[0001] Die Erfindung geht aus von einer Gedächtnislegierung nach der Gattung des Anspruchs
1.
[0002] Kupferreiche und nickelreiche Gedächtnislegierungen sind bekannt und in verschiedenen
Veröffentlichungen beschrieben worden (z.B. US-PS 3 783 037 und US-PS 4 019 925).Derartige
Gedächtnislegierungen, die dem allgemeinen Typ mit der β -Hochtemperaturphase angehören,
werden allgemein schmelzmetallurgisch hergestellt.
[0003] Beim Giessen dieser Legierungen wird in der Regel ein grobkörniges Gefüge erhalten,
welches durch die anschliessende Glühung im Bereich der β-Mischkristalle durch Kornwachstum
noch weiter vergröbert wird und durch thermomechanische Behandlung nicht mehr rückgängig
gemacht werden kann. Dementsprechend sind die mechanischen Eigenschaften, vor allem
die Dehnung und Kerbzähigkeit solcherweise hergestellter Gedächtnislegierungen verhältnismässig
schlecht und ihr Anwendungsbereich begrenzt.
[0004] Es besteht daher ein Bedürfnis, diese Gedächtnislegierungen metallurgisch derart
zu verbessern, dass für sie weitere praktische Anwendungsgebiete erschlossen werden
können.
[0005] Es ist bereits vorgeschlagen worden, Gedächtnislegierungen des Typs Cu/Zn/Al pulvermetallurgisch,
ausgehend von fertigen, der Endzusammensetzung entsprechenden Ausgangslegierungen
herzustellen (z.B. M. Follon, E. Aernoudt, Powder-metallurgically processed shape-memory.
alloys, 5th European Symposium on Powder Metallurgy, Stockholm 1978, S. 275 - 281).
Dabei wird das fertige Pulver eingekapselt, kaltverdichtet, warmverdichtet und stranggepresst.
[0006] Diese Methode ist jedoch zur Herstellung von kompakten und dichten Fertigkörpern
aus Cu/Al/Ni und Ni/Al ungeeignet, da sich das Pulver nicht verdichten lässt und wieder
zerfällt.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, Gedächtnislegierungen auf der Basis von
Cu/Al, Cu/Al/Ni und Ni/Al anzugeben, die sich zu dichten, kompakten Körpern mit guten
memechanischen Eigenschaften und gleichzeitig zu genau reproduzierbaren Werten der
Umwandlungstemperatur und anderen mit dem Gedächtniseffekt zusammenhängenden Grössen
verarbeiten lassen.
[0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
[0009] Der Kern der Erfindung besteht im Vorhandensein von Metalloxyden, welche in Form
feinverteilter Dispersoide in der metallischen Matrix der Legierungen eingebettet
sind. Derartige Metalloxyde können sowohl als separate Pulver wie auch als natürliche
Gehalte der Ausgangssubstanzen in das Endprodukt eingebracht werden, dessen Herstellung
in vorteilhafter Weise pulvermetallurgisch erfolgt. Ein wesentliches Merkmal des Verfahrens
besteht darin, weder von Elementarpulvern noch von einem der Endlegierung entsprechenden
Ausgangspulver auszugehen, sondern eine Mischung aus vorlegierten Pulvern und speziell
zusammengesetzter Pulvermischungen zu benutzen. Damit kann die erforderliche Duktilität
bei weitgehender Freiheit bezüglich Zusammensetzung dem Verarbeitungsprozess optimal
angepasst werden. Die Korngrösse der Kristallite des fertigen Körpers kann weitgehend
vorausbestimmt werden. Ein Kornwachstum ist dank des Vorhandenseins der Dispersoide
nicht zu befürchten. Zusammenhängende, die Homogenisierung behindernde und die mechanischen
Eigenschaften beeinträchtigende Oxydhäute werden vermieden.
[0010] Als geeignete Dispersoide bieten sich vor allem A1203, Y
2O
3 und TiO
2 oder beliebige Mischungen dieser Oxyde an. Dabei soll ihr Gehalt vorzugsweise 0,5
bis 2 Gew.-% der Gesamtmasse der Legierung ausmachen und ihre Partikel einen: mittleren
Durchmesser um 10 Å bis 1 µ aufweisen.
[0011] Al
20
3 kann in vorteilhafter Weise in Form der Oxydhülle des zu verwendenden Pulvers aus
Aluminium bzw. einer aluminiumreichen Vorlegierung in den Herstellungsprozess eingeführt
werden. In diesem Fall kann das Mischen der Pulver in einem Taumelmischer vorgenommen
werden. Y
20
3 und TiO
2 werden den Metallpulvern separat in Form sehr feiner Partikel zugemischt und unter
einem den Luftsauerstoff fernhaltenden organischen Lösungsmittel (Toluol, Aethylalkohol)
in einer Kugelmühle oder einem Attritor gemahlen und mechanisch legiert.
[0012] Die Erfindung wird anhand der nachfolgenden Ausführungsbeispiele beschrieben:
Ausführungsbeispiel I:
[0013] Es wurde ein Rundstab aus einer Gedächtnislegierung folgender Endzusammensetzung
der Matrix hergestellt:

[0014] Als Ausgangsmaterialien wurden folgende Pulver verwendet:
Pulver A: Cupro-Aluminium: 93 Gew.-% Cu; 7 Gew.-% Al, erschmolzen, atomisiert; Korngrösse
40 - 100 µ. Hersteller Baudier.
Pulver B: Aluminium premixe 202 AC: 96 Gew.-% Al; 4 Gew.-% Cu, Korngrösse 23 - 28
µ. Hersteller Alcoa.
Pulver C: Reinnickel: 100 Gew.-% Ni Korngrösse 44 µ. Mond-Nickel (z.B.. Int. Nickel
Co.) Folgende Einwaage wurde während 10 min in einem Taumelmischer gemischt:

[0015] 240 g dieser Pulvermischung wurden in einen Gummischlauch von 20 mm Innendurchmesser
abgefüllt und bei einem,Druck von 8000 bar isostatisch zu einem Zylinder von 18 mm
Durchmesser und 220 mm Höhe verpresst. Der Grünling wurde im Wasserstoffstrom bei
einer Temperatur von 950°C während 1 h reduziert und vorgesintert und anschliessend
im Argonstrom bei einer Temperatur von 950°C während 19 h fertiggesintert. Der rohe
Sinterkörper wurde auf einen Durchmesser von 17 mm abgedreht, in ein weichgeglühtes
Kupferrohr von 20 mm Aussendurchmesser eingeführt und durch Abdecken der Enden mittels
Stöpsel und Verlöten unter Argonatmosphäre vollständig eingekapselt. Das derart gebildete
Werkstück wurde nun abwechslungsweise einer thermomechanischen Bearbeitung und einer
Homogenisierungsglühung im Argonstrom während je 1 h bei 950°C unterworfen. Im vorliegenden
Fall bestand die thermomechanische Bearbeitung in einem Rundhämmern bei 950°C, wobei
im 1. Rundhämmerstich der Durchmesser des Stabes auf 18 mm und bei jedem weiteren
Stich um je 2 mm reduziert wurde. Dabei wurde so vorgegangen, dass auf je 2 thermomechanische
Operationen eine Homogenisierungsglühung folgte. Der auf 8 mm Durchmesser heruntergehämmerte
Stab wurde schliesslich einer abschliessenden Glühung im Argonstrom während 15 min
bei einer Temperatur von 950
0C unterworfen und unmittelbar daraufhin in Wasser abgeschreckt. Die Prüfung ergab
für das Werkstück eine Dichte von 99,5 - 99,8 % des theoretischen Wertes. Der als
Dispersoid vorhandene Aluminiumoxydgehalt betrug dabei 1,8 %.
Ausführungsbeispiel II:
[0016] Es wurde ein Band aus einer Gedächtnislegierung folgender Endzusammensetzung der
Matrix hergestellt:

[0017] Die unter dem Beispiel I angegebenen Pulver wurden wie folgt eingewogen und während
12 min in einem Taumelmischer gemischt:.

[0018] 240 g dieser Pulvermischung wurden in ein weichgeglühtes Tombakrohr von 20 mm Innendurchmesser
und 1,6 mm Wand- . stärke abgefüllt und durch Abdecken der Enden und Verlöten unter
Argonatmosphäre vollständig eingekapselt. Hierauf wurde das Rohr samt Pulver bei einem
Druck von 12 000 bar isostatisch gepresst und der Pressling im Wasserstoffstrom bei
einer Temperatur von 850°C während 1 ψ2 h reduziert und vorgesintert und anschliessend
im Argonstrom bei einer Temperatur von 820°C während 22 h fertiggesintert. Daraufhin
wurde das Werkstück in 2 Rundhämmerstichen bei einer Temperatur von 900°C auf 18 bzw.
16 mm Durchmesser reduziert und während 1 h im Argonstrom bie 920°C homogenisiert.
Es folgten nochmals 2 Rundhämmerstiche bei 900
oC, so dass der Stab schliesslich einen Durchmesser von 13 mm hatte. Nach abermaliger
Homogenisierung während 1 h bei 920°C wurde der Stab in mehreren aufeinanderfolgenden
Warm- : walzoperationen mit jeweils 20 - 25 % Querschnitssabnahme zu einem Band von
1,5 mm Dicke und 20 mm Breite heruntergewalzt. Nach einer abschliessenden Glühung
bei 950°C während 12 min wurde das Band in Wasser abgeschreckt. Die Dich-
te des fertigen Bandes betrug 99,7 % des theoretischen Wertes. Der Aluminiumoxydgehalt
(Dispersoid) betrug dabei 1,8 %.
[0019] Eine Gegenüberstellung dieser Legierung mit 13 Gew.-% Aluminium, 3 Gew.-% Nickel
und 84 Gew.-% Kupfer dient zur Illustration der Unterschiede in den mechanischen Eigenschaften
gegenüber herkömmlichen Legierungen:

[0020] Probekörper aus dieser Legierung wurden während 50 h, 200 h und 500 h Glühungen bei
Temperaturen bis zu 950°C ausgesetzt und nachgeprüft. Es konnte keinerlei Abfall in
den mechanischen Eigenschaften noch Kornwachstum festgestellt werden. Auch nach beliebig
langem Glühen bei 950°C blieb der mittlere Kristallitdurchmesser von 30 µ erhalten.
Ausführungsbeispiel III:
[0021] Es wurde ein Rundstab aus einer Gedächtnislegierung folgender Endzusammensetzung
hergestellt:

[0022] Als Ausgangsmaterialien wurden folgende Pulver verwendet:
Pulver A: Cupro-Aluminium: 93 Gew.-% Cu; 7 Gew.-% Al, erschmolzen, atomisiert; Korngrösse
40 - 100 µ. Hersteller Baudier.
Pulver B: Aluminium premixe 202 AC: 96 Gew.-% Al; 4 Gew.-% Cu, Korngrösse 23 - 28
µ. Hersteller Alcoa.
Pulver C: Reinnickel:100 Gew.-% Ni. Korngrösse 44 µ. Mond-Nickel (z.B. Int. Nickel
Co.).
Pulver D: Yttriumoxyd: 100 Gew.-% Y203, Korngrösse < 1 µ.
[0023] Folgende Einwaage wurde während 8 h unter Toluol im Attritor gemischt, gemahlen und
mechanisch legiert:

[0024] Zur Verflüchtigung des Toluols wurde die Pulvermischung getrocknet und anschliessend
240 g in ein weichgeglühtes Kupferrohr von 18 mm Innendurchmesser und 2 mm Wandstärke
abgefüllt und durch Abdecken der Enden und Verlöten unter Argonatmosphäre vollständig
eingekapselt. Hierauf wurde das Rohr samt Pulver bei einem Druck von 10 000 bar isostatisch
gepresst und der Pressling im Wasserstoff/Stickstoff-Strom bei einer Temperatur von
750°C während 2 h reduziert und vorgesintert und anschliessend im Argonstrom bei einer
Temperatur von 800°C während 25 h fertiggesintert. Daraufhin wurde das Werkstück abwechslungsweise
je 2 Rundhämmeroperationen und einer Homogenisierungsglühung bei je 900°C ähnlich
Beispiel I unterworfen. Der auf 6 mm heruntergehämmerte Stab wurde einer abschliessenden
Glühung bei 1000°C während 10 min im Argonstrom unterzogen und in Wasser abgeschreckt.
Die Dichte der Matrix betrug 99,5 % des theoretischen Wertes. Die Temperatur M
S der martensitischen Umwandlung lag bei 150°C. Die mittlere Korngrösse betrug 28 µ.
Ausführungsbeispiel IV:
[0025] Es wurde ein Vierkantstab aus einer Gedächtnislegierung folgender Endzusammensetzung
hergestellt:

[0026] Die Pulver A, B, C und D
* (100 % Titandioxyd) wurden wie folgt eingewogen und während 12 h unter Aethylalkohol
in einer Kugelmühle gemischt, gemahlen und mechanisch legiert:

[0027] Nach der Verflüchtigung des Aethylalkohols wurden 250 g dieser Pulvermischung in
einen Gummischlauch von 35 mm Innendurchmesser abgefüllt und bei einem Druck von 14
000 bar isostatisch zu einem Zylinder von 31 mm Durchmesser und 80 mm Höhe verpresst.
Der Grünling wurde im Wasserstoffstrom bei einer Temperatur von 920°C während 1 h
reduziert und vorgesintert und anschliessend im Argonstrom bei einer Temperatur von
950
0C während 20 h fertiggesintert. Der rohe Sinterkörper wurde auf einen Durchmesser
von 30 mm abgedreht, in den Rezipienten einer Strangpresse eingesetzt und bei einer
Temperatur von 780°C zu einem Vierkantstab quadratischen Querschnitts von 8 mm Kantenlänge
verpresst. Das Reduktionsverhältnis (Querschnittsabnahme) betrug dabei 11 : 1. Daraufhin
wurde der Stab bei einer Temperatur von 920°C während 30 min homogenisiert und anschliessend
in 2 Stichen auf einer Warmziehbank bei einer Temperatur von 750°C auf eine Kantenlänge
von 6 mm heruntergezogen. Nach der abschliessenden Glühung bei 900°C während 15 min
im Argonstrom wurde der Stab in Wasser abgeschreckt. Die Dichte der Matrix des fertigen
Stabes betrug 99,8 % des theoretischen Wertes. Die Umwandlungstemperatur M
S lag bei 170°C. Der mittlere Kristallitdurchmesser betrug 26 µ bei einer Vickershärte
(HV10) von 280 Einheiten.
Ausführungsbeispiel V:
[0028] Es wurde eine .runde Platte aus einer Gedächtnislegierung folgender Endzusammensetzung
hergestellt:

[0029] Als Ausgangsmaterialien wurden folgende Pulver verwendet:
Pulver A1: Nickel/Aluminium-Vorlegierung: 50 Gew.-% Ni; 50 Gew.-% Al, erschmolzen, atomisiert,
Korngrösse 44 - 100 µ.
Pulver B1: Reinnickel: 100 Gew.-% Ni. Korngrösse 44 µ. Mond-Nickel (z.B. Int. Nickel Co.).
Pulver C1: Yttriumoxyd: 100 Gew.-% Y203, Korngrösse < 1 u.
[0030] Folgende Einwaage wurde während 20 h unter Toluol im Attritor gemischt, gemahlen
und mechanisch legiert:

[0031] Nach der Entfernung des Toluols durch Trocknen wurden 1000 g dieser Pulvermischung
in einen Kunststoffschlauch von 66 mm Innendurchmesser abgefüllt und bei einem Druck
von 12 000 bar isostatisch zu einem Zylinder von 60 mm Durchmesser und 80 mm Höhe
zusammengepresst. Der Grünling wurde im Wasserstoff/Stickstoff-Strom bei einer Temperatur
von 1200°C während 1 h reduziert und vorgesintert und anschliessend im Argonstrom
bei einer Temperatur von 1250°C während 25 h fertiggesintert. Der rohe Sinterkörper
wurde auf einen Durchmesser von 58 mm abgedreht, in eine weichgeglühte Dose aus Weicheisen
von 64 mm Aussendurchmesser eingeführt und durch Aufsetzen des Deckels und Verlöten
in Argonatmosphäre vollständig eingekapselt. Das derart hergestellte Werkstück wurde
einer thermomechanischen Bearbeitung unter einer Warmpresse, unterbrochen von Homogenisierungsglühungen,
unterzogen. Durch abwechslungsweises Stauchen und Glühen bei 1200°C wurde die Höhe
des Zylinders sukzessive auf ca. 32 mm reduziert, wobei sich das Material bis auf
ca. 95 % der theoretischen Dichte verdichtete und nun einen dem Gesenk entsprechenden
Durchmesser von 70 mm aufwies. Nach einer zusätzlichen Homogenisierungsglühung bei
1230°C während 1 h wurde die vorgeformte kreisrunde Platte mit parallelen ebenen Stirnflächen
in ein in ihren Durchmessern abgesetztes Schmiedegesenk eingesetzt und in mehreren
Arbeitsgängen, welche durch Zwischenglühungen unterbrochen waren, bei Temperaturen
zwischen 1220°C und 1100°C auf die fertige Form heruntergeschmiedet. Die 20 mm dicke
Platte wies bei einem maximalen Aussendurchmesser von 90
mm auf der oberen Seite einen radialen Wulst von 5 x 5 mm und auf der unteren Seite eine
zentrale Ausnehmung von 20 mm Durchmesser und 5 mm axialer Tiefe auf. Nach einer abschliessenden
Glühung bei 1300°C während 15 min wurde die Platte in Wasser abgeschreckt. Die Dichte
der Matrix betrug 99,2 - 99,5 % des theoretischen Wertes. Die Temperatur MS der martensitischen
Umwandlung lag bei 130°C.
Ausführungsbeispiel VI:
[0032] Es wurde ein Blech aus einer Gedächtnislegierung folgender Endzusammensetzung hergestellt:

[0033] Als Ausgangsmaterialien wurden folgende Pulver verwendet:
Pulver A2: Nickel/Aluminium-Vorlegierung: 50 Gew.-% Ni; 50 Gew.-% Al, erschmolzen, atomisiert
Korngrösse 44 - 100 µ.
Pulver B2: Reinaluminium: 100 Gew.-% Al, Korngrösse 44 µ Hersteller Alcoa
Pulver C2: Nickel/Kobalt-Vormischung: 98,03 Gew.-% Ni; 1,97 Gew.-% Co; Korngrösse < 44 µ.
Pulver D2: Titandioxyd: 100 Gew.-% TiO2, Korngrösse < 1 µ
[0034] Folgende Einwaage wurde während 25 h unter Aethylalkohol in einer Kugelmühle gemischt,
gemahlen und mechanisch legiert:

[0035] Nach der Verflüchtigung des Aethylalkohols wurden 2000 g dieser Pulvermischung in
einen Kunststoffschlauch von 66 mm Innendurchmesser abgefüllt und bei einem Druck
von 12 000 bar isostatisch zu einem Zylinder von 60 mm Durchmesser und 160 mm Höhe
zusammengepresst. Der Grünling wurde im Wasserstoff/Stickstoff-Strom bei einer Temperatur
von 1180°C während 1 h reduziert und vorgesintert und anschliessend im Argonstrom
bei einer Temperatur von 1220°C während 25 h fertiggesintert. Der rohe Sinterkörper
wurde auf einen Durchmesser von 58 mm abgedreht, in ein weichgeglühtes Rohr aus korrosionsbeständigem
Stahl von 64 mm Aussendurchmesser eingeführt und durch Aufsetzen von Deckeln und Verlöten
in Argonatmosphäre vollständig eingekapselt. Das derart hergestellte Werkstück wurde
einer thermomechanischen Bearbeitung unter einer Warmpresse, unterbrochen von Homogenisierungsglühungen,
unterzogen. Durch abwechslungsweises Stauchen und Glühen bei 1180°C wurde die Höhe
des Zylinders sukzessive auf ca..64 mm reduziert, wobei sich das Material bis auf
ca. 95 % der theoretischen Dichte verdichtete und nun einen dem Rezipienten der Strangpresse
entsprechenden Durchmesser von 70 mm aufwies. Nach einer zusätzlichen Homogenisierungsglühung
bei 1200°C während 1 h wurde der vorgeformte kreisrunde Körper in eine Strangpresse
eingesetzt und bei einer Temperatur von 1250°C zu einem Flachstab rechteckigen Querschnitts
von 10 x 50 mm verpresst. Das Reduktionsverhältnis (Querschnittsabnahme) betrug dabei
7,8 : 1. Daraufhin wurde der Stab bei einer Temperatur von 1300°C während 30 min homogenisiert
und anschliessend ein Stück von 250 mm Länge herausgeschnitten. Dieses Stück wurde
in mehreren aufeinanderfolgenden Warmwalzoperationen mit entsprechenden Zwischenglühungen
bei jeweils 1250 bis 1150°C zu einem Blech von 2 mm Dicke heruntergewalzt. Je 2 Stiche
Querwalzen mit je 20 % Querschnittsabnahme wurden durch je 1 Stich Längswalzen mit
5 % Querschnittsabnahme (Stich zum Richten des Bleches) unterbrochen. Auf je zwei
Quer- und einen Längsstich kam eine Zwischenglühung von 15 min. Nach einer abschliessenden
Glühung bei 1320°C während 10 min wurde das Blech in Wasser abgeschreckt. Die Dichte
der Matrix des fertigen Bleches betrug 99,8 %. Die Temperatur M
S der martensitischen Umwandlung lag bei 200°C.
[0036] Die nach den vorgenannten Verfahren hergestellten erfindungsgemässen Dispersions-Gedächtnislegierungen
weisen ein feinkörniges Gefüge mit einem Kristallitdurchmesser von höchstens 100 µ
auf. Im allgemeinen lässt sich - je nach Wahl der Ausgangspulver - ein mittlerer Kristallitdurchmesser
von 30 µ und weniger erzielen. Die Erfindung ist nicht auf die in den Beispielen angegebenen
Kenngrössen beschränkt. Ganz allgemein können die Pulverzusammensetzungen und Mischungen
derart variiert und substituiert werden, dass die folgenden Werkstoffgrenzen für die
metallische Matrix erreicht werden:

[0037] Im System Cu/Al/Ni wirkt sich die Substitution des Nickels durch Eisen im Bereich
von 2 ÷ 3 % kaum auf die Höhe der Umwandlungstemperatur aus, während in darüber liegenden
Bereichen M
S merklich erhöht wird. Durch die Substitution des Nickels durch Mangan wird M
S im ganzen Bereich deutlich erniedrigt (für sonst gleiche Gehalte an Aluminium von
ca. 11 bis 14 %). In allen Systemen (sowohl im Originalsystem Cu/Al/Ni wie in den
substituierten Systemen) zeigt M
S eine ausgesprochen starke Abhängigkeit vcm Aluminium, dergestalt, dass mit steigendem
Aluminiumgehalt M
s sinkt. Es ergibt sich also ein sehr weiter Spielraum für den Punkt der martensitischen
Umwandlung, welcher von - 200°C bis + 300°C reichen kann. Dank der Möglichkeit, in
diesen Legierungen sowohl den Einweg- wie den Zweiweg-Gedächtniseffekt zu induzieren,
ergeben sich zusammen mit der grossen Variationsbreite der Temperatur M
S und den ausgezeichneten mechanischen Eigenschaften weite Anwendungsgebiete, die sich
von der Temperaturkontrolle über thermomechanische Energiewandler bis zum Ueberstromschutz
elektrischer Anlagen erstrecken.
1. Gedächtnislegierung auf der Basis eines kupferreichen oder nickelreichen Mischkristalls,
welcher als β-Phase vorliegt, dadurch gekennzeichnet, dass sie pulvermetallurgisch
aus Vorlegierungen und Vormischungen hergestellt ist, dass sie ein feinkörniges Gefüge
mit einem Kristallitdurchmesser von höchstens 100 p besitzt und dass in der durch
die β-Phase gebildeten Matrix mindestens ein Metalloxyd als feinverteiltes Dispersoid
vorhanden ist.
2. Gedächtnislegierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Dispersoid
ein Aluminiumoxyd enthält.
3. Gedächtnislegierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Dispersoid
ein Yttriumoxyd und/oder ein Titanoxyd enthält.
4. Gedächtnislegierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Gehalt an
Metalloxyd-Dispersoid 0,5 bis 2 Gew.-% der Gesamtmasse der Legierung ausmacht.
5. Gedächtnislegierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der mittlere
Durchmesser der Dispersoid-Partikel 10 Å bis 1 µ beträgt.
6. Gedächtnislegierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ihre durch die
β-Phase gebildete Matrix aus 10,5 bis 15 Gew.-% Aluminium, 0 bis 6 Gew.-% Nickel,
Rest Kupfer besteht.
7. Gedächtnislegierung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Nickel teilweise
oder ganz durch mindestens eines der Elemente Mangan, Eisen, Kobalt ersetzt ist.
8. Gedächtnislegierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ihre durch die
ß-Phase gebildete Matrix aus 17 bis 26 Gew.-% Aluminium, Rest Nickel plus Kobalt besteht.
9. Gedächtnislegierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ihr Gefüge einen
mittleren Kristallitdurchmesser von 30 µ besitzt, welcher auch nach beliebig langer
Glühzeit bei einer Temperatur bis zu 950°C erhalten bleibt.
10. Gedächtnislegierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sie sowohl einen
Einweg- wie einen Zweiweg-Gedächtniseffekt aufweist und dass ihr Punkt MS der martensitischen Umwandlung im Temperaturbereich von - 200 bis + 300°C liegt.