[0001] Gegenstand der Erfindung ist Verfahren und Vorrichtung zur Dämpfung von Bauwerken
gegenüber Erschütterungen, insbesondere Erdbeben, Verkehrserschütterungen und Trittschall.
[0002] Während sich zur Dämpfung von Maschinenschwingungen weitgehend sekundäre Dämpfungsmittel
durchgesetzt haben, sind im Bauwesen derartige Möglichkeiten unbekannt. Eine Ausnahme
bilden lediglich die bei Stahlarmierungen vorgesehenen Fließgelenke, wo es zu plastischen
Verformungen des umgebenden Betons kommt. Die dadurch verursachte Dämpfung wird bei
der Dimensionierung von erdbebensicheren Bauten eingeplant. Diese Dämpfung setzt jedoch
erst bei relativ großen Belastungen ein und hat irreversible Verformungen zur Folge.
Unterhalb dieser Belastungsgrenze wirkt lediglich die relativ geringe Eigendämpfung
der Baustoffe.
[0003] Aufgabe der Erfindung ist Verfahren und Vorrichtung zur Erhöhung der Dämpfung von
Bauwerken. Damit wird einmal die Erdbebensicherheit erhöht, als auch Bauwerkschwingungen
durch Maschinen, Verkehrserschütterungen und Trittschall herabgesetzt.
[0004] Die Aufgabe der Erfindung wird durch bedämpfte Stahleinlagen in Beton erreicht. Die
Dämpfungseinlagen sind in Segmente der Länge e unterteilt (Fig. 1). Im Optimum besteht
dabei zwischen Segmentlänge ℓ, dem Querschnitt F, dem Umfang U und dem
[0005] Elastizitätsmodul E der Stahlsegmente und der Dicke d und dem Schubmodul G des Dämpfungsmaterials
die Berechnung:

[0006] Im weiteren ist ein Dämpfungsstoff mit möglichst rein plastischem Verhalten G = i
G" vorausgesetzt. Diese Eigenschaften erfüllen Stoffe mit Newton'schen Reibungseigenschaften,
wie Hochpolymere, Teere oder auch Festkörperschmierstoffe, z. B. Graphit.
[0007] Nach einem weiteren Merkmal der Erfindung werden die Dämpfungseinlagen nicht vollständig
durchgetrennt, sondern erhalten im Abstand j
ß Einschnitte, Kerbungen oder Bögen. Derartige Eingriffe bewirken eine Herabsetzung
der Federsteifigkeit, so daß bei Schwingungsbelastung der Kraftfluß nicht innerhalb
der Stahleinlage verläuft, sondern über die Dämpfungsschicht von einem Segmentteil
zum anderen übertragen wird.
[0008] Nach einem weiteren Merkmal der Erfindung wird konventioneller Baustahl mit einem
dämpfenden Kunststoffmantel umgeben. Bei einer Schwingungsbewegung kommt es zu plastischen
Verformungen im Kunststoffmantel und dadurch zu einer Dämpfung von Bauwerkerschütterungen.
[0009] Der Erfindungsgegenstand ist in einigen Ausführungsbeispielen detaillierter dargestellt.
Es zeigen:
Fig. 1 Dämpfungseinlage mit Stahlsegmenten,
Fig. 2 Dämpfungseinlage mit teilweise unterbrochenen Stahlsegmenten,
Fig. 3 Dämpfungseinlage mit bogenförmigen Unterbrechungen des Kraftflusses,
Fig. 4 Dämpfungseinlage mit bogenförmigen Kraftflußunterbrechern (ohne Schutzmantel),
Fig. 5 Dämpfungseinlage mit konischen Stahlsegmenten,
Fig. 6 Dämpfungseinlage mit konischen Stahlsegmenten (ohne Schutzmantel) ,
Fig. 7 Dämpfungseinlage mit ummanteltem Baustahl,
Fig. 8 Dämpfungseinlage aus Baustahl ohne Schutzmantelung,
Fig. 9 a (b) Draufsicht (Querschnitt) durch plattenförmige Dämpfungseinlage,
Fig. 10 Anordnung von Dämpfungseinlagen.
[0011] Bekanntlich ist dieser maßgebend für eine irreversible Vernichtung von Schwingungsenergie.
Gegenüber den im Maschinenbau üblichen organischen Antidröhnbelägen hat eine derartige
Dämpfungseinlage eine um 2 - 4 Zehnerpotenzen höhere Dämpfungswirkung.
[0012] Eine verbesserte Dämpfungswirkung bis zum maximal höchsten Wert E" = 1/2 E ergibt
sich, wenn nur die Enden der Stahlsegmente 1 mit Dämpfungsstoff 3 versehen sind.
[0013] Fig. 2 ist im wesentlichen analog zu Fig. 1. Hier besteht die Dämpfungseinlage aus
Stahlsegmenten 11, die nicht vollständig getrennt sind, sondern lediglich durch Einschnitte
14 eine verringerte Federkonstante gegenüber Zug aufweisen und ebenso eine Unterbrechung
des Kraftflusses bewirken. Im weiteren hat die Dämpfungseinlage eine Blechummantelung
12 mit Kröpfungen 15 und Dämpfungsstoff 13. Dieserist vorzugsweise an den Enden der
Stahlsegmente angebracht. Eine solche Anordnung ergibt den maximal möglichen Verlustmodul
E" = 1/2 E.
[0014] In Fig. 3 ist durch Bögen 24 eine Unterteilung in Stahlsegmente 21 erreicht. Diese
sind wieder von einem Dämpfungsbelag 23 und einem Blechmantel 22 mit Kröpfungen 25
umgeben.
[0015] Fig. 4 ist vergleichbar mit der Ausführung nach Fig. 3. Die Dämpfungseinlage ist
wieder durch Bögen 34, die eine herabgesetzte Federkonstante gegenüber Zugbelastung
aufweisen, in . einzelne Stahlsegmente 31 unterteilt. Die Stahlsegmente 31 sind mit
einem dämpfenden Kunststoff 33 umgeben. Wird die Dämpfungseinlage in Beton eingegossen,
so kommt es in der Dämpfungsschicht 33 zu plastischen Verformungen. Für die Dimensionierung
der Dämpfungsschicht 33 und Länge, Querschnitt und Elastizitätsmodul der Stahlsegmente
31 gelten analog die bei Fig. 1 angegebenen Formeln. Die Länge der Stahlsegmente 31
ist der Abstand zwischen den Bögen 34.
[0016] In Fig. 5 ist die Dämpfungseinlage durch konische Verjüngungen 44 in einzelne Stahlsegmente
41 unterteilt. Diese sind wieder mit einem dämpfenden Stoff 43 umgeben, während das
Ganze von einem Blechmantel 42 umschlossen ist. Die Dämpfungseinlage wird, vergleichbar
dem konventionellen Baustahl, in den Beton mit eingegossen. Um eine sichere Kraftübertragung
zu gewährleisten, ist der Blechmantel 42 mit Noppen 45 versehen.
[0017] Für die optimale Dimensionierung der Dämpfungseinlage gelten analoge Beziehungen
wie bei Fig. 1. Haben die Stahlsegmente 41 den Elastizitätsmodul E, die Länge 1 (von
Verjüngung zu Verjüngung) und den maximalen Radius R, und der Dämpfungsstoff 43 die
Dicke d und den Gleitmodul G, so ergibt sich mit den Einstellbedingungen



der maximal mögliche Verlustmodul E" = 1/2 E.
[0018] Fig. 6 unterscheidet sich von Fig. 5 durch Verzicht auf einen schützenden Blechmantel.
Durch Verjüngungen 54 ist die Dämpfungseinlage wieder in einzelne Stahlsegmente 51
unterteilt, die mit einem Dämpfungsstoff 53 umgeben sind. Die Dämpfungseinlage wird
direkt in Beton eingegossen.
[0019] In Fig. 7 besteht die Dämpfungseinlage aus einem konventionellen, durchgehenden Baustahlstab
61.,Dieser ist von einem Dämpfungsstoff 63 umgeben und von einem Blechmantel 62 eingeschlossen.
-
[0020] Setzt man die halbe Wellenlänge λ/2 einer Schwingung mit der Segmentlänge 1 nach
den Fig. 1 - 4 gleich, so bestehen die gleichen Dimensionierungsvorschriften für optimale
Dämpfungseigenschaften. Um eine für alle Wellenlängen maximale Dämpfung zu erreichen,
ist es zweckmäßig, einen Dämpfungsstoff 63 zu verwenden, dessen Schubmodul mit der
Frequenz w zunimmt. Viskose Stoffe mit Newton'scher Flüssigkeitsreibung erfüllen diese
Forderung. Der Schubmodul eines solchen Stoffes mit der Zähigkeit
/u hat den Schubmodul G = i G" = i ω µ. ;
[0021] In Fig. 8 ist die Dämpfungseinlage analog zu Fig. 7 durch einen im wesentlichen konventionellen
Baustahlstab 71 gebildet, der filmartig von einem Dämpfungsstoff 73 umgeben ist.
[0022] Dieser besteht aus einem gegenüber Beton beständigen Kunststoff bzw. einer Bitumenschicht.
[0023] Während in den oben genannten Ausführungsbeispielen jeweils streifenförmige Dämpfungseinlagen
beschrieben wurden, stellt die Ausführung nach Fig. 9 ein flächenhaftes Dämpfungselement
dar. Es besteht aus Blechquadraten 81, die durch Kröpfungen 84 gegenüber Zugspannungen
entkoppelt sind. Die Blechquadrate sind mit einem Dämpfungsstoff 83 versehen und befinden
sich an der Unter- oder Oberseite an der zu dämpfenden Wand. Durch Haken 86 ist eine
feste Verbindung gewährleistet. In dieser Form kann das Dämpfungselement als "Antidröhnbelag"
aufgefaßt werden. Die Dimensionierung ist analog zu Fig. 1, wobei sich die Segmentlänge
1 und die Seitenlänge der Blechquadrate 81 entsprechen. -
[0024] Mit entsprechend reduzierten Längen lassen sich neben den quadratischen auch drei-
und sechseckige Grundrißformen der Blechquadrate 81 einsetzen.
[0025] Die Dämpfungseinlagen nach Fig. 1 - 8 werden analog der Baustahlbewehrung in den
Beton mit eingegossen. Für eine Verdoppelung der Eigendämpfung ist dabei ein Bewehrungsgrad
von 1 - 3 %o ausreichend. Die Dämpfungswirkung ist am höchsten, wenn die Dämpfungseinlage
möglichst weit von der neutralen Faser entfernt in den Randpartien und an Spannungskonzentrationen
in Ecken angeordnet werden. Außerdem ist es möglich, die Dämpfungseinlagen - auch
nachträglich - außen anzubringen. Hierbei ist lediglich für eine gute kraftschlüssige
Verbindung Sorge zu tragen.
[0026] Über diese konventionellen Anordnungen hinaus ist in Fig. 10 eine weitere Einbringung
dargestellt. Hierbei wechselt die Dämpfungseinlage,von Ober- zu Unterseite der Wand.
Eine solche Anordnung ergibt höhere Belastungen und damit auch höhere Dämpfungen.
[0027] Herstellungsmäßig am einfachsten ist es, die als Schutz vorgesehenen Ummantelungen
aus Blechstreifen zu bilden und die Enden zusammenzubördeln. Die Bördelnaht kann dabei
gleichzeitig als Formschlußverbindung zwischen Blechmantel und Beton ausgebildet werden.
Dazu kann auch ein spiraliger Umlauf der Bördelnaht vorteilhaft sein. Bei diesem Herstellungsverfahren
ist es auch zweckmäßig, den Dämpfungsstoff an den Blechstreifen aufzutragen.
Bezeichnungsschlüssel:
[0028]
1 Stahlsegment
2 Mantel
3 Dämpfungsstoff
4 Segmentunterbrechung
5 Mantelkröpfungen
6 Sonstiges (Haken Fig. 9)
1. Verfahren und Vorrichtung zur Dämpfung von Bauwerken insbesondere Betonelementen,
dadurch gekennzeichnet, daß Dämpfungseinlagen, bestehend aus Stahlsegmenten (1, 11, 21, 31, 41, 51), die kraftschlüssig
durch Unterbrechungen (4), Einschnitte (14), Bögen (24, 34), Querschnittsverjüngungen
(44, 54) gegeneinander entkoppelt sind, und die filmartig mit einem Dämpfungsstoff
(3, 13, 23, 33, 43, 53) und zum Schutz mit einem Blechmantel (2, 12, 22, 42) umgeben
sind, mit in den Beton eingegossen werden bzw. kraftschlüssig an dem zu dämpfenden
Bauteil angebracht werden.
2.
Dämpfungseinlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Querschnittsfläche
F, die Länge 1, der Umfang U und der Elastizitätsmodul E der Stahlsegmente und Filmdicke
d und Gleitmodul G des Dämpfungsstoffes nach den Optimierungsbedingungen


abgestimmt sind.
3. Dämpfungseinlage nach den Ansprüchen 1 und 2 dadurch gekennzeichnet, daß durchgehende
Stahlstäbe (61, 71) mit einem Dämpfungsfilm (63, 73) umgeben sind, dessen Gleitmodul
entsprechend der Newton'schen Reibungscharakteristik mit zunehmender Schwingungsfrequenz
größer wird.
4. Dämpfungseinlagen nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß bei
Verwendung eines betonbeständigen Dämpfungsstoffes, z. B. Kunststoff und Bitumen die
Schutzummantelung mit einem Blechmantel eingespart wird.
5. Dämpfungseinlagen nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß diese
bevorzugt im Bereich von Spannungskonzentrationen, z. B. Ecken, Randpartien oder auch
wellenförmig von der Ober- zur Unterseite reichend angebracht werden.
6. Dämpfungseinlagen nach den Ansprüchen 1, 2 und 4, dadurch gekennzeichnet, daß eine
Blechfläche durch Kröpfungen (84) in Blechquadrate (81) unterteilt und diese mit Dämpfungsstoff
(83) belegt an dem zu dämpfenden Bauelement angebracht wird.