[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum chemischen Aufzeichnen von Grenzschichtströmungen
auf anodisch oxidierte unverdichtete Aluminiumoberflächen.
[0002] Für viele Bereiche der Technik ist das Erfassen der Grenzschichtströmungen von Bedeutung.
Insbesondere in Maschinen-, Apparate- und Gerätebauteilen sowie Kühl-und Heizaggregaten
als auch an Wandungen von Schiffen, Wasserbauten, Flüssigkeitsbehältern u.dgl. sind
Ermittlungen von Grenzschichtströmungen von Interesse. Das Strömungsgeschehen und
dessen Ermittlung gibt auch Auskunft über die Grenzschichtdicke und den Wärme- und
Stoffübergang. Hierfür eingesetzte Methoden unter Verwendung von Meßsonden, z.B. Laseranemometer,
durch Fixieren einer Vielzahl von Wollfäden und Photographieren derselben während
der Beströmung, durch Abtragen oder Mitziehen von löslichen oder zähflüssigen Anstrichen,
durch chemische Veränderung von Oberflächenschichten bzw. Oberflächenbeschichtungen
mittels in die strömende Flüssigkeit eingebrachter geeigneter Chemikalien, z.B. Schlierenmethode,
sind sehr aufwendig.
[0003] Es ist ferner bekannt, Grenzschichtströmungen in Gasen dadurch aufzuzeichnen, daß
eine anodisch oxidierte unverdichtete Aluminiumoberfläche von einem mit reaktiven
sauren oder basischen chemischen Agenzien vermischten Luftstrom angeströmt und die
durch den Gasstrom unterschiedlich veränderte Schicht eingefärbt wird (DE-PS 2.133.835).
[0004] Aufgabe der Erfindung ist, Grenzschichtströmungen in strömenden wäßrigen, nichtwäßrigen
und öligen Medien aufzuzeichnen und auf den beströmten Oberflächen lokal sichtbar
zu machen, um Informationen über das Strömungsgeschehen, die Beströmung von Oberflächen,
die Grenzschichtdicke, den Wärme- und Stoffübergang für die Prüfung und Optimierung
von Strömungsvorgängen für strömungstechnisch interessierende Objekte wie z.B. Schiffe
und Motoren zu gewinnen.
[0005] Dies wird erfindungsgemäß dadurch erreicht, daß auf eine nicht oder nicht vollständig
verdichtete anodisch oxidierte Aluminiumoberfläche einen in die Eloxalschicht einlagerbaren
und adsorbierbaren Farbstoff und mindestens eine nicht in die Eloxalschicht einlagerbare
oder adsorbierbare in Wasser oder organischen Medien lösliche Substanz enthaltend
aufgebracht und mit einer farblosen oder gefärbten Flüssigkeit beströmt wird und die
durch die Grenzschichtströmung in die kapillaraktive Eloxalschicht eingeschriebene
Verfärbung und/oder Konturierung entwickelt wird.
[0006] Geeignete Aluminiumoberflächen können erfindungsgemäß aus einem anodisierfähigen
Aluminiumwerkstoff, einem mit anodisierfähigen Aluminium beschichtbaren Material oder
einem mit einer selbstklebenden, anodisierbaren Aluminiumfolie beklebten oder überzogenen
Material bestehen.
[0007] Das erfindungsgemäße Verfahren ist einfach durchführbar bei einem verhältnismäßig
geringen zeitlichen und technischen Aufwand. Es erlaubt eine direkte Aufzeichnung
der Grenzschichtströmungsverhältnisse. Die Deutung und Auswertung ist durch die konturenscharfe
Aufzeichnung leicht vorzunehmen. Es tritt insbesondere kein Verzerren in der Chemigraphieaufzeichnung
ein. Es können auch Intensität und Strömungsrichtung auf den beströmten Oberflächen
lokal sichtbar gemacht werden. Von besonderem Vorteil ist die Möglichkeit der Durchführung
des Verfahrens nicht nur bei Raumtemperatur, sondern auch bei niedrigeren Temperaturen
(bis -20°C) und vor allem bei höheren Temperaturen bis ca. 250°C und daß auf sowohl
glatten als auch rauhen Oberflächen aussagekräftige Grenzschichtströmungschemigraphien
erhalten werden können. Auch die Profilierung des zu untersuchenden Modells spielt
keine Rolle, da die Eloxalschicht mit der Farbstoffeinlagerung selbst in spitzen Winkeln
und an Rundungen hergestellt werden kann. Durch die Verdichtungsmöglichkeit der chemigraphierten
Farbeloxalschicht weisen die Grenzschicht auf Zeichnungen in der Farbintensität nahezu
unbegrenzte Haltbarkeit auf. Die exakt einzustellenden Bedingungen zur Herstellung
der Eloxalschichtdicke und der Farbstoffkonzentration gewährleisten eine hohe Reproduzierbarkeit
der "Trägersubstanzkonzentration" sogar bei kurzen Expositionszeiten. Das erfindungsgemäße
Verfahren bietet die Möglichkeit auch noch bei extrem hohen Umdrehungsgeschwindigkeiten
die Grenzschichtströmungen beispielsweise eines Flügelrades in einer Strömungsvorrichtung
aufzuzeichnen, da ein Abplatzen oder Wegschleudern der präparierten Schicht durch
die auftretenden Fliehkräfte nicht eintritt. Selbst nieder- und hochviskose Flüssigkeiten
führen noch zu konturenscharfen Chemigraphien.
[0008] Als zu chemigraphierende Oberflächen, kapillaraktive Eloxaloberflächen, sind Bauteile
und Formstücke aus vorzugsweise farblos anodisieriähigen A1-Werkstofien, damit eine
Beeinträchtigung der Farbkontraste ausgeschlossen wird, vorzugsweise jedoch klebefähige
Folien und Bleche aus Reinaluminium in Dicken von 20 µm bis zu einigen Millimetern
geeignet. Bei strömungstechnisch interessierenden Objekten, deren Oberflächen nicht
aus farblos anodisierfähigen Al-Werkstoffen bestehen, stellt man Modelle aus solchen
Al-Werkstoffen (z.B. aus Raffinal®, AlMg3 oder AlMgSi 0,5) her oder überzieht deren
Oberflächen oder zumindest die strömungstechnisch interessierenden Oberflächenbereiche
mit farblos anodisierfähigem Aluminium, Al-Folien oder Al-Blechen. Handelt es sich
um Objekte aus elektrisch leitfähigen Materialien, dann kann deren Oberfläche mit
Hilfe des Galvanoaluminierverfahrens mit dem vorzüglich und farblos-transparent anodisierbaren
Galvano-Aluminium (Sigal®-Oberfläche) beschichtet werden. Die Galvano-Aluminium-Eloxal-Schicht-Oberflächen
sind sehr homogen und gleichmäßig einfärbbar, frei von Texturen und mit 4000 N/mm
2HV vorteilhaft hart, d.h. für strömungstechnisch stark oder sogar abrasiv beanspruchte
Oberflächen besonders geeignet. Die Galvano-Aluminium-Eloxal-Beschichtung von Bauteilen
und Formstücken bietet sich vorzugsweise dann an, wenn die zu chemigraphierenden Oberflächen
dreidimensional gekrümmt sind (z.B. Propellerblatt einer Schiffsschraube oder Oberfläche
einer Rühr- oder Förderschnecke) und das formgetreue Überziehen bzw. Bekleben mit
Al-Folie Schwierigkeiten bereitet. Weitere geeignete Verfahren zur Beschichtung von
Bauteilen oder Formstücken aus Aluminium sind z.B. Vakuumbedampfen, Flammspritzen
und Tauchaluminieren, wenn die hierdurch erhaltenen Aluminiumbeschichtungen gleichmäßig
hinreichend dicht und dick und vorzugsweise farblos anodisierbar sind.
[0009] Geeignete strömende Medien sind z.B. Wasser und wäßrige und organische Lösungen sowie
ölige und pastöse Flüssigkeiten.
[0010] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren können beispielsweise auf nach dem Gleichstrom-Schwefelsäure-Verfahren
(GS-Verfahren) hergestellten Eloxalschichten im Bereich von 1-25 gm, vorzugsweise
8-12 µm Dicke, Grenzschichtströmungen mittels charakteristischer Farbstoffadsorption
aufgezeichnet werden.
[0011] Hierzu kann gemäß einer Verfahrensweise A erfindungsgemäß die Flüssigkeit homogen
mit einem von der farblosen Eloxalschicht adsorbierbaren Farbstoff angefärbt werden.
Es findet bei ruhender Flüssigkeit ein langsames und auf allen (von der eingefärbten
Flüssigkeit berührten) Oberflächenbereichen gleichmäßiges Eindiffundieren und Adsorbieren
von Farbstoff statt. Bei strömender Flüssigkeit hingegen wird in Abhängigkeit von
der jeweiligen Grenzschichtdicke und Beströmungszeit mit abnehmender Grenzschichtdicke
mehr Farbstoff adsorbiert und dadurch ein charakteristisches Bild der lokalen Grenzschichtströmung
direkt aufgezeichnet. Weil sich die Grenzschichtströmung gewissermaßen selbst in die
kapillaraktive Eloxalschicht einschreibt, kann ein solches Aufzeichnungsverfahren
als "Eloxal-Farbschicht-Chemigraphie von Grenzschichtströmungen" bezeichnet werden.
[0012] Vor allem bei nichtwäßrigen Flüssigkeiten hat sich eine Verfahrensweise B, die negative
Verfahrensweise zur Verfahrensweise A,besonders bewährt. Hierzu wird erfindungsgemäß
die Eloxaloberfläche homogen eingefärbt und der strömenden Flüssigkeit ein den Farbstoff
entfärbendes bzw. chemisch sichtbar veränderndes Agens zugesetzt. Mit abnehmender
Grenzschichtdicke wird das Agens stärker und rascher wirksam. Es entsteht ein Eloxal-Farbschicht-Chemigraphie-Negativ.
[0013] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform C des erfindungsgemäßen Verfahrens
kann sowohl bei eingefärbter als auch bei nicht eingefärbter unverdichteter Eloxaloberfläche
durch das strömende Medium ein Verdichtungsvorgang herbeigeführt werden, der zunächst
zu einem latenten Chemigraphiebild führt, das durch einen Entwicklungsvorgang,einmal
durch Ätzkontrastierung zum anderen durch Einfärben,sichtbar wird.
[0014] Diese Verfahrensweise eignet sich besonders für heiße hydroxylionenhaltige Flüssigkeiten.
Überall dort wo die heiße hydroxylionenhaltige Flüssigkeit/eingefärbte Eloxalschicht
beströmt, wird der Farbstoff durch Verdichten der Eloxalschichtfeinstruktur kochfest
eingeschlossen. Aus den nicht oder nur mäßig von der heißen Flüssigkeit beströmten
Oberflächenbereichen kann der Farbstoff durch anschließendes Behandeln mit verdünnten
Agenzien, z.B. verdünnter Salpetersäure oder Schwefelsäure, herausgelöst werden. Dadurch
entsteht ein besonders kontrastreiches Chemigraphiebild der Grenzschichtströmung (Ätzkontrastierung).
[0015] Auch bei nicht eingefärbten Eloxalschichtoberflächen ist diese Verfahrensweise mit
heißen hydroxylionenhaltigen Flüssigkeiten anwendbar, wobei dann die nicht oder nur
mäßig beströmten Oberflächenbereiche beim anschließenden Einfärben Farbstoff adsorbieren
und sich dadurch von den verdichteten Oberflächenbereichen, die keinen Farbstoff mehr
aufnehmen können, gut sichtbar abheben.
[0016] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
kann auch die lokale Richtung und unter bestimmten Bedingungen auch die Geschwindigkeit
der Grenzschichtströmung und deren zeitliche Fortentwicklung aufgezeichnet werden.
Es wird auf die Oberflächen aus kapillaraktiver Eloxalschicht der adsorbierbare Farbstoff
in Form von Farbstoffpunkten, vorzugsweise regelmäßig mit Hilfe.der Siebdrucktechnik,
beliebig dicht oder aufgelockert unmittelbar auf der Eloxalschichtoberfläche - gewissermaßen
in den Grenzschicht - deponiert. Der Farbstoff kann so ausgewählt sein, daß ihn die
strömende Flüssigkeit auflöst oder nicht auflöst. In letzterem Falle wird dann durch
einen lösenden Zusatz zur strömenden Flüssigkeit die Auflösung des Farbstoffes herbeigeführt.
In jedem Falle werden die kleinen punktförmigen Farbstoffdepots im Maße der lokalen
Grenzschichtströmung aufgelöst, wobei überraschenderweise unmittelbar Farbstoff aus
diesem kleinen Farblösungsvolumen, das von der Grenzschichtströmung richtungsgetreu
mitgeführt wird, in die kapillaraktive Eloxalschicht deutlich sichtbar adsorbiert
wird. Von jedem von der Grenzschichtströmung erfaßten Farbstoffpunkt geht ein Farbschweif
aus, der sich sofort in die Eloxalschicht chemigraphisch "einschreibt" und damit den
lokalen Verlauf der Grenzschichtströmung aufzeichnet und sichtbar macht. Die chemisorptive
Bindung der Farbstoffmoleküle in der Eloxalschichtfeinstruktur, beispielsweise Näpfchen,
Röhren, ist so stark, daß die Farbschweife von der weiter darüberhin strömenden Flüssigkeit
nicht ausgewaschen werden und die pointillisierte Grenzschichtströmungs-Chemigraphie
stabil und dauerhaft ist. Bei Expositionszeiten von wenigen Minuten bis herab in den
Sekundenbereich können Grenzschichtströmungsverläufe richtungsgetreu aufgezeichnet
und fixiert werden.
[0017] Bei dieser als "Pointillisierungstechnik" bezeichneten Verfahrensweise ist eine Relation
zwischen Farbschweiflänge und lokaler Geschwindigkeit der Grenzschichtströmung vorhanden.
Ein einfacher Zusammenhang scheint aber nur bei laminarer Strömung und innerhalb bestimmter
Geschwindigkeitsbereiche zu bestehen.
[0018] Gilt es die Strömungsänderung bzw. einen zeitlich später eintretenden anderen Strömungsverlauf
durch Aufzeichnung des Grenzschichtströmungsverlaufes zu erfassen, so hat sich die
nachfolgend als "Doppelpointillisierung" bezeichnete Verfahrensweise besonders bewährt.
Sie ermöglicht auch das Ausschalten bzw. Zurückdrängen von Anlaufeinflüssen auf die
Grenzschichtströmungschemigraphie stationärer Flüssigkeitsströmungen. Gemäß der Erfindung
wird eine nach dem Pointillisierungsverfahren auf der Eloxaloberfläche appliziertes
Farbstoff-Punktraster durch eine farblose, nicht-chemigraphierende langsam oder zunächst
nicht lösliche Substanz, die über die ganze Oberfläche in hinreichender Schichtdicke
aufgebracht werden kann, mit einem zweiten Sieb gleicher Punktfolge, jedoch mit einem
etwas größeren Punktdurchmesser darüber gedruckt. Bei solchermaßen präparierten Eloxalschichtoberflächen
beginnt das Chemigraphieren der Grenzschichtströmung erst nach dem Auflösen der übergedruckten
Substanz, das heißt Anlauf- oder Einsenkprobleme können ausgeschaltet werden. Bei
nicht löslichen Substanzen wird die Auflösung im gewünschten Zeitpunkt durch den Zusatz
kleiner Mengen eines auflösenden Stoffes in das Flüssigkeitsvolumen herbeigeführt.
Da auch dieser Auflösungsvorgang im Maße der lokalen Grenzschichtströmung stattfindet,
tritt keine störende Beeinflussung der Grenzschichtströmungs-Chemigraphie ein.
[0019] Auch diese und eine weitere Verfahrensweise nützen das Prinzip des an sich bekannten
Siebdruckes. Diese weitere Ausführungsform F des erfindungsgemäßen Verfahrens wird
mit besonderem Vorteil bei Substanzen eingesetzt, die an feuchter Luft wenig beständig
sind. Es werden hierzu erfindungsgemäß auf eine homogen eingefärbte Eloxalschichtoberfläche
vorzugsweise mittels Siebdrucktechnik Substanzpunkte aus z.B. reduzierenden Stoffen
wie z.B. Natriumdithionit, Na
2S
20
4 oder Hydrazinsulfat N
2H
6S0
4 oder oxidierenden Stoffen wie z.B. Ammoniumpersulfat (NH
4)
2 S
20
8, Kaliumpersulfat K
2S
2O
8, Natriumperborat NaB
02.
H202*3
H20 oder Na
2B
4O
7.H
2O
2.9H
2O Perborax oder chemisch den Farbstoff sichtbar verändernde Stoffe (nitrierende, bromierende
oder zersetzende Stoffe) aufgedruckt, die dann von der strömenden Flüssigkeit gelöst
und gemäß dem Verlauf der Grenzschichtströmung den adsorbierten Farbstoff entfärben
oder sichtbar verändern.
[0020] Für das erfindungsgemäße Verfahren sind zur Einfärbung der Eloxalschicht bzw, des
Flüssigkeitsmediums wasserlösliche, in organischen Lösungsmitteln lösliche und öllösliche
Farbstoffe, insbesondere die im Handel erhältlichen Aluminiumfarbstoffe geeignet,
z.B. Alizarin-, Indanthren-,Anthrachinon-, Azo-, Indigo- oder Chinaldinfarbstoffe.
[0021] Für die Anwendung der "Pointillisierungstechnik" werden für wäßrige Strömungsmedien
die gleichen Farbstoffe verwendet. Bei nichtwäßrigen Medien werden bevorzugt im Handel
erhältliche Farbpasten (Aluprint®) oder käufliche Farbstoffe (z.B. Savinyl®) eingesetzt.
Für die öligen Medien eignen sich ebenfalls bevorzugt die bereits erwähnten Aluprint®-Pasten
oder die Farbstoffe Sudanblau
®, -rot usw. Um jedoch diese teils pulverförmigen Farbstoffe einzusetzen, müssen sie
zur Anwendung der Siebdrucktechnik in einem pastösen Zustand überführt werden.
[0022] Vielfach hat sich eine Paste aus mehreren Komponenten als besonders günstig erwiesen,
in der die eine Komponente die Funktion der eigentlichen Druckpaste mit passender
Konsistenz und Oberflächenspannung sowie ausgezeichneterHaftfestigkeitsvermittlung
für das Farbstoffdepot, vorzugsweise das siebgedruckte Farbstoffdepot hat, während
die andere Komponente den eigentlichen Chemigraphiefarbstoff darstellt, der von strömenden
Flüssigkeitsmedien gelöst und aus dem gefärbten Grenzschichtströmungsvolumen in die
kapillaraktive Eloxalschicht chemisorbiert und adsorbiert wird. Zur Einstellung der
erforderlichen Viskosität wird noch ein Verdünner, vorzugsweise Methyläthylketon,
zugesetzt.
[0023] Bei Beströmung mit z.B. nichtwäBrigen oder öligen Strömungsmedien, bei denen der
Chemigraphiefarbstoff nicht unmittelbar löslich ist, werden dem Strömungsmedium geringe
Mengen eines organischen, jedoch mischbaren Lösungsmittels, beispielsweise Aceton,
Dichlormethan, Toluol oder Xylol zugesetzt.
[0024] Zur Verstärkung des Chemigraphie-Aufzeichnungseffektes können den Farbstoff- und
Agenzienpasten auch noch im UV-Licht aufleuchtende oder fluoreszierende Stoffe beigemischt
werden, in Sonderfällen radioaktiv markierte Stoffe, die nach dem Chemigraphieren
durch Auflegen einer strahlungsempfindlichen Folie auf die chemigraphierten Eloxalschicht
in an sich bekannter Weise durch längere Expositionszeiten auch noch sehr verdünnte,
in minimaler Menge adsorbierte Stoffe und damit den Verlauf der Grenzschichtströmung
sehr empfindlich sichtbar machen. Auch geeignete Kombinationen photographisch nutzbarer
Stoffe erwiesen sich als vorteilhaft.
[0025] Für die erfindungsgemäße Verfahrensweise durch Pointillisieren mittels Siebdruck
unter Verwendung eines Rasters, beispielsweise eines Rasters mit Punkt-, Strich- oder
Kreisrasteröffnungen, wobei gemäß der Doppelpointillisierung mit zwei Rastereinheiten
gearbeitet wird, dessen Öffnungen beispielsweise die punkt-oder strichförmig im zweiten
Raster etwas größer als im ersten sind (Fig. 4 und 5), werden erfindungsgemäß Abdeck-
und Schutzpasten verwendet, die im Flüssigkeitsmedium hinreichend langsam löslich
sind, mit dem Farbstoff nicht reagieren und in die kapillaraktive Eloxalschicht `weder
adsorbierbar noch einlagerbar sind. Sofern die Paste im Flüssigkeitsmedium unlösliche
Bestandteile enthält, müssen diese durch Zugabe kleinster Mengen an Lösungsvermittlern
auflösbar sein. Druckpasten aus Rohrzucker (Saccharose), Methylcellulose und Wasser
oder Gelatine, Methylcellulose und Wasser haben sich als geeignet erwiesen. Besonders
geeignete Pastenmischungen bestehen aus 50 Gewichtsteilen Saccharose, 4 Gewichtsteilen
Methylcellulose und 46 Gewichtsteilen Wasser oder 2-3 Gewichtsteilen Gelatine, 0,5
Gewichtsteilen Methylcellulose und ca. 60 Gewichtsteilen Wasser.
[0026] Nach dem Trocknen der bedruckten Eloxalschicht-Aluminiumfolien oder -aluminiumbleche
an reiner Luft bei Raumtemperatur in etwa 2 Stunden oder im Trockenschrank bei 50°C
in ca. 30 Minuten sind die. erfindungsgemäßen Chemigraphie-Materialien für Grenzschichtströmungsaufzeichnungen
einsetzbar. In Polyäthylenfolientaschen eingepackt bzw. eingeschweißt sind sie bei
Raumtemperatur in trockener Atmosphäre mindestens 1 Jahr haltbar und gut auf Vorrat
zu halten.
[0027] Das erfindungsgemäße Verfahren wird mit besonderem Vorteil zum Aufzeichnen von Grenzschichtströmungen
eingesetzt, die in Kühl- und Heizaggregaten auftreten sowie in Umlauf-, Galvanisier-
und Spülbädern. Die Aufzeichnungen erlauben z.B. die Optimierung der Wasserkühlung
von Flachbaugruppen.
[0028] Die Erfindung wird durch die folgenden Beispiele näher erläutert.
Herstellung des Chemigraphie-Materials
[0029] a) Herstellung einer farblosen Aluminiumeloxalschichtoberfläche
1. Ein Zylinder (oder Hohlzylinder) mit den Abmessungen 55 mm hoch 60 mm Durchmesser
aus AlMg3 gefertigt, dessen Oberflächen im Strömungskanal chemigraphisch untersucht
werden sollen, wird im stabilisierten Perchloräthylen-Dampfbad entfettet, im NaOH-Bad
einige Sekunden abgeätzt und seine Oberfläche in Spül- und Beizbädern, z.B. aus verdünntem
HN03 gereinigt. Unmittelbar anschließend wird dann der gereinigte Zylinder (oder Hohlzylinder)
in einem Anoden-Rahmen aus Titan-Werkstoff fixiert und kontaktiert und seine Oberfläche
bei 1,5 A/dm2 Stromdichte und von 0 bis 17 V ansteigender Badspannung in 18°C kalten Gleichstrom-Schwefelsäure-Eloxierbad
(GS-Bad) ca. 30 min anodisch oxidiert.
2. Die dreidimensional gekrümmte Oberfläche einer Modellschiffsschraube aus Stahl,
Messing- oder Bronze wird mit einer ca. 20 pm dünnen Galvano-Aluminiumschicht überzogen
und die sehr homogene silberhelle Galvano-Aluminiumschicht dann im GS- oder GSX-Bad
ca 15 µm stark anodisiert.
3. Auf abwickelbare Bauteiloberflächen werden selbstklebende Aluminiumfolienstücke
ca. 0,1 mm stark aufgebracht, die zuvor durch kurzzeitiges Eintauchen in verdünnte
Natronlauge, Wasser und entionisierten Wasser gereinigt worden sind. Zum Anodisieren
werden die Stücke dann in ein GSX-Bad eingesenkt und bei 1,5 A/dm2 Stromdichte, 22 Volt Badspannung und 13°C 40 min anodisch oxidiert.
[0030] b) Einfärbung einer Aluminiumeloxalschicht
1. Ein nach dem Verfahren a1) hergestelltes Muster wurde bei einer Badtemperatur von
20 C 5 min eingefärbt in einem Färbebad enthaltend 3 g/1 "Aluminiumblau®". Nach ca.
0,5minütigem Spülen in Wasser von 20° zeigen die Zylinderoberflächen eine allseitig
homogene blaue Einfärbung und können nach dem Trocknen bei 50°C oder Tauchspülen in
Aceton und Trockenblasen mit ölfreier Preßluft sofort für Chemigraphieversuche eingesetzt
werden. In Polyäthylenfolien eingeschweißt und bei Raumtemperatur aufbewahrt sind
die eingefärbten Eloxaloberflächen praktisch über 12 Monate kapillaraktiv und einsatzfähig.
2. Ein nach dem Verfahren a3) einseitig mit einer ca. 15 µm dicken Eloxalschicht überzogenes
und mit Aluminiumfolie beschichtetes Werkstück wird unter Verwendung und Einsatz eines
Färbebades

c) Pointillisieren
[0031] Auf anodisierte Aluminiumstücke oder mit Aluminiumfolie bestückte anodisierte Teile
mit unverdichteten ungefärbten oder gefärbten Eloxalschichten wird mittels Siebdruck
ein Muster hergestellt, vorzugsweise mit regelmäßig verteilten Punkt-, Strich-, Balken-
oder Kreisrastern, vgl. Fig. 1a, 1b, 2a, 2b. Solche Raster und Anordnungen sind im
Hinblick auf das damit auszudruckende Farbstoffvolumen je Rastereinheit besonders
vorteilhaft anwendbar für die Grenzschichtströmungs-Chemigraphie in Strömungskanälen,
wo eine Hauptströmungsrichtung vorgegeben ist und höhere Strömungsgeschwindigkeiten
(Balkenstruktur) zu erwarten sind. Der aufzulösende Farbstoffvorrat je Rastereinheit
ist bei Strich- und Balkenstrukturen größer als bei Punktrastern. Eine weitere Möglichkeit,das
lokale Farbstoffvolumen bzw. Farbstoffdepot zu erhöhen und von Vorzugsrichtungen frei
zu sein, eröffnen Drucksiebe mit Kreisrasteranordnungen, wie sie die Fig.3a u.3b zeigen.
Es können auch Raster aus Dreiecken (mit Spitze in Hauptströmungsrichtung), langgezogenen
Rauten oder Quadraten u.dgl. in vorteilhafter Anordnung für das Bedrucken von kapillaraktiven
Eloxalschichtoberflächen verwendet werden.
[0032] Die mit der geeigneten Lochstruktur versehenen Drucksiebe werden nun im Siebdruckrahmen
in einem Abstand von 1-3 mm über der Eloxalschichtoberfläche der Al-Folie oder des
Al-Bleches straff eingespannt und mit den Farbstoffpasten oder Agenzienpasten beaufschlagt.
Mittels einer Gummirackel wird der Siebdruck der Farbstoffpasten auf die unverdichtete
trockene Eloxalschichtoberfläche vollzogen.
[0033] Die Rastereinheit aus Farbstoff- oder Agenzienpasten enthalten je Rasterstruktur
praktisch gleichgroße Menge an adsorbierbaren Farbstoff bzw. chemisch reagierenden
Agenzien in praktisch gleicher räumlicher Form (Spitzkegel, Halbkugel, Wall etc.),
so daß über die ganze pointillisierte Eloxalschichtoberfläche lokal überall dieselben
stofflichen und geometrischen Voraussetzungen vorgesehen sind. Dies gilt auch für
die nach dem Siebdrucken durch sorgfältiges und gleichmäßiges Trocknen erhaltenen
lagerfähigen pointillisierten Chemigraphie-Materialien.
A. Eloxalfarbschichtchemigraphie - Positiv
Beiqpiel 1
[0034] Auf eine gemäß a3) vorbehandelte Aluminiumfolie wird ein Zylinder senkrecht in einen
mit Wasser gefüllten Strömungskanal gestellt bei Verwendung von

[0035] Den Grenzschichtströmungsverlauf in der Nachbarschaft des Zylinders zeigt Fig. 6.
Man sieht deutlich den schalenförmigen Aufbau des sich an der Vorderseite des Zylinders
als Widerstandskörper aufstauenden Flüssigkeitsmediums und das durch Wirbelbildung
verursachte "Totwasser"-Gebiet an der Rückseite des Zylinders als hervorstechendste
Charakteristika des Grenzschichtströmungsverlaufes.
Beispiel 2
[0036] Ein gemäß a1) beschichteter Zylinder auf nach a3) beschichtete Aluminiumfolie wird
senkrecht in einem mit Öl (Paraffin) gefüllten und mit Aluprint-Marineblau® (5 g/1),
gelöst in Methyläthylketon, eingefärbtes Medium in den Strömungskanal eingebracht.
Die Temperatur der strömenden Flüssigkeit beträgt 70°C, die Strömungsgeschwindigkeit
ca. 8 cm/sec und die Expositionszeit 8 min. Fig. 7 zeigt den Grenzschichtströmungsverlauf
in der Nachbarschaft des Zylinders. Man sieht deutlich, daß auch in öligen Flüssigkeiten
und bei höheren Temperaturen kontrastreiche Grenzschichtströmungsaufzeichnungen erhalten
werden können. Auch in diesem Falle läßt sich der schalenförmige Aufbau des sich aufstauenden
Flüssigkeitsvolumens vor dem Zylinder als Widerstandskörper erkennen. Infolge der
anderen Viskositäts- und Strömungsverhältnisse als bei Wasser (Beispiel 1) zeigt sich
an der Rückseite des Zylinders auf der Aluminiumfolie ein ganz anderes Grenzschichtströmungsbild.
[0037] Nach dieser Verfahrensweise können mit Vorteil Strömungsanalysen in Auto- und Mehrbereichtsölen
vorgenommen werden.
B) Eloxalfarbschichtchemigraphie-Negativ
Beispiel 3
[0038] Auf eine Aluminiumfolie gemäß a3.) 12 um stark mit GSX-Eloxalschicht anodisiert und
rot eingefärbt wird ein Zylinder senkrecht in einen mit Wasser und etwas Salpetersäure
enthaltenden Strömungskanal gestellt. Bei einer Strömungsgeschwindigkeit von 0,5 m/s
und einer Expositionszeit von 1,5 min wird ein konturenstarkes Chemigraphiebild für
den Grenzschichtströmungsverlauf erhalten. Dieses ist der Fig. 6 sehr ähnlich, jedoch
im Sinne eines Farbbildnegativs. Wo in Fig. 6 stärkere Farbtiefen zu erkennen sind,
ist hier der rote Farbstoff stärker herausgelöst und die entsprechenden Oberflächenbereiche
erscheinen silberhell-farblos bis blaßrot.
[0039] Ein gleiches Chemigraphiebild ist erhältlich, wenn anstelle der Salpetersäure das
stark oxidierend wirkende Ozon verwendet wird. Es genügen hiervon bereits Mengen von
etwa 0,01 Gew.%
C) Eloxalfarbschichtchemigraphie - latentes Bild mit Entwicklung
Beispiel 4
[0040]

[0041] Auf der farblosen Oberfläche sind keine Grenzschichtströmungsaufzeichnungen zu erkennen,
wenngleich sich die Grenzschichtströmung durch lokal unterschiedliche Verdichtungsgrade
schon in die Eloxalschicht eingeschrieben hat. Durch anschließendes Eintauchen der
Al-Folie in ein Färbebad: 3 g/1 Aluminiumblau 2 LW® von 20°C über
[0042] 5 min lang wird das latente Chemigraphiebild kontrastreich sichtbar wie die Figur
8 (a,b,c) deutlich zeigt. Unter Titelbild 8c wird der Feinbau des chemigraphischen
Grenzschichtströmungsbildes klar sichtbar.
[0043] Dieses Beispiel zeigt die hohe Empfindlichkeit der kapillaraktiven Eloxalschichtoberfläche
gegen Verdichtungsvorgänge mit heißem Wasser oder Hydroxylionen.
Beispiel 5
[0044] Das in Beispiel 4 prinzipiellaufgezeigte Verfahren wird nun durch einen Versuch im
Strömungskanal - im Heißwasser-Strömungskanal - praxisnah ergänzt.
[0045] Fig. 9 zeigt die Eloxal-Farbschicht-Chemigraphie des Grenzschichtströmungsverlaufes
um ein Tragflügelprofilsegment im mit heißem Wasser betriebenen Strömungskanal.

[0046] Das latente Chemigraphiebild des Grenzschichtströmungsverlaufes auf der präparierten
Grundplatte in unmittelbarer Nachbarschaft zum Widerstandskörper wird durch Einsenken
in ein Färbebad sichtbar gemacht.
[0047] Färbebad: 3 g/l Aluminiumblau 2 LW®, 5 min bei 20°C.
[0048] Nur in die nicht oder nur partiell verdichteten Eloxalschichtfeinstrukturen kann
der Farbstoff noch einziehen und adsorbiert werden. Der lokale Verdichtungsgrad wird
vom Verlauf und Dicke der Heißwasser-Grenzschichtströmung bestimmt.
D) Pointillisierung
Beispiel 6
[0049] Eloxal-Farbschicht-Pointillisierungs-Chemigraphie des lokalen Grenzschichtströmungsverlaufes
um einen auf einer Würfelfläche stehenden Kubus (Fig.10) im mit Wasser gefüllten Strömungskanal.
[0050]

Wie in Fig. 10 sehr gut zu erkennen ist, zeichnen die bis 15 mm langen Farbschweife
den örtlichen Verlauf der Grenzschichtströmung genau und dauerhaft auf. Wie unterschiedlich
die Grenzschichtströmungen in Richtung und Geschwindigkeit in unmittelbarer Nachbarschaft
des Widerstandskörpers sind, wird chemigraphisch mittels der Farbschweife direkt sichtbar
gemacht. Durch anschließendes Verdichten in siedendem entionisiertem Wasser wurde
die Chemigraphie praktisch unbegrenzt haltbar gemacht.
Beispiel 7
[0051] Eloxal-Farbschicht-Pointillisierungs-Chemigraphie des lokalen Grenzschichtströmungsverlaufes
um ein auf einer Dreiecksfläche stehendes dreiseitiges Prisma (Fig.11) im mit Öl gefüllten
Strömungskanal.

[0052] Durch den in der Farbpaste vorhandenen öllöslichen Farbstoff Sudanblau® erhält man
beim Chemigraphieren bis 20 mm lange konturenscharfe Farbschweife, die den Verlauf
der Grenzschichtströmung um das rechtwinklige Prisma lokal und richtungsweisend sehr
deutlich sichtbar machen und dauerhaft in die Eloxalschicht einschreiben (siehe Fig.11).
Beispiel 8
[0053] Während die Beispiele 6 und 7 die hervorragende Möglichkeit der Pointillisierungstechnik
zur Sichtbarmachung und Aufzeichnung der lokalen Grenzschichtströmungsrichtung belegen,
dokumentieren die dreifolgenden Beispiele die erfindungsgemäße Möglichkeit der Pointillisierungstechnik
auch die Grenzschichtströmungsgeschwindigkeit unter Berücksichtigung der Expositionszeit
"sichtbar" zu ,machen, genauer: die aufgezeichnete Farbschweiflänge mit der Geschwindigkeit
der Grenzschichtströmung in Relation zu bringen.
[0054] Die Eloxal-Farbschicht-Pointillisierungs-Chemigraphien in den Figuren 12a und 12b
demonstrieren zunächst beispielhaft den Einfluß der Expositionszeit auf die sich einschreibende
Farbschweiflänge. Um reproduzierbare Versuchsbedingungen leicht einstellen zu können,
wurde die Oberfläche einer im Flüssigkeitsmedium untergetaucht kreisenden Scheibe
von 124 mm Durchmesser mit pointillisiertem Chemigraphie-Material belegt und die Scheibe
über eine zentrale Achse mittels eines regulierbaren Rührmotors angetrieben.

[0055] Die Chemigraphie in Fig. 12a (halbe Originalscheibe) beweist, daß schon in 30 Sekunden
über 10 mm lange Farbschweife deutlich eingeschrieben sind, die - wie strömungs- und
rotationstechnisch zu erwarten ist - mit zunehmender Entfernung vom Drehpunkt der
Scheibe infolge der ansteigenden Zentrifugalgeschwindigkeit der Grenzschichtströmungen
einen größeren Krümmungsradius aufweisen, der in direkter Relation zur lokalen Geschwindigkeit
der Grenzschichtströmung steht und rechnerisch ausgewertet werden kann.
[0056] Die Chemigraphie in Fig.12b demonstriert, daß zwar bei 10fach längerer Expositionszeit
die Farbschweife noch deutlicher und länger (bis über 30 mm lang) werden, die Krümmungsradien
lokal unverändert gleich groß bleiben, weil die Umdrehungsgeschwindigkeit der Scheibe
mit 100 U/min beibehalten worden ist.
[0057] Daß bei hinreichend großem und mengenmäßig gleichem Farbstoffdepot in den Farbstoffpunkten
(bei der unter den gegebenen Bedingungen notwendigerweise ebenen Grenzschichtströmung)
die Farbschweiflängen mit zunehmender Entfernung vom Drehpunkt infolge der ansteigenden
Geschwindigkeit der Grenzschichtströmungen zunehmen und ebenfalls rechnerisch zur
Ermittlung der lokalen Strömungsgeschwindigkeiten ausgewertet werden können, ist folgerichtig
zu erwarten. Eine Versuchsreihe mit rotierenden Scheiben noch größeren Durchmessers
und kreuzförmig angeordneten Farbstoffpunktreihen bietet dafür die experimentell einfachsten
und mathematisch gut überschaubaren Voraussetzungen,solange die Grenzschichtströmungen
im laminaren Bereich bleiben. Die in solchen Versuchen gewonnenen Erkenntnisse über
die Relation zwischen Farbschweiflänge und Geschwindigkeit der Grenzschichtströmungen
sind dann auch für laminare Grenzschichtströmungen in ebenen, gestreckten Strömurigskanälen
und analogen Strömungszuständen in Geräten und Apparaten gültig und nutzbar.
Beispiel 9
[0058] Für die strömungstechnische Untersuchung von Widerstandskörpern (Profilteilen, Formstücken,
Modellobjekten etc.) in Flüssigkeitsströmungskanälen und Apparaturen mit vorzugsweiser
Längsströmung laminarer Art haben sich an Stelle von Farbstoffpunkten Farbstrich-
und Balkenstrukturen entsprechend Fig. 2a und 2b wegen größerer Farbstoffdepotmengen
als besonders vorteilhaft erwiesen. In den Figuren 13, 13a und 13b wird diese Ausführungsform
der Pointillisierungstechnik beispielhaft dargestellt.

[0059] In beiden Fällen haben sich kräftige Farbschweife ausgebildet, die die lokale Grenzschichtströmung
hinsichtlich Richtung und Geschwindigkeit deutlich sichtbar machen und aufzeichnen;
sehr instruktiv die rückläufige Grenzschichtströmung an der Konkavseite des Tra gflügelprofilsegmentes
in Fig.13a. Die Farbstoffstriche enthalten für noch mehrfach längere Expositionszeiten
ausreichend Farbstoff. Die dunkelblauen Farbschweife heben sich sehr kontrastreich_vom
silberhellen Grund des Chemigraphie-Materials ab.
Beispiel 10
[0060] Als dreidimensional geformtes Objekt für eine chemigraphische Grenzschichtströmungsuntersuchung,
das nicht mit präparierter selbstklebender Al-Folie überzogen werden kann und auch
nicht aus einem hell anodisierenden Aluminiumwerkstoff, sondern aus einem anderen
Metall oder leitfähigen Material besteht, kann z.B. ein Propellerblatt (Fig.14 und
15) durch Galvano-Al-Eloxal-Beschichtung gemäß a2) für das erfindungsgemäße Verfahren
präpariert werden. Mit Hilfe der Eloxal-Farbschicht-Pointillisierungs-Chemigraphie
werden die Grenzschichtströmungen auf den Propellerblattoberflächen einer Schiffsschraube
aus Messing- bzw. Bronzelegierung bei verschiedenen Anstellwinkeln sichtbar gemacht
und aufgezeichnet. Hierfür werden die einzelnen Propellerblätter zunächst gemäß a2)
allseitig mit Galvano-Al-Eloxal beschichtet und die ca. 15 µm starke GS-Eloxalschicht
durch Pointillisieren mit einem Farbstoffpunktraster versehen.

[0061] Die Figuren 14a und 15a zeigen die Oberseiten, die Figuren 14b und 15b die Unterseiten
der Propellerblätter mit den chemigraphisch erzeugten Farbschweifen der recht unterschiedlichen
Grenzschichtströmungen.B
esonders .auf den Oberseiten führen die unterschiedlichen Anstellwinkel zu sehr verschiedenen
Grenzschichtströmungen, wie >die Chemigraphien zeigen, doch auch auf den Unterseiten
spiegeln die deutlich voneinander abweichenden Farbschweifrichtungen (bei 14b steiler
als bei 15b) den Einfluß der Anstellwinkel wider. Bemerkenswert sind die gegenläufigen
Grenzschichtströmungen nahe dem Ansatz des Propellerblattes am Drehkopf (besonders
deutlich in den Figuren 15a und 15b). Für den strömungstechnischen Fachmann lassen
sicherlich schon die qualitativen Auswertungen der mit verschiedenen Anstellwinkeln
erhaltenen Grenzschichtströmungs-Chemigraphien eine Beurteilung und Optimierung der
Propellerblattform zu, doch lassen sich bei genau festgelegten Versuchsparametern
aus den Richtungen, Krümmungsradien und Längen der Farbschweife auch quantitative
Ergebnisse gewinnen, die die Kenntnisse über das Strömungsgeschehen an der und um
die Schiffsschraube erweitern.
[0062] Das Objekt dieses Beispiels, die Propellerblattoberfläche, ist bei schwierigeren
Untersuchungsbedingungen für die Doppelpointillisierung prädestiniert, wie Beispiel
12 zeigt.
Beispiel 11
[0063] Dieses Beispiel ergänzt Beispiel 10 in zwei Perspektiven anhand der Figuren 16a und
16b in Eloxal-Farbschicht-Pointillisierungs-Chemigraphien in nichtwäBrigen Flüssigkeitsmedien
und hinsichtlich des Einflusses turbulenter Grenzschichtströmungen auf die Farbschweiflängen.
[0064] Die Versuchsanordnung mit untergetauchter rotierender Scheibe von 120 mm Durchmesser
entspricht prinzipiell der in Beispiel 10; als Flüssigkeitsmedium fungiert jedoch
das viel dünnflüssigere Aceton.

wodurch die erste Chemigraphie (Fig.16a) im Bereich laminarer, die zweite Chemigraphie
(Fig.16b) im Bereich turbulenter Grenzschichtströmung erzeugt worden ist.
E. Doppelpointillisierung
Beispiel 12
[0065] Dem Sinn und Zweck der Doppel-Pointillisierungstechnik entsprechend - Ausschluß von
Eintauch- und Anfahreffekten - wird zur Aufzeichnung der Grenzschichtströmungen in
der Umgebung eines Modell-Voith-Schneider-Propellers mit 4 Messern der Schiffsboden
des Modellbootes mit doppelt-pointillisiertem Chemigraphie-Material beklebt, um eine
Verzeichnung der Chemigraphie beim Eintauchen des Modellbootes und beim Anfahren des
Propellers auszuschließen.

[0066] Fig. 17 zeigt die Eloxal-Farbschicht-Pointillisierungs-Chemigraphie der Grenzschichtströmungen
auf dem Schiffsboden und auf der Rotorfläche, wie sie von dem VOITH-SCHNEIDER-Propeller
erzeugt werden. An praktisch jeder Stelle der beströmten Fläche ist die Richtung der
jeweiligen Grenzschichtströmung zu erkennen und daraus auch die Drehrichtung des Propeller-Rotors
zu entnehmen. Besonders interessant sind Bereiche rechts und oberhalb des Rotors,
wo sich offenbar zwei Hauptströmungsrichtungen durch den gleichmäßig umlaufenden Propeller-Rotor
manifestiert haben.
1. Verfahren zum chemischen Aufzeichnen von Grenzschichtströmungen in Flüssigkeiten
auf einer anodisch oxidierten Aluminiumoberfläche, dadurch gekennzeichnet, daß in
die Flüssigkeit oder gegebenenfalls in oder auf die nicht oder nicht vollständig verdichtete
anodisch oxidierte Aluminiumoberfläche eine in die Eloxalschicht einlagerbare oder
adsorbierbare in wäßrigen, nichtwäßrigen, öligen Medien lösliche Substanz homogen
oder pointillisiert,eine nicht kapillaraktive Schutz- oder Abdeckpaste, ein mit Farbstoffen
reagierendes Agens gebracht bzw. aufgebracht werden, die Oberflächen mit der Flüssigkeit
beströmt und die durch die Grenzschichtströmung in die kapillaraktive Eloxalschicht
eingeschriebene Verfärbung und/oder Konturierung entwickelt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daB ein anodisierfähiger Aluminiumwerkstoff
eingesetzt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein mit anodisierfähigem
Aluminium beschichtetes Material eingesetzt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß ein mit einer selbstklebenden
anodisierbaren Aluminiumfolie beschichtetes Material eingesetzt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet , daß die Flüssigkeit homogen
mit einem von einer farblosen Eloxalschicht adsorbierbaren Stoff angefärbt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet , daß eine heiße Hydroxylgruppen
enthaltende Flüssigkeit eine farblose Eloxalschicht beströmt und letztere anschließend
zur Entwicklung eingefärbt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet , daß eine gefärbte Eloxalschicht
von einer farblosen Flüssigkeit,enthaltend farbstofflösende, oxidierende oder reduzierende
Zusätze beströmt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß eine heiße Hydroxylgruppen
enthaltende Flüssigkeit eine gefärbte Eloxalschicht beströmt und der Farbstoff aus
den nichtverdichteten Oberflächenbereichen herausgelöst wird.
9. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet , daß auf eine farblose
Eloxalschicht Farbstoffdepots aus adsorbierbaren wasserlöslichen, nichtwasserlöslichen
oder öllöslichen Farbstoffen aufgebracht werden.
10. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet , daB auf eine Eloxalschicht
Agensdepots aus chemisch reaktiven oder physikalisch aktiven Substanzen aufgebracht
werden.
11. Verfahren nach Anspruch 9 und 10, dadurch gekennzeichnet , daß die Farbstoff-
bzw. Agensdepots mit einer nicht kapillaraktiven Abdeck-oder Schutzpaste mit einem
etwas größeren Durchmesser überdeckt werden.
12. Abdeck- und Schutzpasten zur Anwendung des Verfahrens nach Anspruch 11 bestehend
aus 50 Gewichtsteilen Saccherose, 4 Gewichtsteilen Methylcellulose und 46 Gewichtsteilen
Wasser.
13. Abdeck- und Schutzpaste zur Anwendung des Verfahrens nach Anspruch 11 bestehend
aus 2-3 Gewichtsteilen Gelatine, 0,5 Gewichtsteilen Methylcellulose und ca. 60 Gewichtsteilen
Wasser.
14. Chemigraphiematerialien zur Durchführung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1
bis 11 bestehend aus an der Oberfläche anodisiertem, unverdichtetem, farblosem oder
eingefärbtem Aluminiumwerkstoff, der mit Farbstoff oder Agensdepots versehen ist,
wobei gegebenenfalls diese von Abdeck- oder Schutzpaste überzogen sind.
15. Verwendung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1 bis 11 zum Aufzeichnen Von flächenhaften
und richtungsweisenden Grenzschichtströmungen in Maschinen, Apparaturen und Aggregaten.