[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Erzeugung einer gerichteten Strömung
eines gasförmigen Mediums, z.B. eines Luftstromes unter Ausnützung des elektrischen
Windes.
[0002] Im Bereich des normalen atmosphärischen Druckes werden Luftströmungen heute ausnahmslos
mechanisch erzeugt, obwohl eine Reihe physikalischer Effekte bekannt sind, die zu
einer Bewegung von Luft führen. So ist das Pumpen von Gasen durch Adsorption, durch
Abkühlung und Erwärmung, durch Diffusion und durch elektrische Ladungen (elektrischer
Wind, vergl. etwa Bergmann Schaefer Bd.II, Seiten 10 und 474) bekannt und wird zu
Sonderzwecken auch durchgeführt, hat aber technisch keine Bedeutung erlangt. Man verläßt
sich bei atmosphärischen Drücken nach wie vor auf mechanische Gebläse der verschiedensten
Bauart, zu denen auch Flüssigkeitspumpen wie Wasserstrahlpumpen u.dgl. zählen. Anders
sieht dies in Bereichen verminderten Druckes aus. Hier werden eine Reihe verschiedener
physikalischer Effekte ausgenützt, wie etwa bei den Adsorptionspumpen verschiedenster
Konstruktion, Ionengitterpumpen, Diffusionspumpen, Kryopumpen etc. Auch der elektrische
Wind wurde bei geringen Drucken, etwa im Bereich zwischen Vorvakuum und Hochvakuum
zum Gastransport vorgeschlagen (vgl. z.B. Deutsche Patentschrift 265 534).
[0003] Aufgabe der Erfindung ist es, die eingangs erwähnte Vorrichtung so auszubilden, daß
sie bei atmosphärischen Drücken anwendbar ist.
[0004] Die Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß zur Bildung der Ionen eine unter hohem
elektrischen Feld stehende Elektrode, etwa ein Draht vorgesehen ist, an welchem im
Bereich der Townsendentladung oder der Glimmentladung ein Entladungsstrom vorzugsweise
zwischen
10
5A/cm
2 und
10 3A/cm
2 fließt, daß eine vorzugsweise aus Leitflächen eines Ströungskanals gebildete Gegenelektrode
angeordnet ist, daß die Kanten der Leitflächen parallel zu den Entladungsdrähten verlaufen,
sodaß sich die Ionen in eine Richtung oder zumindest in einem Sektor der um die Emissionspunkte
der Entladungselektrode gedachten Kugeln mit einem öffnungswinkel, der weniger als
180° beträgt, bewegen. Wenn die Feldstärke am Draht so bemessen ist, daß sich eine
Townsendentladung oder eine Glimmentladung ausbildet, so fließen Anodenströme zwischen
10
6A/cm
2 und 10
-1A/cm
2. .Soll.der Pumpvorgang in Luft ohne zu große Geräuschentwicklung und Ozonbildung
ablaufen, so wird der Entladungsstrom vorzugsweise im Bereich zwischen 10
-5A/cm
2 und 10
3A/cm
2 liegen.
[0005] Bemerkenswert ist der günstige Wirkungsgrad, da durch die Übereinstimmung von Ionenbewegung
und Gebläserichtung keine Turbulenzen im Gas erzeugt werden, was jedoch bei mechanischen
Gebläsen prinzipiell nicht vermeidbar ist. Erste Versuche ergaben, daß die Leistungsaufnahme
eines solchen "Ionengebläses" unter den Wert von 1 Watt je bewegter Luftmenge von
1 l/s gesenkt werden kann, wenn keine zu hohen Luftgeschwindigkeiten oder Druckdifferenzen
notwendig sind.
[0006] Eine vorzugsweise Ausführungsform der Erfindung besteht darin, daß auf der der Gegenelektrode
abgewandten Seite der Entladungselektrode eine Hilfselektrode angeordnet ist, welche
auf oder in der Nähe des Potentials der Entladungselektrode liegt und daß die Ionen
an einem unter Hochspannung stehenden Draht erzeugt werden und von diesem Entladungsdraht
zu einer geerdeten Gegenelektrode driften, die vorzugsweise aus einem oder mehreren
Leitblechen besteht, deren Kanten zu dem Entladungsdraht par-L allel verlaufen, und
daß die Hilfselektrode ebenfalls'aus einem Leitblech mit zu dem Entladungsdraht parallelen
Kanten besteht.
[0007] Der Gegenstand der Erfindung ist in der Zeichnung schematisch an Hand beispielsweiser
Ausführungsformen näher veranschaulicht, wobei Fig. 1 eine Darstellung der erfindungsgemäßen
Vorrichtung mit Elektrode und Gegenelektrode, Fig. 2 eine serienweise Schaltung von
Elektrode und Gegenelektrode, Fig. 3 eine andere Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Vorrichtung mit einer serienweisen Schaltung von Elektrode und Gegenelektrode und
Fig. 4 eine spezielle Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung mit hintereinander
und nebeneinander angeordneten Entladungsstrecken zeigen.
[0008] Gemäß Fig. 1 werden die Ionen innerhalb eines Führungsrohres 3 für den zu erzeugenden
Gas oder Luftstrom durch ein radioaktives CC-Präparat 1 erzeugt, wobei die Unipolarität
durch die Aufladung eines Rohres oder eines Plattenpaares 2 erzielt wird, in dem sich
Ionen der gleichen Polarität nicht entladen. Diesem Plattenpaar 2 gegenüber befindet
sich im Führungsrohr 3 eine vorzugsweise geerdete ring- oder plattenförmige Gegenelektrode
4, sodaß sich ein gerichtetes Feld ausbildet, längs dessen Feldlinien 5 die unipolaren
Gasionen in Richtung der Gegenelektrode 4 wandern und durch Stoßprozesse mit neutralen
Gasmolekülen, wobei vorzugsweise eine Impulsübertragung in der Bewegungsrichtung der
Ionen stattfindet, eine makroskopische Bewegung des Gases in Feldrichtung einleiten.
[0009] Gemäß Fig. 2 werden die Ionen über eine Spitzenentladung erzeugt, wobei aus dem Plasmabereich
um die hochaufgeladene Spitze 1' nur Ionen der gleichen Polarität austreten. Die Spitze
1' ist so geformt, daß die Feldlinien aus dem Plasmabereich der Spitze nur in Richtung
der rechts von der Spitze_1' liegenden ringförmigen Gegenelektrode 2' laufen, sodaß
sich durch ein isolierendes Führungsrohr 3 eine gerichtete Gas- oder Luftströmung
4 ausbilden kann. Durch Hintereinanderschaltung mehrerer Ionenstrecken kann neben
einer Verstärkung der Gebläsewirkung auch die Bewältigung höherer Druckdifferenzen
erreicht werden.
[0010] In Fig. 3 ist eine ähnliche Anordnung mit Entladungsdrähten 1" realisiert. Die einseitige
Ionenbewegung bei Serienschaltung mehrerer Ionenstrecken wird durch eine Hilfselektrode
2" der gleichen Polarität und Spannung erreicht, während das Feld durch zwei geerdete
Gegenelektroden 3" aufgebaut wird. So kann.sich durch isolierende Führungsplatten
4" wieder eine Luftströmung 5' ausbilden, die durchaus mit der Gebläseleistung kleiner
Zimmerventilatoren vergleichbar ist.
[0011] In Fig. 4 ist eine technische Ausführung des in Fig. 3 dargelegten Prinzips beschrieben.
Dabei werden mehrere Ebenen von Ionenstrecken übereinander angeordnet. Die geerdeten
Gegenelektroden 1"' sowie die Hilfselektroden 2"' auf Drahtspannung können aus einem
Blech gestanzt sein, wobei auch die Entladungsdrähte an der Hilfselektrode 2"' mit
Punktschweißung 7 befestigt sind. Diese Anordnung setzt sich in Schichten übereinander
fort: 3"', 4"', 5"', 8. Eine Abschlußelektrode 6 regelt die Menge der aus dem Gebläse
austretenden Restionen (Pfeil). Eine isolierende Zwischenplatte 9 ermöglicht den Aufbau
eines zweiten Gebläses, das mit Ionen der zweiten Polarität betrieben wird, um statische
Aufladungen des gepumpten Gases zu vermeiden und einen Fehlstrom im Versorgungsnetz
zu verhindern.
1. Vorrichtung zur Erzeugung einer gerichteten Strömung eines gasförmigen Mediums.,
z.B. eines Luftstromes unter Ausnützung des elektrischen Windes, dadurch gekennzeichnet,
daß zur Bildung der Ionen eine unter hohem elektrischen Feld stehende Elektrode (2),
etwa ein Draht vorgesehen ist, an welchem bei atmosphärischen Drücken im Bereich der
Townsendentladung oder der Glimmentladung ein Entladungsstrom zwischen 10 A/cm und
10 -1A/cm2, vorzugsweise zwischen 10 5A/cm2, und 10-3A/cm2 fließt, daß eine vorzugsweise aus Leitflächen eines Strömungskanals (3) gebildete
Gegenelektrode (4) angeordnet ist, daß in bevorzugter Weise die Kanten der Leitflächen
(4) im wesentlichen parallel zu den Entladungsdrähten (2) verlaufen, sodaß sich die
Ionen in eine Richtung (5) oder zumindest in einem Sektor der um die Emissionspunkte
der Entladungselektrode (2) gedachten Kugeln mit einem öffnungswinkel, der weniger
als 180° C beträgt, bewegen (Fig. 1).
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß auf der der Gegenelektrode
(3r") abgewandten Seite der Entladungselektrode (1") eine Hilfselektrode (2") angeordnet
ist, welche auf oder in der Nähe des Potentials der Entladungselektrode (1") liegt
(Fig. 3).
3. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Ionen
an einem unter Hochspannung stehenden Draht (1") erzeugt werden und von diesem Entladungsdraht
(1") zu einer geerdeten Gegenelektrode (3") driften, die vorzugsweise aus einem oder
mehreren Leitblechen besteht, deren Kanten zu dem Entladungsdraht (1") parallel verlaufen,
und daß die Hilfselektrode (2") ebenfalls aus einem Leitblech mit zu dem Entladungsdraht
(1") parallelen Kanten besteht (Fig. 3).
4.Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Gegenelektrode
und vorzugsweise auch die Hilfselektrode aus Drähten bestehen, deren Durchmesser größer
sind, als der Durchmesser des Entladungsdrahtes, oder deren Temperatur tiefer ist,
als die des Entladungsdrahtes, oder die in mehrfacher Zahl vorhanden sind.
5.Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß sämtliche
Potentiale der Anordnung gespiegelt sind, d.h. Entladungs- und Hilfselektrode auf
oder in der Nähe des Erdpotentials und Gegenelektrode auf Hochspannungspotential liegen.
6.Vorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die in der Nähe des Erdpotentials
befindliche Entladungselektrode als Widerstandsdraht oder als Widerstandsband ausgebildet
und beheizt ist.
7.Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß Hilfselektrode,
Entladungselektrode und Gegenelektrode in verschiedenen Kombinationen mehrfach neben-
und hintereinander bzw. übereinander angeordnet sind.