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(11) |
EP 0 018 445 B2 |
| (12) |
NEUE EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT |
| (45) |
Veröffentlichungstag und Bekanntmachung des Hinweises auf die Entscheidung über den
Einspruch: |
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03.01.1990 Patentblatt 1990/01 |
| (45) |
Hinweis auf die Patenterteilung: |
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06.06.1984 Patentblatt 1984/23 |
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Anmeldetag: 05.12.1979 |
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Verfahren zur Herstellung von Gussstücken aus Gusseisen mit Kugelgraphit
Process for the manufacture of castings of nodular castiron
Procédé pour la fabrication de pièces coulée en fonte nodulaire
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| (84) |
Benannte Vertragsstaaten: |
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DE FR GB IT NL SE |
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Priorität: |
13.12.1978 DE 2853870
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Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
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12.11.1980 Patentblatt 1980/23 |
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Patentinhaber: Mühlberger, Horst Dr. |
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D-6240 Königstein/Ts. 2 (DE) |
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Erfinder: |
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- Mühlberger, Horst Dr.
D-6000 Frankfurt (DE)
- Prinz, Bruno Dr.
D-6370 Oberursel (DE)
- Wunder, Wolf Dr.
D-6370 Oberursel 5 (DE)
- Schäfer, Ulrich, Dipl.-Ing.
D-6908 Wiesloch (DE)
- Bognar, Josef, Ing.
D-6837 St. Leon-Rot (DE)
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Vertreter: Müller, Gerd, Dipl.-Ing. et al |
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Patentanwälte
Hemmerich-Müller-Grosse
Pollmeier-Valentin-Gihske
Hammerstrasse 2 57072 Siegen 57072 Siegen (DE) |
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Entgegenhaltungen: :
DE-A- 2 334 992 DE-B- 1 123 353 FR-B- 89 010 GB-B- 630 070
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DE-B- 1 054 102 FR-A- 1 591 761 FR-B- 1 286 077 US-A- 2 458 760
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- "HÜTTE, TASCHENBUCH FÜR EISENHÜTTENLEUTE", 1961, S. 700/701
- Modern Casting, Mai 1978, S. 60-66
- Giessereitechnik, 1979, Heft 7, S.205-208
- Leg. Gusseisen, Band 2, 1974, S. 23-24, Giessereiverlag, Dusseldorf
- Giesserei 65, Nr. 4, 1978, S. 73-80
- Technische Mitteilungen 58, Heft 7, 1965, S. 386-392
- Giesserei Technisch-wissenschaftliche Beihefte, Heft 18, 1957, S. 943-953
- Giessereirundschau, 33, Heft 2, 1986, Seite 3
- Giessereitechnik, 20, Heft 5, S. 155-161
- Giessereipraxis Sonderdruck, Heft 15/16, 1962, Seite 1
- Mémoires Scientifiques, Revue Métallurgique LXV Nr. 1, 1968
- Fonderie, Nr. 367, mai 1977, S. 167-169
- Giessereitechnik, 19, Heft 3, 1973, S. 79-83
- Transactions of American Society for Metals, Band 30, 1942, S. 1255-1277
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[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Gußstücken aus Gußeisen
mit Kugelgraphit mit austenitisch-bainitischem Mischgefüge aus einer Schmelze mit
den üblichen Mengen an Silizium, Kohlenstoff, Phosphor, Schwefel und Magnesium sowie
zusätzlichen Mengen an Mangan, Molybdän, gegebenenfalls Kupfer und gegebenenfalls
Nickel, bei dem das Gußstück auf Austenitisierungstemperatur erwärmt sowie bis zur
Austenitisierung auf dieser Temperatur gehalten und anschließend auf Bainitisierungstemperatur
von 350 bis 400 °C abgekühlt und für eine dem gewünschten Bainitanteil entsprechende
Zeit auf dieser Temperatur gehaltenwird.
[0002] Ein Gußeisen mit Kugelgraphit mit austenitisch-bainitischem Grundgefüge ist, abgesehen
von den üblichen Anwendungsfällen, auch als Konstruktionswerkstoff für Bereiche geeignet,
in denen bisher ausschließlich Vergütungsstähle eingesetzt wurden, wie z. B. Kurbelwellen
für Kraftfahrzeugmotoren, Segmentwellen und Kolben für Hydrolenkungen, Zugsattelzapfen
für LKW-Sattelkupplungen, Gelenkwellenköpfe für Kraftfahrzeug-Gelenkwellen, Kupplungskörper
für Anhängerkupplungen.
[0003] Unter den Gußeisen mit Kugelgraphit sind Sorten mit bainitischem Gefüge seit langem
als hochfeste und verschleißbeständige Werkstoffe bekannt und im Einsatz. Dabei werden
die Gußstücke bei der Herstellung im allgemeinen auf eine Austenitisierungstemperatur
von 920 bis 950 °C erhitzt und auf dieser Temperatur zwei bis fünf Stunden gehalten,
bis die Matrix einer etwa gleichmäßigen Kohlenstoffgehalt angenommen hat und evtl.
nach dem Gießen vorhandener Ledeburit aufgelöst ist. Nach dem Austenitisieren werden
die Gußstücke dann so rasch abgekühlt, daß eine vorzeitige Austenit-Umwandlung zu
Perlit vor Erreichen der isothermen Bainit-Umwandlungstemperatur vermieden wird. Auf
dieser Temperatur wird das Gußstück so lange gehalten, bis die Bainit-Reaktion abgelaufen
ist. Danach wird - wie üblich - auf Raumtemperatur abgekühlt (Gießerei 65 (1978) Nr.
4 Seiten 73 bis 80).
[0004] Bekannt ist ferner ein Verfahren zur Herstellung von Gußeisen mit Kugelgraphit mit
bainitischem Gefüge, bei dem von einem legierten Gußeisen ausgegangen wird und direkt
im Zusammenhang mit dem sich an den Gießprozeß anschließenden Abkühlungsvorgang eine
Bainit-Reaktion durch auf die Wandstärke des Gußstückes abgestellten Gehalt an Nickel,
Molybdän, Kupfer evtl. auch Chrom und Mangan erzeugt wird (DE-A-1 808515).
[0005] Aus der DE-A-2 334 992 ist ferner ein Verfahren der eingangs genannten Gattung bekannt,
bei dem eine schwachlegierte Schmelze verwendet wird, die neben den herkömmlichen
Mengen an Kohlenstoff, Silizium, Phosphor, Schwefel und Magnesium 0,10 bis 0,26 %
Molybdän sowie 0,3 bis 1,4 % Mangan aufweist. Das daraus bestehende Gußstück wird
auf eine Austenitisierungstemperatur von 900 °C erwärmt und nach einer Haltezeit von
zwei Stunden in einem Bad von 370 °C abgekühlt. Die Haltezeit auf Bainitisierungstemperatur
beträgt 10 Minuten bis 4 Stunden. Infolge dieser Maßnahme läßt sich ein austenitisch-bainitisches
Gefüge einstellen, das eine Zugfestigkeit von 1 100 N/mm
2, eine Bruchdehnung von 10 % und eine Härte von 270 bis 300 HB aufweist.
[0006] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zur Herstellung von Gußstücken
aus Gußeisen mit Kugelgraphit mit austenitisch-bainitischem Mischgefüge vorzuschlagen,
durch das die für die Anwendung günstigen Werkstoffwerte nicht beeinträchtigt oder
sogar verbessert werden.
[0007] Zur Lösung dieser Aufgabe wird vorgeschlagen, daß die Schmelze weniger als 0,3 %
Mangan, 0,25 bis 0,8 % Molybdän, gegebenenfalls 0,1 bis 1,5 % Kupfer und gegebenenfalls
bis 3 % Nikkel enthält und daß das Gußstück auf eine Austenitisierungstemperatur von
800 bis 860 °C gebracht, 10 bis 60 Minuten auf dieser Temperatur gehalten, danach
in einer Zeit von weniger als 2 Minuten auf die Bainitisierungstemperatur abgekühlt
und 5 bis 60 Minuten auf dieser Temperatur gehalten wird.
[0008] Der Aufwand für die Wärmebehandlung ist beim erfindungsgemäßen Verfahren erheblich
geringer als bei den bekannten Verfahren, ohne daß dadurch die guten Werkstoffkennwerte
der ein austenitisch-bainitisches Gefüge aufweisenden Gußeisen mit Kugelgraphit beeinträchtigt
werden.
[0009] Mengenangaben für Mangan, Molybdän und Kupfer, mit denen besonders günstige Ergebnisse
erreicht werden können, sind den Patentansprüchen 2 bis 4 entnehmbar.
[0010] Der Anteil an Silizium kann 2,0 bis 3,0 %, vorzugsweise 2,2 bis 2,6 %, der Anteil
an Kohlenstoff 2,5 bis 3,7 %, vorzugsweise 3,0 bis 3,2 %, betragen.
[0011] Als vorteilhaft hat sich erwiesen, mit einer Austenitisierungstemperatur von 820
bis 830 °C zu arbeiten.
[0012] Es ist zweckmäßig, das Gußstück 10 bis 25 Minuten auf Austenitisierungstemperatur
und 20 bis 25 Minuten auf Bainitisierungstemperatur zu halten.
1. Verfahren zur Herstellung von Gußstücken aus Gußeisen mit Kugelgraphit mit austenitisch-bainitischem
Mischgefüge aus einer Schmelze mit den üblichen Mengen an Silizium, Kohlenstoff, Phosphor,
Schwefel und Magnesium sowie zusätzlichen Mengen an Mangan, Molybdän, gegebenenfalls
Kupfer und gegebenenfalls Nikkel, bei dem das Gußstück auf Austenitisierungstemperatur
erwärmt sowie bis zur Austenitisierung auf dieser Temperatur gehalten und an schließend
auf Bainitisierungstemperatur von 350 bis 400 °C abgekühlt und für eine dem gewünschten
Bainitanteil entsprechende Zeit auf dieser Temperatur gehalten wird, dadurch gekennzeichnet,
daß die Schmelze weniger als 0,3 % Mangan, 0,25 bis 0,8 % Molybdän, gegebenenfalls
0,1 bis 1,5 % Kupfer und gegebenenfalls bis 3 % Nickel enthält und daß das Gußstück
auf eine Austenitisierungstemperatur von 800 bis 860 °C gebracht, 10 bis 60 Minuten
auf dieser Temperatur gehalten, danach in einer Zeit von weniger als 2 Minuten auf
die Bainitisierungstemperatur abgekühlt und 5 bis 60 Minuten auf dieser Temperatur
gehalten wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Schmelze 0,01 bis 0,25
% Mangan enthält.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Schmelze 0,25
bis 0,4 % Molybdän enthält.
4. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß die Schmelze 0,4 bis 0,6 % Kupfer enthält.
5. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
daß die Schmelze 2,0 bis 3,0 % Silizium enthält.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Schmelze 2,2 bis 2,6
% Silizium enthält.
7. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet,
daß die Schmelze 2,5 bis 3,7 % Kohlenstoff enthält.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Schmelze 3,0 bis 3,2
% Kohlenstoff enthält.
9. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet,
daß die Austenitisierungstemperatur 820 bis 830 °C beträgt.
10. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet,
daß das Gußstück 10 bis 25 Minuten auf Austenitisierungstemperatur gehalten wird.
11. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet,
daß das Gußstück 20 bis 25 Minuten auf Bainitisierungstemperatur gehalten wird.
1. Method of producing castings from cast iron with spheroidal graphite with a mixed
austenitic- bainitic mixed structure from a melt with the usual amounts of silicon,
carbon, phosphorus, sulphur and magnesium and also additional amounts of manganese,
molybdenum, possibly copper and possibly nickel, in which the casting is heated to
austenitisation temperature and is also maintained, until austenitisation, at this
temperature and thereafter is cooled to bainitisation temperature of 350 to 400 °C
and is held at this temperature for a time corresponding to the required bainite fraction,
wherein the melt contains less than 0,3 % manganese, 0.25 to 0.8 % molybdenum, possibly
0.1 to 1.5 % copper and possibly up to 3 % nickel and wherein the casting is brought
to an austenitisation temperature of 800 to 860 °C, is maintained for 10 to 60 minutes
at this temperature, is thereafter cooled in a time of less than 2 minutes to the
bainitisation temperature and is maintained at this temperature for 5 to 60 minutes.
2. Method according to claim 1, wherein the melt contains 0.01 to 0.25 % of manganese.
3. Method according to claim 1 or 2, wherein the melt contains 0.25 to 0.4 % of molybdenum.
4. Method according to at least one of the claims 1 to 3, wherein the melt contains
0.4 to 0.6 % of copper.
5. Method according to at least one of the claims 1 to 4, wherein the melt contains
2.0 to 3.0 % of silicon.
6. Method according to claim 5, wherein the melt contains 2.2 to 2.6 % of silicon.
7. Method according to at least one of claims 1 to 6, wherein the melt contains 2.5
to 3.7 % of carbon.
8. Method according to claim 7, wherein the melt contains 3.0 to 3.2 % of carbon.
9. Method according to at least one of claims 1 to 8, wherein the austenitisation
temperature amounts to 820 to 830 °C.
10. Method according to at least one of the claims 1 to 9, wherein the casting is
maintained for 10 to 25 minutes at austenitisation temperature.
11. Method according to at least one of the claims 1 to 10, wherein the casting is
maintained for 20 to 25 minutes at bainitisation temperature.
1. Procédé de fabrication de pièces moulées en tonte à teneur en graphite sphéroïdal,
à structure mixte austénitique-bainitique, à partir d'une fusion ayant les quantités
habituelles de silicium, de carbone, de phosphore, de soufre et de magnésium ainsi
que des quantités additionnelles de manganèse, de molybdène, éventuellement de cuivre
et éventuellement de nickel, suivant lequel la pièce moulée est portée à la température
d'austénitisation, est maintenue à cette température jusqu'à J'austénitisation puis
est refroidie à la température de bainitisation de 350 à 400 °C et est maintenue à
cette température pendant un temps correspondant à la fraction bainitique désirée,
caractérisé en ce que la fusion contient moins de 0,3 % de manganèse, 0,25 à 0,8 %
de molybdène, éventuellement 0,1 à 1,5 % de cuivre et éventuellement jusqu'à 3 % de
nickel, et en ce que la pièce moulée est portée à une température d'austenitisation
de 800 à 860 °C, maintenue à cette température pendant 10 à 60 minutes puis, en un
espace de temps inférieur à 2 minutes, refroidie à la température de bainitisation
et maintenue à cette température pendant 5 à 60 minutes.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que la fusion contient de 0,01
à 0,25 % de manganèse.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que la fusion contient
de 0,25 à 0,4 % de molybdène.
4. Procédé selon au moins l'une des revendications 1 à 3, caractérisé en ce que la
fusion contient de 0,4 à 0,6 % de cuivre.
5. Procédé selon au moins l'une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que la
fusion contient de 2,0 à 3,0 % de silicium.
6. Procédé selon la revendication 5, caractérisé en ce que la fusion contient de 2,2
à 2,6 % de silicium.
7. Procédé selon au moins l'une des revendications 1 à 6, caractérisé en ce que la
fusion contient 2,5 à 3,7 % de carbone.
8. Procédé selon la revendication 7, caractérisé en ce que la fusion contient 3,0
à 3,2 % de carbone.
9. Procédé selon au moins l'une des revendications 1 à 8, caractérisé en ce que la
température d'austenitisation est de 820 à 830 °C.
10. Procédé selon au moins l'une des revendications 1 à 9, caractérisé en ce que la
pièce moulée est maintenue 10 à 25 minutes à la température d'austenitisation.
11. Procédé selon au moins l'une des revendications 1 à 10, caractérisé en ce que
la pièce moulée est maintenue 20 à 25 minutes à la tempérhature de bainitisation.