[0001] Die Erfindung betrifft ein Mittel zur Entschwefelung von Roheisen.
[0002] Es ist bereits bekannt, daß man eine Entschwefelung von Roheisen oder Stahl durch
Zugabe von gebranntem Kalk zu der Eisenschmelze bewirken kann. So wird beispielsweise
bei der Erzeugung von Stahl im Sauerstoff-Aufblaskonverter Kalk zugegeben, um Schwefel
abzubinden.
[0003] Es ist weiterhin bekannt, den gebrannten Kalk in Pulverform einzublasen. Dies geschieht
zum Beispiel im Elektro-Lichtbogenofen, im Sauerstoff-Aufblaskonverter (LDAC-Verfahren)
und im bodenblasenden Konverter (OBM-Verfahren). Beim Einblasen von Kalk in Roheisentransportpfannen
findet man, daß es notwendig ist, eine große Menge Kalk einzublasen um den gewünschten
Entschwefelungseffekt zu erzielen. Weiterhin sind zur pneumatischen Förderung des
Kalks große Mengen Fördergas notwendig (etwa 100 1 Gas pro kg des gebrannten Kalks),
da es sonst zu Verstopfungen, einer Pfropfenbildung und einer ungleichmäßigen pneumatischen
Förderung kommt. Dies ist jedoch unerwünscht, weil dies zum Spritzen und zu Metallauswürfen
aus der Pfanne führt.
[0004] Es besteht daher ein Bedürfnis für ein Entschwefelungsmittel auf der Grundlage von
gebranntem Kalk, das unter Anwendung geringerer Mengen Fördergas, beispielsweise mit
10 N1 Fördergas (10 1 Gas bei Normalbedingungen) pro kg Entschwefelungsmittel, gleichmäßig
gefördert werden kann.
[0005] Die Aufgabe der Erfindung besteht somit darin, ein hochwirksames Entschwefelungsmittel
anzugeben, das mit einer geringeren Menge Fördergases in das zu behandelnde Roheisen
eingeführt werden kann und damit geringere Materialverluste und eine erhebliche Energieeinsparung
durch geringere Abkühlung des zu entschwefelnden Roheisens ermöglicht.
[0006] Diese Aufgabe wird nun durch das erfindungsgemäße Mittel zur Entschwefelung von Roheisen
oder Rohstahl gelöst, das gekennzeichnet ist, durch ein Gemisch aus gebranntem Kalk
(CaO) und Diamidkalk.
[0007] Das erfindungsgemäße Mittel liegt vorzugsweise in Pulverform vor, das man durch Vermahlen
der Bestandteile erhält. Vorzugsweise besitzt das erfindungsgemäße Mittel eine für
die pneumatische Förderung geeignete Teilchengröße.
[0008] Der als Bestandteil des erfindungsgemäßen Mittels verwendete Diamidkalk ist ein chemisch
hergestelltes, gefälltes Calciumcarbonat, das einen Kohlenstoffgehalt von 5 - 40 Gew.-%
aufweist.
[0009] Das erfindungsgemäße Entschwefelungsmittel besteht vorzugsweise aus 50 - 90 Gew.-%,
insbesondere 60 - 85 Gew.-% gebranntem Kalk und 10 - 50 Gew.-%, insbesondere 15 -
40 Gew.-% Diamidkalk. Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform enthält das
erfindungsgemäße Entschwefelungsmittel etwa 40 Gew.-% (= 40
± 3 Gew.-%) Diamidkalk.
[0010] Das erfindungsgemäße Entschwefelungsmittel mit einem Diamidkalkgehalt von etwa 40
Gew.-% (mit einem Kohlenstoffgehalt von 40 - 50 C-ew.-%) ist besonders geeignet für
die Roheisenentschwefelung in Torpedopfannen. Für die Entschwefelung in offenen Roheisen-Transport-
bzw. Charchierpfannen besitzt das erfindungsgemäße Entschwefelungsmittel vorzugsweise
einen Diamidkalkgehalt von 15 - 25 Gew.-%.
[0011] Der in dem erfindungsgemäßen Entschwefelungsmittel enthaltene Diamidkalk besitzt
einen Kohlenstoffgehalt von 5 - 50 Gew.-% und vorzugsweise von 10 - 40 Gew.-%.
[0012] Das erfindungsgemäße Entschwefelungsmittel kann weiterhin kleinere Zusätze üblicher
Hilfsmittel enthalten, beispielsweise einen Flußspatgehalt von bis zu 10 Gew.-%.
[0013] Es hat sich überraschenderweise gezeigt, daß das erfindungsgemäße Entschwefelungsmittel
eine wesentlich geringere Fördergasmenge benötigt als der bislang für den gleichen
Zweck eingesetzte gebrannte Kalk. So läßt sich das erfindungsgemäße Mittel mit einer
Fördergasmenge von lediglich 7 N1 pro kg gleichmäßig fördern. Dabei zersetzt sich
der Calciumcarbonatanteil des Diamidkalks nach seinem Austritt aus der Lanze über
die das Mittel in das zu entschwefelnde Roheisen eingeführt wird, schlagartig und
sorgt dadurch für eine intensive Durchmischung des festen Entschwefelungsmittels mit
der zu behandelnden Eisenschmelze. Dabei entsteht aus dem Calciumcarbonat-Anteil des
Diamidkalks zunächst hochreaktiver, weil frisch gebrannter Kalk (CaO). Dadurch, daß
dieses Gemisch in der Eisenschmelze Gas erzeugt, bilden sich sehr viele kleine Gasblasen
mit sehr geringem Durchmesser. Dies hat zur Folge, daß nur eine sehr geringe Menge
des erfindungsgemäßen Entschwefelungsmittels in relativ großen Blasen suspendiert
und durch die Schmelze gefördert wird, ohne daß das Mittel mit dem Eisen in Kontakt
kommt. Dies ist beim Betrachten der Oberfläche der Eisenschmelze während der Entschwefelungsbehandlung
deutlich zu beobachten. So werden beim Einblasen von gebranntem Kalk in die Eisenschmelzegroße
Blasen des
Förder- gases an die Oberfläche geführt, die dort platzen und große Mengen von feinem,
staubförmigem gebranntem Kalk freisetzen. Dieser Staub muß abgesaugt und mit Hilfe
eines Filters oder eines Gaswäschers aus dem Abgas entfernt werden, was eine erhebliche
Verteuerung der Entschwefelungsbehandlung mit sich bringt. Beim Einblasen des erfindungsgemäßen
Entschwefelungsmittels werden keine großen Blasen an der Oberfläche der Eisenschmelze
freigesetzt und es wird nur eine sehr geringe Staubentwicklung beobachtet.
[0014] Das erfindungsgemäße Entschwefelungsmittel besitzt gegenüber dem herkömmlich eingesetzten
Kalk den erheblichen Vorteil einer wesentlich verbesserten Reaktivität. So ist es
bei Verwendung des erfindungsgemäßen Mittels zur Erzeugung des gleichen Entschwefelungseffektes
überraschenderweise lediglich notwendig, nur etwa die Hälfte der Menge zuzusetzen,
die bei der Behandlung mit gebranntem Kalk notwendig wäre.
[0015] Dieser überraschende Vorteil der wesentlich besseren Reaktivität bzw. des höheren
Wirkungsgrades manifestiert sich auch darin, daß wegen der Verringerung der Menge
des einzublasenden Entschwefelungsmittels eine entsprechend geringere Menge Entschwefelungsschlacke
anfällt. Die Entschwefelungsschlacke enthält stets noch einen hohen Anteil an metallischem
Eisen, der bis zu 50 Gew.-% betragen kann. Dieses in der Entschwefelungsschlacke enthaltende
Eisen geht zunächst aus der Pfanne verloren, kann erst aus der erstarrten Schlacke
wieder unter beträchtlichem Aufwand zurückgewonnen werden. Insbesondere wenn die Schlacke
stärker abkühlt, beispielsweise dann, wenn sie nicht unmittelbar nach der Behandlung
entfernt wird, kann dies auch dazu führen, daß sie zum Teil in dem Behandlungsgefäß
verbleibt, wodurch dessen Transportkapazität für die flüssige Metallschmelze verringert
wird.
[0016] Das folgende Beispiel dient der weiteren Erläuterung des erfindungsgemäßen Mittel
im Vergleich zu dem herkömmlich eingesetzten gebrannten Kalk.
Beispiel
a) Stand der Technik
[0017] In einer Torpedopfanne wurden 160 t Roheisen mit reinem gebranntem Kalk entschwefelt.
Der Anfangsschwefelgehalt des Roheisens betrug 0,042 Gew.-%. Mit Hilfe einer etwa
1,6 m tief in die Schmelze eingetauchten Lanze wurden insgesamt 1760 kg gebrannter
Feinkalk eingeblasen. Um eine einigermaßen gleichmäßige Förderung zu erzielen mußten
120 N1 Fördergas pro kg gebrannten Kalks aufgewandt werden. Durch diese großen Gasmengen
kam es zu heftigen Aufwallungen der Metallschmelze, wobei größere Mengen Metall aus
der Pfanne spritzten. Dabei stiegen aus der Mündung der Pfanne dicke Wolken weißen
Rauches auf. Um das Spritzen nicht zu heftig werden zu lassen konnten pro Minute nur
30 kg gebrannter Kalk mit 3600 N1 Fördergas eingeblasen werden. Der Endschwefelgehalt
des Roheisens betrug 0,018 Gew.-% S.
b) Erfindung
[0018] In der gleichen Anlage wurde anschließend das erfindungsgemäße Mittel, das durch
Vermahlen von 60 Gew.-% gebranntem Kalk und 40 Gew.-% Diamidkalk mit einem Kohlenstoffgehalt
von 20 Gew.-% hergestellt worden war, verwendet, um das gleiche Roheisen zu entschwefeln.
Zur Erzielung der gleichen Entschwefelungswirkung waren lediglich 4,8 kg des Entschwefelungsmittels
pro t Roheisen nötig. Das Gemisch konnte dabei gasarm gefördert werden. Zum gleichmäßigen
störungsfreien Einblasen waren lediglich 7 N1 Fördergas pro kg des Entschwefelungsmittels
notwendig. Die Fördergeschwindigkeit konnte deshalb auf 100 kg pro Minute erhöht werden.
Selbst bei dieser höheren Blasrate waren lediglich 700 N1 Fördergas pro Minute nötig.
Dies entspricht lediglich etwa einem Fünftel der Menge pro Zeiteinheit, die für die
Förderung des gebrannten Kalkes notwendig war. Dabei ergab sich eine entsprechend
geringere Turbulenz der Schmelze. Wenngleich die Pfanne gut gefüllt war, traten keine
Auswürfe auf.
[0019] Ein weiterer Vorteil des lediglich in geringerer Menge einzusetzenden erfindungsgemäßen
Entschwefelungsmittel und der möglichen höheren Fördergeschwindigkeit ist darin zu
sehen, daß die Behandlung der 160 t Roheisen nach etwa 10 Minuten beendet war, während
die Entschwefelungsbehandlung mit gebranntem Kalk praktisch 1 Stunde dauert. Eine
derart lange Zeit steht normalerweise nicht für die Entschwefelung zur Verfügung.
Eine Konsequenz der langwierigen Behandlung unter Anwendung großer Mengen beim Einblasen
von gebranntem Kalk ist weiterhin eine starke Abkühlung der Roheisenschmelze. So sank
die Temperatur der mit gebranntem Kalk entschwefelten Roheisenschmelze um 42°C ab,
während der Temperaturverlust bei der Verwendung des erfindungsgemäßen Entschwefelungsmittels
lediglich 8°C betrug.
[0020] Damit ist ersichtlich, daß das erfindungsgemäße Entschwefelungsmittel im Vergleich
zu dem üblicherweise verwendeten gebrannten Kalk überraschende Vorteile aufweist.
1. Mittel zur Entschwefelung von Roheisen, gekennzeichnet durch ein Gemisch aus gebranntem
Kalk und Diamidkalk.
2. Mittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es aus
50 - 90 Gew.-% gebranntem Kalk und
10 - 50 Gew.-% Diamidkalk
besteht.
3. Mittel nach den Ansprüchen 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß es aus
60 - 85 Gew.-% gebranntem Kalk und
15 - 40 Gew.-% Diamidkalk
besteht.
4. Mittel nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der enthaltene
Diamidkalk einen Kohlenstoffgehalt von 5 - 50 Gew.-% aufweist.
5. Mittel nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der enthaltene Diamidkalk einen
Kohlenstoffgehalt von 10 - 40 Gew.-% aufweist.
6. Mittel nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß es zusätzlich
bis zu 10 Gew.-% Flußspat enthält.
7. Mittel nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß es eine für
die pneumatische Förderung geeignete Teilchengröße aufweist.