[0001] Photographische Verfahren zur Herstellung farbiger Abbildungen oder zur Wiedergabe
farbiger Vorlagen arbeiten praktisch ausschliesslich nach dem subtraktiven Prinzip.
Im allgemeinen werden dabei auf einem transparenten oder opaken Träger drei übereinanderliegende
Schichten verwendet, die je ein Teilbild in den subtraktiven Grundfarben Blaugrün,.
Purpur und Gelb enthalten. Es ist damit möglich, alle innerhalb des durch die drei
Grundfarben bestimmten Farbraumes liegenden Farbtöne wiederzugeben. Durch geeignete
Wahl der Bildfarbstoffe können damit die in der Natur oder Vorlage vorkommenden Farben
hinsichtlich Tonwert und Sättigung befriedigend wiedergegeben werden. Voraussetzung
dafür ist eine günstige gegenseitige Abstimmung innerhalb des Farbstofftripels und
eine hohe Sättigung der einzelnen Grundfarben.
[0002] Unter praktischen Bedingungen stellt sich dabei allerdings eine Schwierigkeit ein,
die mit einfachen photographischen Mitteln nicht ohne weiteres zu überwinden ist:
Die Farbstoffe, die für die Wiedergabe der drei Grundfarben Blaugrün, Purpur und Gelb
zur Verfügung stehen, weisen nämlich alle neben der erwünschten Absorption in einer
der drei komplementären Hauptfarben Rot, Grün oder Blau noch mindestens ein weiteres,
wenn auch schwächeres Absorptionsgebiet in einem den beiden anderen Grundfarben zugeordneten
Spektralgebiet auf. Diese sogenannte Nebenfarbdichte verhindert an sich nicht die
Wiedergabe aller innerhalb des Farbraumes vorkommenden Farb- und Helligkeitswerte;
sie hat aber zur Folge, dass eine Aenderung der Farbdichte innerhalb einer Farbschicht,
wie sie nach bekannten photographischen Verfahren mit Hilfe einer entsprechend sensibilisierten
Silberhalogenidemulsion erzielt werden kann, sowohl die Hauptfarbdichte, wie auch
die Nebenfarbdichte betrifft. Daraus ergeben sich unerwünschte Farbverschiebungen
und Sättigungsverluste, welche die Farbtreue bei der Wiedergabe einer Vorlage ganz
erheblich stören.
[0003] Nebenfarbdichten sind grundsätzlich bei allen drei subtraktiven Grundfarben vorhanden:
Beim Gelb (Hauptabsorption im Blau) im Rot und Grün, beim Purpur (Hauptabsorption
im Grün) im Rot und Blau und beim Blaugrün (Hauptabsorption im Rot) im Grün und Blau.
Besonders stark und deshalb störend sind die Nebenfarbdichten der Purpurfarbstoffe
im Blau und Rot, ferner die Nebenfarbdichte des Blaugrünfarbstoffs im Blau. Etwas
weniger störend ist die Nebenfarbdichte des Blaugrünfarbstoffs im Grün, und in noch
geringerem Masse sind es diejenigen des Gelbfarbstoffs im Rot und Grün. Dies hat zur
Folge, dass vor allem die Wiedergabe von reinen Blau- und Rottönen bei photographischen
Farbmaterialien stets mit Schwierigkeiten verbunden ist.
[0004] Es hat nicht an Versuchen gefehlt, diesen grundsätzlichen Fehler der photographischen
Farbmaterialien auf verschiedene Arten zu beheben oder doch zu mildern. Da bis jetzt
keine Blaugrün-, Purpur- und Gelbfarbstoffe ohne störende Nebenfarbdichten gefunden
werden konnten, musste das Ziel auf Umwegen erreicht werden: Eines der als Maskierung
bekannten Verfahren beruht darauf, dass man in zusätzlichen Schichten mit gegenläufiger
Gradation die unerwünschte Nebenfarbdichte eines Farbstoffs derart kompensiert, dass,
unabhängig von der jeweiligen Hauptfarbdichte, die Summe der Nebenfarbdichten in der
zu maskierenden Schicht und der Maskenschicht konstant bleibt. Konsequent für alle
sechs Nebenfarbdichten angewandt hat dieses Verfahren allerdings zur Folge, dass keine
reinen Weisstöne (= Abwesenheit jeglicher Farbdichte) mehr erzielt werden können,
sondern im besten Fall neutrale Grautöne. Das Verfahren eignet sich deshalb in erster
Linie zur Herstellung von Farbnegativen oder von Farbauszügen bei Reproduktionsverfahren,
Verfahren also, bei denen der erwähnte Nachteil in der nachfolgenden Kopier- oder
Reproduktionsstufe wiederum kompensiert werden kann.
[0005] Die Maskierverfahren haben auf dem Gebiet der chromogenen Farbphotographie (Farbentwicklungsverfahren)
verbreiteten Eingang gefunden. Zum Maskieren werden dabei verschiedene Effekte ausgenützt.
So kann z.B. das nach der Entwicklung verbleibende Restsilberhalogenid zur Bildung
eines Maskenbildes mit entgegengesetzter Gradation benutzt werden, wie dies in den
deutschen Patentschriften 743 535 und 898 709 oder in der schweizerischen Patentschrift
271 389 beschrieben ist. Andere Patentschriften, wie etwa die deutsche Patentschrift
950 617 oder die britischen Patentschriften 665 657, 714 012 und 1 210 893, beschreiben
die Herstellung eines Maskenbildes durch chemische Umwandlung des bei der Farbentwicklung
unverbraucht zurückgebliebenen Farbkupplers. Eine weitere, z.B. in den deutschen Patentschriften
1 643 980 und 2 185 220 oder in der belgischen Patentschrift 675 259 beschriebene
Methode betrifft die Verwendung von Farbkupplern, deren Eigenfarbe der zu kompensierenden
Nebenfarbdichte des daraus entwickelten Farbstoffs entspricht (Automaskierung). Andere
Verfahren beruhen auf der Bleichung von Azofarbstoffen durch das bei der Farbentwicklung
entstehende Bildsilber; solche sind z.B. in der französischen Patentschrift 1 414
803 oder in der DDR-Patentschrift 8 051 beschrieben. Gegenläufige Farbbilder können
auch in separaten Schichten unter Verwendung von direktpositiven Emulsionen, wie in
der französischen Patentschrift 904 964 oder in der DDR-Patentschrift 8 051 beschrieben,
oder nach dem Silberfarbbleichverfahren gemäss der US-Patentschrift 2 336 380, erhalten
werden.
[0006] Weitere Vorschläge betreffen z.B. die Bleichung von Azofarbstoffen durch den oxydierten
Farbentwickler (deutsche Auslegeschrift 1 150 275), die gesteuerte Diffusion eines
Bleichbades (US-Patentschrift 2 763 150) oder die Ausnützung der Silberkomplexdiffusion
(deutsche Auslegeschrift 1 008 117). Maskiereffekte können schliesslich auch durch
Falschsensibilisierung einzelner Emulsionen, wie in der britischen Patentschrift 685
610 beschrieben, erhalten werden.
[0007] Maskierte Farbbilder, die für die Herstellung von Farbkopien oder als Farbauszüge
zur Herstellung von Druckplatten für die Reproduktion dienen, können auch dadurch
erhalten werden, dass man die kompensierenden Farbbilder auf separate Träger aufnimmt
und die letzteren, zusammen mit der Vorlage vor dem Kopierprozess zur Deckung bringt.
Derartige Verfahren sind z.B. beschrieben in den deutschen Patentschriften 975 867,
976 138, 976 904, 965 615 und in der deutschen Auslegeschrift 1 142 757, sowie in
der britischen Patentschrift 903 050.
[0008] Auch bei der Herstellung von subtraktiven Positivbildern nach dem Silberfarbbleichverfahren
sind Maskierverfahren bekannt geworden. So ist z.B. in der US-Patentschrift 2 387
754 die Kombination von Schichten mit negativ arbeitenden Emulsionen mit solchen,
die eine direktpositiv arbeitende Emulsion enthalten, bekanntgeworden. Bei der Entwicklung
und Farbbleichung entstehen in diesem Fall gegenläufige Teilbilder der gewünschten
Farbe. In der US-Patentschrift 2 193 931 ist die Kombination von positiven Silberfarbbleichbildern
mit aus dem Bildsilber produzierten negativen Beizenbildern beschrieben. In der Schweizer
Patentschrift 209 656 ist die Herstellung von Maskenbildern nach dem Silberfarbbleichverfahren
beschrieben, wobei für die Maskenschicht Emulsionen mit besonders flacher Gradation
benützt werden. Schliesslich ist aus der britischen Patentschrift 523 179 ein Verfahren
bekannt geworden, bei welchem in ein und derselben Schicht ein positives Bild nach
dem Silberfarbbleichverfahren erzeugt wird und gleichzeitig ein negatives Bild in
einer andern Farbe, wobei z.B. der das positive Bild liefernde Farbstoff des ersten
Bildes bei der Bleichung das negative Bild der zweiten Farbe liefert.
[0009] Die in diesen Patentpublikationen beschriebenen Verfahren sind für die Herstellung
von Farbauszügen, z.B. für Reproduktionszwecke, geeignet. Wegen der auch an den Bildstellen,
die weiss werden sollten, verbleibenden Restfarbdichte eignen sie sich aber nicht
für die direkte Herstellung von positiven Abbildungen eines farbigen Originals. Zulässig
ist hier nur eine Teilmaskierung, bei welcher in den weissgebliebenen Bildbereichen
keine Lichtabsorption mehr stattfindet. Für eine solche Teilmaskierung eignet sich
das Silberfarbbleichverfahren, bei welchem' alle Schichten eine der Vorlage gleichläufige
Farbgradation besitzen,überraschenderweise, wenn dafür gesorgt wird, dass bei der
Belichtung in den einzelnen Teilbereichen eine Empfindlichkeitsverschiebung der Schichten
in einem solchen Sinn auftritt, dass der gewünschte Maskiereffekt entsteht.
[0010] Aus der US-Patentschrift 2 673 800 und der deutschen Auslegeschrift 1 181 055 ist
bekannt geworden, dass man nach dem Silberfarbbleichverfahren unter gleichzeitiger
Anwendung der Silberkomplexdiffusion negative Farbbilder erhalten kann. Bei diesen
Verfahren wird der Aufbau des entsprechenden Silberbildes durch physikalische Entwicklung
bildmässig durch Bromidionendiffusion aus einer in einer Nachbarschicht vorhandenen
Silberbromidemulsion gesteuert. Auf einem ähnlichen Effekt, nämlich der Diffusion
von Jodidionen,baruht ein Verfahren zur Herstellung von maskierten Bildern nach dem
Silberfarbbleichverfahren wie es in der deutschen Auslegeschrift 2 547 720 beschrieben
wurde. Gemäss diesem Verfahren wird ein Material verwendet, bei dem sich zwischen
einer ersten Schicht mit einem Farbstoff, dessen unerwünschte Nebenfarbdichte korrigiert
werden soll, und einem zweiten Farbstoff, dessen Hauptfarbdichte der Nebenfarbdichte
des ersten Farbstoffs entspricht, eine Schicht mit Entwicklungskeimen angeordnet ist,
wobei dem ersten Farbstoff eine jodidhaltige, dem zweiten Farbstoff dagegen eine jodidfreie
oder jodidarme Silberhalogenidemulsion zugeordnet ist. Bei der Entwicklung dieses
Materials muss eine geringe Menge eines Silberhalogenid-Lösungsmittels, z.B. Thiosulfat,
zugegen sein. Aus der dem zweiten Farbstoff zugeordneten jodidfreien Emulsion bildet
sich aus dem unbelichteten und nicht entwickelbaren Silberhalogenid ein löslicher
Komplex, der sich an den Keimen der Zwischenschicht zu metallischem Silber reduziert.
Falls nun die dem ersten Farbstoff zugeordnete Silberhalogenidemulsion belichtet war,
bilden sich bei der nachfolgenden Entwicklung an den Bildstellen Jodidionen, die ebenfalls
in die Keimschicht einwandern und an den betreffenden Stellen die Silberanlagerung
aus dem Komplex verhindern. Es entsteht in der Keimschicht ein Silberbild, das dem
zum ersten Farbstoff gehörigen Silberbild gegenläufig ist. Dieses wird im nachfolgenden
Bleichprozess zur Ausbleichung des zweiten Farbstoffs verwendet, wodurch der gewünschte
Maskiereffekt entsteht. Eine Weiterbildung dieses Verfahrens ist in der deutschen
Offenlegungsschrift 2 831 814 beschrieben. Es wird hier, zur Verstärkung des Maskiereffekts,der
Keimschicht noch eine sehr unempfindliche Emulsion und gegebenenfalls ein Stabilisator
bzw. Entwicklungsverzögerer beigefügt. Der Reaktionsmechanismus bei der Entstehung
des Maskenbildes bleibt der gleiche; die unempfindliche Silberhalogenidemulsion in
der Keimschicht wirkt jedoch als zusätzlicher, auf die einwandernden Jodidionen ebenfalls
reagierender Silberlieferant.
[0011] Die in den beiden letztgenannten Patentpublikationen beschriebenen Verfahren haben
sich für die Herstellung maskierter Bilder nach dem Silberfarbbleichverfahren als
sehr wertvoll erwiesen. Sie besitzen jedoch noch immer gewisse Nachteile, die mit
der Bildung von löslichen Silberkomplexen in der thiosulfathaltigen Entwicklerlösung
zusammenhängen. So ist es bekannt, dass Entwicklerlösungen, die, wie dies bei Komplexdiffusionsverfahren
unvermeidlich ist, lösliche Silberkomplexe enthalten, mit der Zeit zur Abscheidung
von Silberschlamm neigen. Dadurch werden die Gefässe und die in Entwicklungsmaschinen
verwendeten Walzen und schliesslich auch das Material selbst verschmutzt. Es ist zwar
möglich, diese Schlammabscheidung durch Zusatz von Antischlamm-Mitteln, wie z.B. gewissen
Mercaptanen und organischen Disulfiden mindestens für eine gewisse Zeit zu verhindern,
doch bedeutet dies einen verteuernden zusätzlichen Aufwand. Es hat sich ausserdem
gezeigt, dass die selbst bei Anwesenheit nur geringer Mengen Thiosulfat entstehenden
Silberbilder schwerer bleichbar sind und deshalb die Verwendung spezieller Bleichbeschleuniger
erfordern.
[0012] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es nun, ein neues Verfahren zur Herstellung
maskierter positiver Farbbilder nach dem Silberfarbbleichverfahren bereitzustellen,
das diese noch bestehenden Nachteile weitgehend überwindet.
[0013] Es wurde gefunden, dass ein Maskiereffekt, unter Verzicht auf Silberkomplexdiffusion
und die damit notwendige Anwesenheit des störenden Thiosulfats in der Entwicklerlösung
erreicht werden kann, wenn man photographische Materialien für das Silberfarbbleichverfahren
verwendet, die statt der Keimschicht (DE-OS 2 547 720, 2 831 814) eine Schicht mit
einer vorverschleierten, bei der Entwicklung spontan zu praktisch maximaler Dichte
entwickelnden Silberhalogenidemulsion enthalten. Die spontane Entwicklung einer solchen
Emulsion, sofern sie selbst jodidfrei oder jodidarm ist, kann durch einwandernde Jodidionen
in ähnlicher Weise beeinflusst werden, wie dies bei der physikalischen Entwicklung
von-Silberkomplexen an Keimen bekannt ist. Die Geschwindigkeit der spontanen Entwicklung
lässt sich dabei durch einen gleichzeitig in der Schicht anwesenden Entwicklungsinhibitor
auf die Diffusionsgeschwindigkeit der einwandernden Jodidionen abstimmen.
[0014] Vorverschleierte Emulsionen zur Erzeugung von Maskier- oder Zwischenbildeffekten
durch Ausnützung einer bildmässigen Jodidionendiffusion aus einer benachbarten Schicht
sind z.B. in der DE-OS 2 615 344 beschrieben. Es handelt sich hier jedoch um einen
Effekt, der bei Anwesenheit löslicher Silberkomplexe auftritt:
Aus der vorverschleierten Emulsion entstehen bei der Entwicklung Silberkeime, an denen
sich unter physikalischer Entwicklung Silber anlagert. Die bildmässig einwandernden
Jodidionen beeinflussen diese physikalische Entwicklung und erzeugen damit ein Maskenbild.
[0015] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit ein Verfahren zur Herstellung maskierter
positiver Farbbilder nach dem Silberfarbbleichverfahren, durch Belichtung eines photographischen
Materials für das Silberfarbbleichverfahren, Silberentwicklung, Farbbleichung, Silberbleichung
und Fixierung, wobei die Silberbleichung gegebenenfalls mit der Farbbleichung und/
oder der Fixierung in einem kombinierten Verarbeitungsbad gleichzeitig durchgeführt
werden kann, dadurch gekennzeichnet, dass das photographische Material
(a) in mindestens einer Schicht mindestens einen ersten Farbstoff, von welchem mindestens
eine unerwünschte Nebenfarbdichte kompensiert werden soll,
(b) in der (den)Schicht(en) (a) und/oder in einer zu dieser (diesen) Schicht(en) benachbarten
Schicht (je) eine diesem (diesen) Farbstoff(en) zugeordnete.jodidhaltige Silberhalogenidemulsion,
(c) in mindestens einer weiteren Schicht mindestens (je) einen zweiten Farbstoff,
dessen Hauptfarbdichte der zu kompensierenden Nebenfarbdichte des (der) ersten Farbstoff(e)
entspricht,
(d) in der (den) Schicht(en) (c) und/oder in einer zu dieser (diesen) benachbarten
Schicht(en) eine diesem (diesen) Farbstoff(en) zugeordnete jodidfreie oder im Vergleich
zu den unter (b) erwähnten Emulsionen jodidarme Silberhalogenidemulsion, und
(e) in mindestens einer Schicht (c) und/oder in mindestens einer weiteren Schicht,
welche der (den) Schicht(en) (c) benachbart ist und welche von einer oder mehreren
Schichten (a) durch mindestens eine Zwischenschicht getrennt ist, eine verschleierte,
jodidfreie oder jodidarme, ohne Belichtung spontan zur Maximaldichte entwickelbare
und einen Entwicklungsverzögerer enthaltende Silberhalogenidemulsion enthält, und
die Entwicklung in einer Entwicklerlösung erfolgt, die keinen Silberkomplexbildner
enthält.
[0016] Eine weitere Ausführungsform des erfindungsgemässen Verfahrens betrifft ein photographisches
Material, welches in der (den) Schicht(en) (c) keine verschleierte, jodidfreie oder
jodidarme Silberhalogenidemulsion enthält, sondern eine solche Emulsion nur in mindestens
einer Schicht aufweist, welche der (den) Schicht(en) (c) benachbart ist und welche
von einer oder mehreren Schichten (a) durch mindestens eine Zwischenschicht getrennt
ist.
[0017] Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind ferner das neue photographische Silberfarbbleichmaterial
zur Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens, die Verwendung des Materials zur
Herstellung positiver Farbbilder sowie die hergestellten positiven Farbbilder.
[0018] Unter einer Silberhalogenidemulsion,die einer Farbstoffschicht zugeordnet ist, ist
eine Emulsion zu verstehen, die nach Belichtung und Entwicklung ein Silberbild liefert,
welches im nachfolgenden Farbbleichprozess in der zugeordneten Farbstoffschicht in
bekannter Weise ein gegenläufiges Farbstoffbild erzeugt. Ueblicherweise ist die Emulsion
dabei spektral so sensibilisiert, dass ihr Empfindlichkeitsmaximum mit dem Absorptionsmaximum
des zugeordneten Bildfarbstoffs übereinstimmt (im Bereich der Komplementärfarbe des
Bildstoffs empfindlich ist ). Aus drei solchen Farbstoff-Emulsionspaaren kann dann
in bekannter Weise ein trichromatisches Material hergestellt werden, mit welchem sich
das gesamte sichtbare Farbstoffspektrum wiedergeben lässt. Es ist jedoch auch möglich,
eine einem Farbstoff zugeordnete Emulsion in einem andern Spektralband zu sensibilisieren,
wie dies z.B. in den infrarotempfindlichen Falschfarbenfilmen üblich ist.
[0019] Unter benachbarten Schichten sind solche Schichten zu verstehen, die durch ihre gegenseitige
Lage den Austausch chemischer Spezies - Moleküle oder Ionen - begünstigen. Der Begriff
umfasst deshalb auch solche Schichten, die nicht unmittelbar benachbart sind, sondern
gegebenenfalls durch eine oder mehrere dünne, die Diffusion nicht behindernde Schichten
voneinander getrennt sind.
[0020] Gemäss der vorliegenden Erfindung enthält die Entwicklungslösung keine Komplexbildner;
die aus der Nachbarschicht einwandernden Jodidionen beeinflussen direkt die chemische
Entwicklung der vorverschleierten Emulsion.
[0021] Während jedoch diese chemische Entwicklung mit relativ grosser Geschwindigkeit abläuft,
verstreicht eine gewisse Zeit bis die aus der Nachbarschicht einwandernden Jodidionen
am Ort ihrer Einwirkung eintreffen. Sie entstehen ja erst während der bildmässigen
Entwicklung der Nachbarschicht und müssen zudem noch den Diffusionsweg zurücklegen.
Es ist deshalb wichtig, dass die chemische Entwicklung mindestens so lange nicht beginnt,
bis die den Maskiereffekt steuernden Jodidionen in der Schicht angekommen sind. Dieses
Ziel wird dadurch erreicht, dass man der Schicht, welche die vorverschleierte Emulsion
enthält, einen Entwicklungsinhibitor zusetzt.
[0022] Als Entwicklungsinhibitoren und -verzögerer eignen sich z.B. Benzotriazol, 2-Mercaptobenzthiazol,
N-Methylmercaptotriazol, 2-Mercaptobenzoxazol, Phenylmercaptotetrazol, Triazolindolizin
und deren Derivate. Hinweise auf die Verwendung solcher Entwicklungsinhibitoren finden
sich z.B. in E. Birr, Mechanismus der Stabilisierung photographischer Emulsionen,
Zeitschrift für wissenschaftliche Photographie 50,1,107(1955). Eine wichtige Bedingung
ist dabei, dass das Löslichkeitsprodukt des aus dem Entwicklungsverzögerer gebildeten
Silbersalzes zwischen demjenigen des Silberchlorids und demjenigen des Silberjodids
liegt (vgl. A.B. Cohen et al, in Photographic Sci. and Eng. 9, 96, (1965)).
[0023] Geeignet sind grundsätzlich alle bekannten Entwicklungsverzögerer, welche diese Bedingung
erfüllen. Vorzugsweise eignen sich jedoch solche Verbindungen, die in den photographischen
Schichten diffusionsfest eingelagert werden können. Dies sind in erster Linie in Wasser
schwer- oder praktisch unlösliche Verbindungen, die Ballastgruppen enthalten. Als
solche eignen sich z.B. 5-Mercaptotetrazole, die in 1-Stellung mit Arylgruppen, vorzugsweise
mehrkernigen Aryl,wie Naphtyl oder Diphenyl, gegebenenfalls auch mit vorzugsweise
längeren Alkyl-(C
3-C
1S) substituierte Arylgruppen, insbesondere Phenyl, ferner mit Aralkyl oder mit Alkyl
mit vorzugsweise mindestens 3, insbesondere 3 bis 18 Kohlenstoffatomen substituiert
sind. Als Entwicklungsverzögerer sind z.B. insbesondere geeignet:
5-Mercaptotetrazole, die in 1-Stellung mit einer der folgenden Gruppen substituiert
sind: n-Propyl, i-Propyl, n-Butyl, i-Butyl, t-Butyl, i-Amyl, i-Octyl, t-Octyl, Nonyl,
Decyl, Lauryl, Myristyl, Palmityl, Stearyl, Ditert.butyl-phenyl, Octylphenyl, Dodecylphenyl,
Naphtyl, a-oder B-Naphtyl oder Diphenyl. Nicht-diffusionsfeste Mercaptotetrazole ohne
eigentliche Ballastgruppen können ebenfalls verwendet werden. Es muss aber in diesem
Fall dafür gesorgt werden, dass der Entwicklungsverzögerer nicht in unerwünschter
Richtung in eine Nachbarschicht diffundiert und z.B. die Entwicklung der Jodidionen
liefernden Emulsionen verzögert. Dies kann z.B. durch Einschaltung einer Zwischenschicht
geschehen. Unter dieser Bedingung können auch z.B. mit folgenden Gruppen in 1-Stellung
substituierte 5-Mercaptotetrazole verwendet werden: Phenyl,mit Hydroxy, Halogen (Chlor,
Brom) oder Niederalkyl (C2-C3) substituiertes Phenyl, Benzoesäure-methyl- oder aethylester, Methyl oder Aethyl.
Im allgemeinen ist jedoch die Verwendung diffusionsfester Entwicklungsverzögerer vorzuziehen,
weil dadurch der Schichtaufbau, insbesondere von solchen Materialien mit einer Vielzahl
von Farb- und Emulsionsschichten wesentlich vereinfacht werden kann. Die Entwicklungsverzögerer
werden in Mengen von 2 bis 80 mMol, vorzugsweise von 20 bis 40 mMol pro Mol Silber
in der vorverschleierten Emulsion eingesetzt.
[0024] Vorverschleierte Silberhalogenidemulsionen, welche ohne Belichtung spontan entwickelbar
sind, werden nach an sich bekannten Methoden hergestellt, z.B. durch Anbelichtung
oder durch chemische Behandlung mit den gebräuchlichen Verschleierungsmitteln, wie
z.B. Thioharnstoffdioxid, Zinn(2)chlorid, Hydrazin, Boranen, Formaldehydsulfoxylaten
oder Goldsalzen (komplexen). Da die verschleierten Emulsionen nicht zu schnell entwickeln
dürfen, verwendet man vorzugsweise Silberbromidemulsionen. Geringere Anteile bis zu
etwa 20 Mol-Prozent Silberchlorid können eingesetzt werden; Emulsionen mit höheren
Silberchloridgehalten sind im allgemeinen zu schnell entwikkelbar. Der Anteil an Silberjodid
sollte nur gering sein, und etwa 1,0 Mol-Prozent nicht übersteigen, da sonst die im
erfindungsgemässen Verfahren verwendete Beeinflussung der Entwicklung durch einwandernde
JodJdionen nicht gewährleistet wäre.
[0025] Die bei der Belichtung und nachfolgenden Verarbeitung sich abspielenden Vorgänge
seien anhand der nachfolgenden Versuchsanordnung (siehe Fig. 1) mit zwei Bildfarbstoffen
erläutert: Man verwendet dazu ein Material, welches auf einem transparenten Träger
in der Reihenfolge von unten nach oben wie folgt beschichtet ist:
l. Eine Gelatineschicht mit einem bleichbaren purpurfarbenen Azofarbstoff und grünsensibilisiertem
Silberbromojodid.
2. Eine Gelatinezwischenschicht.
3. Eine vorverschleierte, spontan entwickelbare Silberbromidschicht, die einen Entwicklungsverzögerer
enthält.
4. Eine Gelatineschicht mit einem bleichbaren gelben Azofarbstoff.
[0026] Wird nun ein solches Material hinter einem Graukeil belichtet und nachfolgend entwickelt
und wie üblich (Farb- und Silberbleichung und Fixierung) mit bekannten Behandlungsbädern
weiterverarbeitet, so spielen sich folgende Vorgänge ab: (Figur 1):
(A) Unbelichtete Stellen (maximale Dichte des Kopierkeils) Die vorverschleierte Emulsion
entwickelt spontan zur Maximaldichte; die grünsensibilisierte Emulsion bleibt unbelichtet
und entwickelt nur bis zum Schleierniveau (A2). Die der vorverschleierten Emulsion zugeordnete Gelbschicht wird infolgedessen praktisch
vollständig ausgebleicht, die Purpurschicht bleibt unangegriffen (A3).
(B) Belichtung mit blauem Licht Da die gelbe Farbstoffschicht für blaues Licht undurchlässig
ist, wird die der Purpurschicht zugeordnete grünsensibilisierte Emulsionsschicht nicht
anbelichtet. Die Situation bleibt gleich wie unter (A), d.h. die Gelbschicht wird
maximal ausgebleicht, während die Purpurschicht gänzlich erhalten bleibt (B3).
(C) Belichtung mit grünem oder weissem Licht Die grünempfindliche Emulsion wird, dem
Keil entsprechend, stufenweise anbelichtet. Bei der Entwicklung(C2 ) entstehen proportional
zur erfolgten Belichtung Jodidionen, die in die darüberliegende vorverschleierte Emulsionsschicht
abwandern und dort die spontane, belichtungsunabhängige Entwicklung hemmen. Es entsteht
damit in dieser Schicht ein zum Bild in der unteren Emulsionsschicht gegenläufiges
Silberbild. Nach der Farb- und Silberbleichung bleibt in der Magentaschicht ein mit
der Vorlage gleichläufiges, in der Gelbschicht ein gegenläufiges Farbstoffbild zurück.
[0027] Der vorstehend beschriebene Versuch dient dazu, die Wirkungsweise der Anordnung zu
demonstrieren. In der Praxis wird man natürlich die Dicke und Silberhalogenidkonzentration
der vorverschleierten Emulsionsschicht so einstellen, dass auch im Maximalfall, d.h.
bei vollständig unbelichteter unterer Emulsionsschicht, nur derjenige Teil der Gelbschicht
weggebleicht wird, welcher der maximalen Nebenfarbdichte im Blau der angebleichten
Purpurschicht entspricht.
[0028] Insbesondere verwendet man auch solche photographischen Silberfarbbleichmaterialien,
in denen die optische Dichte mindestens einer Bildfarbstoffschicht, deren Hauptfarbdichte
der zu kompensierenden Nebenfarbdichte einer andern Schicht entspricht, um einen Betrag
erhöht ist, der den Dichteverlust nach einer Verarbeitung im unbelichteten oder blaubelichteten
Zustand kompensiert.
[0029] Es ist leicht einzusehen, dass nach dem beschriebenen Verfahren eine Reihe verschiedener
Maskiereffekte erzielt werden kann. Je nach der Anordnung der Schichten im gesamten
Schichtpaket ist es dabei möglich, eine oder zwei Nebenfarbdichten eines Farbstoffs
oder je eine Nebenfarbdichte von zwei Farbstoffen zu maskieren. Die Tabelle (Fig.
2) zeigt die möglichen Schichtanordnungen und Kombinationen, die zu den verschiedenen
Maskiereffekten führen.
[0030] Das Schema der Schichtanordnung zeigt dabei nur den allgemeinen Fall, bei welchem
sich der Farbstoff und die zugeordnete, in der Komplementärfarbe der Grundfarbe sensibilisierte
Emulsion in der gleichen Schicht befinden. Selbstverständlich können diese zusammengefügten
Komponenten auch auf zwei oder sogar drei verschiedene, einander benachbarte Schichten
verteilt werden. Derartige Schichtanordnungen sind z.B. in den deutschen Offenlegungsschriften
2 036 918, 2 132 835 und 2 132 836 beschrieben worden. Sie dienen vor allem zur Beeinflussung
der bei Silberfarbbleichmaterialien verhältnismässig steilen Gradation oder auch zur
Erhöhung der Empfindlichkeit.
[0031] Silberfarbbleichmaterialien für die Wiedergabe farbiger Vorlagen sind im allgemeinen
trichromatisch und enthalten drei Farbschichten, je eine in den subtraktiven Grundfarben
Gelb, Purpur und Blaugrün. Zur Erzielung spezieller Effekte können aber auch Materialien
mit anderen Farben oder mit nur zwei Farbschichten Verwendung finden. Im übrigen können
als Bildfarbstoffe die für diesen Zweck an sich bekannten Gelb-, Purpur- und Blaugrünfarbstoffe
in Kombination mit den passenden spektralen Sensibilisatoren angewendet werden.
[0032] Bleichbare Farbstoffe, die für die Herstellung von farbstoffhaltigen Silberhalogenidemulsionen
für das Eilberfarbbleichmaterial geeignet sind, werden beispielsweise in den US-Patentschriften
3 454 402, 3 443 953, 3 804 630, 3 716 368, 3 877 949, 3 623 874, 3 931 142 und 4
051 123 beschrieben.
[0033] Das Material kann auch zusätzlich Schichten aufweisen, in denen von den beiden Komponenten
Bildfarbstoffe und Silberhalogenid mindestens eine teilweise fehlt.
[0034] Als lichtempfindliche Silberhalogenidemulsionen werden normalerweise solche verwendet,
welche Silberchlorid, -bromid oder -jodid oder Gemische dieser Halogenide enthalten.
Jodidhaltige Silberhalogenidemulsionen enthalten normalerweise zwischen 0,1 und 10,
vorzugsweise 1 bis 5 Molprozent Silberjodid, der Rest besteht aus Silberchlorid und/oder
-bromid (z.B. 0 bis 99,9 Molprozent Silberchlorid und 0 bis 99,9 Mol- prozent Silberbromid).
Jodidfreie Silberhalogenidemulsionen enthalten vorzugsweise Silberchlorid, Silberbromid
oder ein Silberchlorid-Silberbromidgemisch.
[0035] Zur Herstellung dieser Emulsionen wird gewöhnlich Gelatine als Schutzkolloid verwendet;
es können aber auch andere wasserlösliche Schutzkolloide wie Polyvinylalkohol oder
Polyvinylpyrrolidon usw. verwendet werden; ferner kann ein Teil der Gelatine durch
Dispersionen nichtwasserlöslicher hochmolekularer Stoffe ersetzt werden. Gebräuchlich
ist z.B. die Verwendung von Dispersionspolymerisaten aus a,8-ungesättigten Verbindungen
wie Acrylsäureestern, Vinylestern und -äthern, Vinylchlorid, Vinylidenchlorid sowie
aus anderen Gemischen und Copolymerisaten.
[0036] Zwischenschichten (Sperr- oder Trennschichten)enthalten im allgemeinen nur reines
Bindemittel, z.B. Gelatine und keinen Farbstoff oder kein Silberhalogenid. Falls es
für den Gesamtschichtaufbau günstig ist, kann aber gegebenenfalls auch eine bereits
vorhandene Emulsionsschicht oder eine Filterschicht als Trennschicht dienen. Die Trennschicht
kann ausser der Gelatine noch weitere Zusätze, wie die Farbbleichung hemmende Stoffe,
zusätzliche Bindemittel, wie z.B. wasserlösliche Kolloide oder auch wasserunlösliche
Dispersionspolymerisate enthalten, ferner auch die für den Aufbau der anderen photographischer
Schichten üblichen Zusätze wie Weichmacher, Netzmittel, Lichtschutzmittel, Filterfarbstoffe
oder Härtungsmittel.
[0037] Die Emulsionen können auf übliche Schichtträger für photographisches Aufzeichnungsmaterial
aufgebracht werden. Gegebenenfalls kann ein Gemisch aus mehreren Kolloiden zum Dispergieren
der Silberhalogenide verwendet werden.
[0038] Der Träger kann beispielsweise aus gegebenenfalls pigmentiertem Cellulosetriacetat
oder Polyester bestehen. Wenn er aus Papierfilz besteht, muss dieser beidseitig lackiert
oder mit Polyäthylen beschichtet sein. Auf mindestens einer Seite dieses Trägers befinden
sich die lichtempfindlichen Schichten, vorzugsweise in der bekannten Anordnung, d.h.
zuunterst eine rot sensibilisierte Silberhalogenidemulsionsschicht, die einen blaugrünen
Azofarbstoff enthält, darüber eine grün sensibilisierte Silberhalogenidemulsionsschicht,
die einen purpurnen Azofarbstoff enthält und zu oberst eine blauempfindliche Silberhalogenidemulsionsschicht,
die einen gelben Azofarbstoff enthält. Das Material kann auch Unterschichten, Zwischenschichten,
Filterschichten und Schutzschichten enthalten. Die gesamte Dicke der Schichten im
trockenen Zustand soll in der Regel 20 u nicht übersteigen. Die Verarbeitung der belichteten
Silberfarbbleichmaterialien erfolgt in üblicher Weise und umfasst die Silberentwicklung,
die Farbbleichung, die Silberbleichung und.die Fixierung und anschliessende sowie
gegebenenfalls auch zwischen den einzelnen Stufen liegende Wässerungen (vgl. z.B.
DE-OS 2 448 443). Die Farbbleichungund die Silberbleichung, gegebenenfalls auch die
Fixierung, können in einer einzigen Behandlungsstufe zusammengefasst werden.
[0039] Zur Silberentwicklung können Bäder üblicher Zusammensetzung verwendet werden, z.B.
solche, die als Entwicklersubstanz Hydrochinon, gewünschtenfalls zusätzlich noch l-Phenyl-3-pyrazolidinon,
aber keinen Silberkomplexbildner enthalten. Ausserdem kann es günstig sein, wenn das
Silberentwicklungsbad, wie in der Schweizer Patentschrift 405 929 beschrieben, noch
zusätzlich einen Farbbleichkatalysator enthält.
[0040] Als Farbbleichbäder - sofern die Farbbleichung als getrennte Behandlungsstufe durchgeführt
wird - werden mit Vorteil solche verwendet, die neben einer starken Säure, einem wasserlöslichen
Jodid und einem Oxydationsschutzmittel für das Jodid einen Farbbleichkatalysator enthalten.
Kombinierte Farb- und Silberfarbbleichbäder enthalten neben den angegebenen Komponenten
in der Regel noch ein wasserlösliches Oxydationsmittel. Geeignete Farbbleichkatalysatoren
sind in erster Linie Diazinverbindungen, z.B. Derivate des Pyrazins, Chinoxalins oder
Phenazins. Sie sind z.B. in den deutschen Auslegeschriftan 2 010 280, 2 144 298 und
2 144 297, in der französischen Patentschrift 1 489 460, in der US-Patentschrift 2
270 118, sowie in der DT-OS 2 448 443 beschrieben.
[0041] Unter starken Säuren sind hier solche zu verstehen, welche dem Farbbleichbad bzw.
dem kombinierten Farb- und Silberbleichbad einen pH-Wert von höchstens 2 verleihen.
Es können also z.B. Salzsäure, Phosphorsäure und insbesondere Schwefelsäure oder Sulfaminsäure
verwendet werden.
[0042] Als wasserlösliches Jodid kann man Alkalijodide verwenden, wie beispielsweise Kaliumjodid
oder Natriumjodid.
[0043] Geeignete Oxidationsmittel sind Nitrosoverbindungen, wie z.B. p-Nitrosodimethylanilin,
Nitroverbindungen, wie z.B. aromatische Nitroverbindungen und vorzugsweise aromatische
Mono- oder Dinitrobenzolsulfonsäuren, z.B. m-Nitrobenzolsulfonsäure.
[0044] Als Oxydationsschutzmittel verwendet man mit Vorteil Reduktone oder wasserlösliche
Mercaptoverbindungen. Geeignete Reduktone sind insbesondere aci-Reduktone mit einer
3-Carbonyl-endiol-(1,2)-Gruppierung wie Reduktin, Triose-Redukton oder vorzugsweise
Ascorbinsäure.
[0045] Als Mercaptoverbindungen kommen solche der Formel HSA(B)
m infrage, worin A ein aliphatisches, cycloaliphatisches, araliphatisches, aromatisches
oder heterocyclisches Brückenglied, B ein wasserlöslichmachender Rest und m eine ganze
Zahl von höchstens 4 ist (DE-OS 2 258 076, 2 423 819).
[0046] Das Silberfixierbad kann in bekannter und üblicher Weise zusammengesetzt sein. Als
Fixiermittel geeignet ist z.B. Natriumthiosulfat oder mit Vorteil Ammoniumthiosulfat,
gewünschtenfalls mit Zusätzen wie Natriumbisulfit, Natriummetabisulfit und/oder Ammoniumbisulfit
sowie gegebenenfalls Komplexierungsmittel, wie Aethylendiamintetraessigsäure.
[0047] Alle Behandlungsbäder können weitere übliche Zusätze wie z.B. Härtungsmittel, Netzmittel,
optische Aufheller oder UV-Schutzmittel enthalten.
[0048] In den nachfolgenden Beispielen beziehen sich Teile und Prozente auf das Gewicht,
sofern nicht anders angegeben.
Beispiel 1
[0049] Auf einen transparenten Polyesterträger werden nacheinander folgende Schichten vergossen:
(a) Eine unsensibilisierte Silberjodobromidemulsion (94,1 Mol-Prozent AgBr, 5,9 Mol-Prozent
AgJ), die 55 g Silber und 71 g Gelatine pro kg enthält, ferner pro kg 3,16 g des Purpurfarbstoffs
der Formel

Die Schichtdicke beträgt nach der Trocknung ca. 2 u, was einem Auftrag von 1,7 g Silber,
2,2 g Gelatine und 0,095 g Farbstoff pro m2 entspricht.
(b) Eine Gelatineschicht mit einem Auftragsgewicht von 5,3 g pro m2.
(c) Eine vorbelichtete (vorverschleierte) Silberbromidemulsion, die pro kg 55 g Silber,
71 g Gelatine, 2 g l-Phenyl-5-mercaptotetrazol (gelöst in 600 ml Aethylenglykol-monoaethylaether)
und 2,48 g des gelben Farbstoffs der Formel

(gelöst in 248 ml Wasser) enthält. Die Schichtdicke beträgt nach der Trocknung 2
µ, was einem Auftrag von 1,7 g Silber, 2,2 g Gelatine und 0,075 g Farbstoff pro m2 entspricht.
[0050] Ferner wird ein Material hergestellt, indem auf einen transparenten Polyesterträger
nacheinander folgende Schichten vergossen werden:
(a) Eine unsensibilisierte Silberjodobromidemulsion (95 Mol-Prozent AgBr, 5 Mol-Prozent
AgJ), die 55 g Silber und 71 g Gelatine pro kg enthält, ferner pro kg 3,16 g des Purpurfarbstoffs
der Formel (101).
Die Schichtdicke beträgt nach der Trocknung ca. 2 µ, was einem Auftrag von 1,7 g Silber,
2,2 g Gelatine und 0,095 g Farbstoff pro m2 entspricht.
(b)- Eine Gelatineschicht mit einem Auftragsgewicht von 5,3 g pro m2.
(c) Eine vorbelichtete (vorverschleierte) Silberbromidemulsion, die pro kg 35 g Silber,
45,5 g Gelatine, 1,2 g 1-Phenyl-5-mercaptotetrazol (gelöst in 385 ml Aethylenglykolmonoäthyläther)
und 1,50 g des gelben Farbstoffs der Formel (102), (gelöst in 158 ml Wasser) enthält.
Die Schichtdicke beträgt nach der Trocknung 2 u, was einem Auftrag von 1,7 g Silber,
2,2 g Gelatine und 0,075 g Farbstoff pro m 2 entspricht.
[0051] Die Proben der vergossenen und getrockneten Materialien werden durch einen Stufenkeil
von der Trägerseite mit weissem Licht belichtet und anschliessend wie folgt verarbeitet:

Zwischen den einzelnen Verarbeitungsstufen und am Schluss wird je eine Wässerung eingeschaltet.
[0052] Bei der Belichtung entsteht, entsprechend dem verwendeten Stufenkeil, in der Schicht
(a) ein gegenläufiges latentes Silberbild; in der Schicht (c) ist, infolge der Vorbelichtung
der Emulsion, durchwegs ein voll entwickelbares Latentbild vorhanden. Bei der Entwicklung
des Silberbildes in der Schicht (a) werden nun, proportional zur Stärke des entstehenden
negativen Stufenbildes Jodidionen frei, die durch die Zwischenschicht (b) zur Schicht
(c) wandern und dort die Entwicklung des Latentbildes hemmen. Es entsteht somit in
dieser Schicht ein gegenläufiges Silberbild, d.h. dort wo in der Schicht (a) die stärkste
Schwärzung auftritt, ist das Silberbild in der Schicht (c) am schwächsten und umgekehrt.
Das als Entwicklungsverzögerer wirkende l-Phenyl-5-mercaptotetrazol wird durch die
Zwischenschicht (b) daran gehindert, in die Schicht (a) zu diffundieren und beeinflusst
deshalb nur die Entwicklungsgeschwindigkeit in der Schicht (c).
[0053] Bei der nachfolgenden kombinierten Farb- und Silberbleichung entsteht in den Schichten
(a) und (c) je ein zum Silberbild gegenläufiges positives Farbbild.
[0054] Die nach der Fixierung und Wässerung erhaltene fertige Kopie zeigt deshalb ein zum
Belichtungskeil gleichläufiges positives Purpurbild und ein dazu gegenläufiges Gelbbild.
Beispiel 2
[0055] Wie in Beispiel 1 werden nacheinander folgende Schichten auf einen transparenten
Polyesterträger vergossen:
(a) Eine unsensibilisierte Silberjodobromidemulsion (95,0 Mol-Prozent AgBr, 5,0 Mol-Prozent
AgJ), die 55 g Silber und 71 g Gelatine pro kg enthält, ferner pro kg 3,16 g des Purpurfarbstoffs
der Formel (101).
Die Schichtdicke beträgt nach der Trocknung ca. 2 p, was einem Auftrag von 1,7 g Silber,
2,2 g Gelatine und 0,095 g Farbstoff pro m2 entspricht
(b) Eine Gelatineschicht mit einem Auftragsgewicht von 5,3 g 2 pro m .
(c) Eine vorbelichtete (vorverschleierte) Silberbromidemulsion, die pro kg 35 g Silber,
45,5 g Gelatine, 1,2 g l-Phenyl-5-mercaptotetrazol (gelöst in 385 ml Aethylenglykol-mono-
äthyläther) und 1,59 g des gelben Farbstoffs der Formel (102).(gelöst in 158 ml Wasser)
enthält. Die Schichtdicke beträgt nach der Trocknung 2 u was einem Auftrag von 1,7
g Silber, 2,2 g Gelatine und 0,075 g Farbstoff pro m2 entspricht.
[0056] Proben des vergossenen und getrockneten Materials werden durch einen Stufenkeil von
der Trägerseite mit weissem Licht belichtet und anschliessend wie in Beispiel 1 verarbeitet.
[0057] Wie in Beispiel 1 beschrieben entsteht bei der kombinierten Farb- und Silberbleichung
in den Schichten (a) und (c) je ein zum Silberbild gegenläufiges positives Farbbild.
[0058] Die nach der Fixierung und Wässerung erhaltene fertige Kopie zeigt deshalb ein zum
Belichtungskeil gleichläufiges positives Purpurbild und ein dazu gegenläufiges Gelbbild.
Beispiel 3.
[0059] Der im Beispiel 2 beschriebene Versuch wird wiederholt, wobei jedoch in der Schicht
(c) anstelle des Gelbfarbstoffs ein blaugrüner Farbstoff der Formel

verwendet wird.
[0060] Man erhält nach der Stufenbelichtung und nachfolgenden Verarbeitung ein Bild mit
je einem positiven Purpurbild und einem dazu gegenläufigen negativen Blaugrünbild.
Beispiel 4
[0061] Bei diesem Versuch wird ein Material verwendet, in dem der Gelbfarbstoff und die
zugeordnete verschleierte Emulsion ganz, die Purpurschicht und die zugeordnete jodidhaltige
Emulsion teilweise auf zwei benachbarte Schichten verteilt sind. Gleichzeitig wird
ein diffusionsfester Entwicklungsverzögerer verwendet, so dass sich die Anordnung
einer Trennschicht zwischen den beiden Emulsionsschichten erübrigt.
[0062] Auf einem transparenten Polyesterträger werden in folgender Reihenfolge vier Schichten
aufgetragen:
(a) Purpur-Farbstoffschicht mit jodidhaltiger Emulsion Die in Beispiel 2 für die Schicht
(a) verwendete Silberjodobromidemulsion wird in üblicher Weise grün sensibilisiert.
Zu 100 g dieser Emulsion werden 5,5 g des in Beispiel 1 angegebenen Purpurfarbstoffs
in Form einer l%igen wässerigen Lösung zugefügt. Der Schichtauftrag beträgt nach der
Trocknung 2 g Gelatine, 0,135 g Silber und 0,135 g Farbstoff pro m2.
(b) Jodidhaltige Emulsionsschicht ohne Farbstoff Die in der obigen Schicht (a) verwendete
grünsensibilisierte Emulsion wird unter Zusatz von weiterer Gelatine, jedoch ohne
Farbstoffzusatz, zu einer Schicht mit folgender Zusammensetzung vergossen:
Gelatine 1,5 g, Silber 0,315 g (Trockengewicht).
(c) Verschleierte, jodidfreie Emulsionsschicht Zu 1 kg einer Silberchlorid-bromidemulsion
(10 Mol-Prozent Silberchlorid, 90 Mol-Prozent Silberbromid), die 71 g Silber und 73
g Gelatine pro kg enthält, werden 10 g l-Stearyl-5-mercaptotetrazol, gelöst in 1500
ml 0,02 normaler wässriger Natriumhydroxidlösung zugegeben. Das Gemisch wird bis zur
vollständigen Adsorption des Mercaptotetrazols während 2 Stunden bei 40°C gehalten
und dann unter Rühren mit diffusem Tageslicht vorbelichtet. Aus dieser verschleierten
Emulsion wird mit zusätzlicher Gelatine eine Schicht hergestellt, die ca. 1,5 g Gelatine
und 0,3 g Silber pro m2 enthält.
(d) Zu 100 g einer 10%igen wässrigen Gelatinelösung werden 75 g einer l%igen Lösung
des in der Schicht (c) des Beispiels 1 verwendeten Gelbfarbstoffs zugefügt. Aus der
Mischung wird eine Schicht mit einem Auftragsgewicht von 2 g Gelatine und 0,15 g Farbstoff
pro m gegossen.
[0063] Eine Probe des getrockneten vierschichtigen Gusses wird unter einem Stufenkeil mit
grünem Licht belichtet. Die Verarbeitung des belichteten Keils erfolgt gleich wie
im Beispiel 1 beschrieben.
[0064] Nach erfolgter Verarbeitung erhält man ähnlich wie im Beispiel 1 einen positiven
purpurfarbenen Stufenkeil, dem ein gegenläufiger negativer Gelbkeil überlagert ist.
[0065] Die Auswertung ergibt in analytischen Dichten folgende sensitometrischen Werte:

Beispiel 5
[0066] Ein für die Herstellung positiver Aufsichtskopien geeignetes Material für das Silberfarbbleichverfahren
wird in folgender Weise hergestellt:
auf einen weissopaken Träger werden nacheinander folgende Schichten aufgetragen:
ein rotempfindliches Schichtenpaar, bestehend aus
al) einer rotempfindlichen Gelatine-Silberbromidjodidemulsionsschicht mit einem Silbergehalt
von 0,149 g/m2 und 0,145 g/m2 des bleichbaren blaugrünen Azofarbstoffes der Formel (103) und
a2) einer von Bildfarbstoff freien Schicht aus einer rotempfindlichen Gelatine-Silberbromidjodid-Emulsion
mit einem Silbergehalt von 0,300 g/m2,
b) eine Gelatine-Zwischenschicht mit einem Auftragsgewicht von 4,08 g/m2,
ein grünempfindliches Schichtenpaar, bestehend aus
cl) einer grünempfindlichen Gelatine-Silberbromidjodid (95 Mol-Prozent AgBr, 5 Mol-Prozent
AgJ)-Schicht mit einem Silbergehalt von 0,138 g/m2 und 0,174 g/m2 des bleichbaren purpurfarbenen Azofarbstoffes der Formel(101) und
c2) einer von Bildfarbstoff freien Schicht aus einer grünempfindlichen Gelatine-Silberbromidjodid-Emulsion
(95 Mol- Prozent AgBr, 5 Mol-Prozent AgJ) mit einem Silbergehalt von 0,375 g/m2,
d) eine von Bildfarbstoff freie Schicht mit einer spontanentwickelbaren, mit l-Stearyl-5-mercapto-tetrazol
inhibierten Silberchloridbromid-Emulsion (10 Mol-Prozent AgCl, 90 Mol- Prozent AgBr)
mit einem Silbergehalt von 0,400 g/m2 (Herstellung dieser Emulsion siehe Beispiel 3c),
ein blauempfindliches Schichtenpaar, bestehend aus
e1) einer blauempfindlichen jodidfreien Gelatine-Silberbromid- Schicht mit einem Silbergehalt
von 0,400 g/m und 0,149 g/m2 des gelben bleichbaren Azofarbstoffes der Formel(102), und
e2) einer farbstofffreien blauempfindlichen Gelatine-Silberbromid-Schicht mit einem
Silbergehalt von 0,360 g/m2; und
f) eine Gelatine-Schutzschicht.
[0067] Der Zwischenbildeffekt (Kompensation der Blau-Nebenfarbdichte der Purpurschicht)
kann auf einfache Weise quantitativ erfasst werden, indem man die grünsensibilisierten
Schichten durch einen Stufenkeil belichtet: Die optische Dichte der Gelbschicht im
blauen Spektralbereich nimmt in diesem Fall parallel zur Belichtung der grünempfindlichen
Schichten (und damit zur nachfolgenden Ausbleichung der Purpurschicht) zu. Der optimale
Zwischenbildeffekt ist dann erreicht, wenn bei vollbelichteter Purpurschicht die Dichtezunahme
der Gelbschicht gerade der blauen Nebenfarbdichte der unausgebleichten Purpurschicht
entspricht.
[0068] Das vorliegend beschriebene Material wird durch einen Stufenkeil mit einem grünen
Farbfilter belichtet und wie folgt verarbeitet:
1. Entwicklungsbad 2 1/2 Minuten / 20°C Zusammensetzung wie in Beispiel 1, ausser
dass die Benztriazolkonzentration 1 g/1 beträgt
2. Zwischenwässerung 1 Minute
3. Kombiniertes Farb- und Silberbleichbad 3 Minuten / 30°C Zusammensetzung wie in
Beispiel 1
4. Zwischenwässerung 1 Minute
5. Fixierbad 3 Minuten / 20°C Zusammensetzung wie in Beispiel 1
6. Schlusswässerung
[0069] Zum Vergleich wird ein weiteres Material, das gleich aufgebaut ist, in der Schicht
(d) jedoch keine verschleierte Emulsion enthält, durch den gleichen Stufenkeil grün
belichtet und anschliessend in gleicher Weise wie vorstehend beschrieben weiterbehandelt.
[0070] In der nachfolgenden Tabelle 2 sind für die verschiedenen Stufen des Keils (Vorlagendichte)
je die resultierenden Dichten im grünen (λ = 570 nm) und im blauen Spektralbereich
wiedergegeben (X= 420 nm). Kolonne a) betrifft das Material gemäss Beispiel 4, Kolonne
b) das Vergleichsbeispiel ohne verschleierte Emulsion in der Schicht d).

[0071] Aus der Tabelle 2 ist leicht ersichtlich, dass das Material a) gemäss vorliegendem
Beispiel den erwünschten Zwischenschichteffekt zeigt, während das Material b) den
Effekt nicht aufweist.
[0072] Wird das Material a) durch ein farbiges Diapositiv belichtet, und anschliessend wie
oben beschrieben verarbeitet, so erhält man eine Positivkopie von ausgezeichneter
Farbwiedergabe. Sowohl die Gelb- als auch die Blau- und Rottöne sind in Bezug auf
Farbton und Sättigung der Vorlage ebenbürtig.
Beispiel 6
[0073] Zum Vergleich mit dem Verarbeitungsverfahren gemäss der U.S.-Patentschrift 4.046.566
wird je ein Streifen des im Beispiel 5 beschriebenen Materials belichtet und entwickelt
und danach je einer Bleichbehandlung von 2 bzw. 3, bzw. 4 Minuten in dem im Beispiel
4 beschriebenen Bleichbad unterworfen.
[0074] Zum Vergleich werden drei Proben des gleichen Materials entsprechend dem in der U.S.
Patentschrift 4.046.566 beschriebenen Verfahren in einem Bad entwickelt, dem pro Liter
1,4 g kristallines Natriumthiosulfat, zugefügt werden.
[0075] In beiden Fällen werden die Proben unmittelbar nach der Bleichbehandlung fixiert,
und in den fixierten Proben der Restsilbergehalt bestimmt.

[0076] Die Tabelle zeigt, dass nach dem erfindungsgemässen Verfahren unter Verzicht auf
einen Zusatz von Thiosulfat zum Entwickler der Restsilbergehalt im fixierten Bild
gegenüber dem in der U.S. Patentschrift 4.046.566 beschriebenen Verfahren erheblich
gesenkt werden kann. Der erzielte Zwischenbildeffekt bleibt dabei bei beiden Verfahren
praktisch gleich.
Beispiel 7
[0077] In diesem Beispiel wird die Haltbarkeit einer erfindungsgemässen Entwicklerlösung
mit derjenigen einer Entwicklerlösung gemäss der U.S. Patentschrift 4.046.566 welche
zur Erzielung des Zwischenbildeffektes Natriumthiosulfat enthält, verglichen.
[0078] Ein Blatt des in Beispiel 5 beschriebenen Materials wird zur Hälfte mit weissem Licht
belichtet und danach in einer Trommel unter den in Beispiel 5 angegebenen Bedingungen
entwickelt. Der gebrauchte Entwickler wird in einem Becherglas aufgefangen und während
längerer Zeit beobachtet. Die Lösung bleibt dabei klar und verfärbt sich auch nach
einer Standzeit von mehreren Tagen nicht.
[0079] Der Versuch wird danach unter gleichen Bedingungen wiederholt, wobei jedoch dem Entwickler
1,4 g Natriumthiosulfat (Na2S203.5 H
20) pro Liter zugesetzt werden. Der gebrauchte Entwickler verfärbt sich beim Stehen
schon nach 10 Minuten bräunlich und ist nach 20 Minuten deutlich getrübt. Nach einigen
Stunden ist die Wandung des Becherglases braun belegt.
1. Verfahren zur Herstellung maskierter positiver Farbbilder nach dem Silberfarbbleichverfahren
durch Belichtung eines photographischen Materials für das Silberfarbbleichverfahren,
Silberentwicklung, Farbbleichung, Silberbleichung und Fixierung, wobei die Silberbleichung
gegebenenfalls mit der Farbbleichung und/oder der Fixierung in einem einzigen Behandlungsbad
kombiniert werden kann, dadurch gekennzeichnet, dass das photographische Material
(a) in mindestens einer Schicht mindestens einen ersten Farbstoff, von welchem mindestens
eine unerwünschte Nebenfarbdichte kompensiert werden soll,
.(b) in der (den) Schicht(en) (a) und/oder in einer zu dieser (diesen) Schicht(en)
benachbarten Schicht (je)eine diesem (diesen) Farbstoff(en) zugeordnete jodidhaltige
Silberhalogenidemulsion,
(c) in mindestens einer weiteren Schicht mindestens (je) einen zweiten Farbstoff,
dessen Hauptfarbdichte der zu kompensierenden Nebenfarbdichte des (der) ersten Farbstoff(e)
entspricht,
(d) in der (den) Schicht(en) (c) und/oder in einer zu dieser (diesen) benachbarten
Schicht(en) eine diesem (diesen) Farbstoff(en) zugeordnete jodidfreie oder im Vergleich
zu den unter (b) erwähnten Emulsionen jodiarme Silberhalogenidemulsion, und
(e) in mindestens einer Schicht (c) und/oder in mindestens einer weiteren Schicht,
welche der (den) Schicht(en) (c) benachbart ist und welche von einer oder mehreren
Schichten (a) durch mindestens eine Zwischenschicht getrennt ist, eine verschleierte,
jodidfreie oder jodidarme, ohne Belichtung spontan zur Maximaldichte entwickelbare
und einen Entwicklungsverzögerer enthaltende Silberhalogenidemulsion enthält,
und die Entwicklung in einer Entwicklerlösung erfolgt, die keinen Silberkomplexbildner
enthält.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man als Entwicklungsverzögerer
ein in 1-Stellung mit einer Alkyl-, Aryl- oder Aralkylgruppe substituiertes 5-Mercaptotetrazol
verwendet.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man in dem photographischen
Material zwischen der Schicht (e), die die vorverschleierte Silberhalogenidemulsion
enthält und der eine jodidhaltige Silberhalogenidemulsion enthaltenden Schicht (b)
mindestens eine Zwischenschicht, die weder Farbstoff noch Silberhalogenid enthält,
anordnet.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die den Bildfarbstoffen
zugeordneten Silberhalogenidemulsionen spektrale Empfindlichkeiten in der jeweiligen
Komplementärfarbe des Bildfarbstoffes oder andere spektrale Empfindlichkeiten aufweisen.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das photographische Material
zusätzliche Schichten aufweist in denen von den beiden Komponenten Bildfarbstoff und
Silberhalogenid mindestens eine mindestens teilweise fehlt .
6. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass ein trichromatisches
Material verwendet wird, das in je einer Schicht als Bildfarbstoff einen Blaugrün-,
einen Purpur- und einen Gelbfarbstoff enthält.
7. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die den einzelnen
Bildfarbstoffen zugeordneten sensibilisierten Silberhalogenidemulsionen sich in der
gleichen Schicht befinden wie die zugehörigen Bildfarbstoffe.
8. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die den einzelnen
Bildfarbstoffen zugeordneten sensibilisierten Silberhalogenidemulsionen sich mindestens
teilweise in einer der Farbstoffschicht benachbarten Schicht befinden.
9. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass von einem Bildfarbstoff
eines Mehrschichtenmaterials ein oder zwei Nebenfarbdichten kompensiert werden.
10. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass von zwei Bildfarbstoffen
eines Mehrschichtenmaterials je eine Nebenfarbdichte kompensiert wird.
11. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die von Silberjodid
freien, einem Farbstoff zugeordneten Emulsionsschichten Silberchlorid oder -bromid
oder ein Gemisch beider Halogenide enthalten.
12. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die silberjodidhaltigen
Emulsionen 0 bis 99,9 Mol-% Silberchlorid, 0 bis 99,9 Mol-% Silberbromid und 0,1 bis
10, vorzugsweise 1 bis 5 Mol-% Silberjodid enthalten.
13. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die vorverschleierte,
spontan entwickelbare Emulsion eine Silberchlorobromid- oder Silberbromidemulsion
mit einem Gehalt von höchstens 20 Mol-% Silberchlorid und höchstens 1,0% Silberjodid
ist, die durch Vorbelichtung oder durch chemische Behandlung verschleiert wurde.
14. Photographisches Silberfarbbleichmaterial zur Herstellung maskierter positiver
Farbbild er, dadurch gekennzeichnet, dass es
(a) in mindestens einer Schicht mindestens einen ersten Farbstoff, von welchem mindestens
eine unerwünschte Nebenfarbdichte kompensiert werden soll,
.(b) in der (den) Schicht(en) (a) und/oder in einer zu dieser (diesen) Schicht(en)
benachbarten Schicht (je) eine diesem (diesen) Farbstoff(en) zugeordnete jodidhaltige
Silberhalogenidemulsion,
(c) in mindestens einer weiteren Schicht mindestens (je) einen zweiten Farbstoff,
dessen Hauptfarbdichte der zu kompensierenden Nebenfarbdichte des (der) ersten Farbstoffes
(Farbstoffe) entspricht,
(d) in der (den) Schicht(en) (c) und/oder in einer zu dieser (diesen) benachbarten
Schicht(en) eine diesem (diesen) Farbstoff(en) zugeordnete jodidfreie oder im Vergleich
zu der unter (b) erwähnten Emulsion jodidarme Silberhalogenidemulsion und
(e) in mindestens einer Schicht (c) und/oder in mindestens einer weiteren Schicht,
welche der (den). Schicht(en) (c) benachbart ist und welche von einer oder mehreren
Schichten (a) durch mindestens eine Zwischenschicht getrennt ist, eine verschleierte,
jodidfreie oder jodidarme, ohne Belichtung spontan zur Maximaldichte entwickelbare
und einen Entwicklungsverzögerer enthaltende Silberhalogenidemulsion enthält.
15. Silberfarbbleichmaterial nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die optische
Dichte mindestens einer Bildfarbstoffschicht,.deren Hauptfarbdichte der zu kompensierenden
Nebenfarbdichte einer andern Schicht entspricht, um einen Betrag erhöht ist, der den
Dichteverlust nach einer Verarbeitung im unbelichteten Zustand kompensiert.
16. Verwendung des photographischen Silberfarbbleichmaterials nach einem der Ansprüche
14 und 15 zur Herstellung maskierter positiver Farbbilder.