[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb einer Pumpe mit einer Hilfs- oder
Betriebsflüssigkeit im Arbeitsraum, insbesondere einer Flüssigkeitsringpumpe, zum
Ansaugen eines gasförmigen Mediums, das Betriebsflüssigkeit in Dampfform enthalten
kann.
[0002] Der minimal erreichbare Ansaugdruck wird bei Pumpen, die mit einer Betriebsflüssigkeit
bzw. Hilfsflüssigkeit arbeiten, durch den Dampfdruck der Betriebsflüssigkeit bei der
Betriebstemperatur bestimmt. Ein niedrigerer
-Ansaugdruck ist nach bisheriger Kenntnis nicht erreichbar, weil die Betriebsflüssigkeit
bei diesem Druck verdampft. Nähert sich der Ansaugdruck dem Dampfdruck der Betriebsflüssigkeit,
geht das angesaugte Gasvolumen steil zurück.
[0003] Diese Erscheinung wird besonders nachteilig verspürt bei dem Einsatz von Flüssigkeitsringpumpen
für die Absaugung von Gasen, die Dämpfe von niedriger als Wasser siedenden Lösungsmitteln
enthalten. Zwar erlaubt die Verwendung von Wasser als Betriebsflüssigkeit die Erreichung
verhältnismäßig niedriger Ansaugdrücke, bzw. bei niedrigen Drücken bei mäßiger Pumpengröße
die Erreichung befriedigender Ansaugvolumina; jedoch muß das in der Pumpe sich niederschlagende
Lösungsmittel später aufwendig vom Wasser getrennt werden, bevor es wieder verwendet
werden kann bzw. das Wasser in die Kanalisation abgelassen werden kann. Demgegenüber
hat man bei Verwendung des Lösungsmittels als Betriebsflüssigkeit der Pumpe den Vorteil,
daß die in der Pumpe niedergeschlagenen Dämpfe unmittelbar zurückgewonnen werden;
jedoch müssen für die Arbeit bei niedrigen Drücken größere Pumpen eingesetzt werden
wegen des höher liegenden Dampfdrucks bei Betriebstemperatur bzw. es muß ein höherer
Kühlaufwand zur Erreichung niedriger Drücke getrieben werden.
[0004] Die Erfindung beruht auf der überraschenden Erkenntnis, daß die bisherige Ansicht,
daB der mit einer Pumpe der eingangs genannten Art erreichbare Ansaugdruck der Betriebsflüssigkeit
unrichtig ist, nämlich dann, wenn das angesaugte Medium einen unterhalb der Temperatur
der Betriebsflüssigkeit liegenden Taupunkt aufweist.
[0005] Daraus leitet sich die erfindungsgemäß gegebene technische Lehre ab, eine Pumpe der
eingangs genannten Art so zu betreiben, daß der Ansaugdruck des Mediums niedriger
ist als der Dampfdruck der Betriebsflüssigkeit bei Eintritt in die Pumpe, und daß
das Medium mit einem unter der Temperatur der Betriebsflüssigkeit liegenden Taupunkt,
bezogen auf den Dampfanteil an Betriebsflüssigkeit im Medium und den Druck am Pumpeneintritt,
zugeführt wird.
[0006] Wenngleich eine wissenschaftlich abgesicherte Erklärung noch aussteht, vermutet man
die-Gründe für die Wirkung der Erfindung darin, daß der Stoffaustausch des in die
Pumpe eintretenden Mediums mit der Flüssigkeitsoberfläche zu einer beträchtlichen
Abkühlung der Flüssigkeit führt. Dadurch wird der Dampfdruck der Betriebsflüssigkeit
im Ansäugereich gesenkt. Bei Flüssigkeitsringpumpen mag auch der Umstand eine Rolle
spielen, daß der Druck innerhalb der Flüssigkeit mit dem radial nach außen gerichteten
Abstand von der Flüssigkeitsoberfläche zunimmt. Jedoch würde dies alleine nicht erklären,
warum die Flüssigkeit nicht in der unterhalb der unmittelbar gekühlten Oberflächenschicht
liegenden, ungekühlten Schicht, die von der Druckerhöhung aufgrund ihres radialen
Abstands von der Oberfläche praktisch noch nicht betroffen ist, nicht ausdampft. -
Von besonders großer Bedeutung wird in diesem Zusammenhang die Tatsache sein, daß
alle Vorgänge innerhalb der Ansaugzelle sich mit unvorstellbarer Geschwindigkeit abspielen.
[0007] Der Taupunkt ist diejenige Temperatur eines Gas/Dampfgemisches, bei dem für ein gegebenes
Gewichtsverhältnis der Gas- und Dampfmenge die relative Feuchte 100 % beträgt, d.h.
Sättigung erreicht ist. Die Bedingung, daß das Medium mit einem Taupunkt zugeführt
wird, der unter der Temperatur der Betriebsflüssigkeit bei deren Eintritt in die Pumpe
liegt, bedeutet mit anderen Worten, daß das zugeführte Medium bei der Temperatur der
zugeführten Betriebsflüssigkeit ungesättigt ist und somit im Stoffaustausch mit der
im Saugraum und/oder in der Ansaugzelle der Pumpe befindlichen Betriebsflüssigkeit
noch Dampf dieser Betriebsflüssigkeit aufnehmen kann. Das Medium kann bei Eintritt
in die Pumpe sowohl höhere als auch niedrigere Temperatur haben als die zugeführte
Betriebsflüssigkeit. Die Temperatur des Mediums beim Eintritt in die Pumpe ist nicht
von großem Einfluß, weil die Abkühlung oder Aufwärmung der Flüssigkeit infolge von
Wärmeaustausch mit dem Gas eine wesentlich geringere Rolle spielt als die Abkühlung
der Flüssigkeitsoberfläche durch die Flüssigkeitsverdampfung. Dennoch ist es vorteilhaft,
wenn die Temperatur des Mediums beim Eintritt in die Ansaugzelle der Pumpe niedriger
als die der Betriebsflüssigkeit ist.
[0008] Es ist ferner vorteilhaft, wenn das Medium vor dem Eintritt in die Pumpe gekühlt
wird. Dies ist eine Bedingung, die beim Ansaugen von mit Lösungsmittel angereicherter
Luft im allgemeinen erfüllbar sein wird, weil man das Medium zur Rückgewinnung des
Lösungsmittels im allgemeinen durch einen Kondensator führen wird.
[0009] Es ist erwünscht, daß die Flüssigkeit im Saugbereich der Pumpe eine möglichst starke
Dampfdruckabsenkung erleidet. Vorteilhaft ist es hierfür - wenn man von einer bestimmten
Temperaturabsenkung der Flüssigkeit ausgeht - eine steile Dampfdruckkurve, d.h. eine
große Dampfdruckänderung bei geringer Temperaturänderung.
[0010] Für eine gegebene Gasfeuchte ist aber auch die Temperaturabsenkung der Flüssigkeit
von Stoffkonstanten der Flüssigkeit abhängig. Beispielsweise ergibt eine hohe Verdämpfungswärme
- eine bestimmte Verdampfungsmenge vorausgesetzt - eine hohe Temperaturabsenkung.
[0011] Es ist auch bekannt, daß noch andere Flüssigkeitseigenschaften für den Stoffübergang
und die sich daraus ableitenden Temperaturverhältnisse von Bedeutung sind (vgl. Krischer-Kast:
Trocknungstechnik, 3. Aufl., insb. Abschnitt 5.10.6.). Es ist daher ohne weiteres
anhand der in der Literatur angegebenen Erfahrungswerte und aufgrund von Experimenten
möglich, besonders geeignete Betriebsflüssigkeiten herauszufinden bzw. ein Lösungsmittel
auszusuchen, das sich besonders gut als Betriebsflüssigkeit in der nachgeschalteten
Pumpe eignet.
[0012] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung kann vorgesehen sein, daß die im Ausgangsbereich,
insb. auch die in der Ausgangszelle der Pumpe befindliche Betriebsflüssigkeit durch
Frischflüssigkeitszufuhr gekühlt wird. Beispielsweise kann auchgezielt im Bereich
des Saugraums oder der Ansaugzelle Frischflüssigkeit in die Pumpe eingeführt werden,
wobei es nach den obigen Ausführungen zweckmäßig ist, die Frischflüssigkeit dort zuzuführen,
wo sie die Temperatur der Flüssigkeit in besonders hohem Maße beeinflußt.
[0013] Es kann vorteilhaft sein, nur einen Teilstrom der zugeführten Betriebsflüssigkeit
der Pumpensaugseite entsprechend tief heruntergekühlt zuzuführen, während der andere,
weniger stark oder nicht gekühlte Teilstrom einem anderen Bereich der Pumpe zugeführt
wird. Dies kann insbesondere bei mehrstufigen Pumpen von Bedeutung sein, weil in der
ersten Stufe entsprechend dem geringeren Ansaugdruck eine tiefere Betriebsflüssigkeitstemperatur
verlangt wird als in den folgenden Stufen.
Beispiel:
[0014] Mit einer Flüssigkeitsringpumpe Fabrikat SIHI Typ LPHE 45316 und Aceton als Betriebsflüssigkeit
wurden die Kennlinien bei Ansaugung eines Luft/Aceton-Gemischs aufgenommen. Die Luft
wurde der Atmosphäre ungetrocknet entnommen, und vor der Zuführung zur Pumpe in unterschiedlichem
Maße (unterschiedlicher Taupunkt) mit Aceton angereichert. In der ersten Versuchsreihe
betrug die Temperatur, mit der die Betriebsflüssigkeit der Pumpe zugeführt wurde,
30° C, wobei das Luft/Aceton-Gemisch mit Taupunkten von 30°, 20°, 10°, 0° und -10°
sowie acetonfrei zugeführt wurde. In einer zweiten Versuchsreihe betrug die Betriebstemperatur
der Flüssigkeit 0° C und es wurde das Luft/Aceton-Gemisch mit einem Taupunkt von 0°
C bzw. acetonfrei zugeführt. Die Ergebnisse sind in dem anliegenden Diagramm dargestellt,
das das angesaugte Luftvolumen nach Kondensation des gesamten Aceton-Dampfanteils
in Nm
3/h über dem Ansaugdruck darstellt. Die durchgezogenen Linien gelten für eine Betriebsflüssigkeitstemperatur
von 30° C; die gestrichelten für eine Betriebsflüssigkeitstemperatur von 0° C.
[0015] Man entnimmt dem Diagramm folgendes.
[0016] Die 30°C-Kurve gilt für die Ansaugung von Gas mit dem Taupunkt von 30° C, das also
bei 30° C gesättigt ist und für eine Betriebsflüssigkeitstemperatur von ebenfalls
30° C.
[0017] Da das Gas bei dieser Temperatur keine weitere Betriebsflüssigkeit aufnehmen kann,
ändert es die Verhältnisse im Ansaugbereich der Pumpe nicht. In Übereinstimmung mit
allen bisherigen Erfahrungen strebt die Kurve der Abszisse daher beim Dampfdruck des
Acetons bei 30° C, etwa 370 mbar, u. Einen ähnlichen Verlauf zeigt die gestrichelte
0°C-Kurve, die für die Ansaugung von Gas mit einem Taupunkt von 0° C bei einer Betriebsflüssigkeitstemperatur
von ebenfalls 0° C gilt. Auch in diesem Fall kann das Gas wegen seines Sättigungszustandes
die Temperaturverhältnisse im Ansaugbereich der Pumpe nicht ändern. Die Pumpe strebt
der Abszisse daher beim Dampfdruck P
D,O zu.
[0018] Die Kurven für unterhalb der Betriebsflüssigkeitstemperatur liegende Taupunkte des
Gases verlaufen hingegen links von den für gesättigtes Gas geltenden Kurven bei wesentlich
geringeren Ansaugdrücken. Man erkennt, daB die Ansaugdrücke bei Verwendung trockneren
Gases ganz erheblich gesenkt werden, nämlich bei Ansaugung reiner Luft auf etwa den
halben Wert des Dampfdrucks der Betriebsflüssigkeit bei 30° C.
[0019] Die Kurven für die Ansaugung von Gas mit gegenüber der Betriebsflüssigkeit erniedrigten
Taupunkten verlaufen gekrümmt. Dies ist so zu deuten, daß die Kurven bei gegen Null
gehendem Fördervolumen, wenn also in der Ansaugzelle mangels angesaugten Gases kein
Kühleffekt vorhanden ist, dem Dampfdruck des Acetons auf der Abszisse anzustreben,
wie dies strichpunktiert für die Kurve acetonfreier Luft angedeutet ist.
[0020] Die Erfindung ist von großer praktischer Bedeutung, weil sie eine wesentlich sparsamere
Dimensionierung der mit Lösungsmittel als Betriebsflüssigkeit betriebenen Flüssigkeitsringpumpen
gestattet. Der Taupunkt, mit dem das Gas der Pumpe zugeführt wird, läßt sich durch
die Auswahl der Temperatur des vorgeschalteten Kondensators leicht bestimmen. Ein
Kostenoptimum erzielt man daher durch eine optimierte gegenseitige Abstimmung von
Pumpe und Kondensator.
[0021] Außer Aceton wurden gute Ergebnisse unter Verwendung von Äthanol, Methanol, Isobutanol,
Trichloräthan und Methyltertier-Butyläther erzielt.
1. Verfahren zum Betrieb einer Pumpe mit einer Hilfs- oder Betriebsflüssigkeit im
Arbeitsraum, insbesondere einer Flüssigkeitsringpumpe, zum Ansaugen eines gasförmigen
Mediums, das Betriebsflüssigkeit in Dampfform enthalten kann, dadurch gekennzeichnet,
daß der Ansaugdruck des Mediums niedriger ist als der Dampfdruck der Betriebsflüssigkeit
bei Eintritt in die Pumpe, und daß das Medium mit einem unter der Temperatur der Betriebsflüssigkeit
liegenden Taupunkt, bezogen auf den Dampfanteil an Betriebsflüssigkeit im Medium und
den Druck am Pumpeneintritt, zugeführt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Temperatur des Mediums
niedriger als die der Betriebsflüssigkeit bei Eintritt in die Pumpe ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Medium vor dem
Eintritt in die Pumpe gekühlt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß eine Betriebsflüssigkeit
mit großer Dampfdruckänderung bei geringer Temperaturänderung verwendet wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß eine Betriebsflüssigkeit
mit hoher Verdampfungswärme verwendet wird.
6. Verfahren insbesondere nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
daß die in der Ansaugzelle der Pumpe befindliche Betriebsflüssigkeit durch Frischflüssigkeitszufuhr
gekühlt wird.
7. Verfahren insbesondere nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet,
daß nur ein Teilstrom der zugeführten Betriebsflüssigkeit der Pumpensaugseite zugeführt
und auch nur dieser Teilstrom vor Eintritt in die Pumpe entsprechend tief heruntergekühlt
wird.