[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Einfädeln eines als
Garn, Lunte oder dergleichen vorliegenden, textilen Materials in einen geschlossenen
Kanal einer Textilmaschine, bei welchem der Anfang des textilen Materials an eines
der Enden des Kanals herangebracht und Luft durch den Kanal bewegt wird, welche das
textile Material mitnimmt. Die Erfindung bezieht sich zudem auf ein Handgerät zum
Durchführen des Verfahrens mit einer Kammer, deren Volumen durch eine Handbetätigung
veränderbar ist, und welche eine durch je ein Ventil gesteuerte Lufteintritts-und
Luftaustrittsstelle aufweist. Schliesslich bezieht sich die Erfindung noch auf die
Verwendung des Verfahrens oder des Handgerätes.
[0002] In der Textilindustrie kommt es oft vor, dass ein Garn, eine Lunte oder dergleichen
textile Materialien einen geschlossenen Kanal durchlaufen. Dabei ist das Einfädeln
des textilen Materials in den Kanal stets ein relativ umständlicher Vorgang.
[0003] Durch die DE-PS 902 946 ist ein aus einem biegsamen Stahldraht bestehendes Handgerät
bekannt geworden, bei welchem der Stahldraht an seinem vordern Ende eine Kugel aufweist,
wobei an diesem Ende der durchzuziehende Faden befestigt wird. Auch die DE-PS 1 217
828 zeigt einen Einziehdraht. Diese Art des Einfädelns ist zeitraubend und nicht in
allen Fällen brauchbar.
[0004] Gemäss der US-PS 4 120 142 ist eine Blasdüsenanordnung vorgesehen, welche zum Zwecke
des Einfädelns betätigt wird und welche einen Luftstrom erzeugt, durch welchen der
-Faden, an eine Eintrittsstelle des Kanals gebracht, in einem ersten Teilstück desselben
eingesogen und in einem anschliessenden Teilstück durchgeblasen wird. Diese Ausführungsform
benötigt ein Reservoir für komprimierte Luft und einen komplizierten Aufbau für die
Blasdüsenanordnung, deren Steuerung und deren • Einstellung. Sie erweist sich daher
als bostspielig. Für die in der DE-AS 1 289 470 gezeigte, ähnliche Konstruktion gelten
die soeben gemachten Feststellungen im wesentlichen ebenfalls.
[0005] Nach der DE-OS 2 437 857 wird der einzufädelnde Faden ausschliesslich durch einen
Saugvorgang eingezogen. Dabei werden Motoren, diese betätigende elektrische Schalter
und weitere Aufbauteile verwendet, sodass auch in diesem Fall eine sehr aufwendige
Anordnung vorliegt.
[0006] Durch die vorliegende Erfindung sollen die erwähnten Nachteile vermieden werden.
Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass beim Verfahren von einem als Pumpe arbeitenden
Handgerät, welches eine Lufteintritts- und eine Luftaustrittsstelle besitzt, eine
dieser Luftdurchtrittsstellen mit dem einen Ende des Kanals gekoppelt, das Handgerät
von Hand betätigt und dadurch die Luft durch den Kanal bewegt wird. Das Handgerät
selbst ist dadurch gekennzeichnet, dass an die an den Kanal zu koppelnde Luftdurchtrittsstelle
ein Ende eines Anschlusselementes angeschlossen ist, dessen anderes Ende mit einem
Dichtungsorgan versehen ist. Schliesslich ist die Verwendung des Verfahrens bzw. des
Handgerätes dadurch gekennzeichnet, dass diese an einem einen geschlossenen Kanal
aufweisenden Flügel einer Vorspinnmaschine erfolgt.
[0007] Die Erfindung zeichnet sich vor allem durch ihre verblüffende Einfachheit aus. Das
Handgerät kann vom Bedienungspersonal ohne weiteres mitgetragen werden. Zudem kann
es mit einer Hand bedient werden. Es ist somit leicht transportierbar und sehr handlich.
Die bei den bekannten Einrichtungen speziell vorgesehenen, aufwendigen Anordnungen
sind nicht notwendig. Dadurch ergibt sich eine grosse Einsparung von Kosten. Das Einfädeln
benötigt sehr wenig Zeit. Für dessen Durchführung genügt es, den Anfang des einzufädelnden
textilen Materials an die gewählte Oeffnung des Kanals heranzubringen oder ein kleines
Stück in die Oeffnung einzuführen, das Handgerät z.B. durch Anlegen an den Kanal mit
diesem zu koppeln und mit ein paar Pumpbewegungen Luftimpulse zu erzeugen. Durch diese
wird die Lunte bzw. das Garn durch den Kanal bewegt. Die Erfindung gestattet daher,
einen Faden oder eine Lunte auf denkbar einfache Weise und mit einem minimalen Aufwand
durch einen geschlossenen Kanal durchzuziehen, bzw. in diesen einzufädeln.
[0008] Das Handgerät kann in der Weise ausgeführt sein, dass mit diesem sowohl ein Saugvorgang
als auch ein Blasvorgang ausgeführt werden kann. Durch das Vorsehen von zwei Ventilen
wird zudem erreicht, dass beim Betätigen des Handgerätes die Luft nur in der einen
Richtung fliesst. Ein lästiges Zurückziehen des teilweise eingefädelten Fadens durch
ungewollt in der umgekehrten Richtung fliessende Luft während des Einfädelvorganges
tritt somit nicht auf. Es ist deshalb auch möglich, Fäden oder Lunten durch relativ
lange Kanäle einzufädeln. Dabei sind in bezug auf das Einfädeln in einen Kanal normaler
Länge nur entsprechend der grösseren Länge zusätzliche Betätigungsbewegungen am Handgerät
notwendig.
[0009] Die Erfindung sei nun an Hand von Ausführungsbeispielen und der Zeichnung näher erläutert.
In der letzteren ist
Fig. 1 ein Querschnitt eines von der Seite gesehenen Flyerflügels einer Vorspinnmaschine,
Fig. 2 ein Querschnitt eines beispielweisen Handgerätes von der Seite gesehen und
Fig. 3 ein Querschnitt eines zweiten Ausführungsbeispiels eines Handgerätes, ebenfalls
von der Seite gesehen.
[0010] Der in Fig. 1 gezeigte Flyerflügel weist eine Hohlwelle 11 auf, welche in einem nicht
gezeigten Lager rotierbar ist. Von der Hohlwelle 11 erstrecken sich zwei Arme 12,13
des Flyerflügels, welche an ihren Enden durch einen Ring 14 gehalten sind. Ein rohrförmiger,
geschlossener Kanal 15 führt von der Welle 11, an der sich die eine Oeffnung 16 des
Kanals 15 befindet, zur andern Oeffnung 17 desselben.
[0011] Im Betrieb des Flyerflügels wird eine Faserlunte bzw. ein Vorgarn von einem nicht
gezeigten Streckwerk geliefert und tritt durch die Oeffnung 16 in den Kanal 15 ein.
Das auf diese Weise gebildete Vorgarn tritt aus der andern Oeffnung 17 wieder aus
dem Kanal 15 aus, läuft durch den Fadenführer 18 und wird auf eine nicht gezeichnete
Spindel aufgewickelt.
[0012] Beim Beginn eines Spinnprozesses, oder falls die Lunte oder das Vorgarn während des
Betriebs zerreisst, muss das lunten-oder garnartige textile Material neu in den Kanal
15 eingefädelt werden. Dies wird gemäss vorliegender Erfindung mittels eines Handgerätes
durchgeführt. Das in Fig. 2 gezeigte Beispiel eines solchen weist eine durch einen
Balg 21 begrenzte Kammer 22 auf. Der Balg 21 besteht mindestens teilweise aus einem
elastischen Material, z.B. Gummi. An einer durch ein einseitig durchlassendes Ventil,
z.B. ein Kugelventil, gebildeten Lufteintrittsstelle 23 vermag Luft nur in die Kammer
22 einzutreten. Andererseits bewirkt ein zweites ebenfalls nur in einer Richtung durchlassendes
Kugelventil, dass an der Luftaustrittsstelle 24 die Luft nur aus der Kammer 22 austreten
kann. Dem Lufteintrittsventil ist ein Luftfilter 25 in bezug auf die Richtung der
Luftströmung vorgelagert. An der Lufteintrittsstelle 23 ist ein Anschlusselement 26
angebracht, welches an seinem freien Ende mit einem Dichtungsorgan 27 versehen ist.
An der Luftaustrittsstelle 24 ist ein zweites, mit einem Dichtungsorgan 28 versehenes
Anschlusselement 29 vorgesehen.
[0013] Zum Einfädeln des textilen Materials in den Kanal 15 des Flyerflügels gemäss Fig.
1 wird der Anfang des einzufädelnden Materials an die Oeffnung 16 herangebracht oder
ein kleines Stück in diese Oeffnung 16 eingeführt. Das Dichtungsorgan 27 wird in die
Kanalöffnung 17 eingeschoben bzw. an diese angelegt und auf diese Weise mit dieser
gekoppelt. Daraufhin wird der Balg 21 durch wiederholtes Zusammendrücken von Hand
betätigt. Beim Zusammendrücken entweicht die Luft durch die als Ventil ausgebildete
Luftaustrittsstelle 24 und beim elastischen Zurückbilden des Balges 21 in seine ursprüngliche
Form tritt Luft durch die als Ventil ausgebildete Lufteintrittsstelle 23 ein. Somit
strömt die Luft während des Pumpvorganges nur in einer Richtung, und es entstehen
impulsartige Luftbewegungen, durch welche das textile Material nach Anlegen an oder
Einführen in die Oeffnung 16 durch den Kanal 15 gesogen wird-und schliesslich aus
der Oeffnung 17 austritt. Um zu vermeiden, dass sich dieses Material im Handgerät,
insbesondere in der als Ventil ausgebildeten Lufteintrittsstelle 23 verfängt, ist
der Luftfilter 25 vorgesehen. Dieser bewirkt, dass das Material nicht in das Innere
des Handgerätes gelangen kann. Der Filter 25 hält zusätzlich noch eventuell vorhandene
Verunreinigungen zurück, wodurch ausserdem die Dauer einwandfreien Arbeitens der Ventile
verlängert wird.
[0014] Es ist von speziellem Vorteil, wenn das Anschlusselement 26 wenigstens in unmittelbarer
Nähe des Filters 25 aus durchsichtigem Material besteht, damit man visuell feststellen
kann, ob das Vorgarn vollständig im Kanal 15 eingefädelt ist.
[0015] Statt mit der Saugwirkung kann auch mit der Blaswirkung des Handgerätes gearbeitet
werden. Für eine solche Arbeitsweise ist am Flyerflügel die schräg angeordnete Oeffnung
31 vorgesehen, an welche der Anfang des textilen Materials von Hand hingebracht, oder
in welche man ihn ein kleines Stück einführt. In diesem Fall wird das Dichtungsorgan
28 mit der Oeffnung 31 gekoppelt. Durch wiederholtes Zusammendrücken des Balges 21
werden impulsartige Luftströmungen durch den Kanal 15 gefördert, durch welche das
Vorgarn mitgenommen und eingefädelt wird.
[0016] Beim Vorliegen eines fadenähnlichen, textilen Materials und bei Anwendung eines Blasvorganges
für das Einfädeln ist es auch möglich, auf eine, der Oeffnung 31-analoge schräge Oeffnung
zu verzichten. Es kann an Stelle derselben im Dichtungsorgan 28 eine Kerbe 32 vorgesehen
sein. Zum Einfädeln eines Fadens wird dieser in die Kerbe 32 eingelegt und das Dichtungsorgan
28 an den Kanaleingang angelegt. Dabei wird der Faden durch die beim Betätigen des
Balges 21 erzeugten Luftimpulse mitgerissen und eingefädelt.
[0017] Es ist ersichtlich, dass beim Zusammenpressen des Balges 21 des Handgerätes gemäss
Fig. 2, die Luft an der Austrittsstelle 24 ausströmt und beim Zurückbilden des Balges
21 in seine ursprüngliche Form Luft an der Eintrittsstelle 23 einströmt. Bei einem
gummiartigen Balg 21 ist somit die Saugkraft durch die Elastizität des Balges 21 gegeben
und kann einen durch den Balg gegebenen Wert nicht überschreiten. Andererseits ist
ein durch Saugen erfolgendes Einfädeln einfacher zu bewerkstelligen, da eine Oeffnung
31 oder eine Kerbe 32 nicht notwendig ist.
[0018] Fig. 3 zeigt ein Handgerät, bei welchem die Saugimpulse durch Drücken des Gerätes
gebildet und somit bei kraftvoller Betätigung relativ verstärkt werden können. In
einem Zylinder 41 ist ein Kolben 42 hin und her beweglich. Der letztere und ein Betätigungshebel
43 sind durch eine Kolbenstange 44 miteinander gekoppelt, wobei die letztere an beiden
Teilen 42 und 43 gelenkig verbunden ist. Der Hebel 43 ist von einem Arm 45 getragen
und um eine Achse 46 zwischen zwei Endlagen schwenkbar. Die eine Endlage ist mit durchgezogenen
Linien und die andere Endlage ist strichliniert gezeichnet. Die beiden Endlagen des
Kolbens 42 sind in gleicher Weise gezeigt. Eine Druckfeder 47 ist bestrebt, den Hebel
43 in die strichliniert gezeichnete Lage zu bewegen. Es sind zusätzlich noch ein mit
einem Dichtungsorgan 48 versehenes, vorzugsweise durchsichtiges Anschlusselement 49
und ein Luftfilter 51 vorgesehen. Die als Ventile ausgebildeten Luftdurchtrittsstellen
52,53 bewirken, dass die Luft bei der Lufteintrittstelle 52 nur eintreten und bei
der Luftaustrittsstelle 53 nur austreten kann. Das eine Ende des Zylinders 41 ist
durch die Stirnwand 54 begrenzt.
[0019] Durch Drücken auf den Betätigungshebel 43 wird der Kolben 42 nach oben bewegt. Dadurch
wird das Volumen der durch den Zylinder 41, den Kolben 42 und die Stirnwand 54 begrenzten
Kammmer vergrössert. Dies bedingt ein Ansaugen von Luft, sodass durch die Lufteintrittsstelle
52 Luft in die Kammer einströmt. Mittels auf diese Weise gebildeten Luftimpulsen wird
als Garn, Lunte oder dergleichen vorliegendes textiles Material in einem geschlossenen
Kanal mitgenommen und in diesen eingefädelt.
1. Verfahren zum Einfädeln eines als Garn, Lunte oder dergleichen vorliegenden, textilen
Materials in einen geschlossenen Kanal einer Textilmaschine, bei welchem der Anfang
des textilen Materials an eines der Enden des Kanals herangebracht und Luft durch
den Kanal bewegt wird, welche das textile Material mitnimmt, dadurch gekennzeichnet,
dass von einem als Pumpe arbeitenden Handgerät, welches eine Lufteintritts- (23,52)
und eine Luftaustrittsstelle (24,53) besitzt, eine dieser Luftdurchtrittsstellen (23,24,52)
mit dem einen Ende (16, 17) des Kanals (15) gekoppelt, das Handgerät von Hand betätigt
und dadurch die Luft durch den Kanal bewegt wird.
2. Handgerät zum Durchführen des Verfahrens nach Patentanspruch 1, mit einer Kammer,
deren Volumen durch eine Handbetätigung veränderbar ist, und welche eine durch je
ein Ventil gesteuerte Lufteintritts- und Luftaustrittsstelle aufweist, dadurch gekennzeichnet,
dass an die an den Kanal (15) zu koppelnde Luftdurchtrittsstelle (23,24,52) ein Ende
eines Anschlusselementes (26,29, 49) angeschlossen ist, dessen anderes Ende mit einem
Dichtungsorgan (27,28,48) versehen ist.
3. Verwendung des Verfahrens nach Patentanspruch 1 oder des Handgerätes nach Patentanspruch
2, dadurch gekennzeichnet, dass diese an einem einen geschlossenen Kanal aufweisenden
Flügel (Fig. 1) einer Vorspinnmaschine erfolgt.
4. Verfahren nach Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Lufteintrittsstelle
(23,52) an das eine Ende (17) des Kanals (15) angeschlossen und der Anfang des textilen
Materials an das andere Ende (16) des Kanals herangebracht wird.
5. Handgerät nach Patentanspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass an der Lufteintrittsstelle
(23,52) ein Luftfilter (25,51) vorhanden ist, welcher der Lufteintrittsstelle (23,52)
in bezug auf die Richtung der bewegten Luft vorgelagert ist.
6. Handgerät nach Patentanspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Wand der Kammer
(22) mindestens teilweise aus einem elastischen Material besteht, welches von Hand
entgegen seiner elastischen Spannung im Sinne einer Verkleinerung des Volumens der
Kammer (22) gedrückt werden kann.
7. Handgerät nach Patentanspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Kammer einen
durch eine Stirnwand (54) am einen Ende begrenzten Zylinder (41) und einen in diesem
von Hand bewegbaren Kolben (42) umfasst, dass sich die Luftdurchtrittsstellen (52,53)
in der Stirnwand (54) und im Kolben (42) befinden, und dass ein Betätigungshebel (43)
mit dem Kolben (42) gekoppelt ist und durch eine Druckbewegung auf diesen eine Vergrösserung
des Volumens der Kammer resultiert.
8. Handgerät nach Patentanspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Luftfilter
(25) und dem Dichtungsorgan (27) das Anschlusselement (26) mindestens teilweise aus
durchsichtigem Material besteht.