[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Stahlstranggiessen von Knüppeln und Vorblöcken
nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 (DE-C 2415224).
[0002] Es ist bekannt, durch allseitige konische Ausbildung des Formhohlraumes in Stranglängsrichtung
von Kokillen zum Giessen von Knüppeln und Vorblöcken die Wärmeabfuhr zu erhöhen. Damit
wird auch das Schalenwachstum begünstigt. Verschiedentlich wird angegeben, in welcher
Weise die Konizität der Schwindung anzupassen ist, um den positiven Effekt hinsichtlich
der Wärmeabfuhr und des Schalenwachstums ohne zu grosse Kokillenreibung zu erhalten.
Eine jedoch einmal optimierte Kokillengeometrie verändert sich im Laufe des Einsatzes
durch Verschleiss und/oder Verzug derart, dass z.B. die vorgegebene Konizität aufgehoben
wird oder sogar eine umgekehrte Konizität auftritt. Bei einer ungenügenden Kokillengeometrie
können Schäden am gegossenen Strang, z.B. Risse bzw. Durchbrüche auftreten.
[0003] Es ist ebenfalls bekannt, dass der Kohlenstoffgehalt bei unlegierten Stählen die
Wärmeabfuhr und Kokillenreibung sehr unterschiedlich beeinflusst. Daher wird auch
der Kohlenstoffgehalt bei der Optimierung der Konizität berücksichtigt.
[0004] Um Schäden zu vermeiden, ist es in der Praxis daher üblich, die Kokillengeometrie
mittels entsprechender Lehren von Zeit zu Zeit ausserhalb des Giessbetriebes zu überprüfen.
Dazu müssen jedoch aufwendige und zeitraubende Messungen mit Mikrometern oder elektronischen
Lehren an der Kokille in den Giesspausen vorgenommen werden.
[0005] Es ist Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur Überwachung der Kokillengeometrie
zu schaffen, mit dem der Zustand der Kokille mit einfachen Mitteln während des laufenden
Giessbetriebes kontrolliert werden kann, um unerwünschte Änderungen an der Kokille
frühzeitig zu erkennen und um wirtschaftlich nachteilige Strangschäden, wie z.B. Risse
bzw. Durchbrüche, zu vermeiden.
[0006] Diese Aufgabe wird durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
[0007] Dabei wird die Wärmeabfuhr der Kokille z.B. über die vom Kühlwasser aufgenommene
Wärme bestimmt und mit einem Soll-Wert verglichen. Dieser Soll-Wert ist abhängig vom
Kohlenstoff des zu vergiessenden Stahles und der Verweilzeit des Stranges in der Kokille.
Der eine schädliche Veränderung der Kokillengeometrie anzeigende, vorgegebene Betrag
der Abweichung richtet sich sowohl nach den Giessbedingungen, insbesondere der Giessgeschwindigkeit
und Giesstemperatur, als auch nach den Qualitätsanforderungen des Endproduktes, wie
z.B. hinsichtlich Rhomboidität, Kantenlängsrissen und Querrissen. Liegt eine Abweichung
des gemessenen Wertes für die Wärmeabfuhr vom Soll-Wert um mehr als den vorgegebenen
Betrag vor, so gilt dies als Anzeige für eine ungenügende Kokillengeometrie, und weitere
Massnahmen zur Sicherstellung einer entsprechenden Strangqualität sind durchzuführen.
Somit besteht eine laufende Kontrollmöglichkeit des Zustandes einer im Giessbetrieb
stehenden Kokille. Dadurch können wegen einer ungenügenden Kokillengeometrie eventuell
auftretende Strangschäden rechtzeitig erkannt bzw. verhindert werden.
[0008] Die zulässige Abweichung des Ist-Wertes vom vorgegebenen Soll-Wert liegt vorteilhaft
je nach den Erfahrungen zwischen 15 und 30% des SollWertes. Dies richtet sich innerhalb
dieses Bereiches nach Parametern wie Giessgeschwindigkeit oder Anforderungen an die
Strangqualität.
[0009] Vorteilhaft wird bei einer nur geringfügig grösseren Abweichung als es dem obgenannten,
tolerierbaren Betrag von 15 bis 30% entspricht, die Kokille nach Beendigung des laufenden
Gusses ausgemessen und gegebenenfalls ausgewechselt. Ob und wann ein solches Auswechseln
der Kokille stattfindet, hängt von internen Qualitätskriterien ab, die von Werk zu
Werk unterschiedlich sind. Jedenfalls ist ein zeitraubendes Ausmessen der Kokille
nach jedem Guss nicht mehr notwendig und der erzielte Zeitgewinn bringt einen wirtschaftlichen
Vorteil.
[0010] Vorteilhaft wird bei wesentlich grösserer Abweichung des Ist-Wertes vom Soll-Wert
der abgeführten Wärmemenge, als es dem obgenannten Betrag von 15 bis 30% entspricht,
die Giessgeschwindigkeit gesenkt oder der Guss abgebrochen. Bei diesen Sofortmassnahmen
aufgrund der festgestellten ungenügenden Kokillengeometrie werden Schäden am Strang
bzw. bei einem Durchbruch auch an der Giessanlage durch den ermöglichten unmittelbaren
Eingriff in den Giessbetrieb vermieden.
[0011] Das Verfahren wird anhand eines Beispieles unter Zuhilfenahme einer Figur näher beschrieben.
[0012] Auf der Ordinate der Figur ist die Wärmemenge H
o (in 103 kcal. m-2), und auf der Abszisse in logarithmischem Massstab die Kohlenstoffgehalte
für den am meisten interessierenden Bereich der unlegierten Stähle zwischen 0,03 und
1,0 Gew.-% Kohlenstoff aufgetragen. Die mit 1 bezeichnete Kurve stellt Soll-Werte
für die abzuführende Wärmemenge in Abhängigkeit vom Kohlenstoffgehalt der abgegossenen
Stähle dar. Dabei gilt diese Kurve für eine Verweilzeit des gegossenen Stranges bzw.
eines Strangelementes in der Kokille von einer Minute. Als Verweilzeit (in min) wird
die wirksame Kokillenlänge (in m) geteilt durch die Giessgeschwindigkeit (in m - min-l)
definiert. Die wirksame Kokillenlänge wiederum ist der Abstand zwischen dem Badspiegel
des sich bildenden Stranges in der Kokille bis zum Kokillenende. Diese Kurve 1 gilt
ferner für Knüppel- und kleine Vorblockformate, die mit ÖIschmierung in der Kokille
vergossen werden. Für einen unlegierten Kohlenstoffstahl mit einem Gehalt von 0,10
Gew.-% Kohlenstoff liegt der Soll-Wert für die abzuführende Wärmemenge gemäss der
Kurve bei etwa 10
3·57,3 kJoule·m
-2 (13,7.103 kcal · m-2). Bei einer tolerierten Abweichung von ±20% von diesem Wert,
als vorgegebener Betrag, - das entspricht etwa mittleren Qualitätsanforderungen für
den zu giessenden Stahl - liegt daher eine ausreichende Kokillengeometrie dann vor,
wenn die abgeführte Wärmemenge zwischen 46,0-68,6.10
3 kJoule·m
-2 (11,0-16,4·10
3 kcal · m
-2) bestimmt wird.
[0013] Liegt nun eine nur geringfügig grössere Abweichung als es diesen genannten Grenzen
entspricht vor, z.B. beträgt die abgeführte Wärmemenge 45,2.10
3 kJoule m-
2 (10,8.10
3 kcal m-2), so gilt dies als Anzeige für eine gestörte, schädliche Kokillengeometrie,
und die Kokille wird nach Beendigung des laufenden Gusses ausgemessen. Liegt der gemessene
Wert z.B. jedoch wesentlich niedriger als die obgenannte, tolerierte untere Grenze
von 46,6.10
3 kJoule. m-2 (11,0 · 10
3 kcal.m-2), z.B. bei 41,8.103 kJoule·m
-2 (10,0·10
3 kcal·m
-2), so wird dies als Anzeige einer stark gestörten Kokillengeometrie gewertet und,
da ein Durchbruch befürchtet werden muss, wird der laufende Guss abgebrochen.
[0014] Bei unterschiedlichen tatsächlichen Verweilzeiten eines Strangelementes in der Kokille,
die bei verschiedenen Kokillenlängen oder unterschiedlichen Giessgeschwindigkeiten
auftreten können, ist die Kokillengeometrie bei der als Beispiel angenommenen tolerierten
Abweichung von ± 20% dann noch als ausreichend zu betrachten, wenn der gemessene Wert
H
x im Bereich der Beziehung:

liegt.
[0015] Dabei ist H
x der bestimmte Wert der abgeführten Wärmemenge in der Kokille (in 10
3 kcal·m-2), H
o der Soll-Wert für die abzuführende Wärmemenge (in 10
3 kcal·m
-2), je nach Kohlenstoffgehalt des gegossenen Stahles, und t die tatsächliche Verweilzeit
eines Strangelementes in der Kokille (in min), wobei sich diese Verweilzeit aus der
wirksamen Kokillenlänge (in m) geteilt durch die Giessgeschwindigkeit (in m · min-1)
ergibt.
[0016] Die Bestimmung der abgeführten Wärmemenge kann über eine Messung der Temperaturzunahme
des ein- und austretenden Kokillenkühlwassers erfolgen. Der Vergleich dieser Wärmemenge
mit den entsprechenden Soll-Werten kann mittels eines vorgegebenen Diagrammes manuell
oder über einen Vergleicher auf elektronischer Basis geschehen. Bei unerlaubter Abweichung
kann ein optisches oder akustisches Signal erzeugt werden. Je nach Stärke dieses Signals
können dann die unterschiedlichen Massnahmen, wie ausgeführt, getroffen werden.
1. Verfahren zum Stahlstranggiessen von Knüppeln und Vorblöcken bei dem bei laufendem
Giessbetrieb der Ist-Wert der Wärmeabfuhr der Kokille bestimmt wird, dadurch gekennzeichnet,
dass zur Überwachung des Kokillenzustandes dieser Ist-Wert mit einem in Abhängigkeit
vom Kohlenstoffgehalt und der Verweilzeit des vergossenen Stahles in der Kokille vorgegebenen
Soll-Wert verglichen und bei Abweichen des Ist-Wertes von diesem Soll-Wert um einen
vorgegebenen Betrag die Kokillengeometrie überprüft wird.
2. Verfahren nach Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass eine Abweichung des
Ist-Wertes vom Soll-Wert von 15-30% als zulässig angesehen wird.
1. Procédé pour la coulée continue de billettes et blooms d'acier, selon lequel on
détermine, pendant le déroulement de la coulée, la valeur réelle de la quantité de
chaleur évacuée de la lingotière, caractérisé en ce que, pour surveiller l'état de
la lingotière, on compare cette valeur réelle avec une valeur de consigne préfixée
en fonction de la teneur en carbone et du temps de séjour de l'acier coulé dans la
lingotière et, lorsque la valeur réelle s'écarte de cette valeur de consigne d'une
quantité préfixée, on contrôle la géométrie de la lingotière.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que l'on considère qu'un écart
de 15-30% de la valeur réelle par rapport à la valeur de consigne est admissible.
1. A method for the continuous casting of steel billets and cogged ingots, wherein
as casting proceeds, the actual value for the dissipation of heat from the mould is
determined, characterized in that, for the purpose of monitoring the condition of
the mould, this actual value is compared with a required value, predetermined in dependence
upon the carbon content of the cast steel and its period of dwell in the mould and
the geometry of the mould is examined if the actual value differs from this required
value by a given amount.
2. A method according to claim 1, characterized in that a deviation of the actual
value from the required value of 15-30% is regarded as permissible.