(19)
(11) EP 0 026 487 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
22.12.1982  Patentblatt  1982/51

(21) Anmeldenummer: 80105844.7

(22) Anmeldetag:  26.09.1980
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)3B22D 11/04, B22D 11/16

(54)

Verfahren zum Stahlstranggiessen

Method of continuous casting of steel

Procédé de coulée continue d'acier


(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE DE FR GB IT LU NL SE

(30) Priorität: 02.10.1979 CH 8873/79

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
08.04.1981  Patentblatt  1981/14

(71) Anmelder: CONCAST HOLDING AG
CH-8027 Zürich (CH)

(72) Erfinder:
  • Wolf, Manfred, Dr.
    CH-8032 Zürich (CH)

(74) Vertreter: Fiala, Ferdinand et al
CONCAST HOLDING AG Tödistrasse 7
8027 Zürich
8027 Zürich (CH)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Stahlstranggiessen von Knüppeln und Vorblöcken nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 (DE-C 2415224).

    [0002] Es ist bekannt, durch allseitige konische Ausbildung des Formhohlraumes in Stranglängsrichtung von Kokillen zum Giessen von Knüppeln und Vorblöcken die Wärmeabfuhr zu erhöhen. Damit wird auch das Schalenwachstum begünstigt. Verschiedentlich wird angegeben, in welcher Weise die Konizität der Schwindung anzupassen ist, um den positiven Effekt hinsichtlich der Wärmeabfuhr und des Schalenwachstums ohne zu grosse Kokillenreibung zu erhalten. Eine jedoch einmal optimierte Kokillengeometrie verändert sich im Laufe des Einsatzes durch Verschleiss und/oder Verzug derart, dass z.B. die vorgegebene Konizität aufgehoben wird oder sogar eine umgekehrte Konizität auftritt. Bei einer ungenügenden Kokillengeometrie können Schäden am gegossenen Strang, z.B. Risse bzw. Durchbrüche auftreten.

    [0003] Es ist ebenfalls bekannt, dass der Kohlenstoffgehalt bei unlegierten Stählen die Wärmeabfuhr und Kokillenreibung sehr unterschiedlich beeinflusst. Daher wird auch der Kohlenstoffgehalt bei der Optimierung der Konizität berücksichtigt.

    [0004] Um Schäden zu vermeiden, ist es in der Praxis daher üblich, die Kokillengeometrie mittels entsprechender Lehren von Zeit zu Zeit ausserhalb des Giessbetriebes zu überprüfen. Dazu müssen jedoch aufwendige und zeitraubende Messungen mit Mikrometern oder elektronischen Lehren an der Kokille in den Giesspausen vorgenommen werden.

    [0005] Es ist Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur Überwachung der Kokillengeometrie zu schaffen, mit dem der Zustand der Kokille mit einfachen Mitteln während des laufenden Giessbetriebes kontrolliert werden kann, um unerwünschte Änderungen an der Kokille frühzeitig zu erkennen und um wirtschaftlich nachteilige Strangschäden, wie z.B. Risse bzw. Durchbrüche, zu vermeiden.

    [0006] Diese Aufgabe wird durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.

    [0007] Dabei wird die Wärmeabfuhr der Kokille z.B. über die vom Kühlwasser aufgenommene Wärme bestimmt und mit einem Soll-Wert verglichen. Dieser Soll-Wert ist abhängig vom Kohlenstoff des zu vergiessenden Stahles und der Verweilzeit des Stranges in der Kokille. Der eine schädliche Veränderung der Kokillengeometrie anzeigende, vorgegebene Betrag der Abweichung richtet sich sowohl nach den Giessbedingungen, insbesondere der Giessgeschwindigkeit und Giesstemperatur, als auch nach den Qualitätsanforderungen des Endproduktes, wie z.B. hinsichtlich Rhomboidität, Kantenlängsrissen und Querrissen. Liegt eine Abweichung des gemessenen Wertes für die Wärmeabfuhr vom Soll-Wert um mehr als den vorgegebenen Betrag vor, so gilt dies als Anzeige für eine ungenügende Kokillengeometrie, und weitere Massnahmen zur Sicherstellung einer entsprechenden Strangqualität sind durchzuführen. Somit besteht eine laufende Kontrollmöglichkeit des Zustandes einer im Giessbetrieb stehenden Kokille. Dadurch können wegen einer ungenügenden Kokillengeometrie eventuell auftretende Strangschäden rechtzeitig erkannt bzw. verhindert werden.

    [0008] Die zulässige Abweichung des Ist-Wertes vom vorgegebenen Soll-Wert liegt vorteilhaft je nach den Erfahrungen zwischen 15 und 30% des SollWertes. Dies richtet sich innerhalb dieses Bereiches nach Parametern wie Giessgeschwindigkeit oder Anforderungen an die Strangqualität.

    [0009] Vorteilhaft wird bei einer nur geringfügig grösseren Abweichung als es dem obgenannten, tolerierbaren Betrag von 15 bis 30% entspricht, die Kokille nach Beendigung des laufenden Gusses ausgemessen und gegebenenfalls ausgewechselt. Ob und wann ein solches Auswechseln der Kokille stattfindet, hängt von internen Qualitätskriterien ab, die von Werk zu Werk unterschiedlich sind. Jedenfalls ist ein zeitraubendes Ausmessen der Kokille nach jedem Guss nicht mehr notwendig und der erzielte Zeitgewinn bringt einen wirtschaftlichen Vorteil.

    [0010] Vorteilhaft wird bei wesentlich grösserer Abweichung des Ist-Wertes vom Soll-Wert der abgeführten Wärmemenge, als es dem obgenannten Betrag von 15 bis 30% entspricht, die Giessgeschwindigkeit gesenkt oder der Guss abgebrochen. Bei diesen Sofortmassnahmen aufgrund der festgestellten ungenügenden Kokillengeometrie werden Schäden am Strang bzw. bei einem Durchbruch auch an der Giessanlage durch den ermöglichten unmittelbaren Eingriff in den Giessbetrieb vermieden.

    [0011] Das Verfahren wird anhand eines Beispieles unter Zuhilfenahme einer Figur näher beschrieben.

    [0012] Auf der Ordinate der Figur ist die Wärmemenge Ho (in 103 kcal. m-2), und auf der Abszisse in logarithmischem Massstab die Kohlenstoffgehalte für den am meisten interessierenden Bereich der unlegierten Stähle zwischen 0,03 und 1,0 Gew.-% Kohlenstoff aufgetragen. Die mit 1 bezeichnete Kurve stellt Soll-Werte für die abzuführende Wärmemenge in Abhängigkeit vom Kohlenstoffgehalt der abgegossenen Stähle dar. Dabei gilt diese Kurve für eine Verweilzeit des gegossenen Stranges bzw. eines Strangelementes in der Kokille von einer Minute. Als Verweilzeit (in min) wird die wirksame Kokillenlänge (in m) geteilt durch die Giessgeschwindigkeit (in m - min-l) definiert. Die wirksame Kokillenlänge wiederum ist der Abstand zwischen dem Badspiegel des sich bildenden Stranges in der Kokille bis zum Kokillenende. Diese Kurve 1 gilt ferner für Knüppel- und kleine Vorblockformate, die mit ÖIschmierung in der Kokille vergossen werden. Für einen unlegierten Kohlenstoffstahl mit einem Gehalt von 0,10 Gew.-% Kohlenstoff liegt der Soll-Wert für die abzuführende Wärmemenge gemäss der Kurve bei etwa 103·57,3 kJoule·m-2 (13,7.103 kcal · m-2). Bei einer tolerierten Abweichung von ±20% von diesem Wert, als vorgegebener Betrag, - das entspricht etwa mittleren Qualitätsanforderungen für den zu giessenden Stahl - liegt daher eine ausreichende Kokillengeometrie dann vor, wenn die abgeführte Wärmemenge zwischen 46,0-68,6.103 kJoule·m-2 (11,0-16,4·103 kcal · m-2) bestimmt wird.

    [0013] Liegt nun eine nur geringfügig grössere Abweichung als es diesen genannten Grenzen entspricht vor, z.B. beträgt die abgeführte Wärmemenge 45,2.103 kJoule m-2 (10,8.103 kcal m-2), so gilt dies als Anzeige für eine gestörte, schädliche Kokillengeometrie, und die Kokille wird nach Beendigung des laufenden Gusses ausgemessen. Liegt der gemessene Wert z.B. jedoch wesentlich niedriger als die obgenannte, tolerierte untere Grenze von 46,6.103 kJoule. m-2 (11,0 · 103 kcal.m-2), z.B. bei 41,8.103 kJoule·m-2 (10,0·103 kcal·m-2), so wird dies als Anzeige einer stark gestörten Kokillengeometrie gewertet und, da ein Durchbruch befürchtet werden muss, wird der laufende Guss abgebrochen.

    [0014] Bei unterschiedlichen tatsächlichen Verweilzeiten eines Strangelementes in der Kokille, die bei verschiedenen Kokillenlängen oder unterschiedlichen Giessgeschwindigkeiten auftreten können, ist die Kokillengeometrie bei der als Beispiel angenommenen tolerierten Abweichung von ± 20% dann noch als ausreichend zu betrachten, wenn der gemessene Wert Hx im Bereich der Beziehung:

    liegt.

    [0015] Dabei ist Hx der bestimmte Wert der abgeführten Wärmemenge in der Kokille (in 103 kcal·m-2), Ho der Soll-Wert für die abzuführende Wärmemenge (in 103 kcal·m-2), je nach Kohlenstoffgehalt des gegossenen Stahles, und t die tatsächliche Verweilzeit eines Strangelementes in der Kokille (in min), wobei sich diese Verweilzeit aus der wirksamen Kokillenlänge (in m) geteilt durch die Giessgeschwindigkeit (in m · min-1) ergibt.

    [0016] Die Bestimmung der abgeführten Wärmemenge kann über eine Messung der Temperaturzunahme des ein- und austretenden Kokillenkühlwassers erfolgen. Der Vergleich dieser Wärmemenge mit den entsprechenden Soll-Werten kann mittels eines vorgegebenen Diagrammes manuell oder über einen Vergleicher auf elektronischer Basis geschehen. Bei unerlaubter Abweichung kann ein optisches oder akustisches Signal erzeugt werden. Je nach Stärke dieses Signals können dann die unterschiedlichen Massnahmen, wie ausgeführt, getroffen werden.


    Ansprüche

    1. Verfahren zum Stahlstranggiessen von Knüppeln und Vorblöcken bei dem bei laufendem Giessbetrieb der Ist-Wert der Wärmeabfuhr der Kokille bestimmt wird, dadurch gekennzeichnet, dass zur Überwachung des Kokillenzustandes dieser Ist-Wert mit einem in Abhängigkeit vom Kohlenstoffgehalt und der Verweilzeit des vergossenen Stahles in der Kokille vorgegebenen Soll-Wert verglichen und bei Abweichen des Ist-Wertes von diesem Soll-Wert um einen vorgegebenen Betrag die Kokillengeometrie überprüft wird.
     
    2. Verfahren nach Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass eine Abweichung des Ist-Wertes vom Soll-Wert von 15-30% als zulässig angesehen wird.
     


    Revendications

    1. Procédé pour la coulée continue de billettes et blooms d'acier, selon lequel on détermine, pendant le déroulement de la coulée, la valeur réelle de la quantité de chaleur évacuée de la lingotière, caractérisé en ce que, pour surveiller l'état de la lingotière, on compare cette valeur réelle avec une valeur de consigne préfixée en fonction de la teneur en carbone et du temps de séjour de l'acier coulé dans la lingotière et, lorsque la valeur réelle s'écarte de cette valeur de consigne d'une quantité préfixée, on contrôle la géométrie de la lingotière.
     
    2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que l'on considère qu'un écart de 15-30% de la valeur réelle par rapport à la valeur de consigne est admissible.
     


    Claims

    1. A method for the continuous casting of steel billets and cogged ingots, wherein as casting proceeds, the actual value for the dissipation of heat from the mould is determined, characterized in that, for the purpose of monitoring the condition of the mould, this actual value is compared with a required value, predetermined in dependence upon the carbon content of the cast steel and its period of dwell in the mould and the geometry of the mould is examined if the actual value differs from this required value by a given amount.
     
    2. A method according to claim 1, characterized in that a deviation of the actual value from the required value of 15-30% is regarded as permissible.
     




    Zeichnung