[0001] Die Erfindung bezieht sich auf einen Elektronenbeschleuniger mit einer evakuierten
Beschleunigungsröhre, mit einem dem Elektronenstrahl ausgesetzten Target, mit einem
dem Target in Strahlenrichtung nachgeschalteten Elektronenabsorber, mit einem Kollimator
und mit einem zentriert zur Symmetrieachse der Ausblendöffnung des Kollimators angeordneten
Ausgleichskörpers.
[0002] Durch die DE-OS 27 27 275 ist ein vorzugsweise für den Einsatz in der medizinischen
Strahlentherapie bestimmter Elektronenbeschleuniger bekannt. Bei diesem Elektronenbeschleuniger
ist ein Target dem aus dem Strahlenaustrittsfenster der Beschleunigungsröhre austretenden
Elektronenstrahl ausgesetzt. In Strahlenrichtung hinter dem Target ist ein Elektronenabsorber,
durch den die in der Röntgenstrahlung übriggebliebenen Elektronen herausgefiltert
werden, angeordnet. In Strahlenrichtung hinter dem Elektronenabsorber befindet sich
ein Kollimator für die Ausblendung des maximalen zur Anwendung kommenden Röntgenstrahlenfeldes.
Zur Ausblendöffnung des Kollimators zentriert, in denselben hineinragend, ist ein
aus Eisen gefertigter Ausgleichskörper am Kollimator befestigt. Durch ihn wird die
Intensität der Strahlung über die gesamte Breite des Röntgenstrahlenfeldes hinweg
ausgeglichen. Bei einem solchen Elektronenbeschleuniger wird es als nachteilig empfunden,
daß der niederenergetische Röntgenstrahlenanteil relativ hoch ist.
[0003] Zwar ist es zur Reduzierung des niederenergetischen Röntgenstrahlenanteils bei dem
der obengenannten DE-PS 27 27 275 zugrundeliegenden Gerät bekannt, in dem Elektronenstrahl
einen diesen um 270
0 umlenkenden und die Elektronen vorgegebener Energie fokussierenden Umlenkmagneten
einzusetzen. Auf-diese Weise wird das Target nur noch von Elektronen der jeweils eingestellten
Beschleunigungsenergie getroffen. Ein solcher Umlenkmagnet ist in seiner Konstruktion
jedoch außerordentlich aufwendig und benötigt auch einen entsprechend großen Platz
zwischen dem Strahlenaustrittsfenster der Beschleunigungsröhre und dem Target. Dieses
wiederum beeinflußt die Baugröße des Beschleunigers in unerwünschter Weise.
[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, bei einem Elektronenbeschleuniger,
bei dem kein Umlenkmagnet verwendet wird, eine Aufhärtung der Röntgenstrahlung mit
möglichst einfachen Mitteln zu erreichen.
[0005] Bei einem Elektronenbeschleuniger der eingangs genannten Art ist daher erfindungsgemäß
dem Elektronenabsorber eine aus Schwermetall, z.B. aus Blei, gefertigte Filterplatte
nachgeschaltet und ist der Ausgleichskörper dafür aus einem Material vergleichsweise
niedriger Ordnungszahl, vorzugsweise aus Aluminium, gefertigt. Dabei wird die Tatsache
ausgenützt, daß die Elemente höherer Ordnungszahl Röntgenquanten niedriger Energie
verhältnismäßig stärker schwächen als Röntgenquanten höherer Energie, d.h., daß über
den gesamten Strahlenquerschnitt hinweg verstärkt jene Röntgenquanten absorbiert werden,
deren Energie im Absorptionsmaximum des Materials der Filterplatte liegt. Bei den
für die Filterplatte in Frage kommenden Schwermetallen, wie z.B. Uran, Wolfram, Tantal,
Gold und Blei, werden auf diese Weise insbesondere jene Röntgenquanten mit Energien
zwischen 1 und 3 MeV verstärkt absorbiert. Diese Lösung bringt den besonderen Vorteil
mit sich, daß durch den aus Aluminium gefertigten Ausgleichskörper selbst keinerlei
Aufhärtung der Strahlung, wie das der Fall gewesen wäre, wenn dieser aus einem Material
höherer Ordnungszahl, wie z.B. Kupfer oder gar Blei, gefertigt worden wäre, erfolgt.
Eine Aufhärtung der Röntgenstrahlung durch den Ausgleichskörper hätte wegen der unterschiedlichen
Dicke des Ausgleichskörpers zu einer unerwünschten, im Strahlenkegel radial abnehmenden
Aufhärtung geführt.
[0006] Eine besonders zweckmäßige Weiterbildung der Erfindung wird erreicht, wenn die Filterplatte
zwischen dem Elektronenabsorber und dem Ausgleichskörper eingesetzt ist. Dies hat
den Vorteil, daß die Filterplatte wegen des in Strahlenrichtung vorgeschalteten Elektronenabsorbers
nicht mehr von Elektronen getroffen werden kann und daher selbst nicht als konkurrierendes
Target in Erscheinung tritt. Unter dieser Voraussetzung kann die Wahl des Filtermaterials
ausschließlich auf seine Eignung zur Aufhärtung der Röntgenstrahlung abgestellt werden.
Darüber hinaus wird der der Filterplatte in Strahlenrichtung nachgeschaltete Ausgleichskörper
von Röntgenstrahlung getroffen, die durch die vorgeschaltete Filterplatte weitgehend
homogenisiert ist.
[0007] Eine besonders einfache Konstruktion ergibt sich, wenn das Target in vorteilhafter
Weiterbildung der Erfindung auf der der Beschlenigungsröhre zugewandten Seite des
Elektronenabsorbers angebracht ist. In diesem Fall stützt der Elektronenabsorber,
der in seinen Abmessungen deutlich stärker gehalten werden muß als das im allgemeinen
nur aus einer ca. 3 mm starken Bleifolie bestehende Target, dieses ab. Außer der verbesserten
mechanischen Schutzfunktion legt diese Lösung zugleich die Basis für eine weitere
Verbesserung der Konstruktion.
[0008] Die Strahlenbelastung des Targets läßt sich nämlich bedeutend erhöhen, wenn der Elektronenabsorber
in besonders zweckmäßiger Ausgestaltung der Erfindung gekühlt ist. In diesem Fall
dient der Elektronenabsorber nicht nur als schützende Unterlage für das Target, sondern
zugleich auch als Kühlkörper, an dessen massiver Wand leicht Kühlmittel angeschlossen
werden können.
[0009] Weitere Einzelheiten der Erfindung werden anhand eines in der Figur gezeichneten
Ausführungsbeispiels erläutert.
[0010] Die Figur zeigt eine Schnittdarstellung durch die beiden letzten Hohlraumresonatoren
einer Beschleunigungsröhre, durch das Target und durch den Kollimator.
[0011] In der Figur sind die beiden letzten,scheibenförmig aufeinander gesetzten Hohlraumresonatoren
1, 2 einer Beschleunigungsröhre 3 eines Linearbeschleunigers längs ihrer Symmetrieachse
4 aufgeschnitten dargestellt. Die Symmetrieachse der Hohlraumresonatoren fällt mit
dem Elektronenstrahl 5 zusammen. Die Austrittsöffnung 6 des letzten Hohlraumresonators
2 ist durch eine Metallplatte hoher Wärmeleitfähigkeit, dem Elektronenabsorber 7,
im Ausführungsbeispiel eine 20 mm starke Kupferplatte, abgeschlossen. Dieser Elektronenabsorber
7 ist auf den letzten Hohlraumresonator 2 gasdicht aufgelötet. An der Stelle des Elektronenabsorbers
7, auf der der Elektronenstrahl 5 auftreffen würde, ist dieser mit einer scheibenförmigen
Einsenkung versehen, in die ein nur wenige Zehntel mm dickes Target 8 aufgelötet ist.
Zugleich,ist der Elektronenabsorber 7 mit Kühlkanälen (nicht dargestellt) versehen,
die zum Anschluß an ein der Übersichtlichkeit halber hier nicht dargestelltes Kühlsystem
in Schlauchanschlüssen 9, 10 enden. Der Elektronenabsorber 7 trägt auf der dem Target
8 abgewandten Seite eine Filterplatte 11. In Strahlenrichtung hinter dem Elektronenabsorber
7 und der auf dem Elektronenabsorber aufgeschraubten Filterplatte ist der Kollimator
12 mit einer kegelförmigen Öffnung 13 für den Durchtritt des maximal zur Anwendung
kommenden Röntgenstrahlenfeldes 14 angeordnet. Am Kollimator 12 ist ein Ausgleichskörper
15 befestigt, durch den der einer Gauß'schen Verteilungskurve folgende Intensitätsverlauf
der Röntgenstrahlung über den gesamten Querschnitt des maximal zur Anwendung kommenden
Röntgenstrahlenfeldes 14 ausgeglichen wird.
[0012] Beim Betrieb des Elektronenbeschleunigers treffen die durch die Beschleunigungsröhre
3 beschleunigten Elektronen unmittelbar auf das die Austrittsöffnung 6 der Beschleunigerröhre
3 abschließende Target 8 auf. Dabei wird im Target Röntgenbremsstrahlung erzeugt.
Die im Target entstehende Abwärme wird über die Lötverbindung zwischen Target 8 und
Elektronenabsorber 7 hindurch an den Elektronenabsorber abgegeben und fließt dort
an ein Kühlmittel ab. Die durch das Target hindurchgehenden Elektronen werden im Material
des dahinter befindlichen Elektronenabsorbers 7 abgebremst und absorbiert. Aus diesem
Grund kann in der in Strahlenrichtung hinter dem Elektronenabsorber 7 angeordneten
Filterplatte 11 auch keine weitere Röntgenstrahlung mehr erzeugt werden. Für die Filterplatte
11 ist daher ein Material verwandt worden, das allein aufgrund seiner Absorptionseigenschaften
- einem möglichst großen Absorptionsfaktor im Bereich der niederenergetischen Röntgenquanten
von 1 bis 3 MeV und einem möglichst kleinen Absorptionsfaktor im Bereich der höherenergetischen
Röntgenquanten oberhalb von 3 MeV - ausgewählt worden ist. Für diesen Zweck eignen
sich besonders die Schwermetalle Blei, Tantal, Gold, Wolfram und Uran. Im vorliegenden
Fall ist bei einer zur Anwendung kommenden Elektronenenergie von ca. 4 MeV eine 2
mm dicke Filterplatte aus Blei verwandt worden. Da die Filterplatte 11 über den gesamten
maximalen zur Anwendung kommenden Strahlenquerschnitt hinweg gleich stark ist, ist
der Aufhärtungseffekt für die Strahlung auch über diesen gesamten Strahlenquerschnitt
hinweg gleichmäßig. Der in Strahlenrichtung nachfolgende Ausgleichskörper braucht
und soll daher keinerlei Aufhärtungseffekt mehr zeigen. Er kann daher aus einem Material
niedriger Ordnungszahl gefertigt sein, bei dem die Absorption über das gesamte vorkommende
Röntgenenergiespektrum etwa gleich groß ist. Hierfür ist Aluminium besonders gut geeignet.
[0013] Der Vorteil dieser Bauweise ist insbesondere darin zu sehen, daß die mit dem Weglassen
des aufwendigen und sperrigen 270°-Umlenk- und Fokussierurgsmagneten für den Elektronenstrahl
5 verbundenen Nachteile hinsichtlich der Strahlenqualität weitgehend aufgefangen werden
können, indem der Ausgleichskörper 15 aus einem Material niedriger Ordnungszahl, z.B.
Aluminium, gefertigt und dafür hinter dem Elektronenabsorber 7 eine Filterplatte 11
eingesetzt wird, die Röntgenquanten niedrigerer Energie bevorzugt absorbiert. Die
Bauweise ist nicht nur entschieden preiswerter, sondern sie führt außerdem noch zu
wesentlich kleineren und in der medizinischen Anwendung leichter zu positionierenden
Geräten.
1. Elektronenbeschleuniger mit einer evakuierten Beschleunigungsröhre, mit einem dem
Elektronenstrahl ausgesetzten Target, mit einem dem Target in Strahlenrichtung nachgeschalteten
Elektronenabsorber, mit einem Kollimator und mit einem zentriert zur Symmetrieachse
der Ausblendöffnung des Kollimators angeordneten Ausgleichskörper, dadurch gekennzeichnet
, daß dem Elektronenabsorber (7) eine aus Schwermetall, z.B. aus Blei, gefertigte
Filterplatte (11) nachgeschaltet ist und der Ausgleichskörper (15) dafür aus einem
Material vergleichsweise niedriger Ordnungszahl, vorzugsweise aus Aluminium, gefertigt
ist.
2. Elektronenbeschleuniger nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß die Filterplatte
(11) zwischen dem Elektronenabsorber (7) und dem Ausgleichskörper (15) eingesetzt
ist.
3. Elektronenbeschleuniger nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Filterplatte
(11) bei einer Elektronenenergie von 2 bis 10 MeV einen Blei-Gleichwert von mindestens
1 mm aufweist.
4. Elektronenbeschleuniger nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß das Target
(8) auf der der Beschleunigungsröhre (3) zugewandten Seite des Elektronenabsorbers
(7) angebracht ist.
5. Elektronenbeschleuniger nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet , daß der Elektronenabsorber
(7) gekühlt ist.
6. Elektronenbeschleuniger nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß die Filterplatte
(11) auf der dem Target (8) abgewandten Seite des Elektronenabsorbers (7) befestigt
ist.
7. Elektronenbeschleuniger nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet , daß der Elektronenabsorber
(7) die Beschleunigungsröhre (3) auf der Strahlenaustrittsseite vakuumdicht abschließt.
8. Elektronenbeschleuniger nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß das Target
(8) die Beschleunigungsröhre (3) auf der Strahlenaustrittsseite vakuumdicht abschließt.