[0001] Die auf chemischem Wege gewonnenen Zellstoffe, wie sie zum Beispiel aus dem Sulfitverfahren
oder den alkalischen Natron- oder Sulfatverfahren anfallen, enthalten neben dem Hauptbestandteil
Cellulose noch geringe Mengen Lignin, Hemicellulosen und einige andere Bestandteile.
Die genannten Begleitstoffe der Cellulose, vor allem das Lignin, bewirken die Verfärbung
des Zellstoffes oder daraus hergestellter Produkte.
[0002] Um aus dem Zellstoff Papier oder andere Produkte von hoher Weiße, die nicht zur Vergilbung
neigen, herzustellen, ist eine Entfernung der nach dem chemischen Aufschluß verbliebenen
Begleitstoffe durch eine Mehrstufenbleiche notwendig.
[0003] Die Veröffentlichung Tappi, Vol. 49, Nr. 10, (452-456) 1966 betrifft die Behandlung
von Hochausbeutezellstoff und Holzschliff mit Peressigsäure im sauren Bereich. An
diese schließt sich ohne zwischengeschaltete Waschung ein Bleichschritt an, bei dem
man nach der Erhöhung des pH-Werts auf 7-8 einen Teil der in der ersten Stufe nicht
verbrauchten Peressigsäure zur Verbesserung des Helligkeitswertes nutzt.
[0004] Da dieses Verfahren auf die Delignifizierung von Zellstoffen abzielt, arbeitet man
mit sehr hohen Konzentrationen von Persäure, die zwischen 10 und 40 Gew.-%, bezogen
auf den trockenen Zellstoff, liegen.
[0005] In Bleichverfahren setzt man jedoch deutlich geringere Mengen an Persäure ein.
[0006] Es ist aus der DE-C-2219 505 bekannt, Zellstoff in einem mehrstufigen Verfahren mittels
Peroxid und Persäuren zu bleichen. Dabei wird der Zellstoff, gegebenenfalls nach einer
sauren Vorbehandlung, in der ersten Stufe mit einem Peroxid, in der zweiten Stufe
mit einer organischen Persäure und in der dritten Stufe mit einem Peroxid gebleicht.
Zwischen den einzelnen Bleichstufen wird der Zellstoff ausgiebig mit Wasser gewaschen.
[0007] Organische Persaüren werden nach der klassischen Methode durch Umsetzung von Carbonsäuren
mit Wasserstoffperoxid erhalten. Durch Vermischen von niederen aliphatischen Carbonsäuren
mit wässrigem 30-90 Gew.-%igem Wasserstoffperoxid in Gegenwart von Säuren entstehen
in einer Gleichgewichtsreaktion Lösungen von Percarbonsäuren (« Methodicum Chimicum
•, C-O Verbindungen, Band 5, Seite 737-739, Thieme Verlag, Stuttgart, 1975 ; Ullmanns
Enzyklopädie der techn. Chemie, 3. Auflage 1962, 13. Band Seite 254 ; 4. Auflage 1979,
17. Band, Seite 669).
[0008] In der DE-A-2519 299 wird ein Verfahren zur Herstellung von Perpropionsäurelösungen
beschrieben.
[0009] Ein erheblicher Nachteil des aus der DE-C-2219 505 bekannten Verfahrens liegt darin,
daß zur Bleiche mit Persäure eine Gleichgewichtsperessigsäure eingesetzt wird. Denn
bei der Darstellung der Gleichgewichtspersäure muß ein sehr hoher Überschuß an Carbonsäure
eingesetzt werden, um das Gleichgewicht möglichst weit auf die Seite der Persäure
zu verschieben. Das nicht zur Persäure umgesetzte Wasserstoffperoxid geht nämlich
bei der an die Persäurebleichstufe anschließende Wäsche des Zellstoffes verloren.
Bei dem bekannten Verfahren wird eine Gleichgewichtspersäure eingesetzt, bei deren
Herstellung ein 8- bis 10facher Überschuß an Carbonsäure verwendet wird. Aufgrund
der dazu benötigten Carbonsäuremengen ist das bekannte Bleichverfahren unwirtschaftlich.
[0010] Eine Verringerung dieses Überschusses spart zwar Carbonsäure, führt aber zu einem
höheren Restgehalt an Wasserstoffperoxid und somit zu einem ebenfalls unwirtschaftlich
hohen Wasserstoffperoxidbedarf.
[0011] Ein weiterer Nachteil des Verfahrens gemäß der DE-C-2219 505 liegt darin, daß bei
der Verwendung von Gleichgewichtspersäure aufgrund der langsamen Gleichgewichtseinstellung
große Vorratsgefäße notwendig sind. So benötigt eine mittlere Zellstoffabrik bereits
Reaktionsgefäße mit einem Volumen bis zu 100
m3
.
[0012] Die alternative Darstellung der Persäure aus Carbonsäureanhydrid ist, ebenso wie
der Einsatz reiner Persäure, wegen der Gefährlichkeit konzentrierter organischer Perverbindungen
aus Gründen der Betriebssicherheit nicht möglich.
[0013] So bildet sich bei der Reaktion von Carbonsäureanhydrid mit zum Beispiel Wasserstoffperoxid
neben der Persäure auch das gefährliche, zur spontanen Zersetzung neigende Diacylperoxid.
[0014] Auch die Darstellung von Persäure aus Carbonsäureanhydrid und Peroxid in der Zellstoffpulpe
selbst, ist wegen der dann vorliegenden Verdünnung nur mit hohen Peroxidverlusten
durchzuführen.
[0015] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Bleiche von Zellstoff unter Verwendung
von organischen Persäuren im sauren Bereich und Wasserstoffperoxid im alkalischen
Bereich, bei dem man eine Persäure, die einen Gehalt an Persäure von 5 bis 40 Gew.-%
und einen Gehalt an Wasserstoffperoxid von 10 bis 50 Gew.-% aufweist, und die man
aus einer organischen Carbonsäure einer Konzentration von 50 bis 100 Gew.-% durch
Umsetzung mit Wasserstoffperoxid einer Konzentration von 30 bis 90 Gew.-%, vorzugsweise
50 bis 70 Gew.-%, in Gegenwart einer Mineralsäure bei einer Temperatur zwischen 20
und 100 °C, vorzugsweise 50 bis 80 °C herstellt, unter der Maßgabe verwendet, daß
sich die Mengen an Persäure auf 0,1 bis 5 Gew.-% und die an Peroxid auf 0,2 bis 3,0
Gew.-%, bezogen auf atro Zellstoff, belaufen, nach dieser Bleichstufe den Zellstoff
nicht auswäscht, die zur Durchführung der alkalischen Bleichstufe mit Peroxid notwendige
Menge an Alkali in Form einer wässrigen Lösung hinzufügt und die Bleiche mit Peroxid
ohne weiteren Zusatz von Peroxid durchführt.
[0016] Es wird dabei der aus der sauren Persäurebleichstufe verbleibende Überschuß an Peroxid
für die Peroxidbleiche verwendet. Als Carbonsäuren können Essigsäure oder Propionsäure
verwendet werden. Die Temperaturen in den Bleichstufen können zwischen 20 und 140
°C, vorzugsweise zwischen 40 und 90 °C, liegen. Die Stoffdichte kann bei der Persäurebleichstufe
zwischen 5 und 30 %, vorzugsweise 10 bis 15 %, bezogen auf atro Zellstoff betragen.
[0017] Bei der Peroxidbleichstufe kann die Stoffdichte 5 bis 25 Gew.-%, vorzugsweise 10
bis 15 Gew.-%, bezogen auf atro Zellstoff betragen. Bei schwer bleichbaren Zellstoffen
kann die Bleichstufenfolge Persäure/Peroxid wiederholt werden. Es ist jedoch auch
möglich, vor der Bleichsequenz Persäure/Peroxid eine zusätzliche alkalische Peroxidbleichstufe
durchzuführen. Im Anschluß an das erfindungsgemäße Bleichverfahren können weitere
bekannte Bleichstufen, wie zum Beispiel Hypochlorit oder Chlordioxid, durchgeführt
werden.
[0018] Aufgrund des erfindungsgemäßen Verfahrens kann das chloridfreie Abwasser nach der
Peroxidbleichstufe eingedampft und der Verbrennung zugeführt werden. Dabei ist es
möglich, bei der Eindampfung nach der Neutralisation des Abwassers die für die Persäureherstellung
verwendete Carbonsäure zurückzugewinnen.
[0019] Das erfindungsgemäße Verfahren kann in einem zur Verdrängungsbleiche geeigneten Bleichturm
gegebenenfalls wiederholt durchgeführt werden, wobei die verdrängte Persäurelösung
nach der Mischung mit Alkali dem Bleichturm wieder zur Peroxidbleiche zugeführt wird.
[0020] Der Verzicht auf die Wäsche des Zellstoffes nach der Persäurestufe erlaubt es, nach
einer Alkalisierung durch Zugabe einer Natronlauge-Lösung, den gesamten Gehalt der
Pulpe an Wasserstoffperoxid zur weiteren Bleiche zu nutzen. Dies bedeutet, daß eine
Gleichgewichtspercarbonsäure auch mit hohem Peroxidgehalt wirtschaftlich genutzt werden
kann, oder daß eine Gleichgewichtseinstellung nicht abgewartet werden muß.
[0021] Aufgrund dessen kann einerseits mit erheblich geringeren Carbonsäuremengen gearbeitet
werden, und andererseits können auch sehr viel kleinere Reaktoren zur Darstellung
der bei der Bleiche benötigten Persäuremengen zur Anwendung kommen. Diese können dann
im Durchfluß betrieben werden, was zusätzlich zur Sicherheit des Verfahrens beiträgt.
So können beispielsweise für eine 200 tato Zellstoff-Fabrik mit einem Bedarf von 1
% Persäure bei geeigneter Reaktionsführung mit nur 2,5 t Eisessig 2 t Peressigsäure
in einem nur etwa 300 I/h fassenden Durchflußreaktor erzeugt werden.
[0022] Dabei wird zwar nur die Hälfte des eingesetzten Wasserstoffperoxids zur Persäure
umgesetzt. Das nicht zur Reaktion gebrachte Wasserstoffperoxid wird jedoch durch das
erfindungsgemäße Verfahren zur weiteren Zellstoffbleiche wirksam verwendet.
Beispiel 1
[0023] Gebleicht werden soll ein mittelharter Fichtensulfit-Papierzellstoff (18,5 Kappa)
in drei Stufen auf einen Weißgehalt von über 88 (Elrepho F 6) mit der Bleichsequenz
P-PES-P (Peroxid-Persäure-Peroxid). Die angegebenen prozentzahlen sind Gewichtsprozent.
a) Nach dem in der DE-C-2 219 505 beschriebenen Verfahren :

b) Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren :

[0024]
Nach a) wird ein Weißgehalt von 88,7,
nach b) ein Weißgehalt von 88,4 erhalten.
[0025] Für die Bleiche von 100 kg Zellstoff nach Variante a) ergibt sich bei der Anwendung
einer handelsüblichen 10 % Peressigsäure-Lösung ein Bedarf von 8,5 kg Eisessig.
[0026] Setzt man dagegen nach dem erfindungsgemäßen Verfahren (Variante b) ein Gemisch von
H
20
2 und Peressigsäure (1 : 1) ein, das durch Umsetzung von H
20
2 (70%) mit Eisessig in Gegenwart katalytischer Mengen Schwefelsäure bei 60 °C und
einer Stunde Reaktionszeit erhalten wurde, so werden hier für die Bleiche von 100
kg Zellstoff nur 1,25 kg Eisessig benötigt.
Beispiel 2
[0027] Hier soll ein Buchensulfit-Kunstfaserzellstoff mit der Bleichfolge PES-P-H (Persäure-Peroxid-Hypochlorit)
gebleicht werden. Die angegebenen Prozentzahlen sind Gewichtsprozent.
a) Nach dem in der DE-C-2 219 505 beschriebenen Verfahren :

b) Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren :


[0028] Es ergeben sich erhebliche Einsparungen an Essigsäure nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren. Bei Variante a) werden bei Verwendung einer 10 %igen Gleichgewichtsperessigsäure
zur Bleiche von 100 kg Zellstoff 4,25 kg Eisessig benötigt.
[0029] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren (Variante b) wird das zur Bleiche von 100 kg
Zellstoff benötigte H
2O
2/Peressigsäure-Gemisch (1,6 1) aus H
20
2 (50 %) und Eisessig in Gegenwart katalytischer Mengen Schwefelsäure bei 60 °C und
einer Reaktionszeit von 1 Stunde mit nur 0,88 kg Essigsäure hergestellt.
Verfahren zur Bleiche von Zellstoff unter Verwendung von organischen Persäuren im
sauren Bereich und Wasserstoffperoxid im alkalischen Bereich, bei dem man eine Persäure,
die einen Gehalt an Persäure von 5 bis 40 Gew.-% und einen Gehalt an Wasserstoffperoxid
von 10 bis 50 Gew.-% aufweist, und die man aus einer organischen Carbonsäure einer
Konzentration von 50 bis 100 Gew.-%, vorzugsweise 90 bis 100 Gew.-%, durch Umsetzung
mit Wasserstoffperoxid einer Konzentration von 30 bis 90 Gew.-%, vorzugsweise 50 bis
70 Gew.-%, in Gegenwart einer Mineralsäure bei einer Temperatur zwischen 20 und 100
°C, vorzugsweise 50 bis 80 °C herstellt, unter der Maßgabe verwendet, daß sich die
Mengen an Persäure auf 0,1 bis 5 Gew.-% und die an Peroxid auf 0,2 bis 3,0 Gew.-%,
bezogen auf atro Zellstoff, belaufen, nach dieser Bleichstufe den Zellstoff nicht
auswäscht, die zur Durchführung der alkalischen Bleichstufe mit Peroxid notwendige
Menge an Alkali in Form einer wässrigen Lösung hinzufügt und die Bleiche mit Peroxid
ohne weiteren Zusatz von Peroxid durchführt.
Procédé pour le blanchiment de cellulose, avec emploi de peracides organiques en milieu
acide, dans lequel on utilise des peroxydes d'hydrogène en milieu alcalin, un peracide
qui présente une teneur en peracide de 5 à 40 % en poids et une teneur en eau oxygénée
de 10 à 50 % en poids, et que l'on a préparé à partir d'un acide carboxylique organique
à une concentration de 50 à 100 %, en poids, de préférence 90 à 100 % en poids, par
réaction avec de l'eau oxygénée à la concentration de 30 à 90 % en poids, de préférence
50 à 70 % en poids, en présence d'un acide minéral, à une température comprise entre
20 et 100 °C, de préférence 50 à 80 °C, dans des conditions telles que les proportions
de peracide se situent entre 0,1 et 5 % en poids, et celles de peroxyde de 0,2 à 3
% en poids calculé sur la cellulose sèche, qu'après l'étape de blanchiment par le
peracide, on ne lave pas la cellulose, que la quantité d'alcali nécessaire pour réaliser
l'étape de blanchiment alcalin avec du peroxyde est ajoutée sous forme de solution
aqueuse, et que le blanchiment au peroxyde est effectué sans autre addition de peroxyde.