[0001] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zum Ablösen von insbesondere zirkonoxid-und/oder
titanoxidhaltigen Formsandresten an Gußteilen in Salzschmelzen, die im wesentlichen
aus Alkalihydroxiden und Fluoriden bestehen, bei 400 bis 800° C.
[0002] Kompliziert geformte Bauteile für den Maschinen- oder Gerätebau werden häufig aus
Stahlguß mittels Präzisionsgießverfahren hergestellt. Neben den üblichen Formsanden,
die meist aus reinem Quarz oder aus Quarz-Aluminiumoxid-Gemischen bestehen, verwendet
man zur Verbesserung der Maßhaltigkeit und zur Schaffung einer sauberen, glatten Oberfläche
bei der Herstellung der Gußformen auch Zirkonoxid, Titanoxid oder andere Metalloxide.
Zirkonoxidhaltige Formsande haben sich besonders bewährt und werden in der Feingußtechnik
viel verwendet.
[0003] Besonders bei kompliziert geformten Gußteilen besteht das Problem, daß nach dem Zerschlagen
der Gußform noch Reste des Formsandes sehr fest an der Oberfläche des ausgebetteten
Gußstücks haften und sich insbesondere aus Hohlräumen, kompliziert geformten Vertiefungen
oder Bohrungen nur schwer entfernen lassen.
[0004] Zum Entfernen dieser Formsandrückstände wendet man in der Technik normalerweise mechanische
und chemische Reinigungsverfahren an.
[0005] Wo der Einsatz mechanischer Reinigungsmethoden versagt, z. B. bei tiefen Hohlräumen,
gekrümmten oder sehr feinen Bohrungen etc., bedient man sich chemischer Methoden.
[0006] Dazu werden die Gußteile oft über viele Stunden, ja Tage hinweg in heißer wäßriger
Natronlauge oder mit wäßriger Flußsäure behandelt (z. B. Gießerei 66 [1979], 406 oder
Fonderie 227 [1965],29).
[0007] Ferner sind Verfahren bekannt, bei denen die zu reinigenden Gußstücke in Salzschmelzen
getaucht und elektrochemisch entsandet werden (Werkstoff und Betrieb 107 [1974] 101).
Aus der US-PS 3 015 589 ist ein Verfahren bekannt, die Gußstücke in einer Salzschmelze
aus Alkalihydroxiden und Alkalifluoriden bei 300 bis 800°C zu reinigen. Diese Verfahren
benötigen eine relativ lange Behandlungszeit und können daher zu Verzunderungen an
den Gußstücken führen. Gemäß dieser US-PS können zwar auch zirkonsilikathaltige Formsandreste
in 30 Minuten entfernt werden, doch ergeben sich in der Praxis meist viel längere
Behandlungszeiten.
[0008] In der FR-PS 2 253 845 wird zum Ablösen von Oxidschichten einer Salzschmelze aus
Alkalihydroxid 10 bis 40% Borat und 0,1 bis 10% Siliziumcarbid zugesetzt. Formsandreste
können damit aber nicht entfernt werden.
[0009] Auch in der US-PS 2 601 864 werden Entzunderungsbäder aus geschmolzenen Alkali- und
Erdalkalichloriden beschrieben, die Borsäure und Siliziumkarbid enthalten können,
um das Absetzen des Schlammes zu beeinflussen.
[0010] Die bisher angewendeten Reinigungsverfahren in der Gießereitechnik werden daher in
der Fachliteratur ganz allgemein noch als sehr verbesserungswürdig bezeichnet.
[0011] Es war daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zum Ablösen von insbesondere
zirkonoxid- und/oder titanoxidhaltigen Formsandresten an Gußteilen in Salzschmelzen,
die im wesentlichen aus Alkalihydroxiden und Fluoriden bestehen, bei 400 bis 800°C,
zu finden, mit dem sich auch schwerlösliche, chemisch inerte Metalloxide ohne Anlegung
eines elektrischen Stromes relativ schnell ablösen lassen.
[0012] Diese Aufgabe wurde erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die mit Formsandresten behafteten
Gußteile in eine Schmelze eingebracht werden, die aus 55-97 Gew.-% Alkalihydroxid
und 3 bis 45 Gew.-% eines oder mehrerer Fluoride der Elemente der 1. bis 3. Hauptgruppe
des Periodischen Systems der Elemente und/oder von Zink besteht und zusätzlich, bezogen
auf das Gesamtgewicht der vorerwähnten Schmelze, 1 bis 40 Gew.-% einer Borsauerstoff-
und/oder Borfluorverbindung enthält. Als Zusätze werden vor allem Alkali- und/oder
Erdalkaliborate, Natriummeta- oder -orthoborat, Eisen- oder Zinkborat, Borsäure, Bortrifluorid
oder ein Alkylihydroxidborat der allgemeinen Formel

(M = Li, Na, K; x = 1 -3) verwendet. Besonders bewährt haben sich Salzschmelzen, die
Natriumhydroxid, Natriumfluorid und wasserfreien Borax im Gewichtsverhältnis 3 : 1
: 1 bei Temperaturen von 650 bis 750° C, oder 80 bis 95 Gew.-% Natriumhydroxid, 5
bis 20 Gew.-% Kalzium-und/oder Bariumfluorid und bis zu 10 Gew.-% Borax enthalten.
[0013] Das erfindungsgemäße Verfahren vermeidet die im Stand der Technik genannten Probleme
und führt in kurzer Zeit zu einer hervorragenden Reinigung der Gußteile. Es weist
dabei eine Reihe technischer und wirtschaftlicher Vorteile auf.
[0014] Beim Reinigen in der Salzschmelze kommt die wahre, unverfälschte Oberfläche der Gußteile
zum Vorschein. Es erfolgt keine Abrundung der Kanten und Ecken oder ein Oberflächenabtrag.
Die unerwünschte Gußhaut aus Ferrosilikat wird dagegen abgelöst.
[0015] Auch sehr kompliziert geformte Gußteile können rasch und quantitativ gesäubert werden.
Während zirkonoxidhaltige Formsande in den bisher üblicherweise verwendeten Salzschmelzen,
wie Alkalihydroxidgemischen oder Hydroxid-Nitrat-Gemischen, auch bei langen Behandlungsdauern
so gut wie unlöslich sind, gewährleistet die erfindungsgemäße Schmelze eine rasche
und rückstandslose Beseitigung der Formsandreste. Gegenüber den bekannten Alkalihydroxid/-fluorid-Salzschmelzen
wird die Behandlungszeit stark verkürzt.
[0016] Überraschenderweise wurde gefunden, daß nicht Hydroxid-, Fluorid- oder Boratschmelzen
für sich alleine zur Auflösung zirkon- oder titanoxidhaltiger Formsande optimal geeignet
sind, sondern erst die Kombination aller dreier Komponenten in definiertem Gewichtsverhältnis
dieses bewirkt und zu einem Optimum an Lösevermögen bei nur geringem Korrosionsangriff
auf den Stahlguß führt. Eine Mischung aus Alkalihydroxid und einem Fluorid ist zwar
geeignet, bei 400 bis 800°C Formsandreste abzulösen. Der Zusatz einer Bor-Sauerstoff-Verbindung
bewirkt darüber hinaus eine Minderung des Korrosionsangriffs und verstärkt das Lösevermögen
beträchtlich, so daß die Gußteile gereinigt und metallisch blank nach Behandlungsdauern
von 10-60 Minuten aus dem Bad entnommen werden können.
[0017] Die folgenden Beispiele sollen das erfindungsgemäße Verfahren näher erläutern:
Beispiel 1
[0018] In einem aus einer Ni-Cr-Fe-Legierung bestehenden Tiegel von 22 cm Durchmesser und
45cm Höhe werden 30 kg Salz aus 18 kg Natriumhydroxid, 6 kg wasserfreiem Borax und
6 kg Natriumfluorid eingeschmolzen. Die Temperatur wird auf 700°C eingestellt. Die
grob mechanisch von zirkonoxidhaltigem Formsand befreiten Präzisionsgußteile werden
in einen Chargierkorb oder ein eisernes Chargiergestell gefüllt, dieses wird mittels
eines Hebezeugs in die Schmelze eingefahren. Die Temperatur der Schmelze wird konstant
bei 700°C gehalten. Es beginnt alsbald eine exotherme Aufschlußreaktion, wobei unter
leichtem Schäumen der Schmelze die Formsandreste vom Guß gelöst werden. Im allgemeinen
genügen Behandlungszeiten von 10-30 Minuten Dauer, nur in extremen Fällen sind Behandlungszeiten
bis 60 Minuten nötig. Nach beendeter Reaktion sind die Teile völlig von Formsand befreit.
Die Charge wird mittels des Hebezeugs aus der Schmelze entnommen, über einen wassergefüllten
Abschrecktank gefahren und dort abgeschreckt. Die so behandelten Gußteile sind metallisch
blank und völlig von Formsand gereinigt.
Beispiel 2
[0019] Zum Vergleich zu den Bädern der US-PS 3 015 589 werden in einem Eisentiegel von 18
cm Durchmesser und 30 cm Tiefe 9,5 kg Natriumhydroxid und 0,5 kg Kalziumfluorid zusammengeschmolzen.
Die Schmelze zeigt bei 750° C zwar ebenfalls ein gutes Lösevermögen für den Formsand
bei analoger Verfahrensweise wie in Beispiel 1. Die durchschnittliche Behandlungsdauer
liegt aber bei 1 bis 2 Stunden.
Beispiel 3
[0020] In einem Nickeltiegel von 18 cm Durchmesser und 30 cm Tiefe werden in 6 kg geschmolzenes
Natriumhydroxid 1 kg NaF, 0,5 kg ZnF
2 und 1 kg Natriumorthoborat eingetragen. Die Schmelze zeigt ein gutes Lösevermögen
für den Formsand.
Beispiel 4
[0021] In einem Flußstahltiegel von 161 Volumen werden 5 kg NaOH, 1 kg KOH, 0,5 kg Na
3A1F
6, 1 kg NaF, 0,5 kg CaF
2, 1 kg Natriummetaborat eingeschmolzen. Die so hergestellte Schmelze besitzt bei 700°C
gutes Lösevermögen für zirkonoxidhaltigen Formsand, der Kryolithzusatz bewirkt insbesondere
einen raschen Aufschluß des AI
2O
3-Anteils.
Beispiel 5
[0022] In einem Nickeltiegel werden 8,5 kg NaOH, 0,5 kg CaF
2, 0,5 kg BaF
2 und 0,5 kg Borax eingeschmolzen. Diese Schmelze ist bei 700°C sehr gut zur Ablösung
von zirkon- und titanoxidhaltigen Formsandresten geeignet.
1. Verfahren zum Ablösen von insbesondere zirkonoxid- und/oder titanoxidhaltigen Formsandresten
an Gußteilen in Salzschmelzen, die im wesentlichen aus Alkalihydroxiden und Fluoriden
bestehen, bei 400 bis 800°C, dadurch gekennzeichnet, daß die mit Formsandresten behafteten
Gußteile in eine Schmelze eingebracht werden, die aus 55 bis 97 Gew.-% Alkalihydroxid
und 3 bis 45 Gew.-% eines oder mehrerer Fluoride der Elemente der 1. bis 3. Hauptgruppe
des Periodischen Systems der Elemente und/oder von Zink besteht und zusätzlich, bezogen
auf das Gesamtgewicht der vorerwähnten Schmelze, eine Bor-Sauerstoff-Verbindung und/oder
eine Bor-Fluorverbindung in einer Menge von 1 bis 40 Gew.-% enthält.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die zugefügte Bor-Sauerstoff-Verbindung
ein Alkali- oder Erdalkaliborat, Natriummetaborat, Natriumorthoborat, Eisenborat,
Zinkborat, Borsäure, Bortrifluorid oder ein Alkalihydroxidfluoroborat der allgemeinen
Formel

ist, wobei M = Li, Na, K bedeutet und x = 1 -3 ist..
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß als Alkalihydroxid
Natriumhydroxid, als Fluorid Natriumfluorid und als Bor-Sauerstoff-Verbindung wasserfreier
Borax im Gewichtsverhältnis 3:1:1 eingesetzt werden und die Schmelze bei Temperaturen
von 650-750°C gehalten wird.
4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Salzschmelze
80 bis 95% Natriumhydroxid, 5-20 Gew.-% Kalzium- und/oder Bariumfluorid und bis 10
Gew.-% Borax enthält.
1. A process for removing in particular zirconium oxide- and/or titanium oxide-containing
moulding sand residues form castings in salt melts which essentially consist of alkali
hydroxides and fluorides, at from 400 to 800°C, characterised in that the castings
covered with moulding sand residues are introduced into a melt which consists of from
55 to 97% by weight of alkali hydroxide and from 3 to 45% by weight of one or more
fluorides of the elements of the I to III Main Group of the Periodic Table of Elements
and/or of zinc and also contains, based on the total weight of the above-mentioned
melt, a boron-oxygen compound and/or a boron-fluorine compound in a quantity of from
1 to 40% by weight.
2. A process according to claim 1, characterised in that the boron-oxygen compound
which is added is an alkali- or alkaline earth borate, sodium metaborate, sodium orthoborate,
iron borate, zinc borate, boric acid, borontrifluoride or an alkali hydroxide fluoroborate
corresponding to the general formula

wherein M represents Li, Na, K, and x represents 1 to 3.
3. A process according to claims 1 and 2, characterised in that sodium hydroxide is
used as alkali hydroxide, sodium fluoride is used as fluoride and anhydrous borax
is used as the boron-oxygen compound in a weight ratio of 3:1:1, and the melt is maintained
at a temperature of from 650 to 750° C.
4. A process according to claims 1 and 2, characterised in that the salt melt contains
form 80 to 95% of sodium hydroxide, from 5 to 20% by weight of calcium fluoride and/or
barium fluoride and up to 10% by weight of borax.
1. Procédé pour détacher les restes de sable de moulage contenant en particulier de
l'oxyde de zirconium et/ou de l'oxyde de titane, de pièces coulées, dans un bain de
sels fondus, constitué essentiellement d'hydroxydes alcalins et de fluorures, à une
température de 400 à 800° C, procédé caractérisé en ce que les pièces coulées sur
lesquelles adhèrent les restes de sable de moulage sont introduites dans un bain fondu,
constitué de 55 à 97% en poids d'hydroxyde alcalin et de 3 à 45% en poids d'un ou
plusieurs fluorures des éléments du 1er au 3ème groupe principal du système périodique
des éléments et/ou de zinc, et contenant en outre, calculé sur le poids total du bain
fondu précédent, un composé bore-oxygène et/ou un composé bore-fluor, dans une proportion
de 1 à 40% en poids.
2. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que le composé additionnel
bore-oxygène est un borate alcalin ou alcalino-terreux, le métaborate de sodium, l'orthoborate
de sodium, le borate de fer, le borate de zinc, l'acide borique, le trifluorure de
bore, ou un fluoroborate d'hydroxyde alcalin de formule générale

oùM=Li,Na,Ketx=1-3.
3. Procédé selon l'une des revendications 1 et 2, caractérisé en ce que, comme hydroxyde
alcalin, on utilise de l'hydroxyde de sodium, comme fluorure, du fluorure de sodium,
et comme composé bore-oxygène, du borax anhydre, dans une proportion pondérale de
3 : 1 : 1, et que l'on maintient le bain fondu à une température de 650-750° C.
4. Procédé suivant l'une des revendications 1 ou 2, caractérisé en ce que le bain
de sel fondu contient 80 à 95% d'hydroxyde de sodium, 5 à 20% en poids de fluorure
de calcium et/ou de baryum, et jusqu'à 10% en poids de borax.