[0001] Im technologischen Verfahrensablauf einer Rüben- oder Rohrzuckerfabrik erfüllen die
Carbonatationen (Saturationen) eine wichtige Funktion während der Saftreinigung.
[0002] So wird in der 1. Carbonatation das in der Hauptkalkung im überschuß zugesetzte Calciumhydroxid
(8 - 15 g/1) durch Einleiten von kohlendioxidhaltigem Gas (Kalkofengas) bei 80 - 90°C
als Calciumcarbonat gefällt, um damit einerseits ein Filterhilfsmittel zur Umhüllung
der gefällten Kolloide und eine Oberfläche zur Adsorption nichtfällbarer Nichtzuckerstoffe
zu erzeugen und andererseits das Calciumhydroxid auf einen Restgehalt von 0,7 - 1,4
g/1 Schlammsaft, entsprechend einem pH-Wert von 10,7 - 11,6 bei 20
0C gemessen, zu entfernen. Durch das Durchleiten des Kalkofengases werden ferner die
Hauptmenge des in der Hauptkalkung bei der Verseifung der Amide gebildeten Ammoniaks
und andere gasförmige flüchtige Substanzen aus dem Saft ausgetragen (Ullmanns Encyklopädie
der technischen Chemie, 3. Auflage,
[0003] In der 2. Carbonatation wird durch Einleiten von Kalkofengas bei 90 - 100°C in dem
filtrierten und auf 90 - 100°C erwärmten Saft aus der 1. Carbonatation (Dünnsaft 1),
dem evtl. noch Calciumhydroxid in einer Menge von 0,5 - 1,5 g/1 zugesetzt worden ist,
das Calciumhydroxid möglichst vollständig als Calciumcarbonat gefällt, wobei gleichzeitig
der pH-Wert des Saftes auf 8,6 - 9,4 bei 20° gemessen, erniedrigt wird (Ullmanns Encyklopädie
der Technischen Chemie, 3. Auflage, Bd. 19, Seite 222).
[0004] Aus diesem Stand der Technik geht hervor, daß bisher die Carbonatationen nicht nur
saft-, sondern aus gasseitig getrennt durchgeführt werden, d. h. daß in die Carbonatationen
jeweils frisches Kalkofengas eingeleitet wird.
[0005] Trotz unterschiedlicher konstruktiver Ausbildung der für die Durchführung der Carbonatation
verwendeten Blasensäulenreaktoren gelingt es wegen des vom pH-Wert und der Temperatur
abhängigen Dissoziationsgleichgewichtes Carbonat - Hydrogencarbonat nicht, eine bessere
Ausnutzung des C0
2-Gehaltes des Kalkofengases als von 59% in der 1. Carbonatation und von 45% in der
2. Carbonatation zu erreichen. An diesen Verhältnissen können grundsätzlich auch vorgeschlagene
saft- und gasseitig hintereinandergeschaltete Kaskaden nichts ändern (La Sucrerie
Belge 97, 2, 47 (1978).
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, den Bedarf an Kalkofengas (Carbonatationsgas)
zu verringern und den Wärmehaushalt bei der Saftreinigung entscheidend zu verbessern.
[0007] Zur Lösung dieser Aufgabe werden die in den Ansprüchen ergänzten Verfahrensschritte
vorgeschlagen, wobei bereits der im Anspruch 1 angegebene Verfahrensschritt die genannte
Aufgabe auch hinsichtlich der Verbesserung des Wärmehaushaltes löst.
[0008] Es wurde gefunden, daß es nicht nur gelingt, den Bedarf an Carbonatationsgas für
das Betreiben der Carbonatationenum 8 - 16% zu verringern, wenn man das aus der 2.
Carbonatation austretende Gas in die 1. Carbonatation zurückführt, sondern daß mit
dieser Maßnahme auch eine erhebliche. Wärmeeinsparung (ca. 0,6 kg Dampf/100 kg verarbeitete
Rüben) verbunden ist, da ein Teil des Wärmeinhaltes (ca. 40 - 50%) des aus der 2.
Carbonatation austretenden wasserdampfgesättigten Gases durch Kondensation in dem
um rd.. 10 - 15°C kälteren Saft in der 1. Carbonatation direkt gewonnen werden kann.
Es wurde bisher offenbar übersehen, daß bei der gebräuchlichen Arbeitsweise der Carbonatationen
im Abgas der 2. Carbonatation eine Wärmemenge von ca. 3.000 kJ/ 100 kg verarbeiteter
Rüben und im Abgas der 1. Carbonatation eine Wärmemenge von ca. 4.000 kJ/100 kg verarbeitete-r
Rüben, insgesamt entsprechend einer Dampfmenge von ca. 2,4 kg/100 kg verarbeiteter
Rüben, verlorengehen.
[0009] In konsequenter Weiterverfolgung des erfindungsgemäßen Gedankens wurde nun gefunden,
daß sich auch die Wärmemenge des Abgases der 1. Carbonatation weitgehend wiedergewinnen
läßt, indem das ca. 80°C warme wasserdampfgesättigte Abgas der 1. Carbonatation in
einem Wärmeaustauscher gegen kälteren Saft (Rohsaft, Vorkal kungssaft, Dünnsaft 1
nach Entspannungsverdampfung entsprechend DT-PS 2 729 192) und/oder gegen einströmendes
Kalkofengas abgekühlt und kondensiert wird. Bei dieser Arbeitsweise lösen sich das
im Abgas der 1. Carbonatation enthaltene Ammoniak und die anderen flüchtigen organischen
Verbindungen im kondensierten kalten Wasser, wodurch einerseits eine Geruchsemission
vermieden, andererseits Ammoniak-Wasser als Stickstoffquelle für den biologischen
Abbau von Zuckerfabriksabwässern gewonnen wird.
[0010] Die Erfindung soll im folgenden beispielhaft erläutert werden. Zum Betreiben der
Carbonatationen steht Kalkofengas folgender Zusammensetzung zurVerfügung:

[0011] In der 1. Carbonatation werden pro 100 kg verarbeiteter Rüben 145 1 Saft mit 85°
und einem Ca0-Gehalt von 12 g/1 durch Einleiten von Kalkofengas auf einen Ca0- gehalt
von 1,2 g/l gebracht..
[0012] Bei einer C0
2-Ausnutzung von 59% werden dazu 4,08 kg Kalkofengas benötigt, und bei konventioneller
Arbeitsweise fällt eine Abgasmenge von 4,44 kg bei 80°C und 1,013 bar und folgender
Zusammensetzung an:

[0013] Bei einer Enthalpie von 948,8 kJ/kg Abgas ist eine Wärme- ,menge im Abgas der 1.
Carbonatation von 4.213 kJ/100 kg verarbeiteter Rüben enthalten.
[0014] In der 2. Carbonatation werden pro 100 kg verarbeiteter Rüben 135 1 Saft mit 95°C
und einem CaO-Gehalt von 2,5 g/l durch Einleiten von Kalofengas auf einen CaO-Gehalt
von 0,25 g/l gebracht.
[0015] Bei einer C0
2-Ausnutzung von 45% werden dazu 1,04 kg Kalkofengas benötigt, wobei eine Abgasmenge
von 1,96 kg bei 90° und 1,013 bar mit folgender Zusammensetzung anfällt: .

[0016] Das Abgas der 2. Carbonatation hat eine spezifische Enthalpie von 1.619,5 kJ/kg,
demnach ist im Abgas der 2. Carbonatation eine Wärmemenge von 3.174 kJ/100 kg verarbeiteter
Rüben enthalten.
[0017] Wird nun erfindungsgemäß das Abgas der 2. Carbonatation mit einem Kompressor, einer
Wasserringpumpe oder mit einem Dampf- oder Flüssigkeitsinjektor angesaugt und in die
1. Carbonatation eingeleitet, dann werden an Kalkofengas für das Betreiben der 1.
Carbonatation zum Erreichen der oben angegebenen Betriebszustände lediglich 3,50 kg
Kalkofengas benötigt, die Einsparung an Kalkofengas beträgt demnach 0,58 kg oder 14%.
An Gesamtabgas aus der 1. Carbonatation fallen 5,11 kg bei 82
0 und 1,013 bar mit folgender Zusammensetzung beim erfindungsgemäßen Verfahren an:

[0018] Bei einer spezifischen Enthalpie von 1.106,7 kJ/kg ist im Gesamtabgas der 1. Carbonatationeine
Wärmemenge von 5.655 kJ/100 kg verarbeiteter Rüben enthalten.
[0019] Die Wärmeersparnis allein durch das Rücknehmen des Abgases der 2. Carbonatation in
die 1. Carbonatation beträgt 1.732 kJ/100 kg Rüben oder 0,647 kg Dampf/100 kg verarbeiteter
Rüben (4.213 + 3.174 - 5.655).
[0020] Der Wärmeinhalt des Abgases der 1. Carbonatation von 5.655 kJ/100 kg verarbeiteter
Rüben wirddann in Wärmeaustauschern zum Anwärmen von kälteren Medien, z. B. von Rohsaft
von 20°, von Dünnsaft 1 nach der Entspannungsverdampfung von 20° oder von Kalkofengas
von 20°, zu rd. 80 - 90% ausgenutzt. Dabei fallen an ammoniakhaltigem Kondensat ca.
2 kg/lOOkg Rüben an.
1. Verfahren zur Verbesserung der Arbeitsweise der Carbonatationen (Saturationen)
einer Zuckerfabrik, dadurch gekennzeichnet, daß das Abgas der 2. Carbonatation in
die 1. Carbonatation zurückgeführt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Abgas der 1. Carbonatation
unter Ausnutzung seines Wärmeinhaltes in Wärmeaustauschern gegen kältere Medien, z.
B. Rohsaft, Dünnsaft 1 nach Entspannungsverdampfung, Kalkofengas u. dgl. abgekühlt
wird.
3. Verfahren zur Verbesserung der Arbeitsweise der Carbonatationen einer Zuckerfabrik,
dadurch gekennzeichnet, daß das Abgas der 1. Carbonatation und der 2. Carbonatation
gemeinsam oder getrennt unter Ausnutzung seines Wärmeinhaltes in Wärmeaustauschern
gegen kältere Medien, z.B. Rohsaft, Dünnsaft 1 nach Entspannungsverdampfung, Kalkofengas usw. abgekühlt wird.