[0001] Die Erfindung betrifft ein Wertpapier mit einem maschinell prüfbaren Echtheitsmerkmal,
das mindestens eine meßtechnisch erfaßbare physikalische Eigenschaft aufweist.
[0002] Zur Sicherung von Ausweiskarten, Dokumenten, Wertpapieren und Banknoten ist es bereits
bekannt, diese mit Echtheitsmerkmalen, z.B. Sicherheitsfäden auszurüsten, die eine
leichte visuelle und auch automatische Echtheitsprüfung ermöglichen. So ist es aus
der US-PS Nr. 964 014 bereits bekannt, in Banknoten dünne Metallfolien in Streifenform
einzulagern, die eine bestimmte Farbe, einen Aufdruck oder eine besondere Form aufweisen.
Da das Einbringen einer solchen Folie in das Papier nur während der Papierherstellung
möglich ist, also einen hohen technologischen Aufwand voraussetzt, sind Fälschungen
entsprechend schwierig herzustellen. Bei einer automatischen Echtheitsprüfung wäre
es jedoch relativ einfach, spezielle Eigenschaften des eingelagerten Sicherheitsstreifens
durch entsprechende Oberflächenaufdrucke nachzuahmen.
[0003] In letzter Zeit haben sich daher Sicherheitsfäden mit besonderen physikalischen Eigenschaften
durchgesetzt, deren Vorhandensein zwar visuell und/oder manuell feststellbar ist,
deren Echtheit jedoch nur maschinell überprüfbar ist. Aus der DE-OS 2 001 944 sind
beispielsweise Banknoten mit magnetischen und/oder elektrisch leitenden Schichten
bekannt, die automatengerecht codiert und in bestimmter Form angeordnet sind. Im Prüfgerät
können dabei die Abmaße, die Leitfähigkeit, die Strahlungsdurchlässigkeit und die
Anordnung der Schichten festgestellt werden. Aus der DE-AS 2 215 628 ist eine Banknote
mit einem Sicherheitsfaden aus Metall bekannt, der eine bestimmte, für die Banknote
individuelle Information in codierter Form aufweist. Die Information kann entweder
in Form einer Lochung oder auch einer Magnetspur vorliegen. Aus der GB-PS 1 357 489
ist schließlich eine Banknote mit einem Sicherheitsfaden aus ferromagnetischem Material
bekannt, der sich dadurch auszeichnet, daß er eine hohe Koerzitivkraft aufweist, so
daß gegebenenfalls aufgebrachte magnetische Informationen von einem Fälscher nicht
so leicht gelöscht bzw. abgeändert werden können.
[0004] Die Verwendung eines Sicherheitsfadens als Echtheitsmerkmal hat bestimmte Vorteile,
die seine verbreitete Verwendung erklären. Der Faden kann nur während der Papier-
bzw. Kartenherstellung eingebracht werden, die entsprechende Technologie und aufwendigen
Vorrichtungen stehen dem Fälscher normalerweise nicht zur Verfügung. Seine Anwesenheit
ist auch ohne Hilfsmittel visuell leicht überprüfbar. Für den Fall, daß der Faden
bestimmte maschinell erkennbare Eigenschaften aufweist, ist auch eine automatische
Prüfung möglich.
[0005] Diesen Vorteilen stehen jedoch eine Reihe von Nachteilen gegenüber, die sich insbesondere
bei der in zunehmendem Maße angewendeten automatischen Echtheitsprüfung gravierend
auswirken. So kann der
Fälscher beispielsweise zwei Papierbogen zusammenkleben und damit die Schwierigkeiten
der Fälschung auf die Nachahmung des Sicherheitsfadens selbst reduzieren. Auch eine
Nachahmung spezieller Eigenschaften des Sicherheitsfadens auf der Oberfläche des Wertpapiers
ist in manchen Fällen möglich. Die vom Prüfgerät gemessenen physikalischen Eigenschaften
der Sicherheitsfäden sind dem Fälscher in der Regel leicht erkennbar, da entsprechende,
als Sensoren verwendbare Prüfgeräte auf dem Markt frei erhältlich sind. Übliche in
diesem Zusammenhang benutzte physikalische Eigenschaften sind die elektrische Leitfähigkeit,
Magnetismus, Fluoreszenz etc. Da es bei maschineller Prüfung ohne visuelle Begutachtung
auf die äußere Erscheinung des Wertpapiers nicht ankommt, kann der
Fälscher die genannten Eigenschaften relativ leicht nachahmen, indem er beispielsweise
die elektrische Leitfähigkeit des Sicherheitsfadens durch einen Bleistiftstrich auf
der Wertpapieroberfläche nachahmt, bestimmte magnetische Eigenschaften durch einen
aufgeklebten Tonbandstreifen und ein bestimmtes Fluoreszenzverhalten durch Aufstreichen
handelsüblicher Fluoreszenzstoffe.
[0006] Die Aufgabe der Erfindung besteht somit darin, ein Echtheitsmerkmal zu schaffen,
das Eigenschaften auf- .weist, die maschinell eindeutig prüfbar sind und die dem Fälscher
die Analyse und die Nachahmung der relevanten Eigenschaften in erhöhtem Maße erschweren.
[0007] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß die physikalische Eigenschaft
mit Hilfe eines ersten Feldes quantitativ meßbar ist und daß diese Eigenschaft dabei
gleichzeitig in ihrer Quantität gezielt und wiederholbar durch die Einwirkung eines
zweiten, anders gearteten Feldes beeinflußbar ist.
[0008] Der Erfindung liegt somit die Erkenntnis zugrunde, daß das Echtheitsmerkmal eine
Grundeigenschaft, wie beispielsweise eine bestimmte elektrische Leitfähigkeit aufweist
und daß diese Grundeigenschaft durch eine sekundäre Eigenschaft, also beispielsweise
eine Lichtempfindlichkeit der elektrischen Leitfähigkeit, veränderbar ist. Im genannten
Beispiel wird die elektrische Leitfähigkeit des für vorliegende Anwendungsfälle in
der Regel sehr hochohmigen Leiters üblicherweise meßtechnisch dadurch bestimmt, daß
man ihn mittels galvanischer Kontakte oder kapazitiver Einkoppelung in ein vorgegebenes
elektrisches Wechsel- oder Gleichfeld (entspricht erstem Feld) bringt, in dem der
Leiter eine Feldänderung hervorruft. Aus dieser Feldänderung läßt sich dann die Leitfähigkeit
bestimmen. Ein gleichzeitig auf den Leiter einwirkendes sichtbares oder unsichtbares
elektromag
- netisches Feld (entspricht zweitem Feld) ändert die Leitfähigkeit des Leiters. Diese
Leitfähigkeitsänderung ist wegen ihrer Rückwirkung auf das elektrische Feld (erstes
Feld) quantitativ erfaßbar.
[0009] Eine, gegebenenfalls auch periodische, Änderung des spezifischen energetischen Umfeldes
des Sicherheitsfadens ändert also auch die Meßgröße in bestimmter eindeutiger, gegebenenfalls
periodischer Art und Weise. Der Fälscher, dem es gelingt die Grundeigenschaft, also
beispielsweise eine bestimmte elektrische Leitfähigkeit zu finden oder sogar nachzuahmen,
ist damit noch lange nicht in der Lage die Abhängigkeit dieser Grundeigenschaft von
einer bestimmten anderen physikalischen Größe, beispielsweise der Stärke der Lichteinstrahlung,
festzustellen. Selbst wenn ihm dieser Zusammenhang klar werden würde, könnte er ein
bestimmtes Abhängigkeitsverhalten zwischen der Meßgröße und dem Beeinflussungsparameter
nicht nachahmen.
[0010] Die Beeinflussung der Meßgröße erfolgt beispielsweise durch Einbringung des Merkmalsstoffes
in ein Strahlungsfeld in Form von sichtbarem oder unsichtbarem Licht oder in elektrische
oder magnetische Felder. Selbstverständlich muß die Form der Beeinflussung auf den
bestimmten gewählten Merkmalsstoff und die zu messende physikalische Eigenschaft abgestimmt
sein.
[0011] Der Merkmalsstoff kann beispielsweise auf oder in einem Sicherheitsfaden vorgesehen
sein. Die Verwendung als reiner Papier- oder Farbzusatz, insbesondere für Siebdruckfarben,ist
aber ebenso möglich.
[0012] Nachfolgend ist die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen und der beigefügten
Zeichnung näher erläutert. Die ausgeführten Beispiele sollen jedoch in keiner Weise
beschränkend sein, dem Fachmann wird dadurch lediglich eine Anleitung gegeben, nach
der er auch andere Kombinationen auffinden kann. In der Zeichnung zeigen:
Fig. 1 eine Draufsicht auf eine Ausweiskarte mit eingelagertem Sicherheitsfaden, und
Fig. 2 die graphische Darstellung zweier Lagen der Absorptionskante eines Merkmalsstoffes
gemäß Beispiel 3.
Beispiel 1
[0013] In die mittlere Ebene eines Wertpapiers mit einem Flächengewicht von 80 g/m
2 wurde ein Sicherheitsfaden, bestehend aus einer durchsichtigen PVC-Folie eingelagert.
Der Faden hatte eine Breite von 0,4 mm und eine Dicke von 25 µm. Die Folie war mit
Kupferdotiertem Cadmiumsulfid beschichtet. Das Cadmiumsulfid wurde bei einer Temperatur
von 180°C und einem Druck von 49bar/cm
2 auf die Folie "aufgesintert". Die Aufbringung des Cadmiumsulfids kann auch mittels
eines anderen Verfahrens, beispielsweise aus einer Emulsion heraus, erfolgen.
[0014] Eine Prüfung des Sicherheitsfadens in einer abgedunkelten Meßkammer ergab eine elektrische
Leitfähigkeit von etwa 10
-9Ω
-1 cm . Bei Beleuchtung mit einer 100 W-Glühlampe stieg die Leitfähigkeit auf etwa 10
-6 Ω
-1 cm
-1 an.
[0015] Weitere Versuche mit unterschiedlich hoch mit Kupfer dotiertem Cadmiumsulfid ergaben
zwar von den Proben abhängige, unterschiedliche Hell/Dunkelwerte, die jedoch stets
meßtechnisch eindeutig erfaßbar und auswertbar waren. Die Abweichungen waren allerdings
von der Dotierung und speziellen Zusammensetzung abhängig. Da der Sicherheitsfaden
im Wertpapier eingelagert war, ergab eine Beleuchtung von Vorder- und Rückseite gleiche
Ergebnisse. Ein nur aufgeklebter Sicherheitsfaden ergab unterschiedliche Meßergebnisse.
Durch Prüfung des Wertpapiers mit beidseitig des Papiers angeordneten Sensoren ist
daher eine einfache zusätzliche Prüfung möglich, ob der Sicherheitsfaden im Papier
eingelagert ist.
Beispiel 2
[0016] In eine Banknote mit einem Flächengewicht von 80g/m
2 wurde ein Sicherheitsfaden, bestehend aus einer durchsichtigen PVC-Folie mit einer
Breite von 0,4 mm und einer Dicke von 25 µm eingelagert. Der Sicherheitfaden war mit
p-dotiertem Germanium beschichtet. Die Dotierung betrug etwa 10
-15 cm
-3. Die Beschichtung wurde mittels Kathodenstrahlzerstäubung aufgebracht. Die Beschichtung
kann selbstverständlich auch mit anderen zum Stand der Technik gehörenden Methoden
erfolgen, beispielsweise durch thermisches Aufdampfen. Bei Einwirken eines Magnetfeldes
von etwa 0.6 Teslaff senkrecht zum Weg des elektrischen Stroms trat am Sicherheitsfaden
eine Erhöhung des elektrischen Widerstandes um etwa 8 % auf. Diese Änderung der elektrischen
Leitfähigkeit beruht auf einer Ablenkung der den Strom tragenden Ladungsträger im
Halbleitersubstrat durch die auf sie im Magnetfeld einwirkende Lorentzkraft. Dadurch
wird der Weg der Ladungsträger verlängert, was eine Widerstandsänderung zur Folge
hat.
Beispiel 3
[0017] Es wurde eine Ausweiskarte 1 (Fig. 1) hergestellt. Die Karte 1 bestand aus einem
Inlett aus bedrucktem Papier mit eingelagertem Sicherheitsfaden 2 und zwei durchsichtigen
Deckfolien. Der Sicherheitsfaden war unter der Deckfolie optisch frei zugänglich.
[0018] Der Sicherheitsfaden bestand aus einer durchsichtigen PVC-Folie mit einer Breite
von 0,4 mm und einer Dicke von 25 µm. Die Folie war mit polykristallinem Cadmiumsulfid
beschichtet. Die Beschichtung wurde mittels Kathodenstrahlzerstäubung aufgebracht.
Selbstverständlich sind auch andere zum Stand der Technik gehörende Verfahren zum
Aufbringen der Beschichtung möglich. Der Sicherheitsfaden hatte eine gelbe Farbe.
[0019] Mißt man die Reflexion des Sicherheitsfadens bei Zimmertemperatur an der Absorptionskante
(etwa bei 515 nm) einmal ohne und einmal mit Einwirkung eines elektrischen Feldes
(von etwa 3'10 V/m) auf das Halbleitermaterial Cadmiumsulfid, so beobachtet man eine
Verschiebung der Absorptionskante durch das elektrische Feld. Die Änderung der Reflexion

beträgt an dieser Stelle des Spektrums etwa 1 %.
[0020] In Fig. 2 ist dieser Zusammenhang schematisch gezeigt. Die Kurve 3 stellt die Absorptionskante
des Cadmiumsulfids ohne und die Kurve 4 die Absorptionskante bei Anliegen eines elektrischen
Feldes dar. Das Reflexionsvermögen R sinkt dabei bei der für die Messung verwendeten
Wellenlänge, die durch Filter entsprechend scharf eingegrenzt werden kann, von Punkt
5 zu Punkt 6.
[0021] Obwohl die Änderung gering erscheint, läßt sich diese Änderung bei entsprechendem
meßtechnischen Aufwand einwandfrei erfassen, was eine zusätzliche Erschwernis für
den Fälscher bedeutet.
[0022] Die Änderung des Reflexionsvermögens ist.nicht auf die Absorptionskante beschränkt.
Derartige Änderungen sind auch bei bestimmten anderen Wellenlängen im Reflextionsspektrum
zu beobachten. Der Effekt tritt aber an der Absorptionskante besonders stark in Erscheinung.
1. Wertpapier mit einem maschinell prüfbaren Echtheitsmerkmal, das mindestens eine
meßtechnisch erfaßbare physikalische Eigenschaft aufweist, dadurch gekennzeichnet,
daß die physikalische Eigenschaft mit Hilfe eines ersten Feldes quantitativ meßbar
ist und daß diese Eigenschaft dabei gleichzeitig in ihrer Quantität gezielt und wiederholbar
durch die Einwirkung eines zweiten, anders gearteten Feldes beeinflußbar ist.
2. Wertpapier nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die physikalische Eigenschaft
durch ein Strahlungsfeld beeinflußbar ist.
3. Wertpapier nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die physikalische Eigenschaft
durch ein Magnetfeld beeinflußbar ist.
4. Wertpapier nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die physikalische Eigenschaft
durch ein elektrisches Feld beeinflußbar ist.
5. Wertpapier nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Echtheitsmerkmal kupferdotiertes
Cadmiumsulfid mit bestimmter elektrischer Leitfähigkeit aufweist, die sich bei Bestrahlung
mit sichtbarem oder unsichtbarem Licht entsprechend der Lichtstärke ändert.
6. Wertpapier nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Echtheitsmerkmal p-dotiertes
Germanium mit bestimmter elektrischer Leitfähigkeit aufweist, die sich bei Einwirkung
eines magnetischen Feldes entsprechend der Feldstärke ändert.
7. Wertpapier nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Echtheitsmerkmal Cadmiumsulfid
mit einem bestimmten Reflexionsvermögen aufweist, das sich bei Einwirkung eines elektrischen
Feldes entsprechend der Feldstärke ändert.
8. Wertpapier nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß sich das Reflexionsvermögen
an der Absorptionskante besonders stark ändert.
9. Wertpapier nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet,
daß das Echtheitsmerkmal auf oder in einem Sicherheitsfaden vorgesehen ist,
10. Wertpapier nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet,
daß das Echtheitsmerkmal im Papier vorgesehen ist,
11. Wertpapier nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet,
daß das Echtheitsmerkmal in der Druckfarbe vorgesehen ist.
12. Wertpapier nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Druckfarbe eine Siebdruckfarbe
ist.