[0001] Die Erfindung betrifft Lackbindemittel auf Basis eines Carboxylgruppen- und verkappte
Isocyanatgruppen enthaltenden Copolymerisats und deren Verwendung für Elektrotauchlacke.
[0002] Bindemittel aus Acrylatharzen, die durch Isocyanat vernetzt werden, sind für die
Elektrotauchlackierung bekannt. So beschreibt die US-PS 3 883 483 eine kationische
abscheidbare Polymerzusammensetzung, die das Umsetzungsprodukt eines halbseitig verkappten
Diisocyanats mit einer äthylenisch ungesättigten Hydroxylverbindung wie Hydroxyäthylacrylat
enthält. Auf diese Weise ist jedoch die für die Vernetzung erforderliche Isocyanatgruppe
über eine Esterbindung an die Kohlenstoffkette des Polymers gebunden. Ein Teil der
Esterbindungen wird durch Hydrolyse bei der Badalterung des Elektrotauchlacks gespalten.
Dadurch wird die Zusammensetzung der für die Vernetzung erforderlichen Bestandteile
im Laufe der Badalterung geändert. Dies führt zu einer Verschlechterung der chemischen
Beständigkeit und des Korrosionsschutzes der abgeschiedenen Lacke.
[0003] Die US-PS 3 694 416 beschreibt überzugsmittel, hergestellt aus aliphatisch konjugierten
Dienen und verkapptem Vinylisocyanat, die mit einem hydroxylgruppenhaltigen Polymeren
vernetzt werden. Dieses Zweikomponentensystem enthält jedoch keine für die Elektrotauchabscheidung
erforderlichen ionogenen Gruppen.
[0004] Die US-PS 3 692 746 bezieht sich auf überzugsmittel aus Vinylchlorid, verkapptem
Vinylisocyanat und anderen äthylenisch ungesättigten Comonomeren. Diese Überzugsmittel
werden durch Emulsionspolymerisation mit Redoxinitiatoren hergestellt. Diese Emulsionen
eignen sich jedoch nicht als Elektrotauchlacke, da sie zu viele niedermolekulare ionogene
Begleitstoffe enthalten und die Badleitfähigkeit zu groß ist.
[0005] Die in der BE-PS 652 401 beschriebenen Polymerisate aus Acrylnitril, verkapptem Vinylisocyanat
und anderen äthylenisch ungesättigten Comonomeren für die Folienherstellung wurden
ebenfalls durch Emulsionspolymerisation mit Redoxinitiatoren hergestellt und eignen
sich daher auch nicht als Elektrotauchlacke.
[0006] Der vorliegenden Erfindung lag die Aufgabe zugrunde, Lackbindemittel, insbesondere
solche für Elektrotauchlacke zu entwickeln, die eine definierte Menge an verkappten
Isocyanatgruppen enthalten, die direkt an die Kohlenstoffkette des Polymers gebunden
sind, wobei im Polymermolekül gegebenenfalls weitere reaktive Gruppen enthalten sein
können, so daß sie als selbst- und fremdvernetzende Bindemittel eingesetzt werden
können.
[0007] In der DE-OS 24 60 785 werden Bindemittel für Pulverlacke beschrieben, die verkapptes
Vinylisocyanat als eines der Monomeren enthalten. Die in dieser DE-OS beschriebenen
Bindemittel sind jedoch für die Elektrotauchlackierung nicht geeignet, da sie eine
zu geringe Säurezahl besitzen.
[0008] Cberraschenderweise wurde gefunden, daß sich Polymerisate herstellen lassen, die
neben dem verkappten Vinylisocyanat die für anionische Elektrotauchlacke erforderliche
Menge an Carboxylgruppen enthalten, ohne daß das verkappte Vinylisocyanat unter den
Polymerisationsbedingungen zu einem überwiegenden Teil umgelagert und hydrolysiert
wird. In der Literatur (Die makromol. Chem. 172 (1973) 27-47) wird verkapptes Vinylisocyanat
analog den Vinylharnstoffen als sehr hydrolyseempfindlich beschrieben:

[0009] Eine nennenswerte Hydrolyse wurde jedoch bei der Herstellung der erfindungsgemäßen,
insbesondere für die anionische Elektrotauchlackierung erforderlichen Copolymerisate
nicht beobachtet.
[0010] Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind Lackbindemittel auf Basis eines Carboxylgruppen
und verkappte Isocyanatgruppen enthaltenden Copolymerisats, das durch zumindest teilweise
Salzbildung mit Ammoniak oder einer organischen Base wasserlöslich oder wasserdispergierbar
ist, die dadurch gekennzeichnet sind, daß das Copolymerisat einpolymerisiert enthält
(A) mindestens eine α,ß-olefinisch ungesättigte Carbonsäure mit 3 bis 5 Kohlenstoffatomen
oder einen Halbester einer α,ß-olefinisch ungesättigten 3 bis 5 Kohlenstoffatome enthaltenden
Dicarbonsäure,
(B) 20 bis 40 Gewichtsprozent eines mit einem CH-, OH-oder NH-aciden Verkappungsmittel
verkappten N(l-alkenyl)-isocyanats,
(C) 0 bis 40 Gewichtsprozent einer oder mehrerer copolymerisierbarer olefinisch ungesättigter
Verbindungen mit gegenüber Isocyanatgruppen reaktiven Wasserstoffatomen und
(D) 0 bis 75 Gewichtsprozent einer oder mehrerer unter (A) bis (C) nicht genannter
copolymerisierbaren olefinisch ungesättigten Verbindungen,
mit der Maßgabe, daß das Copolymerisat eine Säurezahl zwischen 35 und 150 (mg KOH/g
Copolymerisat) sowie ein mittleres Molekulargewicht zwischen 1000 und 20 000 aufweist
und die Summe der unter (A) bis (D) genannten Prozentzahlen 100 ist.
[0011] Die erfindungsgemäßen für die anionische Elektrotauchlackierung geeigneten Bindemittel
bestehen aus einem Copolymeren mit einem Molgewicht zwischen 1000 und 20 000, wobei
der Anteil an einpolymerisierter olefinisch ungesättigter Verbindung mit Carboxylgruppen
(A) mengenmäßig so ausgewählt ist, daß das Copolymerisat eine Säurezahl zwischen 35
und 150

aufweist und 20-40 Gewichtsprozent der Komponente B einpolymerisiert sind.
[0012] Der daraus hergestellte Elektrotauchlack enthält 7-20 Gewichtsprozent eines Ammonium-
bzw. Aminsalzes des erfindungsgemäßen Copolymerisats.
[0013] Zu den Aufbaukomponenten des erfindungsgemäßen Lackbindemittels ist im einzelnen
folgendes auszuführen:
(A) Als Komponente (A) kommen α,ß-olefinisch ungesättigte Mono- und Dicarbonsäuren
mit 3 bis 5 Kohlenstoffatomen, wie Acrylsäure, Methacrylsäure, Maleinsäure, Itaconsäure
sowie Halbester von α,ß-olefinisch ungesättigten 3 bis 5 Kohlenstoffatomen enthaltenden
Dicarbonsäuren mit C1- bis C8 -Alkanolen, wie den Monoestern der Maleinsäure, Fumarsäure oder Itaconsäure und deren
Mischungen in Frage. Besonders bevorzugt als Komponente (A) sind Acrylsäure und Methacrylsäure.
Komponente (A) ist im erfindungsgemäßen Copolymerisat in solchen Mengen einpolymerisiert,
daß dessen Säurezahl-Bereich zwischen 35 und 150, vorzugsweise zwischen 40 und 100
(mg KOH/g Copolymerisat) liegt.
(B) Die Komponente (B) ist ein Addukt aus einem N(1-alkenyl)-isocyanat und einem CH-,
OH- oder NH-aciden Verkappungsmittel. Geeignete N(1-alkenyl)-isocyanate sind solche
mit 2 bis 4 Kohlenstoffatomen in der Alkenylgruppe, vorzugsweise Vinylisocyanat und/oder
Propenylisocyanat. Als Verkappungsmittel zur Herstellung der Komponente (B) können
beispielsweise Monophenole wie Phenol, Kresol, Trimethylphenol,.primäre Alkohole oder
sekundäre Alkohole wie Isopropanol oder Cyclohexanol, tertiäre Alkohole, wie t-Butanol
oder t-Amylalkohol, leicht enolisierbare Verbindungen, wie Acetessigester, Acetylaceton,
Malonsäurederivate wie Malonsäuredlester mit 1-8 Kohlenstoffatomen in der Alkoholkomponente,
Malonsäuredinitril, sekundäre aromatische Amine wie N-Methylanilin, N-Methyltoluidin
oder N-Phenyltoluidin, Imide, wie Succinimid und Phthalimid, Lactame wie ε-Capro-
lactam, d-Valerolactam oder Laurinlactam, sowie Oxime. wie Acetonoxim, Butanonoxim
und Cyclohexanonoxim eingesetzt werden. Besonders bevorzugt als Verkappungsmittel
der N(l-alkenyl)-isocyanate sind t-Butanol, Cyclohexanol und Caprolactam.
[0014] Die Herstellung des verkappten N(l-alkenyl)-isocyanats, wie z.B. des Vinylisocyanats
kann z.B. nach einer Analogievorschrift in Houben-Weyl Methoden der organischen Chemie,
Band 14/2, (1963), Seite 61-70 erfolgen. Sie wird vorzugsweise in Gegenwart von Lösungsmittel
durchgeführt. Bei der Umsetzung des N(1-alkenyl)-isocyanats (Vinylisocyanats) mit
dem Verkappungsmittel werden etwa äquimolare Mengen eingesetzt. Ein Überschuß des
Isocyanats ist zu vermeiden, da dies später zu Vernetzungen Anlaß geben könnte. Komponente
(B) ist in einer Menge von 20 bis 40, vorzugsweise 25 bis 35 im erfindungsgemäßen
Copolymerisat einpolymerisiert.
[0015] (C) Als reaktive Monomere (C) kommen solche copolymerisierbaren olefinisch ungesättigten
Verbindungen in Frage, die gegenüber Isocyanatgruppen reaktive Wasserstoffatome enthalten,
die also beispielsweise OH- oder NH-Gruppen tragen. Beispiele dafür sind Monoester
der Acryl- oder Methacrylsäure mit mehrwertigen, insbesondere zweiwertigen Alkoholen,
wie Hydroxyäthyl- oder Hydroxypropyl(meth)acrylat und Butandiolmonoacrylat oder Monoester
der genannten Säuren mit Polyetherdiolen, wie Polypropylenglykol--(meth)acrylat, sowie
Allylalkohol und 1-Butendiol--(3,4). Des weiteren kann N-Methylol(meth)acrylamid verwendet
werden. Besonders bevorzugt sind die Ester der (Meth)acrylsäure mit Diolen mit 2-4
Kohlenstoffatomen, insbesondere Hydroxypropylacrylat und Hydroxyäthylacrylat.
[0016] Komponente (C) ist im erfindungsgemäßen Copolymerisat in einer Menge von 0 bis 40,
vorzugsweise 21 bis 30 Gewichtsprozent einpolymerisiert.
[0017] (D) Als Komponente (D) kommen andere unter (A) bis (C) nicht genannte copolymerisierbare
olefinisch ungesättigte Verbindungen in Betracht, wie Ester der Acryl-und Methacrylsäure
mit Monoalkoholen, die 1-18, vorzugsweise 1-8 Kohlenstoffatome aufweisen, wie Methylacrylat,
Äthylacrylat, Butylacrylat, Äthylhexylacrylat und Methylmethacrylat. Des weiteren
kommen alle anderen copolymerisierbaren ungesättigten Verbindungen in Frage, insbesondere
Vinylester von Carbonsäuren mit 1 bis 10 Kohlenstoffatomen, wie Vinylacetat, Vinylaromaten,
wie Styrol, Acrylnitril und ungesättigte Triglyceride, wie isomerisiertes Leinöl.
Es können auch Mischungen der genannten Monomere verwendet werden.
[0018] Komponente (D) ist im erfindungsgemäßen Copolymerisat in einer Menge von 0 bis 75,
vorzugsweise 20 bis 48 Gewichtsprozent einpolymerisiert.
[0019] Die Herstellung der erfindungsgemäßen Copolymeren erfolgt zweckmäßigerweise in polaren,
keine OH-Gruppen aufweisenden Lösungsmitteln, wie z.B. Äthern, wie Tetrahydrofuran
oder Estern, wie Essigester oder Methylglykolacetat, in Gegenwart radikalbildender
Initiatoren, wie Azobiscarbonsäureamiden, Azobiscarbonsäurenitrilen oder Peroxiden
im allgemeinen bei Temperaturen zwischen 50 und 120
oC, vorzugsweise zwischen 60 und 90°C, gegebenenfalls in Gegenwart von Reglern wie
t-Dodecylmercaptan oder Diisopropylxanthogendisulrid.
[0020] Beispiele für besonders bevorzugte Lackbindemittel sind Copolymerisate aus 8 bis
12 Gewichtsprozent Acryl- oder Methacrylsäure, 25 bis 30 Gewichtsprozent mit Caprolactam
verkapptem Vinyl- oder Propenylisocyanat, oder 21 bis 25 Gewichtsprozent Hydroxypropyl-
oder Hydroxyäthylacrylat und 33 bis 46 Gewichtsprozent der Komponente D.
[0021] Die erfindungsgemäßen Copolymerisate sind unvernetzte Produkte mit einem Molgewicht
zwischen 1000 und 20 000, vorzugsweise zwischen 2000 und 10 000 (gemessen mit dem
Dampfdruckosmometer). Die K-Werte (nach Fikentscher) (3 %ig in Aceton) liegen dementsprechend
zwischen 15 und 35, vorzugsweise zwischen 18 und 28.
[0022] Die erfindungsgemäßen Copolymerisate enthalten freie Carboxylgruppen sowie verkappte
Isocyanatgruppen und gegebenenfalls gegenüber diesen Gruppen reaktionsfähige Strukturen.
[0023] Diese Copolymerisate werden erfindungsgemäß als Lackbindemittel verwendet und sind
durch zumindest teilweise Salzbildung mit Ammoniak oder organischen Basen wasserlöslich
bzw. wasserdispergierbar.
[0024] Die Copolymerisate werden dazu zumindest teilweise mit Ammoniak oder einem Amin neutralisiert.
Als Neutralisationsmittel können die üblichen Amine, Diamine oder Ammoniak dienen.
Bevorzugt sind Diisopropanolamin und Dimethyläthanolamin. Der Neutralisationsgrad
für die Anwendung der erfindungsgemäßen Lackbindemittel in wäßrigem Medium liegt zwischen
30 und 100 %.
[0025] Außer dem erfindungsgemäßen Bindemittel kann der Lack polyfunktionelle Vernetzungsmittel,
wie höhermolekulare Eydroxyl- und/oder Carboxylgruppen aufweisende Polykondensate,
Polyaddukte und/oder Polymerisate sowie Pigmente, wie z.B. Titandioxid, Talkum und
Ruß je nach Anwendungszweck in Mengen von 10-60, vorzugsweise 20-50 Gewichtsteilen,
bezogen auf 100 Gewichtsteile Bindemittel enthalten. Darüber hinaus können noch anorganische
und organische Buntpigmente in Mengen von bis zu 5 Gewichtsteilen sowie Füllstoffe
in Mengen von ebenfalls bis zu 5 Gewichtsteilen enthalten sein. Verlaufsmittel können
bis zu 10 Teilen, Wachse zur Erhöhung der Kratzfestigkeit bis zu 10 Teilen und Katalysatoren
für die Entkappungsreaktion bis zu 2 Teilen, jeweils bezogen auf 100 Teile Bindemittel
enthalten sein.
[0026] Die erfindungsgemäßen Lackbindemittel werden insbesondere für die anodische Elektrotauchlackierung
verwendet, und zwar als selbstvernetzendes Bindemittel oder auch als fremdvernetzendes
Bindemittel.
[0027] Mit den erfindungsgemäßen Elektrotauchlacken lassen sich vor allem metallische Gegenstände,
z.B. aus Eisen, Stahl und Aluminium beschichten.
[0028] Die Herstellung der anionischen Elektrotauchbäder erfolgt wie üblich, beispielsweise
wie in W. Machu, Elektrotauchlackierung S. 163 ff beschrieben. Der Feststoffgehalt
der Elektrotauchbäder liegt im allgemeinen zwischen 8 und 15 Gewichtsprozent, der
pH-Wert zwischen 7,2 und 9,5.
[0029] Die mit dem erfindungsgemäßen Bindemittel erhaltenen Überzüge weisen eine hohe Härte
auf, sind sehr elastisch und chemikalienbeständig. Dieses hohe Eigenschaftsniveau
der Lacke wird durch die Badalterung nicht negativ beeinflußt.
[0030] Die in den Beispielen genannten Teile und Prozente sind, soweit nicht anders angegeben,
Gewichtsteile bzw. Gewichtsprozente.
Herstellung der Komponente (B)
[0031] (B 1) N-Vinylcarbaminsäure-tert.-Butylester:
In einem Reaktionsgefäß, versehen mit einem Intensivkühler (mit Kühlsole), Rührer,
Thermometer und Zulaufgefäß werden 69 Teile Vinylisocyanat und 70 Teile Äthylacetat
vorgelegt. Bei 40°C werden innerhalb von 1 Stunde 74 Teile tert.-Butanol, 73 Teile
Äthylacetat und 0,01 % Dibutylzinndilaurat zugegeben. Anschließend wird noch 10 Stunden
bei 40°C nachreagieren gelassen. Es entsteht eine hellgelbe klare Lösung. Isocyanatgehalt
(verkappt): 14,7 %.
(B 2) N-Vinylcarbaminsäure-cyclohexylester:
[0032] In einem Reaktionsgefäß werden 69 Teile Vinylisocyanat und 89,5 Teile Äthylacetat
vorgelegt und auf 40°C aufgeheizt. Dazu wird innerhalb von 1 Stunde eine Mischung
aus 110 Teilen Cyclohexanol und 89,5 Teilen Äthylacetat (0,02 % Dibutylzinndilaurat
als Katalysator) gegeben. Nachreaktionszeit: 2 Stunden bei 40°C. Man erhält eine hellgelbe
Lösung, aus der sich beim Abkühlen das Reaktionsprodukt in Form von Kristallen abscheidet.
Isocyanat-Gehalt (verkappt): 11,7 %.
(B 3) Vinylisocyanat-Caprolactam-Addukt:
[0033] In einem Reaktionsprodukt werden 113 Teile -Caprolactam und 91 Teile Äthylacetat
(+ 0,015 % Dibutylzinndilaurat) vorgelegt und auf ca. 50°C aufgeheizt. Dazu wird innerhalb
von 1 Stunde eine Mischung aus 69 Teilen Vinylisocyanat und 91 Teilen Äthylacetat
zugetropft. Nachreaktionszeit: 5 Stunden. Man erhält eine hellgelbe klare Lösung.
Isocyanat-Gehalt (verkappt): 11,5 %.
Beispiel 1
[0034] In einem mit Rührer, Rückflußkühler und Innenthermometer ausgestatteten Reaktionsgefäß
werden je 30 Teile der Zulaufmischung 2 und 3 vorgelegt. Zulauf 2 besteht aus 2 Teilen
Diisopropylperoxidicarbonat und 32 Teilen Essigester. Zulauf 3 besteht aus 21 Teilen
Hydroxypropylacrylat, 10 Teilen Acrylsäure, 10 Teilen Styrol, 32 Teilen Isobutylacrylat
und 1,3 Teilen t-Dodecylmercaptan. Die Vorlage wird auf 60°C aufgeheizt, dann wird
Zulauf 1, bestehend aus 54 Teilen der Lösung des verkappten Isocyanats (B 2) und der
Rest von Zulauf 2 und 3 gleichmäßig innerhalb von 4 Stunden bei 60°C zugegeben. Nach
Zulaufende wird noch 1 Stunde bei 60°C nachpolymerisiert. Dann wird während einer
Stunde nochmal 1 Teil Initiator nachdosiert und wiederum eine Stunde nachpolymerisiert.
Man erhält eine klare Lösung eines Harzes mit dem K-Wert von 26 und einem Feststoffgehalt
von 60 %. Die Säurezahl beträgt 81,5.
Prüfung als Klarlack
[0035] Das Polymerisat wird zu 70 % mit Dimethyläthanolamin neutralisiert. Mit vollentsalztem
Wasser wird eine 10 %ige wäßrige Dispersion hergestellt. Mit dieser Dispersion werden
zinkphosphatierte Bleche anodisch bei 250-300 V und einer Abscheidezeit von 2 Minuten
lackiert. Die Überzüge werden 30 Minuten bei 220°C eingebrannt. Man erhält einen 20
/um dicken acetonbeständigen Lacküberzug mit einer Pendelhärte von 140 Sekunden (DIN
53 157), einer Erichsen-Tiefung von 8 mm, der nach 96 Stunden Salzsprühtest nach ASTM-B
117/64 7 mm Unterrostung aufweist.
[0036] Nach Alterung von 33 Tagen bei Zimmertemperatur werden mit derselben Dispersion erneut
zinkphosphatierte Bleche beschichtet. Die Abscheidespannung und die Lackeigenschaften
waren dieselben wie bei der Erstbeschichtung.
Prüfung als Graulack
[0037] Das Polymerisat wird zu 50 % mit Dimethyläthanolamin neutralisiert. Es wurden 30
Teile Pigment, bezogen auf 100 Teile Bindemittel, zugegeben. Die Pigmentmischung besteht
aus 20 Teilen Titandioxid, 78 Teilen Talkum und 2 Teilen Flammruß. Pigment und Bindemittel
werden in der Kugelmühle miteinander verrieben und dann mit vollentsalztem Wasser
auf den Feststoffgehalt von 10 % eingestellt. Mit dieser Dispersion werden zinkphosphatierte
und nicht vorbehandelte Stahlbleche beschichtet. Die Überzüge werden 30 Minuten bei
220°C eingebrannt. Man erhält einen acetonbeständigen Lacküberzug mit einer Pendelhärte
von 80 Sekunden, einem Erichsen-Wert von 10 mm, der nach 24 Stunden Salzsprühtest
nach ASTM-B 117/64 5 mm Unterrostung zeigt. Nach Alterung von 32 Tagen bei Zimmertemperatur
werden aus der Dispersion erneut Bleche beschichtet. Die Abscheidespannung und die
Lackeigenschaften waren dieselben wie bei der Erstbeschichtung.
Beispiel 2
[0038] In einem mit Rührer, Rückflußkühler und Innenthermometer ausgestatteten Reaktionsgefäß
werden je 20 % der Zulaufmischung 1, 2 und 3 und 39,5 Teile Essigester vorgelegt.
' Zulauf 1 besteht aus 40 Teilen der Lösung des verkappten Isocyanats (B 1) und 28,5
Teilen Essigester. Zulauf 2 besteht aus 16 Teilen Hydroxyäthylacrylat, 49 Teilen Butylacrylat
und 15 Teilen Acrylsäure. Zulauf 3 enthält 2 Teile Diisopropylperoxiddicarbonat. Die
Vorlage wird auf 60°C aufgeheizt und alle Zuläufe werden innerhalb von 3 Stunden gleichmäßig
zugegeben. Nach Zulaufende wird 1 Stunde lang nachpolymerisiert. Dann wird während
1 Stunde ein Teil Initiator nachdosiert und wiederum 1 Stunde lang nachpolymerisiert.
Man erhält eine klare Lösung eines Harzes mit einem K-Wert von 25 und dem Feststoffgehalt
von 48,6 %. Die Säurezahl beträgt 133.
Prüfung als Klarlack
[0039] Das Polymerisat wird zu 40 % mit Dimethyläthanolamin neutralisiert. Mit vollentsalztem
Wasser wird eine 10 %ige Dispersion hergestellt, mit der bei 60 V phosphatierte Stahlbleche
beschichtet werden. Die Abscheidezeit beträgt 2 Minuten. Die Überzüge werden 30 Minuten
bei 220°C eingebrannt. Man erhält einen 16 um dicken acetonbeständigen Lacküberzug
mit einer Pendelhärte von 143 Sekunden und einer Erichsen-Tiefung von 9,8 mm, der
nach -24 Stunden Salzsprühtest eine Unterrostung von 5 mm aufweist. Nach Alterung
von 28 Tagen bei Zimmertemperatur werden aus der Dispersion erneut Bleche beschichtet.
Die Abscheidespannung und die Lackeigenschaften waren dieselben wie bei der Erstbeschichtung.
Beispiel 3
[0040] Die Polymerisation erfolgt analog Beispiel 2. Die Vorlage besteht aus je 20 % von
Zulauf 1, 2 und 3 und 20 Teilen Essigester. Zulauf 1 enthält 70 Teile der Lösung des
verkappten Isocyanats (B 3). Zulauf 2 besteht aus 25 Tei- len Hydroxypropylacrylat,
30 Teilen 2-Äthylhexylacrylat, 4 Teilen Styrol, 6 Teilen Methacrylsäure und 1,0 %
t-Dodecylmercaptan. Zulauf 3 und 4 enthalten 2 bzw. 1 Teil Diisopropylperoxiddicarbonat
als Initiator.
[0041] Nach der Polymerisation erhält man die klare Lösung eines Harzes mit einem K-Wert
von 28, dem Feststoffgehalt von 71 %, dessen Säurezahl 36,5 beträgt.
Prüfung als Klarlack
[0042] Das Polymerisat wird zu 90 % mit Diisopropanolamin neutralisiert. Mit vollentsalztem
Wasser wird eine 10 %ige Dispersion hergestellt, mit der bei 100 V nicht vorbehandelte
Stahlbleche anodisch beschichtet werden. Die Abscheidezeit beträgt 2 Minuten. Die
Überzüge werden 30 Minuten bei 170°C eingebrannt. Man erhält einen 30 um dicken acetonbeständigen
Lacküberzug mit Pendelhärte von 162 Sekunden und einer Erichsen-Tiefung von 2 mm,
der nach 24 Stunden Salzsprühtest 8 mm Unterrostung aufweist. Nach 35-tägiger Alterung
bei Zimmertemperatur werden aus der Dispersion erneut Bleche beschichtet. Die Abscheidespannung
und die Lackeigenschaften waren genauso wie bei der Erstbeschichtung.
Beispiel 4
[0043] Die Polymerisation erfolgt analog Beispiel 3. Die Vorlage besteht aus je 20 % von
Zulauf 1, 2 und 3 und 16 Teilen Essigester. Zulauf 1 enthält 78 Teile der Lösung des
verkappten Isocyanats (B 3). Zulauf 2 besteht aus 42 Teilen Butylacrylat, 19 Teilen
Acrylsäure und 3 Teilen t-Dodecylmercaptan als Regler. Zulauf 3 und 4 sind genauso
wie beim Beispiel 3.
[0044] Nach Polymerisationsende erhält man eine klare Harzlösung nit einem K-Wert von 18,
dem Feststoffgehalt von 69,7 % and einer Säurezahl von 132.
Prüfung als Klarlack
[0045] Analog Beispiel 2 wird eine 10 %ige wäßrige Dispersion hergestellt, bei der das Harz
zu 30 % mit Dimethyläthanolamin neutralisiert ist. Der nach 2 Minuten bei 170 V auf
zinkphosphatierten Stahlblechen abgeschiedene Lack wird 30 Minuten bei 170°C eingebrannt.
Er ist acetonbeständig und weist eine Pendelhärte von 100 Sekunden bei einer Erichsen-Tiefung
von mehr als 10 mm auf.
[0046] Die Unterrostung beträgt 3 mm nach 24 Stunden im Salzsprühtest. Nach einer Alterung
von 35 Tagen bei Zimmertemperatur werden aus der Dispersion erneut Bleche beschichtet.
Die Abscheidespannung und die Lackeigenschaften waren dieselben wie bei der Erstbeschichtung.
Vergleichsbeispiel
[0047] In einem mit Rührer, Rückflußkühler und Innentemperatur ausgestattetem Reaktionsgefäß
werden je 20 Teile der Zulaufmischung 1 und 2 vorgelegt und 20 Teile Isopropanol hinzugefügt.
Zulauf 1 besteht aus 35 Teilen des Umsetzungsproduktes aus Butandiolmonoacrylat und
durch Caprolactam halbverkapptem Toluoldiisocyanat analog DE-OS 24 54 253 und 25 Teilen
Isopropanol. Zulauf 2 besteht aus 21 Teilen 2-Hydroxypropylacrylat, 10 Teilen Acrylsäure,
34 Teilen Isobutylacrylat und 2 Teilen Azobisisobutyronitril als Initiator und einem
Teil t-Dodecylmercaptan als Regler. Die Vorlage wurde auf 80°C aufgeheizt, Zulauf
1 und 2 wurden während 4 Stunden gleichmäßig zugegeben. Es wurde eine Stunde lang
nachpolymerisiert, dann 1 Teil Initiator hinzugegeben und wiederum eine Stunde lang
bei 80°C nachpolymerisiert.
[0048] Man erhält eine klare Lösung eines Harzes mit einem K-Wert von 20, einem Feststoffgehalt
von 71 % und einer Säurezahl von 72,2.
Prüfung als Klarlack
[0049] Gemäß Beispiel 1 wird eine 10 %ige wäßrige Dispersion hergestellt, die das Harz zu
70 % mit Dimthyläthanolamin neutralisiert enthält. Der nach 2 Minuten bei 150 V auf
nicht vorbehandeltem Stahlblech erhaltene Lacküberzug wird 30 Minuten bei 170°C eingebrannt.
Er ist nicht acetonbeständig und weist eine Pendelhärte von nur 50 Sekunden bei einer
Erichsen-Tiefung von 10 mm auf. Die Unterrostung beträgt 20 mm nach 96 Stunden im
Salzsprühtest.
[0050] Nach 35-tägiger Alterung des Bades bei Zimmertemperatur wurden aus der Disperion
erneut Bleche beschichtet. Die Acetonbeständigkeit und der Korrosionsschutz hatten
sich weiter verschlechtert.
1. Lackbindemittel auf Basis eines Carboxylgruppen und verkappte Isocyanatgruppen
enthaltenden Copolymerisats, das durch zumindest teilweise Salzbildung mit Ammoniak
oder einer organischen Base wasserlöslich oder wasserdispergierbar ist, dadurch gekennzeichnet,
daß das Copolymerisat einpolymerisiert enthält
(A) mindestens eine α,ß-olefinisch ungesättigte Carbonsäure mit 3 bis 5 Kohlenstoffatomen
oder einen Halbester einer α-ß-olefinisch ungesättigten 3 bis 5 Kohlenstoffatome enthaltenden
Dicarbonsäure,
(B) 20 bis 40 Gewichtsprozent eines mit einem CH-, OH- oder NH-aciden Verkappungsmittel
verkappten N(1-alkenyl)-isocyanats,
(C) 0 bis 40 Gewichtsprozent einer oder mehrerer copolymerisierbarer olefinisch ungesättigter
Verbindungen mit gegenüber Isocyanatgruppen reaktiven Wasserstoffatomen und
-(D) 0 bis 75 Gewichtsprozent einer oder mehrerer unter (A) bis (C) nicht genannter
copolymerisierbaren olefinisch ungesättigten Verbindungen,
mit der Maßgabe, daß das Copolymerisat eine Säurezahl zwischen 35 und 150 (mg KOH/g
Copolymerisat) sowie ein mittleres Molekulargewicht zwischen 1000 und 20 000 aufweist
und die Summe der unter (A) bis (D) genannten Prozentzahlen 100 ist.
2. Lackbindemittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeich- net, daß das Copolymerisat
15-35 Gewichtsprozent der Komponente (C) einpolymerisiert enthält.
3. Lackbindemittel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Äquivalenzverhältnis
der reaktiven Wasserstoffatome der Komponente (C) zu den verkappten Isocyanatgruppen
im Copolymerisat etwa 1:1 beträgt.
4. Lackbindemittel nach einem dem vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß als Komponente (B) ein Addukt aus Vinylisocyanat oder Propenylisocyanat und Cyclohexanol,
tert.-Butanol oder -Caprolactam im Molverhältnis Isocyana/Verkappungsmittel von 1:1
verwendet wird.
5. Verwendung des Lackbindemittels nach einem der vorhergehenden Ansprüche als selbstvernetzendes
Bindemittel für die anodische Elektrotauchlackierung metallischer Gegenstände.
6. Verwendung des Lackbindemittels nach Anspruch 1 in Kombination mit einem polyfunktionellen
Vernetzungsmittel als fremdvernetzendes Bindemittel für die anodische Elektrotauchlackierung
metallischer Gegenstände.