[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Endkonditionieren fester, voluminöser, weitgehend
formbeständiger radioaktiver, insbesondere Kernbrennstoff enthaltender, organischer
Abfälle wie Gummihandschuhe, Folien, Flaschen und Schläuche aus Kunststoff, Wischtücher
aus Zellstoff bzw. Synthetics, Bauteile aus Holz oder Naturfasern, unter Bildung eines
aushärtbaren Gemisches aus dem zerkleinerten Abfall, einem anorganischen Bindemittel
und Wasser.
[0002] Ein derartiges Verfahren ist aus der US-PS 3012385 bekannt. Nach dieser Patentschrift
werden feste voluminöse radioaktive, weitgehend formbeständige organische Abfälle
wie Papier, Handschuhe, Gummi oder Kleidung in einem Mischer, z. B. Zementmischer,
zerkleinert und gleichzeitig in einem Gemisch aus Ton und einer Flüssigkeit wie Wasser,
Öl oder eine endzulagernde radioaktive Flüssigkeit unter Bildung eines aushärtenden
Konglomerats verrührt.
[0003] Im Gegensatz zu den meisten festen radioaktiven Abfällen, die üblicherweise beim
Umgang mit radioaktiven Stoffen auf dem Gebiet der Kernforschung und Medizin anfallen,
können bei der Herstellung von Kernreaktorbrennelementen entstehende organische Abfälle
unter anderem langlebige radiotoxische Nuklide, wie z. B. Plutonium 239 mit einer
Halbwertzeit von 24 390 Jahren enthalten. Bei der Unterbringung solcher organischer
Abfälle in einem Endlager muß daher sichergestellt sein, daß während der langen Abklingzeit
ein Austritt der Radionuklide in die Biosphäre ausgeschlossen ist.
[0004] Nach langjährigen Untersuchungen und Erprobungen zur sicheren Beseitigung und Endlagerung
hat sich für schwach radioaktive Abfälle, zu denen auch die i
X-Strahler enthaltenden Abfälle aus kernbrennstoffverarbeitenden Betrieben zählen,
die Einbettung in Zement und anschließende Lagerung in geeigneten Steinsalzformationen
des tieferen geologischen Untergrundes als besonders geeignet herausgestellt. Für
diese Art der Endlagerung müssen seitens des Abfalles und des einzulagernden Zementblockes,
dem Endgebinde, eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein.
[0005] Es dürfen nur formbeständige, nicht faul- oder gärfähige Abfälle mit fest haftender
Aktivität, die allseits mit Bindemitteln umhüllt homogen und hohlraumfrei im Abfallbehälter,
z. B. einem 200-I-Faß, vergossen werden können, verwendet werden. Diese Abfälle können
ursprünglich wasserhaltige Abfälle, Aschen, Pulver und Granulate (lonenaustauscher)
sein, die durch homogene Vermischung mit einem Zementbrei nach der Aushärtung ein
festes Endprodukt ergeben.
[0006] Um eine Freisetzung von Radionukliden auch bei unwahrscheinlichen Ereignissen im
Endlager ausschließen zu können, werden Mindestforderungen an die Druckfestigkeit
und Auslaugbeständigkeit der Endgebinde gestellt. Diese Forderungen können durch Einhaltung
einer begrenzten Abfalleinbringung in einen Zementblock, porenfreie Verdichtung und
Verwendung geeigneter Zementqualitäten erfüllt werden. Für die Auslaugbeständigkeit
kernbrennstoffhaitiger Abfälle mit z. B. UOz, PuOz oder ThOz als Radionuklide kommt
begünstigend hinzu, daß diese oxidischen Spaltstoffe von Natur aus eine sehr hohe
Unlöslichkeit mitbringen, die eine zusätzliche Sicherheitsbarriere darstellt.
[0007] Die Beseitigung von festen, voluminösen, organischen, kernbrennstoffhaltigen aus
Brennelement-Fabriken stammenden Abfällen durch Zementierung ist bisher unterblieben,
weil die Einmischung der Rohabfälle in Zement ein ungelöstes Problem bedeutete. Die
Rohabfälle stellen eine Mischung aus voluminösen weitgehend organischen formbeständigen
Natur- und Kunststoffen dar, wie z. B. Gummihandschuhe, Kunststoffolien, -flaschen,
-schläuche, Wischtücher aus Zellsstoff bzw. Synthetiks, Bauteile aus Holz, Naturfasern
u. a. Stofflich setzen sie sich aus 70 Gew.-% Polyvinylchlorid, 15 Gew.-% Neopren,
10 Gew.-% Zellstoff, der Rest aus verschiedenen anderen Kunststoffen zusammen. Diese
Materialien sind normalerweise vermischt mit anorganischen Abfällen, z. B. Metall,
Glas und Keramik.
[0008] Solche festen und voluminösen organischen Abfälle lassen sich nicht so in Zement
einmischen, daß die Forderungen an den Zementblock erfüllt werden. Einerseits wickeln
sich Folienmaterial und andere voluminöse Abfälle beim Einmischen in Zement um den
Rührer, andererseits findet aufgrund der Dichteunterschiede zwischen den Kunststoffabfällen
und dem Beton eine Entmischung vor dem Aushärten statt, es entsteht also ein recht
heterogenes Endgebinde. Die Festigkeit wird zusätzlich durch große Folienflächen im
Beton, die nur ein segmentweises Abbinden erlauben, herabgesetzt, so daß es im Laufe
der Zeit zu Rissen im Zementblock kommen kann, worunter dessen Auslaugebeständigkeit
leidet.
[0009] Weltweit werden zwar Verfahren entwickelt, diese Abfälle durch Verbrennen in ihrem
Volumen zu verringern, und die zurückbleibenden Aschen zu zementieren. Diese Verfahren
können jedoch nur dann erfolgreich eingesetzt werden, wenn der Abfall einen geringeren
bzw. keinen Polyvinylchlorid (PVC)-Anteil enthält. Die Verbrennung von PVC erzeugt
Salzsäure, die nach ihrer Neutralisation, z. B. in Kochsalz übergeführt, als schwach
aktiver Abfall in Zement eingebettet endzulagern ist. Da jedoch der Salzgehalt im
Zement ebenfalls zur Wahrung der Auslaugebeständigkeit nicht hoch sein darf, ist die
gewünschte Reduzierung des Endabfallvolumens für Abfälle nicht zu erreichen.
[0010] Der Erfindung liegt somit die Aufgabe zugrunde, auch derartig schwierig zu handhabende
feste und voluminöse organische Abfälle einfach und sicher in Zementblöcke einzubringen,
die eine ausreichende Festigkeit haben, im Laufe der Zeit keine Risse bilden und eine
Reduzierung des Endabfallvolumens bewirken.
[0011] Zur Lösung dieser Aufgabe ist ein Verfahren der eingangs erwähnten Art erfindungsgemäß
dadurch gekennzeichnet, daß die Abfälle zu so kleinen rieselfähigen Partikeln zerkleinert
werden, daß die an den Abfallpartikeln in dem Gemisch aus Zement als anorganischem
Bindemittel und Wasser angreifenden Adhäsionskräfte die Auftriebskräfte überwiegen,
daß die Abfallpartikel in das Zement-Wasser-Gemisch homogen eingemischt werden und
daß schließlich das Gemisch aus Zement, Wasser und den Abfallpartikeln zu einem endlagerfähigen
Betonblock ausgehärtet wird.
[0012] Günstigerweise wird in das Zement-Wasser-Gemisch zusätzlich zu den Abfallpartikeln
nicht zerkleinerbarer anorganischer Abfall vorzugsweise aus Metall, Glas und Keramik
hohlraumfrei eingegeben.
[0013] Rohabfälle können durch Sortieren vom anorganischen Abfall befreit und die verbleibenden
voluminösen und formbeständigen organischen Abfälle können in einer Zerkleinerungsanlage
zermahlen werden, z. B. auf Korngrößen kleiner 5 mm. Der zermahlene, sehr gut mit
dem Zementbrei vermischbare Abfall wird homogen eingerührt und anschließend in ein
Abfallfaß eingefüllt. Danach wird durch Rütteln bei Vakuumunterstützung das Porenvolumen
im Zementblock reduziert und damit gleichzeitig die Druckfestigkeit erhöht.
[0014] Nach dem Aushärten ist dieser Abfall form- und auslaugbeständigundzurEndlagerunggeeignet.
[0015] Es ist dabei zweckmäßig, vor der Verarbeitung die Rohabfälle durch Sortieren vom
anorganischen Abfall zu befreien und diesen nach der Einmischung der organischen Rohabfälle
in den Zementbrei nachträglich dort einzubringen.
[0016] Nach dem Aushärten ist der Abfall form- und auslaugbeständigundzurEndlagerunggeeignet.
[0017] Zwei Ausführungsbeispiele dienen nachstehend zur weiteren Erläuterung des erfindungsgemäßen
Verfahrens:
Ausführungsbeispiel 1
[0018] Der aus den Handschuhkästen einer Fertigungsanlage für Pu-haltige Brennelemente stammende
Rohabfall mit einem mittleren Pu-Gehalt von etwa 0,1 g/dm
3 wird zur Vorbereitung einer sich anschließenden Zerkleinerung zunächst durch Sortierung
von nicht zerkleinerbaren anorganischen Beimengungen (Schrotte, Glas u. a.) getrennt.
In einem 2-stufigen Mahlverfahren, bestehend aus einer Schneid- und Pralltellermühle,
wird der Rohabfall auf eine mittlere Korngröße von etwa 0,2 mm zerkleinert. Dadurch
verdichtet sich der Rohabfall von ca. 0,2 kgjdm
3 auf 0,45 kg/dm
3, sein Pu-Anteil steigt um den Faktor 2,5 auf 0,25 g/dm
3. Die mittlere absolute Dichte der Kunststoffe im Rohabfall beträgt, bedingt durch
den hohen PVC-Gehalt, etwa 1,28kg/dm3.
[0019] 60 dm
3 dieses rieselfähigen zermahlenen Rohabfalles (27 kg) werden mit 65 dm
3 Zement der Dichte 3,2 kgjdm
3 und 70 dm
3 schwach-kontaminierten Abfallösungen innig mit einem Rührer vermengt und anschließend
in ein 200-I-Rollreifenfaß eingefüllt.
[0020] Vor dem Aushärten wird das Faß auf einen Rütteltisch gestellt und das Zement-Abfall-Gemisch
weitgehend porenfrei verdichtet.
[0021] Nach 24 Stunden ist der Beton ausgehärtet. Die charakteristischen Daten dieses Endabfallgebindes
sind:

[0022] Dieses 200-I-Faß muß aufgrund der in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Richtlinien
zur Endlagerung zusätzlich in eine Betonabschirmung, die das Faß allseitig umhüllt,
eingesetzt werden.
Ausführungsbeispiel 2
[0023] In einer Schneidmühle wird der organische, vorsortierte Rohabfall bis auf ca. 2 mm
Korngröße zerkleinert. 40 kg des Abfalles (89 dm
3) mit 10 g Pu, entsprechend 3,4 Ci α-Aktivität, werden mit 90 kg Wasser und 200 kg
Zement in einem Intensivmischer innerhalb einer alphadichten Betonierzelle vermischt.
Im Zellenboden befindet sich zum Ausschleusen eine rohrförmige Öffnung mit ca. 50
cm Durchmesser, die von außen von einem sehr langen »endlosen« Schlauch, dessen unteres
Ende verschweißt ist, alphadicht umschlossen ist. Zur Ausbringung der Abfall/ Zement-Mischung
wird ein 200-I-Faß unter die rohrförmige Austrittsöffnung der Zelle gestellt und der
endlose Schlauch, der einem Sack gleicht, in das Faß nach der Art einer Faßinnenauskleidung
eingeschoben. Zur Beseitigung alphakontaminierter anorganischer Abfälle werden ca.
30 kg metallische bzw. keramische Schrotteile in das ausgekleidete Faß gelegt, bevor
die fertige Zementmischung eingefüllt wird. Zum Abschluß der alphadichten Ausschleusung
wird der Kunststoffschlauch abgeschweißt und das gefüllte Faß zur Verdichtung des
Betons auf einen Rütteltisch gestellt. Danach wird das Faß verschlossen in ein 400-I-Faß
eingesetzt und der Zwischenraum mit Beton vergossen. Nach Aushärtung des Betons ist
das Endgebinde endlagerfähig. Die charakteristischen Daten des Endgebindes sind:

[0024] Diese Beispiele zeigen, daß es nunmehr auf relativ einfache Weise möglich ist, auch
die hier bei der Kernbrennstabfertigung entstehenden Abfälle, insbesondere solche
auch aus Handschuhboxen, wie sie bei der Hantierung mit Plutoniumoxiden Verwendung
finden, auf relativ einfache Weise ohne die bisher gefürchteten Auftriebserscheinungen
in Zement einzubetten. Es wird dabei, falls auch noch die vorher aussortierten anorganischen
Abfallbestandteile mit eingebracht werden sollen, zweckmäßig sein, letztere ebenfalls
auf ein solches Maß zu zerkleinern, daß eine vollständige Einbettung und Ummantelung
durch den Zementbrei möglich ist.
[0025] Besonders vorteilhaft ist auch die Verwendung des leicht radioaktiven Wassers für
die Zubereitung des Zementbreies, da dieses damit ebenfalls auf diese Weise endlagerfähig
gemacht worden ist, ohne daß es noch speziellen Reinigungsvorgängen usw. unterzogen
werden müßte.
1. Verfahren zum Endkonditionieren fester, voluminöser, weitgehend formbeständiger
radioaktiver, insbesondere Kernbrennstoff enthaltender, organischer Abfälle, wie Gummihandschuhe,
Folien, Flaschen und Schläuche aus Kunststoff, Wischtücher aus Zellstoff bzw. Synthetics,
Bauteile aus Holz oder Naturfasern, unter Bildung eines aushärtenden Gemisches aus
dem zerkleinerten Abfall, einem anorganischen Bindemittel und Wasser, dadurch gekennzeichnet,
daß die Abfälle zu so kleinen rieselfähigen Partikeln zerkleinert werden, daß die
an den Abfallpartikeln in dem Gemisch aus Zement als anorganischem Bindemittel und
Wasser angreifenden Adhäsionskräfte die Auftriebskräfte überwiegen, daß die Abfallpartikel
in das Zement- Wasser-Gemisch homogen eingemischt werden und daß schließlich das Gemisch
aus Zement, Wasser und den Abfallpartikeln zu einem endlagerfähigen Betonblockausgehärtetwird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß in das Zement-Wasser-Gemisch
zusätzlich zu den Abfallpartikeln nicht zerkleinerbarer anorganischer Abfall vorzugsweise
aus Metall, Glas und Keramik hohlraumfrei eingegeben wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Zement/Wasser-Gemisch
mit neutraler radioaktiver Abfallösung gebildet wird.
1. A process for the final conditioning of solid, voluminous, radioactive, organic
waste, which is largely of constant shape and in particular contains nuclear fuel,
such as rubber glovs, films, bottles and tubes made of plastics, cloths made of cellulose
or synthetic resins, and components made of wood or natural fibres, whilst forming
a hardening mixture which consists of the comminuted waste, an inorganic binding agent
and water, characterised in that the waste is broken down into such small pourable
particles that the adhesion forces acting on the waste particles in the mixture of
cement as inorganic binding agent and water, outweigh the lifting forces; that the
waste particles are homogeneously mixed into the cement-water mixture; and that the
mixture of cement, water and the waste particles is finally hardened to form a concrete
block which is capøble of being finally disposed of.
.1 A process as claimed in claim 1, characterised in that, in addition to the waste
particles, inorganic waste which cannot be comminuted, preferably made of metal, glass
and ceramic, is inserted into the cement-water mixture in cavity- free manner.
3. A process as claimed in claim 1, characterised in that the cement/water mixture
is formed using a neutral radioactive waste solution.
1. Procédé de conditionnement définitif de déchets organiques radioactifs, solides,
volumineux et conservant, dans une grande mesure, leurs dimensions, contenant notamment
une matière combustible nucléaire, comme des gants de caoutchouc, des feuilles, des
flacons et des conduits souples en matière plastique, des torchons en cellulose ou
en matière synthétique, des éléments de construction en bois, ou des fibres naturelles,
en formant un mélange durcissant constitué du déchet fragmenté d'un liant minéral
et d'eau, caractérisé en ce qu'il consiste à fragmenter les déchets en des particules
aptes à s'écouler et si petites que les forces adhérentes s'appliquant sur les particules
de déchets dans le mélange de ciment servant de liant minéral et d'eau, surmontent
les poussées d'Archi- mède, à mélanger de maniée homogène les particules de déchets
au mélange de ciment et d'eau, et enfin à faire durcir le mélange de ciment, d'eau
et des particules de déchets en un bloc de béton susceptible d'être stocké définitivement.
2. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce qui'il consiste à introduire,
sans laisser de vide, dans le mélange de ciment et d'eau, en plus des particules de
déchets, un déchet minéral qui ne peut pas être fragmenté, de préférence en métal,
en verre et en céramique.
3. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce qu'il consiste à former le
mélange de ciment et d'eau avec un déchet liquide radioacti- vement neutre.