[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Sortieren von Spinnkörpern
in bezug auf deren Fadenbruchzahl und/oder in bezug auf die Länge des in diesen enthaltenen
Spinnproduktes.
[0002] Die fortschreitende Automatisierung der beim Spinnprozess anfallenden Arbeitsvorgänge
hat dazu geführt, dass auch das Ausstossen der fertigen Spinnkörper und das Aufstecken
leerer Hülsen selbsttätig erfolgt. Als Spinnkörper werden sowohl die auf Ringspinnmaschinen
gebildeten Spulen, als auch die auf OE-Maschinen erzeugten Kreuzspulen bezeichnet.
Die vollen Spinnkörper werden von den Spinnstellen abgehoben und auf ein Förderband
einer Transportanlage übertragen. Eine solche Transportanlage für-Ringspinnmaschinen
ist beispielsweise in der Dofferanlage gemäss CH-PS 556.404 beschrieben. Dabei werden
die Spinnkörper genau in der gleichen Reihenfolge abgesetzt, wie sie auf der Spinnbank
angeordnet waren. Nach dem Absetzen der Spinnkörper auf das Förderband wird letzteres
in Bewegung gesetzt und die Spinnkörper fallen in einen Behälter hinein. Qualitätsbewusste
Spinnereibetriebe fordern das Spinnpersonal auf, fadenbruchbehaftete Spinnkörper auszuscheiden,
denn bekanntlich führen dieselben in den nachfolgenden Produktionsstufen zu Ablaufschwierigkeiten.
Des weiteren sind Spinnmaschinen mit einem Fadenbruchdetektor ausgerüstet. Dieser
besteht beispielsweise in der Ringspinnerei aus einem die Spinnstellen abschreitenden
Sensor oder in der OE-Spinnerei aus einem, an jeder Spinnstelle eingebauten elektromechanischen
Fadenfühler, der an ein zentrales Auswertegerät meldet, wenn eine Spinnstelle einen
Fadenbruch aufweist. In dem Auswertegerät werden die betreffenden Spinnstellen identifiziert
und sowohl die Lage der Spinnkörper'als auch die ihnen zugeordneten Fadenbruchzahlen
und Fadenbruchdauern (Stillstandszeiten) in Form von Daten gespeichert. Die Fadenbruchzahl
ist ein Mass für die GarnQualität und die Fadenbruchdauer ein Mass für die Garnlänge
des entsprechenden produzierten Spinnkörpers.
[0003] Zweck der Erfindung ist der, dass diese gespeicherten Daten dazu benützt werden,
dass die Spinnkörper anlässlich ihrer Ablage durch die Transportanlage entsprechend
der in jedem Spinnkörper enthaltenen Anzahl Fadenbrüche oder aber entsprechend der
Summe der für jeden Spinnkörper ermittelten Stillstandszeiten sortiert werden. Diese
Sortierung besteht in einer Zuordnung der Spinnkörper zu mindestens zwei Klassen.
Wird die in einem Spinnkörper enthaltene Fadenbruchzahl ausgewertet, so ist diese
ein Mass für die Qualität des Spinnproduktes: die Klassen können also so gewählt werden,
dass eine erste Güteklasse mit einer tolerierbaren Fadenbruchzahl und mindestens eine
weitere Güteklasse mit höherer Fadenbruchzahl bestimmt wird.
[0004] Die Summe der Stillstandszeiten kann hingegen als Mass für die auf dem Spinnkörper
enthaltene Länge des Spinnproduktes bewertet werden. Ein Spinnkörper, der während
seines Aufbaus überhaupt keine Stillstandszeit aufwies, enthält die maximal mögliche
Länge, während alle übrigen Spinnkörper entsprechend den während ihres Aufbaus aufgetretenen
Stillstandszeiten weniger Länge enthalten. Dabei ist vorausgesetzt, dass alle Spinnkörper
gleichzeitig angesetzt und wieder gleichzeitig abgenommen werden. Es kann somit eine
Klasse mit einer optimalen Länge des Spinnproduktes und mindestens eine weitere Klasse
mit weniger Länge gebildet werden.
[0005] Die Erfindung betrifft demnach ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Sortieren von
Spinnkörpern auf Spinnmaschinen entsprechend den in den Ansprüchen getroffenen Ausgestaltungen.
[0006] Die durch die Erfindung mögliche Sortierung der vollen Spinnkörper bietet dem Spinner
eine Reihe von Vorteilen. Er kann beispielsweise sämtliche Spinnkörper erfassen, die
keinen Fadenbruch enthalten. Diese sind somit von einwandfreier Qualität und weisen
zudem durchwegs die gleiche Länge von Garn auf. Sie können also direkt ohne weitere
Ueberprüfung der Weiterverarbeitung zugeführt werden.
[0007] Ob die dabei ausgeschiedenen Spinnkörper mit einem und mehr Fadenbrüchen gesamthaft
zur Ueberprüfung zurückbehalten oder in weitere Klassen mit geringer Anzahl Fadenbrüche
(beispielsweise bis 3) oder erhöhter Anzahl Fadenbrüche (beispielsweise vier und mehr)
unterteilt und gegebenenfalls als schlechtere Qualität verwendet werden sollen, ist
eine Frage der Oekonomie des Spinnereibetriebes, kann aber mit der erfindungsgemässen
Vorrichtung nach Wunsch realisiert werden.
[0008] Anhand der Beschreibung und der Figuren werden Ausführungsbeispiele näher erläutert.
Dabei zeigt
Fig. 1 beispielsweise die Anwendung an einer Ringspinnmaschine, schematische Teile
einer Spinnmaschine mit Spinnkörperabnahmeeinrichtung,
Fig. 2 eine Sortierweiche für zwei Güteklassen,
Fig. 3, 4 und 5 eine Sortierweiche für drei Güteklassen in je einer der drei möglichen
Dosierstellungen,
Fig. 6 beispielsweise die Anwendung an einer OE-Spinnmaschine.
[0009] Gemäss Fig. 1 ist eine Spinnmaschine 1 mit den für die Erläuterung der Erfindung
wesentlichen Teilen gezeigt. Die Spinnstellen 2 werden beispielsweise in der Ringspinnerei
von einem Vorgarn über je ein Streckwerk und je einen Spinnring mit Läufer mit Garn
vollgewickelt. Ausserdem weist die Spinnmaschine 1 eine Fadenüberwachung auf, die
aus einem Fadenwächter 3 und einem Auswertegerät 8 besteht. Der Fadenwächter 3 wird
mittels eines Zugorgans 4 längs einer Laufschiene 5 an den Spinnstellen 2 vorbeigeführt.
Dabei fühlt er bei jeder Spinnstelle ab, ob ein Faden ordnungsgemäss gesponnen wird
oder ob infolge eines Fadenbruches die Fadenerzeugung ausgesetzt hat. Das entpsrechende
elektrische Signal wird beispielsweise an der als Stromabnehmer 6 ausgebildeten Umlenkrolle
abgenommen und über eine Verbindungsleitung 7 dem Auswertegerät 8 zugeführt. Fadenwächter-3,
Zugorgan 4, Stromabnehmer 6 und Mittel zur Bildung des Fadenlaufsignals sind beispielsweise
in der CH-PS 601.093 beschrieben. Ferner offenbart das CH-Patentgesuch Nr. 361/78
eine vorteilhafte Ausbildung des Zugorgans 4 und des Stromabnehmers 6, so dass hier
nicht weiter auf diese Einzelheiten eingegangen wird.
[0010] Im Auswertegerät 8 werden die Fadenlaufsignale, die vom Fadenwächter 3 beim Hin-
und Hergang aufgenommen werden, verarbeitet und beispielsweise periodisch oder auf
Abruf ausgedruckt. Dabei ist jede Spinnstelle einzeln aufgeführt und ihr Verhalten
in bezug auf Fadenbruch-Anzahl und -Dauer gespeichert.
[0011] Neuzeitliche Spinnmaschinen sind nun mit einer Transportanlage 11 ausgerüstet. Deren
Zweck besteht darin, die vollen Spinnkörper von den Spinnstellen zu übernehmen und
in einem Sammelbehälter zu befördern. In einer speziellen Ausführungsform werden nun
die Spinnkörper - die alle zur gleichen Zeit voll sind - durch eine (nicht gezeigte)
Vorrichtung von den Spinnstellen abgehoben und auf ein Transportband 12 übertragen.
Somit befinden sich die.Spinnkörper 15 in der genau gleichen Reihenfolge auf dem Transportband
12, wie sie vorher auf der Ringbank der Spinnmaschine angeordnet waren.
[0012] Nachdem die Spinnkörper auf dem Transportband 12 aufgesetzt sind, beginnt sich das
Transportband in Pfeilrichtung zu bewegen. Dabei wandern die Spinnkörper 15 der Maschine
entlang und fallen am Maschinenende in einen Behälter 18.
[0013] Erfindungsgemäss ist nun zwischen dem Transportband 12 und dem Behälter 18 eine Sortierweiche
17 angeordnet, wobei der Behälter vorzugsweise in einzelne Kammern unterteilt ist.
[0014] Da im Auswertegerät 8 die Fadenbruchhäufigkeit und -Stillstandsdauer für jeden Spinnkörper
15 gespeichert und die Reihenfolge der Körper gegeben ist, ist das Auswertegerät in
der Lage, die Sortierweiche 17 derart zu steuern, dass Spinnkörper mit vorgegebenen
Fadenbruchhäufigkeiten und -Stillstandszeiten in für sie vorgesehene Kammern des Behälters
18 fallen.
[0015] Spinnkörper, die ohne Fadenbruch gesponnen worden sind, weisen durchwegs eine bestimmte,
immer gleiche Fadenlänge auf, während alle Spinnkörper, die während ihrer Bildung
einen oder mehrere Fadenbrüche aufwiesen, eine geringere Garnlänge enthalten und entsprechend
qualitativ minderwertig sind.
[0016] Mit der Sortierung der Spinnkörper nach deren Fadenbruchzahl ist es somit möglich,
die einwandfreien Spinnkörper bereits beim Sammeln in einen Behälter zusammenzufassen
und die mangelhaften Spinnkörper auszuscheiden.
[0017] In einer ersten Ausgestaltung der Erfindung können die mit Fadenbrüchen ausgeschiedenen
Spinnkörper weiter in Klassen unterteilt werden, wobei beispielsweise ein zweiter
Bereich mit tolerierbarer Fadenbruchzahl und/oder Stillstandszeit wählbar ist. Die
Bereichswahl und eine entsprechende Umstellung der Sortierweiche 17 erfolgt dadurch,
dass im Auswertegerät 18 die gespeicherten Daten entsprechend auf das Steuerkabel
19 gegeben werden.
[0018] Die Figuren 2 bis 5 zeigen Beispiele von Sortierweichen für den vorgesehenen Zweck.
Fig. 2 zeigt eine Zweikammerweiche. Der Behälter 18 weist eine Scheidewand 22 auf,
an der eine Weichenzunge 21 angelenkt ist. Diese ist mit einer Schubstange 23 verbunden,
die durch einen Elektromagnet 24 bewegbar ist. Im Ruhezustand - so lange am Steuerkabel
19 keine Spannung anliegt - befindet sich die Weichenzunge 21 in ihrer linken Stellung,
so dass die anfallenden Spinnkörper 15 in die rechte Kammer gelenkt werden. Meldet
nun das Auswertegerät 8 die Ankunft eines fehlerhaften Spinnkörpers, wird der Elektromagnet
24 durch einen Stromfluss im Steuerkabel 19 erregt und die Schubstange 23 schwenkt
die Weichenzunge 21 nach rechts. Somit gelangen die fehlerhaften Spinnkörper in die
linke Kammer.
[0019] Fig. 3 bis 5 zeigen einen Behälter 18 mit zwei Scheidewänden 26, 28, die an den Weichenzungen
25, 27 angelenkt sind. Jede derselben ist mittels einer Schubstange 30, 32 mit einem
Elektromagneten 29, 31 betätigbar. Die Elektromagnete stehen über das Steuerkabel
19 mit den Adern a, b und c mit dem Auswertegerät 3 in Verbindung. In Fig. 3 sind
beide Weichenzungen in senkrechter Stellung, so dass die Spinnkörper 15 in die mittlere
Kammer fallen. In Fig. 4 ist die Weichenzunge 27 nach links geschwenkt, indem das
Aderpaar a, b einen Stromimpuls erhalten hat; die Spinnkörper 15 fallen in die rechte
Kammer. In Fig. 5 dagegen ist die Weichenzunge 25 infolge eines Stromimpulses auf
dem Aderpaar a, c nach rechts abgelenkt und die Spinnkörper 15 fallen in die linke
Behälterkammer. Entsprechend der Verbindung der Adern a, b und c des Steuerkabels
19 im Auswertegerät 8 entspricht die mittlere Kammer der einwandfrien Qualität, die
linke Kammer einer verminderten und die rechte Kammer einer nicht tolerierbaren Zahl
von Fadenbrüchen in jedem Spinnkörper.
[0020] Dc;s erfindungsgemässe Verfahren lässt es auch zu, noch mehr als nur drei Klassen
zu bilden; es ist nur eine Frage der Wirtschaftlichkeit, ob eine weitergehende Unterteilung
von Vorteil ist. Apparatemässig besteht keine Schwierigkeit, die Klassenzahl beliebig
zu vergrössern.
[0021] Selbstverständlich sind auch andere Systeme für die Lenkung der herabfallenden Spinnkörper
in verschiedene Behälter denkbar. Sie beruhen aber durchwegs auf dem gleichen Prinzip,
dass die gespeicherten Fadenbruchdaten für die Auswahl der betreffenden Klassen herangezogen
werden können.
[0022] Fig. 6 zeigt schliesslich die Anwendung des erfindungsgemässen Verfahrens an einer
OE-Spinnmaschine. Gegenüber dem Ausführungsbeispiel der Fig. 1 bestehen folgende Unterschiede,
die aber das Wesentliche des Verfahrens nicht beeinträchtigen:
- Die Transportanlage 33 für die Spinnkörper 15 befindet sich über der Spinnmaschine,
da die Richtung des Spinnprozesses von unten nach oben verläuft und die Spinnkörper
15. oben an der Maschine aufgebaut werden;
- für jede Spinnstelle ist ein Fadenwächter 34 vorgesehen, so dass dauernd alle Spinnstellen
überwacht werden. Dadurch werden die Stillstandszeiten sehr genau erfasst. Dabei ist
jeder Fadenwächter 34 mit dem Auswertegerät verbunden. Es ist aber auch möglich, die
Ausgangsleitungen mehrerer Fadenwächter in einem Multiplexer zu vereinigen und im
Auswertegerät 8 nur noch die Signale des Multiplexers zu speichern und auszuwerten.
[0023] Weitere Einzelheiten der OE-Spinnmaschine werden als bekannt vorausgesetzt, so dass
hier nicht darauf eingetreten wird. Die Sortierweiche 17 und der Behälter 18 können
gleich aufgebaut sein, wie dies anhand der Fig. 1 beschrieben worden ist.
l. Verfahren zum Sortieren von Spinnkörpern auf Spinnmaschinen, die sowohl mit Fadenbruchdetektoren
und zugehörigen Speichern für die Feststellung der Anzahl Fadenbrüche und/oder der
Dauer der Stillstände der Spinnkörper, als auch mit Transportanlagen für die Weiterbeförderung
der Spinnkörper ausgerüstet sind, dadurch gekennzeichnet, dass der Transportanlage
(11; 33) mindestens eine Sortierweiche (17) zugeordnet wird, die beim seriellen Ausstoss
der Spinnkörper (15) entsprechend den gespeicherten Werten für die Fadenbruchzahlen
und/oder für die Stillstandszeiten gesteuert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die gespeicherten Werte
für die Anzahl der Fadenbrüche pro Spinnkörper (15) als Qualitätsmerkmal für das Spinnprodukt
ausgewertet werden und dass die Spinnkörper (15) durch die Sortierweiche (17) in mindestens
zwei Qualitätsstufen geordnet werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die gespeicherten Werte
für die Dauer der Stillstandszeit pro Spinnkörper (15) als Kriterium für die in jedem
Spinnkörper (15) enthaltene Länge des Spinnproduktes ausgewertet werden und dass die
Spinnkörper (15) durch die Sortierweiche (17) in mindestens zwei Klassen bezüglich
der Länge des Spinnproduktes geordnet werden.
4. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch
mindestens eine Sortierweiche (17) an der seriellen Ausstossstelle für die von der
Transportanlage (11; 33) herangeführten Spinnkörper (15), welche Sortierweiche (17)
durch die in einem Speicher eines Auswertegerätes (8) registrierten Werte für Fadenbruchzahl
und/oder Stillstandszeit entsprechend der Position der Spinnkörper (15) in der Spinnmaschine
(1) steuerbar ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Spinnkörper (15)
entsprechend der in jedem derselben festgestellten Anzahl Fadenbrüche durch die Sortierweiche
(17) in mindestens zwei Behälter abgelegt werden.
6. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Spinnkörper (15)-entsprechend
den in jedem derselben festgestellten und gespeicherten Stillstandszeiten durch die
Sortierweiche (17) in mindestens zwei Behälter abgelegt werden.