[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Entzunderung der Oberfläche von metallischen
Werkstoffen mit einer sauren Beizlösung.
[0002] Bekanntlich müssen in der Regel die sich auf der Oberfläche von metallischen Erzeugnissen
bei der Wärmebehandlung bildenden Oxidschichten entfernt werden, ehe die Erzeugnisse
einer weiteren Verarbeitung unterzogen werden können. Die Erzeugnisse, beispielsweise
Halbzeuge wie Bänder, Drähte oder Rohre beziehungsweise Fertigteile, wie ausgehärtete
Federn, werden daher einer Beizbehandlung unterzogen, wobei es häufig darauf ankommt,
lediglich die Oxidhaut, die sogenannte Zunderschicht, zu entfernen, ohne daß die darunterliegende
Schicht des Metalls oder der Metallegierung angegriffen wird.
[0003] Nun haben aber Beizlösungen, die den Zunder entfernen, oft den Nachteil, in mehr
oder minder starkem Maße auch die nichtoxidierte Schicht der Erzeugnisse anzugreifen.
Dies führt zu erheblichen Materialverlusten des Grundmaterials häufig verbunden mit
einer Aufrauhung von dessen Oberfläche, insbesondere wenn die Metalloxide in der Beizlösung
nur schwer löslich sind und der Oxidbelag erst nach Anlösung des Grundmaterials entfernt
werden kann.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zur Entzunderung der Oberfläche von metallischen
Werkstoffen derart auszugestalten, daß kein oder nur noch ein sehr geringer Materialverlust
auftritt. Gleichzeitig soll dabei die Oberflächenbeschaffenheit verbessert werden.
[0005] Erfindungsgemäß wird dies dadurch erreicht, daß die Werksto.ff- oberfläche mit einem
Gemisch aus Orthophosphorsäure und Diphosphorsäure bei einer Temperatur von etwa 90
bis 300°C für einen Zeitraum von 5 bis 20 sec in Kontakt gebracht wird.
[0006] Gegenüber den bisher bekannten Beizverfahren unterscheidet sich das Verfahren gemäß
der Erfindung insbesondere dadurch, daß die Entzunderungsbehandlung bei einer relativ
hohen Temperatur durchgeführt wird und daher die Reaktionszeit der Werkstoffoberfläche
mit der Beizlösung relativ kurz gewählt werden kann. Dies führt dazu, daß elektronegative
metallische Werkstoffe, die gegenüber Wasserstoff edler sind, wie z. B. Kupfer oder
Silber, von der Beizlösung nicht oder in einem nur sehr geringem Maße angegriffen
werden. Bei elektropositiven metallischen Werkstoffen, die also unedler als Wasserstoff
sind, ist der Angriff auf das Grundmaterial infolge der kurzen Behandlungszeit erheblich
geringer als bei den bisher bekannten Verfahren.
[0007] Die Beizgeschwindigkeit, d. h. die Zeit, die notwendig ist, die Metalloxide von der
Werkstoffoberfläche abzulösen, hängt wesentlich von der gewählten Konzentration der
Beizlösung an Diphosphorsäure und von der gewählten Temperatur ab, bei der die Beizlösung
mit der verzunderten Werkstoffoberfläche in Kontakt gebracht wird. Und zwar steigt
die Beizgeschwindigkeit mit zunehmender Temperatur und wachsendem Diphosphorsäureanteil
an. Die Endkonzentration des Diphosphorsäureanteils innerhalb der Beizlösung ist dabei
entsprechend der Gleichgewichtsreaktion

ebenfalls temperaturabhängig. Bei Temperaturen oberhalb 42
uC beginnt sich H
20 abzuspalten und verdampft bei höherer Temperatur aus der Beizlösung. Bei 220
0C stehen z. B. nach genügend langer Erwärmung der Beizlösung etwa 70 Gew.% H
4P
2O
7 mit 30 Gew.% H
3P0
4 im Gleichgewicht. Eine Beizlösung aus Orthophoshorsäure und Diphosphorsäure kann
nun entweder dadurch erhalten werden, daß handelsübliche sogenannte "thermische" Phosphorsäure
(85%ige wässrige H
3PO
4-Lösung) erhitzt wird, bis der Gleichgewichtszustand erreicht ist und sich die jeweils
gewünschte Diphosphorsäure-Konzentration eingestellt hat. Es können aber auch entsprechende
Anteile an Orthophosphorsäure und Diphosphorsäure direkt zum jeweils gewünschten Verhältnis
gemischt werden.
[0008] Die Entzunderungsbehandlung mit einer Beizlösung aus Orthophosphorsäure und Diphosphorsäure
kann vorteilhaft derart vorgenommen werden, daß die Beizlösung auf mindestens 120°C
erhitzt und dann mit .der Werkstoffoberfläcbe kurzzeitig, beispielsweise einige sec
in Kontakt gebracht wird. Band- oder drahtförmiges Material kann dabei beispielsweise
im kontinuierlichen Verfahren entzundert werden, wobei das Material ein entsprechend
zusammengesetztes Beizbad durchläuft.
[0009] Vorzugsweise kann das erfindungsgemäße Verfahren jedoch auch derart durchgeführt
werden, daß zunächst die Werkstoffoberfläche des zu beizenden Materials auf die Behandlungstemperatur
erhitzt wird und erst dann mit der Beizlösung aus Orthophosphorsäure und Diphosphorsäure
in Kontakt gebracht wird, wobei sich die Beizlösung während dieser Behandlung entsprechend
erwärmt.
[0010] Als besonders vorteilhaft hat es sich herausgestellt, das erfindungsgemäße Verfahren
auf berylliumhaltige Legierungen, beziehungsweise auf daraus hergestellte Bänder oder
Fertigteile anzuwenden, da insbesondere beim Glühen dieser Erzeugnisse auch unter
Schutzgas, z. B. im Wasserstoffstrom, das nahezu in allen bekannten Beizlösungen unlösliche
Berylliumoxid auf der Werkstoffoberfläche entsteht. Besonders günstige Ergebnisse
in Bezug auf den Materialverlust konnten bei Kupferbasislegierungen mit etwa 0,3 bis
2 % Berylliumanteil gefunden werden, da hierbei lediglich das Berylliumoxid durch
die Beizlösung gelöst und das Grundmaterial nicht angegriffen wird. Ferner wies das
bevorzugte Material auch eine erheblich bessere Oberflächenqualität auf, insbesondere
keine Aufrauhung der Oberfläche.
[0011] Anhand von zwei Ausführungsbeispielen soll die Erfindung noch näher erläutert werden.
Beispiel 1
[0012] Nach der Aushärtungsbehandlung eines Bandes aus CuBe 1,7 , einer Kupfer-Beryllium-Legierung
mit 1,7 Gew.% Beryllium, weist die Oberfläche dieses Bandes eine geschlossene Schicht
aus Berylliumoxid in einer Stärke von etwa 50 nm auf. Zur Entfernung dieser Oxidschicht
wird die Bandoberfläche im Durchlauf mit einer auf 180°C erhitzten Beizlösung aus
einem Gemisch von Orthophosphorsäure und Diphosphorsäure behandelt. Die Beizlösung
enthält bei dieser Temperatur etwa 30 % Diphosphorsäureanteil. Nach etwa 5 sec Behandlungsdauer
weist das Band eine blanke Oberfläche auf, ohne daß Materialabtragungen des Grundmaterials
stattgefunden haben. Anschließend wird das Band in Wasser gespült und in einem weiteren
Bad durch kurzzeitiges Tauchen in eine 2 %ige Chromsäurelösung passiviert. Hiernach
wird das Band erneut gespült und dann getrocknet. Im Falle einer weiteren Oberflächenbearbeitung,
beispielsweise einer galvanischen Behandlung, entfällt selbstverständlich das Passivieren.
Beispiel 2-Ein Band aus einer aushärtbaren Federlegierung auf Nickelbasis, die etwa
2 Gew.% Beryllium enthält, weist nach einer Durchlaufglühung im Wasserstoffstrom eine
geschlossene Berylliumoxidschicht in einer Stärke von etwa 60 nm auf. Zur Beseitigung
dieser Oxidschicht wird die Bandoberfläche mit einer auf 180°C erhitztenBeizlösung
aus einem Gemisch von Orthophosphorsäure und Diphosphorsäure behandelt. Die Behandlungszeit
beträgt hierbei etwa 5 sec . Anschließend wird die Bandoberfläche in Wasser gespült
und getrocknet. Das Band weist nach dieser Behandlung ebenfalls eine reine und stark
glänzende Oberfläche auf.
[0013] Das erfindungsgemäße Verfahren kann beispielsweise auch so durchgeführt werden, daß
das zu beizende Material mit der Beizlösung besprüht wird. Dies hat den Vorteil, daß
das sonst für die Entzunderungsbehandlung notwendige Beizgefäß, das normalerweise
aus einer metallischen Wanne besteht, die gegen den Angriff der heißen Säure mit einer
Polytetrafluoräthylenauskleidung geschützt ist, entfallen kann. Ferner hat der äußerst
geringfügige Angriff der Beizlösung auf das Grundmaterial noch den Vorteil, daß beispielsweise
auch fertige ausgehärtete Federn aus hochwertigen Federwerkstoffen gefahrlos einer
Entzunderungsbehandlung unterzogen werden können, ohne daß ein nachteiliger Einfluß
auf die Dimension, beziehungsweise die mechanischen Eigenschaften der Federn befürchtet
werden muß.
1. Verfahren zur Entzunderung der Oberfläche von metallischen Werkstoffen mit einer
sauren Beizlösung, dadurch gekennzeichnet, daß die Werkstoffoberfläche mit einem Gemisch
aus Orthophosphorsäure und Diphosphorsäure bei einer Temperatur von etwa 90 bis 3000C für einen Zeitraum von 5 bis 20 sec in Kontakt gebracht wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Werkstoffoberfläche
mit einem auf mindestens 120°C erhitzten Gemisch aus Orthophosphorsäure und Diphosphorsäure
in Kontakt gebracht wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Werkstoffoberfläche
erhitzt und mit einem Gemisch aus Orthophosphorsäure und Diphosphorsäure derart in
Kontakt gebracht wird, daß sich das Gemisch während der Behandlungszeit auf die erforderliche
Temperatur erwärmt.
4. Anwendung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 3 auf die Entzunderung
der Oberfläche von berylliumhaltigen Legierungen.
5. Anwendung des Verfahrens nach Anspruch 4 auf Kupfer-Basis-Legierungen mit etwa
0,3 bis 2 % Berylliumanteil.
6. Anwendung des Verfahrens nach Anspruch 4 auf Nickel-Basis-Legierungen mit etwa
0,3 bis 2 % Berylliumanteil.