades noch zweckmäßigerweise Alkali und Waschmittel zugesetzt.

    [0008] Dieses Entschlichtungsverfahren kann man auch mit einem üblichen Bleichverfahren kombinieren. In diesem Fall wird das Gewebe mit einer wässrigen Flotte imprägniert, die neben dem Entschlichtungsmittel und Alkali in der oben angegebenen Menge und Zusammensetzung noch 30 bis 60 ml H2O2 (35 %ig) in einem Liter Flotte sowie Natriumsilikat als Stabilisator enthält. Das imprägnierte Gewebe wird wiederum auf ca. 100 % abgequetscht und 6 bis 24 Stunden bei Raumtemperatur gelagert. Dann wird das Gewebe ausgewaschen, wobei dem Waschwasser zur Verbesserung des Schlichteabbaus Alkali und Waschmittel zugesetzt wird.

    [0009] Die mit der oben beschriebenen Kombination aus Tensiden und Persulfat behandelte Ware zeigt eine deutlich bessere Aufschließung der Baumwollsamenschalen, so daß die Ware bei einer anschließenden Bleichbehandlung in wesentlich kürzerer Zeit ausgebleicht werden kann.

    [0010] Außerdem läßt sich bei Verwendung dieser Kombination die zur Entschlichtung erforderliche Menge an Persulfat auf ca. 25 % der Menge an Persulfat senken, die beim Entschlichten allein mit Persulfat nötig wäre. Durch diese Reduzierung der Persulfatmenge erreicht man eine weitgehende Verminderung der Faserschädigung. Um diese Vorteile zu erreichen, ist es ausschlaggebend, daß gemäß dieser Erfindung das Persulfat und das Tensid nicht separat in die Imprägnierflotte gegeben werden, sondern daß zunächst die Mischung aus Persulfat und Tensid hergestellt und diese Mischung dann in die Flotte gegeben wird.

    [0011] Die nachfolgenden Beispiele sollen das erfindungsgemäße Verfahren erläutern, aber nicht einschränken. Die Prozentangaben sind Gewichtsprozente.

    Beispiel 1



    [0012] Baumwollköper, der mit Stärke geschlichtet ist, wird mit einer wässrigen Lösung folgender Zusammensetzung imprägniert:



    [0013] Das imprägnierte Material wird auf 100 % Restfeuchtigkeit abgequetscht und auf einem Dämpfer bei 103 - 105°C mit Dampf behandelt. Anschließend wird die Ware mit heißem Wasser alkalifrei gewaschen.

    [0014] Die so behandelte Ware weist einen Weißgrad von 62,5 % auf. Der Entschlichtungsgrad; gemessen nach Violettskala TEGEWA ist 8 - 9. Der DP-Wert des behandelten Materials 2400.

    [0015] Vergleichsweise wurde der gleiche Baumwollköper folgender wässriger Lösung imprägniert, die unmittelbar im Foulardchassis bereitet wurde:

    Anschließend wird das Material wie im Beispiel 1 behandelt.

    [0016] Die so behandelte Ware weist einen Weißgrad von 61,0 % auf. Der Entschlichtungsgrad gemessen nach Violettskala TEGEWA ist lediglich 6. Der DP-Wert des behandelten Materials 2150.

    [0017] Man erkennt, daß der Entschlichtungseffekt und-der DP-Grad mit der erfindunsgemäßen Kombination wesentlich höher ist.

    Beispiel 2



    [0018] Baumwollköper wie im Beispiel 1 wird mit einer wässrigen Lösung folgender Zusammensetzung imprägniert:



    [0019] Das imprägnierte Material wird auf 100 % Restfeuchtigkeit abgequetscht, aufgewickelt und verweilt in luftfreier Da-mpfatmosphäre mit 100 % relativer Feuchtigkeit bei 95°C 1 Stunde. Anschließend wird das Material wie im Beispiel 1 behandelt. Die so behandelte Ware weist einen Weißgrad von 63,0 % auf. Der Entschlichtungsgrad gemessen nach Violettskala TEGEWA ist 8. Der DP-Wert des behandelten Materials ist 2350.

    [0020] Auch hierbei wurde vergleichsweise mit einer hergestellten Lösung folgender Zusammensetzung imprägniert:



    [0021] Anschließend wird das Material wie im Beispiel 1 behandelt. Die so behandelte Ware weist einen Weißgrad von 64,0 % auf.

    [0022] Der Entschlichtungsgrad gemessen nach Violettskala TEGEWA ist lediglich 5.

    [0023] Der DP-Wert des behandelten Materials fiel auf 2050.

    Beispiel 3



    [0024] Baumwollköper wie im Beispiel 1 wird mit einer Lösung folgender Zusammensetzung imprägniert:



    [0025] Das imprägnierte Material wird auf 100 % Restfeuchtigkeit abgequetscht, auf eine Kaule gewickelt und mit Plastikfolie umhüllt, um ein Antrocknen zu vermeiden. Die Kaule wird 16 - 20 Stunden bei Raumtemperatur verweilen lassen.

    [0026] Anschließend wird das Material wie im Beispiel 1 beschrieben ausgewaschen. Die so behandelte Ware weist einen Weißgrad von 86 % auf.

    [0027] Der Entschlichtungsgrad gemessen nach Violettskala TEGEWA ist 8 - 9.

    [0028] Der DP-Wert des behandelten Materials 2550.

    [0029] Vergleichsweise wurde das gleiche Material mit folgender, separat hergestellter Lösung behandelt:



    [0030] Das imprägnierte Material wird auf 100 % Restfeuchtigkeit abgequetscht, auf eine Kaule gewickelt und mit Plastikfolie umhüllt, um ein Antrocknen zu vermeiden. Die Kaule wird 16 - 20 Stunden bei Raumtemperatur verweilen lassen. Anschließend wird das Material wie im Beispiel 1 behandelt. Die so behandelte Ware weist einen Weißgrad von 85,5 % auf.

    [0031] Der Entschlichtungsgrad gemessen nach Violettskala TEGEWA ist 6.

    [0032] Der DP-Wert des behandelten Materials:2250.

    [0033] In der gleichen Weise wie in den Beispielen 1 bis 3 beschrieben, kann die Entschlichtung auch mit folgenden Mischungen durchgeführt werden:



    [0034] In diesen Mischungen wurden nachfolgende Verbindungen als Tenside eingesetzt:












    Ansprüche

    1. Oxidatives Entschlichtungsmittel bestehend aus 10 bis 80 Gew. % eines Tensids und 20 bis 90 Gew.% Kaliumpersulfat.
     
    2. Entschlichtungsmittel nach Anspruch 1, bestehend aus 50 bis 80 Gew. % eines Tensids und 20 bis 50 Gew.% Kaliumpersulfat.
     
    3. Entschlichtungsmittel nach Anspruch 1, enthaltend 5 bis 25 Gew. % eines Lösungsvermittlers.
     
    4. Verfahren zum oxidativen Entschlichten, dadurch gekennzeichnet, daß man das Gewebe mit einer alkalischen Flotte behandelt, die ein Entschlichtungsmittel gemäß Anspruch 1 enthält.
     
    5. Verfahren zum gleichzeitigen Bleichen und Entschlichten, dadurch gekennzeichnet, daß man das Gewebe mit einer alkalischen Flotte behandelt, die Wasserstoffperoxid und ein Entschlichtungsmittel nach Anspruch 1 enthält.
     


    Ansprüche

    Patentansprüche für folgende(n) Vertragsstaat(en) : AT

    1. Verfahren zum oxidativen Entschlichten, dadurch gekennzeichnet, daß man das Gewebe mit einer alkalischen Flotte behandelt, die ein Entschlichtungsmittel enthält bestehend aus 10 bis 80 Gew. % eines Tensids und 20 bis 90 Gew. % Kaliumpersulfat.
     
    2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man mit einem Entschlichtungsmittel behandelt, das aus 50 bis 80 Gew. % eines Tensids und 20 bis 50 Gew. % Kaliumpersulfat besteht.
     
    3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man mit einem Entschlichtungsmittel behandelt, das 5 bis 25 Gew. % eines Lösungsvermittlers enthält.
     
    4. Verfahren nach Anspruch 1 bei gleichzeitigem Bleichen, dadurch gekennzeichnet, daß man das Gewebe mit einer alkalischen Flotte behandelt, die zusätzlich Wasserstoffperoxid enthält.
     





    Recherchenbericht