[0001] Die Erfindung betrifft eine elektrolytische Zelle, worin eine Anzahl paralleler Anoden
und Kathoden in engem Abstand und miteinander zugewandten Flächen angeordnet ist.
[0002] Die Elektrolyse von Alkalichloridlösungen oder sauren Alkalisulfatlösungen zur Herstellung
von Alkalichloraten bzw. Alkalipersulfaten erfolgt üblicherweise in Elektrolysezellen,
deren Kathoden aus Stahl und deren Anoden aus Titan bestehen, wobei eine aktivierende
Beschichtung der Anoden mit z. B. Mischoxiden der Platinmetalle üblich ist. In solchen
Fällen der Elektrolyse von Alkalichloridlösungen zur Herstellung von Alkalichlorat
dient der Anodenwerkstoff Titan dem Stromtransport, während die aktivierende Beschichtung
der Herabsetzung der Abscheidungsspannung des Chlors dient, was einer Energieeinsparung
gleichkommt. Die Dimensionierung des Anodenmaterials hängt nicht nur von der Stromdichte
(kA/m
2) ab, sondern auch von der Entfernung, über die der Strom in den Anoden selbst zu
transportieren ist. Um eine gleichmäßige Stromverteilung über die Anoden zu erreichen,
muß der Spannungsabfall in den Anoden im Vergleich zum Spannungsabfall im Elektrolyten
klein gehalten werden. Hieraus resultiert die Notwendigkeit relativ großer Querschnitte
des Anodenmaterials.
[0003] Es ist bekannt, Titananoden an den senkrechten Gehäusewänden der Elektrolysezelle
anzuschließen, wobei der Gesamtstrom gleichmäßig auf die einzelnen Elektrodenbleche
verteilt und über die Zellenbreite transportiert wird.
[0004] Beim Anschluß der Anoden an die Zellenwände werden üblicherweise abgekantete Anoden
mittels Schraub- oder Schweißverbindungen auf den Zellenwänden befestigt. Aus DE-AS
26 45 121 ist es bekannt, die Stromversorgung der Anoden mit einer mittigen Stromzufuhr
vorzunehmen und einen Stromversorgungsbolzen an der senkrechten Mittellinie der Anoden
als sogenannte Mittelelektrode vorzusehen. Hierdurch wird die Weglänge für den zu
transportierenden Strom halbiert, so daß die Materialstärke der Anoden erheblich vermindert
oder halbiert werden kann. Neben diesem Vorteil sowie auch der zweckmäßigen kompakten
Bauweise bringt die vorbekannte Anordnung jedoch noch erhebliche Erschwernisse hinsichtlich
der Montage des Anodenpakets mit sich. Auch ist der Stromübergang vom Kupferbolzen
über das Innengewinde der Gewindehülse sowie das Außengewinde der Hülse auf die Gewinderinge
mit Verlusten verbunden. Die auf stromzuführende Gewindehülsen jeweils einzeln lose
aufgeschobenen Anodenplatten werden mittels einzelner, auch als Abstandhalter wirkender
Gewinderinge fixiert und über eine Preßverbindung der Kontakt herbeigeführt. Dieser
Vorgang wird bis zum Erreichen der gewünschten Anzahl von Anodenplatten wiederholt.
Bei dieser Methode ist es besonders aufwendig, daß sowohl die Kontaktflächen der Anoden
als auch die Gegenkontaktflächen der Gewinderinge sowie die Gewindehülsen der Stromzuführungsbolzen
platiniert werden müssen, um einen dauerhaften niedrigen Spannungsabfall an den Kontakt-
übergängen zu gewährleisten. Die stromzuführenden Gewindehülsen können nach einer
weiteren Ausführungsform der vorbekannten Elektrolysezelle auch ringförmige Erhebungen
derselben Stärke wie die Anodenplatten aufweisen. Dabei ist der Durchmesser des Ringes
nur wenig größer als der Außendurchmesser der Gewindehülse und nur wenig kleiner als
die Aussparung im Anodenblech, so daß ein nahzu bündiger Übergang zwischen Ring und
Anodenplatte besteht, der durch eine Schweißverbindung fixiert wird.
[0005] Es ist Aufgabe der Erfindung, die vorgenannten Nachteile zu beseitigen und eine einfach
und in wirtschaftlicher Weise zu montierende Anodenanordnung für Elektrolysezellen
zu schaffen.
[0006] Hierzu geht die Erfindung aus von einer Elektrolyseeinrichtung mit vom Elektrolyten
durchströmten Zellenräumen, in denen Anoden als Plattenpakete über stromzuführende
Mittelbolzen zwischen jeweils zwei Kathodenplattenpaketen angeordnet sind und wobei
die gegeneinander versetzten Elektrodenplatten jeweils in die gegenpoligen Plattenspalten
hineinragen. Bei einer Elektrolyseeinrichtung der genannten Art besteht die Erfindung
darin, daß der Mittelbolzen in seiner Längsrichtung gegeneinander versetzte Kontaktlaschen
für die Befestigung der Anodenplatten aufweist.
[0007] Die Kontaktlaschen, einer Größe von beispielsweise 20 x 10 x 10 mm, sind auf dem
Titanmantel des Mittelbolzens in dessen Längsrichtung in einem Winkel von mindestens
90° und zweckmäßig etwa 180° gegeneinander versetzt angebracht, insbesondere angeschweißt.
Um die Anodenplatten in einfachster und in leicht austauschbarer Weise an den Kontaktlaschen
zu befestigen, weisen diese mindestens eine Öffnung auf. Die Öffnung bzw. die Öffnungen
sind zweckmäßig Rundlöcher, insbesondere sind die Löcher als Bohrungen mit Innengewinde
ausgebildet. Entsprechend diesen Öffnungen bzw. Bohrungen weisen die an den Kontaktlaschen
anzubringenden Anodenplatten entsprechende Öffnungen auf, so daß die innige Verbindung
der Anodenplatte mit den Kontaktlaschen beispielsweise über Verschraubung leicht ermöglicht
wird. So besitzt beispielsweise bei einer sogenannten Vierbolzenzelle jede Anodenplatte
beispielsweise mindestens vier Bohrungen, um sie über die mindestens vier Bohrungen
der jeweiligen vier, in einer senkrechten Ebene übereinanderliegenden Kontaktlaschen
der vier Bolzen, zu befestigen bzw. zu verschrauben.
[0008] Die einzelnen Anodenplatten sind rechteckig und besitzen auf der senkrechten Mittellinie
mindestens eine und z. B. im Falle der Vierbolzenzelle, vier Aussparungen. Diese Aussparungen
sind als Langlöcher ausgebildet, wobei der lange'-Durchmesser beispielsweise in der
senkrechten Mittellinie der Anodenplatte verläuft und mindestens der Höhe der Kontaktlaschen
entspricht, während der kurze Durchmesser mindestens den Durchmesser des ummantelten
Mittelbolzens aufweist. Im Falle der Vierbolzenzelle sind somit die einzelnen Anodenplatten
an vier, die Langlöcher durchdringenden Bolzen über vier Kontaktlaschen äquidistant,
untereinander parallel und senkrecht zu den Längsachsen der Bolzen befestigt, wodurch
ein kompaktes Anodenpaket aufgebaut ist. Entsprechend sind auch die Kathodenpakete
aus einzelnen Kathodenplatten aufgebaut, indem diese senkrecht auf einer Seite einer
Trägerplatte äquidistant und untereinander parallel befestigt sind. Die Trägerplatten
stellen gleichzeitig die Seitenwände des Elektrolysezellengehäuses dar. Sie sind mit
den übrigen Teilen des Zellengehäuses flüssigkeitsdicht, aber elektrisch isoliert
verbunden. An den Außenseiten der Trägerplatten sind die Stromzuleitungen befestigt.
Alle übrigen Teile des Zellengehäuses stehen mit der Anode in elektrischer Verbindung.
[0009] Während sämtliche Kathodenteile aus Stahl bestehen, ist der Werkstoff für sämtliche,
mit dem Elektrolyten in Kontakt stehenden Anodenteile, insbesondere auch die Kontaktlaschen
der vorliegenden Erfindung, Titanmetall. Die dem Stromübergang dienenden Flächen an
den Kontaktlaschen und an den Anoden sind mit einer gut leitenden Platinbeschichtung
versehen. Die übrigen Flächen der Anodenplatten sind ein- bzw. beidseitig mit einem
üblichen Aktivierungsauftrag beschichtet, d.h. die wirksame Oberfläche trägt eine
Beschichtung aus Mischoxiden der Platinmetalle, wie insbebesondere Ruthenium- und
Rhodiumoxid.
[0010] Der Stromzuführungsbolzen ist ein Verbundwerkstoff aus einem Kupferkern mit einem
aufgezogenen Mantel aus Titan. Der ummantelte Kupferkern ist an dem einen, der Befestigung
an der Gehäuseinnenwand über einen Ringflansch dienenden Ende, mit einem lösbaren
Gewinde ausgestattet. In dieses Gewinde wird durch eine entsprechende Aussparung in
der Trägerwand ein Schraubkörper aus Kupfer mit seinem Gewindeteil eingeschraubt.
Das freie Ende des Schraubkörpers ist über eine Stromzuführung mit dem positiven Pol
einer Spannungsquelle verbunden. Die Montage des Anodenpakets erfolgt in der Weise,
daß die Anodenplatten mittels der ausgesparten Langlöcher über die Mittelbolzen sowie
die versetzt angebrachten Kontaktlaschen durch hin-und hergehende Bewegung geführt
und nach Erreichen der entsprechenden Befestigungsposition mit den Kontaktlaschen
verschraubt werden. Nach Verschraubung erfolgt der Einbau der weiteren Platten in
gleicher Weise, bis die gewünschte Anzahl Anodenplatten aufgereiht und verbunden ist.
[0011] Bei der Montage der Elektrolysezelle, die in vertikaler Richtung vom Elektrolyten
durchströmt wird, wird zunächst das Mittelanodenpaket auf einem Tragrost befestigt.
Dann werden die Kathoden an den abgenommenen Seitenwänden des Zellengehäuses befestigt.
Zuletzt werden die Kathoden zusammen mit den Seitenwänden als Pakete in waagrechter
Richtung so eingeschoben, daß Anode und Kathode sich in der Zelle jeweils gegenüberliegen.
[0012] Die erfindungsgemäße Elektrolyseeinrichtung läßt sich mit Vorteil in solchen Elektrolyseverfahren
einsetzen, die der Herstellung von Alkalichlorat durch elektrolytische Zersetzung
von wäßrigen Alkalichloridlösungen dienen.
[0013] Die Vorteile der Erfindung sind darin zu sehen, daß mit der erfindungsgemäßen Anodenanordnung
gegenüber bekannten Schweiß- und Anpreßvorrichtungen von Anodenplatten an den Stromzuführungsträger,
eine ausgesprochen schnelle, sichere und wirtschaftliche Montage- wie auch Demontagemöglichkeit
der Anodenplatten gewährleistet ist, da die Anodenplatten lediglich durch einfache
Schraubverbindungen auf Kontaktlaschen des Mittelbolzens angebracht sind. Die leichte
Demontagemöglichkeit ist deswegen von erheblicher Bedeutung, weil die Anodenplatten
zur Reaktivierung bzw. Wiederbeschichtung in regelmäßigen Abständen der Zelle entnommen
werden müssen. Da ferner die Anodenplatten über relativ kleine Flächen an den Kontaktlaschen
befestigt-sind, wird eine erhebliche Einsparung an Platin für zu platinierende Kontaktflächen
erzielt. Des weiteren werden auch die Zahl der Stromübergangskontakte und damit die
Stromverluste möglichst klein gehalten.
[0014] In der Fig. 1 ist ein Mittelbolzen gemäß der Erfindung dargestellt. Der Mittelbolzen
ist aus dem Kupferkern 1 mit aufgezogenem Titanmantel 2 gebildet. Mit 3 sind auf dem
Titanmantel 2 aufgeschweißte Kontaktlaschen aus Titan bezeichnet. Die Kontaktlaschen
3 besitzen mindestens eine Bohrung 5, über welche die (nicht gezeichneten) Anodenplatten
mit der Kontaktlasche verschraubt werden. Mindestens die Kontaktfläche der Kontaktlasche
3 trägt eine Platinschicht 4. Mit 6 ist ein auf dem Titanmantel 2 aufgeschweißter
Ringflansch bezeichnet mit Bohrungen 5 für die Befestigung der Anodenplatte sowie
Bohrungen 7 für die Befestigung des Flansches an der Gehäuseinnenwand. 8 ist die Platinierungsschicht
des Flansches 6. In das Gewindeloch 9 des Kupferkerns 1 wird der Gewindeteil 10 des
Schraubkörpers 11 eingeschraubt.
1. Elektrolyseeinrichtung mit vom Elektrolyten durchströmten Zellenräumen, in denen
Anoden als Plattenpakete über stromzuführende Mittelbolzen zwischen jeweils zwei Kathodenplattenpaketen
angeordnet sind, und wobei die gegeneinander versetzten Elektrodenplatten jeweils
in die gegenpoligen Plattenspalten hineinragen, dadurch gekennzeichnet, daß der Mittelbolzen
in dessen Längsrichtung gegeneinander versetzte Kontaktlaschen für die Befestigung
der Anodenplatten aufweist.
2. Elektrolyseeinrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Kontaktlaschen
in einem Winkel von etwa 180° gegeneinander versetzt angebracht sind.
3. Elektrolyseeinrichtung nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß
die Kontaktlaschen je mindestens eine Öffnung, vorzugsweise Bohrung mit Innengewinde
aufweisen.
4. Elektrolyseeinrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß
der Mittelbolzen aus einem Kern aus hochleitfähigem Kupfer mit einem aufgezogenen
Mantel aus Titan besteht.
5. Elektrolyseeinrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß
die Kontaktlaschen aus platiniertem Titan bestehen.
6. Verwendung der Elektrolyseeinrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 5 in Verfahren
zur Herstellung von Alkalichlorat durch elektrolytische Zersetzung wäßriger Alkalichloridlösungen.