(19)
(11) EP 0 018 530 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
12.11.1980  Patentblatt  1980/23

(21) Anmeldenummer: 80101980.3

(22) Anmeldetag:  14.04.1980
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)3G03C 5/26
(84) Benannte Vertragsstaaten:
BE CH DE FR GB IT LI NL

(30) Priorität: 26.04.1979 DE 2916836

(71) Anmelder: Agfa-Gevaert AG
D-51373 Leverkusen (DE)

(72) Erfinder:
  • Wernicke, Ubbo, Dr.
    D-5068 Odenthal (DE)
  • Meckl, Heinz, Dr.
    D-5060 Bergisch-Gladbach 2 (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren zur Herstellung farbphotographischer Bilder


    (57) Das Verfahren zur Herstellung photographischer Bilder besteht darin, belichtete photographische Materialien mit einem Entwickler zu entwickeln, der eine erhöhte Bromionen-Konzentration aufweist, die für die Dauer des Gebrauches des Entwicklers konstant gehalten wird. Der Vorteil des Verfahrens liegt in der technisch unkomplizierten Regnerierbarkeit des Entwicklers.


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein verbessertes Verfahren zur Herstellung photographischer Bilder. Insbesondere betrifft die Erfindung ein verbessertes Umkehrverfahren zur Herstellung farbphotographischer Bilder mit Materialien, die mindestens eine Silberhalogenidemulsionsschicht enthalten.

    [0002] Bekanntlich werden bei der üblichen photographischen Entwicklung von Materialien mit Silberhal ogenidemulsionen Halogenidionen freigesetzt, die aus dem photographischen Material in den Entwickler diffundieren und sich dort anreichern.

    [0003] Es ist bekannt, daß die Entwicklung in Gegenwart von Halogenidionen, insbesondere von Bromid- oder Iodidionen, stark behindert werden kann. Man ist deshalb im allgemeinen bestrebt, den Halogenidgehalt im Entwickler möglichst gering zu halten.

    [0004] In üblichen Farbentwicklern entspricht die Bromidionenkonzentration deshalb nicht mehr als 0,6 - 1,5 g KBr pro Liter.' Es ist erforderlich, die gewählte Bromidionenkonzentration im Verlaufe des Entwicklungsverfahrens konstant zu halten (J.H. PRIESTHOFF, Journal of the SMPTE, 65 (1956) 473).

    [0005] Zu diesem Zweck ist es bekannt, dem Entwickler einen weitgehend halogenidfreien Regenerator zuzusetzen. Die hierzu erforderliche Menge an-Regenerator, der die zur Auffrischung des Entwicklers erforderlichen Chemikalien enthält, ist jedoch wesentlich höher als dem chemischen Verbrauch und der Ausschleppung der Entwicklerchemikalien aus dem Entwickler im Verlaufe der Entwicklung entspricht. Somit ist ein derartiges Verfahren unwirtschaftlich.

    [0006] Es ist weiterhin aus der GB-PS 835,556 bekannt, zur Aufbereitung von Entwicklern Ionenaustauscher einzusetzen. Diese entfernen die störenden Halogenidionen aus dem Entwickler, so daß ein mit dem Ionenaustauscher behandelter gebrauchter Entwickler erneut als Basis für einen Regenerator verwendet werden kann. Nachteilig an dem aus der GB-PS 835,556 bekannten Verfahren ist jedoch, daß unter den angegebenen Bedingungen relativ wenig Bromidionen vom Ionenaustauscher gebunden werden. Um die aus dem photographischen Material bei der Entwicklung freigesetzten, relativ hohen Halogenidmengen aufzunehmen, müssen daher hohe Ionenaustauschermengen eingesetzt werden, die aus wirtschaftlichen Gründen in einem komplizierten Verfahren wieder aufbereitet werden müssen. Ein weiterer Nachteil des Verfahrens ist, daß sich - insbesondere bei größeren Mengen an Ionenaustauschern - störend bemerkbar macht, daß diese Ionenaustauscher unter anderem auch die im Entwickler enthaltenen Entwicklersubstanzen selbst binden. Dieses führt neben den Verlusten an Ent- wicklersubstanz außerdem zu einer fortlaufenden Veränderung der Aufnahmefähigkeit der Ionenaustauscher für Halogenid ionen und infolgedessen zu einem veränderlichen Bromidionengehalt im behandelten Entwickler. Dieses macht eine laufende analytische Kontrolle sowie entsprechende Korrekturen notwendig.

    [0007] Eine Aufgabe der Erfindung bestand deshalb darin, ein Verfahren zur Entwicklung photographischer Bilder aufzufinden, bei dem die benötigten Entwickler ohne nennenswerten technischen Aufwand wirtschaftlich regeneriert und gegebenenfalls erneut verwendet werden können.

    [0008] Insbesondere sollte der Wirkungsgrad des Einsatzes von Austauscherharzen bedeutend erhöht werden, wobei jedoch zwei technisch zunächst kaum lösbar erscheinende Kennzeichen zu erfüllen waren:

    gesteigerter Wirkungsgrad der Austauscherharze bei der Aufnahme von Ionen aus Entwicklerlösungen bei gleichzeitig verminderten Verlusten an den Entwicklersubstanzen selbst.



    [0009] Es wurde nun ein Verfahren zur Herstellung photographischer Bilder gefunden, bei dem ein belichtetes photographisches Material,.welches mindestens eine Silberhalogenidemulsionsschicht enthält, mit einem Entwickler behandelt wird und wobei dieses Verfahren dadurch gekennzeichnet ist, daß

    a) der Entwickler eine Bromidionenkonzentration aufweist, die erheblich über den üblichen Konzentrationen liegt und beispielsweise wenigstens das Doppelte oder Dreifache der üblichen Konzentrationen beträgt.

    b) der Bromidionengehalt dieses Entwicklers im wesentlichen oder ganz ohne analytische Kontrollen konstant gehalten werden kann.



    [0010] Geeignete Bromidionenkonzentrationen weisen mindestens 3 g KBR pro Liter, vorzugsweise mindestens 6 g KBr pro Liter und in einer besonders bevorzugten Ausführungsform wenigstens 10 g KBr pro Liter auf. Die Bromide werden im allgemeinen in Form von Alkalimetallbromiden eingesetzt.

    [0011] Dienen die genannten Farbentwickler überwiegend zur Entwicklung von photographischen Materialien mit sehr geringer Schichtdicke und/oder sehr geringem Silberauftrag, sö können die genannten Gleichgewichtskonzentrationen an Bromid deutlich geringer sein, betragen jedoch nach wie vor wenigstens das Doppelte bzw. das Dreifache der üblichen Konzentrationen.

    [0012] Die zur Regulierung der Bromidionenkonzentration verwendeten Verfahren entsprechen den an sich bekannten. Beispielsweise können Membran-Trennverfahren verwendet werden.

    [0013] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform werden zur Regulierung des Bromidgehaltes Ionenaustauscher benutzt. Als besonders geeignet haben sich dabei stark basische Ionenaustauscher auf Styrol-Divinylbenzol erwiesen, wie sie beispielsweise in der DE-P 1 045 102 beschrieben sind. Die Entwicklungskinetik des erfindungsgemäß zu verwendenden Entwicklers kann gegebenenfalls durch an sich bekannte Maßnahmen beeinflußt werden, so daß sie der eines üblichen bromidarmen Entwicklers entspricht. Beispielsweise können folgende Wege eingeschlagen werden:

    a) Die Temperatur des Entwicklers wird erhöht;

    b) die Entwicklungsdauer wird verlängert;

    c) dem Entwickler, insbesondere dem Farbentwickler bei der Umkehrcolorverarbeitung, werden Entwicklungsbeschleuniger zugegeben.



    [0014] Zur Entwicklung können die üblichen Farbentwicklersubstanzen verwendet werden, z.B.

    N,N-Dimethyl-p-phenylendiamin

    4-Amino-3-methyl-N-äthyl-N-methoxyäthylanilin

    Monomethyl-p-phenylendiamin

    2-Amino-5-diäthylaminotoluol

    N-Butyl-N-ω-sulfobutyl-p-phenylendiamin

    2-Amino-5-(N-äthyl-N-ß-methansulfonamidäthyl-amino)-toluol

    N-Äthyl-N-ß-hydroxyäthyl-p-phenylendiamin

    N,N-Bis-(ß-hydroxyäthyl)-p-phenylendiamin

    2-Amino-5-(N-äthyl-N-B-hydroxyäthylamino)-toluol


    und dergleichen.

    [0015] Weitere brauchbare Farbentwickler sind beispielsweise beschrieben in J.Amer.Chem.Soc. 72, 3100 (1951).

    [0016] Das erfindungsgemäße Verfahren ist auf die Behandlung eines lichtempfindlichen photographischen Materials anwendbar, welches Kuppler enthält. Bei diesen Verbindungen kann es sich um die üblichen Farbkuppler handeln, die in der Regel den Silberhalogenidschichten selbst einverleibt sind. So enthält die rotempfindliche Schicht beispielsweise einen nicht diffundierenden Farbkuppler zur Erzeugung des blaugrünen Teilfarbenbildes, in der Regel einen Kuppler vom Phenol- oder α-Naphthol-typ. Die grünempfindliche Schicht enthält mindestens einen nicht diffundierenden Farbkuppler zur Erzeugung des purpurnen Teilfarbenbildes, wobei üblicherweise Farbkuppler vom Typ des 5-Pyrazolons oder des Indazolons Verwendung finden. Die blauempfindliche Schichteinheit schließlich enthält mindestens einen nicht diffundierenden Farbkuppler zur Erzeugung des gelben Teilfarbenbildes, in der Regel einen Farbkuppler mit einer offenkettigen Ketomethylengruppierung. Farbkuppler dieser Arten sind in großer Zahl bekannt und in einer Vielzahl von Patentschriften beschrieben. Beispielhaft sei hier auf die Veröffentlichung "Farbkuppler" von W. PELZ in "Mitteilungen aus den Forschungslaboratorien der Agfa, Leverkusen/München", Band III (1961) und

    [0017] K. VENKATARAMAN in "The Chemistry of Synthetic Dyes", Vol. 4, 341 - 387, Academic Press, 1971, hingewiesen.

    [0018] Als nicht diffundierende Farbkuppler können 2-Äquivalentkuppler verwendet werden; diese enthalten in der Kupplungsstelle einen abspaltbaren Substituenten, so daß sie zur Farbbildung nur zwei Äquivalente Silberhalogenid benötigen im Unterschied zu den üblichen 4-Äquivalentkupplerno Zu den eihsetzbaren 2-Äquivalentkupplern gehören beispielsweise die bekannten DIR-Kuppler, bei denen der abspaltbare Rest nach Reaktion mit Farbentwickleroxidationsprodukten als diffundierender Entwicklungsinhibitor in Freiheit gesetzt wird. Weiterhin können zur Verbesserung der Eigenschaften des photographischen Materials die sogenannten Weißkuppler eingesetzt werden.

    [0019] Die nicht diffundierenden Farbkuppler und farbgebenden Verbindungen werden den lichtempfindlichen Silberhalogenidemulsionen oder sonstigen Gießlösungen nach üblichen bekannten Methoden zugesetzt. Wenn es sich um wasser- oder alkalilösliche Verbindungen handelt, können sie den Emulsionen in Form von wässrigen Lösungen, gegebenenfalls unter Zusatz von mit Wasser mischbaren organischen Lösungsmitteln wie Ethanol, Aceton oder Dimethylformamid, zugesetzt werden. Soweit es sich bei den nicht diffundierenden Farbkupplern und farbgebenden Verbindungen um wasser- bzw. alkaliunlösliche Verbindungen handelt, können sie in bekannter Weise emulgiert werden, zoBo indem eine Lösung dieser Verbindungen in einem niedrigsiedenden organischen Lösungsmittel direkt mit der Silberhalogenidemulsion oder zunächst mit einer wässrigen Gelatinelösung vermischt wird, worauf das organische Lösungsmittel in üblicher Weise entfernt wird. Ein so erhaltenes Gelatineemulgat der jeweiligen Verbindung wird anschließend mit der Silberhalogenidemulsion vermischt. Gegebenenfalls verwendet man zur Einemulgierung derartiger hydrophober Verbindungen zusätzlich noch sogenannte Kupplerlösungsmittel oder Ölformer; das sind in der Regel höhersiedende organische Verbindungen, die die in den Silberhalogenidemulsionen zu emulgierenden nicht diffundierenden, Farbkuppler und Entwicklungsinhibitor abspaltenden Verbindungen in Form öliger Tröpfchen einschließen. Verwiesen sei in diesem Zusammenhang beispielsweise auf die US-Patentschriften 2 322 027, 2 533 514, 3 689 271 und 3 765 897.

    [0020] Für die vorliegende Erfindung sind die üblichen Silberhalogenidemulsionen geeignet. Diese können als Silberhalogenid.Silberchlorid, Silberbromid, Silberiodid oder Gemische davon enthalten. Als Bindemittel für die photographischen Schichten wird vorzugsweise Gelatine verwendet. Diese kann jedoch ganz oder teilweise durch andere natürliche oder synthetische Bindemittel ersetzt werden. An natürlichen Bindemitteln sind z.B. Alginsäure und deren Derivate wie Salze, Ester oder Amide, Cellulose-Derivate wie Carboxymethylcellulose, Alkylcellulose wie Hydroxyethylcellulose, Stärke oder deren Derivate wie Ether oder Ester oder Caragenate geeignet. An synthetischen Bindemitteln seien erwähnt Polyvinylalkohol, teilweise verseiftes Polyvinylacetat, Polyvinylpyrrolidon und dergleichen.

    [0021] Die Emulsionen können auch chemisch sensibilisiert werden, z.B. durch Zusatz schwefelhaltiger Verbindungen bei der chemischen Reifung, beispielsweise Allylisothiocyanat, Allylthioharnstoff, Natriumthiosulfat und ähnliche. Als chemische Sensibilisatoren können ferner auch Reduktionsmittel, z.B. die in den belgischen Patentschriften 493 464 oder 568 687 beschriebenen Zinnverbindungen, ferner Polyamine wie Diethylentriamin, oder Aminomethansulfinsäure-Derivate, z.B. gemäß der belgischen Patentschrift 547 323, verwendet werden.

    [0022] Geeignet als chemische Sensibilisatoren sind auch Edelmetalle wie Gold, Platin, Palladium, Iridium, Ruthenium oder Rhodium, sowie Verbindungen dieser Metalle. Diese Methode der chemischen Sensibilisierung ist in dem Artikel von R. KOSLOWSKY, Z.Wiss.Phot., 46, 65 - 72 (1951), beschrieben.

    [0023] Es ist ferner möglich, die Emulsionen mit Polyalkylenoxid-Derivaten zu sensibilisieren, z.B. mit Polyethylenoxid eines Molekulargewichts zwischen 1000 und 20.000, ferner mit Kondensationsprodukten von Alkylenoxiden und aliphatischen Carbonsäuren, aliphatischen Aminen, aliphatischen Diaminen und Amiden. Die Kondensationsprodukte haben ein Molekulargewicht von mindestens 700, vorzugsweise von mehr als 1000. Zur Erzielung besonderer Effekte kann man diese Sensibilisatoren selbstverständlich kombiniert verwenden, wie in der belgischen Patentschrift 537 278 und in der britischen Patentschrift 727 982 beschrieben. Die Emulsionen können auch spektral sensibilisiert sein, z.B. durch die üblichen Mono- oder Polymethinfarbstoffe, wie saure oder basische Cyanine, Hemicyanine, Streptocyanine, Merocyanine, Oxonole, Hemioxonole, Styrylfarbstoffe oder anderen, auch drei- oder mehrkernige Methinfarbstoffe, beispielsweise Rhodacyanine oder Neocyanine. Derartige Sensibilisatoren sind beispielsweise beschrieben in dem Werk von F.M. HAMER "The Cyanine Dyes and Related Compounds" (1964), Interscience Publishers John Wiley and Sons, New York. Die Emulsionen können die üblichen Stabilisatoren enthalten wie z.B. homöopolare oder salzartige Verbindungen des Quecksilbers mit aromatischen oder heterocyclischen Ringen wie Mercaptotriazole, einfache Quecksilbersalze, Sulfoniumquecksilberdoppelsalze und andere Quecksilberverbindungen. Als Stabilisatoren sind ferner geeignet Azaindene, vorzugsweise Tetra- oder Pentaazaindene, insbesondere solche, die mit Hydroxyl-oder Aminogruppen substituiert sind. Derartige Verbindungen sind in dem Artikel von BIRR, Z.Wiss.Phot., 47, 2 - 58 (1952), beschrieben. Weitere geeignete Stabilisatoren sind u.a. heterocyclische Mercaptoverbindungen, z.B. Phenylmercaptotetrazol, quaternäre Benzthiazol-Derivate, Benztriazol und ähnliche.

    [0024] Die Emulsionen können in der üblichen Weise gehärtet sein, beispielsweise mit Formaldehyd oder halogensubstituierten Aldehyden, die eine Carboxylgruppe enthalten wie Mucobromsäure, Diketonen, Methansulfonsäureestern, Dialdehyden und dergleichen. Weiterhin können die photographischen Schichten mit Härtern des Epoxityps, des heterocyclischen Ethylenimins oder des Acryloyltyps gehärtet werden. Beispiele derartiger Härter sind z.B. in der Deutschen Offenlegungsschrift 2 263 602 oder in der britischen Patentschrift 1 266 655 beschrieben. Weiterhin ist es auch möglich, die Schichten gemäß dem Verfahren der Deutschen Offenlegungsschrift 2 218 009 zu härten, um farbphotographische Materialien zu erzielen, die für eine Hochtemperaturverarbeitung geeignet sind.

    [0025] Es ist ferner möglich, die photographischen Schichten bzw. die farbphotographischen Mehrschichtenmaterialien mit Härtern der Diazin-, Triazin- oder 1,2-Dihydrochinolin-Reihe zu härten, wie in den britischen Patentschriften 1 193 290, 1 251 091, 1 306 544, 1 266 655, der französischen Patentschrift 71 02 716 oder der deutschen Patentanmeldung P 23 32 317.3 (A-G 1110) beschrieben ist. Beispiele derartiger Härter sind alkyl- oder arylsulfonylgruppenhaltige Diazin-Derivate, Derivate von hydrierten Diazinen oder Triazinen wie z.B. 1,3,5-Hexahydrotriazin, fluorsubstituierte Diazin-Derivate wie z.B. Fluorpyrimidine, Ester von 2-substituierten 1,2-Dihydrochinolin-oder 1,2-Dihydroisochinolin-N-carbonsäuren. Brauchbar sind weiterhin Vinylsulfonsäurehärter, Carbodiimid- oder Carbamoylhärter wie z.B. in den Deutschen Offenlegungsschriften 2 263 602, 2 225 230 und 1 808 685., der französischen Patentschrift 1 491 807, der deutschen Patentschrift 872 153 und der DDR-Patentschrift 7218 beschrieben. Weitere brauchbare Härter sind beispielsweise in der britischen Patentschrift 1 268 550 beschrieben.

    [0026] Es werden die üblichen Schichtträger verwendet. Geeignet sind z.B. Folien aus Cellulosenitrat, Celluloseacetat wie Cellulosetriacetat, Polystyrol, Polyester wie Polyethylenterephthalat, Polyolefine wie Polyethylen oder Polypropylen, eine barytierte oder eine polyolefin-kaschierte, wie z.B. eine polyethylen-kaschierte, Papierunterlage sowie Glas und dergleichen.

    [0027] Das erfindungsgemäße Verfahren ist insbesondere geeignet für die Farbentwicklung photographischer Materialien. Beispielsweise wird bildmäßig belichtetes photographisches Umkehrmaterial mit mindestens einer Silberhalogenidemulsionsschicht einer Schwarz-Weiß-Entwicklung und gegebenenfalls weiteren Zwischenbädern unterworfen. Anschließend wird das photographische Material in bekannter Weise verschleiert und das so behandelte photographische Material in einem erfindungsgemäß zu verwendenden Zweitentwickler (Farbentwickler) unter Bildung eines positiven Umkehrbildes entwickelt.

    [0028] Die Vorteilhaftigkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens liegt neben der bedeutenden Verringerung der benötigten Volumina in der einfachen Handhabung der Regenerierung der eingesetzten Entwickler begründet. Es sind somit keine komplizierten Apparaturen zur Wiederaufbereitung der gebrauchten Entwickler erforderlich.Außerdem sind durch die gesteigerte Aufnahmefähigkeit der Ionenaustauscher vergleichsweise nur geringe Mengen an Ionenaustauschern erforderlich.

    [0029] Soll beispielsweise die Konzentration von Kaliumbromid in einem gebrauchten Entwickler von 10 g pro Liter auf 8 g pro Liter Kaliumbromid gesenkt werden, so sinderfindungsgegemäß nur ca. 1 kg Ionenaustauscher pro 100 1 Entwickler erforderlich, während für die Entfernung der gleichen Menge Bromid aus einem Entwickler mit einem Gehalt von 2 g Kaliumbromid pro Liter unter sonst gleichen Bedingungen ca. 10 kg Ionenaustauscher erforderlich sind.

    [0030] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird durch Behandlung eines gebrauchten Entwicklers mit geringen Mengen eines Ionenaustauschers eine konstante und reproduzierbare Entwicklerzusammensetzung erhalten, die nach Zusatz erforderlicher Ergänzungschemikalien (Rejuvenator) als Regenerator wieder verwendet werden kann.

    [0031] Es war zwar aus den US-Patentschriften 3 183 087 und 3 523 793 bekannt, zur Entwicklung von Umkehrmaterialien Entwickler mit einem hohen Bromidgehalt zu verwenden. In beiden Fällen handelt es sich jedoch um ganz spezielle Schwarz-Weiß-Entwickler, mit denen keine Farbentwicklung erfolgt.

    [0032] Aus der US-Patentschrift 3 627 530 ist ein Schnellentwicklungsverfahren bekannt, bei dem Entwickler mit einem höheren Brcmidgehalt eingesetzt werden. Die aus dieser Patentschrift bekannten Entwickler mit einem hohen Bromidgehalt werden für Sch-nellverarbeitungsprozesse verwendet. Sie sind für andere Verarbeitungsverfahren nicht geeignet.

    [0033] Die Vorteilhaftigkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens gegenüber den bisher bekannten Verfahren ist um so erstaunlicher, als aus der Deutschen Offenlegungsschrift 2 226 771 bekannt ist, daß Bromide in hohen Konzentrationen die Entwicklung photographischer Materialien beeinträchtigen.

    [0034] Das erfindungsgemäße Verfahren wird durch die folgenden Beispiele erläutert:

    Beispiel 1



    [0035] 1 Liter eines für die Umkehrfarbentwicklung geeigneten Farbentwicklers mit einem Gehalt an 2 g Kaliumbromid werden mit 10 g eines stark basischen Anionenaustauschers auf der Basis Styrol-divinylbenzol gemäß DE-PS 1 045 102 versetzt und 2 Stunden gerührt. Danach wird vom Anionenaustauscher abfiltriert. Die Bromidionenkonzentration im Filtrat ist aus Tabelle 1 ersichtlich. Der verwendete Farbentwickler hatte pro Liter folgende Zusammensetzung:

    [0036] 


    Beispiel 2



    [0037] Es wird wie in Beispiel 1 verfahren, jedoch wird ein KBr-Gehalt von 10 g pro Liter im Farbentwickler vorgegeben. Der KBr-Gehalt nach Behandlung mit dem Anionenaustauscher im Filtrat ist aus Tabelle 1 ersichtlich.

    [0038] 

    Es zeigt sich also, daß beim erfindungsgemäßen Verfahren (Beispiel 2) mit der gleichen Menge an Anionenaustauscher eine wesentlich größere Menge an Kaliumbromid vom Anionenaustauscher absorbiert wird.

    Beispiel 3



    [0039] Ein photographisches Material folgenden Aufbaus wird in üblicher Weise bildmäßig belichtet und der angegebenen Umkehrverarbeitung unterworfen:

    Aufbau des photographischen Materials



    [0040] Schicht 1: Eine Blaugrünschicht, enthaltend eine Silberbromidjodidemulsion mit 7 Mol-% Jodid, hergestellt gemäß Glafkides "Photographic Chemistry", Vol. 1, Seite 289 ff, Fountain Press, London 1958. Der Silbergehalt der Emulsion beträgt - ausgedrückt in AgN03 - 100 g pro kg Emulsion. Die Emulsion wird in bekannter Weise durch Zusätze von Schwefelverbindungen und Gold-I-Verbindungen gereift. Sie ist für den roten Spektralbereich sensibilisiert und enthält einen Farbkuppler folgender Formel:



    [0041] Schicht 2: Eine zweite Blaugrünschicht, enthaltend eine Silberbromidjodidemulsion mit 6 Mol-% Jodid, hergestellt nach dem unter Schicht 1 beschriebenen Verfahren, jedoch mit einer höheren Empfindlichkeit. Die Schicht enthält den gleichen Farbkuppler wie Schicht 1.

    [0042] Schicht 3: Eine Purpurschicht, enthaltend eine Silberbromidjodidemulsion wie unter Schicht 1 beschrieben, jedoch für den grünen Spektralbereich sensibilisiert. Sie enthält einen Kuppler folgender Formel:



    [0043] Schicht 4: Eine zweite Purpurschicht enthaltend eine Emulsion, wie unter Schicht 2 beschrieben, jedoch für den grünen Spektralbereich sensibilisiert und mit dem gleichen Kuppler wie Schicht 3.

    [0044] Schicht 5: Eine Gelbfilterschicht aus einem Silbersol.

    [0045] Schicht 6: Eine Gelbschicht, enthaltend eine Silberbromidjodidemulsion mit 4 Mol-% Jodid, hergestellt wie unter Schicht 1 beschrieben, die für den blauen Spektralbereich empfindlich ist. Die Schicht enthält einen Kuppler folgender Formel:



    [0046] Schicht 7: Eine weitere Gelbschicht enthaltend eine Silberbromidjodidemulsion mit 6 Mol-% Jodid, hergestellt wie unter Schicht 1 beschrieben, jedoch mit einer höheren Empfindlichkeit im blauen Spektralbereich als Schicht 6. Die Schicht enthält den gleichen Farbkuppler wie Schicht 6.

    [0047] Schicht 8: Der Aufbau wird mit einer Schutzschicht abgeschlossen. Die hierzu verwendete Gießlösung enthält neben dem Härtungs- und Netzmittel 1,6 % Gelatine. Auftrag entsprechend 50 ml/qm.

    Verarbeitung I



    [0048] Das bildmäßig belichtete Material wird 8 Minuten lang bei 30°C in dem folgenden Erstentwickler I entwickelt. Anschließend wird das photographische Material einem Stoppbad unterworfen, gewässert, zweitbelichtet und 6 Minuten lang in dem Entwickler II bei 30°C entwickelt. Nach der Zweitentwicklung wird wie üblich gebleicht und fixiert, gewässert und getrocknet. Der Entwickler II entspricht dem in Beispiel 1 angegebenen Entwickler.

    [0049] Entwickler I (Konzentration pro Liter)

    [0050] 

    pH-Wert: 10,0

    Verarbeitung II



    [0051] Es wird wie unter Verarbeitung I angegeben verfahren mit folgender Abänderung:

    [0052] Der Entwickler II enthält 10 g Kaliumbromid;

    [0053] Zeitdauer der Zweitentwicklung: 10 Minuten bei 30°C.

    Verarbeitung III



    [0054] Es wird wie unter Verarbeitung I angegeben verfahren mit folgender Abänderung:

    [0055] Der Entwickler II enthält 10 g Kaliumbromid; Zeitdauer der Zweitentwicklung: 6 Minuten bei 38°C.

    Verarbeitung IV



    [0056] Es wird wie unter Verarbeitung I angegeben verfahren mit folgender Abänderung:

    [0057] Der Entwickler II enthält 20 g Kaliumbromid;

    [0058] Zeitdauer der Zweitentwicklung: 6 Minuten bei 38°C.

    [0059] Es werden folgende Maximaldichten erhalten:



    [0060] Wie aus dem Vergleich der Verarbeitungsverfahren I bis IV ersichtlich ist, werden bei dem erfindungsgemäßen Verfahren (II bis IV) praktisch die gleichen Maximaldichten erreicht bzw. überschritten wie bei typgemäßer Verarbeitung. Der Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens gegenüber dem Vergleichsverfahren (Typ) liegt darin, daß - wie aus Beispiel 1 ersichtlich - die Aufbereitung des gebrauchten Entwicklers zur Wiederverwendung weitaus einfacher und wirtschaftlicher zu handhaben ist.


    Ansprüche

    1. Verfahren zur Herstellung farbphotographischer Bilder durch Behandlung eines belichteten photographischen Materials, welches mindestens eine Silberhalogenidemulsionsschicht enthält, mit einem Farbentwickler, dadurch gekennzeichnet, daß

    a) der Farbentwickler eine Bromidionenkonzentration aufweist, die wenigstens 3 g KBr pro Liter Farbentwickler entspricht

    b) der Bromidionengehalt des Entwicklers mit einem Trennverfahren konstant gehalten wird.


     
    2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Bromidionenkonzentration durch Behandlung des Entwicklers mit einem Ionenaustauscher konstant gehalten wird.
     
    3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Gehalt an Bromidionen wenigstens 6 g KBr pro Liter entspricht.
     
    4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Entwicklungskinetik des Farbentwicklers der eines bromidarmen Entwicklers dadurch angeglichen wird, daß

    a) die Entwicklungstemperatur erhöht wird und/oder

    b) die Entwicklungsdauer verlängert wird und/oder

    c) dem Entwickler Entwicklungsbeschleuniger zugegeben werden.