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EP 0 020 819 A1 |
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EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG |
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Veröffentlichungstag: |
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07.01.1981 Patentblatt 1981/01 |
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Anmeldetag: 28.12.1979 |
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Internationale Patentklassifikation (IPC)3: C21C 1/08 |
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Benannte Vertragsstaaten: |
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AT CH DE FR GB IT SE |
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Priorität: |
28.06.1979 DE 2926020
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Anmelder: Buderus Aktiengesellschaft |
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D-6330 Wetzlar (DE) |
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Erfinder: |
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- Feuring, Kurt, Dipl.-Ing.
D-6336 Solms-Niederbiel (DE)
- Gaede, Gerhard, Dipl.-Ing.
D-6330 Wetzlar (DE)
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Vertreter: Benner, Alwin, Dipl.-Ing. |
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Buderus Aktiengesellschaft
ZA-Patentabteilung
Postfach 1220 D-6330 Wetzlar D-6330 Wetzlar (DE) |
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Entgegenhaltungen: :
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Verfahren zur Herstellung von Gussstücken aus Gusseisen mit Vermicular-Grafit |
(57) Durch die Behandlung einer Eisenschmelze mit einer bestimmten Vorlegierung aus Silizium,
Magnesium, Titan, Kalzium und Metallen der seltenen Erden ist es möglich, eine kompakte
Grafitform, sogenannten Vermicular-Grafit, zu erzeugen. Die Erzeugung erfolgt durch
Zugabe der grobkörnigen Vorlegierung in die Pfanne. Die Schwefelgehalte der Schmelze
dürfen in einem recht großen Bereich schwanken. Ein Ausgleich erfolgt durch die Menge
an Vorlegierung.
Um auch dünnwandige Gußstücke aus einem Gußeisen mit Vermicular-Grafit herstellen
zu können, wird die Zugabe einer feinkörnigen Vorlegierung zu einer Schmelze mit einem
sehr genau eingestellten Schwefelgehalt während des Gießens vorgeschlagen, vorzugsweise
durch Einfüllen in eine Behandlungskammer im Eingußsystem der Gießform. Es wird ein
gleichmäßiges Gußgefüge mit Vermicular-Grafit ohne Karbidausbildung erzielt.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren nach dem Oberbegriff des Patentanspruhhes und
die Verwendung des nach diesem Verfahren hergestellten Materials.
[0002] In der DE-OS 27 05 630 ist ein Verfahren zur Herstellung des speziellen Gußeisens
beschrieben. Die in dieser Schrift erwähnte Vorlegierung enthält Magnesium zur Bildung
von Grafitkugeln. Da Titan die Kugelbildung behindert, entsteht schließlich Vermicular-Grafit.
Der Kalzium-Bestandteil verbessert die Fähigkeit, Vermicular-Grafit im Gußeisen zu
erzeugen, und zwar über einem großen Bereich an ursprünglich vorhandenem Schwefel.
Bezüglich des Schwefelgehaltes der Schmelze sind ausführliche Untersuchungen angestellt
worden mit dem Ergebnis, daß die Vorlegierung bei Schwefelgehalten im Bereich von
0,01 bis 0,035 % verwendet werden kann, was insbesondere dem Kalziumzusatz zugeschrieben
wird.
[0003] Die genannte Vorlegierung ist in grober Körnung im Handel. Sie wird der Schmelze
in der Pfanne zugesetzt, und zwar unter Berücksichtigung der jeweils vorhandenen Schwefelgehalte.
Ein Problem bei dieser Behandlungsart ist das mögliche Abklingen der Behandlung. Die
Schmelze muß deshalb schnell vergossen werden. Die recht grobe Körnung verhindert
zudem eine völlig gleichmäßige Verteilung in der Schmelze. Aus diesem Grunde scheidet
das Behandlungsverfahren zur Erzeugung von Gußstücksarten mit dünnen Wandstärken aus.
Es ist nämlich weder eine gleichmäßige Ausbildung von Vermicular-Grafit noch ein einheitlich
weiches Gußgefüge ohne Karbidausbildungen zu erzielen. Diese Nachteile als Folge der
groben Körnung der Vorlegierung und deren Einsatz in der Pfanne werden noch durch
den empfohlenen, weit gespreizten Schwefelgehalt der Schmelze verstärkt. Es hat sich
als unmöglich erwiesen, nach den Angaben in der DE-OS 27 05 630 ein brauchbares Gußeisen
mit Vermicular-Grafit für dünnwandige,schnell erstarrende Gußstücke zu erzeugen.
[0004] Der Erfindung lag die Aufgabe zugrunde, dem Gußeisen mit Vermicular-Grafit einen
neuartigen Einsatzbereich zu erschließen, für den das bisher bekannte Behandlungsverfahren
nicht geeignet war. Dieser Einsatzbereich sind dünnwandige Gußstücke, bei denen es
auf ein karbidfreies Gußgefüge und auf eine gleichmäßige Ausbildung und Verteilung
des Vermicular-Grafits ankommt. Zu diesem Zweck soll ein Verfahren zur Herstellung
eines Gußeisens mit Vermicular-Grafit geschaffen werden, bei dem das Abklingen der
Behandlung verhindert wird und bei dem die Verteilung des Vermicular-Grafits über
die Schmelze gleichmäßig ist. Dabei soll außerdem die Ausscheidung von Karbiden verhindert
werden.
[0005] Die gestellte Aufgabe wird durch die im Patentanspruch erwähnten Verfahrensschritte
gelöst.
[0006] Die Mängel der bisher eingesetzten grobkörnigen Vorlegierung werden durch die speziell
zu diesem Zweck hergestellte Feinkörnung beseitigt. Es ergibt sich eine wesentlich
bessere Auflösung und Verteilung, was zu einer einwandfreien Ausbildung des Vermicular-Grafits
auch bei dünnwandigen Gußstücken führt.
[0007] Die Eingabe einer Vorlegierung in die zu behandelnde Schmelze während des Eingießens
in die Gießform, etwa durch Eingabe in eine Behandlungskammer im Eingußsystem, ist
aus der DE-AS 19 36 153 und der DE-AS 25 18 367 an sich bekannt. Es handelt sich dort
aber ausschließlich um die Erzeugung von Gußeisen mit Kugelgrafit. Die Anwendung dieses
Verfahrens für andere Gußeisensorten, insbesondere für Gußeisen mit Vermicular-Grafit,
ist dort weder angedeutet noch nahegelegt worden.
[0008] Die eingangs genannte DE-OS 27 05 630 erfaßt Schmelzen mit einem Schwefelgehalt von
0,01 bis 0,035 %. Sie deutet jedoch nicht an, daß gerade bei etwa 0,02 % Schwefel
hervorragende Ergebnisse bezüglich der Vermicular-Grafit-Ausbildung und eines karbidfreien
Gußgefüges bei dünnwandigen Gußstücken erzielt werden. Ein solcher Schwefelgehalt
ist auch bei den bekannten Verfahren zur Herstellung von Gußeisen mit Kugelgrafit
nirgends als besonders günstig angegeben. Dort strebt man bewußt niedrigere Schwefelgehalte
um 0,01 % an.
[0009] Der im Patentanspruch genannte Körnungsbereich von etwa 1-3 mm schließt ein nach
oben und unten begrenztes Körnungsspektrum ein, welches weitgehend frei von Staubanteilen
ist und eine obere Grenze von 4 mm besitzt. Auf jeden Fall ist die Körnung wesentlich
kleiner als die bisher übliche und ausschließlich im Handel erhältliche Körnung der
Vorlegierung von etwa 10-30 mm.
[0010] Während bisher ein Schwefelgehalt von 0,01 bis 0,035 % zugelassen war und die Menge
der Vorlegierung je nach dem gerade vorhandenen Schwefelgehalt eingestellt wurde,
wird gemäß der Erfindung ein fester Schwefelgehalt in der Schmelze eingestellt, um
immer mit einer konstanten Vorlegierungsmenge arbeiten zu können. Das Einstellen des
Schwefelgehaltes in der Schmelze ist natürlich wesentlich schwieriger als eine Anpassung
der Vorlegierungsmenge an den gerade vorhandenen Schwefelgehalt. Dafür bringt aber
nur diese Methode unter Verwendung eines ganz eng begrenzten Schwefelgehaltes die
gewünschten Ergebnisse bei dünnwandigen Gußstücken. Der in Patentanspruch genannte
Schwefelgehalt von etwa 0,02 % schließt je nach Art der Vorlegierung und nach Ausbildung
der Behandlungskammer einen Bereich um 0,02 bis 0,03 % mit einer Abweichung von höchstens
t 10 % vom genau festgelegten Wert ein.
[0011] Es wurde festgestellt, daß bei einer Verwendung einer einzigen Behandlungskammer,
wie sie bei der Herstellung von Gußeisen mit Kugelgrafit üblich ist, einige nicht
ausreichend behandelte Zonen im Gußstück entstehen. Dieses wird durch eine zusätzliche
vom ersten Gießstrahl zu erreichende Behandlungskammer abgestellt, in die ein Teil
der Vorlegierung eingefüllt wird. Hier kann evtl. auch ein gewisser überschüssiger
Anteil an Vorlegierung eingesetzt werden. Der erste Gießstrahl, der bisher nicht genügend
zur Auflösung der Vorlegierung beitragen konnte, wird jetzt ebenfalls ausreichend
behandelt. Als zusätzliche Behandlungskammer empfiehlt sich der Bereich unter dem
Eingußtrichter.
[0012] Es ist auch möglich, den zusätzlichen Anteil an Vorlegierung direkt in den Gießstrahl
einzugeben. Eine vollständige Behandlung im Gießstrahl ist grundsätzlich ebenfalls
denkbar. Hierfür muß die gesamte Vorlegierung in dosierter Menge kontinuierlich dem
Gießstrahl zugegeben werden.
[0013] Der Anwendungsbereich für dünnwandige, schnell erstarrende Gußstücke stellt eine
völlige Neuheit dar, da solche Gußstücke wegen der geschilderten Mängel des bekannten
Herstellungsverfahrens bisher nicht mit Vermicular-Grafit erzeugt werden konnten.
Gerade bei dünnwandigen Teilen, die hohen Temperaturwechselbeanspruchungen ausgesetzt
sind, wie etwa bei Auspuffkrümmern, bringt das Gußeisen mit Vermicular-Grafit mit
seiner hohen Festigkeit bei niedrigem Elastizitätsmodul, seiner hohen Wärmeleitfähigkeit
und guter Zunderbeständigkeit beste Ergebnisse.. Den fortwährenden Temperaturwechseln
wird ohne übermäßigen Verzug und ohne zu starke Verzunderung der Oberfläche begegnet.
Es war bisher nicht möglich, diese Erkenntnis in die Tat umzusetzen. Alle Versuche,
zu diesem Zweck Gußeisen mit Vermicular-Grafit einzusetzen, schlugen fehl, weil die
bekannte Herstellungsmethode für dünnwandige Gußstücke ungeeignet war. Die erforderliche
gleichmäßige Ausbildung und Verteilung des Vermicular-Grafits konnte hierdurch nicht
erzielt werden. Ferner ergab sich kein karbidfreies Gußgefüge, während sich nach dem
erfindungsgemäßen Verfahren ein größtenteils ferritisches bzw. ein ferritisch-perlitisches
Gefüge ergibt. Da ein Glühen nicht erforderlich ist, sind Verzugserscheinungen zu
vermeiden.
[0014] Auch andere dünnwandige Gußstücke, wie etwa Rohre, bei denen die geringe Oxydations-
und Korrosionsneigung des Gußeisens mit Vermicular-Grafit zum Tragen kommt, können
auf diese Weise hergestellt werden.
1. Verfahren zur Herstellung eines Gußeisens mit Vermicular-Grafit für die Erzeugung
von dünnwandigen, schnell erstarrenden Gußstücken durch Behandlung einer 0,01 - O,035
% Schwefel enthaltenden Schmelze mit einer Vorlegierung,
dadurch gekennzeichnet, daß eine Vorlegierung mit einer an sich bekannten Zusammensetzung
aus Silizium, Magnesium, Titan, Kalzium und Metallen der seltenen Erden in einer Körnung
von etwa 1-3 mm verwandt und mit der zu behandelnden Schmelze während des Eingießens
in die Gießform in Berührung gebracht wird und daß der Schwefelgehalt der Schmelze
auf etwa 0,02 % eingestellt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Vorlegierung in eine
Behandlungskammer im Eingußsystem der Gießform eingegeben wird.
3. Verfahren nach den Ansprüchen.1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß ein Teil der
Vorlegierung in eine zusätzliche, vom ersten Gießstrahl zu erreichende Behandlungskammer
eingegeben wird.
4. Verfahren.nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß ein Teil der
Vorlegierung direkt in den ersten Gießstrahl eingegeben wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1-, dadurch gekennzeichnet, daß die Vorlegierung in dosierter
Menge kontinuierlich dem Gießstrahl zugegeben wird.
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß eine Vorlegierung in die
Behandlungskammer eingegeben wird, die weitgehend frei von Staubteilen ist und eine
maximale Körnung von 4 mm besitzt und daß der Schwefelgehalt der Schmelze auf einen
Wert um 0,02 % bis höchstens 0,03 % mit einer maximalen Abweichung von t 10 % vom
genau in Abhängigkeit von der festgelegten Menge an Vorlegierung ermittelten Wert
eingestellt wird.
7. Nach Anspruch 1 oder einem der Ansprüche 1 bis 6 hergestelltes Gußeisen, gekennzeichnet
durch seine Verwendung für starken Temperaturwechselbeanspruchungen ausgesetzte Gußstücke
wie Auspuffkrümmer.
8. Nach Anspruch 1 oder einem der Ansprüche 1 bis 6 hergestelltes Gußeisen, gekennzeichnet
durch seine Verwendung für oxydations- und korrosionsgefährdete Gußstücke mit karbidfreiem
Gefüge.

