[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung zum Antrieb der Walzen von Walzenhohlsaugern
zum Fördern oder Abbremsen von Materialbahnen, z.B. fotografischer Film- oder Papierbahnen.
Die Bahn liegt hierbei auf mindestens 2 nahe beieinander angeordneten Walzen auf,
und es besteht eine Druckdifferenz im Bereich der Walzen zwischen der Vorder- und
der Rückseite der Bahn, welche die Bahn an die Walzen andrückt. Hierbei entsteht eine
gesickte, wellblechartige Bahnform. Im Grenzfall eines Hohlsaugers mit nur 2 Walzen
weist die Bahn nur eine Sicke auf. Der Krümmungsradius der Sicke in der Bahn oder
der Bahnschleife hängt von der Druckdifferenz und der Bahnspannung ab.
[0002] Hohlsauger werden vorzugsweise in Trockenstrecken eingesetzt, in denen die frisch
auf eine Unterlage aufgetragene Schicht oder Schichten nicht die Oberfläche der Führungswalzen
berühren dürfen. Unabhängig von der Bahnführung durch den Trockner stellt die gesickte
Bahnform für jede Walze den für einen guten Bahnlauf ausreichend großen Umschlingungswinkel
sicher. Daher lassen sich Hohlsauger in den verschiedensten an die jeweilige Bahnführung
angepaßten Bauarten einsetzen.
[0003] Es sind so ebene Hohlsauger bekannt, bei welchen die Walzenachsen in einer Ebene
liegen und die Bahn senkrecht auf- oder absteigend oder waagrecht tragend oder hängend
fördern. Liegen die Walzenachsen auf einer Zylinderfläche, so sind dies Bogenhohlsauger
zur Umlenkung der Bahn um zum Beispiel 90° oder 180°, ohne daß die begoßene Bahnfläche
in Kontakt mit den Walzen kommt. Auch für räumliche Bahnführungen, bei denen die Walzenachsen
nicht mehr parallel sind, ist der Hohlsauger geeignet.
[0004] In der DE-AS 19 62 089 ist eine Trockenstrecke mit mäanderförmiger Bahnführung beschrieben,
bei der ebene Walzenhohlsauger zur Auf- und Abwärtsführung und Bogenhohlsauger zur
Bahnumlenkung an den oberen Enden der Vertikalschleifen eingesetzt sind.
[0005] Die DE-PS 15 74 295 beschreibt eine Anwendung des Walzenhohlsaugers für räumliche
Bahnführung.
[0006] Eine große technische Bedeutung für lange horizental gerade geführte Trockenstrecken
hat der in der DE-PS 15 97 656 beschriebene 2-Walzenhohlsauger erlangt.
[0007] In diesen Trockenstrecken wird die Bahn auf dem ersten Weg aufliegend und auf dem
Rückweg hängend an Hohlsaugern geführt.
[0008] Die Konstruktion der Walzenhohlsauger ist bei allen Typen gleich. Die Hohlsauger
bestehen aus mindestens 2 frei drehbar gelagerten Walzen, die auf der Rückseite ein
unter Unterdruck stehendes Gehäuse besitzen, welches die Walzen weitgehendst gegen
den normalen Luftdruck abdichtet. Über die Vorderseite der Walzen wird die Bahn geführt
und von dem normalen Luftdruck gegen die Walzen, hinter denen Unterdruck herrscht,
gepresst. Es entsteht so ein erhöhter Bahndruck gegen die Walzen und eine größere
Umschlingung der Walzen durch Einsaugen der Bahn.
[0009] Es ist weiterhin bekannt. Walzenhohlsauger auch als Antriebselement zu benutzen.
Hierzu kann ein Elektromotor mit Getriebe verwendet werden, wobei das gelieferte Drehmoment
über Riementriebe, Zahntriebe oder dergleichen auf die einzelnen Walzen des Walzenhohlsaugers
verteilt wird. Die sich dadurch ergebende Koppelung der Drehbewegung der einzelnen
Walzen hat bei der Förderung kratzempfindlicher Bahnen, wie z.B. fotografischer Filme,
den erheblichen Nachteil, daß die walzenseitige Bahnoberfläche bei Einstellung oder
Änderung des Unterdruckes oder der Bahnspannung beschädigt wird, weil sich der Krümmungsradius
der Bandschleife nicht frei, sondern nur unter gleichzeitiger Relativbewegung zwischen
Walzen- und Bandoberfläche je nach der herrschenden Druckdifferenz und Bahnspannung
einstellen kann.
[0010] Eine Entkopplung der Drehbewegung der einzelnen Walzen ließe sich erreichen, wenn
man an jede Walze eine Rutschkupplung anbrächte. Der konstruktive Aufwand wäre aber
beträchtlich, da die einzelner Kupplungen sehr feinfühlig reagieren müßten und eine
ständige Wartung erforderten. Natürlich ist es auch möglich für den Antrieb jeder
einzelnen Walze einen besonderen, kleinen Elektromotor einzusetzen. Eine derartige
Lösung käme z.B. in Frage, wenn man daran denkt, einen großräumigen Trockner mit Zweiwalzenhohlsaugern
zur Verminderung des sich von Walze zu Walze aufbauenden Bahnzuges mit einer größeren
Zahl von elektrischen Einzelwalzenantrieben zu versehen (z.B. für die beiden in den
obengenannten Schriften angegebenen Trocknungsanlagen).
[0011] Der Aufwand, insbesondere für die weitverzweigte Installation der Regelung und der
Energiezufuhr, wäre jedoch beträchtlich.
[0012] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Einzelantrieb zu finden, der möglichst
einfach ist, keine besondere Installation zur Energiezufuhr und ein Minimum an Wartung
benötigt.
[0013] Diese Aufgabe wurde erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß Motore zum Antrieb mindestens
einer der Walzen vorgesehen sind, deren abgegebene Leistung aus dem Druckgefälle zwischen
der Vorder- und Rückseite der Bahn erzeugt wird.
[0014] Bei einer bevorzugten Ausführungsform wird der Motor zum Antrieb als Turbine ausgebildet
und gemäß einer besonders zweckmäßigen Ausführungsform ist der Turbinenläufer fest
auf einem Achsschenkel der Walze des Walzenhohlsaugers angeordnet.
[0015] Überraschend zeigt sich, daß auch bei geringen Druckdifferenzen schon eine Zugkraft
auf die Bahn übertragen werden kann, die wesentlich größer ist, als die sich aus dem
Reibungswiderstand der Walzenlager und dem Walkwiderstand der Bahn ergebende Bremskraft.
[0016] Von großer praktischer Bedeutung ist die Anwendung des Luftturbinenantriebes auf
die schon erwähnten langen Trockenstrecken moderner Begießmaschinen mit Zweiwalzenhohlsaugern,
wie sie in den obengenannten DE-PS und DE-AS beschrieben sind, wenn es sich als erforderlich
erweist, den in solchen Strecken sich aufbauenden Bahnlaufwiderstand durch Zwischenantriebe
zu kompensieren. Solche Zwischenantriebe lassen sich an jedem beliebigen Zweiwalzenhohlsauger
durch Anordnung von einer oder mehrerer Luftturbinen in einfacher Weise verwirklichen.
Da es keinen großen Aufwand bedeutet, auch eine größere Anzahl von Zwischenantrieben
vorzusehen, hat man eine einfache Möglichkeit, den Bahnspannungsaufbau von Antrieb
zu Antrieb sehr gering zu halten. Insbesondere wird auch die Beschleunigung der Walzen
beim Anfahren der Maschine erleichtert. Im Extremfall kann man jede Walze in jedem
Walzenhohlsauger mit einem Luftantrieb versehen.
[0017] Die Erfindung wird im folgenden in einer Ausführungsform und einem Beispiel näher
beschrieben. Es zeigen
Figur 1 einen Zweiwalzenhohlsauger mit Antrieb als Längsschnittdarstellung, senkrecht
zur Ebene der beiden Walzen geschnitten
Figur 2 einen Zweiwalzenhohlsauger als Querschnittsdarstellung, geschnitten durch
die beiden Walzen
Figur 3 einen Schnitt durch die abgewickelte Leitwerk- und Turbinenbeschaufelung
Figur 4 eine Ansicht auf die Turbinenschaufeln als senkrechter Schnitt durch das Gehäuse
der Figur 1
Figur 5 eine Draufsicht auf das Lager eines Zweiwalzenhohlsaugers mit Turbinenantrieb
der Walzen als waagerechter Schnitt durch das Gehäuse der Figur 1.
[0018] Nach Fig. 1 und 2 läuft eine Materialbahn 1,zum Beispiel ein mit fotografischer Emulsion
beschichteter Film, über die Walzen 2, die zusammen mit dem Saugkasten 5 und dem an
einen nicht gezeichneten Ventilator angeschlossenen Saugstutzen 6 den Zweiwalzenhohlsauger
bilden. Die Walzen sind in Fig. 1 links wie üblich in Kugellagern 4 gelagert. Rechts
ist zwischen den Lagern4 und den Walzen 2 für jede Walze ein Turbinenantrieb 9,10
angeordnet, der seine Energie aus dem Druckgefälle der Luft zwischen dem Außenraum
und dem Inneren des Saugkastens 5 bezieht. Die Strömungsrichtung der Luft ist durch
Pfeile angedeutet.
[0019] Die beiden Turbinen sind in einem gemeinsamen Gehäuse 7 angeordnet. Das Antriebsaggregat
besteht aus dem auf dem Hohlsaugerkasten 5 aufgeschraubten Gehäuse 7, den beiden Buchsen
8, in denen die Kugellager 4 angeordnet sind, den mit den Buchsen fest verbundenen
Leitschaufelkränzen 9 und den auf den Walzenzapfen 3 sitzenden Turbinenschaufeln 1
0. Das Gehäuse 7 und die Buchsen 8 sind mit einem Durchbruch 11 versehen, durch den
die durch die Leitschaufelkränze 9 und die Turbinenschaufeln 10 strömende Luft über
den Anschlußkanal 12 in den Hohlsaugerkasten 5 abströmt.
[0020] Die Form der Leitschaufeln 9 und der Turbinenschaufeln 10 ist als Schnitt in Figur
3 dargestellt. Die Luft tritt durch die feststehenden Leitschaufeln 9 gelenkt auf
die Turbinenschaufeln 10, wird von diesen umgelenkt, wodurch die Walze 2 angetrieben
wird.
[0021] In Figur 4 ist in einem Schnitt durch das Gehäuse 7 eine Draufsicht auf die Turbinenschaufeln
10 dargestellt. Die angesaugte Luft verläßt hier den Bereich der Turbinenschaufeln
10 und gelangt über den Durchbruch 11 durch Buchse 8 und Gehäuse 7 und den Anschlußkanal
12 (Figur 1) in den Saugkasten 5.
[0022] Figur 5 zeigt eine Draufsicht auf das Lager eines Zweiwalzenhohlsaugers mit Turbinenantrieb,
wobei das Gehäuse 7 in der Ebene der Walzenachse aufgeschnitten ist.
[0023] Es wurden Versuche mit einem einseitig an beiden Walzen angetriebenen Zweiwalzenhohlsauger
nach den Figuren 1 bis 5 durchgeführt. Der verwendete Zweiwalzenhohlsauger hatte folgende
Abmessungen:

[0024] Bei einem Unterdruck von 10 Millibar im Saugkasten 5 und einem Luftdurchsatz je Turbine
9,10 von 0,0264 m
3/sec ergab sich je Walze 2 ein Drehmoment von 0,035 Nm. Insgesamt betrug der dadurch
erzeugte Bahnzug etwa das 2,8-fache des Lagerreibungs- und Walkwiderstandes des Zweiwalzenhohlsaugers
bei einer Bahngeschwindigkeit von 1 m/sec.
[0025] Natürlich läßt sich die erfindungsgemäße Konstruktion nicht nur zum Antrieb, sondern
auch zum Abbremsen des Bandes einsetzen.
[0026] Auch kann der Antrieb eines Walzenhohlsaugers so erfolgen, daß eine Walze an einer
Seite oder auch an beiden Seiten angetrieben wird. Bei beidseitigem Antrieb kann durch
einfache in die Anschlußkanäle 12 eingebaute Klappen und entsprechende Anordnung der
Turbinen der Antrieb der Walze 2 so gesteuert werden, daß wahlweise ein Transport
in Laufrichtung der Bahn 1 oder ein Abbremsen der Bahn 1 erfolgt.
[0027] Die Erfindung ist nicht auf Zweiwalzenhohlsauger beschränkt, sondern umfaßt auch
Mehrwalzenhohlsauger mit dem Antrieb einer oder mehrerer Walzen auf einer oder beiden
Seiten mit Turbinen.
[0028]
1. Materialbahn
2. Walzen
3. Walzenzapfen
4. Walzenlager
5. Saugkasten
6. Saugstutzen
7. Gehäuse
8. Buchse
9. Leitschaufel
10. Turbinenschaufel
11. Durchbruch durch Buchse und Gehäuse
12. Anschlußkanal
1. Vorrichtung zum Antrieb der Walzen von Walzenhohlsaugern zum Fördern oder Abbremsen
von Materialbahnen, z.B. fotografischer Film- oder Papierbahnen, wobei die Bahn auf
mindestens zwei Walzen aufliegt und im Bereich der Walzen zwischen der Vorder- und
Rückseite der Bahn eine Druckdifferenz besteht, dadurch gekennzeichnet, daß Motore
zum Antrieb mindestens einer der Walzen (2) vorgesehen sind, deren abgegebene Leistung
aus dem Druckgefälle zwischen der Vorder- und Rückseite der Bahn (1) erzeugt wird.
2. Vorrichtung zum Antrieb von Walzenhohlsaugern nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß der Motor als Turbine (9,10) ausgebildet ist.
3. Vorrichtung zum Antrieb von Walzenhohlsaugern nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet,
daß der Turbinenläufer (10) fest auf einem Achsschenkel der Walze (2) des Walzenhohlsaugers
angeordnet ist.