[0001] Es ist bekannt, Persulfate zur oxidativen Entschlichtung von Geweben aus Cellulosefasern
und deren Mischungen mit Synthesefasern zu verwenden, da Persulfat Stärken wie z.B.
Kartoffelstärke, Reis-, Maisstärke und Tapioca, die zur Beschlichtung von Geweben
verwendet werden, in Gegenwart von Alkali hervorragend abbaut . Als Nachteil der Entschlichtung
mit Persulfaten ist zu werten, daß leicht eine Schädigung der cellulosischen Fasern
eintreten kann, die sich in einem starken Abfall des DP-Grades ausdrückt. Eine solche
Faserschädigung tritt vor allem dann auf, wenn in der Behandlungsflotte nicht ausreichend
Alkali vorhanden ist und wenn mit der zu einer restlosen Entschlichtung erforderlichen
Menge von 3 - 5 g/1 des Persulfates gearbeitet wird.
[0002] Es wurde nun gefunden,daß es durch eine geeignete Persulfat-Tensid-Kombination möglich
ist, den gleichen Entschlichtungseffekt mit einer wesentlich niedrigeren Persulfatkonzentration
zu erreichen. Durch diese Reduzierung der Konzentration des oxidativ wirkenden Entschlichtungsmittels
ist es möglich, den Faserabbau wesentlich zu vermindern.
[0003] Gegenstand der Erfindung ist ein neues oxidatives Entschlichtungsmittel, bestehend
aus 10-80, vorzugsweise 50-80 Gew.% eines Tensids und 20-90, vorzugsweise 20-50 Gew.%
Kaliumpersulfat. Gegebenenfalls kann dieses Entschlichtungsmittel weiterhin noch 5-25
Gew.% eines Lösungsvermittlers enthalten bei gleichzeitiger Reduzierung der Anteile
von Tensid und Persulfat.
[0004] Als Tenside kommen anionische und nichtionische Tenside infrage, hauptsächlich aus
folgenden Verbindungsklassen: Alkansulfonate mit 8-20 C-Atomen, insbesondere sek.
Alkansulfonate, C
8 -,C
20-Alkylbenzolsulfonate, C
8 - C
2O-Olefinsulfonate, C
10 - C
18-Fettalkoholsulfonate, Polyäthylenglykolemit 6 - 20 Einheiten Äthylenoxid, C
10 - C
18-Fett
- alkohol-oxäthylate mit 6 - 24 Einheiten Äthylenoxid, C
4 - C
12-Alkylphenol-oxäthylate mit 6 - 20 Einheiten Äthylenoxid. Besonders bevorzugt sind
die sek. Alkansulfonate, Fettalkoholoxäthylate und Alkylphenoloxäthylate. Diese Tenside
können in dem erfindungsgemäßen Entschlichtungsmittel allein oder in Kombination miteinander
vorliegen. Bevorzugt sind Mischungen im Verhältnis 1:9 bis 9:1 aus einem anionischen
und einem nichtionischen Tensid , so insbesondere Mischungen von sek. Alkansulfonat
mit Fettalkoholoxäthylaten und/oder Alkylphenoloxäthylaten.
[0005] Diese Tenside sind in dem erfindungsgemäßen Entschlichtungsmittel in der oben angegebenen
Menge enthalten,wobei der an 100 % fehlende Rest Kaliumpersulfat ist. Es kann von
Vorteil sein, zusätzlich noch einen Lösungsvermittler mitzuverwenden, wie beispielsweise
iso-Propanol, Glykolsäurebutylester, Cyclohexanol oder Butyldiglykol. Die Mitverwendung
solcher Lösungsvermittler empfiehlt sich besonders, wenn das Entschlichtungsmittel
hohe Konzentrationen an anionischem Tensid enthält. Die Lösungsvermittler können 5
- 25 Gew. % des Entschlichtungsmittels ausmachen bei entsprechender Reduzierung der
oben angegebenen Grenzwerte für die Tenside und das Kaliumpersulfat.
[0006] Diese Tensid-Persulfat-Mischung ist zur oxidativen Entschlichtung von Geweben, die
Cellulosefasern alleine oder in Mischung mit Synthesefasern enthalten, geeignet. Man
imprägniert das Gewebe mit einer wässrigen Lösung dieses Entschlichtungsmittels bei
gleichzeitigem Zusatz von Alkali, vorzugsweise Natronlauge. Das so imprägnierte Material
wird durch Abquetschen auf einen Feuchtigkeitsgehalt von ca. 100 % gebracht und nachfolgend
bei 20-160°C über einen Zeitraum zwischen 30 Sekunden und 24 Stunden behandelt. Die
Länge der Behandlungszeit richtet sich nach der jeweiligen verfahrensspezifischen
Temperatur und Art des Verweilaggregates. Der Gehalt des oben beschriebenen Entschlichtungsmittels
in der wässrigen Flotte beträgt 2 bis 20, vorzugsweise 3-8 g/l. Die Menge an zuzugebendem
Alkali wird wie üblich so gewählt, daß der pH-Wert der Flotte immer über 10 liegt.
Hierzu sind im allgemeinen 1 bis 100 g, vorzugsweise 3 - 40 g/1 an festem Natriumhydroxid
erforderlich.
[0007] Nach der Behandlung wird das Gewebe zweckmäßig mit heißem Wasser von ca. 85 - 95
0C während 10 - 60 Sekunden ausgewaschen und nachfolgend kalt gespült. Dem Waschwasser
wird zur Erhöhung des Auswaschgrades noch zweckmäßigerweise Alkali und Waschmittel
zugesetzt.
[0008] Dieses Entschlichtungsverfahren kann man auch mit einem üblichen Bleichverfahren
kombinieren. In diesem Fall wird das Gewebe mit einer wässrigen Flotte imprägniert,
die neben dem Entschlichtungsmittel und Alkali in der oben angegebenen Menge und Zusammensetzung
noch 30 bis 60 ml H
2O
2 (35 %ig) in einem Liter Flotte sowie Natriumsilikat als Stabilisator enthält. Das
imprägnierte Gewebe wird wiederum auf ca. 100 % abgequetscht und 6 bis 24 Stunden
bei Raumtemperatur gelagert. Dann wird das Gewebe ausgewaschen, wobei dem Waschwasser
zur Verbesserung des Schlichteabbaus Alkali und Waschmittel zugesetzt wird.
[0009] Die mit der oben beschriebenen Kombination aus Tensiden und Persulfat behandelte
Ware zeigt eine deutlich bessere Aufschließung der Baumwollsamenschalen, so daß die
Ware bei einer anschließenden Bleichbehandlung in wesentlich kürzerer Zeit ausgebleicht
werden kann.
[0010] Außerdem läßt sich bei Verwendung dieser Kombination die zur Entschlichtung erforderliche
Menge an Persulfat auf ca. 25 % der Menge an Persulfat senken, die beim Entschlichten
allein mit Persulfat nötig wäre. Durch diese Reduzierung der Persulfatmenge erreicht
man eine weitgehende Verminderung der Faserschädigung. Um diese Vorteile zu erreichen,
ist es ausschlaggebend, daß gemäß dieser Erfindung das Persulfat und das Tensid nicht
separat in die Imprägnierflotte gegeben werden, sondern daß zunächst die Mischung
aus Persulfat und Tensid hergestellt und diese Mischung dann in die Flotte gegeben
wird.
[0011] Die nachfolgenden Beispiele sollen das erfindungsgemäße Verfahren erläutern, aber
nicht einschränken. Die Prozentangaben sind Gewichtsprozente.
Beispiel 1
[0012] Baumwollköper, der mit Stärke geschlichtet ist, wird mit einer wässrigen Lösung folgender
Zusammensetzung imprägniert:

[0013] Das imprägnierte Material wird auf 100 % Restfeuchtigkeit abgequetscht und auf einem
Dämpfer bei 103 - 105°C mit Dampf behandelt. Anschließend wird die Ware mit heißem
Wasser alkalifrei gewaschen.
[0014] Die so behandelte Ware weist einen Weißgrad von 62,5 % auf. Der Entschlichtungsgrad;
gemessen nach Violettskala TEGEWA ist 8 - 9. Der DP-Wert des behandelten Materials
2400.
[0015] Vergleichsweise wurde der gleiche Baumwollköper folgender wässriger Lösung imprägniert,
die unmittelbar im Foulardchassis bereitet wurde:

Anschließend wird das Material wie im Beispiel 1 behandelt.
[0016] Die so behandelte Ware weist einen Weißgrad von 61,0 % auf. Der Entschlichtungsgrad
gemessen nach Violettskala TEGEWA ist lediglich 6. Der DP-Wert des behandelten Materials
2150.
[0017] Man erkennt, daß der Entschlichtungseffekt und-der DP-Grad mit der erfindunsgemäßen
Kombination wesentlich höher ist.
Beispiel 2
[0018] Baumwollköper wie im Beispiel 1 wird mit einer wässrigen Lösung folgender Zusammensetzung
imprägniert:

[0019] Das imprägnierte Material wird auf 100 % Restfeuchtigkeit abgequetscht, aufgewickelt
und verweilt in luftfreier Da-mpfatmosphäre mit 100 % relativer Feuchtigkeit bei 95°C
1 Stunde. Anschließend wird das Material wie im Beispiel 1 behandelt. Die so behandelte
Ware weist einen Weißgrad von 63,0 % auf. Der Entschlichtungsgrad gemessen nach Violettskala
TEGEWA ist 8. Der DP-Wert des behandelten Materials ist 2350.
[0020] Auch hierbei wurde vergleichsweise mit einer hergestellten Lösung folgender Zusammensetzung
imprägniert:

[0021] Anschließend wird das Material wie im Beispiel 1 behandelt. Die so behandelte Ware
weist einen Weißgrad von 64,0 % auf.
[0022] Der Entschlichtungsgrad gemessen nach Violettskala TEGEWA ist lediglich 5.
[0023] Der DP-Wert des behandelten Materials fiel auf 2050.
Beispiel 3
[0024] Baumwollköper wie im Beispiel 1 wird mit einer Lösung folgender Zusammensetzung imprägniert:

[0025] Das imprägnierte Material wird auf 100 % Restfeuchtigkeit abgequetscht, auf eine
Kaule gewickelt und mit Plastikfolie umhüllt, um ein Antrocknen zu vermeiden. Die
Kaule wird 16 - 20 Stunden bei Raumtemperatur verweilen lassen.
[0026] Anschließend wird das Material wie im Beispiel 1 beschrieben ausgewaschen. Die so
behandelte Ware weist einen Weißgrad von 86 % auf.
[0027] Der Entschlichtungsgrad gemessen nach Violettskala TEGEWA ist 8 - 9.
[0028] Der DP-Wert des behandelten Materials 2550.
[0029] Vergleichsweise wurde das gleiche Material mit folgender, separat hergestellter Lösung
behandelt:

[0030] Das imprägnierte Material wird auf 100 % Restfeuchtigkeit abgequetscht, auf eine
Kaule gewickelt und mit Plastikfolie umhüllt, um ein Antrocknen zu vermeiden. Die
Kaule wird 16 - 20 Stunden bei Raumtemperatur verweilen lassen. Anschließend wird
das Material wie im Beispiel 1 behandelt. Die so behandelte Ware weist einen Weißgrad
von 85,5 % auf.
[0031] Der Entschlichtungsgrad gemessen nach Violettskala TEGEWA ist 6.
[0032] Der DP-Wert des behandelten Materials:2250.
[0033] In der gleichen Weise wie in den Beispielen 1 bis 3 beschrieben, kann die Entschlichtung
auch mit folgenden Mischungen durchgeführt werden:

1. Oxidatives Entschlichtungsmittel bestehend aus 10 bis 80 Gew. % eines Tensids und
20 bis 90 Gew.% Kaliumpersulfat.
2. Entschlichtungsmittel nach Anspruch 1, bestehend aus 50 bis 80 Gew. % eines Tensids
und 20 bis 50 Gew.% Kaliumpersulfat.
3. Entschlichtungsmittel nach Anspruch 1, enthaltend 5 bis 25 Gew. % eines Lösungsvermittlers.
4. Verfahren zum oxidativen Entschlichten, dadurch gekennzeichnet, daß man das Gewebe
mit einer alkalischen Flotte behandelt, die ein Entschlichtungsmittel gemäß Anspruch
1 enthält.
5. Verfahren zum gleichzeitigen Bleichen und Entschlichten, dadurch gekennzeichnet,
daß man das Gewebe mit einer alkalischen Flotte behandelt, die Wasserstoffperoxid
und ein Entschlichtungsmittel nach Anspruch 1 enthält.
Patentansprüche für folgende(n) Vertragsstaat(en) : AT
1. Verfahren zum oxidativen Entschlichten, dadurch gekennzeichnet, daß man das Gewebe
mit einer alkalischen Flotte behandelt, die ein Entschlichtungsmittel enthält bestehend
aus 10 bis 80 Gew. % eines Tensids und 20 bis 90 Gew. % Kaliumpersulfat.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man mit einem Entschlichtungsmittel
behandelt, das aus 50 bis 80 Gew. % eines Tensids und 20 bis 50 Gew. % Kaliumpersulfat
besteht.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man mit einem Entschlichtungsmittel
behandelt, das 5 bis 25 Gew. % eines Lösungsvermittlers enthält.
4. Verfahren nach Anspruch 1 bei gleichzeitigem Bleichen, dadurch gekennzeichnet,
daß man das Gewebe mit einer alkalischen Flotte behandelt, die zusätzlich Wasserstoffperoxid
enthält.